She’s f*cking Matt Damon

Geht schon seit Wochen herum, aber ich will’s auch mal herzeigen.

Bei der Jimmy Kimmel Show wird regelmäßig Matt Damon veralbert: Er wird als Gast angekündigt, dann bleibt aber doch nie Zeit übrig für ihn. Kimmels Freundin Sarah Silverman hat daraufhin zusammen mit Matt Damon einen Videoclip aufgenommen und in der Jimmy Kimmel Show vorgestellt. Sehens- und hörenswert. Silvermans Gesichtsausdruck ist Klasse.

Danach Kimmels Replik anschauen: I’m f*cking Ben Affleck. Mit, natürlich Ben Affleck, und einem ganzen Ensemble.

Matt Damon und Ben Affleck: Ich mag sie einfach.

Kartoffelbrei-Igel

Gerade bei Finger Tips gesehen: Kartoffelbrei-Igel mit Spaghettifüllung. Aus viel Kartoffelbrei einen Igel formen, aushöhlen, mit Tomatenspaghetti aus der Dose füllen, darauf einen Deckel aus mehr Kartoffelbrei. Mit kleinen Tomaten Augen und Nase formen, mit Gabel Igelmuster aufdrücken, im Ofen fertigbacken.

Anekdote:

Gestern war ich Laufschuhe kaufen. Im Fachhandel wird man toll beraten. Schuhe ausziehen, der Verkäufer wirft sich auf den Boden und untersucht die Füße, lässt den Kunden wippen, auf und ab gehen, verschiedene Schuhe auf dem Laufband vergleichen, schaut aus Fußbodenhöhe zu. Toller Service. Der wurde leider dem Kunden vor mir angediehen, so dass ich irgendwann die Geduld verlor und dann doch ins Kaufhaus ging. Schwupp das erstbeste Paar bekannter Marke gegriffen, anprobiert, gekauft. Wenn ich wirklich mal ein halbes Jahr gelaufen sein sollte, kann ich mir immer noch ein handverlesenes Paar aussuchen.

Bildungs-Links der letzten Zeit

Sind zum Teil schon älter, gehen mir noch im Kopf rum, banne ich sie halt hier aufs Papier:

Wie man sich auf Referate vorbereitet

Das heißt ohne Stichwortzettel, weil man sowieso alles weiß. Das Wissen muss man sich zwar erst aneignen, aber in der Beziehung hatte ich Glück mit meinem Hirn. Das geht schnell. Und ich kann um das Wissen sowieso nicht herum. Ich bin ein schlechter Sachverhalte-Auswendiglerner. Ich bringe nichts über die Lippen, was ich selbst nicht verstehe. Sonst würde ich ja womöglich etwas Falsches erzählen.
Letztes Jahr bin ich für einen Deutschvortrag zwei Tage im Internet versumpft, um alle Zusammenhänge zu kennen. (Ich muss die niemandem erklären oder vortragen, ich muss sie nur selbst wissen, sonst weiß ich ja nicht mehr als die anderen, und dann ist es wieder sehr “referatisch”.)

(Quelle: Focus-Schülerblog, Oberstufenschülerin)

Contentklau oder gute Idee?

Gute Idee, vielleicht, aber die Ausführung lässt zu wünschen übrig und macht mich argwöhnisch. Beim Herumbasteln habe ich eben das gefunden: [Link geschlossen].

Bei siteboard.de kann man sich (kostenlose) Foren anlegen, und jemand hat das auch unter dem Titel Forum für Lehrer und Eltern getan. In diesem Forum sind einige Dutzend von RSS-Feeds von Bildungs-Nachrichtenquellen abonniert, darunter auch mein Blog hier. Das geschieht in der Form, dass jeweils mein aktuellster Blogeintrag automatisch als neuer Forumsbeitrag in das Unterforum “Lehrerzimmer” gestellt wird (und dort auch bleibt) – zugegeben, nur der Anfang des Eintrags (RSS-Excerpt) und mit Autorenangabe und mit Link zum Blog, wo man dann den restlichen Eintrag lesen könnte. Das geht immerhin zurück bis zum (also auch: seit) Juni 2007. Ähnlich ergeht es Teachersnews, Schwellenpädagogik, dem Lehrerfreund, Schulen ans Netz und anderen.

Besonders rezipiert wird das Forum anscheinend nicht. Es gibt sechs registrierte Benutzer in diesem Quasi-Forum (Admins und Bots?), die Quasi-Forenbeiträge werden nicht kommentiert (gut, das sollte schließlich ohnehin am Originalort stattfinden) und vor allem scheint auch niemand groß diesen Links zu folgen. Ich lese meine Referrer halbwegs regelmäßig, und mir ist noch nie ein Verweis von lehrer.siteboard.de aufgefallen. Forum ist also zu hoch gegriffen für diese Einrichtung.

Eigentlich gefällt mir die Idee aber. Ein öffentliches Forum statt eines privaten Feedreaders, denn genau diese Feedreader-Funktion übernimmt ja dieses Forum, nur dass die Feed-Beiträge von der Gemeinschaft kommentiert werden können. RSS ist ja zur Syndication, zur Weiterverwertung gedacht, und man kann mit RSS noch viel mehr schöne Dinge machen. Ich hätte vermutlich kein Forum zur Darstellung gewählt, sondern eher eine Art Zeitungslayout als Metapher und Klammer.

Andererseits ist es mir suspekt, dass diese Seite so wenig genutzt zu werden scheint. (Kommentare: keine, Benutzer: so gut wie keine.) Vielleicht ist sie nur ein in Vergessenheit geratener Prototyp? Skeptisch macht mich auch, dass es dort nach der gleichen Machart ähnliche Foren gibt. Geht es nur darum, Links zu sammeln, ein Forum aus welchen Gründen auch immer automatisch zu füllen? Das Forum taucht in der Foren-Liste dort auch gar nicht auf.

Zumindest meine Blog-Beiträge sind ja unter entsprechender Creative-Commons-Lizenz veröffentlicht, wie man unten an meinem Blog lesen kann: Mein Name muss genannt werden, neue Werke auf Basis meiner Beiträge dürfen erstellt werden, Weitergabe unter gleichen Bedingungen, und keine kommerzielle Nutzung. (Leider sind die kostenlosen Foren bei siteboard.de voller Anzeigen; was das über die Kommerzialität aussagt, weiß ich nicht.) Ob alle dort eingebauten Quellen eine ähnliche Lizenz haben?

Nachtrag: Splog

Copy & Paste, Steinlaus, Fachliteratur

Novelle und Kurzgeschichte: Stoff der 9. Klasse. Neben Originalquellen im Schulbuch (Goethe, Storm, Heyse) befindet sich darin auch ein Ausschnitt aus einem Literaturlexikon, und eben den haben wir mit dem entsprechenden Wikipedia-Eintrag zur Novelle verglichen. Die Unterschiede sind nicht mal so groß, aber das Lexikon war doch noch etwas ausführlicher.

Die erste Frage der Schüler danach: Stimmt es, dass die Wikipedia besser/schlechter als der Brockhaus ist? Ich habe ihnen nach einer kurzen Antwort den viel wichtigeren Unterschied zwischen Konversationslexikon (Brockhaus, Wikipedia) und Fachlexikon erklärt und überhaupt das Konzept Fachliteratur vorgestellt. Und frech behauptet, für ein gutes Referat reiche ein Konversationslexikon nicht aus.

Das führte einmal zur Frage, wie zuverlässig Wikipedia und gedruckte Lexika sind. Bei nächster Gelegenheit hielt ich meine Steinlaus-Stunde (mit Pschyrembel und Spektrum der Wissenschaft). Es gab wieder ein bisschen Empörung darüber, dass man nicht alles glauben darf, was man im Lexikon liest. Oder bei Wikipedia. Oder sonstwo.

Ein aktuelles Beispiel war passenderweise gleich die Generation Netz-Naiv beziehungsweise Generation Kerner: Zur Demonstration der zunehmenden Verblödung der aktuellen Generation wird eine Kandidatin bei “Wer wird Millionär” zitiert, die die Frage: “Wie heißt George W. Bush mit Vornamen?” falsch beantwortet hat. Sagt Kerner. Weil das in dem Buch steht, das bei ihm vorgestellt wurde. Das war selbst einigen meiner Schüler bekannt (“aber die Frau war nicht unsere Generation, die war schon älter”).
Die Geschichte stimmt nur hinten und vorne nicht, auch wenn das in einem Buch steht und bei Kerner gesagt wurde. Man darf halt nicht alles glauben, und wenn man ohne Grundwissen oder Nachprüfung Informationen per copy & paste übernimmt, dann fällt man auf so etwas rein.

Wie kann man dann sicher sein, ob das stimmt, was man in einem Buch liest? Man liest zwei Bücher. Man wird Experte. Zur Demonstration, was ein Fachbuch sein kann und wie detailliert die Informationen drin sein können, brachte ich einige relativ willkürlich aus meinem Bücherschrank gegriffene Bücher mit und ließ sie herumgehen. Interessant fanden die Schüler auch die Textmarker-Anstreichungen und Randbemerkungen darin. Ohne bestimmte Reihenfolge:

Ingeborg Weber, Der englische Schauerroman (Artemis Einführungen)
Claudia Wisniewski, Kleines Wörterbuch des Kostüms und der Mode
Kleines Wörterbuch der Architektur
Heinz Schlaffer, Die kurze Geschichte der deutschen Literatur
Jacques Brunschwig/Geoffrey Lloyd, Das Wissen der Griechen
Kurth Rothmann, Kleine Geschichte der deutschen Literatur
Günther Schweikle, Minnesang (Sammlung Metzler)
Peter Nusser, Der Kriminalroman (Sammlung Metzler)
Gerry Kennedy/Rob Churchill, Der Voynich-Code
Geoffrey Moorhouse, India Britannica
Pschyrembel Klinisches Wörterbuch

(Viele der Bände haben das Wort “klein” im Titel; das liegt auch daran, dass ich die Bücher im Rucksack von zu Hause in die Schule schleppen musste.)

Schüler wissen oft nicht, dass es Fachliteratur jenseits des Konversationslexikons und von Biographien gibt. Die müssen wir ihnen vielleicht mehr zeigen. Braucht man natürlich eine gute Bibliothek dazu.

– Und wie ich Schüler kenne, bleibt von all dem nächstes Jahr nur hängen: “Herr Rau hat uns gesagt, dass wir kein Lexikon verwenden dürfen. Die stimmen nämlich alle nicht.”

G8, Länderübergreifende Lernstandserhebung

Spätestens seit der Beckmann sich als Betroffener geoutet hat, liest man allerorten, wie garstig das G8 ist. “Das neue System stiehlt den Schülern die Kindheit.” Dreizehnjährige können nicht zu Geburtstagsfeiern kommen, weil sie “doch zwei Arbeiten nächste Woche” haben.

Ich zweifle. Das G8 in Bayern ist tatsächlich überstürzt und schlampig eingeführt worden. Zuviel Stoff in zu kurzer Zeit. Das führt zu Stress, den man vermeiden hätte können. Allerdings: Für einen Teil der Schüler ist selbst dieses G8 kein Problem. Das sind die für diese Art Gymnasium begabten und fleißigen Schüler. Allerdings sollen wir am bayerischen Gymnasium – vielleicht: leider, aber das ist eine andere Geschichte – nicht nur eine Schule für die für diese Schulart geeigneten zehn Prozent sein, sondern für dreißig Prozent eines Jahrgangs. Und für die muss man den Stoff kürzen.

Was ich allerdings für ein geringes Problem halte, ist die Zeit. Ein oder zwei Nachmittage Unterricht pro Woche halte ich für völlig zumutbar, und die Schüler meiner aktuellen Klassen, die ich befragt habe, klagen über manches – aber nicht darüber, dass die Hausaufgaben oder das Lernen sie viel Zeit kosten. (Die Lehrer an unserer Schule nehmen aber auch Rücksicht und geben über diese Unterrichtsnachmittage nichts auf.)

– Leider habe ich bislang auf keinen Seiten des KuMi Informationen über die länderübergreifenden Lernstandserhebungen gefunden, die es in elf Bundesländern gleichzeitig in Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch gibt. Dieses Jahr in Bayern nur für 10 ausgeloste Prozent der Schulen, nächstes Jahr für alle, und zwar alle öffentlichen Gymnasien, Hauptschulen und Realschulen, und zwar in den 8. Klassen. Die Termine stehen schon fest:

Dienstag, den 03.03.2009: Deutsch
Donnerstag, den 05.03.2009: 1. Fremdsprache (Englisch/Französisch)
Mittwoch, den 11.03.2009: Mathematik

An diesen Terminen sollen keine Klassenfahrten (z.B. Skikurse) stattfinden. Das sind jeweils wieder zentral gestellte Tests, kopiert und korrigiert durch die Schule, danke auch schön. Das Ergebnis darf nicht benotet werden, danke auch schön. In der 8. Klasse finden eh schon die bayernweiten Deutsch- und Mathearbeiten statt, danke auch schön.

So etwas liest man in Elternbriefen und in diversen Dokument im Web, ich würde das gerne auch aus dem Newsfeed des Kultusministeriums erfahren.

Lost in Austen (Lesen 2.0)

Wer das Genre kennt, der kann sich gleich etwas unter Lost in Austen. Create Your Own Jane Austen Adventure von Emma Campbell Webster vorstellen. Man liest ein paar Seiten, wird dann vor eine Entscheidung gestellt und liest dann je nach Wahl auf der einen oder anderen Seite weiter. Dort liest man wieder einige Absätze, trifft wieder eine Entscheidung, und liest sich so kreuz und quer durch das Buch. Die Geschichte hat dabei mehrere Enden, glücklichere oder weniger glücklichere. (Ich habe mal ein solches Hobbit-Heft mit einer 6. Klasse gemacht.)

Typischerweise sind solche Bücher Fantasy-Geschichten. Abenteuer in Katakomben, Skelette kommen auf einen zu, willst du nach links oder rechts flüchten… In diesem Buch ist das anders. Der Spieler ist die junge Elizabeth Bennet aus Pride and Prejudice, ihr Ziel ist es – wie sollte es anders sein – weise und glücklich zu heiraten. Auf dem Weg dorthin springt man von einem Austen-Roman zum anderen, wobei Elizabeth meist die Rolle der Heldinnen aus den anderen Romanen übernimmt.

lost_in_austen.gif

Das Buch hat mir mehr Spaß gemacht, als ich gedacht hätte. Es spielt mit allen möglichen Konventionen. Wie bei solchen Büchern üblich, legt man sich einen Charakterbogen an, auf dem der aktuelle Stand von Intelligence, Confidence und Fortune vermerkt wird. (Bei Fantasy-Abenteuern sind das meist Lebenspunkte und Gold.) Daneben notiert man Ausrüstung Connections, Waffen Accomplishments und Failings.

Allerdings steht schon auf der allerersten Seite, dass man das Buch gerne auch ohne diese begleitende Mitschrift lesen kann. Es lohnt sich aber. Zu ernst wird die Bepunktung aber nicht genommen:

You politely decline the party’s invitation to play a hand of whist, and much to the disgust of Mr. Hurst, choose rather to read a book.

Your intellectual superiority is clear. Collect 20 Intelligence Points.

You are soon so distracted by their conversation, however, that you must leave your book wholly aside.

Then again, perhaps not. Deduct 10 Intelligence points. (p. 21–22)

Lustig ist, wie der Kampf der Geschlechter mit der Fantasy-Rollenspielteminologie beschrieben wird: “Mr. Darcy means to defend himself using his extremely resilient Shield of Pride. You must now attempt to pierce it with your Wit and Intelligence.” (p. 58)

Überhaupt ist diese Bepunktung nichts anderes als ein fortlaufender Kommentar zur Handlung – und damit eine Interpretation. Wenn es kommentierend heißt: “You decide to take another strike after all. / Hardly a triumphant victory, is it? Step it up a bit. / You sheathe your Impudence for the time being. / You feel compelled to resume your attack. / You’re not very good at this, are you? / Coward.” (p. 102–103) – dann ist das die Art Analyse, die wir uns bei der Interpretation von Dramenszenen von Schülern wünschen.

Interpretation ist es auch, wenn nach dem Satz: “[U]pon getting to know her better you revert to your former dislike; you find her cold and reserved and you cannot forgive her for it” lapidar kommentiert wird: “Add ‘Jealousy’ to your list of Failings.” (p.147–148)

Wenn es um die Entscheidungen geht, weiß man manchmal nicht, aus welcher Perspektive heraus man entscheiden soll – aus der eines modernen Austen-Lesers oder der der vorurteilsbeladenen Austen-Heldin? Einmal wird das sogar thematisiert: Wenn man eine reife Entscheidung getroffen hat, reifer als sie Elizabeth zuzutrauen ist, heißt es: “Stop trying to be clever, and deduct 20 Intelligence points for your impertinence.” (p. 98)

Ganz selten spielen die Punkte wirklich eine Rolle. Von “Fortune” kann es abhängen, ob man als Heiratskandidatin überhaupt in Frage kommt, und an einer Stelle führt ein hoher Wert von “Confidence” zu einer unglücklichen, ein niedriger Wert zu einer glücklichen, wenn auch wenig aufregenden Ehe. Überhaupt nicht braucht man die Listen der vorteilhaften und der nicht vorteilhaften Bekanntschaften – aber es ist wieder Kommentar und Interpretation, wenn man angewiesen wird, Figuren von der einen Seite der Tabelle auf die andere zu setzen.

Die Textpassagen sind relativ lang, und so viele Wahlmöglichkeiten wie in herkömmlichen Spielbüchern gibt es nicht. Das war gut so, denn ich habe natürlich alle Alternativstränge gleichzeitig erkundet und gelesen. Mit drei Lesezeichen und ein oder zwei Fingern kommt man bestens zurecht.

Das Buch ist vielleicht ein bisschen zu dick, und für meinen Geschmack gibt es zu viele tödliche Kutschenunfälle. Aber mir hat es Spaß gemacht. Wenn Schüler selber solch eine interpretierende Alternativversion zu einem gegebenen Text(korpus) erstellen könnten, wäre das eine tolle Leistung. Aber ich fürchte, dazu muss man den Text wirklich erst einmal kennen und verstehen. Oder kann man eine Szene mit Effi Briest und Crampas mit solch einer fortlaufenden Punktewertung kommentieren? Vielleicht mal bei Schülern mit viel Spieltrieb.

Fußnote für mich: Auch für solche Solo-Spielbücher ist ein Du-Erzähler typisch, ähnlich wie bei den verwandten Text-Adventures und vielen Hörspielen (etwa den Episoden von The Whistler). Daneben kenne ich ihn nur noch noch von Iain Banks, Complicity. Jeweils übrigens im Präsens.

Ein paar Fragen zu lateinischen Sprichwörtern

Wie ist das eigentlich mit dem lateinischen Sprichwort:

Verba volant, scripta manent.

“Die Worte fliegen, das Geschriebene bleibt.” Das gesprochene Wort wird als flüchtig und veränderlich dargestellt, das geschriebene als das unveränderbare dauerhafte. Das klingt nach einem Lob der Schrift, aber ich glaube mich an eine Randbemerkung aus meinem dreisemestrigen Latein-Schnellkurs an der Uni zu erinnern (den ich machte, um das mir Deutsch-/Englischlehrer vorgeschriebene Latinum zu erhalten), laut der im Gegenteil das als Vorteil der gesprochenen Sprache gesehen wurde.

So oder so: Besteht das im Blog Geschriebene – und jederzeit im Nachhinein Veränderbare – in diesem Sinn aus verba oder aus scripta?

Missverstanden wird ja auch gerne: “Mens sana in corpore sano.” So ähnlich bei Juvenal. Der hat das aber gar nicht so gemeint.

Und auch Seneca sagte tatsächlich: “Non vitae sed scholae discimus”, um die Schulen seiner Zeit zu kritisieren. Das hört man auch gerne andersrum.