Jetzt haben auch schon die Lehrer Poesiealben

Oder sie sorgen zumindest dafür, dass man welche in die Hand gedrückt kriegt. Der Wahlkurs Kreatives Schreiben vom Kollegen Z. hat Erzählungen in Kladden begonnen, die in der Stadtbibliothek ausleihbar sind. Jeder Ausleiher kann und soll die Geschichte weiterschreiben.

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Ich habe gerade Kapitel zwei geschrieben und das Buch zurückgegeben. (Eine wilde Science-Fiction-Geschichte, die sich Richtung Philip K. Dick entwickeln könnte, aber nicht muss.)

Mich hat das aus nicht wirklich wichtigen Gründen erinnert an einen Text von Kurt Tucholsky in Das Lächeln der Mona Lisa von 1926:

GRUSS NACH VORN
Lieber Leser 1985 – !
Durch irgendeinen Zufall kramst du in der Bibliothek, findest die Mona Lisa, stutzt und liest. Guten Tag.
Ich bin sehr befangen: du hast einen Anzug an, dessen Mode von meinem damali­gen sehr absticht, auch dein Gehirn trägst du ganz anders… Ich setze dreimal an: je­desmal mit einem andern Thema, man muß doch in Berührung kommen… jedesmal muß ich es wieder aufgeben ‑ wir verstehen einander gar nicht. Ich bin wohl zu klein; meine Zeit steht mir bis zum Halse, kaum gucke ich mit dem Kopf ein bißchen über den Zeitpegel … da, ich wußte es: du lächelst mich aus.
Alles an mir erscheint dir altmodisch: meine Art, zu schreiben und meine Gram­matik und meine Haltung … ah, klopf mir nicht auf die Schulter, das habe ich nicht gerne. Vergeblich will ich dir sagen, wie wir es gehabt haben, und wie es gewesen ist … nichts. Du lächelst, ohnmächtig hallt meine Stimme aus der Vergangenheit, und du weißt alles besser. Soll ich dir erzählen, was die Leute in meinem Zeitdorf bewegt? Genf? Shaw‑Premiere? Thomas Mann? Das Fernsehen? Eine Stahlinsel im Ozean als Halteplatz für die Flugzeuge? Du bläst auf alles, und der Staub fliegt meterhoch, du kannst gar nichts erkennen vor lauter Staub.
Soll ich dir Schmeicheleien sagen? Ich kann es nicht. Selbstverständlich habt ihr die Frage: “Völkerbund oder Paneuropa?” nicht gelöst; Fragen werden ja von der Menschheit nicht gelöst, sondern liegen gelassen. Selbstverständlich habt ihr fürs tägliche Leben dreihundert nichtige Maschinen mehr als wir, und im übrigen seid ihr genau so dumm, genau so klug, genau so wie wir. Was von uns ist geblieben? Wühle nicht in deinem Gedächtnis nach, in dem, was du in der Schule gelernt hast. Geblie­ben ist, was zufällig blieb; was so neutral war, daß es hinüberkam; was wirklich groß ist, davon ungefähr die Hälfte, und um die kümmert sich kein Mensch – nur am Sonntagmittag ein bißchen, im Museum. Es ist so, wie wenn ich heute mit einem Mann aus dem Dreißigjährigen Krieg reden sollte. «Ja? geht’s gut? Bei der Belage­rung Magdeburgs hat es wohl sehr gezogen…?» und was man so sagt.
Ich kann nicht einmal über die Köpfe meiner Zeitgenossen hinweg ein erhabenes Gespräch mit dir führen, so nach der Melodie: wir beide verstehen uns schon, denn du bist ein Fortgeschrittener, gleich mir. Ach, mein Lieber: auch du bist ein Zeitgenosse. Höchstens, wenn ich “Bismarck” sage und du dich erst erinnern mußt, wer das gewe­sen ist, grinse ich schon heute vor mich hin: du kannst dir gar nicht denken, wie stolz die Leute um mich herum auf dessen Unsterblichkeit sind… Na, lassen wir das. Au­ßerdem wirst du jetzt frühstücken gehen wollen.
Guten Tag. Dies Papier ist schon ganz gelb geworden, gelb wie die Zähne unserer Landrichter, da, jetzt zerbröckelt dir das Blatt unter den Fingern… nun, es ist auch schon so alt. Geh mit Gott, oder wie ihr das Ding dann nennt. Wir haben uns wohl nicht allzuviel mitzuteilen, wir Mittelmäßigen. Wir sind zerlebt, unser Inhalt ist mit uns dahingegangen. Die Form war alles.
Ja, die Hand will ich dir noch geben. Wegen Anstand.
Und jetzt gehst du.
Aber das rufe ich dir noch nach: Besser seid ihr auch nicht als wir und die vorigen. Aber keine Spur, aber gar keine -

Eine Schulklasse von mir (11. Klasse) musste auch mal solche Briefe nach vorn schreiben und sie in verschiedenen Büchern in unserer Schulbibliothek verstecken. Vermutlich hat sich doch keiner getraut. Irgendwann mache ich das vielleicht nochmal. Aber vielleicht nur ein oder zwei Briefe pro Klasse.

Nachtrag: Wie es bei Mythbusters heißt: Don’t try this at home. Normalerweise veröffentliche ich keine Texte anderer Autoren, da diese urheberrechtlich geschützt sind. Tucholsky-Texte darf man aber seit diesem Jahr verwenden, da der Herr schon 70 Jahre tot ist und seine Texte damit gemeinfrei geworden sind. Insofern ist also keineswegs Mozart- oder Heine-Jahr, sondern eigentlich Tucholsky-Jahr. Man sollte das Jahr feiern, in dem die Werke in die public domain wandern, das ist doch wichtiger als das Geburtsjahr. Letztes Jahr war es übrigens Ringelnatz, nächstes Jahr ist es G.K. Chesterton, auf Sigmund Freud muss man danach dann noch drei Jahre länger warten.

SHFR = chauffeur

Na, wenn man so eine Anzeige in einem Comic liest, dann muss man doch einfach zuschlagen. Ich hab mir das Buch also bestellt, das geht inzwischen nur noch gebraucht. Es heißt Word Finder. The Phonic Key To The Dictionary von Marvin L. Morrison.

Das Buch ist die Lösung für folgendes Problem: Wie schlägt man ein Wort nach, wenn man nicht weiß, wie man es schreibt?

Die Lösung: Man lässt alle Vokale weg.
Honest spricht man [onest] aus, man schlägt also unter NST nach.
Wie schreibt man consent? Man schlägt unter KNSNT nach.
KNTNNT = continent. Und so weiter.

Einige Laute werden durch zwei Zeichen dargestellt: TH ist das der Laut, der üblicherweise th geschrieben wird, SH das sh und so weiter. Der Buchstabe x wird konsequent durch KS oder GZ wiedergegeben.
Ganz arg ist mir, dass sich zum Beispiel where unter HWR findet, wegen des mancherorts angehauchten w‑Lautes. (Manche Sprecher machen tatsächlich einen Unterschied zwischen Wales und whales.)

Ein paar Beispiele:
NTS = entice, nazi, notice
SRSRR = sorceror
SRDF = certify (mit der amerikanischen innervokalischen Lenisierung des [t])
SRDFSH = swordfish

Und jetzt zum Testen: Unter welchen Kürzeln findet man die Schreibung folgender Wörter

1. toenail
2. concept
3. wholesale
4. inebriate
5. cowpoke

Lustiger ist es allerdings, andersherum herauszufinden, welche 5 verschiedenen Wörter sich unter dem Eintrag DST versammeln…

– Wie hilfreich ist das ganze? Zugegeben, die Schreibung im Englischen ist komplizierter als im Deutschen. Aber ich weiß nicht, ob das Buch wirklich hilfreich sein kann. Für mich ist das Buch nur eine Kuriosität, die ich allerdings gern im Regal habe.

Lösung: 1 TNL, 2 KNSPT, 3 HLSL, 4 NBRT, 5 KPK

Tanzkurs 2006 (Abschlussfest)

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Teilnehmer: Schüler der 8. Klassen und deren Eltern. Ort: Nicht mehr im Tanzstudio, sondern außerhalb. Mit kleiner Band und weniger Aufräumarbeit, dafür teurer für die Eltern. Vielleicht doch mal in der Turnhalle?
Diesmal habe ich weniger zu erzählen; ich kenne nur ein paar Wiederholer dieses Jahrgangs, sonst hatte ich keinen der Schüler jemals.

Moderne Sagen III

Die Geschichte der verbotenen Mützen

Vor vielen Jahren war das Tragen von Mützen in der Schule noch nicht verboten. Fast alle trugen Mützen. Doch von einem Tag auf den anderen sollte sich das ändern:
Wie immer kamen die Kinder mit den Mützen in die Schule, wie immer grüßten sie den Lehrer. In der ersten Stunde war Englisch angesagt. Das war zwar schwer, der Unterschied zwischen Adjektiven und Adverben, aber die Schüler überstanden es. In der zweiten Stunde war Mathe, was noch schwerer war, dritte Stunde Bio, auf einmal fingen die Köpfe der Schüler an zu rauchen, nur ein kleines bisschen, keiner merkte es. Immer wenn sie ein bisschen mehr lernten, rauchten ihre Köpfe ein kleines bisschen mehr.
In der fünften Stunde war es dann schon ziemlich schlimm. Doch in der sechsten Stunde hatte die Klasse Deutsch, das war am schwierigsten. Der Lehrer strengte sie sehr an. Die Köpfe rauchten sehr stark. Plötzlich fing die Mütze eines Schülers an zu brennen. Doch er merkte es nicht sofort, sondern drehte sich herum und fragte etwas. Mit seinem Schirm kam er an den Schirm eines anderen Schülers. Dieser kam an die Vorhänge, die sofort in Flammen aufgingen. Von dort übertrug sich das Feuer auf einige andere. Die Schüler rannten nach draußen, schrien, schmissen ihre Mützen auf den Bänken herum. Der Feueralarm ging an, die Feuerwehr kam und löschte das Feuer. Seitdem ist das Mützen-Tragen in der Schule verboten. Die Schüler aber verstehen das nicht, weil ja eigentlich die Lehrer schuld waren, da sie die Schüler so viel arbeiten ließen.

(EvR, Schülerin, 6. Klasse)

Weitere Vorschläge, noch ungeordnet:

* Wieso Herr Rau seinen Bart abrasierte.
* Vor Jahren gab es ein großes, hölzernes Tor zum Eingang. Wieso ist heute statt dessen eine Glastür dort?
* Wie es dazu kam, dass das Rasso einen Pausenverkauf bekam.
* Im SMV-Zimmer gibt es ein Sofa, das nur von XXX benutzt werden darf. Darum rankt sich eine Geschichte…
* Wie das Sparifankerl (Schülerzeitung) zu seinem Namen kam…
* Warum das Kollegstufenzimmer nicht aufgeräumt werden darf…
* Geschichten aus dem Lehrerzimmer: Was Lehrer tun, wenn sie ganz allein sind…
* Woher kommt die Kreide?
* Warum manchmal wirklich Stunden ausfallen.
* Warum manchmal der OHP nicht geht.
* Warum Tafeln grün sind.
* Warum Schüler keine Flaschen im Zimmer haben dürfen.
* Warum man in den Gängen nicht sitzen darf. (Ein Streitpunkt unter manchen Lehrern. Lange Geschichte.)
* Warum man in der Schule mit blauer Tinte schreibt.
* Schul-Heinzelmännchen
* Wie der Fleck an die Decke des Chemiesaals kommt
* Wo die Steine um den Schulteich herkommen

Alles über: Wie die Note aufs Zeugnis kommt

Das weiß vermutlich nicht jeder, und interessant ist es wohl doch, und übermorgen gibt es Zwischenzeugnisse.

In Bayern läuft das auf dem Gymnasium so: Der Fachlehrer macht in Kernfächern schriftliche Noten in Form einer vorgegebenen Anzahl an angekündigten Tests über den Stoff der letzten Wochen (Schulaufgaben). Dazu kommen mündliche Noten, zu denen auch unangekündigte schriftliche Tests zählen.
Der Durchschnitt der schriftlichen Noten wird verdoppelt, der Durchschnitt der mündlichen Noten dazu gezählt, das ganze gedrittelt, und heraus kommt dann etwa 2,66 oder 4,58 oder so etwas. (In manchen Fächern werden die mündlichen Noten gleich gewichtet wie die schriftlichen Noten; außerdem ist dies seit kurzem als Modus-21-Maßnahme auch in den Sprachen möglich.)

Aus diesem errechneten Wert macht der Fachlehrer einen Notenvorschlag. Bei 2,27 wird das sicher die Note “gut” sein, bei 4,89 die Note “mangelhaft”. Allerdings gibt es pädagogischen Spielraum; man muss bei 3,45 nicht die bessere, bei 3,55 nicht die schlechtere Note geben. Wie groß dieser Spielraum ist, steht nirgendwo.

Einige Zeit vor dem Zeugnis gibt es Klassenkonferenzen. Dort müssen mindestens die Hälfte der Fachlehrer dieser Klasse und der Schulleiter oder ein von ihm beauftragter Vertreter, meist ein Mitglied des Direktorats, anwesend sein. Diese Klassenkonferenz ist es, die die Zeugnisnote festlegt, und nicht der Fachlehrer. (In anderen Bundesländern ist das anders.) Wenn der Klassenkonferenz nicht einsichtig ist, wie der pädagogische Spielraum genutzt wurde, kann der Fachlehrer überstimmt und sein Notenvorschlag abgelehnt werden.
Damit in diesen Konferenzen nicht zu allzu langen Diskussionen kommt, gibt es an jeder Schule Hausregeln, ab welchem errechneten Wert welche Entscheidung wie gut begründet werden muss. Eine einfache Regel könnte lauten: bis einschließlich ‚50 gibt es die bessere, ab ‚51 die schlechtere Note; alles andere muss formlos schriftlich begründet werden. Eine andere Regelung könnte sein: Alles zwischen ‚40 und ‚60 muss schriftlich formlos begründet werden, egal in welche Richtung die Note geht.

Wie gesagt, die Regeln für das Begründen in den Konferenzen sind wohl von Schule zu Schule verschieden. Den Spielraum haben Lehrer und Konferenz aber in jedem Fall. Darf ich dennoch vermuten, dass der zu erwartende schriftliche und sonstige Aufwand eine Rolle spielt bei der Entscheidung der Lehrer?

Die Gesamt-Lehrerkonferenz entscheidet zum Halbjahr über das Bestehen der Probezeit. Beim Jahreszeugnis entscheidet sie darüber hinaus, ob ein Schüler (wegen 5ern oder 6ern) tatsächlich durchfallen oder vom Wiederholzwang befreit werden soll, wofür es bestimmte Kriterien gibt.

Das Jahreszeugnis ist ein Dokument, das Zwischenzeugnis nicht. Es ist lediglich eine Mitteilung über den aktuellen Leistungsstand und muss auch gar nicht handschriftlich unterzeichnet sein. Es gibt zwei Tendenzen, wie man das aktuelle Zwischenzeugnis verändern kann: Einerseits kann man es aufwerten, mit ausführlicheren Kommentaren und hochwertigem Papier; andererseits könnte man den Mitteilungs-Status betonen und den Schülern tatsächlich ihren Durchschnitt mitteilen statt einer Note. (Das hätte ich gerne; es widerspricht vermutlich der Schulordnung.)

Bilder von früher

[vorheriges Bild] [nächstes Bild]

Als Teenager habe ich viel gezeichnet. In der sechsten Klasse waren es Raumschiffe, und das natürlich auch im Unterricht. Ein Lehrer (Sport und Mathematik) hielt es für lustig, mich mit einem überraschend über die Schulter hinweg gezeichneten Kringel zu unterstützen. Gut, daraus wurde dann noch ein Scheinwerfer, aber trotzdem: Das gehört sich nicht.
Diese Zeichnungen, zwei Ordner voll, habe ich alle mal weggeworfen. Grrrrrrrr. Die waren wirklich gut.

Später gaben wir dann unsere Science-Fiction-Magazine heraus. Kopiert, schon nicht mehr im Umdruck, wie die Generation vor uns noch. Trotzdem, Farbe gab es keine; Bleistift ließ sich nicht kopieren, also wurde schwarz-weiß gezeichnet.

Dass ich nicht wirklich gut zeichnen konnte, hat mich nicht geschreckt: Ich klebte und schnitt und stempelte dafür um so mehr. Verspritzte Tusche auf Blätter und blies darauf herum. Und irgendwann war dann ein Kopiergerät im Haus, und damit ließen sich gleich nochmal tolle Effekte erzielen.

Hat Spaß gemacht!

Bibliothek eines geistig interessierten Deutschen

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Mal für eine Mark gebraucht gekauft: Herausgegeben vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels, erschienen zur Weltausstellung in Brüssel 1958 (Auflage 50.000). Da gab es im Deutschen Pavillon eine Bibliothek, und dies ist der Katalog dazu. 158 Seiten.

Die Bibliothek ist unterteilt in Kapitel: Welt und Mensch unserer Zeit; Kultur; Religion und Kirchen; Philosophie; Staat und Gesellschaft; Weltgeschichte; Deutsche Geschichte; Weltliteratur; Deutsche Literatur; Kunst; Musik; Theater; Naturwissenschaften; Deutschland, seine Nachbarn und die Welt; Nachschlagewerke.

Das Vorwort betont, dass es im Titel um den “geistig interessierten” Deutschen geht und nicht um den “gebildeten”, wie auch der alte Bildungsbegriff als nicht mehr zeitgemäß und vielleicht auch nicht verwirklichbar abgelehnt wird.

Hier die erste Seite:

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Man sollte vielleicht mal eine Bibliothek des geistig interessierten Schülers zusammenstellen, vielleicht begrenzt auf 50 Bände. Natürlich müssten geistig interessierte Lehrer die dann ebenso lesen.

Ich fang mal an:

  • Richard P. Feynman, “Sie belieben wohl zu scherzen, Mr Feynman!” Abenteuer eines neugierigen Physikers
  • Bert Brecht, Kalendergeschichten
  • Gotthold Ephraim Lessing, “Die Erziehung des Menschengeschlechts”
  • Wolf Schneider, Deutsch für Kenner

Andererseits gibt es so etwas Ähnliches schon: Im aktuell auslaufenden Lehrplan steht für den Leistungskurs Deutsch im Lehrplan eine Liste mit weiterführenden Lektüreempfehlungen. Vielleicht sollte man damit arbeiten, diese Liste etwas kürzen und vor allem den Schülern bekannt machen. Außerdem fehlen die Naturwissenschaften in dieser Liste ohnehin; sie gilt nur für Deutsch.
Man merkt schon, ich hätte doch gerne wieder einen Kanon.

 

 

Aus dem Lehrplan für den Leistungskurs Deutsch: Lektüreempfehlungen

Grundlagentexte zur Literaturtheorie und Sprache

Aufklärung und Sturm und Drang:

  • Aristoteles: Poetik (Tragödie)
  • Johann Christoph Gottsched: Versuch einer critischen Dichtkunst vor die Deutschen
  • Gotthold Ephraim Lessing: Briefe, die neueste Literatur betreffend (17. Brief)
  • Gotthold Ephraim Lessing: Hamburgische Dramaturgie (75. Stück u.a.)
  • Johann Georg Sulzer: Vorrede zur ersten Ausgabe der Allgemeinen Theorie der Schönen Künste
  • Johann Wolfgang Goethe: Zum Schäkespears Tag, 14.10.1771
  • Friedrich Schiller: Die Schaubühne als eine moralische Anstalt betrachtet

Klassik:

  • Johann Gottfried Herder: Briefe zur Beförderung der Humanität; 27. und 28. Brief
  • Friedrich Schiller: Über die ästhetische Erziehung des Menschen
  • Friedrich Schiller: Ankündigung der Monatsschrift “Die Horen”
  • Johann Wolfgang Goethe: Italienische Reise (Auszüge)
  • Heinrich von Kleist: Über das Marionettentheater

Romantik:

  • Wilhelm Heinrich Wackenroder: Von zwei wunderbaren Sprachen und deren geheimnisvoller Kraft (aus: Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders)
  • Friedrich Schlegel: Charakteristiken und Kritiken
  • Friedrich Schlegel: Athenäum-Fragment 116
  • Novalis: Fragmente aus Blütenstaub; Athenäum 1798
  • Heinrich Heine: Die romantische Schule

Realistische Strömungen im 19. Jahrhundert:

  • Georg Büchner: Briefe; “Kunstgespräch” aus “Lenz”
  • Friedrich Hebbel: Mein Wort über das Drama
  • Adalbert Stifter: Vorrede zu “Bunte Steine”
  • Theodor Fontane: Unsere lyrische und epische Poesie seit 1848
  • Arno Holz: Die Kunst. Ihr Wesen und ihre Gesetze

Jahrhundertwende und Expressionismus:

  • Friedrich Nietzsche: Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik
  • Hermann Bahr: Die Überwindung des Naturalismus
  • Hugo von Hofmannsthal: Die Briefe des Zurückgekehrten, Der Vierte (26. Mai 1901)
  • Kasimir Edschmid: Über den Expressionismus in der Literatur und die neue Dichtung (z.B. über den expressionistischen Dichter)

Weimarer Republik:

  • Bertolt Brecht: Anmerkungen zur Oper “Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny”
  • Walter Benjamin: Was ist das Epische Theater?
  • Oskar Loerke: Das alte Wagnis des Gedichts
  • Joseph Roth: Schluß mit der “Neuen Sachlichkeit”
  • Heinrich Mann: Dichtkunst und Politik

Zwischen 1933 und 1945:

  • Thomas Mann: Brief an den Dekan der Philosophischen Fakultät der Universität Bonn (Neujahr 1937)
  • Erich Kästner: Über das Verbrennen von Büchern
  • Bertolt Brecht: Arbeitsjournal (Auszüge)
  • Thomas Mann, Frank Thieß, Walter von Molo: Ein Streitgespräch über die äußere und innere Emigration

Nachkriegszeit und Gegenwart:

  • Jean Paul Sartre: Was ist Literatur?
  • Heinrich Böll: Bekenntnis zur Trümmerliteratur
  • Friedrich Dürrenmatt: Theaterprobleme
  • Friedrich Dürrenmatt: Das Theater als moralische Anstalt heute
  • Max Frisch: Büchner-Preis-Rede 1958
  • Ingeborg Bachmann: Literatur als Utopie (5. Frankfurter Poetik-Vorlesung)
  • Peter Handke: Ist der Begriff “Engagement” auf die Literatur anwendbar?
  • Franz Fühmann: Der Sturz des Engels
  • Christa Wolf: Projektionsraum Romantik. Ein Gespräch
  • Theodor W. Adorno: Zur Dialektik des Engagements
  • Gottfried Benn: Probleme der Lyrik. Vortrag in der Universität Marburg
  • Hilde Domin: Wozu Lyrik heute?
  • Reiner Kunze: Konsequenzen des Ästhetischen. Münchner Poetik-Vorlesungen

Sprache:

  • Platon: Kratylos
  • Martin Luther: Sendbrief vom Dolmetschen
  • Johann Gottfried Herder: Abhandlung über den Ursprung der Sprache
  • Heinrich von Kleist: Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden
  • Wilhelm von Humboldt: Über die Verschiedenheit des menschlichen Sprachbaus und ihren Einfluß auf die geistige Entwicklung des Menschengeschlechts (in: Über die Kawi-Sprache auf der Insel Java)
  • Hugo von Hofmannsthal: Ein Brief (“Chandos-Brief”)
  • Harald Weinrich: Können Wörter lügen? (aus: Linguistik der Lüge)
  • Heinrich Böll: Die Sprache als Hort der Freiheit
  • Ludwig Wittgenstein: Philosophische Untersuchungen
  • Benjamin Lee Whorf: Sprache, Denken, Wirklichkeit
  • Dieter E. Zimmer: So kommt der Mensch zur Sprache

Grundlagentexte zur Philosophie

“Im Deutschunterricht auf der Oberstufe soll den Schülern der innere Zusammenhang von Philosophie, Kultur und Literatur sowie die Relevanz des zeitgenössischen Denkens für die Literatur, aber auch für ihr eigenes Denken und Schreiben bewußt werden. Zur Vertiefung inhaltlicher Aspekte einzelner Themenbereiche des Literaturunterrichts sowie im Zusammenhang mit der Erörterung anspruchsvollerer Themen wird daher die Lektüre von Auszügen u.a. aus folgenden Werken empfohlen:”

  • Platon: Phaidon
  • Aristoteles: Nikomachische Ethik
  • Seneca: Briefe an Lucilius
  • Marc Aurel: Selbstbetrachtungen
  • René Descartes: Meditationen über die Grundlagen der Philosophie
  • Baruch Spinoza: Über die Verbesserung des Verstandes
  • Gottfried Wilhelm Leibniz: Monadologie
  • Jean Jacques Rousseau: Abhandlung über Ursprung und Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen
  • Georg Christoph Lichtenberg: Sudelbücher
  • Imanuel Kant: Kritik der praktischen Vernunft
  • Imanuel Kant: Kritik der Urteilskraft
  • Johann Gottfried Herder: Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit
  • Friedrich Wilhelm Joseph Schelling: Ideen zu einer Philosophie der Natur
  • Johann Gottlieb Fichte: Die Grundzüge des gegenwärtigen Zeitalters
  • Arthur Schopenhauer: Die Welt als Wille und Vorstellung
  • Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Phänomenologie des Geistes
  • Leopold von Ranke: Über die Epochen der neueren Geschichte
  • Ludwig Büchner: Kraft und Stoff
  • Jakob Burckhardt: Weltgeschichtliche Betrachtungen
  • Friedrich Nietzsche: Die fröhliche Wissenschaft
  • Wilhelm Dilthey: Der Aufbau der geschichtlichen Welt in den Geisteswissenschaften
  • Karl Mannheim: Ideologie und Utopie
  • Sigmund Freud: Das Unbehagen in der Kultur
  • José Ortega y Gasset: Der Aufstand der Massen
  • Gottfried Benn: Kunst und Macht
  • Herbert Marcuse: Über den affirmativen Charakter der Kultur
  • José Ortega y Gasset: Betrachtungen über die Technik
  • Albert Camus: Der Mythos von Sisyphos. Ein Versuch über das Absurde
  • Karl R. Popper: Die offene Gesellschaft und ihre Feinde
  • Karl Jaspers: Von der Wahrheit
  • Max Horkheimer/Theodor W. Adorno: Dialektik der Aufklärung
  • Jean Paul Sartre: Bewußtsein und Selbsterkenntnis
  • Ernst Bloch: Das Prinzip Hoffnung
  • Carl Friedrich von Weizsäcker: Zum Weltbild der Physik
  • H.-G. Gadamer: Vom Zirkel des Verstehens
  • Jürgen Habermas: Strukturwandel der Öffentlichkeit
  • Helmut Schelsky: Auf der Suche nach der Wirklichkeit
  • Helmut Plessner: Conditio humana
  • Werner Heisenberg: Über die Verantwortung des Forschers
  • Erich Fromm: Haben oder Sein
  • Hans Jonas: Das Prinzip Verantwortung