Vermischtes

Viel Zeit habe ich nicht, aber ich will endlich ein paar Links loswerden. Einige habe ich selber gefunden, bei anderen bin ich gebeten worden, sie zu verbreiten.

  • The Big Challenge kenne ich aus dem ISB-Kontaktbrief Englisch. Findet jeweils im Mai statt, ist für alle 5.–8. Klassen, besteht aus 54 Multiple-Choice-Fragen zu Wortschatz, Grammatik, Landeskunde. Getestet wird an den Schulen (das heißt also, dass das ein Lehrer als Ansprechpartner organisieren muss), jeder Teilnehmer kriegt eine Urkunde, viele noch kleine Preise dazu. Es gibt Ranglisten auf Schul‑, Landes- und Bundesebene. Kostet für jeden Schüler knapp 3 Euro, ausgewertet wird zentral.
    Das wäre doch etwas für meine aktuelle 6. Klasse, auch wenn ich die nur in Intensivierung habe. Muss doch reizvoll sein, sich mit anderen zu messen. Der Jahrgangsstufentest ist allerdings gar nicht reizvoll, und wie VERA 8 ankommt, muss man sehen.
  • Bundesweiter Schulwettbewerb “Integration braucht faire Bildungschancen”. Ein Schulwettbewerb für die Klassen 5 bis 12, mit dem das Bewusstsein für die Chancenungleichheit zwischen Kindern deutscher Herkunft und Kindern aus Zuwandererfamilien unter Schülern gestärkt werden soll.
  • Die letzte Woche im September ist jedes Jahr banned books week. Ich hab’s zu spät mitgekriegt, mir aber fürs nächste Jahr in den PDA geschrieben. Das wäre doch etwas für eine Referatserie, jeder Schüler sucht sich ein Buch aus und hält ein Referat darüber. Obwohl einem hierzulande gleich Mein Kampf einfällt. Mal sehen, vielleicht in meinem Leistungskurs Deutsch K13.
  • Ich suche ja immer mal nach wissenschaftlicher Prosa für den Englisch- oder Deutschunterricht. Interessant fand ich die Studie zum Medienkonsum der vier PISA-Verlierergruppen (Jungs, Migrationshintergrund, Norddeutschland, geringes Bildungsniveau der Eltern). Jungs haben halt eher einen eigenen PC, Fernseher, eine eigene Spielkonsole im Zimmer. 24 Seiten pdf, schön handlich, mehr und Download bei teachersnewsnet.
  • TOMs Book ist eine Art Web 2.0‑Wanderkladde. Also, man kriegt (per Post?) ein Exemplar, klebt einen Zeitungsartikel ein und schreibt etwas dazu, knipst Fotos und lädt sie hoch und lässt das Buch weiterwandern. So ähnlich, wie das Kollege Z. mal in der Bibliothek gemacht hat, nur mehr an Zeitungen orientiert. Auf einer Karte kann man den Büchern beim Wandern zusehen.
  • Schule-Ratgeber.de ist eine Seite, die ich schon mal vorgestellt habe. Auf ihr wird können Lehrer Material hochladen und anderen zugänglich machen. Anders als bei den meisten ähnlichen Seiten gibt es – schon seit einiger Zeit – einen RSS-Feed mit dem hochgeladenen Material, mit allem, was das an Möglichkeiten eröffnet. Ich liebe RSS, wie ich oft genug sage.

Kleinlaut gestehe ich, dass ich doch nicht aufs Educamp nach Berlin fahre. Ich hoffe, die durch und durch freundliche Literatenmelu, die mit mir ein Seminar machen wollte, verzeiht mir.

Heute morgen eine Zecke an mir entdeckt. Bin 41, das ist meine erste, dementsprechend panisch bin ich. Frau Rau hält mich ja eh generell für einen Hypochonder. Bevor ich richtig wach war, hatte ich das komische Dinge schon geschickt herausgedreht – und erst danach als kleine Zecke identifiziert. Im Moment ist sie konserviert in 56%igem Escorial Grün, den trinkt hier eh keiner mehr. Ich werde über erste Anzeichen berichten, rote Ringe und Grippesymptome und so weiter. Aufregend.

Technischer Schnickschnack

Zwei schöne Neuerungen in den Klassenzimmern: An der Decke hängen zwei große Lautsprecher, und an der Mediensäule kann man per Cinch-Stecker alle möglichen Audioquellen anschließen. Der Lautstärkeregler ist auch gleich in der Wand. Und die Tonqualität, die Tonqualität! Hmmmmmm! Ich bin ein begeisterter Lehrer, in diesem Fall vor allem Englischlehrer. Hörverstehensübungen endlich so, wie sie sein sollten.

Etwas blasser, aber für den alltäglichen Gebrauch sehr praktisch, sind die höhenverstellbaren Rollpulte, die in jedem Klassenzimmer stehen. Ich weiß nicht, wer sie bestellt hat, ich weiß auch nicht, ob jeder Lehrer schon mit ihnen gespielt hat. Und sie sind auch kein Ersatz für ein ordentliches Stehpult. Aber bis dahin sind sie praktisch: Vorrollen, ausfahren, Material drauflegen. Verbessert den Lehrer- oder Schülervortrag – wenn man sich denn für einen Vortrag entscheidet. Auf dem Pult sitze ich, glaube ich, selten; öfter allerdings auf dem Stuhl hinter dem Pult. Auch nicht gut. Jetzt mit dem Rollpult sowieso nicht mehr.

(Ich sage dann jeweils Bescheid, wenn die ersten Geräte nicht mehr funktionieren.)

Franz Kafka, Auf der Galerie

Sehr schöner Schultag heute. Vier Stunden, drei Klassen, alle haben mir Spaß gemacht, bei allen glaube ich, dass die Schüler etwas gelernt haben (aber das glaubt man ohnehin zu oft) – und zu jeder Stunde will ich etwas bloggen. Habe aber keine Zeit vor lauter Zeug, das ich machen will.

Deshalb nur kurz noch etwas von letzter Woche. Deutsch, 9. Klasse, zum Anwärmen und Kennenlernen: Wiederholung von Wortarten und Satzgliedern an folgender Kafka-Parabel als Beispiel.

Auf der Galerie

Wenn irgendeine hinfällige, lungensüchtige Kunstreiterin in der Manege auf schwankendem Pferd vor einem unermüdlichen Publikum vom peitschenschwingenden erbarmungslosen Chef monatelang ohne Unterbrechung im Kreise rundum getrieben würde, auf dem Pferde schwirrend, Küsse werfend, in der Taille sich wiegend, und wenn dieses Spiel unter dem nichtaussetzenden Brausen des Orchesters und der Ventilatoren in die immerfort weiter sich öffnende graue Zukunft sich fortsetzte, begleitet vom vergehenden und neu anschwellenden Beifallklatschen der Hände, die eigentlich Dampfhämmer sind – vielleicht eilte dann ein junger Galeriebesucher die lange Treppe durch alle Ränge hinab, stürzte in die Manege, riefe das Halt! durch die Fanfaren des sich immer anpassenden Orchesters.
Da es aber nicht so ist; eine schöne Dame, weiß und rot, hereinfliegt, zwischen den Vorhängen, welche die stolzen Livrierten vor ihr öffnen; der Direktor, hingebungsvoll ihre Augen suchend, in Tierhaltung ihr entgegenatmet; vorsorglich sie auf den Apfelschimmel hebt, als wäre sie seine über alles geliebte Enkelin, die sich auf gefährliche Fahrt begibt; sich nicht entschließen kann, das Peitschenzeichen zu geben; schließlich in Selbstüberwindung es knallend gibt; neben dem Pferde mit offenem Munde einherläuft; die Sprünge der Reiterin scharfen Blickes verfolgt; ihre Kunstfertigkeit kaum begreifen kann; mit englischen Ausdrücken zu warnen versucht; die reifenhaltenden Reitknechte wütend zu peinlichster Achtsamkeit ermahnt; vor dem großen Salto mortale das Orchester mit aufgehobenen Händen beschwört, es möge schweigen; schließlich die Kleine vom zitternden Pferde hebt, auf beide Backen küsst und keine Huldigung des Publikums für genügend erachtet; während sie selbst, von ihm gestützt, hoch auf den Fußspitzen, vom Staub umweht, mit ausgebreiteten Armen, zurückgelehntem Köpfchen ihr Glück mit dem ganzen Zirkus teilen will – da dies so ist, legt der Galeriebesucher das Gesicht auf die Brüstung und, im Schlussmarsch wie in einem schweren Traum versinkend, weint er, ohne es zu wissen.

Damit die Schüler aber nicht nur Grammatik mit der Parabel machen, sollten sie mir zeigen, dass sie auch auf irgendeiner anderen Ebene mit dem Text etwas anfangen konnten. Zeichnung, Pantomime, Umschreiben, irgend etwas. Ohne dass ich das groß auswerten würde. (Ich fühle mich gleich schuldig, weil Norberto42, glaube ich, gerne mal und völlig zurecht darauf hinweist, dass es wenig bringt, sich mit oberflächlichen Erkenntnissen von Schülern zufriedenzugeben. Entschuldige, Norbert, wenn ich dich falsch zitiere, aber du bist mir da ein Vorbild und Mahner. Aber Erkenntnisse waren noch gar nicht erfordert.)

Drei Variationen darauf:

Dann eine Umstellung:

Bevor ein junger Zirkusbesucher die vielen Stufen durch alle Reihen hinab rennen und in den mit Sägespäne bestreuten kreis stürmen würde und durch die Klänge des sich anpassenden Instrumentalchors stopp brüllen würde, würde eine, vom abschwächenden und wieder ansteigenden Applaus der Hände, die in Wirklichkeit maschinelle Klopfer sind, unterstützte, hinfällige, lungensüchtige Kunstreiterin, die zuvor monatelang im bestreuten Kreis, ohne Pause auf einem wackelndem Ross im Ringe von ihrem Seilherumschleudernden, gnadenlosen Boss, auf ihrem Gaul schwirrend Bussis schmeißend, in der Taille sich schaukelnd im Kreis gescheut würde – und wenn dieses Schauspiel unter dem nie endenden Getöse des Chors und der Propeller in die näher kommende und weiter sich aufgehende dunkle Zukunft fortführe, würde dies alles geschehen.

Und ein sachlicher Brief:

Unerträgliches Kunstreiten

Sehr geehrte Damen und Herren,

da ich, Michael Apelt, mir Gedanken gemacht habe über das unerträgliche Kunstreiten, bin ich zu folgenden Entschluss gekommen:
Man sollte das Kunstreiten unter unerträglichen Bedingungen verbieten.

Das folgende Beispiel begründet meine Behauptung.
Stellen Sie sich mal vor, wenn eine erschöpfte Kunstreiterin in der Manege auf einem schwankenden Pferd reiten müsste. Und das nur, weil ihr Chef dies so möchte. Dieser ist nur auf seinen Gewinn aus und möchte deshalb das Publikum beeindrucken. Aber das Publikum möchte immer mehr sehen und gibt sich nicht zufrieden. Nur deswegen schwingt der Chef der Manege die Peitsche und das monatelang ohne Unterbrechung. Die Kunstreiterin und ihr Pferd müssten dann rundherum im Kreise laufen; Küsse werfend; in der Taille liegend und das auf einem erschöpften Pferd. Dazu würde das Orchester spielen, das immer weiter – und ohne Pausen – spielen würde. Außerdem würde das Publikum Beifall klatschend dastehen und immer wieder etwas Neues sehen wollen.
All dies würde wahrscheinlich geschehen, wenn nicht ein einziger Besucher aus dem Publikum aufstehen würde und riefe: „Halt!“

Ich bitte Sie, das Kunstreiten unter solchen Bedingungen zu verbieten.

Danke im Voraus

Mit freundlichen Grüßen

M. Apelt

Forstlicher Versuchsgarten Grafrath

Am Freitag war Personalausflug. Diesmal hielt es der Personalrat (also wir) für sinnvoll, nicht so weit wegzufahren – weil alle noch sehr mit dem Umzug der Schule beschäftigt sein würden. Möglicherweise war das schon gar nicht mehr bei allen so.

Wir waren dann jedenfalls im Forstlichen Versuchsgarten Grafrath und ich fand das sehr interessant. Diese Anlage gibt es seit 1881, ihr Ziel die Untersuchung, welche nicht einheimischen Baumarten in unserem Klima ertragreich angepflanzt werden können.

Denn in Europa, so wurde uns erklärt, gibt es nicht viele Baumarten. 600 Eichenarten gibt es weltweit, davon höchstens drei in Europa. Vor der Eiszeit gab es auch hier sehr viel mehr Baumarten, die im hiesigen Klima durchaus gedeihen – aber nach der Eiszeit konnten sie aus dem Süden nicht mehr zurückwandern in den Norden, da die in Ost-West-Richtung verlaufenden Gebirge wie die Pyrenäen und die Alpen das verhinderten. Anders etwa in Nordamerika, wo die großen Gebirge – die Rocky Mountains, die Appalachen – in Nord-Süd-Richtung verlaufen.

Der Versuchsgarten ist 32 Hektar groß, ein Teil davon ist für Besucher geöffnet (einfach reingehen und herumlaufen), es gibt ein Jahresprogramm, Schulklassen willkommen, weitere Führungen für Gruppen auf Anfrage. Die lohnen sich auch, weil man sonst vor lauter Wald die Bäume nicht sieht, oder zumindest nicht unterscheidet. Dabei wächst wirklich alles mögliche nebeneinander, das man in heimischen Wäldern gar nicht findet. Im öffentlich zugänglichen Teil gibt es einige Schautafeln, Wegschilder, immer wieder mal ein bisschen Kunst im Wald. Hat ein bisschen was von Zauberwald.

Auch einen Mammutbaum (Sequoia) gibt es. Bei ihm habe ich das Wort Spechtschmiede gelernt: So heißen die ausgehöhlten Dellen im Baum, in die der Specht seine Nadelbaumzapfen klemmt, um so an die Samen heranzukommen.

Jetzt weiß ich, warum ich den Specht bei uns auch mal an der Hauswand herumpicken sehe.

Weiter schöne Forst-Fachsprache: “wüchsig” als Adjektiv.

Respekt vor Thujen gekriegt, die solide Bäume mit wertvollem Holz abgeben, wenn man sie nicht zu Hecken verkommen lässt. Tropenholz ist auch deshalb so wertvoll und gut behandelbar, weil es keine Jahresringe hat. Die Flatterulme ist die einzige Ulmenart, die resistent gegen das Ulmensterben ist. Jeder außer mir kannte die Zirbe als Baum und jeder außer mir weiß, was eine Zirbelstube ist. Die Douglasie wird trotz Erfolgsstory als europäischer Newcomer seit 150 Jahren genau beobachtet – wertvolles Holz, aber wenig Insekten am Baum, also schlecht für die Vogelwelt.

Die Zuckerbirke (Betula lenta, oben ein Foto der Blätter) hat eine dunkle Rinde und wenn man am Zweig raspelt, riecht er nach: Root Beer. Schon lange nicht mehr gerochen. Mir vorgenommen, fürs Lehrerzimmer ein paar Dosen zu besorgen, damit die Kollegen auch mal in den Genuss kommen.

Im Anschluss Kaffee oder Kirche, dann Abendessen. Ein kleines Grüppchen blieb ziemlich lange. Den Alois getroffen, der hier auch mitliest und den ich hiermit grüße. Mit einem neuen Kollegen meiner Generation gesprochen, der Jason King beziehunsgweise Department S kannte. Tse.

Erste Schulwoche 2008

Erste Schulwoche. Ich probiere gerade mein zweites Notenverwaltungsprogramm auf dem PDA aus, das ideale habe ich noch nicht gefunden. Mit dem aktuellen kann ich zusammen mit den Noten auch Portraitfotos meiner Schüler anzeigen lassen. Das ist lustig, macht aber wohl zuviel Arbeit, wenn man sieben oder mehr neue Klassen kriegt wie ich letztes Jahr. Dafür gibt es keinen Zufallsgenerator mehr – der hat die Schüler am alten Programm enorm beindruckt. Aber da konnte man Noten nicht mit einem anderen Datum versehen als dem Eintragsdatum in den Palm. Nicht gut. Abr dafür konnte ich am PDA neue Schüler eingeben, jetzt geht das nur am synchronisierenden Rechner

Apropos Fotos. Bei uns hängen Fotos aller Lehrer mit Name und Fach an einer Wand, zum Kennenlernen der neuen, und für die neuen Kollegen. Ich verbringe also die erste Schulwoche damit, Leuten hinterherzujagen und sie zu knipsen. Seit ein paar Jahren mache ich keine Lehrerfotos auf Magnetfolie mehr (zuviel Arbeit, zuviel Verblassen, sondern drucke jeweils neu auf drei oder vier A4-Blätter alle Lehrerportaits. Name und Fach schreibe ich mit Picasa in das Caption-Tag, und mit Irfanview drucke ich dann die Bilder aus, den Caption-Tag jeweils darunter. Drei Blätter nebeneinander sehen dann so aus:

Ich hätte das Bild gerne größer gepostet, aber selbst bei dieser Auflösung erkennt man noch zuviele Gesichter, zumindest wenn man weiß, wer an der Schule ist. Dabei sind das gerade mal 11x16 Bildpunkte pro Portrait. (Wenn man das vergrößert, erkennt man übrigens gar nichts mehr.)

Ich bin bei den Lokalisten, seit mich ein Freund dorthin eingeladen hat. Nicht aktiv, aber ich habe ein Benutzerkonto und benutze es, um in Kontakt zu bleiben. Gleich zwei meiner Schüler haben mich in den letzten Tagen darauf angesprochen. Einer bemängelte die LARP-Kostümierung eines meiner Kontakte, ein anderer (aus der Kollegstufe) gab gleich zu, nach allen seinen neuen Lehrern im Netz gesucht zu haben, um sich ein bisschen zu informieren. Sollte ich mich doch auch noch bei Xing anmelden, um mich richtig professionell zu fühlen?

Die Kontaktbriefe für die einzelnen Fächer sind raus. Zur Erklärung: So um die Sommerferienzeit herum gibt es von den Fachreferenten aus dem ISB Informationen für die Fachlehrer. (Das ISB ist quasi der pädagogische Arm des Kultusministeriums, eine ihm nachgeordnete Behörde. Dort werden Jahrgangsstufentests und Lehrpläne und Handreichungen erstellt.) Diesmal ging es vor allem um das Abitur im G8, die Musteraufgaben für Deutsch und Englisch habe ich mir angeschaut. Die werden wohl in den nächsten Fachsitzungen an den Schulen diskutiert werden.

Englisch kann man weiterhin als mündliches Fach wählen, aber das schriftliche sieht jetzt deutlich anders aus: Vor dem zentralen Termin wird an der Schule in Partner- oder Gruppenprüfung die Sprechfähigkeit bewertet. Viel Aufwand. Am gemeinsamen Termin gibt es dann zuerst einen Hörverstehensteil, danach wählen die Schüler wie gehabt einen – jetzt allerdings kürzeren – fiktionalen oder nichtfiktionalen Text und beantworten die Fragen dazu, und zuletzt gibt es eine Mediation/Sprachmittlung. (Für eine Übergangszeit soll alternativ eine traditionelle Übersetzung angeboten werden. Wir korrigieren gerne).
Hörverstehen: Gute Idee, aber die Beispielaufgabe müsste verbessert werden. Ich habe den Text noch gar nicht angehört, aber schon mal alle Ankreuzaufgaben mit meinem Weltwissen zu 90% richtig gelöst. Das kann nicht gut sein. (Es gibt allerdings auch short answers, also nicht nur Ankreuzaufgaben, gegen die ich ansonsten überhaupt nichts habe.)
Mediation: Ich mag sie. Die Musteraufgabe hat es aber in sich. Auf einen längeren zu verstehenden Artikel folgt die Anweisung:

The article above was written by the Westphalian Secretary of Immigration, Armin Laschet.
As a personal aide to the minister, it is your task to prepare a statement in English which summarises his key arguments for a panel discussion at the German Embassy in London. The participants in this discussion have been provided with four questions in advance. These questions are designed as guidelines for their statement and they are given here in German.
[…]
Prepare the Minister’s statement in English that reflects what he wrote in his article. The statement should focus on the four questions which have to be answered by him during the panel discussion in London.

Ich sehe im Moment noch keine Schüler, die diese Aufgabe wählen würden. Ist aber trotzdem sinnvoller als Übersetzung. Muss man halt vorher mal gemacht haben.

In Deutsch scheint der Referent einerseits erfreut zu sein, dass so viele Schulen einen Aufsatz durch eine Grammatikprüfung ersetzen, klingt aber andererseits doch besorgt, dass das Aufsatzschreiben zu kurz kommt. Die Schüler sollen am besten, und das ist schon richtig so, auch außerhalb der Schulaufgaben möglichst viel schreiben, schreiben, schreiben. Nur: wer soll das alles lesen, lesen, lesen?
Bei den Abituraufgaben wird es weiterhin jeweils Interpretationen zu Epik, Lyrik, Drama geben, und dazu noch zwei neuere Formen: Zum Beispiel eine Sachtextanalyse gefolgt von einer Rede oder einem Kommentar (zu schreiben, nicht zu analysieren). Im Vordergrund stehen nicht mehr Aufsatzarten, sondern Kompetenzen, die in verschiedener Form schriftlich geprüft werden sollen. Das finde ich erst mal gut. Auch in der Mittelstufe darf und soll man sich von den traditionellen Formen lösen.

Wie die Deutschlehrer das alles korrigieren sollen, bleibt offen.

Dem Fach Deutsch kommt daher eine noch viel bedeutendere Schlüsselstellung als bisher am Gymnasium zu. Diese besondere Rolle des Fachs muss an den Schulen verdeutlicht werden, auch im Hinblick auf die Zuweisung von Ressourcen.

Das Geld für das Rednerpult wurde uns jedenfalls gestrichen. Soviel zum Stellenwert. Hauptsache, die naturwissenschaftlichen Fächer haben genug Videokameras.

(Alle Abitur-Musteraufgaben unter http://www.isb.bayern.de/, und dann durchklicken. Nachtrag: direkter Link. Leider gibt es keinen Feed für neues Material dort, manchmal sind da nämlich durchaus gute Sachen dabei.)

Die neue Schule: Eröffnungsfeierlichkeiten


(Architekt, Landrat, die beiden Schulleiter)

Gestern: Festakt zur Eröffnung der neuen Schule. Anwesende Politiker (Siegfried Schneider, unser aller Unterrichtsminister) nutzten die Gelegenheit wie erwartet für den Wahlkampf. Aber die Einlagen zwischen den Reden waren toll. Die Bilder sind leider nur mäßig, ich hatte kein Teleobjektiv dabei und war recht weit hinten. (Das hatte den Vorteil, dass ich leichter herumwandern konnte. Mit einem Fotoapparat in der Hand hat man diese Freiheit, jedenfalls mit einer Spiegelreflexkamera.)

Dazu gab es noch sehr gute Klaviereinlagen und Big Band. Davon habe ich aber nur Videoaufnahmen. Bilder gibt es sicher bald auf der Schulhomepage oder in den Blogs der teilnehmenden Schüler.

Danach Buffett:

Am Nachmittag war dann quasi offenes Haus mit Führungen. Die Besucher waren eigentlich alle begeistert vom Gebäude. Es ist ja auch toll. Dass die Klassenzimmer für die Schülerzahl zu klein sind, ist vielen aufgefallen; man rechnet halt schon mal mit dem schon lange angekündigten Schülerschwund. Beim Teppichboden scheiden sich die Geister. Warten wir mal bis zum Frühling, ich selber war jedenfalls auch für einen Bodenbelag.

 

– Am Tag zuvor hatte ich übrigens im Varieté in München ausgewachsenen Akrobaten zugeschaut. Auch da gab es einen Künstler an den “Strapaten”, den langen Bändern von der Decke, wenn die denn wirklich so heißen. (Wikipedia lässt mich im Stich; auf Englisch: “aerial silks”.) Und ebenfalls zwei Leute am Trapez. Und das war wohl die beeindruckendste Nummer des Abends, das “Duo Elja”. (Hinter dem Link ein Video mit Interview.) Mal langsam, mal schnell, und mit Humor. Toll.

Optisch hervorragend war Irina Akimova – mit laserlichtartig schillernden Hula-Hoop-Reifen. Hier ihre MySpace-Seite. (Klar. Ich bin natürlich trotzdem überrascht, wer alles bei MySpace ist.) So viel Akrobatik und solche Lichteffekte würde ich mal gerne bei Superheldenfilmen sehen – gegen diese Realität kommen die Spezialeffekte nicht an. Kein Lichtschwertgesäbel und kein Matrix-Gehoppse. Das ist so ähnlich wie der Unterschied zwischen echten Tierdokumentationen und den computeranimierten Saurierfilmen.

(Nebenbei: Laut eine gängigen Erklärung für das klassische eng anliegenden Superheldenkostüm, etwa das von Superman, geht es auf die Trikots von Jahrmarkts-Muskelmännern und ‑akrobaten zurück. Die Superheldenassoziation sei mir also verziehen, da tatsächlich historische Bezüge bestehen.)

Der dritte meiner Lieblingsauftritte waren “Antoine und Aurore”. Auch Partnerakrobatik, aber am Boden: Es sah mal nach Tanz aus, mal nach Boden-Luft-Akrobatik und mal nach einer Zweier-Kata irgendeiner eleganten Kampfsportart.

Gerne hätte ich noch ein Lied gehabt und einen Zauberkünstler. So bestand das Programm nur aus Akrobatik und den Clownereien (sagt man so? no disrepect intended) des Conferenciers Peter Shub. Über das deutsche Varieté weiß ich sehr wenig, über das amerikanische Vaudeville viel mehr (und was es von Varitey und Burlesque unterschied). Alle zwei Monate wechselt das Programm im GOP, Sonntagmittag gibt’s eine Show für Tagmenschen wie mich, sonst je nach Tag ab 18 Uhr. War auf jeden Fall sehenswert.

Widmungen in Büchern

Ich wollte schon lange mal die paar Bücher mit Widmungen drin, die ich so habe, zusammensuchen. Das habe ich jetzt auch in einem kurzen Blog getan: In Flyleaves kann man die Widmungen lesen. (Bücher, die mir gewidmet sind, habe ich nicht aufgenommen. Das wäre zu uninteressant, die Bücher sollten schon etwas gewandert sein.) Wenn es eine Sammelstelle für solche Widmungen gäbe, ich würde dort mitmachen.

Die Einträge sehen in etwa so aus:

For my dearest
friend, Clara.
A parting gift in token
of the love and constancy of
Nellie Bacon.
April 14th 1888

Walter Scott, The Abbot, Edinburgh: Adam and Charles Black (The Waverley Novels, Author’s Editon, paperpack, price one shilling).

Es war mir einfach ein Bedürfnis und Vergnügen.

Erster Schultag (für die Lehrer)

Ganz langer Tag heute. Früh in der Schule, um Dinge zu besprechen. Lehrer und neugierige Schüler tummelten sich schon vormittags dort. Nina hat einen Blogeintrag zu den ersten Erfahrungen im Schulgebäude geschrieben. Auf den Fotos dort kriegt man einen guten Eindruck davon. Es ist wirklich ein schönes Schulgebäude. Wir teilen es uns mit der Fach-/Berufsoberschule. Vieles ist aus Glas, man hat viel Einblick, wird aber auch gesehen, ob man im Klassenzimmer oder im Lehrerzimmer ist. Ungewohnt, aber erst mal gut so.

Technisch ist die Schule auf ziemlich neuem Stand. Ich werde Details berichten – aber in jedem Klassenzimmer sind ein Beamer, ein Rechner (der am Schulnetz hängt) und vor allem: eingebaute Lautsprecher, an die man nur seinen Mp3-Player hängen muss. Das Licht geht automatisch an und aus und passt sich der Umgebungshelligkeit an. Haustelefone in jedem Klassenzimmer. Vielleicht kann ich Schüler weismachen, dass die kleine Halbkugel an der Decke eine Kamera enthält, die uns alle videoüberwacht – schon hätte ich schöne Aufsatzthemen.

Nach dem Mittagessen dann sehr lange Konferenz. Das fand ich in Ordnung, ich mag Konferenzen, wenn sie nicht zu unorganisiert sind. Und es gab viel zu besprechen: 9 neue Kollegen, 2 nach Abwesenheit zurück; neue Hausordnung, neue Grundstücksgrenzen, und dazu die üblichen Themen zum Schuljahresbeginn.

Themen, die ich noch gerne weiter diskutieren würde: Wie halten wir es mit den elektronischen Speichermedien? (Ich finde, zumindest: Kollegiaten dürfen in Freistunden am Nachmittag am eigenen Laptop arbeiten, auch ohne um Eralubnis fragen zu müssen. Andererseits finde ich auch, dass Mp3-Player vormittags in der Pause aus sein müssen.) Und zu welchen Zeitpunkten dürfen Schüler zur Tür des Lehrerzimmers kommen und mir Aufträge geben: Können Sie das dem Herrn X ins Fach legen, Ist die Frau Y da, Ich habe da mal eine Frage? Wir haben zwei Pausen, eine längere und eine kurze. Klar muss Kontakt zwischen Schülern und Lehrern möglich sein. Aber ich habe auch E‑Mail. Als Schüler war ich kein einziges Mal im Lehrerzimmer meiner Schule, glaube ich. Das fand ich okay so, aber das ist fünfundzwanzig Jahre her. Heute gibt es mehr Kontakt, und das ist gut so. Aber verspätete Schulaufgaben oder abzugebende Zettel kann man im Klassenzimmer entgegennehmen und muss Schüler nicht ins Lehrerzimmer beordern. (Man hört vielleicht, dass das bei uns nicht ganz rund läuft.)

Gelesen und gelernt

Interview mit Bernhard Bueb im Schul-Spiegel: Lehrer brauchen Führung. Gar nicht so undifferenziert. Und realistisch:

Dafür braucht es an einer Schule einen starken Leiter, der nicht nur verwaltet, wie es 80 Prozent der deutschen Schulleiter tun. Er muss vielmehr seine Mannschaft zusammensuchen. Die Qualität einer Schule hängt zu beinahe hundert Prozent an dieser Person. Direktoren von Vorzeigeschulen haben meist jahrelang daran gearbeitet, ein handverlesenes Kollegium zu bekommen. Sie sind Menschenfischer; sie quengeln bei der Schulbehörde, bis die Verantwortlichen sagen: In Gottes Namen, nimm, wen du willst! Und sie kennen keine Rücksicht. Wer ihnen nicht gefällt, den ekeln sie raus.

Norberto42 zitiert Jürgen Baumert: Was ist Schule? Kluge Gedanken aus einem Vortrag über den notwendigen Unterscheid zwischen Schule und Leben:

Durch die Bereitstellung stabiler Lernumwelten kann systematisch, langfristig und kumulativ gelernt werden. Die Kehrseite der Sicherung von Langfristigkeit, Systematik und Kumulativität bleibt häufig in reformpädagogischer Rhetorik verborgen: Schule vermittelt grundsätzlich stellvertretende Erfahrungen, die dennoch – sollen Lern- und Bildungsprozesse erfolgreich verlaufen -, als persönlich und authentisch wahrgenommen werden müssen.