Leistungsbeurteilung im modernen Unterricht

Gefunden bei MatthiasHeil.de:

Ende letzten Jahres hat die Grundsatzabteilung am ISB Material zu einem Projekt “Leistungsbeurteilung im modernen Unterricht” online gestellt. Das ISB ist das “Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung”, dort sitzen die Leute, die die Lehrpläne machen und kommentieren, und die Schul- und Modellversuche anregen.
Und gerade überlegen sie, wie man die Leistungsbeurteilung (also die Noten) modernisieren könnte. Dazu gibt es ein 62-seitiges Papier zu einem von März 2004 bis Juli 2006 laufenden Projekt. Hier ist die Projektseite, und das Papier kann man als pdf hier herunterladen (547 KB).

Hier die wichtigsten Thesen:

  1. Im Unterricht sollen Phasen des Lernens deutlich von Phasen des Prüfens abgegrenzt werden.
    – Gerne. Die Doppelrolle als Lehrer, dassman gleichzeitig lehren und prüfen soll, ist schizophren. Für Schüler sollte klar sein, dass sie in einer Stunde/Woche/Sequenz nur *lernen* sollen, und dass danach, aber separat, über den Stoff geprüft wird.
  2. Grundwissen soll bei Leistungsbeurteilungen verstärkt berücksichtigt werden.
    – Ja. Dazu müsste der Lehrplan flexibler und von Ballast befreit werden. Gerne auch in meinen Fächern.
  3. Handlungskompetenz (Fach‑, Human‑, Sozialkompetenz) muss in all ihren Dimensionen gefördert und beurteilt werden.
    – Ich muss erst nachdenken, was das heißt. Geschicktes/bedachtes Tun muss gefördert werden, und zwar fachliches und menschliches. Okay. Darf ich dann auch die fehlende Human- und Sozialkompetenz von gnadenlos gemeinen, empathielosen Schülern beurteilen? Wenn es solche Menschen gibt, dann sicher auch schon als Schüler. Darf ich vermutlich nicht. Ist wohl auch gut so. Gedacht ist, dass ich Teamfähigkeit und verantwortliches Handeln beurteile. “Auch wenn der Frontalunterricht nach wie vor eine große Rolle spielt, haben kooperatives und selbst reguliertes Lernen (Projektunterricht, computergestütztes Lernen, ‘Lernen durch Lehren’ o. Ä.) an Bedeutung gewonnen” und müssen deshalb benotbar werden.
  4. Leistungsbeobachtungen und ‑beurteilungen sollen nicht nur Ergebnisse, sondern auch Prozesse erfassen.
    – Hm.
  5. Mündliche Leistungen sollen gegenüber schriftlichen aufgewertet werden.
    – Gerne. Außer es sind Exen gemeint. Und außer es ist weiterhin die punktuelle Abfrage gemeint. Dann bringt das gar nichts.
  6. Art und Anzahl der Leistungserhebungen sollen flexibilisiert und von der Einzelschule/Fachschaft in Eigenverantwortung bestimmt werden.
    – Unbedingt. Das wäre ein Riesengewinn.

Im Anschluss an die Ausarbeitung dieser Thesen werden Vorschläge und Erfahrungsberichte zur Umsetzung in die Praxis vorgestellt. Das sind an verschiedenen Schulen konkret erprobte Modelle. So kann man für Gruppenarbeit eine bestimmte Gesamtpunktzahl geben, und die Mitglieder der Gruppe teilen die Punkte unter sich auf. Formal gibt der Lehrer auf Basis dieser Punkte eine Note, er soll sich aber an den Vorschlägen der Gruppe orientieren.

Vieles davon gefällt mir. Ich bin nur skeptisch, wieviel am Schluss davon übrig bleiben wird. Eine Ex oder eine Vokabelabfrage (mit notiertem Datum, und am besten den gestellten Fragen dazu) ist rechtlich halt schon viel sicherer, und auf die rechtlich unangreifbare Absicherung jeder Note wird in den letzten Jahren immer mehr Wert gelegt.

Bildergeschichten

Am Wochenende eine Grundschullehrerin getroffen. Die sagt, ihr machen Bildergeschichten auch keinen Spaß, und den Schülern an der Grundschule auch nicht. Sie könnten sie alle schon nicht mehr sehen. – Und ich habe immer geglaubt, dass die Kleinen sich freuen, wenn man sie in der 5. Klasse am Gymnasium mit der Bildergeschichte begrüßt. Nie wieder! Ich finde die nämlich auch sehr langweilig.

Was ist ein professioneller Lehrer?

Gefunden bei Xenon B., gleich zusammen mit meiner Selbsteinschätzung:

  1. Ein professioneller Lehrer wählt seinen Beruf primär in Hinblick auf die Berufstätigkeit, in zweiter Linie aufgrund des Fachinteresses oder aufgrund von Arbeitsmarktbedingungen.
    – Hm. Gilt schon mal nicht wirklich für mich. Ich wollte Lehrer werden, weil mir das der richtige Beruf zu sein schien, aber gleichrangig war mein wissenschaftliches Interesse an den Fächern. Die Arbeitsmarktbedingungen warenmir egal.
  2. Er hat ein mehrfaches Selektionsverfahren und eine professionelle, berufsbezogene Ausbildung hinter sich gebracht.
    – Okay, habe ich. Inhaltlich stehe ich nur teilweise hinter diesem Punkt. Die Qualität unserer professionellen Ausbildung und der Selektion ist allerdings Thema für eine Diskussion. Klar will ich universitäre Lehrerbildung. Zur Zeit wird ja viel ohne entsprechende Qualifikation unterrichtet, um akutem Lehrermangel zu begegnen. Ich habe dabei aber auch toll unterrichtende Quereinsteiger getroffen. Das gibt’s also schon auch.
  3. Er nimmt regelmäßig an Fortbildungsveranstaltungen teil und befindet sich deshalb auf dem jeweils gültigen Stand fachlicher und berufswissenschaftlicher Forschung, deren Resultate in das berufliche Handeln umgesetzt werden.
    – Ich nehme zwar zur Zeit regelmäßig an so etwas teil, aber nicht in allen Fächern, und befinde mich nicht auf dem jeweils gültigen Stand. Aber nur knapp dahinter. Das Wichtigste ist, dass aufgrund der Rahmenbedingungen (Arbeitslast, Unterrichtsräume, rechtliche Einschränkungen) das Umsetzen in das berufliche Handeln nur sehr, sehr bedingt möglich ist. Freiarbeit kannste vergessen.
  4. Er hält angemessene Distanz zu Schülern und Eltern.
    – Ja, ich glaube schon. Warum steht das hier? Ist die Distanz meist zu groß oder zu gering?
  5. Er erwartet ein angemessenes Feedback über seine Arbeitsqualität von den Dienstvorgesetzten.
    – “Erwarten” im Sinne von “einfordern”? Nein. Im Sinne von “damit rechnen”? Eigentlich auch nicht. Ich hab ja nur einen einzigen unmittelbaren Dienstvorgesetzten, den Leiter der Schule. Der muss die Schule leiten, sich um Eltern und Schüler kümmern, und soll 80 Lehrer beurteilen und Rückmeldung geben? Angemessen? Das halte ich für überhaupt nicht möglich, beim besten Willen nicht. Das ist eines der dümmsten Sachen am Lehrersein, dass man kaum Feedback kriegt außer durch die Schüler. Halt! Alle vier Jahre kriegt man als Lehrer eine Note! Allerdings legt den Notendurchschnitt für die Schulen das Kultusministerium dabei vorher fest. Das kann man dann als Feedback auch nur mäßig ernst nehmen. Wenn ich so Noten machen würde…
  6. Er verfügt über die Fähigkeit, gültiges Wissen bei den Schülern entstehen zu lassen und dieses auch begründen zu können.
    – Hm. Ein bisschen. Davon träumt jeder Lehrer. Ist mit “begründen” gemeint, dass man erklären kann, wie durch einen selber das gültige Wissen entsteht?
  7. Er verfügt über technisch kontrolliertes Regelwissen des Unterrichtens und des Erziehens.
    – Ich weiß nicht, was das heißt. Ich verfüge über Regelwissen, neben anderem Wissen. Mehr davon wäre sicher nicht schlecht. (Allerdings: Nicht alle Regeln der Pädagogik, die ich mal gelernt habe, sind noch gültig.) Was heißt “technisch kontrolliert”?
  8. Er übt seinen Beruf souverän aus, das heißt, er bestimmt selbst den Ausnahmezustand, gegebenenfalls auch mit direktiven Mitteln.
    – Wenn es das heißt, was ich vermute, dann okay.
  9. Er ist konflikt- und teamfähig.
    – Doch schon. Einigermaßen. Weshalb wird dann so wenig im Team gearbeitet?
  10. Er hat eine optimistische Grundeinstellung.
    – Ganz sicher.
  11. Er definiert klare Unterrichtsziele und führt einen klar strukturierten Unterricht durch.
    – Hm. Nicht so sehr wie ich möchte. Daran könnte ich arbeiten.

Quelle: Pressemitteilung der Freien Universität Berlin vom 07.05.2003

Trotzdem, interessant. Die Leitbild-Erfahrung bei Tanja hat mich drauf gebracht, dass ich ganz gerne irgendwo schriftlich fixiert hätte, was meine Schule und ich als Lehrer eigentlich wollen und sollen, und zwar an prominenterer Stelle als versteckt in Lehrplan-Vorworten.

Matheklausur

Heute habe ich für einen erkrankten Kollegen dessen Mathematikklausur (80 Minuten) beaufsichtigt. Mein Leben kann nicht sehr aufregend sein: ich fand es bereits interessant, mal kariertes Papier auszuteilen statt liniertem wie bei meinen eigenen Fächern. Als Schüler habe ich viel lieber auf kariertem Papier geschrieben, auch in Deutsch oder Englisch, und wenn ich heute einen Notizblock habe, dann ist der auch kariert und nicht liniert.
Mindestens ein Deutschlehrerkollege könnte mit kariertem Papier überhaupt nicht arbeiten. Vielleicht frage ich die anderen mal.

Bei der Klausur habe ich dann auch einige der Schüler wiedergesehen, die ich am Tag zuvor bei meiner Leistungskursstunde vermisst hatte. Einige waren wirklich krank, sind es noch immer – aber bei unserer Kollegstufe ist es weit verbreitet, sich am Tag vor Klausuren krank zu melden und zu Hause zu bleiben, um auf die Klausur zu lernen. Bringt das bei Mathe überhaupt was? Und wär’s nicht, äh, einfacher, im Unterricht besser mitzuarbeiten? (Ja, ja, ich weiß. Typisch Lehrer.)

Die Lehrer und das Kultusministerium

Wir befinden uns im dritten Jahrtausend n. Chr. Ganz Bayern… Auch das von unbeugsamen Lehrern bevölkerte Gymnasien in F.? – Auch das, keine Sorge. Wir sind so unterjocht wie jedes andere Gymnasium auch.

Dennoch finden in diesem Schuljahr an unserer Schule viele traditionelle Aktivitäten nicht statt, die über den regulären Unterricht hinausgehen.
Und das kam so: Wir müssen dieses Schuljahr alle eine Stunde mehr unterrichten. (Bei gekürztem Weihnachtsgeld.) Davor unterrichteten die Lehrer am Gymnasium regulär 23 Stunden pro Woche, etwas weniger bei diversen Extra-Jobs. Das sind je nach Fächerkombination fünf bis elf Klassen, mit drei Stunden pro Klasse als Durchschnitt. Eine Stunde Mehrarbeit heißt letztlich, bei einem Drittel aller Lehrer eine Klasse mehr, und das macht dann richtig Arbeit: Verwaltugnskram, Schulaufgaben korrigieren, Übungsaufsätze. Den Unterricht vorzubereiten, das geht nämlich tatsächlich ganz gut.
Für nächstes Jahr ist eine weitere Stunde mehr geplant, also 25 Stunden, also für 2/3 aller Lehrer eine Klasse mehr.
Dazu kommen weitere Finstere Pläne des Kultusministeriums, Unzufriedenheit mit Schulpolitik, einem überholten Schulgebäude. In der Öffentlichkeit fehlt außerdem die Anerkennung für den Beruf. Ich selber kann in einer Hinsicht nicht klagen: Meine Nachbarn sind reizende alte Herren und Damen, für die Lehrer noch ein Respektsberuf ist.

Gezwungen werden kann man als Lehrer meist nur zu Wandertagen, Sitzungen, abendlichen Sprechstunden und natürlich Unterricht. Skilager, Klassenfahrten, Theaterbesuche, Auslandsreisen, Kursfahrten, Austauschprogramme – all das macht man über den Unterricht hinaus. Der Lehrplan und die Schulordnung sehen solche Fahrten allerdings vor. Geld ist dafür aber wenig da, also müssen Lehrer bei solchen Exkursionen vorher unterschreiben, dass sie die Reisekosten nur zur Hälfte ersetzt bekommen.
Nochmal: Man ist mit einer Gruppe eine Woche unterwegs, hat Aufsichtspflicht rund um die Uhr, und darf die Hälfte der eigenen Kosten dafür selber bezahlen. (Außerdem leidet der Unterricht der anderen Lehrer durch die fehlenden Schüler, da ja nicht immer Klassen geschlossen fahren. Der Kollege muss außerdem vertreten werden.)

Also finden in diesem Schuljahr demonstrativ keine Abitur‑, Klassen‑, sonstige Fahrten statt, es sei denn, sie werden dienstlich angeordnet und die Kosten werden voll übernommen.
Natürlich schneiden wir uns ins eigene Fleisch. Diese Veranstaltungen machen uns selber Spaß, bei aller Anstrengung und bei aller Gleichgültigkeit, mit der viele Schüler sie annehmen. Wir halten sie auch für wichtig. Das Kultusministerium interessiert sich nicht besonders dafür, und die Öffentlichkeit auch nicht. Manche Eltern sehen nur, dass ihr Kind nicht wegfahren darf, andere verstehen unsere Haltung. Direkt kommunizieren – etwa über ein Rundschreiben – dürfen wir mit den Eltern übrigens nicht.

Und jetzt müssen wir überlegen, ob wir das nächstes Jahr fortsetzen, vielleicht in abgewandelter Form, oder weitermachen wie immer. Unterlaufen wird diese Regelung ohnehin bereits schon.

Nach dem Zeugnis…

…ist Zeit für einen Neuanfang und neuen Schwung. Also! Heute war meine erste Doppelstunde Englisch 9. Klasse; es lief etwa zäh. Die Schüler sind am Montagmorgen deutlich verratschter als am Freitag, außerdem war mein Text wohl nicht so geeignet. Ein Radiomonolog als Hörverstehenstext.
Wichtiger ist, dass ich meine Schüler zum Bloggen zu überreden versucht habe. Ich habe brav alles erklärt, sogar mit Tafelbild. Was ich möchte, dass sie tun; warum ich möchte, dass sie das tun; was sie davon haben, dass sie das tun. Hauptsächlich geht es mir darum, dass Schüler lernen, sich mit ihren Ergebnissen einer Öffentlichkeit zu stellen. Schulaufgaben, Übungstexte, Schülerleistungen welcher Art auch immer – in der Regel sieht die nur der Lehrer, nicht einmal die Mitschüler, geschweige denn Eltern oder gar Fremde. “Produktionsorientierter Unterricht” heißt, dass am Schluss etwas Präsentables dasteht. Stellwände sind dabei nur mäßig interessant, das WWW halte ich für sinnvoller.
Dabei können die Schüler bloggen, wann und worüber sie wollen, aber für den Rest des Schuljahrs ist jeweils eine Schülerin oder ein Schüler für eine Woche eingeteilt, in der mindestens einmal gepostet wird. Sonst würde es nach den ersten zwei Wochen wohl keine regelmäßigen Beiträge geben.

In zwei Wochen beginnen die Schüler mit einem Praktikum (in einem Betrieb), da können sie was über ihre Erfahrungen schreiben. Hoffentlich albern sie nicht nur herum, zu sagen haben sie genug.

Getröstet hat mich, dass eine Schülerin mich am Schluss fragte, ob es nicht einfacher sei, wenn einfach jeder Schüler sich bei LiveJournal anmelden würde, so wie sie.

Wordpress 1.5 (und Schule)

Ich habe gerade auf Wordpress 1.5 umgestellt. Kleinere Änderungen in den nächsten Tagen, auftretende Schwierigkeiten bitte entschuldigen. Jetzt muss ich mich erst mal von der Zeugniswoche erholen. Irgendwie mussten wir wieder gleichzeitig den neuen Stundenplan entwerfen, ausdrucken, kopieren, verteilen und an die Stecktafel stecken; eine Broschüre für die erwarteten Eltern neuer Schüler layouten und inhaltlich ergänzen; und uns um den Zeugnisdruck kümmern. Wenigstens wird in Bayern solche Leistung honoriert… mehr Geld gibt’s zwar nicht, aber dafür sagen alle Leute freundliche Sachen über Lehrer.

Gute Nachrichten: Mit der Stundenplanumstellung nächste Woche habe ich eine Doppelstunde Englisch in meiner 9. Klasse. manche Lehrer scheuen Doppelstunden wie die Pest, und auch unsere Schulleitung sieht sie nicht gerne. Das nachvollziehbare Argument dagegen lautet, dass die Stunden am besten gleichmäßig über die Woche verteilt sein sollten: Bei vier Stunden also an fast jedem Tag eine. Gerade in der Fremdsprache, wegen der regelmäßigen Übung usw. usw.
Mir selber sind Doppelstunden aber viel lieber, auch wenn ich die Schüler dann nur an drei Tagen in der Woche sehe. Von einer Doppelstunde haben die Schüler bei mir mehr als doppelt so viel wie von einer Einzelstunde, glaube ich. (Von einem halben Jahr intensiven Unterricht vielleicht auch mehr als von einem ganzen Jahr mit gleichmäßig verteilten Stunden, aber das müsste ich ausprobieren.)

Ich bin jedenfalls schon mal sehr gespannt.

Verpasste Konferenzen

“Das gilt für alle Schlüssel des Universums!”
“Es geht hier um das dicke K, nicht um das dünne.”

So etwas hört man, wenn man Informatik studiert.
Dabei hätte ich an den Konferenzen heute gerne teilgenommen, so überflüssig sie zum Teil sind. Es gäbe viel Wichtiges zu besprechen, aber zuviel Zeit geht für Formalismen drauf.
Jedenfalls freue ich mich darauf, mir morgen die Höhepunkte erzählen zu lassen. Jetzt muss ich erst mal die Stunden vorbereiten.

Erster Tag nach den Faschingsferien

Diesen Freitag gibt es Zeugnisse, die müssen fertig werden. Bei jedem Schüler werden dafür die Schulaufgaben und die Durchschnitte der mündlichen und schriftlichen Noten auf einem eigenen Blatt festgehalten. Das ist wichtig. Außerdem muss man auf diesem Formular handschriftlich bei “Klasslehrer/in” das “in” durchstreichen, wenn es sich um eine männliche Klassleitung handelt. Das halte ich für weniger wichtig. Machen das auch noch andere Schulen als unsere? Steuerzahler, rührt euch bitte! Das ist meine Arbeitskraft und ‑zeit, die hier vergeudet wird.

Dann berät die Klassenkonferenz (das sind alle Lehrer dieser Klasse – alle jedenfalls, die nicht gleichzeitig in anderen Konferenzen sitzen), welche Note der Schüler in jedem Fach erhalten soll. Bei 3,51 muss man nämlich nicht immer die schlechtere, bei 3,49 nicht immer die bessere Note geben. Wie groß der Spielraum ist, den man den Lehrern dabei lässt, ist allerdings von Schule zu Schule verschieden. Die tatsächliche Note legt dann auch nicht der einzelne Lehrer fest, sondern die Klassenkonferenz. Man stimmt ab, und vertraut dabei in der Regel auf die Beurteilung durch den Fachlehrer. Manchmal wird er aber auch überstimmt. Vor der Abstimmung wird überlegt, was denn für den Schüler besser wäre. Manchmal braucht man nämlich eine schlechtere Note als Warnung. Manchmal spricht aber auch viel dafür, die bessere Note zu geben. Die Lehrer machen sich dabei schon viele Gedanken, was jeweils das beste ist. Man weiß es natürlich nie sicher.

Und wenn die Klassenkonferenz die Noten beschlossen hat, dann wandern sie in den Computer und werden säuberlich ausgedruckt. Und korrekturgelesen. Und notfalls nochmals ausgedruckt. Und bei der Arbeit mit dem Computer helfe ich den Kollegen, falls nötig.

(Ob ein Schüler durchfällt oder auf Probe vorrücken darf, darüber wird dann in der Gesamtkonferenz abgestimmt. Dabei habe ich manchmal schon wunderbar sachliche, intensive Diskussionen erlebt. Vielleicht treffen Lehrer nicht immer die richtige Entscheidung, aber zumindest fällen sie sie nicht leichtfertigt.)

Hausaufgaben

Man darf Hausaufgaben nicht benoten. (Man darf allerdings Hausaufgaben abfragen, und diese Abfrage benoten.)

Drei mögliche Gründe fallen mir ein:
1. Man kann nicht kontrollieren, ob die Schüler die Hausaufgaben alleine gemacht haben.
2. Die Schüler arbeiten zu Hause unter zu unterschiedlichen Arbeitsbedingungen.
3. Man will den Schülern einen notenfreien Übungsbereich lassen. (Etwa bei Übungsaufsätzen für eine Deutsch-Schulaufgabe.)

Punkt 3 leuchtet mir ein. Er kann aber sicher nicht auf alle Hausaufgaben angwendet werden: Es muss den Schülern nur klar sein, ob die Hausaufgabe zur Übung dienen soll, oder ob sie Stoff sind, den sie danach können.müssen Aufgegebene Vokabeln möchte ich abfragen und benoten können, aufgegebene Übungsaufsätze bei neuen Textsorten werde ich nicht vorlesen lassen und benoten.

Punkt 2 leuchtet mir weniger ein. Lernen müssen sie ja auch unter unterschiedlichen Bedingungen (eigenes Zimmer oder nicht). Wenn man nur Gruppenarbeiten als Hausaufgabe benotet, löst das dieses Problem? Muss ich darauf Rücksicht nehmen, dass die einen Schüler mehr freie Zeit haben als die anderen? – Sicher darf die aufzuwendende Zeit für die Hausaufgabe nicht zu groß sein, keine Frage. Und einen Computer darf man auch nicht voraussetzen.

Punkt 1 ist einerseits der kniffligste, andererseits sehe ich ihn am wenigsten ein. Gerade in der Unterstufe arbeiten Eltern viel an den Aufsätzen ihrer Kinder mit (auch wenn sie das nicht sollen). Aber Übungs-Aufsätze mit neuem Stoff möchte ich ohnehin nicht benoten. Wenn es ums Wiederholen einer Jahrgangsstufe geht, verstehe ich die Versuchung, sich helfen zu lassen, ohnehin.

Ich glaube, ich möchte einfach Aufgaben stellen können, die ein vorzeigbares Ergebnis haben: Texte, Plakate, bespielte Kassetten, von mir aus auch Computerprogramme. Und die möchte ich benoten können, auch ohne dass ich die alberne Ich-frag-dich-in-der-Stunde-über-dein-Projekt-aus-Routine durchmachen muss. Zur Zeit darf ich das nicht, auch wenn mir der Schüler mit noch so einem tollen Produkt ankommt.
Ich bin mir klar darüber, dass ich damit die Freizeit der Kinder in Anspruch nehme, und möchte das keinesfalls mehr tun als durch die üblichen Hausaufgaben. Gerne auch in Gruppen. Ich traue mir und meinen Kollegen dabei zu, faire und sinnvolle Noten zu geben. Aber Noten, die bei derzeitiger Rechtslage einer Klage standhalten würden, sicher nicht.

Ich glaube, ich möchte einfach trennen in Hausaufgaben, in denen Schüler üben können (unbenotet), und Hausaufgaben, in denen Schüler zeigen können, was sie können (benotet). Dazu bieten ihnen die erlaubten Schulaufgabenformen in Deutsch und die üblichen Schulaufgabenformen in Englisch keine ausreichende Gelegenheit.

(Nebenbei: Ab der 10. Klasse schreiben die schwächeren Schüler in Deutsch tatsächlich gerne aus dem WWW ab, ohne das zu deklarieren. Aber das traue ich mir zu zu merken. Und notfalls kann ich ja immer noch nachfragen, ob der Schüler das auch kapiert hat – anders als bei solchen Plagiaten in Klausuren, die’s immer mal wieder gibt.)