Klassenelternabend (und Audioguides)

Gestern war Klassenelternabend. Das ist etwas anderes als Elternsprechabend: Bei dem laufen die Eltern von Raum zu Raum, um dort mehr oder weniger kurz allein mit bestimmten Lehrern zu reden. Beim Elternabend bleiben alle anwesenden Eltern einer Klasse im Klassenzimmer und die Lehrer kommen vorbei, stellen sich und ihr Fach kurz vor und stehen für Fragen zur Verfügung. Der Klassleiter bleibt am Schluss noch länger mit den Eltern zusammen und erinnert die Eltern daran, dass sie einen Klassenelternsprecher wählen können, der auch als Anlaufstelle für den Elternbeirat dient. Außerdem spricht er allgemeine Probleme der Klasse an – oder Lob aus – und versucht allgemeine Fragen der Eltern zu beantworten.

Lange Zeit war es an meiner Schule so, dass es für die meisten Jahrgangsstufen eigene Klassenelternabende gab – einen für die 6. Klassen, einen für die 7., einen für die 8., und so weiter. Das ist belastend für die Lehrer, die in vielen verschiedenen Jahrgangsstufen unterrichten: Die können dann nämlich an fünf Abenden dabei sein. Allerdings ist das ein Vorteil für Eltern mit Kindern in verschiedenen Jahrgangsstufen: Wenn sie alle Lehrer sehen wollen, müssen sie nicht zu zweit kommen oder vom einen Klassenzimmer zum anderen springen, sondern kommen einfach an zwei verschiedenen Abenden. Andere Eltern empfinden wieder das als umständlich, weil es ja ohnehin nur die neuen Lehrer der Klasse oder die mit neuen Fächern sind, die sie interessieren.

Gestern war es zum ersten Mal so, dass die Klassenelternabende für die Jahrgangsstufen 6–11 gleichzeitig stattfanden. Dieses Jahr unterrichte ich einen LK Englisch und dazu sechs weitere Klassen, fünf davon in Informatik – die habe ich abgeklappert, knapp mein Fach vorgestellt und mich präsentiert. Viel Zeit habe ich nicht dafür gehabt, doppelt so schnell geredet wie sonst, da die anderen Lehrer ja auch alle noch etwas sagen wollen und ich nur einstündig Informatik unterrichte. (Trotzdem, Objektorientiertheit musste sein. Außerdem musste ich meinen Palm mit Notenverwaltungsprogramm herzeigen, der Zufallsgenerator darin hat die Schüler wohl sehr beeindruckt.) Danach habe ich in der Klasse, in der ich Klassleiter bin, Fragen beantwortet und Informationen weitergegeben.

Und danach noch in die Alte Liebe, auf ein Pils, mit den Kollegen. Solche Rituale sind wichtig.

Bleibt zu sehen, ob die Eltern mit dem neuen Modell leben können – den Lehrern erleichtert es das Arbeiten ungemein.

***

Am Vor- und Nachmittag war ich gestern nicht in der Schule, sondern beim Bayerischen Rundfunk auf Fortbildung. Unser zuständiger Staatssekretär vom KuMi und der Intendant vom BR waren auch da und haben uns für unser Interesse und unsere Anwesenheit gelobt, also wird es wohl okay sein, solche eine Fortbildung an einem Schultag anzubieten. Auf der Fortbildung wurde das Projekt audiopi.lot vorgestellt (wir berichteten, auch mit Links). Dort hatten kleine Schülergruppen Hörstücke für den Audioguide der Pinakothek der Moderne erstellt. Und die vier Stücke, die uns vorgespielt wurden, waren wirklich toll. So einen Guide würde ich mir sehr gerne und freiwillig und nicht nur als Lehrer, sondern als Museumsbesucher anhören.

Die Schüler hatten bei der Projekt sicher viel gelernt – Selbstständigkeit, Disziplin, Teamarbeit, Schreiben, Zuhören. Die Stücke waren aber auch mit großem organisatorischem Aufwand und regelmäßiger, intensiver Betreuung produziert worden, alles außerhalb der Schule. Es musste ja schließlich etwas Professionelles herauskommen.
Die Fortbildung bestand letztlich in einem Aufruf an uns: Machen Sie so etwas doch auch einmal, vielleicht in kleinerem Rahmen!

Nun ja. Nuuuuun ja. Der Einwand, dass sei aber nicht ganz so einfach möglich, wurde beantwortet mit dem Hinweis darauf, dass in unserem nachmittäglichem Workshop ja auch ohne großen Aufwand tolle Konzepte entworfen worden sein. Nuuuun ja. Wir hatten dazu zwei Stunden Zeit gehabt, hatten große Papierbögen, Stifte, große Tische, viel Platz drumrum, mehrere Räume, hatten zuvor zu Mittag gegessen. Dazu Ruhe, Teppichboden und funktionierende Heizung. All das gibt es an einer Schule nicht oder nicht unbedingt. Und wir waren Lehrer, keine Schüler. Gar so einfach geht das an der Schule nicht, wie sich Nichtlehrer und ehemalige Lehrer das vorstellen.

Eines stimmt allerdings: Aufwändige Technik braucht man nicht zur Produktion solcher Hörbeiträge. Und etwas anderes stimmt auch: Selbst wenn die Arbeitsbedingungen für solche Projekte an einer Schule schlecht sind, irgend etwas geht immer. Also werde ich die Anregung vielleicht aufgreifen. Anregend war’s nämlich auf jeden Fall.

(Nebenbei habe ich gelernt, dass ich nur mäßig gut im Team arbeite. Jedenfalls manchmal. Und dass es gar nicht so einfach ist, wenn Teams zusammengewürfelt werden und irgendetwas produzieren müssen, auch wenn die Meinungen auseinander gehen. Dabei verlangen wir das bei der Gruppenarbeit oft. Teams sollten zusammenwachsen, also über einen längeren Zeitraum immer wieder gemeinsam arbeiten. Geht natürlich schon wieder nicht so einfach.)

Duchsagen-Hörspiel (kleiner Krieg der Welten sozusagen)

Heute kam wieder eine lange Durchsage aus dem Lautsprecher. Das ist bei uns immer zum Stundenende, kurz vor der Pause. Einerseits sinnvoll. Andererseits ist man dann mitten in der Hausaufgabenstellung oder Ergebnissischerung. (Also gut, heute nicht, da war ich mitten in einer Hörverstehensübung.)
Die Schulen halten es wohl unterschiedlich mit Anzahl und Inhalt der Durchsagen. Aktionswoche, Hitzefrei, gewonnene Preise, Termine für Interessierte an Schüleraustausch oder Arbeitskreisen. Wir hatten auch schon mal: “Der Wahkurs A. von Herrn S. findet heute statt.” Wenn man den Zusammenhang nicht kennt, klingt das merkwürdig.

Ich träume schon lange davon, ein Kurzhörspiel zu schreiben, nur fünf Minuten. Die fiktive Ausgangssituation: Im Sekretariat hat man vergessen, auf den Knopf zu drücken, mit dem die Durchsage beendet wird. (Ob es den Knopf wirklich in dieser Form gibt, ist egal.) Und die nächsten fünf Minuten hört man die fiktive Spielhandlung aus dem Sekretariat, mit den Sekretärinnen oder der Schulleitung als Personal, eventuell einem hereinstürzenden Schüler oder Elternteil. Da ich mir nicht sicher bin, wie gute Schauspieler die sind, müsste man das ganze vielleicht vorher aufzeichnen und dann über die Anlage, kurz vor der Pause, an alle Klassenzimmer senden.

Als Aufhänger käme zuerst eine fiktive, unwichtige Durchsage. Wie könnte es danach weitergehen? Eine Liebesgeschichte zwischen Schulleitung und Lehrkraft, wie bei den Simpsons? Heulkrämpfe? Oder doch Intrigen?

[unbemerkt mitlaufendes Mikro]
“Glaubst du, dass er sich wieder beruhigt hat?”
(Im Hintergrund gedämpftes, aber wildes Geschrei. Eine Tür öffnet sich, jemand stürzt zur Tür heraus.)
“Haltet ihn auf, haltet ihn auf!”
[/unbemerkt mitlaufendes Mikro]

Bei großem Erfolg könnte man eine Serie draus machen.

Mir fallen allerdings spontan keine guten Geschichten ein. Vom Terroristen oder Amokläufer in der Schule würde ich allerdings abraten. Das wäre doch mal was für einen fortgeschrittenen Deutschkurs: Schreiben Sie eine Fünf-Minuten-Szene für das Lautsprechersystem unserer Schule.

Je nach Chef und Stellvertreter muss man für die Sendung wohl einen günstigen Termin abpassen. Und die Lehrer vorher informieren.

Fester Unterrichtsraum

In Deutschland haben Schulklassen einen festen Unterrichtsraum. Die Albert-Schweitzer-Realschule in Solingen macht es anders: Dort hat jeder Lehrer seinen eigenen Raum, in dem er alle seine Stunden abhält. Der Kölner Psychologe Uwe Neugebauer hat die Pilotphase wissenschaftlich begleitet.

(wdr.de, via TeachersNews.Net)

Zu Vor- und Nachteilen dieser Regelung siehe den Artikel. Wünsche ich mir seit Jahren. Und ja, natürlich teile ich mir einen Raum mit Kollegen.

Stunden verleihen

Es kommt immer wieder mal vor, dass man sich von einem Kollegen eine Stunde ausleihen muss. Deutschlehrer sowieso, da in vielen Jahrgangsstufen Deutschschulaufgaben über zwei oder sogar drei Schulstunden gehen. Aber auch sonst: Für ein Projekt braucht man eine Stunde mehr, oder eine besser gemeinte als kommunizierte Aktion in der Schule sorgt dafür, dass die dringend benötigte Stunde vor der Schulaufgabe ausfällt, oder vielleicht hat man auch nur einen Feiertag vergessen und ist selber schuld – dann schaut man in den Stundenplan und geht betteln bei den Kollegen. “Du, ich brauch eine Stunde in der 9c.”

Manchmal gibt man die Stunden gern her, manchmal nicht. Das hängt unter anderem davon ab, wie gern man in die Klasse geht. Außerdem kann man die Stunde später wieder einfordern, der Stundenplan lässt meist eine Lösung zu.

Gestern wollte eine Kollegin eine Stunde in meiner Klasse haben. Es ist so einfach, Leuten einen Gefallen zu tun: Man sagt, einfach ja, kein Problem. Ich war der dritte, den sie gefragt hatte. Ich habe ein einstündiges Fach in der Klasse, aber Kollegen mit fünf Stunden machen sich Sorgen, dass sie den Lehrplan nicht durchkriegen.

Nebenbei: Heute bei einer Referendarin über die Schulter geschaut und gesehen, dass sie Informationen zu den Seminartagen an ihrer Schule über eine Moodle-Installation abruft. Ja, sagt sie, das ist sehr praktisch so. Sie musste sich erst daran gewöhnen, findet das jetzt aber sehr gut. Auch die Referendare untereinander treffen sich im Web. Bei uns ist das Netzbewusstsein ansonsten noch nicht so ausgeprägt, aber immerhin ist jetzt der jeweils aktuelle Vertretungsplan passwortgeschützt online. Ich denke, er kommt gut an.

Vom anderen Kollegen höre ich, dass der sich regelmäßig mit Freunden (die in anderen Städten wohnen) zum Guild-Wars-Spielen online trifft. Kopfhörer auf, Mikrophon vorm Gesicht, und man plaudert miteinander, während man durch Dungeons läuft. Vermutlich plaudert man weniger über die Schule als über die Situation: “Nimm du den Orc rechts, ich die Gruppe links.” Meine Art der Kommunikation. Damit könnte man mich wieder zum Spielen kriegen – das würde mir besser gefallen als mich in Lehrerforen-Chaträumen zu treffen. Macht wer mit? Dann würde ich mir glatt Guild Wars zulegen.

Eine Nacht lang Trenchcoat tragen (Schnitzeljagd II)

Ich bin mal eine Nacht lang Philip Marlowe hinterher gerannt. Erwischt habe ich ihn nicht, aber ich war sooo knapp davor.

Es begann, wie sich das gehört, mit einem Telegramm. Es trudelte im Laufe meines 21. Geburtstags ein, will heißen: Es wurde mir telefonisch durch die Post vorgelesen. (So war das nämlich mit Telegrammen damals. Am Tag darauf brachte der Postbote das Papier.)

Ein Telegramm von P.M. – Philip Marlowe, soviel wusste ich. Um 23.59 Uhr oder allenfalls einige Minuten zuvor war ich pünktlich und mit elterlichem Auto an der angegebenen Telefonzelle. Ich hatte meinen besten Regenmantel an und den Kragen hochgeschlagen. Kein Mensch war zu sehen. Erst nach einiger Zeit bemerkte ich den Zettel, der an der Tür der Telefonzelle klebte:

“Ich bin ein Freund von Raymond Chandler / und Du ab jetzt mein Unterhändler.” Wunderbarer Reim. Ich hatte ihn also knapp verpasst, schlug innen in der Telefonzelle im Telefonbuch unter M wie Marlowe nach und fand einen Briefumschlag mit weiteren Angaben:

“Kemal” war Kemal Kayankaya, Held der damals zwei erschienenen Krimis von Jakob Arjouni – “Happy Birthday, Türke” und “Ein Mann, ein Mord”. Und Kemal hatte mich also Marlowe empfohlen. Nun gut. Hinter der Telefonzelle war tatsächlich ein Stadtplan von Augsburg.

Und ein halber Geldschein.

Meine Ortskenntnis ist und war schlecht, ich konnte den Stadtplan also gut brauchen, und war Punkt ein Uhr an der angegebenen Adresse. Ein paar Minuten hatte ich wartend mit einer Zigarette verbracht. Ein bisschen mulmig war mir schon, als ich an der Wohnungstür läutete. Ein Wohnblock, 70er-Jahre-Architektur. Ich dachte, mich würden meine Freunde erwarten, vielleicht bei anderen, mir noch unbekannten Freunden in deren Wohnung.

Die Türe wurde von einer älteren Dame geöffnet. Graue Haare, im Großmutteralter. Ein Uhr nachts. “Ja?” fragte sie. “Was ist?”

Ich weiß nicht mehr, was ich gesagt habe, nichts furchtbar Sinnvolles vermutlich. Die Dame sagte, immer noch in der Tür stehend: “Ich glaube, Sie haben etwas für mich.” Aber sie sagte es mit einem leisen Zweifel in der Stimme, der mir zu signalisieren schien, dass ohne den halben Geldschein nichts für mich zu holen war. Da könnte ja jeder mit einer Räuberpistole um ein Uhr nachts kommen und etwas von ihr wollen. Ich gab ihr meine Hälfte, sie verglich sie mit ihrer:

Und gab mir daraufhin eine Kassette. (Eine Audiokassette, muss man heute sagen.) Ich verabschiedete mich und ging, ein wenig irritiert, zum Auto.

Kassette ins Autoradio. Die Stimme eines Freundes. “Marlowe” entschuldigte sich, er habe nicht auf mich warten können, aber diese Kassette bei einer alten Wodka-Freundin (Arjouni-Zitat) deponiert. Und dann lotste mich die Stimme auf der Kassette in Echtzeit durch das nächtliche Augsburg. “An der nächsten Kreuzung fährst du geradeaus. Bald siehst du ein großes, gelbes Haus. Dahinter führt eine kleine Straße nach links.” Und so weiter, eine kleine Weile.

Ich fuhr in den Westen Augsburgs. Wenig Verkehr um diese Zeit. Die Stimme dirigierte mich auf eine Brücke. “Und jetzt anhalten”. Ich weiß noch, ich habe mitten auf der Brücke angehalten, ohne darauf zu achten, ob nicht doch hinter mir irgendein Auto war. Glück gehabt. “Schau jetzt nacht links.” Dort war ein Parkplatz nahe einer kleinen Kanalschleuse. Hinfahren, aussteigen, herumsuchen. Ich fand einen großen Schuhkarton.

Darauf geschrieben: “Ein alter Chinese gab mir das. Muß ’ne Spur sein. Verfolg sie. Der richtige Umschlag zum einzig möglichen Ziel.”

In der Kiste war ein dreidimensionales Labyrinth mit drei Ebenen und eine Reihe von Umschlägen. Ich bastelte das Labyrinth zusammen, auf dem Parkplatz, mit der Taschenlampe. Ah, das waren Zeiten!

Das Labyrinth hatte drei potenzielle Lösungen, nur eine war die richtige. In dem Schuhkarton waren auch drei Briefumschläge mit drei verschiedenen Anweisungen, wie es weitergehen würde:

Es war Lösung zwei. Man beachte den schönen Reim, “atlantischen Nektar/weg war’s”. Der einstige Hort des atlantischen Nektars war eine leere Colaflasche (das hatte ich bereits vermutet), die ich am angegebenen Ort nach etwas Suchen fand.
Ganz leer war sie natürlich nicht, sie enthielt einen Plastikstift, der nur als Hülle für einen Zettel diente, und einen… Schlüssel! Es gibt wenig Dramatischeres als einen Schlüssel.

Um zu erfahren, was ich mich dem Schlüssel anstellen konnte, musste ich erst das kleine mathematische Rätsel lösen. Nachts, Taschenlampe, vor neunzehn Jahren, wir erinnern uns.

Aber so etwas konnte ich damals zumindest sehr fix. Es war der Hauptbahnhof Augsburgs und zwar, richtig, der Schlüssel passte zu einem der Schließfächer dort. Also hingefahren, aufgemacht. Vielleicht eine Zigarette geraucht zwischendrin. Für die Nerven. Und für den Trenchcoat.

Im Schließfach fand ich ein großes, wunderschön exotisches, banal in Zeitungspapier eingewickeltes Paket. Genau so eines, wie es Sam Spade vom sterbenden Captain Jacobi gebracht wurde. Drumrum eine Schnur, dran eine Karte.

Na, was reimt sich auf “Schalke” und ist ein Film mit Humphrey Bogart, Mary Astor, Peter Lorre und Sidney Greenstreet, Romanvorlage Dashiell Hammett, Regie John Huston? Genauso ein Paket gab es in dem Film übrigens auch.

Bei mir war war dieser Vogel drin:

Immerhin:

:-)

Damit war die Nacht fast zu Ende. Ich fuhr nach Hause. Vor der Tür lag noch eine Schachtel Camel, filterlos, soft pack, eine Karte und eine Postkarte.

Wieder mit kühnen Reimen.

Dazu eine Postkarte, vorn Trenchcoats, hinten Astairegrüße:

Fred Astaire: Neben den Krimis ein weiteres prägendes Vorbild für mich.

Müde ins Bett gefallen.

Im Laufe des nächsten Tags kam dann ein weiteres Telegramm, in dem sich Marlowe verabschiedete.

– Die Freunde sehe ich heute noch ein- oder zweimal im Jahr. Immerhin. Es war eine sehr, sehr schöne Zeit, über die ich hier noch fast nichts geschrieben habe. Die Kassette habe ich zurückgegeben. Mein Freunde – es waren drei – waren mir die ganze Nacht über nur jeweils eine knappe Stunde voraus gewesen.

Im Schuhkarton, den ich immer noch habe und in dem ich all diese Sachen verwahre, fand ich auch diese Blume. Vermutlich war sie damals dabei bei den Geschenken vor meiner Tür, aber ich kann mich nicht mehr an sie erinnern. Dafür kriegt sie hier einen Ehrenplatz, den Freunden gewidmet:

Sleuth

Diese Tage läuft in den USA Sleuth an, eine Filmfassung des Theaterstücks von Anthony Schaeffer. Es ist kein einfaches Remake der Filmfassung von 1972, mit Michael Caine als einfachem, italienischstämmigen Frisör Milo, der dem älteren Oberschichtmitglied Andrew Wyke (Laurence Olivier) die Frau wegnehmen will. Der lässt sich das nicht gefallen, auch wenn er an der Frau nicht hängt, und der Rest des Films ist Katz-und-Maus-Spiel und männliches Protzverhalten. “Schwanzvergleich” ist wirklich das beste Wort dafür.

Das Drehbuch der neuen Version stammt von Harold Pinter, und diesmal spielt Jude Law den jungen Frisör und Michael Caine den älteren Mann. Die Ähnlichkeiten zum alten Film seien sehr gering, betont Caine. Als Beispiel dafür, wie sich die Zeit und das Klassenbewusstsein dann doch geändert haben, erzählt Caine eine Anekdote. Lord Olivier schrieb ihm vor den Dreharbeiten 1972 einen Brief, der begann mit: “You may be wondering how to address me…” Von wegen “Lord” und so. (Olivier schlug übrigens: “Larry” vor.) Sir Michael Caine (der ohnehin aus der working class kommt) sagt, heute wäre er nicht im Traum auf die Idee gekommen, Jude Law einen Brief zu schreiben: “You may be wondering how to address me…”

(Ach ja, Regie: Kenneth Branagh.)

Quelle: NPR

Anrufen in Bishopsbridge (Schnitzeljagd I)

Eine Englisch-Didaktik-Übung an der Uni habe ich noch gut in Erinnerung: Es ging um verschiedene spielerische Methoden im Unterricht. Ein Höhepunkt war die folgende Aktion des Seminarleiters.

In der Woche zuvor waren wir gebeten worden, jeweils ein paar Mark in Münzen mitzunehmen. Der Seminarleiter begann mit einer Geschichte; er müsse jetzt nicht mehr unterrichten, weil er überraschend zu Geld gekommen sei. Wir könnten ihn aber dazu erpressen. Und er teilte den einzelnen Gruppen ein erstes Blatt mit Arbeitsanweisungen aus. Den Rest der Stunde verbrachten wir auf einer Schnitzeljagd durchs Universitätsgelände.

Zuerst waren wir bei einem (muttersprachlichen) Dozenten. Er stellte sich dumm: Ah, sehr interessant, was der Kollege da treibe. Aber er selber wisse von nichts. Wir waren schon am gehen, da rückte er doch noch mit dem Namen eines Urlaubsorts (“Bishopsbridge”) und einer Telefonnummer heraus. Also auf zum Münzfernsprecher – Handys gab es damals noch nicht – und von dort aus zur nächsten Spur. Es lief auf eine Räuberpistole um Erbschleicherei und Bigamie heraus, der letzte Anruf bei einem Gynäkologen enthüllte uns das perfide Mordkomplott.

Ein Detail ist mir dabei besonders in Erinnerung: Die erste Telefonnummer in Deutschland brachte uns auf die Spur und den Namen “einer alten Freundin” des Dozenten, die einer bestimmten Bank in London arbeitete. Die könne uns weiterhelfen, die sei damals in Bishopsbridge dabei gewesen.
Was wir Englischstudenten also tun mussten, war – zuerst bei der englischen Auskunft anzurufen, um dort die Nummer der Bank zu erfragen (WWW gab es damals auch noch nicht wirklich) und dann bei der Bank selber anzurufen und uns mit der betreffenden Dame verbinden zu lassen. Und dann natürlich auf Englisch mit ihr über die Geschichte zu reden.

Das klingt nicht spektakulär, war es aber. Wildfremde Banken anzurufen auf Englisch, wo wir kaum “I’ll put you on hold” als Vokabel drauf hatten. Ich hatte zuvor gerade mal Theaterkarten per Telefon und bestellt.

Das ganze funktionierte übrigens so: Der Seminarleiter hatte tatsächlich eine Freundin, die in England und bei dieser Bank arbeitete. Sie hatte sich den Zeitpunkt unseres Seminars freigehalten und auf unsere Anrufe gewartet. Aber das Drumherum, das Verbindenlassen, das war natürlich echt.

– Ich habe mich an diese Stunde erinnert, weil ich auf einer Mailing-Liste einen Beitrag einer Englischlehrerin gelesen habe, die ihren Schülern Telefonvokabeln beigebracht und sie dann in England hat anrufen lassen: “bei Blackstone’s in Oxford nachfragen, ob ein bestimmtes Buch vorrätig ist, im Museum of Natural History nach den Öffnungszeiten und den Eintrittspreisen fragen, Informationsmaterial für ein Auslandsstudium an einer Uni anfordern”.

Toll. Das will ich auch mal machen.

(Schnitzeljagd II ist hier. Das war eine nachmitternächtliche Geburtstagsirrfahrt mit Trenchcoat und Zigaretten in meiner Krimi-Phase.)

Wieder mal Katta

Gestern Wandertag. Wir waren wandern, nicht im Zoo – aber die Woche zuvor war ich dort, deshalb hier, wie jedes Jahr um diese Zeit, Neues vom Katta:

Pimp my Rollwagen

Zur Ausstattung unserer Schule gehören auch Rollwagen mit Beamer, Lautsprechern und Rechner dazu (mal als Workstation, mal Laptop). Für einen davon bin ich zuständig, und gelegentlich schraube ich daran herum. Mit Autos habe ich ja gar nichts am Hut, aber manchmal genieße ich es, auf dem Rücken unter einem Tisch zu liegen und Festplatten ein- oder auszubauen. Andere Leute würden die Rechner vielleicht auf den Tisch stellen, aber wo bleibt dann das Schraubergefühl?

So sieht er aus, der Rollwagen, und vor kurzem habe ich zwei Neuerungen eingebaut. Eine Fahrradklingel für den Verkehr im Gang und einen… Haken? Dorn? fürs Verlängerungskabel. Gedacht ist das so, dass man das lange Kabel zusammengerollt und lässig wie ein Lasso dort einhängt.

Die Kabelbinder gibt es schon seit einiger Zeit. Ich bin auf Klettverschluss umgestiegen, da früher oder später sowieso immer ein Kollege meint, die Kabelbinder aufschneiden zu müssen, weil er sich die Hardware an einem anderen Platz schöner vorstellt. Morgen kommt ein Schild hin, dass mir die lieben Kollegen den Buckel runterrutschen können, wenn noch einer unbedingt die Boxen verstellen muss oder den Beamer anderswo schöner findet als auf dem Wagen. Dann kann sich ein anderer unserer vielen technik-erfahrenen Kollegen darum kümmern.

Fehlt noch am Rollwagen:

  • ein blechernes Nummernschild
  • ein Aufkleber “How’s My Driving”
  • ein Aufkleber “My other projector is HD” (für echte nerds)
  • ein Revolverhalfter für die Maus und ein Gewehrholster für die Tastatur
  • ein Fuchsschwanz oder Wimpel

Lehrerfortbildung Audioguide in München

Ich habe mich gerade für diese Fortbildung am 25. Oktober angemeldet. Dabei geht es um die Vorstellung eines Projekts, in dem Schüler Audioguides für die Pinakothek der Moderne erstellen:

Schülerinnen und Schüler zw. 13 und 17 Jahren entwickeln gemeinsam mit Künstlern und Kunsthistorikern für Kunstwerke der Pinakothek der Moderne eine zweite Serie von Hörstücken und produzieren diese mit dem Bayerischen Rundfunk.
Die Texte, Gedichte, Klänge, Musik und vieles mehr werden in Hörbildern auf tragbare Abspielgeräte kopiert und in der Pinakothek der Moderne für die Besucher zur Verfügung gestellt.
Die Stiftung Pinakothek der Moderne ist Initiator des Projekts und trägt den Hauptteil der Finanzierung. Der “Audiopi.lot” ergänzt das Projekt pi.lot. (audiopi.lot 2007)

Zur ersten Reihe von Hörstücken siehe Stiftung Zuhören bei br-online.

Beim angesprochenen Projekt pi.lot leiteten Schüler selber Führungen durch die Pinakothek.