Badges in Moodle (und damit auch Mebis)

Für meine Informatik-Vorlesung an der Uni gibt es auch einen Moodlekurs mit den Vorlesungsfolien, Material und Links und so weiter. Diesmal gibt es auch Auszeichnungen (Bagdes), eine Möglichkeit, die Moodle zur Verfügung stellt: Ein Sortiment an hübsch entworfenen Bildchen, die man jeweils erhält, wenn man bestimmte Leistungen erbracht hat. Im Idealfall, denke ich, weiß man vorher, welche Auszeichnungen man erwerben kann und was man dafür tun muss. Dann kann man darauf hinarbeiten.

In der Schule hieße das: Man kriegt die Auszeichnung, wenn man in Moodle/Mebis einen automatisierten Test bestanden hat, den man jederzeit ablegen kann, wenn man sich bereit dazu fühlt. Oder man demonstriert dem Lehrer, dass man das Verlangte kann, und kriegt dann manuell die Auszeichnung zugewiesen. So könnte man durchaus auch ein schulweites Portfolio anlegen, etwa für Medienkompetenzen – aber ich schweife ab.

In der Didaktikvorlesung stelle ich verschiedene Methoden vor, und probiere sie gleich aus, soweit das geht; und eben auch Auszeichnungen – also können die Studenten und Studentinnen bisher diese Auszeichnungen erwerben:

Badges in einem Moodle-Kurs

Anders als in der Schule sind hier viele der Aufgaben, für die man die Auszeichnungen erhält, verpflichtend. Ich mache das auch, um diejenigen ein wenig zu piesacken, die nur zur Klausur kommen wollen – auch die müssen sich an diesen, uh, Übungen beteiligen. Nennen wir es blended learning…

Freiwillig und folgenlos sind die Auszeichnungen „Fünf ist Trümpf“ und „Zehn mal gesehn“, die man für die regelmäßige Anwesenheit in den Vorlesungen kriegt. Vorlesungen muss man nämlich nicht besuchen, sondern nur die Prüfung dazu bestehen; in Prüfungen prüft man aber oft nur Prüfbares, und nicht die vielen wichtigen Sachen, die man in Vorlesungen nebenbei lernt.

Den „Bionischen Biber“ kriegt man, wenn man am Wettbewerb Informatik-Biber teilnimmt, der in diesen Tagen für Schüler und Schülerinnen stattfindet – die Studenten und Studentinnen kriegen ebenfalls Zugangsdaten, um mitspielen zu können; die Ergebnisse lösche ich vor der endgültigen Auswertung. (Habe gefragt, ob ich das so machen darf.)

„Twitterat“ wird man, wenn man in den Tweets meiner Liste von Informatiklehrern und -lehrerinnen gestöbert und etwas Interessantes gefunden hat und das dann im kursinternen Forum gepostet hat, zusammen mit einem Link auf den Originaltweet – oder es wenigstens versucht und nach einer halben Stunde aufgehört hat, weil nichts Interessantes zu finden war. Kann ja auch sein.

– Die Bilder für die Auszeichnungen finde ich bei openclipart.org und baue sie dann in Libre Office Draw zusammen: Ein schwarzer Ring, eine Kreisfläche mit Farbübergang zwischen Mittelpunkt und Rand, und eine weiße durchsichtige Fläche zum Drüberlegen für den kleinen Glanzeffekt.

Erste Semester- und vorletzte Schulwoche (vor den Herbstferien)

Am Wahlsonntag letzte Woche erstmals Schäufele gemacht, sehr lecker geworden, dazu ebenfalls erstmal Kartoffelknödel.

Davor die Schüler und Schülerinnen der 7. Klasse weitere Tafelbilder machen lassen, zu den Episoden von Michael Köhlmeiers Nibelungen-Nacherzählung (Youtube). Sie haben die Episoden untereinander aufgeteilt, so dass jeweils ein Paar eine Episode hörte und ein Tafelbild dazu machte. Obwohl viele daran gedacht hatten, ihre eigenen Kopfhörer mitzunehmen, war weder mit denen noch mit den verschlisseneneren Kopfhörersätzen im Computerraum gut zu arbeiten – dass Audioaufnahmen bei uns nicht gehen, bin ich ja gewöhnt, aber jetzt kann man nur noch sporadisch an manchen Rechnern etwas hören, manchmal leise, manchmal gar nicht, manchmal nur über PC-Lautsprecher. Auf die Audioeinstellungen hat man keinen Zugriff. Dass man mit Computern mehr machen kann als nur Word, das hat sich noch nicht überall herumgesprochen. – Wenn dann endlich mal WLAN ist, können die Schüler und Schülerinnen so etwas mit dem Handy machen, aber derzeit musste ich ein paar bitten, das zu Hause zu Ende zu bringen. Es war tatsächlich eine Bitte, und ging auch problemlos.

Die Ergebnisse habe ich in einem kleinen Heftchen gesammelt und ausgeteilt, nachdem jedes Team ihren Teil der Geschichte anhand des projizierten Tafelbildes erklärte.

Heftchen mit Tafelbildern

Ich mag Heftchen.

An der Uni hat die Vorlesungszeit begonnen, dieses Semester gebe ich relativ kurzfristig Informatikdidaktik 2 statt wie bisher Informatikdidaktik 1. Aber gut, so habe ich weniger Zeit, mich nervös zu machen, und habe die Sommerferien dafür mehr genossen. Genossen habe ich auch die Vorlesung, ich glaube, die wird mir Vergnügen bereiten. Auf die Frage: „Was erwarten Sie sich inhaltlich von dieser Vorelsung? Was hoffen Sie hier zu lernen?“ kam erst einmal keine Antwort, so dass ich doch die Kärtchen und Magnete zückte, um in Gruppenarbeit Stichwörter an die Tafel pinnen zu lassen:

Whiteboard mit beschrifteten Kärtchen

Und schon war eine Methode vorgestellt. Mein Hauptproblem, ehrlich gesagt: Ich weiß oft nicht, was ich lehren soll. Das wie ist leichter.

Bei Wikipedia kurz zu Vorlesung recherchiert, ob man die hält oder gibt oder liest, und auf diese schöne Beschreibung gestoßen:

Heutzutage ist es in der Regel von den Dozenten der Vorlesungen gewünscht, dass Studenten aufzeigen, um Nachfragen zu stellen. Auch versuchen Dozenten manchmal die Studenten direkt anzusprechen und durch das Stellen von Fragen aktiv an der Vorlesung zu beteiligen.

Bin nur ich, oder klingt das leicht resigniert? So mit „aufzeigen“ und „versuchen zu beteiligen“?

– Auf Twitter habe ich zum ersten Mal eine Umfrage erstellt:

Ich vermute jedenfalls mal, dass in den wenigsten Schulbibliotheken Kochbücher sind, selbst wenn sie dorthin gehören. Selber habe ich aus Kochbücher viel gelernt (schöner Blogeintrag dazu), und je einmal Delia Smith, Jamie Oliver und Yotam Ottolenghi würden sich eigentlich gut machen. Diese Bücher sind auch zeitlos, anders als das Buch von Christian Wulff, das ich bei den Neuerscheinungen gesehen habe. Soll sein, soll sein, soll sein, aber was bei Schulbibliothekn für Bücher rausgehauen wird, die nie einer liest, nur weil der Etat da ist, das will ich gar nicht wissen.

Herr Rau: Wie ich im Unterricht aussehe

Frau Rau würde schon lange gerne mitkriegen, wie ich eigentlich im Unterricht bin. Sie kennt mich ja doch eher nur privat, Lehrermodus poppt da selten auf. Aber so einfach geht das halt nicht. Immerhin einen Einblick kriegt sie jetzt: Schülern und Schülerinnen meiner drei Montagsklassen drückte ich eine Kamera in die Hand mit der Bitte, mich zu fotografieren, für Frau Rau. Das hat denen übrigens sofort eingeleuchtet, gar keine lange Erklärung nötig. Hier sind die Bilder:

7. Jahrgangsstufe:

Ich habe kein Faksimile einer hochmittelalterlichen Handschrift, also ließ ich den mir verehrten Abdruck des (wohl sehrspätmittelalterlichen) Voynich-Manuskripts herumgehen. Den Großteil der Doppelstunde über präsentierten die Schüler und Schülerinnen an der Dokumentenkamera, auf einem Bidl sieht man mich hinten in der Bank sitzen. Zwischendurch immer wieder mal am Rechner. Gerne auch am Stehpult; die Tafel nur mäßig geputzt.

12. Jahrgangsstufe:

Romeo and Juliet. Rot und klein sieht man meinen dreißigseitigen Würfel auf dem Stehpult. Unterschiedliche Vorl- und Mitlesepositionen.

11. Jahrgangsstufe:

Das war die Bella-Ciao-Stunde vorgestern.Es sieht vor allem deshlab so leer aus, weil ja kein Schüler und keine Schülerin auf dem Bild sein soll. Ansonsten: Ja, schon lehrerzentriert.

Insgesamt: Weitausladene Gesten, viel Mimik, viel Abwechslung in der Körperhaltung. Wenigstens scheine ich gut gelaunt gewesen zu sein und mich gut amüsiert zu haben. So viel Spaß wie ich können die Schüler und Schülerinnen kaum gehabt haben, aber hoffentlich immerhin etwas.

Ich kenne mich privat ja nur von innen, aber ich nehme an, dass mich so die wenigsten kennen. Auf Partys, bei Einladungen, auch als Gastgeber, sitze ich in einem Eck, bewege mich nicht viel und sage nicht viel. Aus Trägheit, aus Müdigkeit, aus dem Bewusstsein heraus, dass die anderen ganz wunderbar ohne mich zurecht kommen – und aus dem Gefühl, dass alle anderen eh bessere Geschichten zu erzählen haben, dass ich nichts Interessantes beizutragen habe. Ich sage mir dann auch, dass das nicht stimmt, aber dann bringe ich ungeschickt eine blasse Anekdote und lasse es dann wieder.

Hier noch einmal alle Bilder als Diashow, weil ich sie doch so gelungen finde und mindestens so eitel bin wie der Nächstbeste:

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Bella Ciao

Samstag, 6.10.2018, Streiflicht in der Süddeutschen Zeitung zu „Bella Ciao“ in der Version von DJ Ötzi. Tränen in den Augen vor Lachen. Das möchte ich dann immer gleich mit Schülern und Schülerinnen teilen. Das Streiflicht beginnt:

Von dem Tiroler Protestsänger DJ Ötzi gibt es eine neue Version des berühmten alten Partisanenliedes „Bella Ciao“.

Für die Schule müsste ich dann erklären, was eine Partisan ist, und ein Partisanenlied, und was ein Protestsänger ist. Aber das Streiflicht wird dann mit jedem Satz noch besser, und in der 11. Klasse habe ich mit meinem Kurs eine kleine Lücke zwischen Sachtextanalyse und Iphigenie, also quetsche ich das Streiflicht rein.

Heißt also: Geschichte des Lieds – ursprünglich ganz frühes 20. Jahrhundert, dann vor allem Zweiter Weltkrieg. Hannes Wader. Singende Italiener in einem Bus mit dem rechtspopulistischen Innenminister, die gegen ihn das Lied singen:

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Und dann eben die Oktoberfestversion von DJ Ötzi, mit den unvergesslichen Textzeilen:

Lalalalala
Lalalalala
Diese Welt ist g’rad so schön!

Danach wird wohl die Ukulele in meinem Klassenraum endlich mal zum Einsatz kommen.

– Selbst habe ich das Lied in der Jugend am Lagerfeuer kennengelernt, aber welches Lagerfeuer das war, weiß ich nicht; vielleicht waren es mehrere. Hannes Wader war jedenfalls vor meiner eigenen Musikzeit. Dennoch wusste ich, dass einen deutschen Text zu dem Lied gab – auch wenn ich jetzt beim Recherchieren festgestellt habe, dass es nicht die Wader-Version war. „Partisanen, (auf) zu den Waffen“, an das erinnere ich mich, aber der Text taucht nicht auf. Am Ende habe ich das in einer Filk-Version gesungen?

Filk, abgeleitet von Folk: Lagerfeuerlieder, aber umgetextet auf eine Fandom-Welt, also zu einem Fantasy-Universum. Stammt aus einer Zeit, bevor Nerdtum cool war. Und ich erinnere mich an ein Lagerfeuer auf einem Treffen des dem Fantasy-Clubs FOLLOW, der – lange Geschichte – etwas mit der Fantasywelt Magira zu tun hatte. Da gibt es Völker und Kontinente und Kulturen, und wir hatten passende Kostüme (das hieß noch nicht „Gewandung“ damals) und es gab Feuerspeier, und wir hatten Lieder – eben die üblichen Lagerfeuerlieder, zumindest zum Teil auf die Magira-Welt umgetextet. Viel weiß ich nicht mehr, aber an eine Magira-Version des Shanty „De Hamborger Veermaster“ kann ich mich erinnern. Vielleicht war „Bella Ciao“ auch dabei? Und war das dann etwas anderes als bei DJ Ötzi oder nicht?

– Geschrieben habe ich das vor der Stunde. Jetzt ist danach. „Partisanen“ an die Tafel geschrieben, Text des Liedes ausgeteilt, kurz auf der Ukulele angespielt, dann aber aber doch Hannes Wader singen lassen, und ich ließ mir nicht nehmen, auch ein bisschen Tom Waits damit zu präsentieren. Dann das Streiflicht, so gut dass eben ging – Humor ist gerne mal schwierig. Wir haben dann über Protestlieder und -sänger gesprochen, ein paar kannten auch Lieder, bald ging es darum, ob das eine oder andere Lied von Michael Jackson mit kritischem Inhalt ein Protestlied sei. Wir hörten uns auf Schülerwunsch „Lass liegen“ von Alligatoah an:

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(Nach dem Anhören/-schauen und einem kurzen Exkurs zur Bildsprache des Videos dann Besprechung des Texts am Beamer.)

Vermutung am Ende: Lieder mit kritischem Inhalt gibt es, aber weniger Protestlieder im früheren Sinn – keine Lieder, die man einem rechtspopulistischen Innenminister an den Kopf singen kann. (Italien natürlich, nicht etwa Deutschland, was dachten Sie denn, also bitte.) Protestlieder singt man am Lagerfeuer, auf Demos, auf Märschen. Und da gibt es inzwischen genug Lautsprecher und Technik, dass nicht mehr die Anwesenden ein Lied singen, sondern eben zum Beispiel Alligatoah live oder vom Gerät. Das ändert die Art der Lieder, die gespielt werden.

Ein ceterum censeo von mir: Gute Lieder erkennt man daran, dass sie von verschiedenen Leuten gesunden werden, dass es Cover-Versionen gibt. Das zeigt, dass man sie wiedersingen kann und will. Sonst ist das gute Musik.

Personalausflug 2018 und Lake Wobegon, wieder einmal

Freitag am Vormittag brav Unterricht gemacht. Das Englischbuch der 10. Klasse hat zwar schöne Hörverstehensaufgaben, aber ein ein äußerst ungünstiges Text-Vokabel-Verhältnis: Auf eine DreiviertelSeite Buch kommen um die dreißig Lernvokabeln, da will ich uns nicht sehr schnell durch das Buch peitschen. Also bleibt viel Zeit für andere Übungen, oder weitere Hörverstehensaufgaben.

Das heißt für mich: Geschichten aus Lake Wobegon. (Was das ist, steht ansatzweise in diesem Blogeintrag von 2004.) Da gibt es eine, The Living Flag, hier gerade auf Youtube zu hören:

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Das ist eine schöne Geschichte für Einsteiger, nur drei, vier Minuten lang: Die Bürger in Lake Wobegon beschließen, zum jährlichen flag day eine patriotische living flag aufzubauen, indem sie rote, weiße und blaue Mützen tragen und dann eine amerikanische Flagge formen. Alle schwitzen, es ist ein heißer Tag, endlich steht die Flagge. Da möchte der erste die Flagge von oben sehen…

Schön ist auch „Storm Home“, die hatte ich ausgedruckt in der Hinterhand, und teile sie sicher auch mal aus, aber die Schüler und Schülerinnen der 10. Klasse haben auch so genug verstanden, und manche sogar an den richtigen Stellen gelacht. Es geht um Kindheit in Lake Wobegon, und Ängste der Kindheit, geschürt von älteren Geschwistern (etwa der Furcht, im Winter mit der Zunge an der metallenen Wasserpumpe kleben zu bleiben, wenn man mit der Zunge daran leckt – ungeachtet der Tatsache, dass es keinen Grund gibt, das überhaupt erst zu tun). Und wie jedes Kind weitab wohnende Kind in der Schule eine andere Familie als storm home zugewiesen bekam, falls ein Schneesturm den Heimweg unmöglich machen würde. Auch eine sehr schöne Geschichte, habe ich online nicht gefunden.

Danach war Personalausflug nach Oberammergau. Ein Stück den Kolbensattel hinauf, Kaffee und Kuchen, dann wieder hinunter – und zwar entweder mit dem Sessellift, zu Fuß, oder mit dem Alpine Coaster, einer Sommerrodelbahn. Ich bin nach unten gelaufen, und bin wohl der letzte, der so erfahren hat, wie Mountainbiker auf den Berg hinaufkommen:

Blick auf Sommerrodelbahn, mit Mountainbikern an Schlepplift

Auf dem Bild sieht man die Rodelbahn, dahinter Radler auf dem Weg nach unten, und davor Radler auf dem Weg nach oben, nämlich mit dem Schlepplift. (Es gibt da ausgewiesene Radlerabfahrten, daher lohnt sich das wohl mit dem Lift.)

Abends dann in der Wirtschaft:

Die schlechtesten Kässpatzen meines Lebens gegessen, ansonsten.

Supreme Court in der Oberstufe, dann etwas Spaß mit jambischen Fünfhebern

Eigentlich sind wir in der zwölften Klasse ja gerade bei Shakespeare, ich wollte erst danach zum amerikanischen Regierungssystem und zur Tagespolitik kommen. Vielleicht falsch geplant, die midterm elections sind ja schon Anfang November.

Also schob ich heute mit Erlaubnis der Schülerinnen und Schüler eine aktuelle Stunde ein, erinnerte kurz an Congress, President, Supreme Court und gegenseitig Kontrolle (so wie sie früher vielleicht auch funktionierte) und zeigte dann als, uh, Listening Comprehension die letzte Folge von Last Week Tonight with John Oliver. Darin ging es um Brett Kavanaugh, den vom Präsidenten vorgeschlagenen Richter am Obersten Gerichtshof, dem vor allem von Christine Blasey Ford sexuelle Übergriffe in seinen Jugendjahren vorgeworfen werden. Der Senat muss der Nominierung des Kandidaten zustimmen; es gab eine Anhörung von Kavanaugh und Ford (aber keinen anderen Zeugen). Ich weiß nicht, wie man das in ein paar Jahren sehen wird, ich schreibe ja auch für meine Zukunft, aber diese Anhörung war beeindruckend. Ford, in einer schwierigen Situation, macht einen guten Eindruck. Der Senat macht keinen guten Eindruck. Kavanaugh macht einen unglaublich schlechten Eindruck. Muss man fast anschauen, um es zu glauben – hier eben bei John Oliver, kein faires Portrait, aber anders kann man das kaum betrachten:

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Jemand hat einen Zusammenschnitt von Kavanaugh-Szenen mit Samuel L. Jackson in seiner Rolle in Pulp Fiction:

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Damit leitete ich über zu, uh, einem Ausschnitt aus Pulp Fiction. Ja, ganz kurz gezeigt, eine zeigbare Szene. Denn eben diese gibt es auch in iambic pentameter, jambischen Fünfheber, dem Metrum Shakespeares und von Nathan oder Iphigenie, und schon waren wir wieder bei Shakespeare.

J: Your pardon; did I break thy concentration?
Continue! Ah, but now thy tongue is still.
Allow me then to offer a response.
Describe Marsellus Wallace to me, pray.
B: What?
J: What country dost thou hail from?
B: What?
J: How passing strange, for I have traveled far,
And never have I heard tell of this What.
What language speak they in the land of What?
B: What?
J: The Queen’s own English, base knave, dost thou speak it?
B: Aye!
J: Then hearken to my words and answer them!
Describe to me Marsellus Wallace!

Den Rest des Textes findet man bei Google. Das lasen wir dann, nach Inspiration durch Samuel L. Jackson, mit verteilten Rollen. Aber so bedrohlich wie Jackson hat das keiner hingekriegt.

Und hier gibt’s einen Tumblr mit Pop-Liedern in Sonnetform, da kann man Sonett wiederholen. Keiner im Kurs hat allerdings den Text von diesem hier als „Johnny B. Goode“ erkannt. „Dancing Queen“ dann schon eher.

Nachtrag: Nicht in dieser Stunde gemacht, aber zuvor mal. Der Twitter-Bot unter https://twitter.com/pentametron überprüft eingehende Tweets auf Twitter daraufhin, ob sie jambische Fünfheber sind, und wenn er zwei hat, die sich auch noch reimen, werden sie veröffentlicht. Die kann man dann paarweise vorlesen. Strenger Zeilenstil natürlich, kein Enjambement.

Zweite Schulwoche: Alles neu (Hose, Nibelungen, Venediggeschichten)

Neue Kleidung:

Selfie im Spiegel

In Berlin bei fein und ripp im Schaufenster gesehen, also Frau Rau, die so etwas sieht, und die mich am Ärmel zupfte, und dann sagte ich ja, kann ich mir gut vorstellen, und dann sind wir da rein. Schuhe und Mütze auch noch dazu, aber der Ausgangspunkt war die Hose – schwedische Forstarbeitermontur, siebzig Jahre eingelagert, ans Licht befördert und jetzt in Berlin verkauft. Hat nur ganz leicht nach Kiste gerochen.

In der Schule so gut wie nicht kommentiert, nur eine aufmerksame Schülerin traute sich etwas zu sagen.

Neue Lektüre:

Das Nibelungenlied in der 7. Klasse. Da macht man Mittelalter, und höfische Epik interessiert mich so gar nicht, das Nibelungenlied deutlich mehr. (Und englische Artusepik am meisten, die kommt dann auch noch.) Das kann man auch als Schullektüre lesen, muss man aber nicht – an Prosaübersetzungen gibt es eine von Franz Fühmann, die hätte mir am besten gefallen, weil sie sehr nah am Text ist. Dann gibt eines Jugendbuchfassung von Auguste Lechner, der für mich jedes Flair fehlt. Die habe ich schon mal vor Jahren gelesen, geht, aber ich wollte das nicht noch einmal, auch weil mich die geglättete lineare Erzählreihenfolge stört. Und es gibt eine Fassung von Michael Köhlmeier (den man von den Sagen des klassischen Altertums kennt), die den Schülern und Schülerinnen am besten gefiel. Ich hatte ihnen alle drei Anfänge gezeigt, auch um zu zeigen, dass es verschiedene Fassungen eines Stoffes geben kann. Mir sagte der Köhlmeier am wenigsten zu, weil der Tonfall so ein charmanter Plauderton ist und vor allem Nacherzählung und Kommentar mischt.

Der Kompromiss: Wir lesen das gar nicht, sondern hören uns die Köhlmeier-Fassung in einzelnen Episoden an (hier bei Youtube), nach jeder Episode machen die Schülerinnen und Schüler ein eigenes Tafelbild dazu – am Anfang noch sehr grafisch, mit Pfeilen und Herzen, später immer mehr in Stichpunkten, und schon sind wir bei der Textzusammenfassung, neu in der 7. Klasse.

Neue Bücher:

Thomas Mann, „Tod in Venedig“, und Daphne du Maurier, „Don’t Look Now“ – letztes heißt auf Deutsch, zumindest in der berühmten Verfilmung, „Wenn die Gondeln Trauer tragen“. Deswegen habe ich früher die beiden Titel auch immer durcheinandergebracht, auch weil die Verfilmungen beide aus der gleichen Zeit sind. Es gibt auch inhaltliche Gemeinsamkeiten: Rot als Symbol- und Signalfarbe, der vergebliche Versuch, aus der todbringenden Stadt zu entkommen, das Unheimliche und Dräuende, die von der Polizei kleingeredete Gefahr, die Stadt selber natürlich mit ihren Gerüchen und ihrer Symbolik.
Bei Mann sind die Sätze des Erzählers und das Innenleben Aschenbachs interessant sind – mein Lieblingssatz ist ein langer aus der Sicht Aschenbachs (wie überhaupt der Erzähler sich erst im letzten Drittel bemerkbarer macht, finde ich), der voller heißer Luft und halbgaren Gedanken beginnt, so dass ich mich schon echauffieren möchte… aber noch im letzten Drittel der – langen – Periode kommen die Gedanken Aschenbach dann selber so traumhaft vor: Traumhaft in dem Sinn, dass sie nachts unglaublich klug scheinen und am Morgen dann unverständlich-oberflächlich sind.
Der Plot selber ist simpel, während er bei du Maurier verrätselt ist, so verrätselt, dass man auch am Ende nicht weiß, was das eigentlich genau passiert ist. Hier ist es die Situation, die fasziniert.

Neue Nachrichten:

Ich hatte mich schon gefreut, dass meine Buchhandlung mir als Antwort auf eine Frage eine PGP-verschlüsselte Mail geschickt hat. Dazu muss sie ja auch meinen (öffentlichen) PGP-Schlüssel haben. Den hatte ich vielleicht mal mitgeschickt, als Anhang? Erinnern konnte ich mich nicht daran. Also antwortete ich, dass ich die Bücher gleich holen würde – und antwortete ebenso verschlüsslte, wozu ich den (öffentlichen) PGP-Schlüssel der Buchhandlung haben musste. Den fand ich auch online, in einer Art Verzeichnis.
Kurzum: Die Buchhandlung war etwas überfordert davon, eine verschlüsselte Mail erhalten zu haben, und konnte sie auch nicht entschlüsseln. Ich klärte auf, soweit möglich: Die Buchhandlung hatte den E-Mail-Client Thunderbird installiert, und dazu das Verschlüsselungs-Addon Enigmail, und jemand hatte mal einen Schlüssel für die Buchhandlungsadresse angelegt, und meinen (öffentlichen) Schlüssel hatte sich Enigmail gemerkt, und ich habe den dann dort gelöscht, und gut war’s. Thunderbird/Enigmail schicken nämlich standardmäßig verschlüsselte Mails, wenn sie einen passenden Schlüssel parat haben.

Erste Schulwoche, aber dann doch nur über Essen

Die letzten Tage über habe ich Geburtstag gehabt, Twitter war voller Wünsche, vielen Dank. Hier ist der schöne Geburtstagskuchen, den mir Frau Rau gebacken hat:

Geburtstagskuchen von oben

In der Schule bekam ich von zwei Schülern und Ex-Schülern – wir machen gerade Poe im Unterricht – diesen schönen Raben-Grabstein geschenkt (via 3D-Drucker der Schule):

Grabstein aus 3D-Drucker mit Poe-Zitat

Dann werde ich also wohl auch „The Raven“ im Unterricht machen, vielleicht Übersetzungen vergleichen – davon gibt es sehr viele. „The Tell-Tale Heart“ sowieso, gerne mit der Alan-Parsons-Project-Version zum Einstieg – das macht neugierig auf die Kurzgeschichte.

Ansonsten schreibe ich gerade nicht viel aus der Schule. Ich bin dann wohl eher kein Lehrerblogger mehr, sondern überhaupt einfach so Blogger. Aber wenn ich mir meine alten Beiträge von vor vierzehn Jahren anschaue, dann war das auch damals schon so.

Gestern abend Leserunde. Buch eher so mittel, aber der Tisch war sehr schön:

gedeckter Tisch mit kleinen Speisen

Mir fällt das erst beim Bild auf, wie sehr das nach Essensfotos der (frühen?) Sechziger Jahre aussieht. Die knalligen, bunten Farben, das Karo, die Portiönchen. Sehr fein.

– Resteessen: So kenne ich das aus meiner Kindheit, wo es keineswegs ein besonderes Lieblingsgericht von mir war. Aber seit ich das nicht mehr kriege, mag ich es immer lieber. Übriges gekochtes Rindfleisch – schwierig genug, weil das ja auch schon lecker ist – mit Zwiebeln in der Pfanne herausbraten. Gerne noch krosser als im Bild:

Teller mit Rindfleischgericht

Pfeffern, salzen. Ei optional.

– Schule: Bin mit Unterrichtsverteilung und Stundenplan zufrieden, aber das bin ich meistens. Ich habe jetzt auch mit Instagram angefangen, aber nur zögerlich; prompt finden mich da Schüler und Schülerinnen. Im Moment halte ich es noch so, dass ich keinen Schülern und Schülerinnen folge, die ich selber unterrichte.

Zwerchfell aller Art, zum Essen

Es fing damit an, dass ich ein Rezept für Cornish pasties las. „Beef skirt“ wurde da als Fleisch empfohlen, und da begann ich ernsthaft zu recherchieren, was denn das mir vom Namen her bekannte „skirt steak“ eigentlich ist. Das ist aber alles andere als einfach, weil die Bezeichnungen wild durcheinandergehen, und nicht alles, was man im Web dazu liest, auch wirklich stimmt.

Also: Das Rind hat ein Zwerchfell. Das ist ein Muskel, der rein technisch zu den Innereien zählt; er besteht aus zwei (oder vielleicht drei) Teilen. Horizontal gibt es eine linke und eine rechte Seite, die heißen „inside skirt“ und „outside skirt“. Aber diese Unterscheidung wird nur selten getroffen, obwohl laut Stack Overflow die Unterschiede gar nicht so klein sind. Optisch sehen sich die Teile recht ähnlich: unwahrscheinlich lang und dünn und schmal. Auf Deutsch heißen diese Teile „Kronfleisch“ oder „Saumfleisch“. Vertikal hängt unten noch ein anderes Stück dran, das bei meinem Innereienmetzger „dicke Kron“ heißt, sonst auch „Nierenzapfen“ oder „Herzzapfen“, auf Englisch „hanger steak“ (Wikipedia), auf französisch „onglet“.

Oft werden diese beiden deutlich unterschiedlichen Teilen als „Zwerchfell“ bezeichnet, und das stimmt ja auch, ist aber halt nur die halbe Wahrheit. Nicht einfacher macht es, dass das amerikanische „flank steak“ in England „skirt steak“ („bavette“) genannt wird (Quelle), wobei es auch da zunehmend Interferenzen aus dem Amerikanischen geben wird. (Fürs Cornish Pasty brauche ich also gar kein skirt steak!) Und zumindest auf manchen UK-Seiten werden „skirt steak“ und „hanger steak“ synonym verwendet und dabei als „thin, long cut of beef from the diaphragm“ bezeichnet (Quelle) – vermutlich ist da nur das dünne Kronfleisch gemeint? Auch was die BBC hier als „skirt“ bezeichnet, sieht eher nach Nierenzapfen aus.

Die Verwirrung ist nicht nur mir aufgefallen, auch dieser Blogeintrag von 2010 erklärt die Situation.

Dass die Bezeichnungen durcheinander gehen, sollte nicht wundern. Verschiedene Sprachen teilen die Welt unterschiedlich ein. Berühmt sind die Farbbezeichnungen, es gibt „rellow languages“, in denen es für den Rot-Gelb-Bereich nur eine Bezeichnung gibt, und häufiger die „grue languages“, wo die entsprechende Farbbezeichnung für den Grün-Blau-Bereich gilt. Die deutsche Tasse ist im Englischen „mug“ oder „cup“, die Schnecke „snail“ oder „slug“, dafür ist da sowohl Wand als auch Mauer „wall“. So ähnlich ist das wohl auch, wenn man das Kontinuum eines Tieres in Teile zerlegt: Manchen Ortes kommt ein Schäufele dabei heraus, anderswo ist dieser Zuschnitt unbekannt. Und wenn sprachlich Pfannkuchen, Eierkuchen, Berliner und Krapfen für Verwirrung sorgen, ist das beim essbaren Zwerchfell auch kein Wunder.

Hier ist ein ganzer Nierenzapfen, 828 Gramm:

Nierenzapfen roh

Man muss ihn vor dem Zubereiten wegen der dicken Sehne in der Mitte in zwei Teile trennen:

Nierenzapfen in zwei Hälften, mit Mittelsehne,

Dann habe ich ihn gesalzen und unter den Grill gelegt. 4 Minuten von jeder Seite bei 270 Grad:

Nierenzapfen gegrillt, aufgeschnitten

Eher noch dünner schneiden als im Bild. Das Fleisch schmeckt sehr gut, ist aber recht fest. Quellen warnen davor, das Fleisch ganz durchzubraten, es sollte also eher rot als rosa sein, sonst werde es zäh. Ich hab’s jetzt zweimal gemacht und habe mich daran gehalten, war nie zäh.

– Noch ungewöhnlicher ist das eigentliche Kronfleisch, das in Bayern laut Wikipedia traditionell gekocht wird. Man kann es aber auch in der Pfanne braten oder grillen.

Das ist das eigentliche, horizontale Zwerchfell. So sieht ein Stück davon aus (der ganze Muskel ist noch länger):

Kronfleisch mit Sehne

Beim ersten Mal hatte mein Metzger die dicke Sehne schon entfernt, diesmal musste ich das selber machen – aber das geht recht leicht:

Kronfleischgericht von Sehne befreit

Eine Möglichkeit der Zubereitung ist, das Kronfleisch in Stücke zu schneiden, und in sanft köchelnder Brühe zu 6 bis 10 Minuten. Wenn man keine Brühe hat, nimmt man Salzwasser, und lässt das Fleisch ein wenig länger drin, dann hat man auch Brühe.

Eine andere Möglichkeit ist, das Kronfleisch zu grillen oder zu braten. Möglichst heiß, nur zwei oder drei Minuten auf jeder Seite, es soll innen noch rosa sein:

Kronfleisch aufgeschnitten

Außerdem habe ich mal, einem Internetrezept folgend, so ein Stück Kronfleisch gesalzen und gepfeffert, und mit einer Füllung belegt aus der Schale von zwei Zitronen, viel Kräutern (Petersilie und Oregano in meinem Fall) und viel Parmesan:

Kronfleisch belegt mit Füllung

Zusammenrollen, zweimal zubinden und so zwei dicke Scheiben erhalten:

Kronfleisch-Rouladen roh

Die jeweils vier Minuten auf jeder Seite grillen:

Das Ergebnis war leider…. nun, sehr fest, wenn auch nicht zäh. Nicht optimal. (Optimal… vermutlich zwei Stunden sous-vide, und dann noch kurz auf den Grill, aber so etwas mache ich nicht.) Vielleicht doch mal schmoren? Das halbe Internet sagt, dass Schmoren gar nicht geht, die andere Hälfte hält das für okay. Frau Rau meint, wenn das mit Rouladen geht, dann auch damit.

Feature Creep? Englisch-Schulaufgabe im Wandel der Zeiten: 1979/1980

Beim Stöbern in meinen alten Schulunterlagen habe ich das hier gefunden:

Schulaufgabenangabe, eine Seite

Es handelt sich allem Anschein nach um eine Nachholschulaufgabe (Schulaufgabe: angekündigte große Leistungserhebung) im Fach Englisch, 6. Klasse. Ich vermute, dass sie für einen anderen Schüler oder eine andere Schülerin angelegt wurde, und der Rest der Klasse das Blatt als Übung erhalten hat. Denn erstens hätte ich dieses Blatt zurückgeben müssen, wenn es sich um eine echte benotete Prüfung gehandelt hätte, und zweitens sehen mir die Rotstiftanmerkungen zu sehr nach meiner eigenen Schrift aus; auch der dicke Filzstift wirkt nicht sehr lehrerhaft. (Andererseits sehe ich auch heute bei der Durchsicht von Kollegen-Schulaufgaben gelegentlich solche Filzstifte, und schaudere.)

Ich habe meinen Englischunterricht in guter Erinnerung. Englisch gelernt habe ich auch, obwohl ich nicht weiß, wie viel meine USA-Besuche und meine Lektüre amerikanischer Comics und später Bücher dazu beigetragen haben; mit den Comics fing ich richtig wahrscheinlich erst in der 7. Klasse an. In der 6. Klasse war meine Zeugnisnote zum Halbjahr: 3, zum Schuljahrsende: 2.

Will heißen: Schlecht war der Unterricht nicht. Pattern drill, keine Fotos in den Büchern, nur blaue und rote Farbe bei den Zeichnungen. Und die Schulaufgaben waren eine Seite lang.

Heute hat eine Schulaufgabe in der 6. Klasse vier Seiten.

In der Softwareentwicklung gibt es das Konzept feature creep: Das eigentlich funktionale Programm kriegt noch ein paar Fähigkeiten mehr, und noch ein paar, bis es unübersichtlich und unnötig umständlich und kompliziert wird. Ist da bei den Schulaufgaben etwas Ähnliches geschehen? Man bemüht sich, darin alles abzuprüfen, was die Schülerinnen und Schüler je gelernt haben könnten. Und ja, lobenswert, es ist gerne mal ein Hörverstehensübung dabei und Gelegenheit zu einer gelenkten, aber doch eigenständigen Textproduktion. Aber das viermal im Jahr, jeweils vier Seiten.

Ich würde gerne sagen, dass das eine schleichende Entwicklung ist, aber das sind bestimmt schon seit 20 Jahren vier Seiten. Wann ist denn das passiert? Und warum? Und ist das wirklich sinnvoll – könnte man nicht auch mal auf zwei Seiten prüfen? Einfach – weniger? Was in der Prüfung von damals sicher fehlt, ist mehr oder weniger frei gestalteter Text; der ist heute immer dabei. Das ist auch gut, aber da könnte man das simple past doch gleich mitprüfen statt separat noch einmal eine halbe Seite dazu.

– Darf ich die Schulaufgabe oben überhaupt veröffentlichen, obwohl der Urheber ein anderer Lehrer oder eine andere Lehrerin ist? Aber ja, entnehme ich dem Heft 3 von Schule & wir aus dem Jahr 2016:

Texte und Angaben von schulischen Leistungserhebungen gelten nach der Rechtsprechung nicht als Werke im Sinne des Urheberrechtsgesetzes (vgl §2 UrhG). Daher genießen sie auch keinen Schutz vor Vervielfältigung, Weitergabe oder öffentlicher Zugänglichmachung. Davon ausgenommen sind Angabentexte zentral gestellter schulischer Abschlussprüfungen wie etwa des Abiturs.

(Ich bin allerdings kein Jurist und kann nichts darüber sagen, wie sehr das auch für eine vor vierzig Jahren erstellte Schulaufgabe gilt.)