Abiturreden kurz

Da sehr viele Google-Sucher auf einen alten, sehr kurzen Eintrag zu Abiturreden kommen und dort keine große Hilfe finden, hier zwei kurze Tipps:

Eine Audio-CD mit zwei Abiturreden von Wilhelm Genazino und Birgit Vanderbeke – also nicht von Schülern, sondern an Schüler (und zwar der Jahrgänge 1999 und 2000). Die erste Rede ist in Ordnung, die zweite sehr schwach.

Noch interessanter ist eine Sammlung von Abiturreden. Der Amazon-Link führt aber nicht weit, das Buch ist vergriffen, Interessierte können ja mal bei zvab.de oder abe.com stöbern. – Mehr über diese Sammlung, wenn ich sie gelesen habe. Nur kurz: 1981 sammelte die Zeit Abiturreden, und aus den 250 eingesandten wurden 27 für die Sammlung ausgewählt, Reden von Lehrern, Eltern und Schülern. Es wird interessant sein, diese 25 Jahre alten Reden mit den heutigen zu vergleichen.

wurch.log

Lieber wurch, falls du das liest: Schön, dass du wieder was geschrieben hast. Seit Monaten geht deine Kommentarfunktion nicht, das liegt vermutlich an einem leicht zu behebenden Fehler im Plugin: wp-comment-review.php – zumindest könnte das der Fall sein. Mail mich an, falls du mehr wissen willst (lehrerzimmer @ herr-rau . de).

Abistreich und Urlaub

Nächste Woche gibt’s den Abistreich, ich freue mich schon sehr darauf, ihn journalistisch-kritisch begleiten zu können. (Naja, darüber zu bloggen halt.) Hier der vom letzten Jahr.
Diese Woche ist ein Teil der Abiturienten in Portugal oder Spanien oder so wo, um zu feiern. So was mit Alkohol-Flatrate; auf dem Stufenforum gibt’s grausliche Details. Wir scheinen zu wenig Snobs an der Schule zu haben.

Schokoriegel richtig essen

Ich habe das von meinem Großvater gelernt. Ein Schokoriegel, in sechs oder acht Scheiben geschnitten, zu teilen zwischen meinem Zwillingsbruder und mir. Ich hatte ganz vergessen, wie das geht. Mmh, lecker.

Um es ganz richtig zu machen, hätte ich den Schokoriegel mit einem Taschenmesser schneiden müssen. Das und das Holzbrett sind ganz wichtig.

Der Vorteil von einsprachigen Wörterbüchern

Wenn ich ein englisches Wort nicht kenne und wissen möchte, was es bedeutet, schaue ich im einsprachigen Wörterbuch nach. Da ist die Erklärung zwar auf Englisch, aber dafür ist es dann auch erklärt.
Wenn ich ein Wort eigentlich kenne, und mir nur nicht einfällt, wie es heißt, dann schaue ich auch im zweisprachigen Wörterbuch nach.

Über das zweisprachige Wörterbuch eines Schülers bin ich darauf gestoßen, und tatsächlich, mein PONS Globalwörterbuch, immerhin zweibändig, bringt es auch, und zwar als einzige Bedeutung:

fudge (Cook) Fondant

Erstens weiß ohnehin kein Schüler, was Fondant ist. Zweitens ist die Hauptbedeutung von “fudge” immer noch Buttertoffee (grob gesagt). Und drittens: Heißt Fondant überhaupt “fudge”?

Lehrerjobs

Lehrer machen vormittags Unterricht, nachmittags und am Wochenende haben sie entweder frei oder machen gaaaanz viel. Das ist bekannt.
Darüber hinaus fallen an einer Schule noch viele weiteren Aufgaben an, die die Lehrer übernehmen, und von denen viele Leute vielleicht gar nicht wissen, dass es sie gibt. Dazu gehören, in keiner besonderen Reihenfolge:

  • Jemand muss die Schülerzeitung betreuen. (Laut Schulordnung Wahl durch die teilnehmenden Schüler.)
  • Jemand muss Aufsicht bei Schulpartys führen.
  • Jemand muss die fahrbaren Beamer-Computer-Kombinationen warten. (“Der DVD-Player funktioniert nicht. Der Ton funktioniert nicht. Der Beamer funktioniert nicht.”)
  • Verbindungslehrer: Jemand muss Kontakt zu den gewählten SMV-Vertretern halten und bei der Organisation von Schulpartys und bei den Tutoren helfen. (Laut Schulordnung Wahl durch die Klassensprecherversammlung.)
  • Jemand muss die Schulbücher verwalten: Am Anfang des Schuljares austeilen, am Ende einsammeln; nachbestellen, neubestellen; den zugeteilten Etat einteilen.
  • Jemand muss die Schulbibliothek verwalten: Sich um den Katalog kümmern, Ordnung halten, neue Bücher bestellen, katalogisieren und einordnen (in Rücksprache mit den anderen Lehrern).
  • Jemand muss der Schulleitung und dem Sekretariat bei der Computernutzung helfen/die Computer warten.
  • Jemand muss das Schulnetz, über das die Schüler im Computerraum Zugang zu Programmen und dem WWW haben, warten.
  • Jemand muss bei der jährlichen Einschreibung der neuen Schüler die technische Seite organisieren (schon wieder Computer).
  • Der Medienwart kümmert sich darum, dass defekte Tageslichtprojektoren und CD-Player repariert oder ersetzt werden.
  • Jemand muss Layout und/oder Redaktion des Jahresberichts übernehmen.
  • Betreuuung der Schul-Homepage
  • Die Mitglieder des Personalrats treffen sich zu Besprechungen mit und ohne die Schulleitung.
  • Jedes Jahr gibt es ein Geheft mit Informationen für zukünftige Schüler und deren Eltern. Das muss geschrieben, redigiert und layoutet werden.
  • Jemand muss die Verweise der Unter- beziehungsweise Mittelstufe verwalten – in eine Liste eintragen und kontrollieren, ob die unterschriebenen Verweise zurückgegeben wurden.
  • Jemand kümmert sich um den Schulsanitätsdienst und die Streitschlichter.
  • Der Betreuungslehrer: Eine wichtige Aufgabe. Der Lehrer oder die Lehrerin berät Schüler und deren Eltern, die Probleme in der Schule haben. Das können disziplinarische Probleme sein, oder schlechte Leistungen.
  • Jemand muss die Referendare betreuen.
  • Die Fachbetreuer respizieren die Schulaufgaben der anderen Lehrer: Das heißt, sie schauen sich an, ob die Schulaufgaben sinnvoll gestellt und sinnvoll bewertet sind. Außerdem leiten sie Fachsitzungen und kümmern sich um die Ausrüstung für ihr jeweiliges Fach.
  • Jemand muss den Schüleraustausch organisieren.
  • Jemand muss den Stundenplan entwerfen: Welche Klasse wann welchen Lehrer in welchem Fach hat, so dass keine Lücken entstehen und die Stunden sinnvoll verteilt sind.
  • Es gibt außerdem noch den Disziplinarausschuss, der von den Lehrern gewählt wird, der aber nur bei großen disziplinarischen Problemen zusammentritt.
  • Kollegstufenbetreuer
  • Personalräte
  • Betreuung von Referendaren
  • Sicherheitsbeauftragter (Probealarme und so weiter)
  • Mitarbeit im Schulforum (je drei Eltern‑, Schüler- und Lehrvertreter; darf bei manchen Dingen mit enstcheiden)
  • Ansprechpartner des Gleichstellungsbeauftragten im Ministerium

(Und sicher gibt es noch viele solche Jobs, die mir gerade nicht einfallen.)

Alle diese Arbeiten werden von den normalen Lehrern übernommen, nicht von den Mitgliedern der Schulleitung. Die haben selber ja noch weitere Aufgaben. Auch die Mitarbeiterinnen im Sekretariat übernehmen viele weitere Arbeiten, die ich vielleicht auch nochmal aufzählen werde.

Manche dieser Lehrerjobs kosten viel Zeit und Energie, andere wenig; manche sind mit Entlastungsstunden verbunden (so dass man eine oder auch zwei Stunden weniger pro Woche unterrichtet), andere nicht; manche machen Spaß, andere nicht; manche sind begehrt, andere nicht; manche sind beförderungsrelevant, andere nicht.
Welche Jobs mit wieviel Entlastung verbunden sind, das entscheidet die Schulleitung. Welche Jobs beförderungsrelevant sind, das legt das Kultusministerium fest. Beides hat häufig etwas damit zu tun, wieviel Arbeit oder Fähigkeit diese Jobs tatsächlich verlangen.

Laut Lehrerdienst- und Schulordnung gilt für die meisten dieser Jobs, dass kein Lehrer sie übernehmen muss. (Eine Ausnahme ist z.B. die Mitarbeit im Disziplinarausschuss.) Irgendwer muss die Sachen aber machen. Warum sollte man als Lehrer dieses Jobs übernehmen, wenn man es genauso gut nicht machen könnte – und dafür vielleicht seinen Unterricht besser vorbereiten könnte?

Welche Belohnungsmöglichkeiten hat die Schule, um diese Arbeiten zu honorieren? Da gibt es Anrechnungsstunden, so dass man weniger unterrichten muss. Davon gibt es aber auch nur begrenzt viele. Dann gibt es die Beförderungsrelevanz mancher Jobs. (Ohne solche Jobs kann man dereinst kein Studiendirektor werden. Es gibt nur wenige davon.) Danach wird die Luft auch schon dünn: Man kriegt dafür vielleicht mal einen Wahlkurs statt regulärem Unterricht. Man kriegt das Wohlwollen der Schulleitung, was immer eine gute Sache ist, auch wenn man sich in der Praxis nicht viel dafür kaufen kann. Außerdem kriegt man vielleicht eine besser Beurteilungsnote: Alle vier Jahre werden Lehrer am Gymnasium nämlich durch die Schulleitung bewertet. Und in diese Note fließen der Einsatz und die Bereitwilligkeit, solche Aufgaben zu übernehmen, sehr wohl ein. Diese Note spielt eine sehr große Rolle für das Selbstwertgefühl von Lehrern, die ja sonst kaum Feedback erhalten. In keinem Verhältnis dazu steht die tatsächliche Relevanz der Note: Ausreichende Leistungen vorausgesetzt, wird man unwesentlich schneller oder langsamer befördert und kriegt auch nicht mehr Geld. (Zudem wird der Notendurchschnitt pro Schule vom Kultusministerium vorgegeben; möglicherweise wird das aber in Zukunft geändert.)

Welche Bestrafungsmöglichkeiten hat die Schule, wenn Lehrer sich weigern, Aufgaben zu übernehmen? Einmal die oben angesprochene Note; in der Praxis kein sinnvolles Instrument. Außerdem noch: Entzug des Wohlwollens, so dass man auf keine Gefälligkeiten hoffen darf. Nicht dass es da so viele Möglichkeiten gäbe. Das war’s.

Kein Wunder, dass Schulleitungen immer mehr Schwierigkeiten haben, Kollegen zu finden, die all diese Aufgaben übernehmen.

Hallo, Sie haben da eine Karte

Ich versuche wirklich nicht, originell zu sein. Aber ab und zu habe ich nun einmal eine Spielkarte hinter dem Ohr, und werde dann häufig darauf angesprochen. Gerade eben wieder, hundert Meter vor der Haustür, sprach mit eine Dame mittleren jüngeren Alters an: “Hallo, entschuldigen Sie”, worauf ich mich umdrehe und zwei Schritt ezurück gehe, “Sie haben da eine Karte”, und die Dame zeigt vage mit dem Finger in die ungefähre Richtung meines Ohres.

Ich lese viel, auch im Gehen, und benutze dazu oft Lesezeichen. Und ich habe früher viel Karten gespielt, wobei die Karten bald alt und abgegriffen waren, weil sie so oft benutzt wurden. Dann ersetzte ich sie durch neue Karten – bis auf die Joker, die ich nie brauchte. Also habe ich einen Stapel unbenutzter Joker, und nehme die gerne als Lesezeichen her.

Während der Uni hatte ich mir angewöhnt, den Lehrstuhl-Bibliotheksausweis hinter die Brille zu klemmen, um dann beide Hände frei zu haben und fröhlicher pfeifend durch die Gänge zu laufen. Bei den Lesezeichen stellte sich bald das gleiche Verhalten ein: Man klemmt sich das Teil einfach zwischen Brillenbügel und Schläfe. Das ist praktischer als jede Hemd- oder Jackentasche, praktischer als das Belassen im Buch, wo es nur dauernd rausfliegt.

Erst jetzt habe ich mal ein Foto davon gemacht, vor dem Spiegel. Es sieht tatsächlich dämlicher aus, als ich dachte.

Harte Schule zum Letzten

So, gerade kam die letzte Folge (siehe ersten, zweiten, dritten Eintrag). Die hat mich ein bisschen versöhnt, und sei es nur, dass ich glaube, ein bisschen was daraus für den Unterricht verwenden zu können.
Tenor der letzten Folge: Die Schüler sind zufrieden. Sie haben vor allem die Gemeinschaft genossen, und außerdem erkannt, dass sie mit dem anderen (aufgezwungenen) Lernverhalten viel effizienter lernen. selbst Saskia sagt, dass die Zeit doch ganz schön war. Von 24 Schülern haben 17 bestanden, alle haben bis zum Schluss durchgehalten. (Anders übrigens als bei der englischen Vorlage.)

Ich hätte gerne etwas über die Lehrmethoden erfahren. Okay, “amo, amas, amat” wird im Chor gesprochen, aber das war’s dann auch. Stattdessen wurden ständig nur Prüfungssituationen gezeigt. Das ist auch nicht uninteressant, aber um wirklich beurteilen zu können, wie sich die Schule unterscheidet, braucht es vor allem die normale Unterrichtssituation.

Störendes Detail: Musste die Schulhymne unbedingt zur Melodie von “Auld Lang Syne” sein? Man sollte meinen, es hätte genügend deutsches Liedgut gegeben. Schubert oder so etwas. Auch wenn man das den Schülern und dem Publikum erst hätte beibringen müssen.

Prinzipielles Problem: Die geheuchelte Enttäuschung über Verhalten, das von der TV-Produktion herausgefordert oder erwartet, auf jeden Fall erwünscht wird. Natürlich wird heimlich ein Deo in die Burg geschmuggelt, und natürlich wird es entdeckt, und natürlich gibt es Anschiss dafür. Maßlos enttäuscht war der Schulleiter. Aber der Produktionsleiter freut sich. (Ähnlich bei der Kissenschlacht in der allerletzten Nacht. Auch dafür ein Anschiss. Und keiner hat gelacht dabei.)
Und da frage ich mich: Haben die Lehrer das am Ende etwa ernst genommen? Waren die wirklich enttäuscht oder überrascht? Das kann ich mir eigentlich nicht vorstellen. Man kommt nur auf den Gedanken, weil man die Lehrer nie außerhalb ihrer Rolle sieht. Auch bei der Lehrerkonferenz gaben sich die Kollegen ganz im Stil der 50er Jahre – gut, die Kamera war dabei. Aber die Lehrer waren doch hoffentlich abends bei Wein und Bier zusammen gesessen und haben derbe Scherze über die Schule und die Schüler gemacht? Bitte sagt mir, dass das so war!
Ganz zum Schluss kamen die Lehrer nochmal zu Wort und durften ein bisschen was zu ihren Erfahrungen sagen. Einer hat dabei gelächelt und ganz vernünftige Sachen gesagt. Die anderen wirkten ganz genau so wie den Rest des Experiments über.
Merkwürdig.

Bring einen Lehrer zum Lächeln

Die Bring-Einen-Lehrer-Zum-Lächeln-Woche

Genervt von der Schule? Finstere Mienen zwischen Tafel und erster Bankreihe?

Die Charme-Versprüher von der Schülerzeitung-Redaktion wissen Rat: In der Woche vom .….. bis .…… geht es darum, möglichst viele Lehrer zum Lächeln zu kriegen.
Schüler, die einen Lehrer zum Lächeln gebracht haben, tragen rechts in die Liste Datum und Uhrzeit und den Namen des Lehrers ein und lassen sich das Lächeln durch die Unterschrift des Lehrers bestätigen.
Der Schüler mit den meisten Treffern erhält einen Preis… obwohl den vielleicht eher der Lehrer verdient hätte, der am häufigsten beim Lächeln erwischt worden ist.
Hinweis für Schüler, die mit dem Phänomen des Lächelns noch nicht so ganz vertraut sind: Hysterisches und verzweifeltes Gelächter einer Lehrkraft zählt nicht als Lächeln, vor allem nicht, wenn die Hände dabei zu Fäusten geballt sind.

(Sonderregeln, die nach langer Diskussion in der Redaktion dann doch nicht angenommen wurden:
– Mathematiklehrer zählen doppelt
– für jedes “Aber ich hab’s doch gerade eben erklärt” eines Lehrers muss der betroffene Schüler einen Eintrag streichen
– Lehrer des anderen Geschlechts zählen nur halb)

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Ist leider doch nie was daraus geworden, war wohl zu skurril.