Life (der Zellautomat)

Es gibt eine Art Computerspiel namens Life, nach dem Erfinder auch Conway’s Game of Life genannt. Man spielt nicht selber mit, sondern man setzt ein paar Zellen in eine leere Welt und schaut zu, wie sie sich vermehren oder sterben. Das sieht zum Beispiel so aus:

Die Regeln für das Überleben, Fortpflanzen und Sterben lauten so:

  • Fortplanzung: Hat eine unbesetzte Zelle genau drei lebende Nachbarn (in den acht umgebenden Feldern), dann entsteht in der nächsten Generation dort eine neue lebende Zelle.
  • Leben oder Tod: Eine lebende Zelle mit genau 2 oder 3 Nachbarn überlebt in die nächste Generation. Bei mehr oder weniger Nachbarn stirbt sie.

Wenn man das ein paar Mal mit verschiedenen Ausgangskonstellationen spielt, stellt man einige Sachen fest. Es gibt zum Beispiel manche Kombinationen aus Zellen, die stabil sind: der Brotkorb oder die Bienenwabe etwa. Wenn die nicht gestört werden, dann stirbt keine Zelle und keine neue entsteht.


(Arbol1, CC-BY-SA, Quelle)

Dann gibt es noch Kombinationen, die oszillierend stabil sind. Am einfachsten ist der Blinker, der periodisch zwischen zwei verschiedenen Formen wechselt.


(Arbol1, CC-BY-SA, Quelle)

Und dann gibt es noch die Gleiter. Die sehen so aus, als bewegen sie sich fort, und zwar diagonal. Immer nach vier Takten haben sie sich horizontal und vertikal eine Zelle weiterbewegt.


(Quelle)

Insgesamt stellt man bei den ersten Versuchen fest, dass früher oder später die Welt zur Ruhe kommt und nur noch aus stabilen Figuren besteht und vielleicht einigen Gleitern dazu, die immer weiter in die Unendlichkeit hinausfliegen: Die Gesamtpopulation wächst nicht mehr.

Bald nachdem Conway das kleine Spielchen erfand, stellte er eine Herausforderung: Kann es eine Startpopulation von Zellen geben, die immer größer wird? Fünzig Dollar schrieb er aus und rechnete laut Wikipedia nicht damit, sie zahlen zu müssen.

Bis dieses Ding erfunden würde: eine Gleiterkanone.


(Quelle)

So sieht sie in Betrieb aus:


(Kieff, CC-BY-SA, Quelle)

Periodisch entsteht ein neuer Gleiter, und damit war gezeigt, dass die Gesamtpopulation bei Life immer weiter ansteigen kann.

Das war aber nur der Anfang. Weitere Gleiterkanonen wurden entdeckt. Bald kamen die Raumschiffe dazu: LWSS, MWSS, HWSS (lightweight/middleweight/heavyweight spaceship) und kompliziertere Varianten.
Nach und nach entstanden immer umfangreichere Populationen. Es gibt “Puffer”, das sind Konvois von Zellen, die sich zum Beispiel nach rechts bewegen und dabei einen Strom von Müll hinterlassen – Müll, der sich nach kurzer Zeit zu Gleiterkanonen entwickeln kann, die dann das tun, was sie am besten können – Gleiter produzieren. Es gibt “Filler”, die versuchen, die Welt mit so vielen Zellen und so rasch wie möglich zu füllen. Man geht davon aus, dass die maximale Zellendichte 50% beträgt.

Und dann wurde es noch komplizierter. Primzahlberechnung: Eine Population, die einen Strom von Gleitern erzeugt, und nur jeden x‑ten Gleiter durch ein Tor passieren lässt – und zwar dann, wenn x eine Primzahl ist. Nachbildungen verschiedener elektrischer Schaltkreise, mit einem kontinuierlichen Strahl von Gleitern als informationstragendem Stromfluss. Und wenn man Schaltkreise hat, dann kann man auch einen Computer nachbauen, wenn man denn wollte. Ja, mit Life kann man alles berechnen, was man berechnen kann. Die folgende Population berechnet Fermat-Primzahlen:

life_fermat_prim

Eine Fermat-Zahl hat die Form Fn = 2(2n) + 1, wobei n eine natürliche Zahl ist. Für n = 1 bis 5 sind die entstandenen Zahlen Primzahlen, vermutlich gibt es keine weitere Fermat-Zahl, die prim ist. Die Life-Konfiguration oben wird rechnen und rechnen, und wenn noch eine Fermat-Zahl herauskommt, wird sie sich auflösen.

Vom Berechnen:

Stellen wir uns diese zugegebenermaßen arg unwahrscheinliche Situation vor: Ein Lehrer gibt seinen Schülern den Auftrag, jeweils ein eigenes Life-Muster zu erzeugen, für ein Poster vielleicht. Er möchte, dass jeder ein eigenes entwirft, und nicht einfach das von einem Mitschüler nimmt und lediglich ein paar Generationen weiterlaufen lässt. Weil der Lehrer viele Schüler hat, hätte er gerne ein Computerprogramm, in das man zwei beliebige verschiedene Momentaufnahmen einer Life-Welt eingibt, und das Programm rechnet aus, ob es möglich ist, dass sich die eine Situation aus der anderen entwickeln kann oder nicht. Wenn das Programm ausspuckt: Jawoll, dieser eine Zustand kann sich nicht aus dem anderen entwickeln, die sind grundverschieden, dann weiß der Lehrer, dass hier zumindest kein einfaches Abschreiben stattgefunden hat.

Nur ist es leider unmöglich, so ein Programm zu schreiben. Braucht man gar nicht erst versuchen. Wird nicht gehen. Nie nicht. Das ist so quasi das Perpetuum Mobile der Informatik: Kann nicht sein.

Denn das Problem ist unentscheidbar. Das ist ein Fachbegriff aus der theoretischen Informatik, den ich bei den formalen Sprachen immer mal wieder erwähnt habe. Die genaue Erklärung muss warten, bis ich meinen Eintrag zu Chomsky 0 schreibe, der Menge der Sprachen, die immerhin semi-entscheidbar sind. Grundsätzlich kann man kein Programm schreiben, das überprüft, ob zwei andere Programme sich unter allen Umständen und für alle Eingabewerte immer gleich verhalten werden. Ein “Programm” ist dabei alles, was so viel berechnen kann wie eine Turingmaschine, oder eine simple Programmiersprache, die einigen wenigen Kriterien genügt. (Oder was man mit dem Lambda-Kalkül beschreiben kann. Aber da begebe ich mich endgültig auf halbverstandenes Terrain.)

Und ja, jemand hat auch eine Turing-Maschine mit Life produziert:

life_tm

Fußnote: Genau genommen ist Life ein Beispiel für einen Zellautomaten. Die bestehen aus vielen benachbarten Zellen (im diesem Fall in einer Schachbrettwelt, es könnte aber auch eine Welt aus Sechseckfeldern oder eine dreidimensionale sein), die bestimmte Zustände annehmen können (in diesem Fall nur zwei, lebendig oder unbelebt, es könnten aber auch mehr sein) und die nach bestimmten Regeln ihre Zustände ändern.

Links:

Cartoons machen mit makebeliefscomix

Schon vor einiger Zeit beim Webweiser gefunden: makebeliefscomix.com. Dort kann selber Cartoons erstellen, ausdrucken oder einen Link zu ihnen mailen. (Speichern als solches geht nicht, daher Screenshots.) Zum Vergrößern draufklicken.

makebeliefs_cartoon2

makebeliefs_cartoon1

makebeliefs_cartoon4

makebeliefs_cartoon3

Die Cartoons haben eine Schülerin und ein Schüler aus der 6. Klasse erstellt. Das war so eine Art Kombination aus Informatik und Englisch-Unterricht. An dem Flash-Programm kann man gut zeigen, was Objekte und Klassen und Methoden sind.

Technisch ist es leicht, auf der Seite Cartoons zu erstellen: Es gibt Figuren in verschiedenen Gemütszuständen, man kann Größe, Position und Ausrichtung ändern. Das gleiche gilt für Sprech- und Gedankenblasen und den Rest. Anregungen für Geschichten gibt es dort auch. Praktisch zeigt sich wieder mal, dass das Zeichnen zwar das Offensichtlichste an einem Cartoon oder Comic ist, dass das Drehbuch dazu aber noch schwieriger ist – und für mich auf jeden Fall die Hauptsache. (Es geht ja auch ganz ohne Zeichenkünste.)

Vielleicht sollte ich mal mit dem Deutsch-LK rein, die Cartoons müssen ja nicht auf Englisch sein. Sicher gibt es auch Seiten oder am besten: herunterladbare Programme, mit denen man längere Cartoons erstellen und sie vor allem auch speichern und nachträglich verbessern kann. Weiß jemand welche?

Lernen durch Lehren

Man liest gerade viel von Lernen durch Lehren. Und das kommt so: An der PH Ludwigsburg gibt es gerade ein Seminar “Didaktik des Informatikunterrichts”. Aus diesem Seminar sind durch Vernetzung verschiedene Projekte entstanden. Schulklassen, Schüler, Lehrer an Schulen und Hochschulen arbeiten zusammen. Jeder könnte mitmachen, und tatsächlich habe ich mich auch angemeldet bei der Maschendraht-Community. Aber ich schaue nur ein bisschen zu, das Tempo ist mir dort zu schnell, staunend stehe ich zu, wie dort das Internet effektiv genutzt wird.

Zum Thema LdL wurde dort eine Blogparade ins Leben gerufen: Alle teilnehmenden Blogs schreiben innerhalb eines gewissen Zeitraums etwas zu diesem Thema. Da wollte ich auch mitmachen, stellte aber fest, dass ich nicht die Muße habe, mich gründlich mit dem Thema zu beschäftigen. Immerhin habe ich mich jetzt ein wenig informiert. Zuvor war LdL nämlich nur ein Schlagwort unter vielen für mich; an der Uni habe ich nichts davon gehört; die Ansätze im Unterricht, die ich mitgekriegt habe, liefern heraus auf: Schüler halten Referate zum neuen Stoff. Und das ist LdL nicht.

Zur Veranschaulichung empfehle ich den folgenden Videofilm. Er ist entstanden aus dem oben erwähnten Seminar heraus; dessen Teilnehmer haben an einem Gymnasium in Eichstätt eine LdL-Schulstunde bei Jean-Pol Martin besucht (twittert, bloggt, hat LdL erfunden… darf man wohl fast sagen, obwohl natürlich nichts von nichts kommt).
Lutz Berger hat die Schulstunde gefilmt, mehr dazu in seinem Blog.

Christian Spannagel fasst zusammen:

In dieser Stunde kommt sehr gut heraus, was LdL nicht ist: Das Halten von Referaten. Stattdessen kann man sehen, was LdL ist: nämlich die von Schülern geführte und durch den Lehrer gecoachte Schülerdiskussion mit teilweise vorbereiteten Elementen.

Ausführlicherer Kommentar von Christian zum Eichstätt-Besuch in seinem Blog.

Es ist auf jeden Fall interessant, fremdem Unterricht zusehen zu können. Kurz etwas zur Theorie aus dem greifbarsten aller Nachschlagewerke:

Vor jeder Lektion teilt der Lehrer den Stoff in zu bearbeitende Teilabschnitte ein. Es werden Lernergruppen aus maximal drei Schülern gebildet und jede Gruppe bekommt einen abgegrenzten Stoffabschnitt sowie die Aufgabe, diese Inhalte der Gesamtgruppe zu vermitteln. Die Schüler bereiten den Stoff didaktisch auf (spannende Impulse, Abwechslung in den Sozialformen usw.). Bei dieser Vorbereitung, die im Unterricht stattfindet, steht der Lehrer den einzelnen Lernergruppen zur Seite und gibt Impulse und Ratschläge. … Grundsätzlich neigen Lehrer dazu, die didaktischen Fähigkeiten von Lernern stark zu unterschätzen. Nach einer Eingewöhnungsphase zeigen Schüler meist ein beachtliches pädagogisches Potenzial. Im Sinne optimierter Didaktik verlangt LdL, dass die selbstgestalteten Lehreinheiten nicht als ein durch Lerner gehaltener Frontalunterricht oder ein Unterricht durch Vortrag von Referaten missverstanden werden. Die unterrichtenden Schüler sollen sich ständig mit geeigneten Mitteln versichern, dass jede Information von den Adressaten verstanden wird (kurz nachfragen, zusammenfassen lassen, kurze Partnerarbeit einflechten). Hier muss der Lehrer intervenieren, wenn er feststellt, dass die Kommunikation nicht gelingt oder dass die von den Lernern eingesetzten Motivationstechniken nicht greifen.

***

Warum ich mich vorher nicht viel um LdL gekümmert habe: Ich habe es verwechselt. Ich musste dabei nämlich immer an folgende Aufzählung denken, der ich immer wieder mal begegnet bin:

Wir lernen:
10% dessen, was wir lesen
20% dessen, was wir hören
30% dessen, was wir sehen
50% dessen, was wir sehen und hören
70% dessen, was wir mit anderen diskutieren
80% dessen, was wir persönlich erleben
95% dessen, was wir anderen beibringen

Diese Zahlen scheinen mir so offensichtlich falsch oder zumindest interpretationsbedürftig, dass ich sie auch nicht als Metapher ernst nehmen kann. Diesmal habe ich nachgeschlagen, wem das (hierzulande oft unter unterschiedlicher Schreibung des Nachnamens) zugeschrieben wird: William Glasser, amerikanischer Psychiater, Jahrgang 1925.

Erstens: Was ist überhaupt mit Lernen gemeint? Soweit ich Lernpsychologie damals verstanden habe, lernt man am besten durch Elektroschocks. Das steht oben gar nicht auf der Liste. (Oder ist das: Persönliches Erleben?) Simples Reiz-Reaktions-Lernen funktioniert, hat aber zu viele Nebenwirkungen. Es geht also wohl auch darum, was man wie lernt.

Zweitens: Sehr viel, vermutlich das meiste, von dem, was ich gelernt habe, habe ich als Kind gelernt. Vor allem natürlich Werte, Vermeidungsverhalten, Abwehrreaktionen, gute und schlechte Seiten an mir. Vieles davon stammt aus Kinofilmen und Spider-Man-Comics, kaum etwas dürfte vom Lehren stammen, obwohl ich schon als Kind gerne groß daherredete. Habe ich meine Zeit als Kind also unnütz vertan?

Drittens: Die eigene Erfahrung. Wenn ich mich selber so anschaue: woher weiß ich das, was ich weiß, oder kann ich das, was ich kann? Das kommt natürlich darauf an, was man unter Lernen versteht. Gefühlsmäßig würde ich sagen: Sehr viel kommt tatsächlich aus dem Gespräch mit anderen. Vermutlich am meisten, aber dicht gefolgt von Büchern. Ganz wenig Nur-Sehen (Museum), etwas mehr Nur-Hören (Radio). Mehr aus Sehen und Hören (Vorlesung, Fernsehen). Ganz wenig aus dem Internet. Sehr viel aus dem Schreiben und Üben, das oben gar nicht auftaucht – ich denke da an Mathematik, an Rätsel und Denkaufgaben aller Art, an meine Origami-Kenntnisse.

Ist Bloggen so etwas wie “anderen beibringen”? Immerhin fasse ich für manche Blogeinträge meine Gedanken in manchmal durchaus didaktischer Absicht zusammen, und lerne daraus.

Habe ich also meine Zeit vertan? Wenn ich weniger Bücher gelesen und mehr gelehrt hätte, hätte ich dann mehr gelernt? (Und wäre ich ein besserer Mensch geworden?)

Hm, wenn ich so frage, vielleicht ist was dran.

Auf jeden Fall ist das Erklären und Lehren eine sehr gute Art zu überprüfen, ob man etwas verstanden hat oder nicht.

Werben für den Abistreich? Oder dagegen?

Ich sage es nicht gerne, aber die Abistreiche der letzten Jahre – eigentlich fast jeder, den ich an dieser Schule erlebt habe – waren lieblos und schlecht organisiert. Die Gastgeber haben sich jeweils mehr oder weniger amüsiert, der Rest nicht. Die meisten Jahrgänge lassen verlauten, dass es bei Ihnen ganz anders sein würde, aber irgendwie kommt es nie dazu. Es scheinen da eherne Gesetze zu gelten. Die Schüler einigen sich stets auf: Machen wir es diesmal doch noch so wie die letzten Jahre, weil im Prinzip ja richtig, aber anders als sonst machen wir es diesmal wirklich gut und sauber organisiert. Und zur Überraschung aller…

Ich überlege gerade, dieses Jahr rechtzeitig eine Reihe von Buttons zu machen. In drei verschiedenen Farben, jeweils mit einer Aufschrift, die signalisiert: “Abistreich: Mache ich eh nie mit”, “Abistreich: Selbstverständlich” und “Abistreich: Bitte mal besser.” Kartons davon würde ich ins Lehrerzimmer stellen, und jeder Lehrer, dem das nicht zu blöd ist, würde sich einen Button aussuchen und eine Zeit lang tragen. Als Aufforderung an die oder Bestätigung der Schüler.

Offene Fragen dabei:

1. Würden mehr als zehn Lehrer mitmachen?
2. Welche Formulierung sollten die Buttons haben – vor allem der zentrale mit dem Wunsch nach nicht dem Ewiggleichen?

Und vor allem:

3. Will ich eine Kommunikation über Buttons? Laufen dann Schüler herum mit dem Button “Hausaufgaben – nein danke”? Ist es unhöflich, mit Buttons zu kommunizieren, wo es doch andere Kanäle gibt? Gibt es die?

Die Schüler setzen mir ja auch ihre T‑Shirts vor die Nase. (Lehrer-T-Shirts haben sich noch nicht so durchgesetzt, gibt’s natürlich auch.)

Blogtipp: Romantische Schule

Wer die Romantische Schule noch nicht kennt, sollte sie sich anschauen. Ein Blog-Projekt eines Grundkurses Deutsch (12) mit vielen guten Ideen zur Romantik. Schön vor allem, dass die Schüler unter dem Pseudonym eines Dichters/einer Denkerin der deutschen Romantik bloggen. Im letzten Beitrag werden die von Schülern dazu verfassten Portraits angekündigt. Freue mich schon darauf.

Ich trinke das Zeug doch nicht, weil es mir schmeckt

Wir haben einen neuen Kafeeautomaten im Lehrerzimmer. Der macht Espresso, genau so wie der von George Clooney in der Fernsehwerbung. Und Milchkaffee. Und Cappuccino. Und so. Und alle stehen davor, an die Theke gelehnt, die wir im Lehrerzimmer haben und die tatsächlich zum Lehnen einlädt, und trinken Kaffee aus kleinen Tässchen.

Daneben gibt es immer noch die alte Kaffeemaschine, die den üblichen grauslichen Lehrerzimmerkaffee macht. Schwarz, bitter, trinkt man nicht aus Tässchen, trinkt man auch nicht mit Untertasse, sondern aus großen Tassen mit geraden Seiten. Eine Erleuchtung für mich, als ich spätestens im ersten Semester an der Uni das Wort “mug” dafür kennenlernte: Das war mein Kaffeegefäß. Damals war das Modell noch nicht so verbreitet, inzwischen ist es weithin bekannt.

Ich missgönne den italienisch sozialisierten Kollegen und Kolleginnen den Kaffee nicht. (Oder nur ein kleines bisschen. Die weltbürgerische Genießermentalität ist immens lobenswert, aber scheint mir aus ein oder zwei Gründen nicht ganz zu passen.) Nichts gegen lecker: am Wochenende kriege ich immer einen köstlichen Milchkaffee zum Frühstück, den ich sehr, sehr schätze.

Aber für den Arbeitskaffee ist meine Sozialisierungsgeschichte eine andere. Kaffee trinkt man schwarz, aus den oben erwähnten Tassen, als Privatdetektiv oder als Reporter. Und raucht dazu Zigaretten. Die schmecken schließlich auch nicht. Wir trinken bitteren Bürokaffee, der uns an die bittere Zeit des Referendariats und an den Auszug daraus erinnern soll.

(Gut, sagt Frau Rau, aber jetzt nimm doch mal als Lehrervorbild das Modell Oscar Wilde. Der würde auch Espresso oder café au lait trinken. Recht hat sie.)

Bei Lehrers zu Hause

Hier ein Video aus der Reihe “Puerto Nico erklärt…” Sehr schön produziert. Den dort – etwa ab 1′50″ – vorgestellten Lehrer kenne ich zwar nicht persönlich, aber er unterrichtet an der Nachbarschule. (Unsere Lehrerskinder gehen gerne dahin und wohl auch umgekehrt.) Da schaut man natürlich besonders interessiert.

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Gerüchteweise gibt es bei uns seit kurzem eine Film-AG, mal sehen, ob die was zu bieten haben werden. Den einen oder anderen Kollegen und dessen Wohnung könnte man schon vorzeigen.

(Gefunden beim Mittagesser.)

Zwei Arten von Anschaulichkeit

Unser Informatik-Buch (10) versucht, wie andere auch, Anschaulichkeit in Java dadurch zu erreichen, dass man mit grafischen Klassen wie RECHTECK und KREIS arbeitet. (Programmierumgebung: BlueJ.)
In Java sieht das so aus:

public class Rechteck {
   //Attribute
   private int laenge;
   private int breite;
   private int xPosition;
   private int yPosition;
   private String fuellfarbe;
   private boolean istSichtbar;
}

Das heißt in Java, dass ein Objekt der Klasse Rechteck die Attribute Länge, Breite, Höhe, Füllfarbe haben soll, ebenso auch eine x- und eine y‑Position, damit man es später in einem Koordinatensystem zeichnen kann. Als Werte sind meist nur ganze Zahlen erlaubt, nur die Farbe soll als Wort dastehen (also “blue”). Und außerdem gibt es noch ein Attribut istSichtbar, das nur die Werte wahr oder falsch annehmen kann.

Dazu kommt dann zum Beispiel noch eine Methode, mit der man die Breite des Rechtecks ändern kann:

public void breiteSetzen(int neueBreite){
   loeschen();
   breite = neueBreite;
   zeichnen();
}

Wenn man die Methode zeichnen() aufruft, dann geht ein Zeichenfenster auf, und darin ist dann das Objekt. (Im Beispiel sind es zwei Rechtecke.)

bluej

Nur: Das, was man sieht, sind eben mitnichten die Rechtecke. Das haben meine Schüler auch gemerkt, als sie selbst zusätzliche Methoden schreiben mussten. Sie haben darin die Attributwerte eines Rechteck-Objekts geändert (zum Beispiel Höhe und Breite vertauscht), und die Zeichnung ist dennoch die gleiche geblieben. Das liegt daran, dass man, wie im Beispiel oben, vor dem eigentlichen Methodeninhalt erst die alte Zeichnung löschen muss, und nach dem eigentlichen Methodeninhalt die Zeichnung wieder neu erstellen muss. Meine Schüler hat das verwirrt. Dass die Methode tatsächlich funktioniert, auch wenn man das Dingens nicht neu zeichnen lässt, sieht man an dieser praktischen Einrichtung von BlueJ, mit der man auf einen Blick den aktuellen Zustand, also alle aktuellen Attributwerte, eines Objekts ablesen kann.

bluej2

Inzwischen arbeite ich nicht mehr mit diesen grafischen Klassen, und werde das beim nächsten Mal noch weiter einschränken. Für mich ist das nicht anschaulich. Ich verstehe den Drang, die Objekte in irgendeiner Form “sehen” zu können, und sei es nur als gezeichnete Repräsentation. Aber meine Sichtweise ist anders. Das vorletzte Arbeitsblatt begann so:

In einem Computerspiel – vorerst leider ohne Joystick und Monitor – sollen Boxkämpfe simuliert werden.
Ein typischer Boxer soll einen Namen haben, ein Gewicht, und die zwei Werte Stärke und Geschwindigkeit. Außerdem soll er eine bestimmte Zahl von Lebenspunkten haben.
Bei jedem Boxer soll gespeichert werden, wie viele Siege er schon errungen hat, wieviel Niederlagen es gab und ob er Weltmeister ist oder nicht.
Lege dazu eine geeignete Klasse in BlueJ an.

Und danach kriegt die Klasse Boxer noch weitere Methoden, und wird später mit der Klasse Trainer zusammenarbeiten und solche Sachen. Zu sehen sein wird nichts, außer eine Nachricht in Form von Textausgabe: Max hat jetzt noch 2 Lebenspunkte. Denn echte grafische Programmierung ist zu schwer. Man kann die Zustandsänderungen von Boxern und Trainer nur über die Textausgabe erfahren, oder indem man sich die aktuelle Zustandskarte eines Objekts, also die aktuellen Attributwerte, so wie oben zeigen lässt:

bluej3

Ist das jetzt abstrakter oder konkreter, anschaulicher oder weniger anschaulich? Nun bin ich ja ein eher textgesteuerter Mensch, siehe auch meine anderen Fächer. Für mich reichen Wörter, um etwas anschaulich und vorstellbar zu machen, und das manchmal besser als tatsächlich Ansehbares. Um den Boxer entsteht eine ganze Welt von weiteren möglichen Attributen, Ideen für Methoden und von weiteren Klassen.

Die Aufgaben im Buch sind meist mathematischer Natur. Schon auch schöne Aufgaben. Aber anschaulich finde ich vor allem den Boxer und solche Klassen.

Als Einstieg in Java die Lösung der Aufgabe oben:

public class Boxer {
   // Attribute
   private int gewicht;
   private int staerke;
   private int geschwindigkeit;
   private int lebenspunkte;
   private boolean weltmeister;
   private int siege;
   private int niederlagen;
   private String name;
}

Fußnote 1: In der 6. und 7. Klasse klappt das mit den Grafiken gut, da will ich nicht darauf verzichten.
Fußnote 2: Für die Komposition/Aggregation muss ich vielleicht auf Auto- oder noch besser: Wagenrennen in der Antike zurückgreifen. Vier Pferde bilden ein Gespann, dazu ein Wagen und ein Lenker, machen einen Wettkampfteilnehmer. Ich werde berichten.

Patrick McGoohan

Gestorben, mit 80 Jahren, Schauspieler Patrick McGoohan. Ich kenne ihn aus vielen Filmen, aber er wird immer Nummer 6 aus der Fernsehserie The Prisoner bleiben. Hier kann man alle Episoden anschauen. Meine Lieblingsepisode, nichts für Einstieger: “A, B & C”. McGoohan konnte dieses wunderbare Zucken des einen Mundwinkels.

Nachtrag: Erinnerungen und Nachruf and ihn.

Ebenfalls gestorben mit 88, Ricardo Montalban. Kennengelernt habe ich ihn als Khan in Star Trek II, Der Zorn des Khan, der sich auf eine alte Enterprise-Episode bezieht. Inzwischen kenne ich ihn auch als Schauspieler der frühen 1950er Jahre, wo er mit Esther Williams im Schwimmbad plantscht. In Neptune’s Daughter (1949) singt er mit ihr das wunderbare Duett “Baby it’s cold outside”. (Eine andere Version mit umgekehrten Rollen im selben Film ist von Red Skelton und Betty Garrett. Mel Blanc, die Stimme von ugs Bunny und vielen anderen, ist auch dabei.) Komponist und Autor Frank Loesser bekam für das Lied einen Oscar. Es gibt auch eine Version von Heinz Erhardt und Renée Franke (1950).