Laurie R. King, The Moor

Vielleicht ist das ja ein ganz gutes Buch, es ist ja immerhin ein Bestseller. Aber für mich war es wohl nichts. Gelesen habe ich es, weil ich mich gerade mit Arthur Conan Doyles The Hound of the Baskervilles beschäftige, und damit hat dieses Buch etwas zu tun.

The Moor (1998) ist der 4. Band der sehr erfolgreichen Krimi-Reihe um Mary Russell. Das Erscheinen des ersten Bands vor über zwanzig Jahren hatte ich mitgekriegt (inzwischen gibt es wohl 18 Bände), darin trifft die fünfzehnjährige Mary Russell auf den knapp vierzig Jahre älteren Sherlock Holmes und lässt sich von ihm zur Detektivin ausbilden. In den erzählten Geschichten, habe ich gelesen, geht es eher um Mary als um Holmes.

Mit diesen Erwartungen wurde ich von The Moor enttäuscht. Inzwischen sind Holmes und Russell (sie behält ihren Mädchennamen) verheiratet, auch wenn sie viel Zeit getrennt von einander verbringen. Der betagte Reverend Sabine Baring-Gould, ein versierter Heimatkundler und viel veröffentlichter Universalamateur, kennt Holmes von früher und bittet ihn, einen Todesfall und Gerüchte um sein geliebtes Dartmoor aufzuklären. So richtig klar wird mir der Anlass nicht, aber Holmes ist nun einmal da und schickt nach Russell. Die kommt auch, mit den verlangten Karten und einem Kompass, und leistet Holmes eheliche und andere Gesellschaft. — Erst ab der zweiten Hälfte gewinnt die Handlung an Fahrt. Da trennen sich Holmes und Russell auch mal für eine kleine Weile. Russell kommt dem Geheimnis auf die Spur, letztlich indem sie eine Stelle in einem Buch von Baring-Gould sie auf eine Idee bringt. Viel mehr detektivische Arbeit ist nicht nötig, auch wenn Russell viel Zeit im durchaus atmosphärisch geschilderten Moor verbringt. (Holmes kommt währenddessen zu den gleichen Erkenntnissen wie Russell. Das einzige, was Russell wirklich beisteuert, ist die Erkenntnis, dass die Vorbesitzerin von Baskerville Hall mit einem unerwarteten Verdächtigen verlobt ist. Aber was der sich überhaupt dabei gedacht hat, erfahren wir nie, es kann auch kein sinnvoller Bestandteil eines Plans gewesen sein.)

Ich hatte mir mehr erhofft. Russell ist eher noch weniger selbstständig als Watson. Verrirt erschrickt sie im dichten Nebel im Hochmoor („the sharp terror of a looming figure, which would turn out to be a standing stone“, S. 77), statt sich darüber zu freuen, einer Menschenseele zu begegnen. Die Atmosphäre von Dartmoor macht ihr zu schaffen (S. 76). Auch Holmes ist weit davon entfernt, der Übermensch zu sein, von dem Watson erzählt: Nur ein einziges Mal macht er einen angeberischen Schluss (S. 118). Das ist vielleicht realistischer, aber wenn ich Realismus möchte, lese ich doch keinen Holmes.

Auch sprachlich überzeugt mich das Buch nicht. Ich bin da pingelig. Baring-Gould erklärt den Namen seiner Familie: „My name combines two families: the Crusader John Gold, or Gould, […] and that of the Baring family.“ Diese Konstruktion geht im Schriftlichen, aber nicht mündlich. — Das Buch spielt 1923, die Sprache klingt aber modern. Russell hängt in der Vorratskammer an den Fingerspitzen am Regal „like a rock climber“ (S. 136); sie sagt: „I need to ask“ statt „I must“ oder „have to“ (S. 245) — für meine Ohren klingt das modern, und Google Ngrams stimmt mir da zu. Aber gut, vielleicht ist Russell ihrer Zeit voraus. Ohnehin ist das Manuskript ja unbestimmt jünger als 1923, denn wie bei den Flashman-Romanen fungiert King nur als Herausgeberin angeblich gefundener Manuskripte. Aber während mir bei Flashman und Watson klar ist, für welches Publikum und aus welchem Anlass sie schreiben, sehe ich das bei den Russell-Erzählungen nicht. Russell schreibt ihr Manuskript nicht aus einer erkennbaren historischen Distanz, also nicht auktorial-rückblickend-allwissend.

Ich fühle mich nörgelig. Aber ich hatte mir halt mehr erhofft. Wer weiß, vielleicht mildert die Zeit wieder mal mein Urteil.

Bücher 2018

Meine gelesenen Bücher 2018. Zu sehr wenigen davon habe ich etwas gebloggt, zu anderen einen Podcast gemacht. Die Bücher mit ° habe ich wiedergelesen. Ingesamt deutlich sind es weniger als in den Vorjahren, und es sind auch viele recht kurze Sachen dabei. Dafür habe ich etliche andere Bücher ungeduldig nach fünfzig oder hundert Seiten weggelegt. Am meisten in der Erinnerung: J. G. Farrell, Troubles und Salomon Herrmann Mosenthal, Erzählungen aus dem jüdischen Familienleben, über das ich noch einmal schreiben möchte.

7 Bücher von Frauen, 32 von Männern, Rest so nicht zuordenbar. 12 Bücher wiedergelesen. 9 Nonfiction.

  1. Mary Beard, SPQR
  2. Salomon Herrmann Mosenthal, Erzählungen aus dem jüdischen Familienleben
  3. Sue Townsend, Adrian Mole: The Cappuccino Years
  4. Sue Townsend, The Lost Diaries of Adrian Mole 1999-2001
  5. E.M. Forster, Apects of the Novel
  6. Private Detective Stories Vol. 19 No. 2 (1946)
  7. E. F. Benson, Miss Mapp
  8. John Jakes, Die Götzen erwachen° (Podcast)
  9. Tales of Magic and Mystery Vol. 1 No. 3 (1928)
  10. Karl May, In den Schluchten des Balkan°
  11. Kenneth Robeson, The Thousand-Headed Man° (Podcast)
  12. Karl May, Durch das Land der Skipetaren°
  13. Ray Bradbury, Fahrenheit 451°
  14. Eugen Roth, Sämtliche Menschen°
  15. Slightly Foxed No. 27
  16. James Joyce, A Portrait of the Artist as a Young Man°
  17. Volker Weidermann, Ostende
  18. Michael Chabon, The Yiddish Policemen‘s Union°
  19. Slightly Foxed No. 58
  20. Hugh Walker, Das Heer der Finsternis° (Podcast)
  21. Pu Sung-ling, Umgang mit Chrysanthemen
  22. Heinrich Böll, Irisches Tagebuch
  23. Julian Baggini, 100 Philosophische Gedankenspiele
  24. Roddy Doyle, A Greyhound of a Girl
  25. George Orwell, The Road to Wigan Pier
  26. Spicy Mystery Stories August 1935
  27. Lin Carter, Kämpfer wider den Tod (Terra Fantasy 15)° (Podcast)
  28. J. G. Farrell, Troubles
  29. Slightly Foxed No. 59
  30. Denis Diderot, Die Unterhaltung eines Philosophen mit der Marschallin de Broglie wider und für die Religion
  31. Daphne du Maurier, Don‘t Look Now
  32. Wolf Haas, Junger Mann
  33. Michael Ondaatje, Warlight
  34. Jane Austen, Lady Susan
  35. Andre Norton, Angriff der Schatten° (Podcast)
  36. Robert E. Howard, Rächer der Verdammten° (Podcast)
  37. Slightly Foxed No. 560
  38. Ian McEwan, Nutshell
  39. Michael Moorcock, Feind des Dunklen Imperiums
  40. John Jakes, Am Abgrund der Welt
  41. Spike Milligan, The Hound of the Baskervilles According to Spike Milligan
  42. Elizabeth Strout, My Name Is Lucy Barton
  43. Birte Alber/Carsten Cording, Eichhörnchen entdecken!
  44. Shaun Tan, The Arrival

(Bücher 2017.)
(Bücher 2016.)
(Bücher 2015.)
(Bücher 2014.)
(Bücher 2013.)
(Bücher 2012.)
(Bücher 2011.)
(Bücher 2010.)
(Bücher 2009.)

Letzte Schulwoche, Weihnachten 2018

In der letzten Schulwoche fiel ein Referat in der Q11 aus. Ich mache gerade eine kleine Runde amerikanische Geschichte des 20. Jahrhunderts, auch anhand von Liedern – Strange Fruit; Buddy, can you spare a dime; Ten cents a dance – und da füllte ich vor Weihnachten die fehlenden dreißig Minuten mit einem thematisch passenden Film. Erst hielt ich die DVD zu O Brother, Where Art Thou? hoch und erklärte den leuchtenden Kinderaugen, dass wir das heute nicht ansehen würden. Sondern dafür einen anderen Film, schwarzweiß, von 1941, sie sollten sich also darauf einstellen.

Der andere Film war Sullivan’s Travels, über den ich hier vor zehn Jahren kurz etwas geschrieben habe, und von dem die Coen-Brüder den Titel ihres Films entliehen haben. Regie und Drehbuch: Preston Sturges, IMDB nennt als assistant writer (uncredited) auch Ernst Laemmle, einen Neffen von Universal-Gründer Carl Laemmle. Gestern war ich in der
Sonderausstellung „‚Ehem. jüdischer Besitz‘ – Erwerbungen des Münchner Stadtmuseums im Nationalsozialismus“ und stieß dort auf die Münchner Lämmle-Familie, die nach und nach entrechtet und enteignet wurde und von denen Carl Laemmle vielen zur Emigration in die USA verhalf (wie vielen anderen auch). Es ist halt nicht so lange her und nicht so ferne Vergangenheit.

Sullivan’s Travels ist ein Meisterstück. Die Komödie beginnt mit aufgeregter Musik und einer ausführlichen Faustkampfszene auf einem fahrenden Zug, an deren Ende die beiden Kämpfer in tödlicher Umklammerung in einen Fluss stürzen, worauf „The End“ eingeblendet wird. Schnitt auf eine kleine Zuschauergruppe im Vorführraum, ein Mensch interpretiert begeistert: „Das Kapital und die Arbeit zerstören einander!“, und genau so einen Film möchte er – der erfolgreiche Komödienregisseur John L. Sullivan – in Zukunft auch machen, einen Film mit Moralischer und Gesellschaftlicher Bedeutung. Und dieser Film soll eben O Brother, Where Art Thou heißen: Ein ernsthafter Film über die Armen und Unterdrückten.

Weil Sullivan aber keine Erfahrung im Armsein hat, zieht er als Landstreicher los, verfolgt von einem Tross Pressesprecher und Journalisten. Die schüttelt er bald ab und erlebt danach in Tonfall und Ernsthaftigkeit sehr unterschiedliche Abenteuer.

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Ich hatte ja befürchtet, dass der Film für den heutigen Geschmack zu langsam sein würde. Pustekuchen. Es gibt theaterhafte Szenen voller schneller Dialoge, rasante Slapstickeinlagen, langsames Kennenlernen von Held und Heldin, lange, stille Szenen – man muss schauen, dass man mitkommt, weil das von den gewohnten Erzählmustern im Film abweicht.

– Mit der 7. Klassen spielten wir am letzten Schultag vor den Ferien (an dem kein Unterricht mehr stattfindet, sondern nur Gottesdienst und Kuscheln und Früheraus) das „Alle, die wo“-Spiel. Man sitzt im Kreis, einer steht in der Mitte. Der oder die sagt dann „Alle, die wo…“ zum Beispiel: „…eine Brille tragen“, und alle die müssen aufspringen und sich einen neuen Sitzplatz suchen. Zwischendrin sucht sich auch der in der Mitte einen frei gewordenen Platz, so dass am Ende wieder jemand anderes in der Mitte steht.

Der Reiz am Spiel sind natürlich die Fragen. „Alle die wo schon einmal besoffen waren“, „Alle die schon mal einen perversen Film gesehen haben“.
(Beim Wichteln wird unter den Mädchen übrigens Kosmetik verschenkt. Das wusste ich so noch nicht.)

– Weihnachten gab es dann viele Familienbesuche, dazwischen machte ich eine Entenpastete nach diesem Rezept. Das ist nicht gar so aufwendig, wie es klingt, und schon wohl eher ein Einsteigermodell ins Pastetenmachen, aber auch diese Pastete gelang mir erst jetzt einigermaßen brauchbar. Ich hatte es vor anderthalb Jahren schon einmal versucht. Der Trick: Man braucht eine auseinandernehmbare Pastetenform und eine Anleitung, wie man den Teig ordentlich in die Form kriegt. (Ordentlich abmessen, Ecken nicht abschneiden, leicht bemehlen, zusammenlegen und in die Form legen – und dort wieder auseinanderbauen.)


(Bilder großteils von Frau Rau.)

– Und eben habe ich drei kurze Bücher gelesen, nämlich:

  • Shauna Tan, The Arrival: Eine Graphic Novel ganz ohne Text, nur mit Zeichnungen erzählt, um Immigration und Fremdheit und Vertrautheit. Ein Mann aus einer uns vertraut erscheinenden westlichen Kultur emigriert arbeitssuchend in eine vage an ein fantastisches New York um 1900 erinnernde Stadt, die für ihn wie für den Leser fremd und exotisch und erst einmal unerklärt ist. Maschinen und Tiere sehen märchenhaft und zutiefst unvertraut aus. EMpfehlung meiner Nichte, die das als Schullektüre in der 7. Klasse gelesen hat. Respekt.
  • Birte Alber/Carsten Cording, Eichhörnchen entdecken! Alles über Eichhörnchen am Balkon, und ich bin ja Eichhörnchenbeobachter.
  • Miriam und Ezra Elia, Wir gehen in eine Ausstellung. Ein Mistkäfer-Buch, von denen es inzwischen wohl schon vier gibt, angelehnt an die Ladybird-Serie von Penguin Books, vergleichbar den Conny-Büchern bei uns. Nur eben mehr für Erwachsene. Mutti, John und Susan gehen in eine Ausstellung; neben den Illustrationen im 1970er-Jahre-Stil steht in freundlich runden serifenlosen Buchstaben der Text:

    „In dem Raum ist nichts, weil Gott tot ist“, sagt Mutti.
    „Oje“, sagt John.

    „Ich konnte keine Künstlerin werden, weil ich euch bekommen habe“, sagt Mutti.

Ach ja, noch als Nachtrag: Bei Amazon.de sind über 20.000 nahezu identische Titel lieferbar, wenn man nach „All-Inclusive Self-Assessment“ sucht. Blah-Text für 69 Euro, der sich nur in dem einen Computerschlagwort des Titels unterscheidet. Darauf gekommen bin ich auf der Suche nach dem Buch IBM and the Holocaust, die dann eben auch zu folgendem automatisch generierten Band führt: IBM and the Holocaust All-Inclusive Self-Assessment – More than 720 Success Criteria, Instant Visual Insights, Comprehensive Spreadsheet Dashboard, Auto-Prioritized for Quick Results. Ich nehme mal an, diese angeblichen CD-ROMs gibt es nicht einmal zu kaufen, sondern sie dienen nur als Spam von irgendeiner Art? Spammen sich die Systeme gegenseitig zu, um Eindruck zu machen?

Zerreißt eure Schulbücher!

Es gibt ein in Spielerkreisen bekanntes Brettspiel, das heißt Pandemic, die Spieler und Spielerinnen müssen dabei gemeinsam die Welt vor einer Pandemie retten. Auf dieses Spiel gibt es eine Art Variante, die heißt Pandemic Legacy. Sie lehnt sich an das Ursprungsspiel an, enthält aber völlig neue Komponenten, und zwar vor allem diese: Man spielt nicht jedesmal das gleiche Spiel, sondern eine Art Kampagne. Die zweite Runde hat zusätzliche Regeln zur ersten, die nächste zusätzliche Spielfiguren, eine weitere ändert das Spielfeld. Wenn ich mich richtig erinnere, kann man das Spiel 18 mal spielen, dann ist es aus. Denn im Lauf des Spiels werden Karten zerrissen, beschriftet, die Spielfläche wird neu gezeichnet, mit Kugelschreiber und Schere und Filzstift wird herumgefuhrwerkt, man eröffnet verschlossene Umschläge mit Überraschungen. Pandemic Legacy hatte großen Erfolg (in Spielerkreisen) und ähnliche Titel folgten. Namensgeber und erstes solche Spiel war Risk Legacy, eine Risiko-Variante aus dem Jahr 2011.

So ähnlich komme ich mir gerade in meiner 7. Klasse im Deutschunterricht vor. Ich arbeite bewusst einmal richtig viel mit dem Buch und möglichst wenig mit Kopien und entdecke dabei interessante neue Sachen im Buch. Außerdem nutze ich mit den Schülern und Schülerinnen die Gelegenheit, die sich dadurch bietet, dass dieser Jahrgang der letzte G8-Jahrgang ist. Die kommende 7. Klasse im nächsten Jahr ist schon G9, hat einen anderen Lehrplan und andere Deutschbücher. Die alten Deutschbücher dürfen die Schüler und Schülerinnen behalten, jedenfalls war das im Vorjahr mit der 6. Klasse so, und die Schule wird die alten Bücher auch nicht mehr haben wollen.

Also nutze ich – bisher nur behutsam – die Möglichkeit, die Kinder zu einem anderen Umgang mit dem Buch anzuleiten. Reinschreiben und Unterstreichen? Kein Problem. Stichpunktlisten durchnummerieren? Dramatische Texte kürzen als Spielvorlage: Klar.

Noch bin ich nicht dabei, Seiten herausreißen zu lassen und als Papierflieger zu verwenden, und ohnehin hätte ich daran letztes Jahr bei der Vorgangsbeschreibung denken müssen. Aber ich bin sicher, das kommt noch. Am Ende des Jahres sollte jedes Buch ein Unikat sein. Vielleicht die Seiten kapitelweise herausreißen und zusammentackern als Heftergänzung? Die Lieblingsseite als Erinnerung ins Heft kleben? Gesichter ausmalen? Meinen Schülerinnen und Schülern fällt sicher auch etwas ein.

Und nächstes Jahr dann das gleiche mit der 8. Klasse!


Hausaufgaben, die gar nicht so gemeint sind

Wenn am Ende der Lehrprobe die Schüler und Schülerinnen die Hausaufgabe gestellt kriegen, wissen sie genau, dass sie die dann doch nicht zu machen brauchen. Oft ist sie ja eh von einer Form, die bisher noch nie da gewesen war, sie ist ja auch eher für die Seminarlehrer gedacht.

Auch Lehrer kriegen manchmal solche Anweisungen. Gerne fangen die an mit „Wie Sie alle wissen“ (ein Signalwort dafür, dass man vergessen hat, rechtzeitig an eine Sache zu erinnern), aber auch so ist manchmal klar, dass man diese Anweisung nicht so ernst nehmen muss wie andere. Details sind hier leider nicht möglich.

Und siehe da, auch ganze Schulen kriegen solche Hausaufgaben. Die Schüler und Schülerinnen der Unterstufe müssen ab in Bälde jeweils 10 kostenlose Unterrichtsstunden Einführung ins Tastschreiben erhalten. (So der Fachausdruck für Zehnfingersystem.) Danach können die Kinder dann alleine mit entsprechender Trainingssoftware weiter üben. Diese 10 Stunden seien im Rahmen von Projekten möglich oder von Vertretungsstunden.

Auslöser für diese Anweisung ist wohl die bayerische Zukunftsstrategie „Digitale Bildung in Schule, Hochschule und Kultur“, vor Jahren beschlossen, und da steht nun mal drin, dass alle Schüler und Schülerinnen eine Einführung ins Taschreiben kriegen sollen. Man hört meinem Tonfall an, dass ich wenig davon halte. Wie wäre es stattdessen mit 10 Stunden Ukulele für alle? Das hielte ich für sinnvoller, aber wohl auch schwieriger umzusetzen.

Den Wunsch nach Tastschreiben höre ich immer wieder mal. („Da hat man was in der Hand! Und man hat das Gefühl, dass man auf eigenen Füßen steht. Da hat man was Eigenes!“) Mitunter kommt das in Kombination mit der Klage darüber, warum man überhaupt zwei Fremdsprachen lernen muss am Gymnasium, eine reiche doch völlig aus. Und Tastschreiben ist wirklich sehr praktisch für diejenigen, die viel Texte abschreiben, weil man dabei nicht auf den Bildschirm schauen kann. Ichhab’s ja auch mal gelernt. Für andere ist es auch praktisch, und wer will, kann das ganz alleine und zu Hause jederzeit lernen, als Kind oder als Erwachsener. Mit digitaler Zukunft hat das aber wenig zu tun. Andere Inhalte am Gymnasium kann man sich nicht so leicht selber beibringen, und deshalb gehört das Tastschreiben da erst hin, wenn auch Zeit für wichtigere Inhalte da ist.  Also: Erst die Verkehrserziehung in den Vertretungsstunden, dann das Tastschreiben.

Bahnstreik, Zombies, Lehrpläne lesen

Ich habe eine meiner vielen E-Mails bei den Münchner Verkehrsbetrieben hinterlassen und werde damit darüber informiert, wenn es auf der Linie, die ich nutze, um zur Arbeit zu kommen, Schwierigkeiten gibt. Alle drei Tage kommt da etwa eine Nachricht, meist betrifft sie mich von der Uhrzeit her nicht. Aber am Sonntagabend wurde ich dadurch darüber informiert, dass bundesweit und wohl auch für München am Montag Warnstreiks drohen.

Also ging ich heute eine S-Bahn früher aus dem Haus (das sind etwa zwanzig Minuten), und nach wenigen Schritten an der frischen Luft erreichte mich die nächste Mail: Ja, es wird gestreikt, meine S-Bahn fährt erst mal überhaupt nicht. (Für andere Linien gab es wenigstens ein wenig Ersatz.)

Also fuhr ich statt mit der S-Bahn mit der Straßenbahn nach Pasing, meldete mich von der Fahrt aus bei dem Kollegen, der in Pasing wohnt, und konnte mit ihm mit dem Auto von Pasing aus meinen Weg fortsetzen.


Schule dann unterschiedlich, nun ja. In Q12 Englisch Kommaregeln wiederholt und dann Jonathan Coulton, „Re: Your Brains“ gehört:

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Den Text ausgteilt, Aufgabe dazu: Einen zusammenhängenden Text schreiben und dabei sehr auf die Kommas achten – Inhalt: Eine Songtextanalyse hinsichtlich der verschiedenen Sprachebenen: Monstersprache und corporate jargon.

Davor ausgefragt über US Government & Politics, in Form eines Online-Quizzes über die 100 potentiellen Fragen, von denen man 6 aus 10 richtig beantworten muss, um die US-Bürgerschaftskunde-Prüfung zu bestehen. Das mache ich jetzt eine Weile jede Stunde als Einstieg.

US Civics Practice Test: https://my.uscis.gov/prep/test/civics


Im Zusammenhang mit der Entwicklung des Mediencurriculums an unserer Schule lese ich auch die Lehrpläne der anderen Fächer, so nach und nach. Damit kann man manchmal überraschen.

Neu ist der Tanz in der 9. Klasse in Sport. Die Schüler und Schülerinnen „erarbeiten zielorientiert und systematisch einen Gesellschaftstanz und präsentieren ihn.“ Ich habe ein Herz für diesen optimistischen Lehrplantonfall. (Foxtrott wäre ja mein Favorit, der Lehrplan nennt „Rock ´n´ Roll, Cha-Cha-Cha, Salsa“ als Beispiele.)

Ich könnte mir auch gut vorstellen, wie sich erst einmal die Kollegen zielorientiert und systematisch einen Gesellschaftstanz erarbeiten und präsentieren. Ein bunter Abend, auf den ich tatsächlich mal ginge. Danach kann man mit mir auch übers Skilager reden, der den Sportlehrern wesentlich wichtiger zu sein scheint als das Tanzen.

„Die Schülerinnen und Schüler würdigen den Sinn umweltschonenden Sports.“ Was ist denn das für ein schwammiger Deskriptor? Ohnehin ist „würdigen den Sinn“ der kleine Bruder von „leck mich am Arsch.“ „Würdigen den Sinn“ zeigt sich nicht an einem konkreten Verhalten außer – auch nur vielleicht – einem Lippenbekenntnis.


Zum ersten Mal im neuen WordPress-Editor getippt. Sieht sehr, sehr unnötig aus. (Gehört in die gleiche Kategorie wie die Ubuntu-Umstellung auf Unity.)

Ein wenig Gejammer, ein wenig Musik

Dezember ist der anstrengendste Monat für Lehrer, noch vor dem Juli, jedenfalls für mich. Und diesmal hat der Dezember schon weit im November begonnen. Jedenfalls ist gerade viel los, ich bin nicht zufrieden, weil ich weder zum Lesen noch zum Bloggen komme. Dienstliche und private Termine, die Arbeit an der Uni (die ich immer wieder aufzugeben plane, vielleicht nächstes Mal), den Unterricht bereite ich schon ordentlich vor – aber indem ich quasi weit im Voraus plane, dass ich in drei Tagen diesen einen Slot von 45 Minuten nutze für die Vorbereitung jener anderen konkreten Stunde. Nu, irgendwann wird das auch wieder besser.

Der Lehrplan für das G9 ist jetzt auch für die Klassen 7-10 online; die Jahre 11-13 dauern dann wohl noch eine ganze Weile. Prompt war der Server überlastet, und er ist es immer noch. Klar ist das nur für die ersten Tage, aber digital protzen geht anders.

Am Montag wieder mal einen Freund besucht und zwei Episoden unseres sporadischen Podcasts aufgenommen, danach Musik gemacht – Ukulele und Klavier, beides auf unterschiedliche Weise dilettantisch, aber sehr vergnüglich. Davor beim Konditor zum ersten Mal seit zwanzig Jahren wieder einen Granatsplitter geholt. Der hatte eine Walnuss oben drauf und hieß „Nußknacker“, aber das war – hieß es – nur für die Vorweihnachtszeit. Danach kommt die Nuss wohl wieder herunter und der Granatsplitter kriegt wieder den ursprünglichen Namen.

Ich hatte einen Großonkel mit Granatsplitter im Kopf und einer schwarzen Klappe darüber; der Vater meines Freundes hatte einen im Kopf, der dann bis zum Kiefer wanderte und vom Zahnarzt entdeckt wurde. Alles natürlich aus dem Zweiten Weltkrieg; zu meiner Kindheit waren Kriegsversehrte kein häufiger, aber doch ein regelmäßiger Anblick im Straßenbild. Und gestern gab es wieder einen Fliegerbombenfund in München, mit Evakuierung und Entschärfung.

Dillingen 2018

Die letzte Woche war ich in Dillingen an der Donau auf Fortbildung. Dort gibt es die Akademie für Lehrerbildung und Personalführung. In einem früheren Blogeintrag habe ich ausführlich erklärt, was das ist.

Ich glaube, ich könnte mir das angewöhnen – eine Woche Fortbildung im Herbst. Ich kann länger schlafen als zu Hause (zumindest ein wenig) und komme am Abend zum Korrigieren (wenn ich nicht ausgehe oder in den Akademiekeller gehe, aber das bin ich nicht). Dafür habe ich den pädagogischen Tag an meiner Schule verpasst, der am Buß- und Bettag stattfindet, weil die Schüler und Schülerinnen da frei haben und die Lehrer und Lehrerinnen dafür einen Tag arbeiten müssen. Das muss nicht dieser Tag sein, aber der bietet sich an; lange Geschichte. Es mag sicher irgendwo pädagogische Tage geben, bei denen ich es schade finden würde, nicht dabei sein zu können. Aber bis dahin taugt mir der Termin.

In fast allen Bundesländern gibt es etwas, das Bildungsurlaub heißt – bis zu fünf Tage Urlaub im Jahr zur politischen oder beruflichen Bildung. Die Bundesrepublik hat sich 1974 verpflichtet, das einzuführen (sagt Wikipedia), aber wie das mit der Kulturhoheit der Länder ist: Bayern macht da nicht mit.

Dann eben so. Das Thema war Androidprogrammierung in Java, ein Thema, bei dem ich schon einige Vorkenntnisse hatte. Aber ich wusste, dass ich so oder so Zeit bekommen würde, vor mich hin zu programmieren, und da lerne ich am besten. Allerdings brauchte ich schon eine Einführung: Ich habe einfach keine Lust, über Tutorials oder gar – horribile dictu – Videos im Web mich in etwas einzuarbeiten.

Gelernt habe ich viel. Jetzt kann ich das so, wie ich möchte. Tatsächlich bietet einem der MIT App Inventor bereits viele wichtige Konzepte dafür, aber so ist man flexibler und kann vor allem eigene Klassen ergänzen.

Treppenhaus und Handtücher:

Collage aus Handtuch mit Aufschrift und Gewölbe-Treppenhaus

Genau so – nur etwas weniger gut erhalten – sah der Ausblick aus meiner alten Schule aus, ein sehr ehemaliges Kloster in Augsburg. Aber in diesen Hof kam man nicht hin, das gehörte dem Hausmeister. Hieß es damals immer. Und jetzt, wo ich mir das überlege, wird das wohl so nicht ganz korrekt gewesen sein, aber das fällt mir erst jetzt auf.

Ausblick auf Innenhof mit Gras

Abendessen. Das bunte rechts oben ist ein Krabbencocktail:

Tablett mit Essen

Insgesamt war das Essen der schwächste Teil der Fortbildung. Kaffee gab es nur zum Frühstück, und das bei Lehrern. Ach, die Lehrer. Die Leute, mit denen ich in der Fortbildung war, waren ganz normal. Aber so im großen Speisesaal, wenn alle Lehrer und Lehrerinnen sich versammeln, dann kommen sie mir schon komisch vor. Vielleicht sind sie nur einfach nicht mein vertrautes Kollegium. Oder man zieht sich besonders an, wenn man in Dillingen ist? Geht nur ein bestimmter Typ nach Dillingen? Vielleicht ist es auch das Ambiente, beruflich und doch außerschulisch – am Ende sind’s einfach die vielen Schwaben, die ich sonst nicht so treffe.

10 Videospiele, die mich beeinflusst haben

Mein Freund Bernhard hat mir ein Stöckchen zugeworfen, bei dem ich jeden Tag ein Computerspiel, das mich beeinflusst hat, posten soll, zehn Tage lang. Und ich mache das lieber hier auf einmal im Blog, statt zehn Facebook- oder Twitter-Einträge zu schreiben. Ich denke, es sind typische Spiele ihrer Zeit und keiensfalls Insiderspiele – ich war halt nur früh dabei.

1. Magnavox Odyssey: Ski

Screenshot Magnavox Odyssey Ski

Tatsächlich steht das Spiel stellvertrend für die anderen Odyssey-Spiele. Das war 1972, 1973, und ich war zu jung dafür, aber ich will das hier stehen lassen als Beispiel dafür, wie cool mein Vater war (und noch ist). Das war die erste Spielekonsole überhaupt, und das eigentliche Spiel sieht man in der unteren Hälfte der Grafik: Ein weißes Kästchen, das man mit einem Controller bewegt. Die bunte Grafik darüber, das war eine selbsthaftende Folie, die man auf den Fernsehschirm geklebt hat. Das Ziel beim Skifahren: Das weiße Kästchen so bewegen, dass man immer auf der Bahn bleibt (das schwarze in der oberen Grafik sind die durchsichtigen Stellen). Ob man sich an diese Beschränkung hält und wie schnell man das schafft – das war den Spielern überlassen, die Konsole überprüfte das nicht. Ähnlich das Ping-Pong-Spiel mit tatsächlich drei Kästchen und Abprallen des Balles von den Schlägern – aber Punktezählung und dass man mit dem Schläger in der eigenen Spielhälfte blieb, das überprüfte das System nicht.
Die bunten Folien und der farbenfrohe, riesengroße Kasten mit dem Spiel faszinierten mich, obwohl es nicht oft eingesetzt wurde.

2. Commodore PET: Lunar Lander

Screenshot PET Lunar Lander
https://www.commodore.ca/commodore-gallery/commodore-pet-games/

Die Spiele auf dem PET und CBM 8032 Ende der 1970er Jahre waren die ersten Spiele, die ich aktiv gespielt habe, und für diese Geräte habe ich auch einfache Spiele programmiert – simple Rennspiele, Snake, ein halbfertiges, unzuordenbares Spiel mit schöner Grafik, aus dem dann nie etwas wurde. Alls nur Basic mit ein paar Peeks und Pokes für den Bildschirm. Lunar Lander fand ich nie gut, aber die Auswahl war nicht groß.

3. Intellivison: Auto Racing

Screenshot Intellivision Autorace

Diese Spiele-Konsole stand viele Jahre im Zimmer von mir und meinem Bruder. Auto Racing war besonders gut, weil es ein Spiel mit Scrolling in alle Richtungen war (eine Besonderheit damals, lang nicht erreicht), weil man gut zu zweit spielen konnte und weil man die Fahrbahn auch verlassen konnte, wenn man vorsichtig war, um zu anderen Bahnen zu gelangen: Gleich viele neue Konzepte, die mich beeindruckten.

4. Commodore 64, dann Commodore PET: CIA Adventure

Screenshot C64 CIA Adventure
https://www.mobygames.com/game/c64/cia-adventure/screenshots/gameShotId,119506/

Mein erstes Textadventure. Angefangen wohl auf dem Commodore 64 eines Freundes, noch bevor wir einen hatten, und mit Vaters Hilfe mühsam auf den Commodore PET oder 8032 kopiert, wo es – dann doch zu allseitiger Überraschung – tatsächlich funktionierte. (Gleiche Basic-Dialekte auf den Maschinen.) Damit begann meine Liebe zu Textadventures, auch wenn das ein sehr einfaches Spiel war.

5. Commodore 64: Blade of Blackpool

Screenshot C64 Blade of Blackpool

Jetzt hatten wir einen C64! Ein Textadventure mit Grafik, ich spielte mit meinem Freund Stefan, lernte das Wort „to pour“, und spielte das Spiel bis zum Ende. Das hatte mich Mühe gekostet, aber ich hab’s geschafft.

6. Commodore 64: PSI-5 Trading Company

Screenshot C64 PSI5 Trading Station

Bei diesem Spiel lernte ich Multitasking: Man spielt einen Captain eines Raumschiffes, der seinen mehr oder weniger selbstständig agierenden Offizieren Befehle erteilen muss. Die IDee fasziniert mich bis heute. Man spielt sich quasi selber, Befehle gebend, taucht im Spiel als Figur nicht auf. Dazu das leicht Absurde und die Echtzeit-Hetzerei.

7. IBM PC: Doom

Screenshot MSDOS Doom

Das muss jeden Spieler meiner Generation geprägt haben, aus so vielen Gründen. Das war noch kein echtes 3D, aber man konnte sich frei (und ruckelfrei) in einer Welt bewegen, die sich um einen drehte. Freiheitsgefühl beim Spielen.

8. IBM PC: Alone in the Dark

Screenshot MSDOS Alone in the Dark

Und wieder: Freiheitsgefühl beim Spielen. Diesmal in Vektorgrafik, heute Standard, und das ahnte ich damals schon: das war die Zukunft, auch wenn nur ein kleiner Teil der Welt wirklich 3D und Vektorgrafik war. Dazu Lovecraft und Horror.

9. IBM PC: The Martian Chronicles

Screenshot Martian Chronicles

Das ist kein sehr bekanntes Spiel, aber als Bradbury-Gernleser habe ich es mir gekauft. Ein ruhiges, sehr atmosphärisches, enttäuschend kurzes Spiel. Man hatte eine Art Scanner, mit dem man den Bildschirm absuchen konnte, um auf verborgene Wahrheiten zu kommen. Das habe ich mal für ein Englisch-Hörspiel-Projekt übernommen, wo man mit einer Lupe über eine Karte des Landkreises Fürstenfeldbruck fahren konnte, um verborgene Wahrheit zu sehen – die Lupe zeigte dann Bishopsbridge statt Fürstenfeldbruck, Under Pig Brook statt Unterschweinbach.

10. Windows: Freedom Force

Screenshot Freedom Force
https://www.mobygames.com/game/windows/freedom-force/screenshots/gameShotId,41286/
Contributed by Alan Chan (3618) on Apr 28, 2003.

Ach war das cool. Superhelden-Action im Stil des Silver Age, mit fortschreitender Handlung in einzelnen Episoden. Das war ein taktisches Echtzeit-Rollenspiel, auch wenn es durch reichliche Benutzung der Pausentaste oft rundenbasiert wirkte. Man konnte sich frei in der ganzen Welt bewegen (damals noch selten), Bäume ausreißen und Straßenlaternen, mit Autos werfen und so lange auf Häuserblocks einhauen, bis sie ganz und gar zu Schutt wurden. Unmengen von Fan-Erweiterungen und Zusatzmissionen, neue und alte Charaktere, und meine erste Begegnung mit Python – in dieser Sprache waren die Episoden geskriptet.

11. Android: Pokémon Go

Screenshot Pokémon Go

Enorm großer Einfluss. Kriegt mich zum Fußlaufen (auch wenn ich ohnehin viel zu Fuß unterwegs bin). Kein Spiel habe ich so viel gespielt, auch wenn ich’s nur nebenbei mache.

Ehrenhalber noch zu nennen:

  • Lemmings
  • Mission Impossible
  • Bard’s Tale
  • Wing Commander
  • Zombies, Run (aber das ist wohl gar kein Spiel)

Keine Werke im Sinne des Urheberrechtsgesetzes

Ich habe dieses Fundstück aus dem Heft 3 von Schule & wir aus dem Jahr 2016 zwar schon einmal erwähnt, habe aber immer noch keinen rechten Frieden damit gefunden:

Texte und Angaben von schulischen Leistungserhebungen gelten nach der Rechtsprechung nicht als Werke im Sinne des Urheberrechtsgesetzes (vgl §2 UrhG). Daher genießen sie auch keinen Schutz vor Vervielfältigung, Weitergabe oder öffentlicher Zugänglichmachung. Davon ausgenommen sind Angabentexte zentral gestellter schulischer Abschlussprüfungen wie etwa des Abiturs.

Tatsächlich habe ich auf Twitter von einer Schule gelesen, wo Eltern die gesammelten Schulaufgaben als Büchlein (für 15 Euro) veröffentlichten. Ich habe damit gar nicht so viele Probleme, aber der Gedankengang dahinter ist mir nicht klar: Inwiefern sind „Texte und Angaben von schulischen Leistungserhebungen“ denn keine Werke im Sinne von §2 UrhG? Darunter fallen:

insbesondere …
1. Sprachwerke, wie Schriftwerke, Reden und Computerprogramme

Die Aufzählung ist nicht abschließend. Ohnehin: Ist meine schöne Textaufgabe kein Sprachwerk? Ich habe auch schon mal Verse gedichtet für Arbeits- oder Prüfungsmaterial, glaube ich; ganz sicher schmuggle ich jedenfalls in mein Arbeitsblatt mit japanischer Lyrik immer wieder ein Haiku aus meiner Studienzeit und fordere die Schüler und Schülerinnen auf, es unter Werken von Bashō oder Issa zu herauszufinden (ohne dass ich übrigens deren Übersetzer oder Übersetzerin angegeben hätte).

Spoiler – Es ist das hier:

Selbst die Ameisen
kriechen langsamer, scheint es,
am Neujahrsmorgen.

Gedichtet während meines Jahres im Süden von England, milde Winter in der Studenten-WG. Kein Vergleich zu Bashō, natürlich; das Element des Vergänglichen fehlt ganz. Wenn ihr das auf einem kopierten Arbeitsblatt ohne CC-Lizenz seht: Ich hab’s nicht erlaubt!

Oder gilt das alles ohnehin nur für „Texte und Angaben von schulischen Leistungserhebungen“, aber nicht für „Texte und Angaben von schulischen Übungsaufgaben“?

Ich könnte ja noch nachvollziehen, wenn der Dienstherr die Verwertungsrechte für sich beansprucht, nach dem Prinzip work for hire: was während der Arbeitszeit entsteht, gehört dem Arbeitgeber. Aber dass meine liebevollen Informatik-Textaufgaben nicht schützenswert sind, das verstehe ich nicht.

Leider schreibt Schule & wir einfach nur „nach der Rechtsprechung“, ohne auf ein konkretes Urteil hinzuweisen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das wirklich so pauschal stimmt.

(Ein weiteres Problem wird übrigens das sein, dass Inhalte aus Prüfungen immer wieder auch aus anderen Quellen stammen dürften – Schulbücher, Deutschtexte sowieso, Cartoons und Bilder ebenso. Theoretisch müssten wir dann immer korrekte Quellenangaben machen, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass das meistens nicht stattfindet. Vor dem Veröffentlichen müsste man das alles herausfiltern.)

Links, nach und nach hier gesammelt: