Zweierlei Rinderfett, mit Rezept: Steak and Kidney Pie

In England gibt es zwei Arten Rinderfett, denen man in Deutschland selten begegnet. „Beef dripping“ kann man im Supermarkt und beim Metzger kaufen, so wie bei uns Schweineschmalz – nur dass es eben quasi Rinderschmalz ist. Bratkartoffeln kann man darin machen, und Zwiebeln anbraten, für Yorkshire Pudding ist es ganz wichtig. Früher wurden Fish & Chips in beef dripping zubereitet.

Der Name kommt noch aus den Zeiten, als das Stück Rindfleisch über dem offenen Feuer oder den Kohlen gebraten wurde, an einem Spieß oder von oben herabhängend. Darunter befand sich die dripping pan, in die das Fett tropfte und wo es gesammelt wurde. (Und man konnte auch etwas reintunken, ja.)

Wenn man das dripping aus der Pfanne oder Schale abschöpft, ist noch etwas Bratensatz dran, das macht es besonders lecker. Hier mein dripping für das folgende Rezept:

Kochrezept

Das andere Fett heißt „suet“, und auch das gibt es beim Supermarkt und beim Metzger, und es taucht in vielen Rezepten auf. In deutschen Kochbüchern mit englischen Rezepten erscheint es gelegentlich als „Riedernierentalg“, Wikipedia informiert mich, dass es auf Österreichisch „Kernfett“ heißt. Um die Niere, also die Rinderniere, ist eine Fettschicht, und zwar eine ziemlich dicke. (Manchmal, wenn man eine Niere kauft, sieht man noch ein paar Spuren davon.) Dieses Fett wird kleingehackt und für Mürbteig verwendet, bei Süßspeisen wie bei salzigen. Man kann es auch fertig kaufen, dann hält es sich sogar – außerhalb des Kühlschranks – sehr lange:

Kochrezept

Jetzt zum Rezept: Steak and Kidney Pie. Ich bin da überhaupt keine Autorität, aber ich habe diesen Pie jetzt schon sechs oder sieben Mal gemacht, und er ist immer sehr lecker geworden. An der Dekoration kann man sicher noch arbeiten, wenn man mehr Geduld hat als ich. Zubereitungszeit mit viel Warten: Dreieinhalb Stunden. Das Rezept ist von Delia Smith.

  • 700g Rindfleisch, gewürfelt, irgendwas Gulaschartiges
  • 2-3 Zwiebeln, grob gehackt
  • 200 Gramm Rinderniere, ersatzweise auch Kalbsniere
  • 1 EL dripping, ersatzweise anderes Fett
  • 1 1/2 EL Mehl
  • 1/2 TL getrocknete Kräuter (Oregano, Thymian, Majoran, was so da ist)
  • 1/2 TL Worcestershire-Sauce (ganz wichtig für den typischen Geschmack!)
  • 425 ml Rinderbrühe (oder auch mehr)
  • 250 g Pilze, in Scheiben
  • 110 Gramm Suet
  • 225 Gramm Mehl
  • Salz, Pfeffer
  • Eine ofenfeste Form für 1,2 Liter Inhalt

Das Fleisch würfeln, so 2-3 cm groß:

Kochrezept

Pilze vorbereiten, in Scheiben schneiden:

Kochrezept

Das ist eine halbe Kalbsniere. Eine Rinderniere gab es bei meiner Innereienmetzgerin nicht, sie klagte im Gegenteil: Die müssten sie immer wegwerfen, die kaufe keiner.

Kochrezept

Die Niere in Stückchen schneiden:

Kochrezept

Die Zwiebeln im dripping ein bisschen anbraten:

Kochrezept

Fleisch und Nieren dazu, und wer die Geduld hat, das auf zweimal zu machen, kann sie vielleicht wirklich scharf anbraten und braun werden lassen. Sonst halt so gut es geht:

Kochrezept

Wenn das Fleisch braun ist, 1 1/2 Esslöffel Mehl dazu, umrühren:

Kochrezept

Aufgießen mit der Rinderbrühe:

Kochrezept

DIe Pilze dazu:

Kochrezept

Jetzt nicht vergessen: Pfeffern, salzen, die Worcestershire-Sauce, die getrockneten Kräuter. Deckel drauf und zwei Stunden ganz sanft köcheln lassen. Danach noch einmal abschmecken, eventuell etwas nachsalzen. Wenn man zu viel Flüssigkeit hat, ist das nicht schlimm, dann hat man ein bisschen Extrasoße, wenn man am Tag darauf die Reste mit Kartoffelbrei serviert.

So eine knappe halbe Stunde vor Ende der Kochzeit macht man sich an den Teig. (Gleichzeitig kann man schon mal den Backofen vorheizen, 220 Grad.) Dazu mischt man Mehl und suet und gibt Pfeffer und Salz dazu (einen halben Teelöffel? mehr?). Man sieht schön die Körnchen im Mehl:
Kochrezept

Nach und nach ein bisschen Wasser darübersprengen, zuerst mit einem Messer und dann mit den Händen verkneten (immer wieder ein bisschen Wasser dazu), bis ein glatter Teig entsteht. Eigentlich ist das Ziel, möglichst wenig zu kneten, und wenn man den Teig mit kalten Butterstückchen macht, ist das wohl auch wichtig – aber das suet ist so robust, da kann man ruhig ordentlich kneten. Die Fettstückchen im Teig sorgen später dafür, dass der Teig schön blättrig wird.

Ausrollen, vielleicht einen knappen Zentimeter, dick, und jedenfalls 2-3 Zentimeter mehr Rand lassen als der Rand der verwendeten Form. Dann schneidet man nämlich diesen Rand weg und klebt den auf den Rand der Form, den man dazu zuvor mit etwas Wasser angefeuchtet hat. Der restliche Teig ist der Deckel; man macht ein kleines Loch hinein, damit später der Dampf austreten kann, und aus Teigresten macht man Dekoration – ein paar Blätter vielleicht:
Kochrezept

Da kommt dann die Füllng hinein:

Kochrezept

Den Rand anfeuchten, den Deckel aufsetzen und andrücken. Verzieren, wer kann und mag:

Kochrezept

Das kommt dann bei 220 Grad für 30 bis 35 Minuten in den Ofen und sieht danach so aus:

Kochrezept

Das gibt dann ein Abendessen für drei Personen, vielleicht vier als Teil eines Menüs oder wenn man nicht so gierig ist wie Frau Rau und ich. Aber es schmeckt halt so gut:

Kochrezept

Man sieht vielleicht, wie schön flaky, blättrig, die Kruste ist:

Kochrezept

Gedichterunde im Englischunterricht

In den letzten zwei Wochen habe ich in der Oberstufe ein paar Gedichte präsentiert. Erst mein üblicher Dreischritt von – im weitesten Sinn – Liebesgedichten, in denen es um die Beschreibung von Frauen geht, und um Bildersprache. Im Sonett 15 aus dem Amoretti-Zyklus von Edmund Spenser (Link zum Text) wird eine Frau gepriesen, in dem ihre Eigenschaften mit den Kostbarkeiten verglichen werden, die Händler aus Ost- udn Westindien zurückbringen – Haare wie Gold, Augen wie Saphire, Lippen wie Rubine. Die Seele der Frau ist natürlich noch besser, wird aber im Vergleich zum Rest nur kurz, wenn auch als Schlusspointe, abgehandelt.

Danach folgt Shakespeares Antwort darauf, sozusagen: das Sonett 130 (Link zum Text), „My mistress‘ eyes are nothing like the sun“, wo er die Geliebte geradezu herutnermacht: Musik klingt schöner, Parfum riecht besser, Koralle ist roter als ihr Mund – und doch ist sie mindestens so gut wie all die anderen Frauen, die man mit übertriebenen vergleichen überhäuft.

Als drittes „Reported Missing“ von Barry Cole (Text, Audio): Jemand, ein Mann, meldet einem Polizisten eine geliebte Frau als vermisst – in blumigen Vergleichen, wären der Polizist gerne konkrete Angaben hätte, also wenigstens Augenfarbe, Haarfarbe, aber kriegt nur blumige Bilder. Mit dem Gedicht lässt sich auch gut das Vorlesen üben, weil man eigentlich bis zu drei verschiedene Tonfälle dafür braucht

(Die Kombination der Gedichte ist nicht originell, die ersten beiden macht man sicher irgenwann im Studium, den Barry Cole dazu habe ich aus einem Schulbuch.)

Bei den Gedichten geht es mir einmal um das Verhältnis zwischen dem Mann und seiner Geliebten, zum anderen um Metaphorik. „My love is like a red, red rose“, eine Zeile von Robert Burns, nehme ich gerne als Einstieg: Was hat die Geliebte, oder der, mit einer Rose gemein? Nach der theoretischen Diskussion plus Tafelbild kommt man das folgende Gedicht von Edmund Waller (17. Jahrhundert), wieder eine Rose, wieder als Teil eines Vergleichs, aber hier ist der Sprecher so nett, den Vergleich für den Adressaten oder die Adressatin zu erklären:

Go, lovely Rose –
Tell her that wastes her time and me,
That now she knows,
When I resemble her to thee,
How sweet and fair she seems to be.

Tell her that’s young,
And shuns to have her graces spied,
That hadst thou sprung
In deserts where no men abide,
Thou must have uncommended died.

Small is the worth
Of beauty from the light retired:
Bid her come forth,
Suffer herself to be desired,
And not blush so to be admired.

Then die – that she
The common fate of all things rare
May read in thee;
How small a part of time they share
That are so wondrous sweet and fair!

Aber es stimmt schon, jüngere Gedichte kommen besser an bei Schülerinnen und Schülern. Deshalb habe ich die Sequenz beendet mit zwei Gedichten des von mir sehr geschätzten e.e.cummings (experimentell und zugänglich, also irgendwie safe), beide wieder mit viel Symbolik.

„o by the by“ ist ein kleines, heiteres Gedicht, das nur auf den ersten Blick kryptisch wirkt. (Hier ist der Text.) Wenn man sich ein Bild von der Situation im Gedicht mal, unten ein grüner Hügel, darauf eine Person oder zwei („little you-i“), darüer blauer Himmel… wenn man nur wüsste, was mit „threw/his wish at blue“ gemeint ist… aber auch das ist doch eigentlich klar, finde ich. Bilder zu diesem Wunsch am Himmel haben wir hier:

(it dived like a fish
but it climbed like a dream)
throbbing like a heart
singing like a flame

Singing like a flame? Sind das die Gasflammen früher, die ein kleines Geräusch gemacht haben? Aber vor allem klingt das Gedicht auch einfach schön, besonders in den letzten Versen.

Das Gedicht kam gut an, aber noch mehr eines von Cummings‘ bekanntesten Gedichten: „Somewhere I have never travelled“ (Text hier). Auch das ist voller Bilder, wieder geht es auch um eine Blume, aber diesmal sind die Bilder nicht so leicht zu fassen, nicht so leicht zu analysieren.

Gelernt habe ich dabei auch etwas. Ich hatte das Gedicht immer für ein Liebesgedicht gehalten, weil… na ja, man ist so geprägt. Ein Gedicht, von jemandem (also einem Mann) an jemand anderen (eine Frau), und es geht klar um Liebe und Gefühl. Und vielleicht ist das Gedicht auch so entstanden; ich weiß es nicht. Aber viel besser finde ich: In diesem Gedicht spricht eine Vater, oder eine Mutter, an das noch ganz kleine Kind. Das erklärt auch „in your most frail gesture“, „the power of your intense fragility“ und den feinen letzten Vers: „nobody,not even the rain,has such small hands“. Das Öffnen und Schließen in den Strophen 2 und 3 weckt auch Assoziationen mit einem kindlichen Versteckspiel.

In dem Gedicht spricht nur einer, er spricht über eine andere Person, und ein bisschen zu ihr, aber sicher nicht mit ihr; die andere Person übt eine zauberhafte Macht auf ihn aus, ohne tatsächlich selbst wirklich aktiv zu sein. Ja, das ist eher ein Kleinkind; keine Partnerin.

Notenmachen, leidiges: Transparenz und Notengerechtigkeit

Neulich klagte eine Oberstufenschülerin über ihre mündliche Note (nicht in meinem Fach, und ohne dass der Name der anderen Lehrkraft oder des anderen Fachs fiel). Neun Punkte seien einfach nicht angemessen für die rege und kluge Mitarbeit. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Schülerin da kluge Sachen sagt.

Schülerinnen und Schüler glauben immer noch daran, dass es die eine mündliche Mitarbeitsnote gibt. Wir machen es ihnen auch leicht, in diesem Glauben zu verharren – weil es vielleicht manches einfacher macht. Tatsächlich ist es so, dass es einen Durchschnitt aus „kleinen Leistungserhebungen“ gibt, also angesagten und nicht anegsagten kleineren schriftlichen Prüfungen, Ausfragen, Gedichtaufsagen, Referat, Unterrichtsbeobachtung, irgendetwas davon. Diese kleinen Leistungserhebungen hießen früher „mündliche Leistungen“, obwohl sie zum Großteil gar nicht mündlich sind. Heute muss man in der Oberstufe mindestens zwei solcher kleinen Noten haben, und davon wiederum muss eine echt mündlich sein. All diese Noten – und das ist für eine Behörde am wichtigsten – müssen mit Datum versehen sein, und man muss gegebenenfalls nachweisen können, dass sie gerechtfertigt entstanden sind: Datum, und am besten noch ein kurzes Protokoll der Fragen und Antworten.

Und das führt dazu, dass man mit Kursen bis zu 31 Schülern und Schülerinnen auch nicht zu mehr kommt als zu zwei kleinen Leistungserhebungen. Davon ist vielleicht ein schriflticher Test und eine mündliche Note, und das reicht, und das zählt 50% der Semesterpunkte, und ob diese eine mündliche Note der tatsächlichen Leistung über das ganze Semester entspricht, ist, behördlich gesprochen, egal.

Am liebsten würde ich tatsächlich nach Gefühl eine mündliche Note für die ganze Mitarbeit (deren Qualität, natürlich, nicht die Quantität) verteilen. Und ich bilde mir ein, dass das gerechter wäre als das aktuelle Verfahren. Aber das aktuelle Verfahren ist nun mal transparent (wenn auch nicht unbedingt gerecht im Sinne von: der Leistung entsprechend), und meines wäre das nicht. Und ja, gerecht wäre es vielleicht doch nicht – lieber ein schlechtes Korrektiv als gar keines. Ansonsten sitzt man den üblichen Vorurteilen auf.

Kleiner Unterrichtsbesuch

Getsern war die Praktikantin da, unerwartet. Nicht meine Praktikantin, aber sie wollte sich dann auch eine Stunde von mir anschauen – die war dann etwas turbulenter als früher. Eine 6. Klasse, Deutsch. Der Teil der Klasse, der ein Smartphone mitgenommen hatte, machte Bilder vom Kamishibai (für den späteren Homepage-Eintrag), und ich zeigte den Schülern und Schülerinnen dann draußen, wie man am Smartphone Bilder beschneidet und mit Bluetooth austauscht.

Der andere, größere Teil kriegte eine Bastelanleitung für die Knalltüte (Blogeintrag) und musste den versprachlichen – Zielpublikum weider Homepage, und dort auch mit Bildern, aber die Anleitung sollte erst einmal auch ohne Bilder verständlich sein. Kein ganz realkistischer Fall, zugegeben. Danach mussten die von draußen die Knalltüte anhand der Aufsätze nachbauen. Weiter als bis Punkt 4 kam dabei aber niemand. (Nachtrag: In der Folgestunde präsentierte ich meine Musterlösung, und wir probierten sie an einer aus einer anderen Klasse entliehenen Schülerin aus. Was soll ich sagen: Mit meiner Lösung klappte das. Nicht ganz fair, weil ich aus den Fehlern meiner Klasse lernen konnte; aber es zeigt, dass eine funktionierende Lösung eben durchaus möglich ist.)

Heute ist Verabschiedung eines Kollegen, der sich auf eine Stelle am Kultusministerium beworben hatte und dafür auch genommen wurde. Ich hatte mich zeitgleich auf eine andere Stelle beworben, die mich sehr gereizt hatte, etwas mit der Umsetzung der Digitalisierung-Pläne für Schulen, aber das Ministerium hat sich für einen anderen Bewerber entschieden. Schade, aber die Stelle war auch für A13/A14 ausgeschrieben, und ich bin eh schon A15. Mir gefällt es an meiner Schule gut, dazu ein bisschen Uni, und Praktikumslehrer, aber wenn noch mal etwas Spannendes kommt, versuche ich das gerne – nur auf Schulleitung oder auch nur Mitarbeiter habe ich gar keine Lust. Also gibt es nicht viel Angebote für mich.

Ich muss mehr bloggen. Dass Eltern (mein Vater hat heute Geburtstag, noch lange soll es ihm gut gehen!) über ihre Kinder aus Blogs erfahren, ist ja schon leicht gruslig, aber meine Eltern kriegen Informationen eher über das Blog von Frau Rau als von hier, das ist extra gruslig und muss sich mal wieder ändern.

Im Kino gewesen: Black Panther (2018)

Jetzt ist schon wieder was von Marvel im Kino gekommen. Black Panther, hat mir gefallen.

Ach, Marvel. Ich bin ja Fan der ersten Stunde (Foto von 1979 als Beleg), und es war eine schwierige Zeit für Fans. Marvel war in Deutschland der Underdog, DC kannte man. Und auch bei den Filmen gab es erfolgreiche Superman- und Batman-Produktionen (beide Gestalten natürlich DC), und nur sehr unglückliche Marvel-Versuche. Um die Jahrtausendwende änderte sich das plötzlich, es gab richtig gute Marvel-Filme, eine Weile, und dann nicht mehr so gute.

Und vor knapp zehn Jahren kam dann der erste Film des MCU (Marvel Cinematic Universe) heraus, 2008 habe ich Iron Man gesehen und darüber gebloggt. Ich hatte mir nicht viel davon erwartet, der Hulk-Film von 2003 war enttäuschend gewesen, und Iron Man als Figur hatte mich nie besonders interessiert. Und dann war das ein erfrischend originaltreuer Film mit einem vielversprechenden Anhang… und Marvel hat die Versprechungen eingelöst und inzwischen knapp zwanzig Superhelden-Filme gemacht, die alle im gleichen Kosmos und miteinander spielen.

Zugegeben: Citizen Kane war keiner dabei, und auch kein Casablanca. Aber das waren andere Mainstreamfilme auch nicht. Aber die Filme waren mehr oder weniger, und mit der Zeit eher mehr, und teilweise enorm, erfolgreich bei Publikum und Kritik und Fans. Der Immer wieder befürchtete man das Ende der Erfolgsreihe, und immer wieder überraschte Marvel mit etwas Neuem… Während DC, nun Mantel des Schweigens am besten.

Und jetzt schon wieder. Von Black Panther hat ja wohl schon jeder gehört? Kritik lobt, Publikum strömt rein. Ein Unterschied zu bisherigen erfolgreichen Superheldenfilmen, der vor allem in den USA einen großen Unterschied macht: Eigentlich alle wichtigen Rollen sind mit schwarzen Schauspielern besetzt. (Und Musik und Drehbuch und Regie auch.) Der Film spielt weitgehend in Afrika. Wie sehr wäre mir das aufgefallen, wenn das nicht vorher so sehr thematisiert worden wäre? Nur die erste Szene des Films, die in den USA spielt, fühlte sich auffällig an – eben weil sie in den USA spielt. Der Rest ist Afrika, und da sind die Leute halt schwarz. Ganz ohne weißen Retter.

Dabei ist die Perspektive auf die gezeigte Kultur eine mir sehr vertraute. Rider Haggards King Solomon’s Mines habe ich so in Erinnerung – farbenfroh, tanzfreudig, voller Speere und Rituale. Nur dass hier noch Science Fiction dazu kommt, futuristische Technik, futuristische Waffen, Wolkenkratzer, und das mitten in Afrika, vor den neugierigen Augen der Außenwelt verborgen.

Solche Enklaven des Fortschritts kenne ich, zum Beispiel aus meinem geschätzten Lost Horizon von James Hilton: Dort ist es die Stadt Shangri-La in Tibet, mit fortgeschrittener Kultur und moderner Technik, von der keiner ahnt. Hilton dürfte unmittelbar oder mittelbar beeinflusst gewesen sein von Agarttha (Wikipedia), einer geheimnisvollen Stadt in Tibet, die vom französischen Okkultisten Alexandre Saint-Yves d’Alveydre Ende des 19. Jahrhunderts beschrieben wurde, komplett mit Hohlwelt und geheimen Weltenlenkern. In der Verschwörungsliteratur gibt es noch mehr in der Art. Und bei Marvel auch: In Fantastic Four #47 (1966) tauchte zum ersten Mal die verborgene Stadt Attilan der Inhumans auf, in Fantastic Four #54 (1966) war Prester John der letzte Überlebende der verborgenen Stadt Avalon, in Fantastic Four #52 (1966) erschienen zum ersten Mal das verborgene Land Wakanda und sein Regent T’Challa, der Schwarze Panther. (Das soll jetzt nicht heißen, dass Stan Lee und Jack Kirby zu wenig Fantasie hatten. Zu Prester John kamen die Helden direkt von Wakanda aus, und zwar auf der Suche nach Attilan, hängt doch alles zusammen.)

Wakanda war in den Comics von Anfang an ein ultra-hochtechnisiertes, aber sehr zurückgezogenes Land. Es gaukelt im Film dem Rest der Welt erfolgreich vor, ein ganz normales Drittweltland zu sein. Das ist dann auch ein Thema: Wie sehr soll sich Wakanda weiterhin abschotten, wie sehr an der Lösung der Probleme in der Welt mitarbeiten? Das kommt mir ein wenig so vor wie ein ganzes Land als Superheld: Üblicherweise haben wir den Teenager, der wie ein ganz normaler Teenager wirkt, aber in Wirklichkeit geheime Superkräfte hat, und das weiß nur keiner, weil man sie nicht einsetzt; hier haben wir ein ganzes (schwarzes) Land, das wie ein normales (armes) Land wirkt, aber in Wirklichkeit geheime Superkräfte hat, nur dass das keiner weiß, weil man sie nicht zeigt. Ist das vergleichbares Wunschdenken?

Pluspunkte des Films: Schurken mit sinnvoller Motivation, Frauen mit sinnvollen Rollen. Das gab es bisher zu wenig. Dass die Schauspieler hervorragend sind, die Produktion sorgfältig, mit Liebe zum Detail und zur Vorlage, mit Humor – das ist bei Marvel eigentlich immer so.

Black Panther erschien zuerst als wiederkehrende Nebenfigur bei den Fantastic Four, später bei den Avengers; 1977 erschien das erste Heft mit seinem Namen auf den Titel, aber schon vorher, 1973, war er der Held der Serie Jungle Action, zumindest in den vielgelobten Heften 6-18. Was genau darin passiert, kann man zum Beispiel bei der Marvel University nachlesen, einem inzwischen abgeschlossenen Blog, das so ziemlich jedes Marvel-Heft des Silver Age ausführlich bespricht: Hier geht es zum September 1973, mit Jungle Action Nr. 6.

(Wir sprechen nicht gerne darüber, aber bei seinem Erscheinen war T’Challa einer der wenigen Marvel-Superhelden mit einem Cape, und zwar einem unkleidsam halblangen.)

Das Internet ist nicht mehr böse

Thomas Knüwer von Indiskretion Ehrensache schreibt anlässlich der Verleihung der Goldenen Blogger, dass sich die Wahrnehmung von Blogs geändert hat: Die Presse beschmäht sie nicht, sondern interessiert sich dafür. Selber fällt mir auf, dass in der Tagesschau regelmäßig von Twitter die Rede ist, mehr noch als von Facebook. (Gut, das liegt an Trump.) Und vor ein paar Tagen war ich auf einer Fortbildung, wo ich mich ins Jahr 2005 zurückversetzt wähnte: Das Internet war plötzlich kein Ort des Bösen mehr, sondern auch ein Ort der Verwirklichung, der Kommunikation und Zusammenarbeit. Das war ja bereits die Sicht der Minderheit, die 2005 im Web war – bevor dann das Internet Massenphänomen wurde und Facebook das Web 2.0 kaputt gemacht hat. Ganz kaputt? Nein, die Urgesteine von damals gab und gibt es immer noch. Und jetzt plötzlich höre ich auf das Fortbildungen für Lehrer und Lehrerinnen und Schulleitungen plötzlich wieder.

Und das kommt wohl so:

1. Die Europäische Union

Es gibt einen Europäischen Referenzrahmen für digitale Kompetenzen (Digital Competence Framework). Über welche digitale Kompetenzen soll ein europäischer Bürger in Zukunft verfüge? In der aktuellen Fassung werden 21 Kompetenzen aufgezählt, eingeteilt in fünf Bereiche:

  1. Informations- und Datenkompetenz
  2. Kommunikation und Kooperation
  3. Erstellung digitaler Inhalte
  4. Sicherheit
  5. Problemlösung

Bemerkenswert vor allem die Kommunikation und Kooperation und das Erstellen digitaler Inhalte.

2. Die Kultusministerkonferenz

Die KMK hat ein Strategiepapier entworfen (Blogeintrag dazu), in dem sich die Länder dazu verpflichten, dass die Schülerinnen und Schüler, die kommendes Schuljahr in die 5. Klasse kommen, Gelegenheit erhalten, eine lange Reihe digitaler Kompetenzen zu erwerben. Hier heißen die Bereiche so:

  1. Suchen, Verarbeiten und Aufbewahren
  2. Kommunizieren und Kooperieren
  3. Produzieren und Präsentieren
  4. Schützen und sicher Agieren
  5. Problemlösen und Handeln
  6. Analysieren und Reflektieren

Die Kompetenzen gehen dabei von „Digitale Technologien gesundheitsbewusst nutzen“ und „Digitale Technologien für soziales Wohlergehen und Eingliederung nutzen“ über „Digitale Werkzeuge für die Zusammenarbeit bei der Zusammenführung von Informationen, Daten und Ressourcen nutzen“ und „Digitale Werkzeuge bei der gemeinsamen Erarbeitung von Dokumenten nutzen“ bis zu „Mit Hilfe verschiedener digitaler Kommunikationsmöglichkeiten kommunizieren“ oder „Algorithmische Strukturen in genutzten digitalen Tools erkennen und formulieren“.

3. Bayern

Als Teil der Umsetzung dieser Strategien hat sich Bayern einen Kompetenzrahmen zur Medienbildung an bayerischen Schulen gegeben, mit folgenden digitalen Kompetenzen:

  1. Basiskompetenzen
    1. Medienangebote und Informatiksysteme (Hardware-, Software und/oder Netzwerkkomponenten) sach- und zielorientiert handhaben
    2. Funktionsweisen und grundlegende Prinzipien von Medienangeboten und Informatiksystemen durchdringen und zur Bewältigung neuer Herausforderungen einsetzen
    3. Probleme insbesondere in Medienangeboten und Informatiksystemen identifizieren und auch mit Hilfe von Algorithmen lösen
    4. Eigene Kompetenzen im Umgang mit Medienangeboten und Informatiksystemen zur Optimierung entwickeln
  2. Suchen und Verarbeiten
    1. Aufgabenstellungen klären, Informationsbedarfe ableiten und Suchstrategien entwickeln
    2. Mediale Informationsquellen begründet auswählen und gezielt Inhalte entnehmen
    3. Daten und Informationen analysieren, vergleichen, interpretieren und kritisch bewerten
    4. Daten und Informationen zielorientiert speichern, zusammenfassen, strukturieren, modellieren und aufbereiten
  3. Kommunizieren und Kooperieren
    1. Mit Hilfe von Medien situations- und adressatengerecht interagieren
    2. Analoge und digitale Werkzeuge zur effektiven Gestaltung kollaborativer als auch individueller Lernprozesse verwenden und Resultate mit anderen teilen
    3. Medien zur gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft aktiv und selbstbestimmt nutzen
    4. Umgangsregeln, ethisch-moralische Prinzipien sowie Persönlichkeitsrechte bei digitaler Interaktion und Kooperation berücksichtigen
  4. Produzieren und Präsentieren
    1. Werkzeuge zur Realisierung verschiedener Medienprodukte auswählen und zielgerichtet einsetzen
    2. Medienprodukte unter Berücksichtigung formaler und ästhetischer Gestaltungskriterien und Wirkungsabsichten erstellen
    3. Arbeitsergebnisse unter Einsatz adäquater Präsentationstechniken und medialer Werkzeuge sach- und adressatenbezogen darbieten
    4. Publikationswege erschließen, Medienprodukte unter Wahrung von Persönlichkeits- und Urheberrecht erstellen und veröffentlichen
  5. Analysieren und Reflektieren
    1. Inhalte, Gestaltungsmittel, Strukturen und Wirkungsweisen von Medienangeboten und Informatiksystemen analysieren und bewerten
    2. Interessengeleitete Setzung und Verbreitung medialer Inhalte erkennen und Einfluss der Medien auf Wertvorstellungen, Rollen- und Weltbilder sowie Handlungsweisen hinterfragen
    3. Bedeutung der Medien und digitaler Technologien für die Wirtschaft, Berufs- und Arbeitswelt reflektieren
    4. Potenziale und Risiken der Digitalisierung und des Mediengebrauchs für das Individuum und die Gesellschaft beurteilen

Auch hier sind es wieder die Bereiche 3 und 4, die mich besonders freuen.


Erfüllt werden soll dieser Kompetenzrahmen unter anderem dadurch, dass sich Schulen ein Medienkonzept geben müssen, das aus einem Mediencurriculum besteht (was davon sollen die Schüler und Schülerinnen wann lernen?), einem Fortbildungsplan (was müssen die Lehrer und Lehrerinnen dazu lernen?) und Absprachen mit dem Sachaufwandsträger (welche Ausstattung ist dafür nötig?). Und darum ging es auf der Fortbildung.

Für mich war die Fortbildung richtig, weil sie vor allem das vorstellte, was ich mir seit Jahren vorstelle, und ich war froh, dass das auch meine Kollegen gehört haben. Zugegeben, ein bisschen hinkt das noch hinterher – Linklisten als Beispiel zur Zusammenarbeit unter Kollegen und Kolleginnen sind ein bisschen altbacken, aber das war auch nicht der Ort für konkrete Vorschläge. Es wurde viel von Mündigkeit und Selbstverwirklichung gesprochen, sehr gut, auch wenn konkrete Vorschläge dann doch zu oft auf „braucht man später im Beruf“ hinausliefen. Nein, das sollte nicht der Kern sein. – Auch vom Aufbau her war die Fortbildung für mich richtig: Vier Nachmittagsstunden, sehr eng getaktet, kurze Vortragsphasen gefolgt von vielen kurzen Gruppenarbeitsphasen, wo die Vertreter der Schulen mal miteinander mussten. Keine expliziten Pausen.

Bei den konkreten Überlegungen für meine Schule fiel mir wieder auf, dass wir dort auf recht hohem Niveau jammern. Wir brauchen, wie alle Schulen, flächendeckende WLAN; sonst haben wir alles. (Andere Kollegen beklagten, dass sie ihre konkreten Apple-Produkte nicht kriegten; wieder andere halten konkrete Microsoft-Software für unabdingbar. Beide irren sich. Abhängigkeit von konkreter Hard- und Software ist schon vom Ansatz her ein Fehler.) Das mit dem WLAN wird sicher teuer und damit ein Problem; ob man das erst für Lehrkräfte oder später auch für Schülerinnen und Schüler öffnet, können die Schulen ja selber entscheiden.

Der nächste Schritt ist also die Erstellung des Mediencurriculums, gefolgt vom restlichen Medienkonzept, gefolgt von der – sicher allmählichen – Implementierung. Ich freue mich darauf und bin gespannt, wie das bei uns laufen wird. Man kann entweder schauen, was der Lehrplan jetzt schon hergibt, und daraus ein Curriculum bauen – dann landet man schnell bei „machen wir eh alles schon“, wobei geflissentlich übersehen wird, was beim Lehrplan am Ende tatsächlich herauskommt.

Ich wünsche mir eher, dass man darauf schaut, was Schüler und Schülerinnen am Ende der 10. oder 11. Jahrgangsstufe können sollen, was sie bisher tatsächlich können, und wie sich das, was sie noch nicht können, am geeignetsten auf die Jahrgangsstufen und Fächer verteilen lässt.

Neu ist für mich der Gedanke, dass es jetzt nicht mehr nur darum geht, wie ein Lehrer oder eine Lehrerin ihren bisherigen Unterricht mit digitalen Mitteln besser machen kann. Vielmehr sind digitale Medien ein eigener Unterrichtsinhalt, den die Schule auf die verschiedenen Fächer verteilen muss. Dabei wird es sicher noch Platz geben für die funktionalen Digitalverweigerer, die auch zur Vielfalt an einer Schule gehören. Aber die Schule als ganze kann sich hoffentlich nicht drücken – es sei denn, das Mediencurriculum geht den Weg der Verkehrserziehung.

(Hier bei Mebis mehr über Medienkonzepte, kann man auch ohne Zugang lesen.)

– Und einen Neffen habe ich bei der Fortbildung auch getroffen, darauf hatte ich gehofft. Der geht auf die Schule dort.

Ach. (KW 5, oder so.)

Am Montag war in Berlin die Verleihung der Goldenen Blogger 2017. Das ist ein Preis, der vor vielen Jahren wohl eigentlich als Parodie angefangen hat und jetzt aber schon etwas Ernstereres ist, jedenfalls freuen sich die Nominierten und Preisträger sehr. Es gibt verschiedene Kategorien, zwei waren mir dieses Jahr besonders wichtig, und in beiden haben meine Favoriten gewonnen: Frau Kaltmamsell vom Blog Vorspeisenplatte als Tagebuch-Blogger des Jahres – ein Urgestein, dieses Blog, das ich schon seit den Anfängen mit großem Interesse verfolge. Und Blogger des Jahres wurde – wie die große Anzahl an Bewunderern erwartet und gehofft hatte – Mademoiselle Readon a.k.a. Marie Sophie von Read on, my Dear. Read On. Frau Rau hat sie schon zweimal getroffen; sie ist wirklich so unwahrscheinlich und großartig wie man meint, eher noch mehr, und sie schreibt so schön und so traurig und so klug und so merkwürdig.

Mitstimmen konnte ich nicht, weil ich am Montag bei einem Klassenstammtisch war. Da treffen sich Eltern und der Klassleiter einer Klasse, und sehr gelegentlich auch andere Lehrer auf eine Pizza oder so – oft nur einmal im Jahr, aber ich habe auch schon erlebt, dass es das zwei- oder dreimal gab. Kein Ort, um Probleme zu diskutieren, aber sich mal so ein bisschen abtasten, das ist drin.

Unterricht macht gerade Spaß. Im Englischunterricht der Q11 wiederverwerte ich das Rundschreiben zum Bürgerentscheid, das ich schon für die Erörterung herangezogen habe. Diesmal geht es um die Mediation: Die Argumente der einen beziehungsweise der anderen Seite zusammenfassen, damit eine neu in München lebende EU-Bürgerin, sagen wir: aus Portugal (wir haben eine brasilianische Gastschülerin in der Klasse), beim Bürgerentscheid informiert mitbestimmen kann. Eine echte Kommunikationssituation, und manchen Schülern fällt das schwer.

Die Mediation ist schon okay, aber ich vermisse auch die Übersetzung vom Englischen ins Deutsche. Die gibt es nicht mehr, weil man dazu gut Deutsch können und nicht nur Englisch verstehen muss, und weil sie zu schwer war, behaupte ich mal – aber erstens ist das Übersetzen eine interessante und lehrreiche Erfahrung, und zweitens erfordert sie ein sehr genaues Hinschauen. Dieses genaue Hinschauen gibt es jetzt wohl nur noch im Fach Latein.

Im Informatikunterricht in der 9. Klasse geht es um Datenbanken und SQL. Das ist eine sehr kleine Lerngruppe, also keine ganze Klasse, und wir entwickeln eine Datenbank für ein Rollenspiel. Bis jetzt gibt es die Tabellen „Monster“ und „Waffen“. Diesmal ohne Libre Office Base, und auch ohne SQLite (das schön mit Python zusammenarbeitet, auch mit dieser Gruppe ausprobiert). Stattdessen arbeiten wir gleich mit einer Onlien-Datenbank und damit Mehrbenutzerbetrieb, und mit phpMyAdmin zum Verwalten der Daten. Geht gut, mache ich nie wieder anders. (Ein lokale MySQL-Server wäre schön, wird aber nicht kommen.)

Textverarbeitung mit 6 (ganz stolz waren sie, ein Gedicht bunt formatieren zu können), morgen Fortbildung, Praktikanten in der Q12, Moodle-Mebis in Q11 und Deutsch 10.

Erinnerungen ans Referendariat

Arne Paulsen hat einen schönen Eintrag über seine positiven Erinnerungen ans Referndariat geschrieben, Anlass war die Blogparade dazu von Bob Blume, Thema „Ein wunderbarer Moment im Referendariat“.

Ich will wie Arne auch keinen einzelnen Moment herausgreifen. Ingesamt habe ich die angenehmsten Erinnerungen an das Referendariat. Aber das kann nicht alles gewesen sein: Frau Rau erinnert mich daran, dass ich arg geschimpft habe. Trotzdem, es war eine Zeit voller schöner Erinnerungen – ich war aber auch noch jung und aufnahmefähig.

In Bayern ist man am Gymnasium das erste und letzte halbe Jahr an einer Seminarschule unter Aufsicht von Seminarlehrern, die die Lehrprobe abnehmen und Noten geben und so weiter. Dazwischen ist man ein Jahr an einer Einsatzschule und unterrichtet dort eigenverantwortlich, ohne dass einem jemand groß über die Schulter schaut.

Meine Seminarschule war in Straubing, Niederbayern. Gewohnt habe ich im ehemaligen Priesterseminar, das leer stand, weil – ich habe mich nicht groß damit beschäftigt – es irgendwann mal zu irgendetwas anderem verwendet werden sollte. Aber vorerst gabe es Räumlichkeiten für mich. Sehr hohe, weite Räume, spartanisch eingerichtet. Schade, dass ich keine Fotos davon habe, es war menschenleer und hallte. An der Türe außen hatte ich das hier angebracht:

Türschild "Privatphilosoph"

Damals konnte ich noch abends korrigieren, dann spontan von neun bis elf mit anderen Referendaren und Referendarinnen aufs Volksfest gehen (für das Straubing berühmt ist), und danach weiter korrigieren. Irre. Am Bahnhofskiosk von Straubing entdeckte ich aktuelle amerikanische Marvel-Comics und ich begann wieder zu sammeln, nachdem ich davon zehn Jahre Pause gemacht hatte. Zehn Jahre danach hörte ich übrigens endgültig auf. Meine Lehrprobe verlief mäßig (2-, und hätte auch eine 3 sein können), wie ich überhaupt nie gut bei mündlichen Prüfungen war oder bin.

Ich vertrug mich mit den anderen Referendarinnen und Referendaren, war mit dem Deutsch-Seminarlehrer sehr zufrieden (wir hielten viel von einander), mit der Englisch-Seminarlehrerin habe ich es ausgehalten. Aber meiner Erinnerung ist nicht unbedingt zu trauen. Frau Rau hat mich darauf hingewiesen, wie sehr auch ich damals geklagt habe. Und ja, ich hatte verdrängt, wie viel Zeit das alles gekostet hatte. Nach den ersten zwei Wochen musste ich zwei Stunden pro Woche Unterricht halten, einmal Deutsch, einmal Englisch, und diese Vorbereitung kostete mich die ganze Woche. Danach war ich auf sieben Stunden, und das füllte dann die Woche völlig. Heute weiß ich gar nicht mehr so recht, was so viel Zeit gekostet hat – das Auswählen und Vergleichen der vielen Möglichkeiten, die ich vor mir sah? Das Korrigieren hat auch viel Zeit gekostet, mehr als heute – aber auch deshalb, weil ich früher mehr eingesammelt und korrigiert habe als heute.

Danach kam das Jahr im Zweigschuleinsatz, Marktoberdorf. Mit den Klassen kam ich weiterhin sofort zurecht, ich ging jedenfalls immer sehr gerne in den Unterricht. Aber im ersten Halbjahr war ich nicht glücklich, auch wenn ich das vermutlich nicht wusste. Ich war weg von Frau Rau, hauste in einem fast lichtlosen Zimmer, und kannte niemanden. Nun ja. Das zweite Halbjahr war besser, da wohnte ich direkt in der Schule – die Schule hatte ein Heim, ich zwei Stunden Heimdienst (statt Unterricht), ich wohnte dort und hockte viel mit den anderen Lehrern und Lehrerinnen zusammen. Wir kochten auch immer wieder mal gemeinsam. Im Heim gab es auch viele (ältere) russische Schüler, „Kontingentflüchtlinge“ war die offizielle Bezeichnung. Mit denen habe ich gelegentlich Schach gespielt, abends, und auch mal gewonnen. (In meiner Jugend war ich eine sehr kleine Weile im Schachverein.)

Ansonsten sind da viele kleine Erinnerungen, aber keine Anekdoten. Routine. Eine Schachtel am Tag habe ich damals geraucht. Auch im Lehrerzimmer, jedenfalls in dessen offenem Nebenraum – an meiner neuen Schule, gleich nach dem Referendariat, an der ich jetzt noch bin, wurde auch im Lehrerzimmer geraucht. Aber schon lange vor dem Umzug ins neue Schulgebäude wurde das abgeschafft, und schon davor hatte ich das Rauchen ohnehin aufgegeben.

(Unbeendet gebliebener Artikel, Aber hey, sonst wird das nicht mehr so bald was mit dem Bloggen.)

Orangenmarmelade 2018

Diesmal habe ich etwas früher an das jährliche Ritual gedacht und Orangenmarmelade gemacht:

Gläser mit Orangenmarmelade

Nach etwa zwanzig Jahren sind mir dann auch die Aufkleber für die Gläser ausgegangen. Gekauft habe ich die Packung jedenfalls noch in Augsburg, ganz sicher noch in DM bezahlt:

Aufkleberpackung mit Preisetikett
Aufkleberpackung, spätes 20. Jahrhundert

Zweckform Vielzweck-Etiketten No. 3327, 486 St. zu 50 x 19 mm. Heute „Avery Zweckform“, gleiche Nummer, gleiches Format, im Versandladen für 4,15 Euro. Damals kostete die Packung, bei Karstadt gekauft, sicher nicht der günstigste Ort, 8,95 DM. Und da sage einer, alles sei teurer geworden!