Was mit alten Schulaufgaben geschieht

Schulaufgaben, Klausuren und Exen (für Nichtbayern: schriftliche mündliche Arbeiten) müssen zwei Jahre aufgehoben werden, damit die Note im Beschwerdefall noch einmal überprüft werden kann. An den meisten Schulen werden die Schulaufgaben eben dort aufbewahrt, und zumindest bei uns werden am Schluss des Jahres auch die Exen gesammelt. Zwei Jahre später – vermute ich – kümmert sich dann irgend jemand um die Vernichtung des Materials.

Irgendwie sammelt sich aber doch immer wieder die eine oder andere schriftliche Arbeit zu Hause, auch nach dem Jahresende. Meist die eigenen, aber auch welche von Kollegen. Nach dem Aufräumen habe ich jetzt einen peinlich hohen Stapel mit Material der letzten fünf oder sechs Jahre, den ich reumütig in die Schule tragen muss.

Billige Flüge und der letzte Tag vor den Ferien

Gelegentlich kommen wohl Eltern und wollen für ihr Kind die Oster- oder Pfingstferien um ein oder zwei oder auch drei Tage verlängern. Vorher oder nachher oder beides. Wie sollte eine Schulleitung auf diese Bitte reagieren?

In Ermangelung eines bloggenden Schulleiters aus Bayern mache ich mir hier Gedanken.

Für die Lehrer ist das einerseits ärgerlich. Das Kultusministerium und damit auch die Schulleitung erwecken zu oft den Eindruck, dass die Hauptaufgabe des Lehrers darin besteht, in ausreichender Zahl mit Datum versehene Noten abzugeben. Wenn man dem wirklich nachkommen wollte, bräuchte man dazu auch die letzten Tage vor den Ferien. Wichtiger ist aber, dass Schule und der Unterricht der Lehrer damit als im Ermessen der Eltern gesehen wird. Und das verbitten wir uns gerne und zu Recht.

Andererseits ist es vielleicht wirklich eher das Prinzip, das da stört. Auf einen Schüler weniger kommt es tatsächlich nicht an. Außer wegen dem Prinzip, und wehret den Anfängen, thin end of the wedge und so weiter. “Wenn man für einen eine Ausnahme macht, muss man für alle eine machen.” Das stimmt natürlich nicht, sonst würde es nicht Ausnahme heißen. Aber Ausnahmen müssen Ausnahmen bleiben – manchmal kriegt man den Eindruck, Eltern gehen wie selbstverständlich davon aus, dass so etwas okay ist. Den Eindruck sollte die Schulleitung nicht fördern.

Sind billigere Flüge ein guter Grund für eine Ausnahme? Nein. Andererseits bin ich selber betroffen: Vor fünfundzwanzig Jahren standen meine Eltern vor dem gleichen Problem. Flug in die USA, viele Verwandte dort, aber auch Strandurlaub und Sehenswürdigkeiten. Mit dem Auto nach Luxemburg, von dort Flug über den Atlantik mit Zwischenlandung auf Island, so sah das damals aus. Und meine Eltern gingen zur Schulleitung und fragten, ob sie einen Tag mehr für die beiden Söhne kriegen könnten. Nein, das geht nicht, hieß es. Können wir leider nicht machen. Offiziell. Am besten, Sie melden ihre Kinder krank an diesem Tag. Schönen Urlaub noch.

Der Urlaub war auch tatsächlich sehr schön. Ist diese Lösung besser als der korrekte Weg? Ich muss gestehen, intuitiv gefällt sie mir am besten.
Letztlich ist es ähnlich wie bei unseren Kollegstufenschülern: Bei den herrscht mitunter Unklarheit darüber, ob ein “K” in der Abwesenheitsliste heißt: “Kollegiat entschuldigt sich selber” (statt Arzt oder Schulleitung) oder: “Krankheit”. Offiziell gilt nur Krankheit als Abwesenheitsgrund. Darf man die Schüler so zum Lügen zwingen? (Ja.)

Ich denke, das hängt alles zu einem großen Teil vom Klima an der Schule ab: Davon, wieviel Vertrauen Lehrer, Schulleitung und Eltern ineinander haben. (Wie dieses Vertrauensverhältnis aufgebaut oder zerstört werden kann… eigener Blogeintrag mal.)
Und wenn die Lehrer wollen, dass die Schulleitung auch bei Lehrerwünschen – sicher nicht wegen billigerer Flüge, und nicht nur wegen freier Tage – ein Auge zudrückt, dann muss das auch bei Eltern möglich sein. Andersrum muss die Schulleitung dann eben auch Lehrern gegenüber so flexibel sein, wie sie es bei Eltern ist.

(Freie Tage habe ich als Lehrer zweimal gekriegt: Einmal fürs Heiraten – damals hatte man noch einen Anspruch darauf. Inzwischen ist der abgeschafft worden, aber vernünftige Schulleitungen geben sicher einen Tag frei. Und das zweite Mal war fürs Fernsehen: Ein Freund und ich waren in den Sommerferien bei einer Quizshow. Haben auch was gewonnen. Nach der Ausstrahlung titelte dann eine Zeitung: “Sat1 neppt Kandidaten”, als aufkam, dass eine als falsch gewertete Antwort doch richtig war. Also fuhren wir noch einmal hin und wiederholten das Finale. Da hatte die Unterrichtszeit aber schon wieder begonnen.)

Rausschmiss für Religionslehrerin

Die Kurzfassung: Lehrerin aus Braunschweig hatte zwar nicht Lehramt studiert, aber doch die Missio fürs Fach Katholische Religionslehre. Wegen des Lehrermangels hat sie fachfremd und auf Wunsch der Schulleitung auch andere Fächer unterrichtet, darunter auch Evangelische Religionslehre. Nicht verbeamtet, billige Arbeitskraft. Jetzt vom Bistum Hildesheim dafür fristlos entlassen.

Nachlesen bei Spiegel Online

Puh.

Drei Tage Probeunterricht hinter mir. Was das ist und warum das anstrengend ist, schreibe ich vielleicht nochmal. Jetzt muss ich erst wieder in den Unterrichtsalltag finden. Ich habe auch schon alles vorbereitet, nur bei einer Stunde morgen hängt es noch: Ich kann mich nicht darauf verlassen, dass alle Schüler da sind, und das macht es schwierig zu planen, was ich morgen in meiner Sequenz mache. Allein die Möglichkeit lähmt mich ein wenig.

Poo on the shoe (More on The Giggler Treatment)

In Roddy Doyle, The Giggler Treatment, there is a race of small, almost invisible beings who have followed mankind since caveman times. Their task in life is to make life hard for adults who have been unfair to children. What they usually do is put a huge, smelly pile of dog poo right in front of the offending adult, so that he or she steps right in it.

My pupils (6. Klasse) have drawn up a list of offences that deserve the Giggler Treatment:

Grownups deserve to get poo on the shoe if…

  1. they frighten a child and then laugh about it.
  2. they trip a child so that the child flies into something.
  3. they burp and they blame the child.
  4. they promise that the child gets something and then he doesn’t get it.
  5. teachers think that pupils look at their neighbour at a test and they give them a bad grade.
  6. the children don’t get any sweets from their parents.
  7. the children shot the ball into a flowerbed.
  8. the parents said the children must clean the floor when they’re lying in their bed and read a book.
  9. they don’t pick up their rubbish and say to other people: “That’s the children’s rubbish.”
  10. they say to the children: “Say hello to me if you see me,” and then the children say “Hello” but the grownups don’t say “Hello”
  11. the teacher gives the children a lot of homework on a sunny and warm day.
  12. they do spring cleaning and let the children clean the toilet and they clean only the window.
  13. the parents hurt something and say their child hurt this.
  14. they tell them they aren’t allowed to watch TV.
  15. teachers write tests in the last lesson.
  16. they tell them they aren’t allowed to play football in the evening.
  17. they take the free time of the children away.
  18. they say always it’s too dangerous, so the children can’t do anything and have no fun.
  19. they don’t like children and always make life hard for them.
  20. they dont give their child a present on the child’s birthday.
  21. the parents don’t give pocket money to the children.
  22. they don’t give us more to play with the computer.
  23. they say you must cut your hair.
  24. they put them in the French lesson.
  25. the teacher writes a difficult test and gives it back on the next day.
  26. you come home too late and they say that you must go to sleep without lunch.

(I think my favourite is no. 12.)

Identifiziere ich mich mit meiner Schule?

Die Frage kam gestern bei einem Gespräch über unsere Schule auf. Eigentlich lautete sie: Wieviel Jahre braucht es eigentlich, bis man sich mit seiner Schule identifziert? Meine erste Reaktion war: Mehr, als ich bisher an der Schule bin.

Mal sehen, mit wem ich mich identifizieren kann:

  • Mit Peter Parker (Spider-Man), zumindest früher mal
  • Mit anderen erfundenen Gestalten
  • Mit einigen historischen Gestalten
  • Mit Schülern, die im Abitur sitzen (aber nicht mit Schülern, die nach der schriftlichen Prüfung auf der Straße stehen und Sekt trinken)
  • Mit dem Grundgesetz, mehr oder weniger: Zum einen kann man es durchaus ja auch anders machen (Vergleich US-Verfassung und GG bei USA Erklärt), zum anderen wird mir zu leichtfertig davon gesprochen, es zu ändern, was die Identifikation erschwert)

Nicht identifizieren kann ich mich mit meinem Arbeitgeber, dem Kultusministerium. Verstehen kann ich ihn, aber wir haben unterschiedliche Ziele. Schon die Schulleitung hat andere Ziele: Sie will, muss, eine Behörde verwalten. Ich habe schon Schwierigkeiten mit dem Beamtenstatus, für den es nicht genug Rechtfertigung gibt. Und mit dem dreigliedrigen Schulsystem.

Vermutlich ist die Frage gegenstandslos, nur ein semantisches Problem. Was heißt eigentlich “sich identifizieren”? Ich habe gerade meine Frau gefragt, die schlug vor, ohne zu wissen, worum es geht: “finde ich toll, stehe hinter den Werten, könnte ich mir vorstellen ähnlich zu sein”.

Hm.

  1. Wenn meine Schule angegriffen wird, fühle ich mich dann auch angegriffen?
    (Nein.)
  2. Wenn meine Schule gelobt wird, fühle ich mich dann auch gelobt?
    (Nein, nicht unbedingt.)
  3. Wenn wir ein Schullogo für Kleidungsstücke hätten, oder eine Anstecknadel, würde ich die dann tragen?
    (Ja.)
  4. Präsentiere ich mich Eltern und Schülern gegenüber als Stellvertreter der Schule?
    (Definitiv ja. Vielleicht liegt da der Knackpunkt: Ob man alles auf die Schulleitung oder das Kultusministerium oder die Kollegen schiebt oder selbst Verantwortung übernimmt. In diesem Sinn identifiziere ich mich dann doch.)

Mit dem Identifizieren habe ich vielleicht auch deshalb ein Problem, weil man mir bei der Bundeswehr in den ersten drei Monaten beigebracht hat, stolz auf meine schwarzen Riemchen an den Schulterklappen zu sein, um danach von mir zu verlangen, stolz auf gelbe Riemchen zu sein. Das erschien mir willkürlich.

Elternsprechabend

Am Donnerstag war Elternsprechabend, von 17 bis 19, notfalls auch 20 Uhr. Das sieht bei uns so aus:

Die eineinhalb Stunden von 17.00 bis 18.30 Uhr sind in zwölf Termine eingeteilt, zwei pro Viertelstunde. Zu diesen Terminen können sich Eltern in der Woche vor dem Abend eintragen lassen. Dazu führt jeder Lehrer eine Terminliste mit sich und Schüler können zu ihm kommen und sich beziehungsweise ihre Eltern dort eintragen. So können die Eltern planen, wann sie bei wem sind, und vermeiden lange Wartezeiten.

Diese Liste hängt am Elternabend dann vor der Tür des Lehrers. (Ich bin immer in einem der beiden Computerräume, weil der quasi mein Fachraum ist. Allerdings einer, der allen anderen Lehrern geöffnet ist, anders als die Physik‑, Bio‑, Chemieräume.)
Die Zeit von 18.30 bis 19.00 kann man nicht vorher buchen, aber man kann sich im Laufe des Elternabends dort eintragen. Wenn schon alles voll ist, aber eigentlich nur dann, können sich Eltern auch noch zu Ausweichterminen bis 20.00 Uhr eintragen, wieder jeweils in dem Raster von zwei pro Viertelstunde.

Bei mir sieht das in den letzten Jahren so aus, dass meine Terminliste voll ist, dass ich aber um sieben Uhr schon fertig bin. Die Gespräche gehen bei mir immer sehr schnell, ich hoffe, nicht zu schnell. So habe ich etwas Luft, es können trotz voller Tanzkarte auch andere Eltern zwischendurch vorbeischauen, manche Gespräche habe ich auch draußen vor der Tür geführt. (“Grüß Gott, Herr Rau, muss ich zu Ihnen kommen?” “Grüß Gott, nein, alles in Ordnung, kommt ordentlich mit, benimmt sich ordentlich, keine Probleme, soweit ich weiß.”)

Ich mag Elternabende eigentlich. Man lernt Eltern kennen, kriegt Rückmeldungen über Fehler, die man gemacht hat, kriegt auch Lob, erfährt manche Sache, und ich glaube, das fördert auch das gegenseitige Vertrauen. Wirklich wichtige Dinge kann man nicht ausführlich besprechen, dafür ist keine Zeit und dafür ist der Elternabend nicht gedacht, das gehört in die Sprechstunde.
Nicht gut an Elternabenden ist, dass sie immer zu Terminen liegen, an denen man gerade keine Zeit hat. Abitur, Probeunterricht, Fachsitzungen. Leider ist immer irgendetwas los, so dass einem der Termin nie gelegen kommen kann.

Am schönsten ist es aber, nach dem Elternsprechabend mit den Kollegen noch in die Wirtschaft zu gehen und ein Bier oder Mineralwasser zu trinken und Klatsch Informationen auszutauschen.

Abitur 2007

Hat heute mit den Grundkurs-Klausuren angefangen. Vor der Schule kleinere Schülerhäufchen vergangener Jahrgänge, Poster und Kreide-Graffiti mit Grüßen an die teilnehmenden Schüler. An einer Garage gegenüber der Schule auch das:

abi2007.jpg

Sagen wir ihnen seit Jahren, aber uns glaubt man es nicht. Allerdings ergänzen Lehrer das gerne um eine positive Botschaft: Wonach werden die Schüler in drei Jahren denn wirklich gefragt? Das sollte man auch noch hinschreiben.

(Natürlich nicht wirklich. Ich versteh ja nicht viel von Graffiti, aber soviel doch: Für Deutschlehrer ist die Textsorte nicht gedacht.)