Facharbeit 1987: “The impact of Edgar Allan Poe on the work of Howard Phillips Lovecraft”

Neulich herausgekramt: Meine Facharbeit, Leistungskurs Englisch. Getippt auf einem IBM-Computer, grün auf schwarz, ausgedruckt auf einem Typenraddrucker.

Das Original der Facharbeit habe ich natürlich nicht, und auch keine unmittelbare Kopie. Aber eine kleine Weile nach der Facharbeit habe ich für einen Brieffreund die Datei noch einmal ausgedruckt; inzwischen war das “k” am Typenrad schon etwas beschädigt, und einen Ausdruck dieser Version habe ich, nebst der Punkteverteilung durch den Lehrer damals.

Es gab 14 Punkte. Das war okay. Von einem Schüler heute würde ich deutlich mehr verlangen, aber auch dafür sorgen, dass der das auch leisten kann. Ich habe mir damals das Thema alleine gewählt, die Sekundärliteratur alleine herausgesucht (hatte ich eh alle zu Hause) und kann mich an keinerlei Betreuung oder große Ansprüche seitens der Lehrkraft erinnern. Die 14 Punkte gab es dann auch vor allem, denke ich, für das sehr gute Englisch, weniger für den Inhalt.

Der genügt meinen heutigen Ansprüchen an Schülern nicht. Schlampige Bibliographie, Anmerkungen in Klammern im Text statt ordentlicher Fußnoten und eine Neigung zu beiläufig getroffenen, pauschalen Aussagen ohne jeglichen Beleg.

Also: Nicht alles an der Schule wird schlechter. Die Vorbereitung darauf, wie man eine wissenschaftliche Arbeit schreibt, ist im G8 deutlich besser, und war es auch im G9. Ob das Englisch der Schüler besser ist, kann ich nicht beurteilen.

Hier die erste Seite:

facharbeit03

Pretentious, moi? Was für feinziselierte purple prose, oder anders gesagt, welche Liebe zum gewählten Ausdruck:

  • “Both wrote […] tales of mystical realms, both wrought delicate poems”
  • “which leaves its hero bereft of his love”
  • “versed in the way of cosmic monstrosities and all too much aware of the danger”
  • “once they start meddling with the strange affairs delt [sic] with in Lovecraft’s prose”
  • “Who could forget the eerie atmosphere of the House of Usher or the Red Death crashing Prospero’s party?”
    (Dammit, warum habe ich die Alliteration nicht noch mit “Prince Prospero’s party” auf die Spitze getrieben? Die Vokabel “to crash a party” hatte ich übrigens aus dem Lied “You May Be Right” von Billy Joel.)
  • “for who is able to see at first glance that ‘The Golden Bough’ by Frazer is a real book, whereas the ‘Book of Eibon’ is purely fictive?”

Fehlerfrei ist die Arbeit natürlich nicht. Um nur zwei Stellen zu nennen, die mir eben aufgefallen sind:

  • “Whom, among others, he took himself as an example”
  • “Lovecraft profitated from this idea”

Eventuell kommt nächstes Schuljahr ein W‑Seminar zu Horror- und Gruselliteratur zustande, Leitfach Deutsch, aber Lovecraft wird sicher auch dabei sein. So wie Novellen der Romantik, Computer- und Rollenspiele auch.

10 Antworten auf „Facharbeit 1987: “The impact of Edgar Allan Poe on the work of Howard Phillips Lovecraft”“

  1. Für mich und meine Facharbeit kann ich auch sagen, das Niveau war damals nicht höher als heute.
    Die Benotung war nicht strenger, ganz im Gegenteil.
    Wir habe oft Blau gemacht. In der Oberstufe. Bei uns war es ziemlich locker.

    Dieses Gejammer im Kollegium, dass heute alles vom Niveau gesunken wäre und zu viele Schüler nicht gymnasialfähig wären, kann ich nicht bestätigen.

  2. Stimmt – wer sagt, dass alles im Niveau gesunken, ist, dem kann ich auch nicht beipflichten. Andererseits sagt das auch keiner, den ich ernst nehme; die meisten meiner kritischen Kollegen drücken sich differenzierter aus. Manches ist im Niveau gesunken, anderes nicht.

    Ich habe auch blau gemacht, nicht oft, aber doch gelegentlich. Wir hatten mehr Freiheiten, das war schön. Abwesende Schüler wurden nicht akribisch verfolgt, nicht so viele unterschriebene Zettel eingesammelt.

    “Die Benotung war nicht strenger?” Na, als jemand mit einem erstklassigen Abitur betrachte ich das doch eher als verdient. Aufsätze aus meiner Gymnasialzeit habe ich keine mehr, aber aus der Grundschule, und die sind schon ziemlich verdammt gut, auch mit heutigen Texten verglichen.

  3. … “jemand mit erstklassigem Abitur”, “verdient” (wohlgemerkt!), der schon in der Grundschule verdammt gute Aufsätze geschrieben hat? Huch , lieber (bisher sehr symphatischer) Herr Rau – ist das Ironie in Bezug auf das allgegenwärtige Leistungsprinzip in unserer Gesellschaft und Schulwelt oder eine beginnende midlife crisis?

    Schöne Grüße

  4. Also, ironisch war das jedenfalls nicht gemeint. Mein Gedankengang war eher so: Wenn die Benotung damals leichter war, dann kann ich mir auf meine guten Noten ja nichts einbilden. Also ist es für mich schöner, davon auszugehen, dass die Benotung früher nicht milder war. Ob das korrekt ist, ist für mich schwer zu beurteilen, weil aus meiner Gymnasialzeit keine Aufsätze erhalten sind, die ich zum Vergleich heranziehen könnte. Aufsätze habe ich nur aus meiner Grundschulzeit, und die finde ich heute noch sehr gut.

    Ist das schon die Midlife Crisis? Kann aber schon sein, dass ich gerade ein wenig grantig bin.

  5. Aaaaaaaaawwwwww…süß, wie man versucht, mit 18 zu schreiben wie eine Mischung aus John Donne und Oscar Wilde, was?

  6. Ah, wie schön, noch ein Lovecraft “Connoisseur”…
    Schade, dass ich schon so viele Jahre diesen Blog verpasst habe, wusste nur von JochenEnglish. Werde jetzt fleißig mitlesen.
    Liebe Grüße,

    Mitbloggerin Charlotte

  7. “for who is able to see at first glance that ‘The Golden Bough’ by Frazer is a real book, whereas the ‘Book of Eibon’ is purely fictive?”

    Who indeed?

    Ich will hier – Hand aufs Herz – nicht als Besserwisser rüberkommen, sondern es interessiert mich wirklich: müsste es nicht heißen “fictitious”? Das OALD kann mit “fictive” gar nix anfangen.

  8. Ich hatte mir das auch gedacht – vor ein paar Tagen, nicht 1987 – und nachgeschlagen. “Fictive” gibt es schon auch, und kann wie “fictitious” verwendet werden. Es ist aber seltener und wird wohl eher wie ein “erfunden” verwendet, das sich nicht auf speziell Fiktion bezieht. Vielleicht eher “aus der Luft gegeriffen”?

    Materialsammlung: http://www.thefreedictionary.com/fictive

    Heute würde ich eher fictitious schreiben.

  9. “… “jemand mit erstklassigem Abitur”, “verdient” (wohlgemerkt!), der schon in der Grundschule verdammt gute Aufsätze geschrieben hat? Huch , …”
    Wohl noch nie was vom bayerischen Grundschulabitur gehört? Damit kann man in der Regel das Gymnasium in anderen Bundesländern direkt überspringen und sofort studieren. :)

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