Die letzten Schultage 2009/10

Und so ist auch dieses Schuljahr doch noch zu Ende gegangen. Der Juli ist immer anstregend, Kollegenkollisionen häufen sich, viel ist zu organisieren. Stichpunktartig:

Am Montag war ich mit meiner 6. Klasse in der schönsten Bibliothek, die ich kenne: die Aumühle (Stadtbibliothek Fürstenfeldbruck). Leider gibt es auf der Webseite keine Fotos, die zeigen, wie schön das Gebäude ist. Außen ein Turm, innen verwinkelte Räume und Dachbalken und Treppen unbd Ecken und Nischen. Statt einer langatmigen Führung hat die Bibliothek Arbeitsblätter mit Aufträgen vorbereitet, die die Schüler in kleinen Gruppen bearbeiten – und dabei den Onlinekatalog, das Web, bestimmte und unbestimmte Bücher benutzen müssen. Lief sehr gut. In Zukunft würde ich das gerne noch stärker einbauen: die 6. Klasse müssen ohnehin in Informatik eine Präsentation erstellen zu einem Thema, dass die Biologie vorgibt (don’t ask – hat was mit dem Mogelfach Naturundtechnik zu tun), und in Deutsch sollen sie in diesem Jahr auch Referieren und Recherchieren lernen.

Am Dienstag war Projekttag der SMV. Das sind von Schülern organisierte Projekte, denen jeweils zwei Lehrer zur Aufsicht zugeordnet sind. Die Qualität der Projekte hängt sehr von den durchführenden Schülern ab, manche Aktivitäten sind sehr gut vorbereitet, andere zumindest mit gutem Willen, sehr gelegentlich nicht einmal das. Während einer Schnitzeljagd habe ich mich sehr gut mit zwei Fünftklässlern unterhalten. Das begann damit, dass der eine das Gespräch ziemlich unvermittelt auf “Rotverschiebung” brachte, als es um seine Interessen ging. “So, so, Astronomie” sagte ich, und von an ging es um Stephen Hawking (statt dessen ich Richard P. Feynman zur zukünftigen Lektüre empfohlen hatte), dessen Tochter, die anscheinend Jugend-Sachbücher schreibt, um einen Vergleich zwischen den Star-Wars-Episoden 4–6 und 1–3. Selbst Blade Runner kannten sie. Nur beim Atommodell, zu dem die Achtklässlerinnen die beiden ausfragten, verwechselten sie noch manchmal Protonen, Elektronen und Neutronen. Der schönste Satz: “Schule ist toll. Schule ist so schön wie Ferien, nur dass man ein bisschen was arbeitet.” Ihnen war allerdings bewusst, dass bei Mitschülern Schule als etwas Lästiges zu gelten hat.

Am Mittwoch war Sommerfest der Schule, leicht verregnet. Bei der Tombola habe ich eine Tischdecke gewonnen, die ich nächstes Jahr einem Lehrerpult in einem Klassenzimmer spenden werde. Ansonsten Beisammensein, viel Musik. Als das erste Trommeln in der Aula ertönte, dachte ich schon an eine Samba-Gruppe, aber nein, es war eine echte Percussions-Gruppe, mit Kesselpauke, Trommeln, Glockenspiel, Blechen zum Draufhauen. Die Simpsons-Titelmelodie war beeindruckend.

Am Freitag war dann endlich der letzte Schultag. Der Klassleiter meiner 6. Klasse (ich bin dort Stellvertreter) teilte die Zeugnisse mit einem Händedruck aus, gängige Praxis bei ihm, die ich mir zu übernehmen vorstellen kann. Er erzählt den Schülern dabei die Anekdote, wie ihn als mittleren Teenager die ältere Schwester zur Seite genommen hatte: “Du, so ein lascher Händedruck geht gar nicht”, und mit ihm einen festeren Händedruck übte. Vielleicht muss man das den Leuten wirklich nur sagen.
Danach Konferenz und Verabschiedung der zu Verabschiedenden. Für die Referendare und ähnlich Scheidende muss ich Marzipanschweinchen oder Vergleichbares besorgen, vielleicht noch etwas personalisiert; jeder Referendar kriegt noch von den Fachbetreuern warme Worte und Präsente, und die Pensionisten erwarten und verdienen größere Reden und Geschenke. Ich bin – für einen Deutschlehrer – kein großartiger Redner oder Redenschreiber, gebe aber immer mein Möglichstes. Aber richtig froh bin ich erst, wenn das herum ist.

Und jetzt sind auch hier endlich Ferien.

Griechische Sagen mit dem Kamishibai

Die Videos sind Ende 2009 aufgenommen worden, also im ersten Drittel der 6. Klasse.

Daidalos und Ikaros:

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(S.M. und F.S., Klasse 6a)

Europa:

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(T.H., Klasse 6a)

Der Stier von Kreta:

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(R.N. und N.W., Klasse 6a)

Europa:

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(F.S. und J.W., Klasse 6a)

Nächstes Mal: erst in der zweiten Jahreshälfte machen, wenn ich die Schüler besser kenne. Dann: nicht alle Schüler das machen lassen, sondern nur zwei oder drei Gruppen. Es muss nicht jeder das gleiche machen, das wird ermüdend. Die einen Referate, die anderen Kamishibai, eine dritte Gruppe Hörspiele. Zuletzt und am schwierigsten: mündliches Erzählen habe ich so nicht geübt, das muss ich extra mal machen. Die Vorführungen sind gut vorbereitet, hören sich aber auch vorbereitet an. Mir wäre relativ spontanes Erzählen lieber.

Die Videos sind noch nicht auf der Schulhomepage, da ich dort kein Youtube einbinden kann. In den Sommerferien setze ich die Seite neu auf.

(Blogeintrag zum Kamishibai.)

B. B., Brendon Chase

Gelesen: Brendon Chase von B.B. (Denys Watkins-Pitchford). Erschienen 1944, spielt 1922, ein Jugendbuch.

Drei Brüder, so um die zwölf, dreizehn Jahre alt, deren Eltern schon seit einigen Jahren irgendwo im Empire stationiert sind und die deshalb von einer Tante aufgezogen werden beziehungsweise auf eine public school gehen – drei Brüder beschließen, stattdessen in die Wälder zu ziehen und dort als outlaws zu leben.

Dort verbringen sie auch acht Monate. Gelegentlich kaufen oder stehlen sie Salz oder Munition für ihr Kleinkalibergewehr, später lernen sie einen verschrobenen Köhler kennen, der ihnen hilft, aber vor allem am Anfang schlagen sie sich alleine durch, und das sehr erfolgreich. Sie ernähren sich hauptsächlich von Erjagtem, kleiden sich in Felle, weichen der sie suchenden Polizei aus. Sehr schön ist das Buch bei der Beschreibung idyllischer englischer Waldszenen im Sommer, Herbst und Winter. Ungewohnt ist das Buch, wenn fernab jeglicher naturschutzlicher Korrektheit (wenn auch keinesfalls ohne Respekt) Dachse, Igel und Rehe getötet werden oder Vogelnester geplündert werden. Unrealistisch ist da Buch, glaube ich, wenn die drei recht souverän ein getötetes Hausschwein zerlegen, pökeln und räuchern. Beim Lord of the Flies geht es realistischer zu, da kriegen die Kinder wenigstens alle Durchfall. Ein paar mehr Details hätte ich gut gefunden.

(Lieblingsbücher haben die drei auch ein paar, auch wenn nicht viel gelesen wird. Tom Sawyer, Huckleberry Finn und Thoreau, natürlich.)

Wie Philip Pullman am Anfang seines Vorwortes in meiner Ausgabe schreibt: “This is the sort of book that will never be written again.”

Guck mal, ohne Lehrer!

Gestern, Doppelstunde in der 6. Klasse: die letzten 5 Referate des Jahres hatten sich angesammelt. Durch den Abistreich hatte sich die Schulaufgabe verschoben, dazu kamen Fortbildung und Bundesjugendspiele. Aber mit der Klasse lässt sich immer noch sehr gut arbeiten, auch wenn es schon lange keine Noten mehr gibt und auch diese Referate nicht mehr benotet werden.

Referate sind in dieser Klasse gut eingeübt: Rednerpult, Buchvorstellung mit Inhaltsangaben und Heraussuchen typischer Motive, danach Fragen durch die Mitschüler. Deshalb konnte ich dieser Klasse das Angebot machen, die Referate ohne mich zu halten. Ob die Referenten dann weniger nervös seien? Seien sie, hieß es. Also ging ich während des ersten Referats zum Lehrerzimmer und zurück. Auf Rückfragen: lief gut, Tempus war in Ordnung (Präsens), Lautstärke und freie Rede auch, es gab auch etwas zu den Motiven und nicht nur reine Inhaltswiedergabe. Ob ich denn jetzt wieder rausgehen solle, und ob mir das nicht als Desinteresse ausgelegt werden würde? Ja, ich sollte, neinnein, das kriegten sie einfach auch ohne mich hin. Kurzer Check nach dem zweiten Referat, und die letzten drei Referate habe ich die Klasse dann ganz allein machen lassen.

Beim letzten saß ich immerhin mit einem Buch lesend vor der Tür.

Das war eine spontane Idee, weil ich das Gefühl hatte, dass das an diesem Tag und mit dieser Klasse klappen würde, und weil ich glaube, dass Klassen immer wieder mal etwas ohne den Lehrer machen sollten.

Das Periodensystem des Irrationalen Unsinns

Von Crispian Jago (dort auch Kommentarthread und aktualisierte Versionen), via scienceblogs.

Kann ich alles unterschreiben. Zugegeben, bei den Religionen bin ich großzügiger, die behaupten ja nicht, etwas anderes zu sein. Aber Quasi-Religionen wie Homöopathie lösen verwirrtes, verwundertes Kopfschütteln in mir aus. Ich meine, wie kann man denn nur? Die hanebüchene Theorie, die fehlendende experimentelle Bestätigung, das fehlende Interesse an so einer Bestätigung, der unwissenschaftliche Ansatz des ganzen. Da hilft doch das ganze Naturundtechnik in der Schule nicht. Dieses Periodensystem gehört an die Wand in den Chemieraum.

Den meisten Hokuspokus aus dem Periodensystem kenne ich tatsächlich. Ganzfeld war mir neu, und noch drei oder vier weitere. Zu Chakren unbedingt auch den Esowatch-Beitrag lesen.

Nachtrag: Hier eine deutsche Version dieses Periodensystems.

Sich verabschieden und nicht nur verabschiedet werden

Maik Riecken hat vor einiger Zeit über die Rituale geschrieben, die an seiner Schule das Schuljahresende prägen. Die gibt es bei uns auch. Ein wichtiges ist das Zusammensitzen ganz am Ende, in der Schule, draußen, wenn das Wetter schön ist; mit Pizza oder Schweinebraten und Nachtisch und solchen Sachen. Davor dann die Verabschiedung der Kollegen, die in den Ruhestand gehen, der Referendare, die zurück an die Stammschule gehen, der Umzieher und Erziehungsurlauber.

Dieses Jahr haben sich zwei langjährige scheidende Kollegen eine eigene Abschiedsfeier gegönnt, sich und uns. Der Musiklehrer trommelte alle Leute zusammen, die mit ihm mal Musik gemacht haben und machten; der Deutschlehrer las für uns ausgesuchte Stellen vor. (Und das viel besser, als ich das könnte. Warum können die Deutschlehrer dieser Generation so viel besser lesen als ich? Die Übung mit dn Kindern?)

Das Motto war: sich verabschieden und nicht nur verabschiedet werden. Eine rundum schöne Veranstaltung.

Hallo? Jemand zu Hause?

Die Lehrer in den bayerischen Gymnasien tippen schon fleißig an ihren Zeugnissen, da fällt dem Kultusministerium Mitte Juli ein, dass man die Schüler im Gymnasium noch mehr schonen muss. In den 10. Klassen wird der Notenausgleich wieder eingeführt:

§ 63a
Notenausgleich
1 Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe 10, die nach § 62 Abs. 1 Satz 2 vom Vorrücken ausgeschlossen sind, kann unter folgenden Voraussetzungen Notenausgleich gewährt werden:
1. Sie weisen nicht in einem weiteren Vorrückungsfach Note 5 oder 6 auf.
2. Sie haben Note 1 in einem oder Note 2 in zwei Vorrückungsfächern, wobei Kernfächer nur durch Kernfächer ausgeglichen werden können, oder haben in mindestens drei Kernfächern keine schlechtere Note als 3.
3. § 63 Abs. 1 Satz 2 Halbsatz 2 und Satz 3 gelten entsprechend.
2 Wird einer Schülerin oder einem Schüler Notenausgleich gewährt, so wird in das Jahreszeugnis eine entsprechende Bemerkung aufgenommen.

Und in der 9. Klasse darf man jetzt – wie bisher schon in den Jahrgangsstufen 5–8 – auf Probe vorrücken, egal wieviele 5er oder 6er man hat, wenn die Lehrerkonferenz der Meinung ist, dass das Sinn macht.

Ein bisschen früher hätte man das nicht sagen können, oder? Die letztere Regelung ist halbwegs sinnvoll, solange kein Druck auf das Lehrerkollegium ausgeübt wird. Die erste – not so much. Kann oder muss Notenausgleich gewährt werden?

Alles über: Wie lang ist ein Schuljahr?

38 Wochen.

(Von Hand ausgezählt und 52 minus Ferienwochen, es kommt das gleiche Ergebnis heraus.)

Unterricht findet natürlich nicht 38 Wochen pro Jahr statt. Im Juli muss man zwei Wochen ausklammern für die letzten beiden Wochen, den Höhepunkt der liminalen Phase, an denen zusammenhängender Unterricht nicht mehr stattfindet. Mindestens eine Woche pro Jahr gibt es, sagen wir mal, Schullandheim, Sportwoche, Berlinfahrt, Schüleraustausch, Besinnungstage, Chorfreizeit und dergleichen. (Einige meiner Zehntklässler brachten es auf vier volle Wochen solcher Veranstaltungen.) Stundenausfall durch zwei oder drei Feiertage, nötige Fortbildungen und Sitzungen: sagen wir mal, zwei Wochen pro Klasse, also um die 68 Stunden. (3 Feiertage, 3 Krankheitstage, 2 Tage Fortbildung, 2 volle Tage Ausfall von Nachmittagsunterricht durch Sitzungen und Abistreich.)

Bleiben 33 Wochen pro Jahr für Unterricht und Prüfungen, vielleicht auch nur 32. Das sollte theoretisch auch reichen: Laut eigenen Angaben decken die bayerischen Lehrpläne 28 Wochen des Jahres ab, die übrige Zeit ist für Prüfungen des Gelernten vorgesehen und bewusst Spielraum für den Lehrer, um bestimmte Punkte zu vertiefen oder zu ergänzen. Zugegeben, in manchen Fächern und Jahrgangsstufen wird trotzdem geklagt, dass der Lehrplan nicht durchzubringen sei. Durchzubringen ist kaum einer unserer Lehrpläne so, dass das Durchgebrachte langfristig verfügbar ist.

Für manche Lehrer ist das Unterrichtsjahr schon vorher zu Ende, nämlich zum Notenschluss, der je nach Schule zwei bis vier Wochen vor Schuljahresende liegen kann. Klar macht man da nichts Anstrengendes mehr: es ist heiß, man freut sich auf die Ferien. Aber da kann man doch mal etwas Schönes machen, und ich hatte noch nie Klassen, mit denen man am Schluss des Jahres schlechter arbeiten könnte als mittendrin. Manche Kollegen schauen mich allerdings großäugig an, wenn ich noch Projekte oder gar Referate habe. (Die Geisteshaltung hinter den großen Augen: wenn Referate eh nur zum Notenverbessern da sind, was braucht man die dann noch nach Notenschluss?) Dass der Notenschluss manchmal recht früh kommt, stört mich wenig; immerhin ist der spätestens zum Halbjahr bekannt. Allerdings vergesse ich immer wieder, dass die Zeit danach durch Sportwochen und andere Klein- und Großprojekte so zerstückelt wird, dass zusammenhängender Unterricht schwer wird. Vielleicht sollte ich mir merken: Unterricht bis Ende Juni, danach nur noch Wiederholung, keine Projekte.

Abschlussball Tanzkurs 2010

Letzten Freitag: Abschlussball der 8. Klassen. Macht mir immer wieder Spaß. Ich erkenne die Mädchen und Jungs kaum wieder, ich erfreue mich ungemein und neidvoll daran, wie viel Spaß deren Eltern beim Tanzen haben. Und auch die Schüler waren viel auf der Tanzfläche.

Ich habe dieses Jahr keine 8. oder 9. Klasse (die gerne mal als Ersatzleute einspringen), deshalb habe ich wenig mitgekriegt. Ich bin der, der mit Listen herumgeht, so dass halbwegs gleich viele Jungen und Mädchen dabei sind und dass es einen Termin gibt, an dem jede Klasse Zeit hat. Das hat diesmal nicht ganz so gut geklappt. Das ganze ist keine schulische Veranstaltung, sondern eine Zusammenarbeit mit der örtlichen Tanzschule. Es machen immer so zwei Drittel der Schüler mit, bis in die Lehrerschaft ist das noch nicht vorgedrungen. Immerhin, diesmal waren wir Lehrer schon zu viert – neue Kollegin und Referendarin dabei.