Wolf Haas. Brennerova

haas_brennerova Von Wolf Haas lese ich alles. Am meisten freue ich mich darüber, wenn es kein Krimi vom Brenner ist, aber zur Not nehme ich auch den, das lohnt sich auch immer.

Brennerova ist schwärzer, als ich die früheren Brenner-Krimis in Erinnerung habe. Dort ging es jeweils um Nebenerwerbsverbrecher sozusagen, die Hauptsächlich dann doch in anderen Branchen tätig waren. Hier gibt es dagegen gleich die richtig bösen Jungs. Und der Brenner, der kommt mir mehr wie ein richtiger Detektiv vor – vielleicht liegt das nur daran, dass der Brenner bald von einer faszinierenden Frau den Auftrag kriegt, ihre kleine Schwester zu suchen, die im Sündenbabel verloren gegangen ist. Bei kleinen Schwestern denke ich doch immer gleich an Raymond Chandlers Die kleine Schwester, den fünften Roman um den Privatdetektiv Philip Marlowe.

Außerdem hat der Brenner jetzt so etwas wie eine Sekretärin, so wie Sam Spade (Effie Perrine) und Perry Mason (Della Street). Nicht in dem Sinn, dass er überhaupt arbeitet, oder ihr ein Gehalt zahlt, aber doch so, dass sie ihn immer wieder dazu überredet, einen Fall anzunehmen, den er sonst vielleicht abgelehnt hätte.

Die Handlung ist etwas weit hergeholt, aber das stört mich nicht. Fährt der Brenner halt mal schnell nach Moskau und anderswohin. Sonst sage ich mal nichts dazu. Ein paar schön schräge Szenen gibt es, und ein Ochsenbild direkt aus dem Zen-Buddhismus – aber vielleicht ist das Tier auch nur für ein wirklich kalauerndes Wortspiel ganz zum Schluss da.

6 Antworten auf „Wolf Haas. Brennerova“

  1. Ich kannte weder den Schriftsteller noch die “Brenner”-Reihe, bis ich neulich bei “Mensch Otto” ein Interview mit Wolf Haas gehört habe (auch auf der Mensch Otto-Seite zu finden, wenn man zum 25.09. ‘runterscrollt). Jetzt bin ich neugierig geworden… kannst Du eines seiner Bücher besonders empfehlen?

  2. Ich habe als besten Brenner-Krimi “Das ewige Leben” in Erinnerung, aber das sollte aus Gründen nicht der erste sein, den man liest. Eher einer der früheren, vielleicht “Komm, süßer Tod” oder “Silentium!” Mein Lieblingsbuch ist kein Krimi, sondern “Das Wetter vor 15 Jahren”, weil es von der Form her überrascht und eine schöne Liebesgeschichte ist.

  3. Vielen Dank für die Tipps, Thomas! Ich fange dann mal mit einem der frühen Krimis an und arbeite mich dann weiter durch. :-)

  4. Update: Den ersten “Brenner” hab ich begeistert in einem Zug gelesen. Jetzt bin ich infiziert und werde mich wohl bis zu “Brennerova” weiter durcharbeiten. “Das Wetter vor 15 Jahren” klingt aber auch interessant…
    Vielen Dank nochmal für den Tipp! Herrlich, wenn man so einen Autor bzw. eine Serie kennenlernt, von dem/der man noch nie vorher gehört hat… :-)

  5. > Herrlich, wenn man so einen Autor bzw. eine Serie kennenlernt, von dem/der man noch nie vorher gehört hat… :-)

    Das Gefühl kenne ich. Als schnöseliger Teenager dachte ich mal kurz, ja, jetzt kenne ich bald alle guten Autoren, schade, dass es nicht noch mehr gibt. Ha!

  6. > ” jetzt kenne ich bald alle guten Autoren”

    Ha ha! Der ist echt gut! Wenn Du für Krimis mit etwas eigenwilligen Kriminalisten was übrig hast, empfehle ich Dir übrigens die Eifel-Krimis von Jacques Berndorf (Pseudonym des Journalisten Michael Preute), falls Du die noch nicht kennst. Generell bin ich kein großer Krimifan, aber die Bücher – inzwischen sind es über 20 – muss ich immer schnellstmöglich lesen. Vielleicht hängt es zum Teil damit zusammen, dass wir einige Jahre in der Eifel oder in der Nähe davon gewohnt haben, aber ich kenne genug Leute, die die Eifel-Krimis auch lieben, obwohl sie in Norddeutschland oder sonstwo leben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.