Historische Lehrpläne (Bayern)

Das waren die Lehrpläne am bayerischen Gymnasium, die ich miterlebt habe:

Fettgedruckt in der rechten Spalte heißt: Abiturjahrgang. Im Schuljahr 2024/25 gibt es gar keinen*, im Jahr 2010/11 gab es zwei davon. Die mit x markierten Zellen am Anfang sind meine eigene Schulzeit; die fett und kursiv markierten Zellen in den Jahren 1995-1998 sind meine Referendariatszeit und die Jahrgangsstufen, die ich da unterrichtete – zum Teil eben wohl noch nach dem alten curricularen Lehrplan meiner Jugend.

*Nachtrag: Auf Twitter bin ich auf den Schulversuch „Mittelstufe Plus“ hingewiesen worden, den es 2015/16 und 2016/17 gab. Die Schüler und Schülerinnen, die daran teilnehmen, haben 9 Jahre Zeit für den G8-Lehrplan, und deren zweite Hälfte macht dann tatsächlich am Ende des Schuljahrs 2024/25 Abitur.

1) Der curriculare Lehrplan
Beginn 5. Jahrgangsstufe: 1974? 1976?

Das war der Lehrplan meiner eigenen Schulzeit. Und das war der Lehrplan, von dem ich im Referendariat noch die letzten Reste mitgekriegt habe. Nach und nach kamen bis 1988 immer wieder verschiedene Ergänzungen heraus, insgesamt „über 4500 Druckseiten“ (E. Happ, „Ein neuer Lehrplan für das Gymnasium.“ In: Staatsinstitut für Schulpädagogik und Bildungsforschung München: Jahresbericht 1989. München 1990, S. 8. – Zitiert nach: Hans Jürgen Apel, Lehrplan- und Curriculum-Entwicklung in Bayern (1950-1991). München 1991, S. 96.)

Lehrer und Lehrerinnen meiner Generation erinnern sich noch dunkel an diesen Lehrplan. Er war damals revolutionär, nämlich curricular, wurde aber wohl auch als lästig und kleinschrittig wahrgenommen. Das herausragendste Merkmal: Er war vierspaltig, unterteilt nach: Lernziele (in Form von Grobzielen), Lerninhalte, Unterrichtsverfahren, Lernzielkontrollen. Lernziele waren damals etwas Neues.

(Screenshot leicht bearbeitet)

Diese 4500 Druckseiten gibt es leider online nicht. Das Comenius-Projekt der LMU München sammelt bayerische Lehrpläne aus dem 19. und 20. Jahrhundert, vorerst aber mit dem Schwerpunkt Geschichte und Sozialkunde – zu anderen Fächern gibt es noch nichts. An meiner Schule habe ich bisher nur Lehrpläne für Biologie und Chemie auftreiben können und präsentiere sie hier stolz als liebevoll eingescannten Internet-Erstauftritt samt Vorvorgängers-Annotationen. (Ich habe sie nicht alle durchgesehen beim Scannen – hoffentlich sind die gelegentlichen Kommentare alle für die Öffentlichkeit geeignet.)

An sich müssten aber in alten Amtsblättern tief unten im Archiv auch noch die Lehrpläne der anderen Fächer sein. Laut LMU-Bibliothekskatalog gibt es Papierausgaben da und dort in einzelnen Institutsbibliotheken, aber wer will sich schon mit Papier herumschlagen? Ich habe auch schon das ISB angeschrieben, aber die haben auch nichts digital. Mich würde interessieren, ob ich Elemente daraus wiedererkenne in dem Unterricht, den ich als Schüler genossen habe. Falls also irgendwer eine Quelle insbesondere für Deutsch oder Englisch hat, ich wäre sehr interessiert.

Wurde nach diesen Lehrplänen wirklich bis ins Jahr 2000 geprüft? Da müssten die letzten Abitur gemacht haben. Ich habe mir das hochgerechnet, weil 1992/93 der Nachfolgelehrplan in Kraft trat, und – vermute ich jedenfalls – von unten nach oben aufgebaut wurde. Oder wurde gar die Oberstufe komplett auf einmal ausgewechselt?

2) Das klassische neunjährige Gymnasium
Beginn 5. Jahrgangsstufe: 1992/93

Diese Lehrpläne gibt es online:
https://www.isb.bayern.de/gymnasium/lehrplan/archiv/

Sie waren nicht mehr vierspaltig, sondern letztlich einspaltig nach inhaltlichen Gebieten sortiert. In Englisch etwa:

  1. Sprache (Lautlehre, Wortschatz, Grammatische Strukturen, Sprachbetrachtung)
  2. Texte (Textarten, Wichtige Verfahren der Texterschließung und -erstellung)
  3. Landeskunde (…)

Zu jedem Oberpunkt gab es einen zusammenfassenden Text, danach Details zu den Unterpunkten:

In Deutsch musste man auswendig lernen:

Einige Gedichte, darunter mindestens drei aus dem „Verzeichnis der Lieder und Gedichte“ , sind von den Schülern zu erlernen und auswendig vorzutragen.

Auch in den Folgelehrplänen ist der freie Vortrag von Gedichten enthalten, aber ohne Mindestzahl und ohne kanonische Sammlung. Dieses Verzeichnis stand im „Erlaß des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus vom 6. Mai 1985″ (KMBl I, Nr. 9/1985, S. 74)“, online natürlich nicht zu finden, und den Lehrern und Lehrerinnen eh nur als separat zu erwerbendes Klett-Büchlein (1986) bekannt. Die Auswahl darin ist gut.

2 (Variante) Schulversuch Europäisches Gymnasium I-III
Beginn 5. Jahrgangsstufe: 1999/2000 (neunjährig)

Eigentlich hat der Schulversuch schon früher begonnen, wurde dann aber ausgeweitet. Dieser Versuch war gut, jedenfalls hatten wir mindestens zwei tolle Jahrgänge mit sehr interessierten und begabten Schülern und Schülerinnen, als wir da mitmachten. Es gab Informatik in den Jahrgangsstufen 6, 10 und 11. Ich habe zweimal die 10. Klasse unterrichtet, und inzwischen weiß ich, dass es dafür einen Lehrplan gab – ich bin mir aber nicht sicher, dass irgendwer an meiner Schule den kannte. Es gab bereits wackelige Computerräume, aber wenig Software, man hat mit Word und Paint und Robot Karol gearbeitet, nach einem Blitzeinschlag auch ein halbes Jahr ganz ohne Rechner.

Ein Merkmal des Europäischen Gymnasiums Typ III (vielleicht auch der anderen Typen) war das umfangreiche Wahlpflichtprogramm in der Mittelstufe. Als Wahlfach konnte so ziemlich jeder Wahlunterricht gezählt werden und jeder, auch private, Sport- oder Musikunterricht. Das führte dazu, dass man den Vereins-Eishockey-Übungsleitern hinterhertelefonieren musste, dass die ihre Noten abgaben fürs Zeugnis der Schüler und Schülerinnen mit Wahlpflichtfach „Sport (extern)“. Es dürften wohl viele 1er dabei gewesen sein. Manche dieser Übungsleiter waren selber noch Schüler, auch bei uns.

3a) Der erste abgebrochene Lehrplan
Beginn 5. Jahrgangsstufe: 2003/04 (neunjährig)

Dieser Lehrplan ist verschollen. Ich glaube, es gab ihn als Loseblattsammlung in einem Ordner, und jeder Lehrer und jede Lehrerin am Gymnasium bekam so einen Ordner. Das war ein Fortschritt, vorher gab es pro Schule und Fach immer nur wenige Ausgaben. Jedes Jahr sollten neue Blätter hinzukommen. Online war nichts, soweit ich mich erinnere. Mit diesem Lehrplan wurde das Fach Informatik eingeführt, an allen Zweigen ein bisschen und im naturwissenschaftlich orientierten Zweig in den Jahrgangsstufen 6-11, glaube ich. Aber daraus wurde nichts, noch während der 5. Jahrgangsstufe wurde das achtjährige Gymnasium beschlossen und Stoff und Stunden mussten zusammengestrichen werden auf acht Jahre.

3b) Fortführung als
achtjähriges Gymnasium
Beginn 5. Jahrgangsstufe: 2003/04 (achtjährig)

Ist online hier, noch:
http://www.isb-gym8-lehrplan.de

Das war das klassische achtjährige Gymnasium. Informatik in 6 und 7 für alle (im Rahmen der Mogelpackung Natur und Technik), in 9 und 10 nur für den jetzt naturwissenschaftlich-technologisch genannten Zweig. Nicht in 8. Vielleicht wurde der Loseblatt-Ordner ergänzt, aber das weiß keiner mehr – inzwischen war das Web auch in der Schule angekommen, der Lehrplan war jetzt online. Weil es immer wieder Klagen über Schulstress und Stofffülle gab, wurde auch hier nachgebessert, eine Stunde in Englisch in der 7. Jahrgangsstufe wurde gestrichen und durch Intensivierungsstunden ersetzt – frage nicht. Die Intensivierungsstunden waren das Herz des achtjährigen Gymnasiums und stellten sich als wenig sinnvoll heraus.

Der Lehrplan für das achtjährige Gymnasium war ähnlich aufgebaut wie der Vorgänger, nur sprachlich deutlich knapper, mit wesentlich weniger Details. Hier wieder Englisch 7:

Man sieht, es gibt inzwischen keine Anzahl an Vokabeln mehr im Lehrplan; bei G9 7. Klasse waren es noch 500 Einheiten gewesen.

4a) Der zweite abgebrochener Lehrplan
LehrplanPlus achtjährig
Beginn 5. Jahrgangsstufe: 2017

Diesmal wollten sie alles richtig machen: Weil der Lehrplan zuvor so plötzlich, also mitten im Schuljahr, eingeführt wurde, und beim G8 auch so alles drunter und drüber ging, gab es zum achtjährigen LehrplanPlus einen langen Vorlauf an verpflichtenden Fortbildungen für die Fachbetreuungen und Aufklärungsarbeit. Schreibprogramme sollten wir entwickeln für den Deutschunterricht. Aber weh, als dann der LehrplanPlus fürs achtjährige Gymnasium stand, zumindest für die ersten Jahre, und als die Fünftklässler und -klässlerinnen so richtig am Fünftklässeln waren, da hieß es: zurück zum neunjährigen Gymnasium, wir machen den LehrplanPlus neu. Und so ist auch dieser Lehrplan verschollen. Und unser Schreibprogramm überholt, bevor es je zum Einsatz kam. Inzwischen rät das ISB: Schreibprogramm von unten Aufbauen, ohne darauf zu achten, was später kommen mag – weil wer kann das schon wissen?

4b) Fortführung als
LehrplanPlus neunjährig
Beginn 5. Jahrgangsstufe: 2017

Das ist der aktuelle Lehrplan, ist online noch hier:
https://www.lehrplanplus.bayern.de/schulart/gymnasium/inhalt/fachlehrplaene
(Es wäre nicht das erste Mal, dass mein Blog länger hält als diese Links.)

Kennzeichnend: Bei dem Fächern, für die es KMK-Bildungsstandards gibt, also etwa Deutsch, Englisch, Mathematik, gibt es nur eine Überschrift pro Teilbereich, nämlich „Kompetenzerwartungen und Inhalte“ . Für die anderen Fächer, etwa Informatik, Natur und Technik, Physik, – trennt der Lehrplan „Kompetenzerwartungen“ und „Inhalte“. Ich weiß nicht, ob es dafür eine didaktische Begründung gibt. Von den Formulierungen her unterscheidet sich dieser Lehrplan, den manche kompetenzorientiert nennen, nicht wirklich von seinen Vorgängern.

Hier wieder ein Ausschnitt aus Englisch 7:

Es gibt weiterhin keine Anzahl an Vokabeln mehr im Lehrplan; bei G9 7. Klasse waren es noch 500 Einheiten gewesen. Beim aktuellen Englischbuch habe ich 658 Vokabeln gezählt, worüber es einen eigenen Blogeintrag geben wird – es gibt sicher Vorgaben des Kultusministeriums für die Schulbuchverlage, aber nichts Öffentliches.

Neben dem Lehrplan gibt es nämlich noch den inoffiziellen Lehrplan – das Lehrwerk, also Schulbuch. Deutschlehrer und -lehrerinnen waren früher berüchtigt dafür, und stoz darauf, wenig mit dem Buch zu arbeiten. Ich gehe in allen meinen Fächern gerne frei mit dem Buch um, mache viel damit, anderes ohne – Informatik 7 und 10 ohne, 9 und 11 mit Buch zum Beispiel. In Englisch vor der Oberstufe ist man besonders auf Bücher angewiesen – da verlassen sich die Lehrer und Lehrerinnen der Folgejahre darauf, dass die Vokabeln gemacht worden sind.

Zum aktuellen Siebtklassbuch Englisch an meiner Schule gibt es einen dicken Ordner mit Anweisungen und Anleitungen für die Lehrkraft, online einen detaillierten Stoffverteilungsplan, da ist jede einzelne Stunde durchexerziert – viel, viel detaillierter als in jenem seligen curricularen Lehrplan oben. Ohne Luft für Lektüren oder Eigenes. War das schon immer so? Ich habe noch nie mit Lehrerbänden oder so etwas gearbeitet. Wenn das so kleinschrittig geht, dann brauche ich nur noch Classroom-Management- und Prüfungskompetenzen, der Rest ist programmiert.

Die Zukunft

Einen mache ich noch mit. Der tritt dann vielleicht 2026 oder 2027 in Kraft, hoffentlich mein letzter. Vermutlich wird er weiterhin „LehrplanPlus“ heißen, weil man aus diesem Namen nicht mehr herauskommt – „LehrplanDoppelplus“ wäre zu albern. Dann fällt auch nicht auf, dass das ein neuer Lehrplan ist; „kontinuierliche Anpassung und Verbesserung“ nennt man das dort wohl; kein plumper statischer Lehrplan mehr wie früher.

Insgesamt trete ich neuen Lehrplänen mit Interesse und Neugier, aber nicht mehr mit dem erwarteten Enthusiasmus gegenüber.

9 Antworten auf „Historische Lehrpläne (Bayern)“

  1. Ein wirklich interessanter Artikel! Deiner Tabelle entnehme ich, dass es es zum Schuljahr 1976/77, als ich in die 5. Klasse kam, zwar einen neuen Lehrplan gab, unsere Schulbücher aber gefühlt aus der Antike stammten. Es war das rote Learning English mit dem Soldaten vorne drauf und war 1967 erschienen. Als ich 1996 meine Planstelle antrat, war der ‚neue’ Lehrplan auch schon ein paar Jahre alt, aber wir mussten immer noch mit alten Büchern arbeiten, die nicht wirklich zum Lehrplan passten. Seltsamerweise gab es bei den letzten beiden Lehrplanumstellungen sofort auch gleich neue Lehrwerke.
    Ein Vergleich von Englischwerken wäre auch ein tolles Thema. Wir hatten weder ein Workbook noch wirklich vielfältiges Übungsmaterial (ein Beispiel: Unit 5 im ersten Lernjahr hatte 12 Übungen. Insgesamt gab es 11 Units). Aber wir haben viel gesungen und jeder Unittext wurde gespielt. Dafür bleibt bei dem vollgestopften neuen Lehrbuch leider kaum Zeit.

  2. Der letzte Satz <3

    Ich unterrichte in BaWü an einer der 44 "Modellschulen", die G9 anbieten dürfen – aber, da G9 als "Schulversuch" eingeführt wurde, zum Vergleich noch Parallelklassen mit G8 haben müssen.
    2016 gab es einen Bildungsplanwechsel, das heißt: Wir unterrichten z.Zt. nach 4 (in Worten: vier!) verschiedenen Schulcurricula; der Bildungsplan von 2004 wird erst im Sommer 2021 rausgewachsen sein.

    Außerdem gilt seit diesem Schuljahr die "Weiterentwicklung der gymnasialen Oberstufe".
    Spätestens damit ist klar, dass der "Schulversuch" mit parallelem G8/9 rein politisch gewollt und Augenwischerei war: Das Abiturergebnis des ersten G9-Jahrgangs (gerade in die Kursstufe gekommen) ist nun nicht mehr vergleichbar mit einem Ergebnis eines alten, 'reinen' G8-Jahrgangs.

  3. Ich hatte wenige Jahre später, 1978/79, auch das rote Englischbuch mit dem Soldaten vorne drauf, Learning English A1 – hier habe ich darüber geschrieben, wie ich darin gemalt habe:
    https://www.herr-rau.de/wordpress/2004/05/englisch-5-klasse.htm
    Die Pattern-Drill-Übungen darin finde ich gar nicht so schlecht. Ein Vergleich von Englischbüchern wäre ganz sicher interessant. Art der Übungen in der Unterstufe, Textauswahl in der Oberstufe. Ich finde es auch ganz schlimm, dass das aktuelle Buch so vollgestopft ist.

    Vier Lehrpläne gleichzeitig klingt furchtbar. Das wirkt so… beliebig. Gar nicht vorstellen kann ich mir, wie das in anderen Ländern läuft (NRW?), wo die Schulen sich selber die Bildungspläne erstellen sollen nach groben Richtlinien.

  4. Naja, Lehrpläne (in BaWü: Bildungspläne) sind es nur zwei, gültig für die Norm = G8. Aber als G9-Schule haben wir an intensiven Pädagogischen Tagen daraus entsprechende Schulcurricula für die G9 formuliert, d.h. wie wird der Inhalt auf die nun 9 Jahre und die entsprechend veränderten Stundentafeln verteilt? (Und wie passt das dann zu den G8-Schulbüchern? Spoiler: Oft gar nicht, so dass eine Unit des alten Buchs, was die Sch. ja abgeben, kopiert und erst im folgenden Schuljahr behandelt wird). Mühsam.

  5. Das mit den Lehrbüchern ist so eine Sache. Als das G8 in Bayern oktroyiert wurde, mussten natürlich – aber sofort! – neue Lehrbücher her. Denn es war zu beweisen, dass das G8 auch funktioniert. Ähnliches gilt auch für das neue G9. Die Lehrbuch-Verlage lassen sich das auch nicht zweimal sagen. Schließlich ist ein neuer Lehrplan in einem Land mit großzügiger Lernmittelfreiheit fast eine Lizenz zum Gelddrucken.

    Solange Herrn Raus und meine Schule noch von einem knausrigen städtischen Sachaufwandsträger bedacht wurde und nicht vom Landkreis finanziert, wurde das Gymnasium an sehr kurzer Leine gehalten. Bei meinem Dienstantritt an dieser Schule im Jahr 2000 gab es reliktische Bestände aus den 70er Jahren, z.B. in Deutsch, da der Schulleiter seinerzeit ein Deutschbuch mitverfasst hatte (Grundkursbücher des bsv) . Die Lateinbücher waren noch exakt dieselben, die in meiner Schulzeit verwendet worden waren (Cursus Latinus). Die Namenseinträge der Schüler waren mir vertraut, weil ich die Spezln in meiner Schulzeit gekannt habe. Zugegeben: die lateinische Grammatik hat sich in den letzten 2000 Jahren nicht geändert, aber die Bücher waren zuletzt vor allem ein Hygiene-Problem.

    Als Nicht-Englischlehrer wünsche ich mir dringend die Inhalte mancher alten „Learning English“ – Bände zurück. Aus dem Englischbuch wissen meine Schüler praktisch nix zur Landeskunde oder Geschichte Großbritanniens. Angeblich können sie dafür jetzt viel besser Englisch. Vor allem die Aussprache soll sich verbessert haben… In EU-Austrittszeiten wäre es aber vielleicht nützlich, etwas über die Wurzeln der britischen Brexit-Illusionen zu wissen.

  6. Danke für den historischen Überblick über die Lehrpläne. Vor allem den alten curricularen, den ich nur als Schüler miterlebt habe. An meine rSeminarschule hatten wir sogar den Versuch mit dem europäischen Gymnasium, aber dort war der Versuch schon länger gelaufen. Meine ersten Stunden hatte ich 1999 in einer 11. Klasse des europäischen Zweigs gehalten. An meiner jetzigen Schule hatten wir als Versuch auch noch das Landtagsmodell, wo im sprachlichen Zweig Chemie schon in der 10. Klasse eingesetzt hatte. War an sich ein schöner Lehrplan, der aber mit dem G8 auch in der Versenkung verschwand.

  7. Zum Fach Englisch: Es wird sich hoffentlich keiner der Lehrplan- oder Lehrbuchautoren mit der im Vergleich zu früheren Schülergenerationen besseren Sprachbeherrschung der aktuellen Schülergeneration schmücken wollen. Ohne es beweisen zu können, glaube ich doch, dass die nichtcurricularen Weiten des Internets und die insgesamt stärkere Präsenz des Englischen in der heutigen Lebenswirklichkeit das bewirkt haben.

  8. Mein Kommentar in Bezug auf die alten „Learning Englisch“-Bücher zielt schon auch darauf ab, was da eigentlich inhaltlich transportiert wird. Natürlich ist das damit vermittelte Geschichtsbild (Männer machen Geschichte: Sir Francis Drake, Winston Churchill und Co. nur gelegentlich dazwischen mal eine Florence Nightingale…) längst überholt, trotzdem fehlt mir beim Blick über den Fächerzaun eine landeskundliche Wissensstruktur, an die anderes, auch aus anderen Fächern, anknüpfen könnte. Das Internet als Quelle ist allzu beliebig, und wer schaut schon wirklich nach?

  9. Ich glaube, dass das Sprechen und Hörverstehen der heutigen Schüler und Schülerinnen besser ist als zu früheren Lehrplangenerationen (etwa: klassisches G9). Dazu trägt sicher auch das Internet/Netflix und so weiter etwas bei – in Ländern mit weniger synchronisierten Filmen war das Englisch immer schon besser, und da hört Deutschland erst sehr langsam auf. Aber ich glaube auch, dass die Lehrpläne ein wenig etwas zu tun haben – es gibt mündliche Schulaufgaben und viel mehr Hörverstehensaufgaben, auch in Prüfungen. Was ausschlaggebend dabei ist, weiß ich nicht. Die schriftlichen Fähigkeiten sind schlechter als früher, das deutet darauf hin, dass die Schule zumindest Einfluss hat (nämlich weniger als früher, auch durch Umstände).

    Ich habe jedenfalls viel gelernt aus der Lektüre meiner Englischbücher (gerne auch mal in anderen Fächern, aus Langeweile). Die Bücher heute sind schon auch enorm voll mit Wissen. Aber es ist keines, das bei mir hängen bleibt – zu wenig anekdotisch? Zu bunt? Oder weiß ich zu viel? Aber vielleicht ist das bei den Schülern und Schülerinnen anders.

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