Franz Kafka, Auf der Galerie

Sehr schöner Schultag heute. Vier Stunden, drei Klassen, alle haben mir Spaß gemacht, bei allen glaube ich, dass die Schüler etwas gelernt haben (aber das glaubt man ohnehin zu oft) – und zu jeder Stunde will ich etwas bloggen. Habe aber keine Zeit vor lauter Zeug, das ich machen will. Deshalb nur kurz noch etwas von letzter Woche. Deutsch, 9. Klasse, zum Anwärmen und Kennenlernen: Wiederholung von Wortarten und Satzgliedern an folgender Kafka-Parabel als Beispiel. Auf der Galerie Wenn irgendeine hinfällige, lungensüchtige Kunstreiterin in der Manege auf schwankendem Pferd vor einem unermüdlichen Publikum vom peitschenschwingenden erbarmungslosen Chef monatelang ohne Unterbrechung … Continue reading „Franz Kafka, Auf der Galerie“

Erste Woche

Erste Schulwoche. Ich probiere gerade mein zweites Notenverwaltungsprogramm auf dem PDA aus, das ideale habe ich noch nicht gefunden. Mit dem aktuellen kann ich zusammen mit den Noten auch Portraitfotos meiner Schüler anzeigen lassen. Das ist lustig, macht aber wohl zuviel Arbeit, wenn man sieben oder mehr neue Klassen kriegt wie ich letztes Jahr. Dafür gibt es keinen Zufallsgenerator mehr – der hat die Schüler am alten Programm enorm beindruckt. Aber da konnte man Noten nicht mit einem anderen Datum versehen als dem Eintragsdatum in den Palm. Nicht gut. Abr dafür konnte ich am PDA neue Schüler eingeben, jetzt geht … Continue reading „Erste Woche“

Kamishibai: Von der Grundschuldidaktik lernen

Ich will auch so etwas haben! In Grundschulkreisen ist das anscheinend bekannt, aber ich habe erst vor kurzem bei lehrerforen.de davon gehört: Laut Wikipedia gab es in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts fahrende Süßigkeitenhändler, die Kinder mit Geschichtenvorführungen anlockten und unterhielten. Der Kamishibai ist eine Art Minitheater, ein hölzerner Rahmen, der eine Reihe von Bildern enthält, die nacheinander herausgezogen werden, so dass jeweils das darunter liegende Bild zum Vorschein kommt. Anhand dieser Bilder wird eine Geschichte erzählt. (Und danach werden die Süßigkeiten verkauft.) (flickr, von Nazra!) Hier sieht man ein Kamishibai im Gebrauch. Laut Flickr-Quelle wurde gerade Frankenstein erzählt. … Continue reading „Kamishibai: Von der Grundschuldidaktik lernen“

Noch ein paar Sagen

Interessant an folgender Sage finde ich die Logik: Wenn man im Himmel stirbt, wird man auf der Erde wiedergeboren. (Alle Fehler unkorrigiert. Vor allem Kommas fehlen.) Warum der H. so viel spricht! Jeder Schüler des Graf-Rasso-Gymnasium kennt den Herrn H. und jeder weiß dass er im Unterrricht spricht wie ein Wasserfall. Doch das war nicht immer so. Denn in seinem früheren Leben… Der Herr H. war in seinem früheren Leben nämlich Lehrer im Himmel. Er hat in seinem Unterricht so viel geredet dass die Worte die Schüler förmlich zu zerdrücken schienen. Eines Tages beschwerte sich ein Schüler darüber, dass der … Continue reading „Noch ein paar Sagen“

Wieso Herr Rau seinen Bart abrasierte

Beim Aufräumen bin ich auf eine Mappe mit Schülertexten gestoßen – Mindmaps, Zeichnungen, und vor allem eine ganze Reihe der Sagen, die Ende 1999 eine 6. Klasse geschrieben hatte. (Beispiele hier und hier.) Eine dieser Erklärungssagen ist vielleicht von besonderem Interesse, weil sie zeigt, wie Schüler sich das Privatleben eines Lehrers vorstellten. Der Text ist nicht korrigiert, war mit dem Computer geschrieben. Der Bart ist ab Wie ihr alle wißt, hatte Herr Rau vor ein paar Monaten einen kleinen Bart. Doch dann war er auf einmal verschwunden: Und das kam so: Herr Rau saß mit seinen drei Freunden, an einem … Continue reading „Wieso Herr Rau seinen Bart abrasierte“

Lichtenberg (und Chandler)

Kann es wirklich sein, dass ich hier noch nie Lichtenberg-Zitate gesammelt habe? Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799), Naturwissenschaftler und Aphoristiker der Aufklärung. Bekannt ist er für seine Sudelbücher: Notizhefte voller Aphorismen und Ideen, Kritzeleien, Zitate, Listen von interessanten Wörtern. Hier ein paar zur Auswahl (die Angaben in Klammern beziehen sich auf die Sudelhefte, damit ich die Quelle wiederfinde): Die Braut war pockengrübig, und der Bräutigam finnig. Spötter sagten, wenn das Pärchen nur erst zusammengeschmiedet wäre, so gäben ihre Gesichter ein treffliches Waffeleisen. (H87) Einer will sich ersäufen, allein sein großer Hund, der ihm nachgelaufen, apportiert ihn allemal wieder. (H106) Er konnte … Continue reading „Lichtenberg (und Chandler)“

Vom Erörtern

Gestern habe ich mir den aktuellen (und demnach vorläufigen) Deutsch-Lehrplan für die nächsten drei Jahre genauer angeschaut. Für die schriftlichen Aufgaben gibt es immer noch die zwei Hauptstränge, die sich von der Unterstufe bis zum Abitur durchziehen: Das Interpretieren und das Erörtern. Der erste Strang beginnt mit der einfachen Textzusammenfassung, heißt im Jahr darauf Inhaltsangabe, dann Erweiterte Inhaltsangabe – weil bei dieser noch Zusatzfragen dazukommen, zum Beispiel zu Erzählperspektive, Stilmittel oder Gattungsmerkmalen. Dieser Zusatzteil wird immer wichtiger, bis die eigentliche Inhaltszusammenfassung nur noch ein kleiner Teil der Interpretation beziehungsweise Analyse ist. Das Erörtern beginnt mit der Begründeten Stellungnahme, heißt danach … Continue reading „Vom Erörtern“

Rednerpult

Eine Alternative zum Referat, die ich auch schon mal in Deutsch ausprobiert habe, habe ich vor den Ferien im LK Englisch eingesetzt: Die Rede bzw. Vorlesung, hier schlichter: das vorgetragene Essay. Die Vortragssituation war von Anfang an klar, der Text sollte also für den mündlichen Vortrag geschrieben sein. Das heißt, dass die ersten zwei Zeilen ohnehin nicht von allen wahrgenommen werden; dass es noch wichtiger ist als im geschriebenen Text, Markierungen zur Orientierung einzusetzen (erstens, zweitens, drittens); dass Pausen gemacht werden und Kontakt zum Publikum gehalten wird. Alles natürlich nicht gründlich genug vorbereitet, aber immerhin hatte ich ein Rednerpult organisiert. … Continue reading „Rednerpult“

Zwischenzeugnisse 2007-2008

Sage bloß keiner, die – zum Halbjahr auch noch so spärlichen – Bemerkungen zu Mitarbeit und Verhalten, zum Jahreszeugnis auch zur Persönlichkeit, interessierten die Schüler nicht. „Was genau heißt: Das Verhalten war angemessen? Welcher Note entspricht das? Ist lobenswert das gleiche wie vorbildlich? Was ist die schlechteste Bemerkung, die man zu Mitarbeit oder Verhalten kriegen kann?“ Das haben sie sich vorgestern gegenseitig gefragt und mich auch. Ist natürlich von Schule zu Schule verschieden, aber „war nicht immer tadelfrei“ oder „gab mitunter Gelegenheit zur Beanstandung“ sind wohl die negativsten Formulierungen, die man über Schüler lesen kann, und selbst dafür muss der … Continue reading „Zwischenzeugnisse 2007-2008“

Sortieren und Palimpseste

Im Informatikunterricht hat sich wieder der Server wegen zu großer Hitze verabschiedet. Vielleicht bin doch ich schuld und wir haben dem Rechner zuviel zugemutet. Es ging um Komplexitätstheorie, Quicksort und Bubblesort im Vergleich. Für Interessierte: Eine typische Aufgabe für Computer besteht darin, Mengen von Daten zu sortieren – eine Liste von Schülernamen, von Zahlen, von Büchern, von verschiedenen Einträgen in einer Datenbank, von Bits und Bytes jeder Art. Im Laufe der Zeit sind dazu verschiedene Sortieralgorithmen erdacht worden, so wie jeder Lehrer auch seine eigene Methode hat, Schulaufgaben zu sortieren. Wie bei allen Algorithmen gibt es dabei bessere und schlechtere. … Continue reading „Sortieren und Palimpseste“