Erster! (Sachbücher im Deutschunterricht)

Heute habe ich in der 9. Klasse eine Deutsch-Schulaufgabe geschrieben. (So heißt in Bayern ein benoteter angekündigter schriftlicher Test.) Der Inhalt war ein Eintrag aus dem Lexikon des Unwissens von Kathrin Passig und Aleks Scholz. Damit bin ich hoffentlich Erster! was den Einsatz dieses Buch als Quelle für Schulaufgaben betrifft. (Wir hatten den Schualufgabentyp “Analyse eines Sachtexts” unter anderem an einem weiteren Eintrag aus dem Buch geübt.)

In dem Eintrag ging es vor allem darum, dass man nicht genau weiß, wie eigentlich Klebeband funktioniert. Zur Erklärung werden Geckos und van-der-Waals-Kräfte herangezogen; beides kannten die Schüler bereits aus dem Chemieunterricht der 9. Klasse. Das war Absicht.

Für die Schulaufgabe habe ich zusätzlich die Stunde eines Kollegen übernommen und auch selber Aufsicht geführt. Der Kollege schaute trotzdem kurz im Klassenzimmer frei und bot an, mir eine Tasse Kaffee zu bringen. Das habe ich gern angenommen, schon mal um den Schülern zu zeigen, dass sich auch Lehrer gegenseitig freundlich behandeln können. Mit dem Kaffee, schwarz, ohne Zucker, kam auch ein Stückchen Schokolade. Das war schön.

Nach 100 Minuten Schulaufgabenaufsicht hatt eich dann gleich nochmal 100 Minuten Aufsicht beim Abitur. Das ermüdet. Der Geschichts-LK hatte übrigens ein deutlich höheres Handy-pro-Kopf-Vorkommen als der Wirtschafts-LK. Das… ist eher unwichtig.

– Überhaupt, Sachtexte im Unterricht. Diese Deutschklasse liest als nächste Unterrichtslektüre Andreas Eschbach, Das Buch der Zukunft. Das ist ein Sachbuch, im Lehrplan neben vielen weiteren Werken als mögliche Lektüre genannt. Nach einleitenden Kapiteln über die Problematik von Voraussagen geht es in den meisten der folgenden 19 Kapitel jeweils um einen Aspekt unserer Zukunft: Internet, Raumfahrt, Energie, Klimawandel, Bevölkerungsentwicklung, Altersstruktur. Nicht sehr in die Tiefe gehend, aber doch so, dass auch ich noch viel dabei erfahren habe. Die Erstausgabe erschien 2004, das Nachwort zur Taschenbuchausgabe 2007 führt schon die ersten Ergänzungen und Kommentare an.

Warum ein Sachbuch statt wie üblich Roman, Novelle oder Drama? Zum einen, weil ich das noch nie gemacht habe. Zum anderen, weil ich vermute (und wissen möchte, ob das stimmt), dass Schüler daran mehr lernen können als an einer üblichen Deutschlektüre. Ich mag die Zukunft und ich mag naturwissenschaftliches Denken.

Ein Auslöser für das Nachdenken über Sachtexte war ein Moment beim Durchblättern von Schüleraufsätzen vor ein paar Wochen. Es ging, mehr oder weniger, um Schulkleidung. Ein Schüler schrieb, dass Schuluniformen eine zusätzliche finanzielle Belastung für die Familie darstellten, dass sie teurer seien. Und begründete das schlecht und recht. Ein anderer Schüler schrieb, dass Schuluniformen die Familie billiger kämen. Und begründete das schlecht und recht. Ein guter Deutschlehrer nickt zu beidem gleichermaßen bedächtig, Hauptsache, das ist in jeweils vier Zeilen begründet.

Nun haben viele Dinge zwei Seiten. Und vielleicht gehört zu diesen Dingen sogar die Frage, ob Schuluniformen teurer sind als Privatkleidung (genauer, für wen sie teurer sind und für wen nicht). Manche Dinge lassen sich aber prinzipiell beantworten, und vermutlich gehört die Frage nach der Schulkleidung dazu. Klar: Man muss wissen, wieviel Geld Haushalte für Kleidung ausgeben, muss wissen, wie teuer oder billig Schulkleidung sein kann. Man muss recherchieren, man muss Daten haben. Wir Deutschlehrer bringen den Schülern bei, dass Daten nicht so wichtig sind, wenn man nur in sich schlüssig begründen kann.

Sollen wir das? Ich sehe schon, ich muss mal wieder Pirsig und Platon lesen. (Pirsig war der mit Zen & the Art of Motorcycle Maintenance. Ich hab’s vor fünf oder sechs Jahren wiedergelesen. Hat sich sehr, sehr gut gehalten. Wikipedia.)

Ich weiß natürlich, dass das bei Erörterungen schwer anders zu machen ist, so wie sie in der Schule gehalten werden – ohne echtes Interesse an einem selbst gewählten Thema, ohne Zeit zum Nachdenken, ohne die Möglichkeit zur Recherche. Bestenfalls liest man vorher ein paar eher oberflächliche Texte und erwartet, dass die Schüler deren Inhalte auswendig gelernt haben. Manchmal lässt man auch in der Schulaufgabe selber Texte als Grundlage verwenden. Das geht in die richtige Richtung.

Evaluation: Vorläufige Ergebnisse

Wochenrückblick: Am Donnerstag wurden die vorläufigen Ergebnisse der externen Evaluation präsentiert. Antiklimaktisch… sagt man das auf Deutsch? Also nicht wirklich enttäuschend, aber doch weniger aufregend als halb befürchtet, halb erhofft.
Die vorhandenen “Entwicklungsfelder” wurden relativ zart angedeutet, und über das ebenso ausgesprochene Lob kann ich mich nicht wirklich freuen, weil ich die tatsächlichen Umstände an unserer Schule zu kennen glaube. Dies und das sollen lobenswert sein?

Wenn sie meinen… aber darum geht es ja: Die externe Evaluation ist ein Blick von außen, darauf, wie die Schule auf informierte Außenstehende wirkt. Insofern ist es legitim, bestimmte Fakoren als besonders erwähnenswert herauszustellen, wenn die sich so darstellen. Wir müssen allerdings bewerten, wie wichtig diese Faktoren für uns wirklich sind. (Konkrete Beispiele darf ich nicht nennen.)

Anwesend während der Präsentation der vorläufigen Ergebnisse sind die Lehrer, das nicht-pädgagogische Personal, Vertreter der Eltern und Schüler. Eventuelle Kritik an der Lehrerschaft ist also für alle zu hören, verteilt sich aber in nicht persönlicher Weise auf das ganze Kollegium. Eventuelle Kritik an der Schulleitung wäre natürlich eindeutiger Personen zuzuordnen und findet (deshalb vielleicht sinnvollerweise) hinter verschlossenen Türen statt.

Das Evaluationstem wird evaluiert, im Web gibt es einen Fragebogen dazu. Man gibt zum Beispiel an, wie diskret das Team war und wie transparent die Vorgehensweise. Vermisst habe ich lediglich eine Frage dazu, für wie sinnvoll die einzelnen Kriterien der Untersuchung halte.

Wie es weiter geht, liegt an uns. Ob wir den Wunsch und auch die Kraft haben, uns zu verbessern, oder ob wir es uns leicht machen und nur kosmetische Veränderungen vorzunehmen. Vermutlich lohnt es sich nicht, nach Pfingsten – vor den Sommerferien und dem Umzug – schon groß damti anzufangen.

– Ansonsten: Am Freitag war Abitur. Danach war gemeinsamer Nachschreibtermin für versäumte Schulaufgaben. Das hat etwas von Hasenfußrennen: Einmal im Monat ist bei uns ein Termin für versäumte Schulaufgaben (angekündigte, bei Versäumnis nachzuholende schriftliche Prüfungen). Dazu hängt eine Liste aus, in die man die teilnehmenden Schüler einträgt. 11 Schüler waren das am Freitag, bei 7 verschiedenen Lehrern. Einer dieser Lehrer sollte sich jeweils als Aufsicht eintragen. Manchmal funktioniert das gut. Manchmal nicht so gut. Für praktisch halte ich dieses Arrangement auf jeden Fall.

“Berufe mit körperlicher Tätigkeit oder für Tätigkeiten mit sonstigen Belastungen oder Gefährdungen”

Ein Kollege hat mich auf Kriterien für Lebensversicherungen hingewiesen. Bei der Online-Anmeldung muss man neben Alter, Gewicht, Größe, Rauchen, Sport auch die passende Berufsklasse angeben:

Berufsklasse 1: Akademische Berufe mit besonders guten Berufsaussichten und ohne körperliche Belastung (z.B. Rechtsanwalt/Notar, Rektor, Richter, Arzt(Humanmedizin), Hochschullehrer, Maschinenbauingenieur, Betriebswirt, Steuerberater, Informatiker)

Berufsklasse 2: Kaufmännische Berufe oder Berufe ohne besondere Belastungsfaktoren (z.B. Büro‑, Bank- oder Versicherungskaufmann, Disponent, Systemprogrammierer, technische Angestellte, Chirurg/Kieferorthopäde, Chemiker ohne Umgang mit gefährlichen Stoffen)

Berufsklasse 3: Berufe ohne wesentliche Belastung oder sonstige Gefährdung (z.B. Augenoptiker, Tierarzt, Industriemeister, Redakteur, Unternehmensberater, med.-technische Assistent/in, Vermessungstechniker, Beamte im Innendienst – kein Schuldienst -, Telefonist)

Berufsklasse 4: Berufe mit körperlicher Tätigkeit oder für Tätigkeiten mit sonstigen Belastungen oder Gefährdungen (z.B. Krankenschwester, Pfleger, Altenpfleger/in, Beamte im Außendienst, Lehrer an Berufs-/Hauptschulen/ Gymnasien, Automechaniker, Friseur, Chemielaborant, Taxifahrer, Werkzeugmechaniker, Fliesenleger, Gärtner)

Berufsklasse 5: Berufe mit besonders schweren körperlichen Tätigkeiten oder Berufe mit besonderer Gefährdung (z.B. Bäcker, Gastwirt, Bauer, Dachdecker, Bergmann, Holzfäller, Kellner)

Wir Lehrer sind in Klasse 4, übetroffen nur noch von Bergleuten und Holzfällern. Darauf einbilden müssen wir uns nichts, die Belastungen tragen andere Berufe auch, wie man sieht. Nicht allerdings die in Klasse 3 – besonders schön finde ich das “Beamte im Innendienst – kein Schuldienst”. Mitlesende Beamte im Innendienst: Ihr habt’s auch nicht leicht, ich weiß. Aber ihr lebt anscheinend länger.

Ach ja, Hochschullehrer oder Informatiker müsste man sein. :-)

Fußnote: Gestern ging ja ein Bericht des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen durch die Presse, laut dem der Anteil von Krankmeldungen wegen psychischer Probleme von 2001 bis 2005 stark gewachsen ist. “Zeitdruck, mangelnde Wertschätzung, Komplexität der Aufgaben sowie ein Ungleichgewicht zwischen beruflicher Leistung und Lohn” stressen besonders, und “davon sind Ärzte, Lehrer und Lokführer besonders stark betroffen”.
Zwei dieser Gruppen haben in den letzten zwei Jahren gestreikt. Die dritte darf nicht.

(Quelle)

NESFA Press: Science Fiction von früher

Drei Bücher, die einzeln nicht für einen Blogbeitrag reichen, jeweils erschienen bei NESFA (The North England Science Fiction Association) Press, alles dicke, gebundene Wälzer mit Geschichten, die ich vor zwanzig bis fünfundzwanzig Jahren auf Deutsch gelesen habe.

1. Cordwainer Smith, The Rediscovery of Man.

Sämtliche phantastische Kurzprosa von Cordwainer Smith, also eigentlich alles außer dem Roman Norstrilia.

“The golden age of science fiction”, ich hab’s irgendwann schon mal zitiert, “is twelve.”
Tatsächlich war ich älter, als ich Cordwainer Smith gelesen habe. Vielleicht sogar zwanzig. Ein Blogeintrag vor ein oder zwei Jahren hatte mich an ihn erinnert, und danach las ich mich durch seine sämtlichen Geschichten.

Er hat sich ordentlich gehalten. Die Geschichten sind noch lesenswert, aber vielleicht sollte man bei der Erstlektüre tatsächlich zwanzig sein und nicht vierzig. Vielleicht war der Zauber auch nur deshalb nicht mehr ganz so groß, weil ich mich gut an die meisten Geschichten erinnern konnte. An die wirklich wunderbaren Titel sowieso: The Lady Who Sailed The Soul; Think Blue, Count Two; The Colonel Came Back from the Nothing-at-All; The Game of Rat and Dragon; The Crime and the Glory of Commander Suzdal; Golden the Ship Was-Oh! Oh! Oh!; The Dead Lady of Clown Town; Drunkboat; Mother Hitton’s Littul Kittons; Alpha Ralpha Boulevard; The Ballad of Lost C’mell.

Hängen geblieben sind mir die vielen schrägen Ideen am Rande:

  • “The Game of Rat and Dragon”: Menschen arbeiten zusammen mit Katzen gegen die Drachen des Hyperraums.
  • “Scanners Live in Vain”: Der Sprung durch den Hyperraum macht lebende Passagiere wahnsinnig; gelöst wird das schließlich – wie gesagt, ganz am Rande – durch eine isolierende Schicht von Austernbänken in der Wandung des Raumschiffs: die äußersten Schichten sterben ab, die Passagiere bleiben geschützt.
  • In “Dreamboat” nur ein einzelnes Wort: Dort wird von Christopher Columbus erzählt, der in einem “water boat” zu einem neuen Kontinent fuhr.
  • Verben und Substantive der telepathischen Kommunikation: to hier, to spiek; spiech.

2. William Tenn, Immodest Proposals. The Complete Science Fiction of William Tenn. Volume I.

Schon vor einiger Zeit gelesen, keine Notizen gemacht, aber vorne angekreuzt, welche Geschichten sich zum Wiederlesen eignen. Und da sind exzellente dabei:

“The Liberation of Earth”: Die Erde wird von zwei konkurrierenden außerirdischen Reichen so lang hin und her befreit, bis nicht mehr viel von ihr übrig ist. Das ist dann aber so was von befreit. Erzählperspektive: Am Lagerfeuer im radioaktiven wasteland erzählt ein altes Stammesmitglied den Jungen, wie sie in diesen befreiten Zustand versetzt wurden.

“Eastward Ho!” Nach dem Zusammenbruch ihrer Zivilisation ziehen die Bürger Amerikas immer weiter gen Osten, in der Hoffnung auf Arbeit, Freiheit, Lebensmittel; werden dabei von den wieder erstarkten Indianer gepiesackt, betrogen, bestenfalls mitleidsvoll von oben herab behandelt, bis sie am Schluss wieder in ihre Schiffe steigen und auf ein besseres Leben in Europa hoffen.

“Time in Advance”: Wer ein Verbrechen begehen möchte, darf sich die dafür vorgesehene Anzahl von Jahren auf dem Strafplaneten vorab nehmen; es gibt, glaube ich, auch eine Art Frühbucherrabatt. Das ganze soll zur Abschreckung dienen: Die Strafe kann man jederzeit abbrechen und zur Erde zurückkehren, kriegt aber nichts erstattet.
Der Held ist der erste, der seine Strafe (zwanzig Jahre für Mord oder so) tatsächlich abgesessen hat und auf die Erde zurückkommt, um sich zu rächen. Dort findet er heraus, dass nicht nur sein Partner ihn betrogen hat (wegen dem er das ganze unternommen hat), sondern auch seine Frau, seine Familie, seine Freunde, die jetzt natürlich alle mächtig Angst vor ihm haben. Resigniert gibt er seine abgesessene Zeit nach und nach für Strafzettel aus.

Und noch viele mehr. Nicht so gut gehalten hat sich “Der zitronengrüne, spaghettilaute Tag” über ein Portion LSD im Trinkwasser von New York, über das ich in der 7. Klasse ein Referat gehalten habe.

3. L. Sprague de Camp & Fletcher Pratt, The Enchanter Stories

Die Prämisse: Harold Shea, abenteuerlustiger Psychologe, entdeckt eine Methode, sich und diverse Gefährten in Sagenwelten zu versetzen, und verbringt einen Großteil seiner Zeit damit, alle wieder sicher nach Hause zu bringen.
Diese Geschichten haben sich nur mäßig gehalten. Die Heldenfiguren sind zu typenhaft. Es sind zwar keine Schwertschwingerhelden, aber allen Genrelesern zu bekannt ist der Schelm, den es in die Fantasywelt verschlägt, und der sich mit seinem Wissensvorsprung und gutem Aussehen die Herzen der Einwohnerinnen erobert.

Aber die Idee ist schön, die Helden in verschiedene Epen und Mythologien und zu versetzen. Sie landen in der Edda, in Coleridges “Xanadu”, in Spensers Faerie Queene, in Orlando Furioso und im finnischen Sagenzyklus Kalevala. Es war schön, beim Wiederlesen zu erkennen, was ich damals mit vierzehn oder fünfzehn aus diesen Geschichten gelernt habe: Spenser bin ich dort begegnet, so dass ich schon im ersten Semester wusste, wie man ihn schreibt. Ebenso dem irischen Helden Cuchulain, auch wenn das mit der richtigen Aussprache noch länger gedauert hat. Das gleiche filt für das Wort “geas” und dessen Aussprache. Mit meinem bruckstückhaften Wissen um das Kalevala konnte ich im ersten Semester an der Uni Smalltalk mit einer finnischen Studentin machen. Aus den Geschichten weiß ich auch, dass Polizisten in New York dem Klischee nach Iren waren (nutzbar beim LK Thema Immigration => Tammany Hall).

Man kann wirklich aus fast allem etwas lernen.

Erwähnenswert ist noch die Idee, dass Magie in diesen Geschichten nur funktioniert, wenn sie von Gedichten begleitet ist. Stabreim-Kurzzeilen im Edda-Abenteuer, trochäische Vierheber im Kalevala (im finnischen Original noch interessantere Strophenform). Zur Not improvisiert der Held gerne mal mit ein paar abgewandelten Zeilen Kipling oder Shelley.

Einmal kommt der Held nur davon, indem er The Ballad of Eskimo Nell aufsagt. In der Geschichte werden nur ein paar Zeilen dieses Gedichts genannt. Ich verlinke das hier nur mal in ganz kleiner Schrift als, hm, Erfahrungsgewinn für die Leser, die bisher durchgehalten haben.

Das definitive Buch zum Helden, den es in eine Welt der Literatur verschlägt, ist übrigens Silverlock von John Myers Myers. Vor ein paar Jahren habe ich es wieder gelesen, immer noch toll. Keine Genreliteratur. Mehr muss bis zu einem eigenen Blogeintrag warten, hier nur ein Ausschnitt aus “The Ballad of Bowie Gizzardsbane” – eine Nacherzählung der Belagerung der Alamo in germanischer Stabreimdichtung:

Fame has its fosterlings, free of the limits
Boxing all others, and Bowie was one of them.
Who has not heard of the holmgang at Natchez?
Fifty were warriors, but he fought the best,
Wielding a long knife, a nonesuch of daggers
Worthy of Wayland. That weapon had chewed
The entrails of dozens. In diverse pitched battles
That thane had been leader; by land and by sea
Winning such treasure that trolls, it is said,
Closed hills out of fear he’d frisk them of silver.
Racing now westward, he rode into Bexar,
Gathered the garrison, gave them his orders:
“Houston the Raven is raising a host;
Time’s what he asks while he tempers an army.
Never give up this gate to our land.
Hold this door fast, though death comes against us.”

(Literarisch befinden wir uns da gerade in Beowulf-Nähe. Am besten laut lesen.)

Tütenspender für Schulen?

Am Freitag nach der Pause sind mir Pausenbrotreste auf dem Boden der Gänge aufgefallen. Unter anderem ein schön großes, mit dünnen Wurstscheiben belegt, die sich malerisch-fächerig auf dem Boden ausgebreitet haben. Und jeder stapft natürlich drüber.

Was erwarten wir von einem Schüler eigentlich, dem das Pausenbrot aus irgendwelchen Gründen herunterfällt? Ibäh, ist ja eklig und so. Würde es die Sache etwas erleichtern, wenn man an zentralen Orten Plastiktütenspender aufstellte, wie es sie auch für Hundekot gibt? Oder wär das übertrieben?


(Bildquelle: Wikipedia)

Ich kann mich nicht entscheiden, wie ernst ich das meine.

Moodle-Fortbildung heute

Schon wieder war ich nicht im Unterricht, sondern auf einer Fortbildung: In Schrobenhausen.

(Von den CEMA-Milchpackungen meiner Kindheit ist mir der Ort wohlbekannt. Auf der Vollmilchpackung war eine Landkarte mit Augsburg drauf und Schrobenhausen, mit einem ganz komischen r, sah aus wie Schzobenhausen. Auf der Halbfettpackung war die Milchstraße in blau, himmelblau und weiß. Fand ich schon damals klasse. Keines der beiden Motive gibt’s im Web. Schade.)

Das Hin- und Zurückkommen mit dem Zug war etwas umständlich, halb sieben aufstehen, halb sieben zu Hause, und auch das nur, weil ich mich fünf Minuten zu früh verabschiedet habe, um nicht eine Stunde auf den nächsten Zug zu warten. Das war mir unangenehm, aber sinnvoll.

In der Fortbildung ging es um Moodle, eine verbreitete Software für eine Lernplattform – eine Art Content-Management-System mit Schülern und Trainern und Administratoren, mit Benutzerrechten und Test, Umfragen und Wiki. Der Hintergrund ist lobenswert und folgender: Für die Gymnasien in Bayern stellen die Ministerialbeauftragten eine Moodle-Installation zur Verfügung, genauer gesagt, jeweils eine für die einzelnen Bezirke, zum Beispeil Oberbayern West. Zu diesem Bezirk gehören 80 Schulen, darunter meine. Mit der Installation und Wartung haben die Schulen nichts zu tun, aber an jeder Schule gibt es zwei Multiplikatoren, die etwas erweiterte Benutzerrechte haben und die vor allem ihrem Kollegium von Moodle erzählen sollen. Und so einer bin jetzt ich.

Moodle als Unterrichtswerkzeugselber hat Vor- und sicher auch Nachteile, auf die ich jetzt nicht groß eingehen will, schon mal, weil mir die Erfahrung dazu fehlt.

Interessanter finde ich gerade einen Nebeneffekt dieser Moodle-Installation. 80 Schulen sind daran angeschlossen. Ich kann sehen, welche Unterbereiche und welche Kurse welche Schule eingerichtet hat. Was das für eine Möglichkeit zur Zusammenarbeit und zum Austausch ist!
Aber knapp daneben. Die Kurse sind alle durch ein Passwort geschlossen; offene Kurse sollen wir vermeiden. Das darf noch nicht das letzte Wort sein. Es ist nicht zu unpraktisch, die jeweiligen Kursersteller (über Moodle) um das Passwort zu bitten, ich will browsen können und weiß ja vorher gar nicht, welche Schätze sich eventuell in einem Kurs verbergen.

Auch sonst fehlt mir zum derartigen Austausch (für den Moodle wohl auch nicht gedacht ist) noch die Möglichkeit, Kurse zu kommentieren, so wie ich Blogbeiträge zu kommentieren gewöhnt bin, und Kurse zu bewerten, so dass man schnell interessante Kurse findet. Ein “Kurs des Monats” (oder des Halbjahres von mir aus) unter den 80 Schulen in Oberbayern West, mit jeweils zwei oder drei oder fünf oder zehn Kursen im Programm – das wäre was!

Bin ich das etwa?

Nina muss lachen, weil einer bei Switch so aussieht wie ein Lehrer an ihrer Schule. Ich habe mal herumgefragt: Wir vermuten, dass ich das bin. Selber erkennt man sich ja nie. (Nina hat schon einige Male überraschende und interessante Bildquellen gefunden.) Haarschnitt, Gestik und das T‑Shirt könnten passen. Vielleicht kann der Kollege P. mal schauen? (Ganz sicher bin ich mir nämlich immer noch nicht.)

Unsere neue Schule

Ich habe es noch nicht so deutlich geschrieben, aber unsere Schule zieht um – in ein neues Gebäude am Stadtrand. Die Planung läuft natürlich schon lange, abgestimmt und gestritten wurde über Bodenbelag und Farbe und die Größe der Räume und Hunderte andere Dinge. Im Großen und Ganzen lief alles aber friedlich ab, und wenn nichts dazwischen kommt, starten wir mit einem freundlichen, fröhlichen, sauberen, motivierenden neuen Gebäude. Ich freue mich schon darauf und weine dem alten Gebäude keine Träne nach.

Hier ein paar Bilder vom Nachmittag heute:

So sieht die neue Schule von außen aus. Bunt.

Das wird mal unsere Mensa. Links davon die nicht übergroße Küche, rechts Aussicht auf Grünfläche und die S‑Bahn-Linie.

Draußen gibt es eine Art Amphitheater. Für die Sophokles-Lektüre im Deutsch-Leistungskurs oder heimliche Saufgelage, man wird sehen.

Ein Klassenzimmer. Die Größen sind streng vorgeschrieben und eher knapp bemessen, das sieht auf dem Bild größer aus, als es ist – es ist nicht viel mehr da, als man sieht.
(Ach, die Vorschriften und Größen. Zuschüsse zum Bau gibt es nur, wenn man sich an Jahrzehnte alte Vorschriften hält. Deshalb gibt es natürlich auch einen Raum, der Fotolabor heißt, weil ein Fotolabor bezuschusst wird.)

Das ist die Flucht der Verwaltungsräume – Sekretariat, Direktorat und so weiter.

Hier das Lehrerzimmer. So groß wie eben möglich; Stühle sind genügend da, Arbeitsplätze sind von vornherein nicht für alle Lehrer vorgesehen. Tja. Nebenan ist aber noch ein Silentium-/Arbeitsraum, und daneben gleich die Bibliothek. Zum Arbeiten kommt man also vielleicht, aber für Arbeitsmaterial wird nicht genug Platz sein.
Man blickt übrigens direkt in die Klassenzimmer gegenüber. Da werden sich beide Seiten noch was einfallen lassen.

Das ist rechts im Lehrerzimmer, hier kommt die kleine Küchenzeile hin. Mit Tresen. Links davon ist ein einigermaßen abgeschirmter Bereich für die Kopiergeräte. (Wir haben zwei, mindestens eines davon ist zuverlässig.)

Und noch wird natürlich überall gebaut.

Wie gesagt, ich freue mich schon darauf. Wieder mal Geschichten um Heinzelmännchen oder Geheimgänge im Gebäude schreiben lassen, oder die Schule mit Vektorprogrammen modellieren. Wenn alles klappt, werden die Computerräume toll, die Beamerausstattung wird hervorragend, und ein paar schräge Ideen haben wir auch schon.

Eine neue Schule ist kein Ersatz für eine gute Bildungspolitik und kein Garant für zufriedene Schüler und Lehrern. Aber sie macht Lust auf neue Ideen.

Nachtrag: Ach ja, und tolle Wörter habe ich vom Treffen auf der Baustelle heute mitgenommen: “Datenermittlung an den Altstandorten”, “Bestandsgebäude”, “Feinterminplan”, “Mengengerüst”. Sprache ist etwas Schönes.

Arbeitszeitkonto Niedersachsen

Gut, anderes Bundesland, kann sein, dass wir unserer Regierung in Bayern mehr trauen können.

In Niedersachsen gibt es ebenfalls ein Arbeitszeitkonto, so wie in Bayern. Im nächsten Jahr sollte die Rückbuchung der Stunden beginnen. Und was beschließt die Länderregierung? Keine Rückbuchung nach und nach, stattdessen sollen die angesparten Stunden alle im letzten Halbjahr vor der Pensionierung genommen werden. (Quelle: Pressemitteilung bei Bildungsklick.)

Das ist dann “flexibel”, “verlässlich” und ein “wichtige[r] Beitrag zur Sicherung der Unterrichtsversorgung in den kommenden Jahren”.

Und wer erst in dreißig Jahren pensioniert wird, muss halt noch so lange warten.
(GEW-Gegenstimmen ebenfalls siehe Bildungsklick.)

Was tun: Schüler beleidigen Schüler online

Vor kurzem waren Eltern beim Schulleiter und mir, die Ausdrucke (“Beweisstücke”) mitgebracht haben, wie sehr Ihr Kind im SchülerVZ von Klassenkameraden verbal angegriffen wird. Natürlich ist das Ausdruck von Prozessen, die auch am Vormittag passieren und die auch besprochen werden mit den Betroffenen. Aber ich habe mich geweigert, die Aktionen im SchülerVZ als Grundlage für eine Schulstrafe o.ä. zu nehmen. Also, ich meine das ist Privatsache der Schüler, das müssen die auch privat regeln.

Ich hatte das Problem in dieser Form noch nicht, also dass Eltern auf mich zugekommen sind – aber ich kenne natürlich nicht nur mündliche Beleidigungen in der Pause, Zettelchen mit groben Beschimpfungen und auch Beleidigungen online. Wie umgehen mit zur Kenntnis gebrachten Online-Beleidigungen?

(Gefunden in der Sprechstunde, mein Kommentar dazu siehe dort.)