Grammatik 2

Interessante Grammatik-Arten sind die generative (Transformations-)Grammatik (vor allem für Informatiker interessant) und die Valenzgrammatik. Mit letzterer habe ich Anfang des Schuljahres in der 9. Klasse Grammatik wiederholt. Das ist inzwischen zusätzlich interessant, da die Schüler dann den Begriff der Valenz schon aus der Chemie kennen. Alle meine Ausführungen dazu sind übrigens laienhaft. Ich bin auch schon mehr als ein dutzend Jahre aus der Uni raus. Zentral für den Satz ist das Prädikat. Das darin benutzte Verb hat eine bestimmte Valenz – streckt quasi eine bestimmte Anzahl von Händchen nach bestimmten anderen Satzgliedern aus, die es gerne hätte. Für die Schule … Continue reading „Grammatik 2“

Grammatik 1

Ich mag Grammatik. Für mich gehört sie außerdem aus mindestens drei Gründen ins Gymnasium: Als Dienstleistung für die Fremdsprachen. Der Englischlehrer tut sich viel leichter, wenn die Schüler bereits wissen, was ein Subjekt oder was ein finites Verb ist. (Ersteres wissen sie. Letzteres nicht.) Als Mittel, um bessere Texte erstellen zu können beziehungsweise als Analyseinstrument, um die Wirkung von Texten beschreiben und begründen zu können. Die Wirkung des Anfangs der folgenden Geschichte beruht – neben einem anderen offensichtlichen Merkmal – auch auf dem Satzbau: Wild zuckt der Blitz. In fahlem Lichte steht ein Turm. Der Donner rollt. Ein Reiter kämpft … Continue reading „Grammatik 1“

Lesbarkeitsindizes

Synchronizität: Lese gerade im BildungsBlog von www.seittest.de. Dort kann man automatisiert Webseiten bewerten lassen. Für www.herr-rau.de/wordpress sieht die Zusammenfassung dann so aus: Inhaltliche Prüfung (50%): gut (Die Inhalte sind sachlich und von guter Qualität.) SPAM-Prüfung (25%): sehr gut (Kaum Werbung und keine Belästigung durch SPAM.) Autorität (25%): ungenügend (Die Seite wird von nur sehr wenigen vorbildlichen Webpseiten [sic] empfohlen.) Nu, wie sinnvoll das ist, darüber mache ich mir nicht viele Gedanken. Immerhin: Inhalte von guter Qualität. Interessanter sind die Details der Auswertung: Sprach-Niveau: sehr hoch Rechtschreibfehler: 0 (0%) Für die wenigen Rechtschreibfehler kriege ich immerhin 3 von 3 Punkten. Am … Continue reading „Lesbarkeitsindizes“

Reden (und Interviews)

In der 9. Klasse Deutsch wird dieses Jahr die erste Schulaufgabe eine Rede sein – eine verkappte Erörterung eigentlich, aber halt eine mit einem Adressaten, eingebettet in eine Situation, wenn auch beides nur fiktiv. Argumentieren müssen die Schüler in einer Rede schließlich auch, und das ist das Wichtigste, das sie bei der Erörterung lernen. Das Schulbuch unterscheidet zwischen Reden mit Informations- und Appellcharakter sowie Reden zu einem gegeben feierlichen Anlass. Ein Beispiel darin ist eine Scherzrede von Loriot zum Thema „Spenden für notleidende Vampire“. Nach diesem Vorbild sollten die Schüler erst einmal eine ähnliche Rede schreiben – mit dem Computer … Continue reading „Reden (und Interviews)“

Franz Kafka, Auf der Galerie

Sehr schöner Schultag heute. Vier Stunden, drei Klassen, alle haben mir Spaß gemacht, bei allen glaube ich, dass die Schüler etwas gelernt haben (aber das glaubt man ohnehin zu oft) – und zu jeder Stunde will ich etwas bloggen. Habe aber keine Zeit vor lauter Zeug, das ich machen will. Deshalb nur kurz noch etwas von letzter Woche. Deutsch, 9. Klasse, zum Anwärmen und Kennenlernen: Wiederholung von Wortarten und Satzgliedern an folgender Kafka-Parabel als Beispiel. Auf der Galerie Wenn irgendeine hinfällige, lungensüchtige Kunstreiterin in der Manege auf schwankendem Pferd vor einem unermüdlichen Publikum vom peitschenschwingenden erbarmungslosen Chef monatelang ohne Unterbrechung … Continue reading „Franz Kafka, Auf der Galerie“

Erste Woche

Erste Schulwoche. Ich probiere gerade mein zweites Notenverwaltungsprogramm auf dem PDA aus, das ideale habe ich noch nicht gefunden. Mit dem aktuellen kann ich zusammen mit den Noten auch Portraitfotos meiner Schüler anzeigen lassen. Das ist lustig, macht aber wohl zuviel Arbeit, wenn man sieben oder mehr neue Klassen kriegt wie ich letztes Jahr. Dafür gibt es keinen Zufallsgenerator mehr – der hat die Schüler am alten Programm enorm beindruckt. Aber da konnte man Noten nicht mit einem anderen Datum versehen als dem Eintragsdatum in den Palm. Nicht gut. Abr dafür konnte ich am PDA neue Schüler eingeben, jetzt geht … Continue reading „Erste Woche“

Kamishibai: Von der Grundschuldidaktik lernen

Ich will auch so etwas haben! In Grundschulkreisen ist das anscheinend bekannt, aber ich habe erst vor kurzem bei lehrerforen.de davon gehört: Laut Wikipedia gab es in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts fahrende Süßigkeitenhändler, die Kinder mit Geschichtenvorführungen anlockten und unterhielten. Der Kamishibai ist eine Art Minitheater, ein hölzerner Rahmen, der eine Reihe von Bildern enthält, die nacheinander herausgezogen werden, so dass jeweils das darunter liegende Bild zum Vorschein kommt. Anhand dieser Bilder wird eine Geschichte erzählt. (Und danach werden die Süßigkeiten verkauft.) (flickr, von Nazra!) Hier sieht man ein Kamishibai im Gebrauch. Laut Flickr-Quelle wurde gerade Frankenstein erzählt. … Continue reading „Kamishibai: Von der Grundschuldidaktik lernen“

Noch ein paar Sagen

Interessant an folgender Sage finde ich die Logik: Wenn man im Himmel stirbt, wird man auf der Erde wiedergeboren. (Alle Fehler unkorrigiert. Vor allem Kommas fehlen.) Warum der H. so viel spricht! Jeder Schüler des Graf-Rasso-Gymnasium kennt den Herrn H. und jeder weiß dass er im Unterrricht spricht wie ein Wasserfall. Doch das war nicht immer so. Denn in seinem früheren Leben… Der Herr H. war in seinem früheren Leben nämlich Lehrer im Himmel. Er hat in seinem Unterricht so viel geredet dass die Worte die Schüler förmlich zu zerdrücken schienen. Eines Tages beschwerte sich ein Schüler darüber, dass der … Continue reading „Noch ein paar Sagen“

Wieso Herr Rau seinen Bart abrasierte

Beim Aufräumen bin ich auf eine Mappe mit Schülertexten gestoßen – Mindmaps, Zeichnungen, und vor allem eine ganze Reihe der Sagen, die Ende 1999 eine 6. Klasse geschrieben hatte. (Beispiele hier und hier.) Eine dieser Erklärungssagen ist vielleicht von besonderem Interesse, weil sie zeigt, wie Schüler sich das Privatleben eines Lehrers vorstellten. Der Text ist nicht korrigiert, war mit dem Computer geschrieben. Der Bart ist ab Wie ihr alle wißt, hatte Herr Rau vor ein paar Monaten einen kleinen Bart. Doch dann war er auf einmal verschwunden: Und das kam so: Herr Rau saß mit seinen drei Freunden, an einem … Continue reading „Wieso Herr Rau seinen Bart abrasierte“

Vom Erörtern

Gestern habe ich mir den aktuellen (und demnach vorläufigen) Deutsch-Lehrplan für die nächsten drei Jahre genauer angeschaut. Für die schriftlichen Aufgaben gibt es immer noch die zwei Hauptstränge, die sich von der Unterstufe bis zum Abitur durchziehen: Das Interpretieren und das Erörtern. Der erste Strang beginnt mit der einfachen Textzusammenfassung, heißt im Jahr darauf Inhaltsangabe, dann Erweiterte Inhaltsangabe – weil bei dieser noch Zusatzfragen dazukommen, zum Beispiel zu Erzählperspektive, Stilmittel oder Gattungsmerkmalen. Dieser Zusatzteil wird immer wichtiger, bis die eigentliche Inhaltszusammenfassung nur noch ein kleiner Teil der Interpretation beziehungsweise Analyse ist. Das Erörtern beginnt mit der Begründeten Stellungnahme, heißt danach … Continue reading „Vom Erörtern“