Vertretungsstunde, Konferenzen, vorgemachte Dramenanalyse

Vertretungsstunde: Spontan und unvorbereitet und verspätet, weil sonst keiner da war. Die Klasse, ich kannte sie ein bisschen aus dem Vorjahr, war in der Aula verteilt und wartete. Wenige spielten Karten, viele lasen die Deutschlektüre, andere unterhielten sich, ein paar trieben Gymnastik. Also blieben wir da und ich unterhielt mich mit einigen. Das mit der Gymnastik musste ich etwas bremsen, leider, wegen fehlender Hilfestellung und keinen Matten und so. Dafür demonstrierte ich Foxtrott zu Musik vom Handy.

Dienstagnachmittag Arzttermin, Mittwochnachmittag Vorlesung. Donnerstagnachmittag Konferenz in kleinerem Kreis, Adrenalin und Gegenantrag; danach Teamtreffen zur Vorbereitung des Freitags, danach Elternsprechabend. Freitagmittag Konferenz in kleinem Kreis zum Mediencurriculum. Lief okay. Danach Weiterarbeiten am Curriculum.

Samstag Biergarten mit angereister Berliner Verwandtschaft, Sonntag dann Nichtenkommunion. Dazwischen Korrekturen.

Davor mal mit Deutschklasse Dramenanalyse getrieben; da schreiben sie bald Schulaufgabe, geübt ist alles, also machten wir das so: Ein Schüler versprach, einen auch mir unbekannten Text mitzubringen, den ich dann quasi vor Augen der Schüler und Schülerinnen mir aneignen würde. Also vormachen, wie ich mit einem solchen Text umgehe, wenn ich ihn denn analysieren will. Also brachte der Schüler sechs Buchseiten Václav Havel mit, aus Largo Desolato. Das war für mich sehr interessant, für die Schüler und Schülerinnen hoffentlich auch.

1. Ich beschrieb beim Lesen, was mir auffiel. Stilmittel, Wiederholungen, unklare Stellen, Referenzen auf andere Stellen, Assoziationen. Erst mal neutral, ohne große Deutung. „Da ist ein unvollständiger Satz.“

2. Sobald ein Stilmittel, ein Wort, irgendein Element zum zweiten Mal auftauchte, zum Beispiel ein unvollständiger Satz, formulierte ich mehrere Hypothesen, was es damit auf sich haben könnte. Olbram sagt ein zweites Mal zu Leopold, dass sie es doch alle gut mit ihm meinen, und wird zum zweiten Mal überraschend wortgleich von Lucies Stimme aus dem Off unterbrochen. Das kann Zufall sein. Oder Lucie hat gelauscht. Oder das Stück foppt uns, gleitet ins Absurde ab. Bei der dritten Wiederholung festigt sich dann die Hypothese, und ich baue andere Punkte ein, die mir auffallen. Manches bleibt offen, das halte ich aus, anderes wird erst spät klar, manches übersehe ich sicher auch. Das Wichtige, glaube ich, ist das, dass man eine Weile konkurrierende Erklärungen mit sich herumträgt und erst nach und nach sich für eine davon entscheidet.

Alles Dinge, die ich im Bereich der reader-response theory schon an der Uni aufgeschnappt hatte, aber vermutlich wird das im Klassenzimmer nicht so klar. Also mehr vormachen?

Telefonspiele in der Oberstufe

Zwei Themen behandle ich gerade im Englischunterricht der elften Klasse – erstens Indien: Vorgabe war ein englischsprachiges Land außer UK/US; ich hatte auch noch Irland angeboten, die Schüler Südafrika, Australien oder Neuseeland, aber bei der Abstimmung kam dann doch Indien heraus. Was weiß ich über Indien? Nicht viel. Salman Rushdie, Rohinton Mistry (aber da ist das meiste vergessen), Slumdog Millionaire, viel Kipling, ein Sachbuch, also nichts. Und ich lese, vielleicht meine beste Quelle, was Mademoiselle Readon auf Read on my Dear, read on. über Indien schreibt, etwa Eine Banane – ich muss mal die älteren, englischsprachigen Texte durchgehen, ob da etwas für meine Schüler und Schülerinnen dabei ist.

Im Buch gibt es etliche Texte und vor allem auch Hörverstehenstexte dazu, bei mindestens zwei davon geht es um call centers.

Das zweite große Thema ist die mündliche Schulaufgabe, die irgendwann nach den Pfingstferien ansteht. Habe ich noch nie gemacht, ich weiß nur, dass es eine Aufwärmphase, einen kurzen Einzelvortrag und dann vor allem einen Dialog zwischen den beiden gleichzeitig Getesteten gibt.

Da bietet es sich doch an, auch hier ein bisschen Telefonieren zu spielen. Die Schülerinnen und Schüler kriegten einen Dialog und ein paar Telefonfloskeln und sollten dann eigene Dialoge schreiben, etwa ein Kundengespräch bei Erwerb und Ausstattung einer geheimen Superschurken-Festung oder beim Inselkauf (für eben jene geheime Festung) – siehe Punkt 4 unter 6 Companies That Are Clearly Catering to Supervillains. Aber natürlich konnte es auch einfach nur ums Pizzabestellen gehen – obwohl das keiner mehr am Telefon macht.

— Nachdem in der Folgestunde die meisten Schüler und Schülerinnen ihre Dialoge vorgelesen hatten, wurden wir immer wieder durch Telefonanrufe unterbrochen. Und das kam so: An meiner Schule gibt es in jedem Klassenzimmer ein Telefon – man kann von diesen zwar nicht andere Klassenzimmer anrufen, wohl aber etwa von der Bibliothek aus angerufen werden. Und da hatte ich eine sehr gut sprechende Schülerin hingesetzt, unbemerkt von den anderen; es war die erste Stunde des Tages, da ging das gut.

Vor ein paar Jahren habe ich das schon mit einer 6. Klasse gemacht und darüber gebloggt… kurz nachgeschlagen: 2009 war das, schon länger her, aber seit damals hatte ich nun mal fast kein Englisch mehr. Für die 11. Klasse musste ich das nur wenig abwandeln. Die Vorgehensweise:

  • Die Schülerin erhielt eine Klassenliste.
  • Und ein Blatt mit allgemeinen Anweisungen: Alle drei Minuten oder so anrufen, ein Schüler geht ans Telefon, Namen erfragen, ausrichten lassen, dass man eine andere, jeweils vorher ausgewählte Schülerin sprechen will, dieser dann einen Auftrag geben. (Im Klassenzimmer wird dann dieser Auftrag den Mitschülen wiedergegeben und dann ausgeführt.)
  • Dazu ein Blatt mit kurzen Aufträgen, darauf in Stichpunkten die jeweils nötigen Informationen:
    • Name des Anrufer/der Anruferin: z.B. Robert Johnson/Elizabeth Perkins (je nach Geschlecht)
    • Der Auftrag: z.B. Nachfragen, ob genug Kreide da ist; Kreide holen lassen aus dem Lehrerzimmer. Oder: Nachschauen, ob es für die Q11 heute Stundenplanänderung gibt. Oder: Nachschauen, was es zum Mittagessen in der Mensa gibt. Oder: Versuchen Sie, die Teilnahme an einem Trainingsseminar für Vorstellungsgespräche zu verkaufen, Uhrzeit usw. angegeben.

(Wie diese Aufgaben konkret aussehen, sieht man auch in dem Blogeintrag von 2009.)

Hat alles funktioniert und war sehr lustig, zumindest für mich, und hoffentlich auch für die anderen. Diese Telefone werden sonst nämlich fast nie benutzt; wir möchten auch nur ungern wegen Nichtigkeiten im Unterricht gestört werden. (Will heißen, einen Nichtigkeitentelefonierer gibt es demnach schon.)

Was Schüler und Schülerinnen übrigens gar nicht gut können: sich den Namen des Anrufers geben lassen, ihn sich eventuell buchstabieren lassen und ihn aufschreiben. Selbst beim vierten oder fünften Anruf haben es nicht alle geschafft, dem Namen des Anrufers zu erfragen. Dabei ist das das erste, was man im Büro beim Telefondienst eingetrichtert bekommt. (Oder kenne ich das aus amerikanischen Familienserien?)

Nächster Schritt: Einige zusätzliche Telefonnummern zuteilen lassen (geht problem- und kostenlos bei meinem VoIP-Anbieter), mit Aufgaben besprechen, und dann den Schülern und Schülerinnen die Nummer geben, wenn ich individuell und spontan eine Hörverstehensaufgabe stellen möchte.

Werkzeuggebrauch in der Schule

Das Berliner Modell ist ein zumindest in Deutschland sehr bekanntes didaktisches Konzept aus den 1960er Jahren (glaube ich), mehrfach weiterentwickelt, das letztlich relativ neutral angibt, auf welche Faktoren Lehrer und Lehrerinnen beim Gestalten und Vorbereiten von Unterricht achten sollten:

BerlinerModell
(Quelle: Oeclan@Wikipedia, CC-BY-SA 3.0 unported)

Die Faktoren beeinflussen sich dabei gegenseitig. Das sind allerdings, denke ich, alles Entscheidungen, die die Lehrkräfte treffen – Schüler und Schülerinnen haben traditionell wenig Mitgestaltungsmöglichkeiten, was Inhalte und Methoden, Medien und Ziele betrifft. Bei den Inhalten darf manchmal die ganze Klasse mitreden („Welche Lektüre sollen wir lesen?“), bei den Zielen verstehe ich völlig, dass diese Entscheidung den Lehrkräften überlassen bleibt – und von denen hängen ja auch Methoden und Medien ab, ja. Und doch: Wäre es nicht schön, wenn Schüler und Schülerinnen selbst Methoden und Medien wählen könnten, vielleicht sogar Inhalte, und zwar nicht klassenweise, sondern individuell?

Sollte das nicht am einfachsten für die Medien gelten? Die Werkzeuge, die man im Unterricht nutzt? Ich habe mir schon mal in einem alten Blogeintrag Gedanken dazu gemacht und zitiere mich hier selber:

Es läuft für mich wohl auf die Frage hinaus: Wer hat die Kontrolle über die verwendeten Medien? Medien, das sind, wenn ich mal Geräte und Formen mischen darf: Tafel, Rechner/Beamer, Landkarte. Poster an der Wand. Schulbuch, Atlas. Wohl auch Realien, also Mitbringsel. Filmaufnahmen, Audioaufnahmen, Tageslichtprojektor. Zählt das selbst geführte Schulheft dazu?
Kontrolle haben die Schüler üblicherweise und innerhalb gewisser Grenzen allenfalls über…, nicht viel. Also, wenn sie am Rechner (oder Tablet) sitzen, dann schon. Und Poster im Klassenzimmer oder das Periodensystem, die werden in der Regel nicht plötzlich abgedeckt; wenn Schüler dieses Material auch nicht kontrollieren, so können sie sich doch auf deren Vorhandensein verlassen. Alles andere steht üblicherweise unter der Herrschaft der Lehrkraft.

Nun haben die Schüler und Schülerinnen oft ein Universalwerkzeug in der Tasche oder vor sich: einen Computer. Im Rahmen des Berliner Modells müsste man Medien eigentlich differenzierter beschreiben; nicht der Computer ist hier das Medium, sondern die spezielle Konfiguration des Computers – das heißt, das verwendete Programm. Erhalten die SuS eine Aufgabe, und dürfen sie selber entscheiden, mit welchen Werkzeugen – also auch: mit welchen Programmen – sie an der Lösung arbeiten?

Ich denke, das findet noch wenig statt.

Bei uns an der Schule ist das auch deshalb problematisch, weil wir – wie wohl viele Schulen – ein System nutzen, bei dem die Schüler und Schülerinnen keinen vollständigen Zugang zum Betriebssystem haben. Das ist auch sinnvoll. Allerdings ist auch der Zugang zu installierter Software beschränkt; standardmäßig ist nur bestimmte Software (Office-Paket, Browser) freigeschaltet, sollen die SuS ein Geometrie-Programm nutzen, eine Software-Entwicklungsumgebung, ein Bildbearbeitungs- oder Audioschnittprogramm, dann muss ich als Lehrer an meinem Rechner: Ein Progrqamm starten, dort die Klasse reservieren, dort der Klasse die Software zuweisen, und dann taucht innerhalb von ein bis zwei Minuten auf den meisten Rechnern in der Klasse die Software auf; mitunter bei ein oder zwei Rechnern auch gar nicht.

Mit diesem System arbeite ich sehr ungern. Spontan geht gar nichts, wenn es zwischendrin heißt, „Können Sie uns Paint freischalten“, weil einer Bildbearbeitung machen will, muss ich alles stehen und liegen lassen und vorne an meinen Lehrerrechner gehen und die Prozedur vornehmen. Auf den Rechnern in der Bibliothek haben die Schüler und Schülerinnen überhaupt keine Möglichkeit, an diese Programme zu kommen. Wenn es nach mir ginge, würde ich nicht nur Browser und Libre Office grundsätzlich freischalten, sondern viel mehr.

Aber: Alle Schulen machen das so; das machen wir schon immer so; wir zahlen schließlich viel Geld für dieses Feature. Auch diese unsinnigen Argumente werden vorgebracht; tatsächlich gibt es aber gute Gründe für eine derartige Regelung: Wenn die Schüler und Schülerinnen Programme zu Verfügung haben, dann vielleicht auch attraktive, und dann arbeiteten sie eher damit als mit dem Programm, mit dem sie arbeiten sollen. „Fremdbeschäftigung“ heißt das, manche in meiner 6. Klasse malen gerne auf Papier, und manche in meiner 7. Klasse zeichnen im Computerraum gerne mit Libre Office Draw, statt mit Scratch das zu tun, was sie sollen.

Wie soll man das nur kontrollieren? Ich halte es für zumutbar für Lehrkräfte, das im Auge zu behalten. Eigentlich: selbstverständlich. Und wenn man möchte, dass Schüler und Schülerinnen selbstständig Werkzeuge auswählen, ist das unabdingbar. Im Moment habe ich das Problem nur im Computerraum, Laptop- und Tablet-Klassen kennen das wohl noch unmittelbarer. Da freuen sich viele Lehrer und Lehrerinnen, wenn die Geräte der Schüler und Schülerinnen so eingestellt sind, dass jeweils nur bestimmte Software läuft.

Nach Ostern ist vor Pfingsten: Abitur, Knie, Sommersemester, Frühling

Nur kurzes Lebenszeichen: Ich genieße den Frühling, vorletztes Wochenende erste Wanderung, letztes Wochenende die zweite. Schon mal üben für den Frühling. Es ist so sonnig und warm, ich freue mich direkt aufs Balkonputzen – sobald ich mal dazu komme, ich möchte nicht, dass mir Frau Rau zuvorkommt. Aber es ist viel zu tun, auch wenn mir die Arbeit gerade leicht von der Hand geht: Das Sommersemester hat begonnen und damit die Informatikdidaktikvorlesung. Bin immer noch aufgeregt und unsicher, was ich wirklich lehren kann, aber wird schon.

Außerdem kriege ich dubiose Spritzen in die Knie, weil ich Meniskus habe; nicht sehr, aber doch ein bisschen, und wenn ich mein rechtes Knie zu sehr bewege, tut es sehr weh. Aber Wandern und Treppensteigen geht wunderbar, nur beim Anziehen der Schuhe bin ich sehr vorsichtig geworden.

Das Abitur dräut, die letzten Noten sind eingefahren, zur Wiederholung komme ich kaum, weil Feiertage und Ausfall.

Essen nach Wanderung

Was ich am liebsten machen würde: Programmieren und kochen. Ich habe ein Buch zu Pasteten geschenkt bekommen und noch nicht mal angefangen, zuvor müssen erst handgeformte englische pork pies gemacht werden. Und unsere Schule – das weiß sie aber noch nicht – braucht dringend die App, die ich gerne am basteln wäre, zu der ich aber wohl erst im Sommer richtig kommen werde.

Scratch-Eingabemethoden: Die Tanzmatte

Habe ich tatsächlich noch nie über das Ding geschrieben? Ich habe es mir vor einem guten Jahr gekauft, für dreißig Euro oder so. Das stank erst einmal sehr nach Plastik, ging aber bald vorbei; dann habe ich noch die Verbindung Kabel-Tanzmatte mit etwas Sugru (=Klebeknetmasse) verstärkt, und jetzt habe ich eine Tanzmatte. Man steckt sie via USB ein, sie funktioniert dann wie ein Gamepad mit acht Tasten.

Ich habe damit ein rudimentäres Spiel entwickelt:

Digitales Whiteboard mit Scratch-Programm

Der Legostein bewegt sich – vorerst durch Tasten gesteuert – auf jeweils eine der acht möglichen Positionen; die Sandale wird durch die Tanzmatte gesteuert und kann ebenfalls auf die acht Positionen gebracht werden. Trifft Sandale auf Legostein, ertönt ein Geräusch und der Punktezähler geht hinauf.

Gespielt wird das dann so:

Schüler auf Tanz-Eingabematte

Aufgabe für die Schülerinnen und Schüler: Das Programm verbessern, insbesondere den Legostein nicht mehr durch Tasten, sondern durch ein Programm wandern lassen. Dann probierten die ersten, bei ihrem eigenen Spiel möglichst viele Punkte zu erreichen. Fazit: Es ist leider gar nicht so leicht, das mit den Füßen hinzukriegen, selbst wenn man den Rhythmus eigentlich kennt. Nächstes Mal lieber noch länger warten zwischen den Schritten.

(Fußnote: Die Programmierumgebung Scratch nimmt – zumindest in dieser arg alten Version, die wir in der Schule verwenden – keine Eingaben von einem Joystick oder Gamepad entgegen. Deshalb starte ich vorher ein anderes kleines Programm, das bei Gamepad-Eingaben Tastendrucke auslöst.)

Paella-Premiere

Bei meinen Schwiegereltern kriege ich immer alle ein, zwei Jahre im Sommer eine Paella. Keine echt authentische originale , weil es so etwas nicht gibt, da hat jeder sein eigenes Rezept. Paella ist in Spanien auch kein typisch spanisches Gericht, sondern ein valenzianisches, so wie Flamenco auch kein typisch spanischer Tanz ist, sondern ein andalusischer. Ursprünglich, und früher, so etwas ändert sich ja.

Ich mag diese Paella sehr gern, und ich habe sie endlich einmal nachgekocht. Fazit: Ja, es geht einigermaßen, auch ohne Gaskocher und Paellapfanne mit Meterdurchmesser. Dafür zwei normale große Pfannen, und die ursprüngliche Menge der Zutaten alle um die Hälfte reduzieren. Das reicht immer noch für sechs normale Esser.

Mit dem richtigen Reis klappt es. Mit anderem vielleicht auch, aber ich habe gleich den probiert: valenzianischen Bomba-Reis:

Reissäckchen Sorte Bomba

Man kann auch Hühnerbrühe nehmen, und das werde ich auch noch einmal ausprobieren, aber diesmal war es Fisch-Brühe, aus der Packung:

Fischfond-Tetrapak

Und weil die nicht gereicht hat, angereichert mit einem Fisch-Brühwürfel:

Fisch-Brühwürfel

Ganz wichtig ist der Farbstoff. Feine Leute nehmen Safran, arme Leute nehmen colorante, spanischen Lebensmittelfarbstoff. Den hatte ich eh im Haus, Safran auch, also kam beides rein.

Päckchen mit spanischem Farbstoff

Jetzt das Rezept, für zwei Pfannen und 4-6 Personen:

  • 4 Hühnerschenkel, oder ähnliche Teile, in reichlich Olivenöl schön braun anbraten
  • 500g Reis (Bomba) darüberstreuen, kurz mitbraten
  • 1 1/4 [Nachtrag: Erst mal weniger!] Liter heiße, gut gesalzene Brühe (Fisch oder Geflügel) auf einmal darübergießen, in die man vorher Safran oder colorante gegeben hat
  • 500g Tintenfisch (Sepia oder Calamares) dazu geben, in Stücken, roh, gerne aufgetaut
  • 225g tiefgefrorene Erbsen in den Pfannen verteilen
  • 250g Seeteufelfilet oder anderen Fisch, in Stücken, dazu geben
  • 4 Riesengarnelen dazu, roh, mit oder ohne Kopf
  • ein paar vorgegarte Miesmuscheln dazu
  • ein paar in Streifen geschnittene pimientos de piquillo (das sind gegrillte, gehäutete rote Paprika, in Lake eingelegt, nicht in Essig)

Das alles sanft für insgesamt zwanzig Minuten köcheln lassen, davon die letzten zehn Minuten mit Alufolie darüber oder nicht ganz geschlossenem Deckel. (Internet sagt zwar: Bloß nie Deckel auf Paella, aber so habe ich das halt gelernt.) Danach sollte der Reis gar sein, notfalls, uh, schauen, was man macht; die Garnelen rot, die Flüssigkeit aufgesogen. Nicht umrühren.

Zwei Pfannen Paella auf dem Herd

Man merkt, es ist ein ganz einfaches Gericht: Fleisch und Tintenfisch anbraten, Reis rein, Brühe drauf, und dann einfach alle Zutaten auf einmal. Gerne dekorativ angeordnet.

Zwei Pfannen mit fertiger Paella

Ich fand es sehr lecker, hatte nur zu wenig Salz an die Brühe getan und Safran und colorante nicht rechtzeitig aufgelöst. Vor allem den Reis mag ich, der ist saftig und fett. Der Rest… ist mir ehrlich gesagt ein wenig zu viel. Das nächste Mal versuche ich, die Paella zu reduzieren. Huhn und Garnelen fliegen als erste heraus, die brauche ich nicht. Paprika und Erbsen bleiben, wegen der Farben. Bleiben also Fisch und Tintenfisch, brauche ich beides? Ich werd’s ausprobieren.

Padlet, und was die Schule zahlt

Padlet ist ein schönes Informatiksystem, browserbasiert, mit dem man wie an einer virtuellen Pinnwand Zettelchen mit Text und Bildern und anderen Inhalten auf einer Oberfläche verteilen und verschieben und verbinden und ergänzen kann: Eine schöne Sache, um die eigenen Gedanken zu sortieren; noch schöner, wenn man das mit anderen gemeinsam tut.

Padlet war bisher ein kostenloses Angebot; in Zukunft gibt es eine etwas eingeschränkte Grundversion, die kostenlos – aber mit Werbung – bleibt, sowie die Möglichkeit, den Dienst für Geld zu abonnieren. Da geht ja ohnehin der Trend hin: Man kauft Software nicht mehr, sondern abonniert sie; bei webbasierten Systemen ist das nachvollziehbar.

Bei vielen Lehrern und Lehrerinnen auf Twitter war Padlet sehr beliebt, und die finden es schade, dass das jetzt nicht mehr so einfach geht. Schade finde ich das auch, aber absehbar war es, und ist es bei ähnlichen Produkten auch. Ein paar Twitterer werden den vollen padlet-Preis vielleicht zahlen; man kann ihn dann sicher von der Steuer absetzen, so dass man einen Teil des Gelds zurück erhält – mit Fachbüchern ist das ja auch so. Manche wünschen sich, die Schule käme für so etwas auf.

Ja und nein. Ich stimme A.R. Krommer zu, der einen alten Text von sich dazu herausgekramt hat:

Software sollte man genau so betrachten wie andere Lehr- oder Lernmittel, und muss dafür Geld ausgeben. Dass Schulen verlangen können, dass Schülerinnen und Schüler spezielle Software auf ihren Smartphones zu installieren – soweit sind wir noch nicht, aber grundsätzlich hal eich das für legitim. Acht Euro für eine Schullektüre oder acht Euro für eine App: Von den Kosten her vertretbar. Sinn muss das eine wie das andere machen; Sinn kann auch das eine wie das andere machen.

Wenn eine Schule jetzt schon mit Padlet arbeiten möchte, sollte die Finanzierung ja auch kein Problem sein: In Bayern am Gymnasium hat jede Fachschaft einen kleinen Etat, mit dem sich solche Software-Abonnements bezahlen lassen; jede Schule hat einen etwas größeren Etat, der auch dafür ausgegeben werden kann; und beim Sachaufwandsträger (dem Landratsamt etwa) kann man Anträge auf teurere Produkte stellen. Im Vergleich zu anderer Ausstattung ist viele Software noch recht billig – wenn auch oft im Abonnement.

Für welche Produkte sollte die Schule dieses Geld ausgeben? Als Fachschaft, oder fachschaftsübergreifend: Wofür sie will. Gerne auch Padlet. Dann kann man auch das neueste digitale Spielzeug mitnehmen, und diese Spielzeuge können wirklich toll sein. Sobald es mehr und teurer wird oder gar mehrere Schulen betrifft oder bald vom aller-neuesten digitalen Spielzeug abgelöst zu werden droht, muss man aber überlegen. Und das heißt, auf Open-Source-Projekte zurückzugreifen. Nur weil es das Open-Source-Projekt Moodle gibt, konnte Bayern allen staatlichen Schulen Mebis mit integriertem Moodle zur Verfügung stellen. Wenn es offene Äquivalente gibt, kann sich die Schule das Produkt auf dem eigenen Server installieren, oder das Kultusministerium für alle Schulen. So bleiben Schulen flexibel.

Das erfordert, dass es an jeder Schule jemanden gibt, der so etwas aufsetzen kann. Das gibt es noch nicht; die IT-Ausstattung von Schulen wird zwar häufig – immer häufiger, glaube ich – von externen Firmen betreut, aber die kümmern sich noch selten um Webdienste. Bei richtig großen und dauerhaften Projekten ist es natürlich am besten, wenn das Kultusministerium so etwas zentral regelt, wie bei Mebis etwa. Microsoft, Apple und Google wollen natürlich alle, dass Schulen jeweils ihre Softwareprodukte nutzen, und bieten auch wirklich verlockende Sachen an. (Datenschutz ist da halt noch ein Problem, aber das betrifft eigene Server nicht viel weniger.)

Man kriegt dann halt nicht das neueste Produkt. Aber von konkreten Produkten sollte man sich eh so wenig wie möglich abhängig machen.

ILTB 2018 – Basteln mit sozialen Netzwerken

So mag ich meine überregionalen Fortbildungen: Einmal ohne Umsteigen mit der U-Bahn von zu Hause aus, mit der Jahreskarte vom Münchner Verkehrsnetz. Diesmal war es der Informatiklehrertag Bayern 2018, der letztes Jahr in Passau war und nächstes Jahr Bayreuth stattfinden wird.

Dieses Jahr fiel der ILTB auf die Osterferien. Denn gleichzeitig fand die – größere – Tagung des MNU statt, eines Verbandes aller mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer, und in die wurde der ILTB integriert. Manche Lehrer und Lehrerinnen mag der Termin abgeschreckt haben, und ich hätte auch meine Urlaubspläne nicht geändert – aber diese Ostern bleibe ich in München, und so passte mir das gut, und viele andere Informatiklehrer und -lehrerinnen waren auch da. Aber klar, wer Kinder hat und mit denen in den Ferien Urlaub macht, der kann zu den Ferienterminen nicht kommen.

Tasche mit MNU-Logo, Kressesamen als Verlagswerbung

Vortrag

Der Tag begann mit einem Vortrag von Prof. Daniel Cremers vom Lehrstuhl für Computer Vision & Artificial Intelligence an der TUM. Das Thema: Wie 3D-Modelle der realen Umwelt für den Computer entstehen. Da gibt es wohl zwei Möglichkeiten: Man scannt die Umwelt mit einem Laser ein. Das ist wohl genau, aber teuer, und eignet sich nur für eine unbewegte Umwelt. Die andere Möglichkeit, die von Cremers verfolgt wird, besteht darin, aus Foto- und Videoaufnahmen ein 3D-Modell zu erstellen. Das ist erst einmal gar nicht so einfach, weil diese Bilder ja nur ein 2D-Abbild darstellen. Aber wie schon bei der Kinect zu sehen, kann man aus mehreren zweidimensionalen Bildern schon rekonstruieren, wie weit ein Bildpunklt von der Kamera entfernt war.

Und so kann man jetzt mit ein oder zwei Kameras zu Fuß oder mit dem Auto oder mit einem Quadcopter eine Strecke entlanggehen, -fahren oder fliegen, und hat danach ein brauchbares 3D-Modell. Wenn man eine Szene filmt, etwa für einen Film, hat man danach ein animiertes 3D-Modell der Szene, farbig, und kann dann eine virtuelle, auch bewegte, Kamera an Stellen platzieren, an denen nie eine echte Kamera war.

Workshop: Socialbotnet

Mit den beiden Workshops, die ich besuchte, hatte ich Glück; sie waren gut und behandelten Themen, die mich interessierten. Im ersten stellte Benjamin Knorr seine Zulassungsarbeit vor, an der er gerade arbeitet: Socialbotnet. Das ist eine Art Twitter im Kleinformat, das man als Lehrer als Server laufen lässt. Man kann sich über den Browser registrieren, an- und abmelden, sein Profil bearbeiten und vor allem Mininachrichten veröffentlichen und die Nachrichten anderer Nutzer liken.

Screenshot Webseite socialbotnet

Das ist aber eigentlich nur die Bedingung für das eigentliche Projekt: Die Schüler und Schülerinnen schreiben Programme (zum Beispiel in Java, unter BlueJ), die sich die aktuellen Mininachrichten vom Server geben lassen, sie eventuell auswerten und auf sie mit eigenen Kommentaren oder Likes reagieren. So etwas nennt man gerne Bot. Man kann zum Beispiel einen Bot schreiben, der sich regelmäßig alle neuen Nachrichten geben lässt und auf diejenigen, die mit „Ich bin ja kein“ beginnen, eine Antwort schreibt: „Bist du doch!“

So etwas Ähnliches habe ich auch mal für Twitter programmiert, denn die echten sozialen Netzwerke bieten genau die gleiche Möglichkeit, programmgesteuert Nachrichten zu lesen und zu verfassen und mit anderen Nachrichten zu interagieren. Das kann gut gemacht sein; ich folge bei Twitter etwa dem MythologyBot, der regelmäßig die Kategorisierung verschiedener mythologischer Motive aus dem Thompson-Index twittert. Noch surrealer ist der MagicRealismBot, der bedachtsam generierte, oft fesselnd abstruse Kurznachrichten – oder Geschichtenvorschläge? – präsentiert.

Aber natürlich kann man auch Bots erstellen, die so tun, als wären sie echte Menschen, und die gezielt auf ausgewählte Nachrichten reagieren – ob sie Falschnachrichten verbreiten oder nur Stimmung machen, sie können zur Manipulation eingesetzt werden, indem sie eine große Zahl an Menschen vorgaukeln, wo keine sind, und gezielt auf bestimmte Nutzergruppen zugeschnitten sind. Wie groß die Gefahr durch diese Bots wirklich sind und ob die Falschnachrichten eher durch tatsächliche Menschen verbreitet werden: anderes Thema.

Technischer Einschub

Ein Programm kommuniziert mit so einem Server im Internet folgendermaßen: Der Server muss erst einmal so eine Möglichkeit zur Verfügung stellen, das heißt dann API (Application Programming Interface). Wenn man zum Beispiel den Server über folgende http(s)-Anfrage aufruft, eine sogenannte GET-Anfrage, manuell oder über ein Programm:

http://localhost:30003/api/posts?limit=5 bzw. auf Benjamins Beispielserver
https://social-bot-net.herokuapp.com/api/posts?limit=5

dann erhält man eine Antwort, nämlich die letzten 5 Beiträge, die im Browser etwas unübersichtlich dargestellt werden, für den Computer aber gut lesbar sind. Häufig sind GET-Anfragen, um Informationen zu erfragen, und POST-Anfragen, um Informationen zu senden. Die genaue Form dieser API variiert von Server zu Server, und auch die Art der zurückgegebenen Daten, beliebte Formate dazu heißen XML oder JSON. Diese maschinenfreundlich formatierte Server-Antwort kann man dann mit dem Programm auswerten.

Habe ich das Programm zum Laufen gekriegt? Ja. Aber wenn man, wie ich, nicht genau weiß, was man tut, ist das gar nicht so einfach. Man muss die Software Git und die Software Maven auf dem Rechner installiert haben. Dann kann man das von der Kommandozeile aus mit zwei Zeilen Code machen. Oder man hat die Entwicklungsumgebung Eclipse installiert, die Git und Maven bereits enthält. Mit Git kopiert man das Projekt aus dem Internet auf den eigenen Rechner (das geht, weil Benjamin wie viele andere auch ihren Code auf diese Weise zu Verfügung stellt). Aber lauffähig ist das Programm dann noch nicht.

Denn ein größeres oder auch kleineres Softwareprojekt entsteht heutzutage nicht mehr dadurch, dass sich ein Team oder auch nur einer hinsetzt und von vorne bis hinten alles programmiert. Vielmehr greift man auf Teilprojekte zurückt, die bereits von anderen erstellt wurden, und baut auf diesen auf. Es muss ja nicht jeder das Rad neu erfinden. Also besteht ein Projekt aus 90% Code von anderen, fremden, Leuten, zu denen 10% eigener Code kommen. Wenn ich den Code meines Projekts jetzt online stelle (und nicht nur das fertige, ausführbare Progamm), damit andere damit arbeiten können, gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Ich stelle meine 10% online, und die 90% Fremdcode ebenso. Das macht Arbeit.
  • Ich stelle meine 10% Code online, und vermerke, welche 90% fremde Packackes nötig sind, damit mein Projekt funktioniert. Wer mein Projekt nutzen will, besorgt sich einfach diese 90% von anderswo her. Vielleicht hat er oder sie ja eh schon Teile davon.
  • Es wäre ziemlich umständlich, sich von Hand diese fehlenden Programmteile herunterzuladen. Also gibt es wieder Software, die das für einen tut, so dass ich zu den 10% heruntergeladenem Code sagen kann: Besorge mir bitte die 90% fehlenden Code. Ein solches System, das natürlich noch viel mehr kann, heißt Maven, und das wurde bei diesem Projekt benutzt.

Fazit für den Einsatz in der Schule:

  • Tolle Idee, gutes Design. Inhaltlich sehr interessant für die Schule, zur Zeit 10. oder 12. Klasse.
  • Wenn das Produkt ganz und gar fertig ist, hätte ich gerne das vollständige Programm als Download, nicht unbedingt den Code selber, sondern vor allem die ausführbaren Dateien. Das gibt es noch nicht.
  • Ich habe das Projekt auch nur unter Eclipse zum Laufen gekriegt und nicht von der Kommandozeile aus, das macht den Einsatz in der Schule einen Tick schwerer, aber geht schon. Irgendwann kriege ich das auch mit der Kommandozeile hin.
  • Die Änderungen an der Datenbank noch nicht gespeichert, sondern bei jedem Neustart wird der – allerdings veränderbare – Ausgangszustand wiederhergestellt. Wäre anders schöner, ist aber kein großes Problem.
  • Lieber wäre mir Software in PHP, die ich auch auf meinem gemieteten Server und damit im Internet laufen lassen könnte (auf dem ich keine Java-Programme installieren kann), aber für den Computerraum geht es auch so – vorausgesetzt die Windows-Firewall blockiert das nicht, wie an meiner Schule.

Workshop: InstaHub

Im zweiten Workshop stellte Julian Dorn sein Projekt InstaHub.org vor. (Für das ähnliche Vorgängerprojekt hat Julian 2017 den Preis der GI – Gesellschaft für Informatik – erhalten.) InstaHub ist ebenfalls ein soziales Netzwerk, angelehnt an Instagram. Man arbeitet aber nur im Browser damit, es gibt keine API, um von außen darauf zuzugreifen. Auf der Webseite kann man sich registrieren, an- und abmelden, ein Profil ausfüllen, und Bilder veröffentlichen und verschlagworten – und die Bilder der anderen Benutzer anschauen und mit einem Like-Sternchen versehen. Es geht aber gar nicht darum, dass man das macht; das Netzwerk ist von Anfang an bereits mit 200 Nutzern gefüllt und mit hunderten von Bildern.

Screenshot InstaHub

Vielmehr ist jede Schülerin der (alleinige) Administrator des eigenen InstaHub-Systems. Jeder Schüler kriegt also sein eigenes Netzwerk, das unabhängig von den anderen funktioniert. Als ein solcher Administrator hat man Zugang zur Rückseite des Netzwerks, sozusagen, und zwar insbesondere auf die Datenbank, in der (fast) alle Daten von InstaHub verwaltet werden. Die Datenbank ist vom im Web verbreiteten Typ MySQL, und man kann in der Datenbanksprache SQL – Stoff der 9. Jahrgangsstufe Informatik in Bayern – Anfragen stellen, also etwa:

select name from users where city = 'München' and gender = 'male'

Nach und nach können die Schüler und Schülerinnen weitere vorgegebene Tabellen anlegen (mit Bildern, Kommentaren) und automatisch befüllen und damit komplexere Anfragen über mehrere Tabellen durchzuführen. Außerdem können sie als Administratoren die Inhalte der Datenbank bearbeiten – Nutzer löschen, ihr Passwort ändern oder einsehen (allerdings in gehashter Form, also nicht im Klartext gespeichert), Beiträge der Nutzer ändern, was man als Admin halt so kann, aber nicht sollte.

Habe ich das Programm zum Laufen gekriegt? Ja und nein, wie oben. Mit Git das Projekt aus dem Repository geklont, dann die 90% fehlenden Programmteile hinzugeladen – diesmal nicht mit Maven, sondern mit dem PHP-Äquivalent Composer. Nach Beseitigung meiner Tippfehler problemlos – im Nachhinein ist das alles leicht, wenn man erst einmal weiß, was das ist, was man gerade tut. Allerdings ist das Programm für den Einsatz auf einem echten Webserver gedacht, mit vollem Zugriff auf das benutzte MySQL-Datenbanksystem. Das schließt leider aus, dass das Programm auf meinem billigen gehosteten Server läuft, denn auf die MySQL-Datenbank dort habe ich keinen vollen Zugriff, sondern habe nur 1 Benutzer auf 1 Datenbank, und kann nicht automatisiert weitere Benutzer und weitere Datenbanken erstellen.

Also lasse ich das Programm nicht auf einem echten Server im Web laufen, sondern lokal auf dem Windows-Rechner zu Hause. Dazu muss man einen MySQL-Server installieren, und einen Webserver, und die Sprache PHP, in der viele Programme fürs Web geschrieben sind. So etwas gibt es glücklicherweise vorkonfiguriert unter dem Stichwort XAMPP. Nur gibt es dann immer noch zwei Probleme: Erstens habe ich mit XAMPP vorerst keine Domain oder Subdomain; die Webseite ist vielmehr unter der Adresse http://localhost oder http://127.0.0.1 erreichbar. Aber damit sind keine Subdomains möglich, und die verlangt InstaHub – jeder Schüler kriegt sein eigenes kleines Netzwerk unter einer eigenen Subdomain, also etwa fuhse15.instahub.grg. Aber auch das ist unter Windows möglich, dazu muss man in einer kleinen Textdatei im Windows-Ordner ergänzen, dass Browseranfragen an instahub.grg („GRG“ ist der Name meiner Schule) umgeleitet werden sollen nach 127.0.0.1. Dann kann ich auch tatsächlich einfach http://instahub.grg in den Browser eingeben, obwohl es diese Adresse im Web gar nicht gibt, und lande bei 127.0.0.1, also letztlich dem Webserver unter XAMPP. Leider bringt mir das für die Schule nichts: Zum einen kann ich da nicht in die Windows-Systemdateien eingreifen, zum anderen müsste ich jede mögliche Subdomain von Hand in diese Textdatei eintragen.

Leichter zu lösen ist das zweite Problem, dass der öffentlich zugängliche InstaHub-Ordner logisch auf der obersten Webserver-Ebene und nicht in einem Unnterverzeichnis liegen muss, wie es tatsächlich der Fall ist. Das lässt sich aber durch eine Konfigurierung des XAMPP-System anpassen. Und dieses XAMPP-System kann ich auch in der Schule laufen lassen.

Also werde ich in den sauren Apfel beißen und mir einen ordentlichen Webserver mieten müssen. Denn ausprobieren will ich InstaHub (das dann natürlich InstaMeineSchule heißen würde) schon.

Fazit für den Einsatz in der Schule:

  • Zur Didaktik wieder nichts, weil mir da viel einfällt.
  • Sehr schön: das Design. Mir selber würde es reichen, wenn es auf einer strukturellen Ebene Instagram und dergleichen entspricht, aber angenommen werden solche Projekte von vielen Schülern und Schülerinnen nur dann, wenn sie auch gut aussehen.
  • Lieber wäre mir, wenn eine einzelne Datenbank ausreichen würde. Aber das wäre sehr unpraktisch, umständlich, fehleranfällig und von der Leistung her ungünstig, okay, okay.
  • Installation: Auf einem echten Webserver sicher leichter zu installieren, aber unter Windows kann man – leider nicht für den Schulbetrieb – das ganze schon einmal ausprobieren. Julians Installationsanleitung ist verständlich und man kommt damit auch als verhältnismäßiger Laie zurecht.
  • Man kann auch Julians Server dazu benutzen, muss sich dazu nur bei ihm als Lehrer melden, dann gibt er einem Lehrerrechte auf seiner instahub-Installation, und als Lehrerin wiederum kann man die sich zugeordneten Schüler und Schülerinnen und deren Datenbanken verwalten.
  • Trotzdem erfordert das Eingewöhnungszeit, aber dann kann man schöne Sachen damit machen.

Wieder was gelernt, bei der Fortbildung, und vor allem danach, beim Ausprobieren. Fachliche Fehler sind nicht ausgeschlossen, ich habe viel zusammengefasst und möglicherweise falsch.

Karl May wiederlesen: Orientzyklus, Band 4-5

Nachdem ich letztes Jahr die ersten drei Bände gelesen habe, kommen hier meine Anmerkungen zu 4 und 5. Lang geworden, da Notizen für mich; unter den DIagrammen steht jeweils das Wichtigste.

In den Schluchten des Balkan

Titelbild "In den Schluchten des Balkan"

Kapitel 1: Kara Ben Nemsi, Halef, Osko und Omar Ben Sadek verfolgen die drei Flüchtigen. Sie erfahren, dass noch jemand hinter diesen her ist, wohl ein Bote, der sie vom Überleben der Helden informieren will. Außerdem fällt zum ersten Mal der Name des Schut als Anführer der Räuberbande. Kara trennt sich, weil der mit seinem schnellen Pferd und Querfeldeinritt den Boten überholen will; er wird die anderen später treffen. Auf dem Weg gewinnt er das Vertrauen des Rosenzüchters Jafiz, der schenkt ihm Rosenöl (gegen Tabak), hilft ihm beim Weg, und empfiehlt ihm seinen Bruder Schimin, einen Schmied – der kenne Geheimzeichen der Räuberbanden. Kara erreicht die Schmiede und befreit den Schmied und dessen Frau – die drei Flüchtigen hatten sie im Keller gefangen, weil sie erkannt worden waren. Der Schmied erzählt vom neuen Geheimzeichen, einer silbernen Schnalle. Philosophisches Gespräch zwischen Kara und Schimin über Kolonialisierung.
Bald taucht auch der erwartete Bote (Pimosa/Mosklan) auf und wird selber in den Keller gesteckt.

Kapitel 2: Mosklan behauptet, Boschak, ein Zuckerbäcker und Färber, könne für ihn bürgen. Auf dem Weg zu diesem schließt Kara – wieder einmal – zufällig günstige Freundschaft mit einem Fremden, Ali, der Ikbala, die Tochter Boschaks liebt – unterstützt von der Mutter, wogegen der Vater sie eben dem Mosklan versprochen hat. Kara hilft der Mutter und entdeckt dabei ein Schmugglerlager Boschaks. Dessen Kontakt ist Deselim, Waffenschmied und Kaffeewirt in Ismilan (ein Schwager des Schut). Kara epresst Boschak, sich vom Schmuggelkumpan Mosklan zu lösen und seine Tochter Ali zu geben. Dann wird Kara von Boschak auf einen Botengang zu einem Bettler mit Wald geschickt – doch es deutet sich bereits an, dass dieser eine Falle vorbereitet hat.

Kapitel 3: Eine Falle, Kara wird überwältigt und für tot gehalten. Zur Hütte kommen weitere Schurken, auch Deselim. Halef kommt und rettet Kara. Deselim stiehlt Rih, stirbt aber bei der Verfolgungsjagd. Mosklan ist dem Schmied entkommen, sein Gebiss wird von Kara beim Kampf zerschmettert. Boschak stimmt endlich der Hochzeit zu, es gibt detailiert beschriebenen Hammel-Pilaw. Die Schurken – freigelassen, letztlich – gehen weg, einer will allerdings Verwandte Deselims zum Angriff anstacheln. Kara und der Schmied Schimin verfolgen ihn und holen ihn ein. (Halef so: „Du willst doch nicht etwa auch in dieser Nacht uns voranreiten?“ Aber klar will er.) Weitere philosophische Gespräche, Kara schenkt dem Schmied ein Neues Testament und macht diesen glücklich damit.

Kapitel 4: Kara trifft in heruntergekommener Kneipe Spuren des Reisenden Madi Arnaud, dem der Wirt eine Brieftasche gestohlen hat und der die Magd, die das gesehen hat, auspeitschen lässt, bis Kara eingreift. Alle vier wieder vereint reisen nach Ismilan, kehren beim Bruder des toten Deselim ein. Omar und Osko sind zwar wieder dabei, kriegen aber weiterhin nichts zu tun. Alle geben sich als Mitglied der Räuberbande aus. Sie erfahren, dass Manach el Barscha nach Menelik will, zum Fruchthändler Glawa. Sie treffen im Gasthaus den Madi Arnaud, tatsächlich: Martin Albani. Er sing Stanzl. Sie kennen ihn aus Band 1. Er will auch nach Menelik.

Kapitel 5: Auf dem Weg werden sie aufgehalten, weil sie eine tote Frau finden, eine heimliche Christin; sie trösten ihren Mann und die Kinder und erfahren ihre Geschichte. Sie war zum Christentum bekehrt worden von einer dann aus dem Haus gejagten Dienerin. Kara bringt dem Witwer das Christentum näher, wieder einmal. („Ich als Laie konnte freilich an ihm nicht zum Missionär werden.“) In Menelik werden sie abgepasst und landen bei einem Fuhrmann, der ihnen verheimlicht, dass das Haus des Fruchthändlers gleich nebenan ist – Kara soll von den Verschwörern gefangen genommen oder getötet werden. Hilfe erhalten sie von einer Dienerin im Haus des Fruchthhändlers, eben jener christlichen Magd. Kara belauscht die Bande von einem Taubenschlag aus, als Halef dazu kommt, stürzen sie herunter, entkommen aber. Vorher hören sie, dass Manach el Barscha in der Ruine von Ostromdscha wartet.

Kapitel 6: Auf dem Weg helfen sie einem Paar, dessen tote Tochter für einen Vampyr gehalten wird. Es war dann doch der Knecht, der den Verlobten der Verstorbenen vergiftet.

Kapitel 7: Ein Han, ein Gasthof: der gute Wirt Ibarek ist in der Nacht zuvor bestohlen worden, und zwar von den Flüchtigen, Manach el Barscha und dessen Gefährten. Kara macht sehr einen auf Sherlock Holmes, „die geknickten Nesseln sind nicht verwelkt; sie hängen nur matt ihre Blätter“. Er entdeckt, wie der Diebstahl abgelaufen ist, und will dem Wirt helfen – mit ihm Richtung Ostromdscha. Zwei Boten aus Menelik kriegen Freigetränke im Han, damit sie nicht nachkommen und warnen. (Kara belauscht sie noch vor der Abreise, obwohl Horchen eine Schande ist. Außerdem erfahren sie, dass es um einen Mübarek geht, der ein Passwort erwartet.) — Kara erklärt nebenbei ein bisschen Astronomie: dass es Sterne gibt, die wir noch gar nicht sehen, und welche die wir sehen, die es aber nicht mehr gibt.

Kapitel 8: Zur Ruine von Ostromdscha. In der Ruine soll es Geister geben, die der vor fünf oder sechs Jahren herbeigekommene und wie ein Heiliger verehrter Mübarek zu bannen sucht; die Geister gibt es aber auch erst seit der Zeit. Immer wieder werden Tote gefunden, mit den Hals umgedreht, das wird den Geistern zugeschrieben. Die Leute glauben, dass der Mübarek Krähen und andere Vögel als Boten hält, die ihm alles zutragen. Tatsächlich führt er ein Doppelleben als an Krücken gehender Bettler. Halef legt sich mit einem albernen Polizisten an, der die Gruppe daraufhin beim Richter anzeigt. Währenddessen bringt Kara einen Spitzel dazu, das Passwort zum Mübarek zu verraten („Ein Vertrauter“). Außerdem macht er sich wieder Freunde, indem er einer armen Frau Geld schenkt und ihr Rat gegen den Rheumatismus gibt. Dann das Übliche hin und her mit der korrupten und zu beeindruckenden Obrigkeit. Während der Mübarek als Schreiber bei der Gerichtsverhandlung wartet, überraschen die Helden die drei Verfolgten und fesseln sie. Dann auf zur Gerichtsverhandlung – die Handlung bricht mittendrin ab.

Diagramm zur Handlung:

Diagramm zu In den Schluchten des Balkan

  • Weniger interessant als Band 1 oder gar 1, Städte als Schauplatz sind mir lieber als Dörfer oder Gehöfte.
  • Das Wort „Firnis“, dem ich hier im Grundschulalter zum ersten Mal begegnete, taucht endlich auf, aber wirklich nur in einem Nebensatz. Was einem so alles hängen bleibt.
  • Schön beschrieben: Der fette und nicht sehr hygienische Hammel-Pilaw zur Verlobungsfeier von Ali und Ikbala.
  • Die Handlung ist letztlich linear und überschaubar: Am Anfang reiten sie den drei Verfolgten hinterher, am Ende haben sie sie endlich eingeholt, das war es letztlich. Kurzer Ausblick auf Band 5: Die Verfolgten entkommen, und es geht wieder den ganzen Band hinterher.
  • Unerwartet die Vampirgeschichte in Kapitel 6, die als ausgeführte, aber gänzlich unverbundene Geschichte nicht zum Rest passt. Hier wollte Karl May woll ein bisschen Dracula-Stimmung mitnehmen.
  • In Kapitel 1 und 2 ist Kara ben Nemsi weitgehend allein, danach ein bisschen mit Halef unterwegs; die beiden anderen – Osko und Omar – sagen kaum mal einen Satz und sind völlig überflüssig.
  • Am ehesten sind sie mit NPCs beim Rollenspiel zu vergleichen, Non-Player Characters, die man gut spielen kann oder nicht – hier reiten sie einfach mit, man kann sie vielleicht mal da oder dorthin als Boten schicken, aber alle Enstcheidungen werden von den NPCs getroffen. Wie bei einem nicht gar so guten Überland-Szenario bei einem Rollenspiel ist die Handlung linear, mit kleinen folgenlosen Sidequests, dazu farbige Hintergründe, Wikipediaten zu Preisen und Entfernungen, aber alles recht zweidimensional.
  • Der Diebstahl beim Gastwirt Ibarek ist ganz interessant; hier gibt Kara den Sherlock Holmes: Ein leerer Tresor, der nicht geöffnet worden zu scheint, Spuren vor dem Fenster, das volle Programm.
  • Zum Weiterlesen: „Von Arnauten und Skipetaren. Albanien und die Albaner bei Karl May“ von Michael Schmidt-Neke

Durch das Land der Skipetaren

Titelbild "Durch das Land der Skipetaren"

Der Mübarek wird entlarvt und gefangen genommen, entkommt aber mit den drei anderen Gefangenen – Spoiler: Am Ende des Buchs sind sie immer noch flüchtig, wie schon am Ende des vorletzten Bandes.

Kara macht den Leuten weis, er sei kugelfest, indem er Kugeln aus Wismut und Quecksilber gießt, die sich nach dem Schuss auflösen, bevor sie Schaden anrichten können. (Das Rezept gibt der Autor nicht an, weil kein Laie das nachmachen soll.) Den Helden lauert ein Räuber-Brüderpaar auf, die Aladschy, die werden aber überlistet, indem sich Kara als wandernder Moslem ausgibt. Dabei verstaucht er sich den Fuß und verbringt den Rest des Buchs hinkend oder sitzend beziehungsweise reitend.

In einer Ortschaft werden Kara und die anderen in eine Falle gelockt, weil der Mübarek und die anderen vor ihnen da sind und sie in eine Felsenhütte locken, in der die Helden verhungern sollen. Aber sie entkommen und verwunden dabei den Mübarek, töten den Fleischer, der sie in die Falle gelockt hat. Der Bruder des Fleischers nimmt sich der Blutrache an, wird von Kara besiegt und freigelassen, woraufhin er die Blutrache ruhen lässt und Kara zeremoniell sein Beil übergibt. Aber es gibt einen neuen Feind: Suef, der Schneider, der sie führen soll und in eine weitere Falle lockt, nämlich in das Haus des Habulam. Dort werden die Verfolger im Turm der alten Mutter untergebracht, ein Gift-Mordanschlag scheitert, weil Kara zuvor Freundschaft mit einer Magd und einem Knecht geschlossen hat. Ein weiterer Anschlag fällt ins Wasser – die belauschten Schurken wollen von oben herab die Helden überfallen, aber die verriegeln die Falltüre und setzen mit einem Schlauch das oberste Stockwerk unter Wasser.

Die eigentlichen Feinde entkommen wieder, die anderen – Habulam und Suef – erhalten die Bastonade und werden ausgehorcht, so dass Kara weiß, wo es weiter zum Schut geht, nämlich zum Karanirwan-Khan.

Diagramm zur Handlung:

Diagramm zu Durch das Land der Skipetaren

  • Noch weniger ergiebig als der vorhergehende Band.
  • Das Phosphorfläschchen Karas, an das ich mich noch erinnerte, kommt endlich zum Einsatz.
  • Die Wasserspiele auf dem Turm sind selbst für Halef eine alberne Idee.
  • Eine schöne Nebenfigur: Der erst hochmütig-quacksalberische, aber später durchaus lernfähige Arzt, der von Kara ben Nemsi lernt, Brüche und Verstauchungen einzugipsen, sofort den Wert dieser Technik erkennt und voller Enthusiasmus das an einem Versuchskaninchen von Kopf bis Fuß erprobt.

Typographie in Deutsch und Informatik (nur so als Einstieg)

Informatik in meiner 6. Klasse findet nicht immer statt; nachmittags sind oft Konferenzen. Immerhin habe ich die Klasse parallel in Deutsch, so dass ich wenigstens die Namen der Schüler und Schülerinnen kenne. Im Deutschunterricht lasse ich sie am Rechner schreiben, im Informatikunterricht nehme ich als Beispiele Texte aus dem Deutschunterricht.

Gestern ging es um die Klasse ABSATZ bei Textverarbeitungssystemn und deren Attribute; davor wiederholten wir die lange zurückliegende Klasse ZEICHEN und deren Attribute – darunter zum Beispiel die gewählte Schriftart. Und dass solche Schriften entworfen werden und 10.000 Euro kosten (habe ich mal so geraten, hängt sicher von vielen Dingen ab) und dass es allein schon mal deswegen rücksichts- und geschmacklos ist, so einen sorgfältig gestalteten Zeichensatz durch automatische Unterstreichung zu verhunzen. Denn ja, liebe Kinder, Unterstreichung als Mittel der Hervorhebung ist legitim bei alten Schreibmaschinen; wenn man nicht auf einer solchen arbeitet, nutzt man stattdessen andere Möglichkeiten – der Text kann fett sein oder kursiv oder in einer anderen Schriftart und -größe (aber vielleicht auch nicht alles davon auf einmal). Auf Fortbildung neulich so ein Medienmensch, der iPads für seine Schüler forderte, aber munter die Unterlängen seiner Zeichen beim Unterstreichen durchsäbelte – wer keinen Sinn für Form hat, dem traue ich auch beim Inhalt nicht.

Und dann ging es um Times New Roman und Comic Sans, und was da jeweils das Problem ist oder nicht ist – genug, am nächsten Tag präsentierte ich im Deutschunterricht den Schülern und Schülerinnen ein Gedicht, das wir ein bisschen besprachen, bevor ich dann ihre Meinung zum verwendeten Zeichensatz einholte. Den hatte ich nämlich selbst entworfen, basierend auf meiner Handschrift.

Darauf teilte ich in der Klasse eine Tabelle aus, so dass jeder sich selber eine Schrift zusammenbasteln konnte. Und in einer halben Stunde im Lehrerzimmer hatte ich aus dem ersten Dutzend Entwürfen jeweils TrueType-Zeichensätze gemacht, die jetzt zum Beispiel unter Windows wie andere reguläre Zeichensätze verwendet werden können:

Schriftarten der Klasse 6a

Das sind die Schriftarten aus der Klasse, dazu meine und die eines Kollegen, der an der Theke im Lehrerzimmer auch rasch mitspielte. Dass manche Schriftarten sich ähnlich sind, liegt am Entstehungsprozess, dazu später mehr. Der Sinn… Wertschätzung von Schriftarten, Reflexion der eigenen Handschrift, Spaß am Gestalten. Dazu informatisch: Vektorgrafiken, Umgang mit Informatiksystemen. Denn der fertige Zeichensatz lässt sich noch bearbeiten; an einzelnen oder allen Zeichen kann man feilen.

Das Grundwissen dazu:

  • So ein Zeichensatz besteht aus einer Sammlung von Vektorgrafiken. Jedes Zeichen ist eine kleine Vektorgrafik, die mit einem Programm erstellt werden kann. FontForge ist so ein Propgramm, mit dem man unter anderem TrueType-Dateien einlesen und verändern kann. Open Source, gibt’s auch in portable.
  • Man kann handschriftliche Zeichnungen digitalisieren und in eine Vektorgrafik umformen lassen. Inkscape ist ein Programm, mit dem man das machen kann, auch Open Source.
  • Für vieles, was man manuell selber machen kann, gibt es Webseiten, die das für einen erledigen.

Unter http://www.myscriptfont.com/ ist so eine Seite. [Nachtrag: Die Seite gibt es nicht mehr, sondern stattdessen einen Nachfolger, für den man sich registrieren muss. Schade! Ich müsste mal schauen, ob es das noch anderswo gibt.] Man druckt eine Vorlage aus (einfacher gleich als png herunterladen und nicht als pdf, weil die pdf-Datei im Letter-Format ist), füllt sie mit schwarzem Filzstift aus. Füller geht nicht so gut, Kugelschreiber und Bleistift gar nicht, denke ich. Doppelt vorsichtig sein bei den Unterlängen, gerade beim g lieber noch zusätzlich Platz lassen. Dann scannt man die Vorlage ein, mit einem echten Scanner, nicht mit dem Handy. Bei Füller muss man unbedingt noch mit der Gammakorrektur kräftig verdunkeln. Die Bilddateien lädt man bei der Seite hoch, und schon hat man seine TTF-Datei.

Mit den richtigen Werkzeugen geht das wirklich im Handumdrehen: Die Schüler-Blätter per automatischem Einzelblatteinzug im Kopiergerät der Schule einscannen und auf USB-Stick speichern. (Das können Kopiergeräte heute.) Allerdings speichert das Kopiergerät das dann alles in einer einzigen pdf-Datei, also braucht man ein Programm, mit dem man aus pdf-Dateien Grafiken (png oder jpg) erstellen kann. Weil ich das oft brauche, habe ich das ohnehin auf meinem kleinen Privatrechner, den ich in der Schule immer dabei habe. Gammakorrektur braucht am längsten, und wenn es mehr gewesen wären, hätte ich den Batch-Modus bei IrfanView genutzt; ist eh auch am Rechner. Morgen kriegen die Schüler und Schülerinnen ihre Fonts, die anderen wollten noch zu Hause an den Vorlagen arbeiten. Danach schauen wir uns die Fonts in FontForge an. Es macht wirklich Spaß, mit Informatiksystemen umgehen zu können.

Mit einem Dienstrechner wäre das alles übrigens nicht gegangen. Deswegen ist es unsinnig, wenn in NRW gerade der Datenschutz dahingehend interpretiert wird, dass Lehrer keine Schülerdaten auf Privat-, sondern nur auf Dienstrechnern verarbeiten dürfen.

– Für meine Zulassungsarbeit in Mittelhochdeutsch im letzten Jahrtausend habe ich übrigens bereits Zeichensätze angepasst. Da ging es um die Analyse einer frühneuhochdeutschen Handschrift hinsichtlich der Schreibung und des mutmaßlichen Lautstands bei Lautveränderungen, und da brauchte ich viele spezielle diakritische Zeichen. Klar hätte ich die alle unter „å“ zusammenfassen können, aber so war es viel lustiger.

Nachtrag: So sieht ein Zeichen aus, wenn man es nachträglich bearbeiten will.

Zeichen "e" in Software FontForge