Heute an der Uni

Es geht gerade alles etwas durcheinander. Geistige und dienstliche Abwesenheit, Termine an der Schule und außerhalb. Wird aber wieder.

Denn schön: heute war ich an der LMU München. Wenn nichts mehr dazwischen kommt, bin ich nämlich ab dem kommenden Schuljahr zu 1/3 meiner Arbeitszeit dorthin teilabgeordnet. Darauf hatte ich mich vor Weihnachten beworben, so richtig mit Lebenslauf und Anschreiben, wie man das als Lehrer nicht kennt. (Wir erinnern uns: es war Zeit, etwas anderes zu machen.) Bereich: Informatik, “zur Stärkung des Praxisbezugs der Informatiklehrerausbildung”. Über meinen genauen Aufgaben schreibe ich, wenn es soweit ist – und wenn ich ein Gespür dafür entwickelt habe, was ich wann im Blog erzählen kann.

Heute war ich schon bei einem ersten Treffen. Auch wenn ich nämlich in diesem Halbjahr nicht weg von der Schule kann, werde ich trotzdem schon mithelfen, soweit ich kann. Bin schon sehr aufgeregt. Kann ich das alles? (Fachlich schon. Jetzt noch nicht, aber das kommt sicher.) Bin ich teamfähig? (In der Schule geht es ja auch ohne. Teamfähig heißt auch: traue ich mich, Vorschläge zu machen, oder bin ich zu zögerlich-zweifelnd?)

– Karrieremäßig bringt das alles übrigens kaum etwas. (Aber es macht bestimmt viel Spaß.) Ich denke, meine zweite Fachbetreuung wird in Zukunft auch nicht mehr viel wert sein. Irgendeinen Leistungsanreiz muss es geben, sonst glaube ich nicht, dass das System funktioniert. Ich tippe auf leistungs-/beurteilungsbezogene Boni, verteilt von der Schulleitung und der mittleren Führungsebene – dafür weniger A15-Stellen und damit weniger Pensionsansprüche in Zukunft. Nu. Man wird sehen. [Nachtrag: Nichts dergleichen, keinerlei Änderungen in irgendeine Form.]

Deutschaufsatz am Nachmittag (“Schulaufgabe”)

“Ich dachte ja erst mal, dass es ätzend wird, aber im Grunde war es dann entspannt. Also, bei einer Deutschschulaufgabe.”

“Ich fand, das einzigste Problem war, dass man das Fenster nicht aufmachen konnte wegen der ganzen Nachmittagsbetreuung.”

“Wegen der Pause davor war es wie in der 1. oder 3. Stunde, aber ab der 4. Stunde wird es anstrengend, da ist nachmittag fast besser.”

“Nur wenn Deutsch, und nur wenn es nicht anders geht. So gut fand ich das nicht.”

Sherlock Holmes als Freund der Kunstblumenerzeugung

Zu Lebzeiten von Arthur Conan Doyle wurde Sherlock Holmes schon für eine reale Person gehalten. Bald nach Doyles Tod fing dann noch die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Kanon an – wissenschaftlich jedenfalls im weitesten Sinn. Einige Regeln gehören dazu:

  • Der Meister (Sherlock Holmes) hat natürlich wirklich gelebt.
  • Der Doktor (Watson) ist der Autor fast aller Holmes-Geschichten. Zwei – nicht sehr gute – stammen aus der Hand des Meisters selbst.
  • Der Agent (Arthur Conan Doyle) übernahm den Kontakt zu Zeitschriften und Verlagen. Er war selbst ebenfalls Autor, hat mit den Holmes-Geschichten aber nichts zu tun.

Wenn man das beachtet, kann man Aufsätze schreiben und veröffentlichen, zum Beispiel im renommierten Baker Street Journal der Baker Street Irregulars. Sherlock Holmes by Gas-Light enthält eine Auswahl von Aufsätzen aus den ersten vier Jahrzehnten des BSJ. Häufig geht es darum, unklare Stellen oder Widersprüche zu erklären. (Profane Leser würden “Fehler” dazu sagen.) Zwei klassische solcher Fragen sind: wo hatte Watson seine Kriegswunde – in der Schulter oder im Bein? Und: wie oft war Watson verheiratet? Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die – oft nur scheinbaren – Widersprüche in den Sacred Writings zu klären. Am unelegantesten ist es, sie auf das schlechte Gedächtnis oder die unleserliche Handschrift Watsons (er war immerhin Arzt) zu schieben. Eleganter sind ausgefeiltere Theorien: je abstruser, desto interessanter – wenn sie an den Writings belegt werden können. Aber dazu schreibe ich mal einen eigenen Beitrag. Nur kurz als Beispiel, wie so etwas aussieht: “As I Was Going to St. Ives (Or, The Merry Wives of Watson): A Recapitulation of Research on the Marriage(s) of Dr. Watson Presented to The Cremona Fiddlers on September 7, 1997,”

Andere Ansätze befassen sich damit, mehr über die Figuren herauszufinden. So gibt es in Sherlock Holmes by Gas-Lamp Aufsätze zu:

  • Sherlock Holmes’ Religiösität,
  • Sherlock Holmes als Tabakkonsument,
  • als Autor,
  • als Koch und Feinschmecker,
  • als Athlet;
  • der Bibliothek des Sherlock Holmes,
  • der rechtlichen Einordnung seines Vorgehens,
  • seinem Verhältnis zu Frauen,
  • seiner Wohnungseinrichtung.

Mir ist selbst ja schon mal die Idee für einen Aufsatz gekommen: “War Sherlock Holmes Zen-Buddhist?” Das ganze hätte ich natürlich noch ausführen müssen, wäre aber nicht schwer zu machen gewesen. Aber natürlich bin ich nicht der einzige, der auf diese naheliegende Idee gekommen ist (“Zen in the Art of Sherlock Holmes”).

– Kein Vergleich ist das allerdings zu Goethen. Robert Gernhardt gibt in “Goethe und die Folgen” einen ausführlichen Einblick in die Welt der Aufsätze über Goethe. Einige Höhepunkte:

  • “Goethe und die Schwämme”,
  • “Goethe und der Impfzwang”,
  • “Goethe als Benutzer von italienischen Reisebüchern”,
  • “Konnte Goethe schwimmen?”
  • und natürlich “Goethe als Freund der Kunstblumenerzeugung” (B. Schier, in: Hessische Blätter für Volkskunde 42 (1951), S. 63–70).

Man sieht es vielleicht am Goethe: die Holmes-Forschung ist unter anderem eine Parodie auf Literaturwissenschaft. Und dabei vorzügliche Intrepretation. Ich wünschte mir, ich könnte das mal für die Schule nutzen. “Finden Sie mindestens sechs logische Fehler in der Geschichte und erklären Sie sie weg. Ihre Erklärung muss möglichst genau am Text belegt werden.” Klar ist bei diesem Spiel, dass die Autorenintention überhaupt nichts zählt. Aber ich fürchte, die Parodie auf wissenschaftliches Arbeiten kann man erst genießen, wenn man ein Gespür für die Vorlage hat.

Gregor aß nun fast gar nichts mehr: Automatisches Zusammenfassen

Warum sagt man mir das erst jetzt? Word, also das von Microsoft, hat eine tolle Funktion: AutoZusammenfassen. Bei meinem alten Word 2000 ist das im Menü “Extras”, bei den aktuellen Versionen gibt es das auch, man muss aber danach suchen – über “alle Funktionen” am besten, und dann irgendwo in die Toolbar legen. Diese Funktion kürzt gegebene Texte auf eine bestimmte Menge von Sätzen, oder auf einen prozentualen Anteil, oder auf “unter 100 Wörter”. Dabei werden alle Sätze ausgewertet und nur bestimmte Sätze bleiben übrig. Das heißt, die Sätze selber werden nicht verändert, es sind nur weniger davon. Nach welchen Kriterien ausgewählt wird? Häufigkeit der vorkommenden Wörter, denke ich.

Hier ist “Die Verwandlung” von Kafka in unter 100 Wörtern:

“Himmlischer Vater!”, dachte er. “Gregor”, rief es—es war die Mutter—, “es ist dreiviertel sieben. Aus dem Nebenzimmer rechts flüsterte die Schwester, um Gregor zu verständigen: “Gregor, der Prokurist ist da.” “Nein”, sagte Gregor. “Mutter?” rief die Schwester von der anderen Seite. Gregor ist krank. Gregor war aber viel ruhiger geworden. “Mutter, Mutter”, sagte Gregor leise, und sah zu ihr hinauf. “Du, Gregor!” rief die Schwester mit erhobener Faust und eindringlichen Blicken. Gregor ist ausgebrochen.” Gregor zog den Kopf von der Tür zurück und hob ihn gegen den Vater. Gregor aß nun fast gar nichts mehr.

Ist das toll oder was? Die Anführungszeichen sind allerdings ein Problem, die müsste man händisch anpassen.
Kann man für den Deutschunterricht bei der Inhaltsangabe brauchen, um zu zeigen, dass der Computer das eben nicht so kann, wie wir das brauchen. Oder als Rätselspiel, oder zur Erzeugung von aleatorischen Texten, bizarrer Zufallspoesie, so wie der Kafka-Kurzfassung oben. – Eine davon unabhängige sinnvolle Anwendung für dieses automatische Zusammenfassen kann ich mir allerdings nicht vorstellen.

Die 5000 Finger des Dr. T

Gestern antworte ich bei Twitter auf die Frage nach kuriosen Filmen unter meinen DVDs mit zwei Vorschlägen, darunter The 5,000 Fingers of Dr. T von 1953. Und heute höre ich auf NPR einen Beitrag dazu: ‘5000 Fingers’ Sings Again: A Seuss Rarity Revisited. Der Aufhänger: endlich kommt der vollständige Soundtrack auf CD heraus, auch mit Material, das es nicht in den Film geschafft hat.

Der Film ist ein Werk von Dr. Seuss, Autor vieler in den USA berühmter Kinderbücher, die man hier weniger kennt. Allenfalls “How the Grinch Stole Christmas” ist durch die Neuverfilmung mit Jim Carrey etwas bekannt. Die Musik zum Musical stammt von Friedrich Hollaender/Frederick Hollander (“Das Nachtgespenst”, “Guck doch nicht immer nach dem Tangogeiger hin”, “Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt”, “Ich lass’ mir meinen Körper schwarz bepinseln” – Sie kennen? Und viele Filmmusiken).

Das lief mal zu Studientagen auf Arte. Handlung: Ein Junge muss Unterricht beim strengen Klavierlehrer Terwilliker nehmen, dabei würde er lieber seine allein lebende Mutter mit dem Klempner Zabladowski verkuppeln. In einer Traumsequenz, ähnlich wie beim Zauberer von Oz oder später bei Tschitti Tschitti Bäng Bäng, mutiert Terwilliker zum Besitzer eines Riesenklaviers mit Tausenden von Tasten; er hat hypnotisiert Mütter, so dass sie ihm ihre Kinder zur Verfügung stellen, und nur der Junge kann mit Hilfe des Klempners – der in Terwillikers Palast sanitäre Anlagen installiert – den bösen Bann brechen.

Soweit nichts Neues, aber einige der Lieder sind sehr schön, und die Optik ist expressionistisch-seusshaft-bizarr. Die Details sind es auch.

Zu meinen Lieblingsszenen gehören das Hypnoseduell:

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Das Ankleidelied (mal im Hintergrund einer Modenschau gehört):

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Hans Conried, der Terwilliker spielt und singt, kenne ich schon aus Radiosendungen der 40er Jahre – Professor Kopokin in My Friend Irma, ein Psychiater bei George Burns & Gracie Allen. Und eben habe ich gelesen, er war auch die Stimme von Captain Hook bei Disneys Peter Pan.

Personalratswahlen

Dieses Jahr gibt es wieder Wahlen für den Personalrat – den Bezirkspersonalrat, vor allem aber den örtlichen Personalrat an den Schulen. Bei unserer Größe können wir fünf Personalräte wählen. Gewählt wird für fünf Jahre. Als Entlastung gibt es ab 100 Beschäftigten (nicht: Lehrern) drei Anrechnungsstunden, die die gewählten Personalräte unter sich verteilen können.

Das ganze ist sehr amtlich. Ich kriege gerade wöchentlich Unterlagen über die Durchführung der Wahlen – wer kann gewählt werden, wer ist stimmberechtigt, wer muss wann mit welchem Formblatt worüber benachrichtigt werden. Glücklicherweise brauche ich die nur an den Wahlvorstand weiterzugeben, der die Wahlen an der Schule durchführt. Heute erst habe ich Reklame bekommen für eine Loseblattsammlung samt Ordner für knapp 90 Euro, einschließlich kostenfreien Zugang zu einem Expertenforum.

Die Termine, etwas vereinfacht: Bis Mitte März 2011 müssen sich Kandidaten beim Wahlvorstand gemeldet haben, Mitte Mai 2011 werden die Wahlen durchgeführt.

Ich hätte gerne volle fünf Personalräte. Am besten junge und alte, aus allen Fächern, also nicht nur Deutschlehrer. Konziliante und polarisierende, überlegte und forsche. Frauen und Männer, Vollzeitlehrer und Nebenerwerbspädagogen, Faule und Fleißige. (Als Einzelner hätte ich selber zum Beispiel ja Schwierigkeiten, die Interessen aller dieser Gruppen gleichermaßen zu vertreten.) Am liebsten hätte ich so viele Kandidaten, dass sich die Wahlberechtigten genau die heraussuchen können, die sie wollen. Und die kriegen sie dann.

Ich habe jedenfalls schon mal meinen Hut in den Ring geworfen und ein Plakatchen im Lehrerzimmer aufgehängt:

Drumherum weitere Plakate:

Inzwischen werden schon rege Kandidaten diskutiert.

Warum kandidieren für den Personalrat? Man kriegt Einblicke in Abläufe und kann deshalb beraten. Man kann auch nicht viel mehr tun als jeder andere Lehrer, aber man ist und fühlt sich verpflichtet, das auch zu tun.

Warum nicht kandidieren? Manche halten sich für nicht geeignet, anderen ist das zu unwichtig, weitere sind überzeugt, bereits genug zu tun zu haben.

Conan, Thor und Google Ngrams

Conan, das Musical:

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Neuverfilmung kommt dieses Jahr.

Thor:

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Sieht schlimm aus. Die Superhelden-Comic-Serie Thor halte ich selbst unter den besten Bedingungen für schwer verfilmbar: ein germanischer Gott mit langen blonden Haaren, buntem Cape und fliegendem Hammer kommt auf die Erde. Nicht leicht. Aber mutig: nach den Verfilmungen von Hulk, Iron Man und Captain America (Mitte 2011) werden diese einzelnen Helden nämlich zu einem gemeinsamen Film The Avengers zusammentreten, ganz nach Vorbild der Hefte aus den frühen 1960ern.
Aber eine funktionierende Thor-Verfilmung sieht anders aus. Die germanische Götterwelt darf nicht futuristisch und schon gar nicht klinisch-kalt wirken. Und beides tut sie im Trailer. Wo ist der gebratene Keiler mit dem Messer im Rücken, aus denen man sich ein Stück herausschneiden kann? (Gut, das ist Walhalla, nicht Asgard.) Wo sind die Bierkrüge, die zotigen Lieder? Rauch und offenes Feuer, prächtige Gelage? Stattdessen herrscht auf Asgard eine Stimmung wie auf dem Todesstern. Nenene, als Fantasy-Film wäre das machbar gewesen, aber als Superhelden-Science-Fiction nicht.

– In meiner 9. Klasse mussten die Schüler in der Schulbibliothek Bilder suchen, also Metaphern und dergleichen, und bibliographische Angaben sowie die Signatur des Buches herausschreiben und das Bild dann in der Klasse vorstellen und analysieren. Unter anderem tauchte dort der Backfisch auf, den einige Schüler gar nicht kannten und die anderen nur als gebackenen Fisch. Die Vorstufe “Backfisch” zur späteren “jungen Dame” kannte gar keiner mehr. Und ich war mir auch nicht so sicher, ob sie mir das glaubten. Aber wenn die Schüler schon kein Vertrauen in mich haben, dem Internet glauben sie ja alles. Also zeigte ich ihnen den Google Ngram Viewer, ein tolles neues Spielzeug von Google.

Google hat ja viele Bücher eingescannt, die sie zum Teil auch noch lange nicht veröffentlichen dürfen. Aber Tante Google hat daraus schon mal einen Korpus zusammengestellt, eine Datenbank, in der steht, welches Wort in welchem Jahr in einem dieser Bücher veröffentlicht wurde. Und damit kann man zum Beispiel das Suchwort “Backfisch” eingeben und als Sprache Deutsch auswählen:

Man sieht, der Backfisch hatte seinen großen Aufstieg von 1900–1920, erholte sich kurz in der unmittelbaren Nachkriegszeit, und ist heute weniger populär.

Daraufhin wollte ein Schüler “knorke” analysiert haben. Ich glaube, das hatte ich mal als Beispiel für vergangene Jugendsprache gebracht. Also gut:

Man sieht deutlich, dass das Wort erst 1920 auftaucht.

Dann sollte ich “Nerd” eingeben, immer noch im Korpus deutscher Veröffentlichungen:

Soweit nichts Überraschendes. Das Wort dümpelt vor sich hin und wird ab Ende der 1980er Jahre kontinuierlich immer häufiger. Yay! Allerdings habe ich mir dann auch mal die Häufigkeit des Wortes von 1800–2000 angeschaut, und siehe da: im 19. Jahrhundert hatte das Wort eine Blütezeit!

Wo kommt das denn her? Das Grimmsche Wörterbüch enthält den Begriff gar nicht (Onlinefassung). Auch für englische und amerikanische Bücher gibt es viele Belege für das 19. Jahrhundert; das (Shorter) Oxford English Dictionary im Regal kennt allerdings keine Nerds. Wikipedia nennt als Erstbeleg ein Buch von Dr. Seuss – bekannt für seine Wortschöpfungen – von 1950. Ziemlich sicher sind die Belege aus dem 19. Jahrhundert also etwas anderes. Ein häufiger Scanfehler? Eine heute unbekannte Abkürzung?

Moodle-Fortbildung heute und die Hype-Kurve

Heute habe ich zum zweiten Mal eine Gruppe von Deutsch-Fachbetreuern im Umgang mit Moodle fortgebildet. Es ging sehr gut, deutlich beser als beim ersten Mal. Das lag zum einen daran, dass ich jetzt besser wusste, welche Probleme und Schwierigkeiten die Teilnehmer haben würden. Und zum anderen daran, dass unser eigener Computerraum für Gäste einige Schwierigkeiten mehr bietet als der an der Schule, an der ich heute war.

Vielleicht weckt man ja durch die Möglichkeit, sich mittels Moodle mit anderen Fachbetreuern auszutauschen, das Bedürfnis, das auch zu tun. Irgendwie und irgendwann mal. Ich kann jedenfalls mal dazu beitragen, dass möglichst viele Fachbetreuer in einem gemeinsamen Kurs landen.

Meine Moodle-Einführung beginnt mit einer Vorstellung der Hype-Kurve von Jackie Fenn. Das ist eigentlich ein alter Hut, aber wo man ihn noch nicht kennt…


Originalgrafik von Idotter, CC-BY, siehe Quelle

Diese Kurve zeigt, wie nach Einführung einer technischen Neuerung die interessierte Öffentlichkeit reagiert: die Aufmerksamkeit steigt rasch an bis zu einem Höhepunkt der überzogenen Erwartungen an. Dann stellt man plötzlich fest, dass die neue Errungenschaft diese Erwartungen nicht erfüllen kann, und es wird sehr still darum. Das Tal der Enttäuschung ist erreicht. Irgendwann normalisieren sich die Erwartungen dann wieder und die Aufmerksamkeit befindet sich auf dem Niveau, das der Sache gebührt.

Ich habe hier mal eingetragen, wo sich zu diesem Zeitpunkt einige ausgewählte Errungenschaften befinden:

Wo man was auf der Kurve einzeichnet, hängt natürlich davon ab, welche Zielgruppe man meint. Unter Lehrern ist ein 3D-Drucker noch etwas ziemlich Neues, in anderen Kreise schon längst nicht mehr. Ein Tipp: wenn man etwa nach gartner hype 2011 bildergoogelt, findet man aktuelle Darstellungen der Kurve, auf denen gezeigt wird, wo sich welche Technik zur Zeit wirklich befindet.

(Stolz bin ich übrigens auf das kleine Schweinderl links unten. In der Präsentation bewegt sich das nach dem Mausklick nämlich entlang der Kurve, um zu demonstrieren, dass jede neue Sau die gleiche Runde durchs Dorf machen muss.)

Diese Hypekurve habe ich einfach frech auf Bildungskonzepte übertragen. Ist empirisch überhaupt nicht überprüft, aber nicht unwahrscheinlich. Ich habe mal folgende Punkte eingezeichnet:

Vor allem um die Kompetenzorientierung wird gerade so viel Gedöns gemacht, dass ich es kaum erwarten, bis die endlich die Kurve hinuntergerutscht ist. An welcher Stelle in der Kurve sich Moodle gerade befindet, lasse ich offen.

- Ich glaube ja, dass es gar nicht schadet, wenn man Lehrern nicht jede neue Idee (die ja oft genug auch nur aus der Politik kommt) als das Nonplusultra verkauft, sondern auch mal etwas bescheiden ist. Ich habe auch schon an etwas offizielleren Broschüren mitgearbeitet, und da war leider nur Jubeln angesagt – in der Hoffnung, dass man damit die Herzen der Lehrer gewinnt. Nu.

Fußnote: Eine abgespeckte Fassung der Präsentation oben (mit Kurve und Schweinchen) gibt es inzwischen auch unter CC-BY-SA-Lizenz zum Herunterladen.

Objekte und ihre Zustände

In der 10. Klasse sollten Schüler Objekte und Zustandsübergänge illustrieren. Herausgekommen sind zwei kurze Filme zum Thema, die ich aber nicht zeigen darf. Aber ein paar Bilder darf ich – verkleinert – einstellen, die ich aus dem Film genommen und in eine Präsentation eingebaut habe.

Hier ist Objekt1 in zwei verschiedenen Zuständen, hier einfach “Vorher” und “Nachher” genannt:

Und das gleiche noch einmal mit Objekt3:

(Das Informatische daran: Objekte haben Attribute. Alle Objekte, die zur selben Klasse gehören, haben die gleichen Attribute. So könnte es bei einem Computerspiel die Klasse MENSCH geben, und die ist zum Beispiel so definiert, dass jeder Mensch ein Alter, eine Blutgruppe, eine T‑Shirt-Farbe und eine Größe hat und außerdem Brillenträger ist oder nicht. Alle Objekte, die zur Klasse MENSCH gehören, haben deshalb diese Attribute – mit entsprechenden Attributwerten. Allerdings können sich die Attributwerte auch ändern. Damit ändert sich der Zustand des Objekts, also die Menge all seiner Attributwerte zu einem bestimmten Zeitpunkt. Ändert sich mindestens ein Attributwert, befindet sich das Objekt in einem neuen Zustand.)

Die Videofilme sind schön geworden. Aber so richtig leicht ist Informatik in der 10. Klasse leider nicht, Programmiersprachen sind so etwas völlig Fremdes heutzutage. Das mit den Zuständen dürfte jetzt aber einigermaßen sitzen.