Rednerpult

Eine Alternative zum Referat, die ich auch schon mal in Deutsch ausprobiert habe, habe ich vor den Ferien im LK Englisch eingesetzt: Die Rede bzw. Vorlesung, hier schlichter: das vorgetragene Essay. Die Vortragssituation war von Anfang an klar, der Text sollte also für den mündlichen Vortrag geschrieben sein. Das heißt, dass die ersten zwei Zeilen ohnehin nicht von allen wahrgenommen werden; dass es noch wichtiger ist als im geschriebenen Text, Markierungen zur Orientierung einzusetzen (erstens, zweitens, drittens); dass Pausen gemacht werden und Kontakt zum Publikum gehalten wird. Alles natürlich nicht gründlich genug vorbereitet, aber immerhin hatte ich ein Rednerpult organisiert. … Continue reading „Rednerpult“

Zwischenzeugnisse 2007-2008

Sage bloß keiner, die – zum Halbjahr auch noch so spärlichen – Bemerkungen zu Mitarbeit und Verhalten, zum Jahreszeugnis auch zur Persönlichkeit, interessierten die Schüler nicht. „Was genau heißt: Das Verhalten war angemessen? Welcher Note entspricht das? Ist lobenswert das gleiche wie vorbildlich? Was ist die schlechteste Bemerkung, die man zu Mitarbeit oder Verhalten kriegen kann?“ Das haben sie sich vorgestern gegenseitig gefragt und mich auch. Ist natürlich von Schule zu Schule verschieden, aber „war nicht immer tadelfrei“ oder „gab mitunter Gelegenheit zur Beanstandung“ sind wohl die negativsten Formulierungen, die man über Schüler lesen kann, und selbst dafür muss der … Continue reading „Zwischenzeugnisse 2007-2008“

Sortieren und Palimpseste

Im Informatikunterricht hat sich wieder der Server wegen zu großer Hitze verabschiedet. Vielleicht bin doch ich schuld und wir haben dem Rechner zuviel zugemutet. Es ging um Komplexitätstheorie, Quicksort und Bubblesort im Vergleich. Für Interessierte: Eine typische Aufgabe für Computer besteht darin, Mengen von Daten zu sortieren – eine Liste von Schülernamen, von Zahlen, von Büchern, von verschiedenen Einträgen in einer Datenbank, von Bits und Bytes jeder Art. Im Laufe der Zeit sind dazu verschiedene Sortieralgorithmen erdacht worden, so wie jeder Lehrer auch seine eigene Methode hat, Schulaufgaben zu sortieren. Wie bei allen Algorithmen gibt es dabei bessere und schlechtere. … Continue reading „Sortieren und Palimpseste“

Schule in der Presse: Grammatik und das Verhältnis Eltern-Lehrer

Schon vorgestern bei TeachersNews.Net, heute in der Süddeutschen: Katastrophale Ergebnisse brachte ein Test über die Grundlagen der Schulgrammatik zutage, der im Wintersemester 2006/2007 an allen bayerischen Universitäten durchgeführt wurde. Die Befragung von über 1000 Studienanfängern im Fach Germanistik ergab ein schulgrammatisches Grundlagenwissen, das dem Stand von Fünft- und Sechstklässlern entspricht. Das dürfte niemanden überrascht haben. Wieviel Grammatik zur Bildung gehört, weiß ich nicht; vielleicht ist die gar nicht so wichtig. Allerdings sollten zumindest die Germanistikstudenten mehr von der Sprache verstehen als der durchschnittliche Abiturient. Im Lehrplan steht Grammatik nur für die ersten Jahre, wird nur dann behandelt und geprüft und … Continue reading „Schule in der Presse: Grammatik und das Verhältnis Eltern-Lehrer“

Liebe Mitschülerinnen, Mitschüler und Herr Rau

Letztes Jahr hatte ich ja in der 11. Klasse eine mündliche Schulaufgabe zu den Räubern, zu der auch Kollegen als Zuschauer geladen waren: Eigentlich wollte ich das dieses Jahr wieder machen, allein schon deshalb, um die gewonnenen Erfahrungen umzusetzen. Aber aus Gründen der erwarteten, vorgezogenen, verschobenen, nicht vorgezogenen etc. GSO-Änderung wusste die vorauseilende Pflichterfüllung an unserer Schule nicht, wohin sie eigentlich eilen sollte, und blieb deshalb sicherheitshalber auf dem Platz stehen. Leider keine mündliche Schulaufgabe. Also gab es das ganze jetzt als Quasi-Referatsreihe in Form von Vorträgen. Wie schon erwähnt, habe ich den Schülern eine Vorlesung aus der Augsburger Uni … Continue reading „Liebe Mitschülerinnen, Mitschüler und Herr Rau“

Nathan-Themen (und warum und wo ist Normung notwendig?)

Gestern Schulaufgabe geschrieben, literarische Erörterung zu Nathan der Weise. Da gibt es wohl nur begrenzt viele Themen, bei teachsam.de sind Dutzende davon zusammengetragen – zu Nathan, Saladin und zu Al-Hafi. Einige davon habe ich auch schon in Schulaufgaben verwendet. Und auch schon welche bei Kollegen gesehen. Wie alt manche dieser Themen im Web und auf den Klausuren wirklich sind („Wie erklären Sie sich die Tatsache, dass Lessings Drama „Nathan der Weise“ 1945 auf vielen deutschen Bühnen als erstes Stück gespielt wurde?“), weiß ich durch meinen kleinen Quell unerschöpflicher Weisheit für den Deutschlehrer: Von der Erörterung zum Reifeprüfungsaufsatz. 3000 Aufsatzthemen. (Dietrich … Continue reading „Nathan-Themen (und warum und wo ist Normung notwendig?)“

Moderne Sagen III

Die Geschichte der verbotenen Mützen Vor vielen Jahren war das Tragen von Mützen in der Schule noch nicht verboten. Fast alle trugen Mützen. Doch von einem Tag auf den anderen sollte sich das ändern: Wie immer kamen die Kinder mit den Mützen in die Schule, wie immer grüßten sie den Lehrer. In der ersten Stunde war Englisch angesagt. Das war zwar schwer, der Unterschied zwischen Adjektiven und Adverben, aber die Schüler überstanden es. In der zweiten Stunde war Mathe, was noch schwerer war, dritte Stunde Bio, auf einmal fingen die Köpfe der Schüler an zu rauchen, nur ein kleines bisschen, … Continue reading „Moderne Sagen III“

Was heißt „Interpretieren“?

Schüler meinen, man liest was in Gedichte rein, was da gar nicht steht, und das ist dann Interpretieren. Das liegt zum einen daran, dass Schüler keine geübten Leser sind. Nuancen in einem Text, die jedem erfahrenen Leser sofort deutlich vor Augen sind, sehen sie nicht so schnell. Wenn in Faust die jungen Burschen beim Frühlingsspaziergang sich auf das Tanzfest freuen, weil es dort „Händel von der ersten Sorte“ gibt, dann hat ein gesamter Deutsch-Leistungskurs keine Ahnung, was gemeint ist, weil sie das Wort „Händel“ nicht kennen und ganz automatisch davon ausgehen, dass es um „Hendl“ geht, also Hähnchen. Es fällt … Continue reading „Was heißt „Interpretieren“?“

Fragen eines lesenden Gymnasiasten

Variationen auf ein Thema, via Robert Gernhardt, „Fragen eines lesenden Bankdirektors“, via Bertolt Brecht, „Fragen eines lesenden Arbeiters“. So gut wie Gernhardt bin ich nicht, das habe ich beim Schreiben gemerkt. Die Leichtigkeit Gernhardts fehlt mir; meine Schüler habe ich vorgewarnt und sie gebeten, das nicht persönlich zu nehmen.   Fragen eines lesenden Gymnasiasten I Die Stadt Theben hatte sieben Tore. Babylon wurde mehrfach zerstört. In Rom gibt es viele Triumphbögen. Der junge Alexander eroberte Indien. Cäsar schlug die Gallier. Philipp von Spanien weinte, als seine Flotte untergegangen war. Friedrich der Zweite siegte im Siebenjährigen Krieg.   Fragen eines lesenden … Continue reading „Fragen eines lesenden Gymnasiasten“

Gefundenes Gedicht

In den Münchner S-Bahnen gibt es Reklametafeln, und die sind oft nicht vermietet und werden deshalb von der Deutschen Bahn mit einem erbauendem Spruch versehen – gerne nennen sich diese Sprüche „Chinesische Weisheit“ oder „Arabisches Sprichwort“, und immer sind sie grottenschlecht. Tausendmal besser die Sprüche in den Muskote-Filterpapierchen. In Wagen 189 der S4 um 07.10 Uhr am 12.12.2001 sah ich dann folgenden Spruch, durch üble Schmierei verwandelt: Nun soll man ja bekanntlich nichts in S-Bahn-Wagen schmieren. Im Deutschunterricht geht das aber, also zeigte ich Schülern der elften Klasse den geänderten S-Bahn-Spruch, und gab ihnen Gedichte von Gottfried Benn, Else Lasker-Schüler, … Continue reading „Gefundenes Gedicht“