Letzte Woche

Gerade viel zu tun, deshalb keine Zeit zu bloggen. Gemischte Fundstücke:

– Kleines Mädchen in der S‑Bahn neulich, um die acht Jahre, hantierend mit rosafarbenem Plastikcomputerdingsbums. Das Dingsbums verlangt blechern: “Sag dein Passwort.” Das Mädchen laut: “Seestern.” Das Dingsbums: “Dein Passwort ist falsch.” Nochmal. Dingsbums: “Sag dein Passwort.” Mädchen: “Seestern.” Dingsbums: “Dein Passwort ist falsch.” Und so ein paar Mal, bis sich das Rosading endlich zu einem “Okay” herabließ.

– Letzte Woche war Elternabend und Kartoffelessen. Das ist Tradition an unserer Schule: der Elternbeirat organisiert ein einfaches gemeinsames Essen mit den Lehrern, ursprünglich Kartoffeln mit Quarken, inzwischen etwas elaborierter und sehr lecker. (Bei uns in der Mensa.) Getränke zahlen die Lehrer selber. Die Mitglieder des Elternbeirats und die neuen Lehrer stellen sich einander vor. Traditionell graut einem davor – eine Tradition, die wohl die Mathelehrer früher angefangen haben. Ein Deutschlehrer stellt sich jederzeit irgendwohin und redet. (Am Elternabend davor war bei mir so gut wie nichts los.)

– Gegen Ende der Woche dann die Ergebnisse des kollegialen Kettenbastelns im Lehrerzimmer.

– Letzte Woche wurde der deutsche Lernatlas vorgestellt, das Ergebnis einer Untersuchung, in welchen Städte und Kreisen die besten Lernvoraussetzungen gegeben sind. (Gemeint: schulisches, berufliches, soziales, persönliches Lernen.) Urheber der Studie: Bertelsmann Stiftung, die Studie selber natürlich umstritten, ob zu Recht, kann ich nicht beurteilen. Bei SpOn sieht man eine Karte im Überblick – man sieht ein deutliches Nord-Süd-Gefälle. Mein Landkreis schneidet gut ab, nicht dass ich etwas dafür könnte.

– Studie zur Mediennutzung bei Jugendlichen: etwa hier beim Lehrerfreund. Nicht viel Neues, nur den Zahlen glaube ich nicht ganz. 65% der Jugendlichen zwischen 16–17 benutzen “täglich/mehrmals pro Woche” E‑Mail. Tatsächlich? Hm. Vielleicht. Aber zwischen täglich und einmal pro Woche ist mir ein zu großer Unterschied.

– Via Anke Groener: “Locals and Tourists”. Das geht so: Wenn man ein Bild schießt, werden – je nach Einstellung und Gerät – in der Bilddatei nicht nur der Zeitpunkt des Fotos, sondern auch der Ort gespeichert. (Gerade Handys haben ja GPS und solche Sachen.) Die Daten solcher Bilder, wenn sie öffentlich zugänglich gemacht werden, kann man sammeln und auswerten, und zum Beispiel für eine Stadt markieren, an welchen Orten besonders viele Fotos gemacht werden – das ist dann der Geotaggers World Atlas. Und die kann man auch interpretieren – Bilder desselben Urhebers zu deutlich verschiedenen Zeitpunkten gehören wohl zu einem Einheimischen, ansonsten zu Touristen. Wo fotografieren, die einen, wo die anderen? Das zeigt eben Local and Tourists, hier München.

Wie viel wissenschaftliche Arbeit muss ich lesen?

Der Lehrerfreund weist auf eine Studie hin, laut der 70% der Zitate von studentischen Hausarbeiten aus den ersten zwei Seiten einer Quelle stammen, egal wie umfangreich diese Quelle ist. Man könnte jetzt böse darauf schließen, dass diese Studenten nur den Anfang der Arbeiten anschauen, bis sie ein Zitat gefunden und dann das Gefühl haben, der bibliographischen Checkliste genüge getan zu haben – mit oder ohne Bewusstsein dafür, oberflächlich gearbeitet zu haben..

Alternative Erklärungen oder Ergänzungen, die man untersuchen könnte:

  • die wichtigen Sachen und knackigen Formulierungen stehen tendenziell auf den ersten beiden Seiten von Arbeiten
  • das ist wahr, aber keine neue Entwicklung, sondern war schon immer so (oder ist gar eine Verbesserung)
  • das ist wahr, gilt aber für den akademischen Betrieb allgemein und nicht nur für Studenten

Aber als Forschungsaufgabe gefällt mir das gut. Überschaubar, klar definiert, potentiell aussagekräftig, mit klarer Trennung zwischen Ergebnissen und deren Interpretationen.

Wenigstens kann das nicht mehr passieren, wenn wir uns vom Leitmedium Buch emanzipiert und zum Leitmedium WWW gewechselt haben: da kann dann keiner mehr jemandem vorrechnen, nur die ersten Seiten zu zitieren.

(Links zur Studie und mehr dazu beim Lehrerfreund.)

Information und Kommunikation an der Schule

An Schulen kann es es manchmal zu einer Informationsüberflutung kommen, die, wie wir seit Yes, Minister wissen, auch eine Variation der Informationsunterdrückung sein kann. Deshalb hier ein Überblick darüber, wer an der Schule von wem etwas will.

Wer kommuniziert mit wem an der Schule?

  • Lehrer mit Lehrern (z.B. über Schüler, über Veranstaltungen; über Eingriffswünsche in Unterricht des anderen – Stundentausch, Schulaufgabe)
  • Lehrer an Schulleitung
  • Schulleitung an Lehrer
  • Sekretariat an Lehrer (z.B. Reisekostennachfrage)
  • Lehrer an Sekretariat (z.B. Adressänderung)
  • Eltern an Lehrer (Probleme, Krankheit, Beschwerden, Nachfragen)
  • Lehrer an Eltern (z.B. über Schülerleistungen und ‑verhalten; über Veranstaltungen)
  • Schulleitung an Eltern
  • Eltern an Schulleitung
  • Schüler an Lehrer
  • Lehrer an Schüler
  • Schüler an Schüler (z.B. Nachrichten der SMV-Vertreter)
  • Stundenplaner an Lehrer (z.B. Änderungen am Plan, auch kurzfristige)
  • Lehrer an Stundenplaner (z.B. Krankheit, Verspätung, Raumbuchungswünsche)
  • Außerschulische Institutionen an Lehrer (d.h. Reklame)

Ich lasse mal das Kultusministerium als Partner weg; das kommuniziert mit dem Lehrer nur über Schulleitung oder die Tageszeitung. Für die Kommunikation mit der Schulleitung wird übrigens das Microsofprodukt OWA verwendet.

Für die anderen Partner gibt es verschiedene Kommunikationswege, darunter folgende:

  1. E‑Mail, dienstlich
  2. E‑Mail, privat
  3. Telefon (privat)
  4. Fach im Lehrerzimmer
  5. persönliches Gespräch
  6. Aushang im Lehrerzimmer
  7. Auslage im Lehrerzimmer
  8. Wöchentliche Ansage im Lehrerzimmer (Wochenüberblick)
  9. Schulwebseite (einschließlich Wiki, Forum)
  10. Online-Vertretungsplan (rechtliche Dunkelgrauzone)
  11. Online-Nachrichtenportal
  12. Sprechstunde
  13. Briefpost

(Ich lasse die Kommunikation zwischen Lehrern und Schülern weg, weil das zu sehr Kerngeschäft ist, ebenso die zwischen Schülern – also: Aushang im Schulgebäude, Durchsage, Zettelausteilen durch Klassleiter, Facebook.)

Nicht alle dieser Kanäle sind für alle Arten von Kommunikation und zwischen allen Partnern geeignet, aber das ist ein anderes Thema. Nicht alle diese Kanäle werden von allen Schulen benutzt. Wichtiger noch: nicht alle diese Kanäle werden von allen Lehrern genutzt. Deshalb ist die Versuchung groß, die Information auf allen Kanälen zu senden. Neulich habe ich etwas durch die Wocheninfo mitgeteilt bekommen, in der Woche darauf noch einmal durch die Wocheninfo, durch die Wocheninfo per Mail, durch die Wocheninfo per Onlineportal, durch die Wocheninfo per Aushang. Und es lag als Kopie in meinem Fach. Und es war nichts für mich annähernd Wichtiges.

Einerseits ist Redundanz gut. Andererseits führt das dazu, dass ich einen Großteil der Kanäle nicht oder nur oberflächlich auf Neuigkeiten prüfe, weil ich davon ausgehe, dass eh alles doppelt ist. Und weil jeder Lehrer einen eigenen Kanal zu seinem Stammkanal gemacht hat (der eine den Aushang, der andere die mündliche Wocheninfo, der dritte die Mail) muss man als Nachrichtenproduzent darauf achten, dass auch ja alle Kanäle bedient werden. Deshalb hätte ich gerne etwas weniger Redundanz.

Und weniger Reklame. Die monatliche Lehrerinfo vom Kultusministerium brauche ich nicht per Mail von der Schulleitung. Die habe ich selber abonniert, auch wenn ich sie selten lese. Ich möchte auch keinen Flyer von “Die Brockhaus Bildungsinitiative”. Lernt bitte erst einmal das mit den Bindestrichen.

Auch wenn ein Kollege meinte, das sei doch keine Reklame, weil das ja nur für Lehrer sei und weil man da kostenlos Material kriege. (Augenroll.) Wenn mein Name nicht als Adressat draufsteht, dann will ich es nicht haben. Außer, und diese Einschränkung macht das ganze problematisch, der Verteiler ist sich sicher, dass mich das doch interessiert.

Neulich übrigens doch einen Termin übersehen. Dabei ist der doch kommuniziert worden.

Alles über: Gymnasialschüler (in Bayern)

Ein kurzer Überblick darüber, wie sich das Kultusministerium beziehungsweise die Bayerische Regierung einen Schüler am Gymnasium vorstellen. Es geht hier übrigens nicht um das Abitur, sondern um das Gymnasium – zum Abitur führen ja auch andere Wege.

Gymnasialanforderungen

2004 (der aktuelle Lehrplan):

Das Gymnasium sieht seine Aufgabe darin, alle Schüler gezielt zu fördern, die sich aufgrund ihrer Begabung, ihrer Einsatzfreude, ihres Leistungsvermögens und ihrer Leistungsbereitschaft für ein Studium und für herausgehobene berufliche Aufgaben eignen.
Schüler des Gymnasiums sollen geistig besonders beweglich und phantasievoll sein, gern und schnell, zielstrebig und differenziert lernen sowie über ein gutes Gedächtnis verfügen. Sie müssen die Bereitschaft mitbringen, sich ausdauernd und unter verschiedenen Blickwinkeln mit Denk- und Gestaltungsaufgaben auseinanderzusetzen und dabei zunehmend die Fähigkeit zu Abstraktion und flexiblem Denken, zu eigenständiger Problemlösung und zur zielgerichteten Zusammenarbeit in der Gruppe entwickeln.

1990 (der vorherige Lehrplan):

Gymnasialbildung entfaltet die Fähigkeit zur Ordnung der Vorstellungswelt, zu Abstraktion und Theoriebildung. Sie entwickelt die musischen Fähigkeiten und leitet zu einem angemessenen Umgang mit den Emotionen an. Sie fördert in besonderem Maß Verantwortungsbereitschaft und Verantwortungsfähigkeit auf der Grundlage eines geschichtlich begründeten Verständnisses der abendländischen Kultur. Das Gymnasium ist deshalb eine Schule für Kinder und Jugendliche, die sich als in besonderem Maße geistig beweglich, lernbegierig und phantasievoll erweisen, die schnell, zielstrebig und differenziert lernen können, ein gutes Gedächtnis haben, sich gern selbständig, ausdauernd und von verschiedenen Seiten mit Denk- und Gestaltungsaufgaben beschäftigen und in allem die Bereitschaft erkennen lassen, die Anstrengungen auf sich zu nehmen, die der Bildungsweg des Gymnasiums ihnen abverlangt.

Grundschulinformation 1978 (meine Schule damals)

– Schön wären natürlich noch ältere Lehrpläne, aber die habe ich leider online nirgendwo mehr gefunden. Das wäre doch ein schöner Vergleich; gerne auch als Leseverstehensaufgabe für Schüler.

Natürlich entwickeln sich die Schüler in den einzelnen Jahrgangsstufen. Deshalb hier ein Überblick, wie sich der aktuelle Lehrplan – fachunabhängig – Schüler altersabhängig vorstellt.

Erwartungen an die einzelnen Jahrgangsstufen

Jahrgangsstufe 5:

Der Wechsel von der Grundschule ans Gymnasium bringt für die Schüler große Veränderungen mit sich: Sie besuchen eine neue Schule mit einem noch ungewohnten Schulleben und neuen Mitschülern. Häufig gehen damit auch Änderungen im Freundeskreis einher. Zudem müssen sie sich anders als bisher auf stündlich wechselnde Fächer und Lehrkräfte mit je unterschiedlichen Anforderungen an Vorbereitung, Mitarbeit und Arbeitsweisen einstellen. Erst im Lauf des Schuljahrs gewinnen die Kinder eine gewisse Sicherheit bei der Lern- und Arbeitsorganisation.
Die Schüler zeigen in der Regel eine ausgeprägte Wissbegierde, Freude am Entdecken, hohe Motivation und Leistungsbereitschaft. Allerdings stehen dem eine begrenzte Ausdauer und Konzentrationsfähigkeit gegenüber.

Jahrgangsstufe 6:

Den Schülern sind im Unterschied zur vorhergehenden Jahrgangsstufe das Schulleben und die schulischen Abläufe vertraut, was ihnen zunehmend Sicherheit verleiht. In der Regel nimmt die Bedeutung der Klassengemeinschaft – auch im Zusammenhang mit einzelnen Gruppen – nun deutlich zu. Dabei kann die Zugehörigkeit zu diesen Gruppen sehr schnell wechseln.
Durch das Einsetzen neuer Fächer, insbesondere die zweite Fremdsprache, stellen sich den Kindern zusätzliche Herausforderungen. Dies kommt ihrer nach wie vor ausgeprägten Neugier und Wissbegierde sowie der Begeisterungsfähigkeit für Neues entgegen, bedeutet aber auch eine Mehrbelastung.
Die vielfältigen neuen Anregungen tragen zu einer verstärkten Wahrnehmung der Lebenswelt bei.

Jahrgangsstufe 7:

Die meisten Schüler dieser Altersstufe befinden sich in der Pubertät oder treten in diese Entwicklungsphase ein. Dies hat Auswirkungen sowohl auf die Beziehungen der Jugendlichen untereinander im schulischen wie im privaten Umfeld als auch auf die Einstellung und das Verhalten gegenüber den Erwachsenen. Wenn in diesem Alter mitunter große Stimmungsschwankungen auftreten oder rigide Positionen vertreten werden, so ist dies ein Spiegel der Unsicherheit in dieser Phase des Umbruchs.
Gleichzeitig vollzieht sich bei vielen der Übergang vom anschaulichen zum abstrahierenden Denken, was ihnen ein zunehmend systematisches Herangehen an Frage- und Aufgabenstellungen ermöglicht und sie Gesetzmäßigkeiten leichter wahrnehmen und beschreiben lässt.
Ausdauer und Konzentrationsfähigkeit beginnen sich nun stärker auszuprägen.

Jahrgangsstufe 8:

In dieser Jahrgangsstufe zeigt sich ein häufig sehr uneinheitliches Bild bei den Jugendlichen. Entwicklungsunterschiede, insbesondere zwischen Mädchen und Jungen, werden sichtbar hinsichtlich Selbständigkeit, körperlicher Entwicklung sowie emotionaler und sozialer Reife.
Viele Schüler suchen stärker als bisher nach Orientierung und Identität, nicht selten zeigen sie auch Verhaltensauffälligkeiten. Sie beginnen, bisher Akzeptiertes grundsätzlich infrage zu stellen sowie eigene Standpunkte zu entwickeln und zu vertreten. Zudem ist vielfach ein wachsendes Interesse an Kausalzusammenhängen und differenzierteren Fragestellungen zu beobachten.

Jahrgangsstufe 9:

Die meisten Schüler dieser Jahrgangsstufe entwickeln eine wachsende Bereitschaft zur Reflexion und damit einhergehend in steigendem Maß die Fähigkeit zu logischer Argumentation.
Im Selbstbild oft noch schwankend, neigen viele Jugendliche dieser Altersstufe, z. B. infolge mangelnder Akzeptanz der eigenen Körperlichkeit, zu scheinbar widersprüchlichen Gefühlen und Verhaltensweisen: Einerseits wollen sie ernst genommen werden, wollen mitreden und zeigen den zunehmenden Drang, sich selbständig mit Problemen und eigenen Wegen der Problemlösung auseinanderzusetzen. Andererseits wird der Einsatz für schulische Belange häufig je nach Neigung dosiert zugunsten außerschulischer Interessen. Tradierte Werte und Autoritäten werden immer mehr infrage gestellt; die Abgrenzung von der Erwachsenenwelt ist deutlich. Das Interesse an weltanschaulichen und politischen Fragen wächst.

Jahrgangsstufe 10:

In dieser Altersstufe zeigen die jungen Menschen in der Regel ein zunehmendes Bewusstsein für die Konsequenzen des eigenen Handelns; ihr Verantwortungsbewusstsein bildet sich weiter aus. Noch spielt die Anpassung an die Gruppe eine wichtige Rolle, jedoch gewinnt das Eingehen partnerschaftlicher Bindungen eine größere Bedeutung. Diese Veränderungen beeinflussen häufig das Interesse am schulischen Lernen. Die Auseinandersetzung mit Autoritäten dient auch als Mittel zur Selbsterfahrung.
Die Aufgeschlossenheit gegenüber logischer Argumentation sowie das Interesse an komplexen Zusammenhängen und Sinnfindung wachsen mit der Selbständigkeit im Denken: Prioritäten werden immer mehr nach eigenen Wertmaßstäben gesetzt, was manchmal mit Fehleinschätzung, auch der eigenen Person, verbunden sein kann.

Jahrgangsstufe 11/12:

Mit der gestiegenen geistigen Leistungsfähigkeit in den letzten beiden Jahrgangsstufen am Gymnasium geht bei den meisten Schülern ein zunehmend selbständigeres Denken und Arbeiten sowie ein zielgerichteteres und verantwortungsbewussteres Handeln einher.
In diesem Zusammenhang kristallisiert sich bei ihnen eine große Bereitschaft und Offenheit heraus für psychologische und philosophische Fragen, die das Selbst- und Weltverständnis betreffen. Sie differenzieren ihre bisherigen Wertvorstellungen weiter aus, auch im Hinblick auf die eigene Lebensplanung (Ausbau eines eigenen sozialen Netzes, beginnende Ablösung vom Elternhaus, Berufs- und Studienwahlentscheidung). Bei vielen Schülern gewinnen das strategische Verhalten in Bezug auf die Schule und außerschulische Aktivitäten weiter an Bedeutung.

Die unteren Jahrgangsstufen sehe ich ganz gut getroffen. Die höheren sind vielleicht etwas optimistisch. Wie ist denn das gemeint: “Bei vielen Schülern gewinnen das strategische Verhalten in Bezug auf die Schule und außerschulische Aktivitäten weiter an Bedeutung”? Ist das tatsächlich als Eupehmismus zu verstehen für: “Schule ist weniger wichtig als der Nebenjob und Partys und man macht nur das Nötigste” oder war das anders gemeint? Das muss doch wohl anders gemeint gewesen sein, oder?

Für jedes Fach gibt es für jede Jahrgangstufe eine eigene Beschreibung. Hier nur ein Beispiel, alle Lehrpläne hier.

Fachspezifische Erwartungen

Deutsch 12:

Im Deutschunterricht der abschließenden Jahrgangsstufe des Gymnasiums vertiefen die Schüler ihre sprachlich-literarische und geistesgeschichtlich-kulturelle Bildung; sie stellen eigene Erfahrungen und Einstellungen in größere Zusammenhänge und finden dadurch zu fundierten Standpunkten und Werthaltungen.
Die Schüler verstehen, analysieren und nutzen Sprache zunächst als Medium zwischenmenschlicher Kommunikation; sie üben sich in den unterschiedlichen Formen des Vortragens und des Gesprächs, stärken ihr Selbstvertrauen in der Anwendung ihrer rhetorischen Fähigkeiten und entwickeln Freude an mündlicher Sprachgestaltung.
Erschließende und argumentative Formen des Schreibens stellen für die Schüler sicher beherrschte Mittel dar, ein eigenes, durchdachtes Verständnis von literarischen Texten und Sachtexten zu formulieren und mitzuteilen sowie Thesen und Positionen abwägend und wirksam darzulegen. Die in den Vorjahren erworbenen soliden orthographischen, grammatischen und stilistischen Fertigkeiten bilden hierfür eine unverzichtbare Voraussetzung.
Die jungen Erwachsenen erfahren auch, dass Sprache das wichtigste Medium für die Teilhabe am kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Leben ist. Sie erweitern ihr Verständnis von Sprache und erkennen deren Leistung ebenso wie ihre Offenheit für Veränderungen und die Notwendigkeit von Normierungen.
Bei der wissenschaftspropädeutisch ausgerichteten Behandlung literarischer Werke vor allem des 20. Jahrhunderts erwerben die Schüler Aufgeschlossenheit für Themen und Stoffe der Literatur, erschließen sich weitere kulturelle Zusammenhänge und erweitern ihren literaturhistorischen Orientierungsrahmen. Offenheit für Fragen der Ästhetik und eine ausgeprägte Wahrnehmungsfähigkeit werden zur Basis für eine differenzierte Weltsicht und für die Identitätsfindung, aber auch für eine lebenslange Lesebereitschaft. Die methodenbewusste Beschäftigung mit anspruchsvollen Sachtexten verhilft den Schülern dazu, sich reflektierend mit den eigenen Wertvorstellungen wie mit fremden Standpunkten und Fragen von grundsätzlicher Bedeutung auseinanderzusetzen und sich für die Gestaltung der eigenen Lebenswelt zu engagieren.
Elektronische Medien werden als Werkzeug der Information und Kommunikation geläufig verwendet. Die erworbene Medienkompetenz stützt sich besonders auf ethische und ästhetische Beurteilungskriterien. Die Schüler erkennen und erfahren den wesentlichen Beitrag, den die Schulung der Wahrnehmungsfähigkeit und eine prinzipielle Offenheit für Fragen der Ästhetik für die Persönlichkeitsbildung und das Weltverständnis leisten.

Nachtrag: Es gibt keinen aktuellen Anlasse für diese Zusammenstellung. Meine Gedanken haben angefangen als Kommentar bei einem Skolnet-Blogeintrag.

Ein Herz für Blogger

Das Blog rckrz hat schon vor einiger Zeit mal beklagt, dass es zu wenig Aktionen gibt, in denen andere Blogs empfohlen werden. (Fußnote: Blogs mit merk- und leicht aussprechbaren Namen/Rollennamen lassen sich leichter empfehlen. Rckrz war mal an meiner Schule, dadurch bin ich auf das Blog gestoßen.) Deshalb hier ein paar Empfehlungen, meinem aktuellen Feedreader entnommen.

Was lese ich denn außerdem noch zur Zeit? Ein schönes Informatiklehrerblog ist Lehrzeit von Ingo Bartling. Informationen zum Thema, Hoffnungen auf Ukulelespiel, und regelmäßig kleine Programmieraufgaben. Wenn das weiter so regelmäßig geschieht: großer Respekt! Da kommt dann später das OER-Material her.

Frau Klugscheißer gehört zu einem ganz anderen Universum, nämlich dem der Blogger-die-nicht-Lehrer-oder-Schüler sind. Davon gibt es ziemlich viele, aber die meisten davon kriege ich nicht mit, weil ich genug damit zu tun habe, den Lehrern zu folgen. Aber ich lasse mir gelegentlich Geschichten aus diesem anderen Universum erzählen, in dem ganz andere Sachen wichtig sind als bei uns.

In 1 schülerin + 1 lehrer = 1 blog erzählt Susi‑q von ihren ersten Unterrichtserfahrungen. Vor kurzem war sie noch Schülerin und hat aus der Schule geplaudert, jetzt macht sie in Praktikum. Die parallele Sicht auf fremde Schüler und fremde Lehrerzimmer ist interessant.

Das Blog von Frau Weh ist schon lange kein Geheimtipp mehr, es macht mir aber sehr viel Vergnügen es zu lesen – und trägt sehr dazu bei, meinen Respekt vor Grundschullehrerinnen wachsen zu lassen.

– Ansonsten: sollte ich heute eigentlich fortbilden, aber das fällt aus, wie ich eher am Rande erfahren habe. Also lerne ich weiter fürs Informatik-Repetitorium, wo ich bald an meine Grenzen stoße.

– Aus der Schule selber gibt es nicht viel zu erzählen, das ich erzählen darf. Da ich nur Informatik unterrichte, und da auch nur vier Klassen, gehen mir die Anekdoten aus dem Unterricht aus. Kollege Z. macht gerade etwas Schönes mit einer Deutschklasse, vielleicht erzählt er da mal was.

– Informatik in 10 läuft dieses Jahr gut, viel besser als die letzten beiden Male, und weniger anstrengend für alle als beim ersten Durchgang. (Dafür mit weniger Tiefe. Dass ich beim ersten Mal tatsächlich den Lehrplan durchgepeitscht hatte… hat die meisten abgeschreckt. Wer konnte, hat dafür viel gelernt.) Informatik in 9 macht Spaß, Informatik in Q11 läuft anders als beim ersten Durchgang.

– Eine Musiklehrkraft meiner Schule ist auf mein Ukulelespiel gestoßen. Jetzt gibt es vielleicht doch mal eine Schulukulele – jede Schule sollte eine haben – und danach könnte man über ein kleines Schulorchester nachdenken.

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– Gelesen: James Wood, How Fiction Works. Hat mich daran erinnert, dass ich eine Vergangenheit in Literaturtheorie habe.
Das große Kapitel zur erlebten Rede darin ist sehr nützlich, ebenso alles, was sich auf Erzählperspektive bezieht. Der Rest ist interessant – aber eine einzige Apologie des Möbelbeschreibens, und das ohne jede Einsicht, dass dafür eine Entschuldigung tatsächlich angebracht wäre. Möbelbeschreiben: das ist mein Wort für die Art realistischen Schreibens, die – wie ich dem Buch entnehme – mit Flaubert ihren Anfang genommen hat.
Weniger theoretisch und dafür handwerklicher: David Lodge, The Art of Fiction. Für den Einstieg besser. 

Ingeborg Bachmann, Die Radiofamilie

Ein Geschenk von Frau Rau, weil sie mich kennt.

Wer hätte das von Ingeborg Bachmann gedacht? Schwerkalibrige Dichterin, ungemein ernsthaft und so. Sie hat wohl auch nicht gern darüber geredet, sogar verschwiegen, dass sie Anfang der 1950er Jahre populäres Radioprogramm geschrieben hat. Und das kam so: im Nachkriegsösterreich gab es den amerikanischen Besatzungssender Rot-Weiß-Rot. (Gegründet als Reaktion auf entsprechende russische Sender.) Der sollte für Amerika und amerikanische Werte werben, hatte einen Bildungs-/Propagandaauftrag. Eine der erfolgreichsten Sendungen des RWR (später vom Österreichischen Rundfunk übernommen) war die Radiofamilie Floriani.

Nun höre und sammle ich amerikanische Hörspiele der 1930er bis 1950er Jahre (old time radio). “Hörspiel” klingt heute fast so verstaubt wie “Fensehspiel”, und es trifft es auch nicht genau: Hörsendungen, das war damals einfach das normale Radioprogramm, so wie heute Fernsehsendungen das normale Fernsehprogramm sind. Das war die Zeit vor dem Fernsehen und dessen ersten Jahren, bevor der rasante Siegeszeug des Fernsehers die alltägliche Radiokultur praktisch zum Erliegen gebracht hat.

Jedenfalls ist die Radiofamilie Floriani nach amerikanischem Vorbild entstanden; die vom Sender den Autoren (Jörg Mauthe, Peter Weiser und eben Ingeborg Bachmann) zur Verfügung gestellte Handbibliothek war:

mit einer Auswahl amerikanischer Standardwerke zum Verfassen von Radiosendungen (“Radio Writing”) ausgestattet, darunter Anthologien amerikanischer Erfolgsprogramme und Anleitungen für den angehenden Rundfunkautor.
(Nachwort, Joseph McVeigh)

Das könnten so Serien gewesen sein wie The Great Gildersleeve, Father Knows Best. Nicht so viel Streit wie bei Bickersons, die Kindergeneration nicht so zentral wie bei der Aldrich Family, weniger auf einen albernen Vater zugeschnitten als
The Life of Riley. Die Radiofamilie Florianis ist weniger bissig als – zanzig Jahre später – die deutsche Serie Ein Herz und eien Seele um “Ekel Alfred”, die nach dem amerikanischen Vorbild All in the Family entstand, das wiederum auf dem britischen Till Death Us Do Part basiert.

Die Radiofamilie Floriani ist keine Soap Opera, das heißt – laut meiner Definition – es gibt keine fortlaufende Handlung, keine cliffhanger, jede Episode ist abgeschlossen. Die Personen bleiben gleich: Vater Hans (Justizrat) und Mutter Vilma, die Teenagertochter Helli und der jüngere Wolferl, Tante Helli und Onkel Guido, ein charmanter Tagträumer voller haarsträubender Erfolgspläne (und ehemaliges Parteimitglied). Das ganze ist tagesaktuell (Wahlen, displaced persons, Kunstaustellungen, Korruption) und heiter, aber noch keine echte sitcom. Aber lustig. Da würde ich auch heute nicht wegschalten, und im Fernsehen würde ich das abends lieber anschauen als CSI. Es ist erfreulich undramatisch, zurückhaltend, so ganz wenig weltbewegend. Eine Art Erzählerfigur erscheint gelegentlich am Anfang und Ende der Episoden – der Radiosprecher, der quasi mit dem Mikrofon in der Hand die Familie Floriani belauscht und schaut, was es dort Neues zu berichten gibt.

Wie relevant die von Bachmann verfassten Skripte (um die 16 Stück) für ihr Ouevre Oeuvre (mit laaangem oeu gesprochen) sind, weiß ich nicht. Sie hat wohl nicht viel darüber gesprochen; das Nachwort vom Herausgeber stellt die Texte als noch zu wenig erforschten Aspekt der artist as a young woman hin. Sollsein, sollsein, sollsein.

Ketzerisches in der Zeit (online)

Der Lehrer in der Schule bleibt wichtig. Die Zeit online schreibt anlässlich einer neuseeländischen Metastudie, auf die das hessische Amt für Lehrerfortbildung hingewiesen hat, dass es weniger auf auf Schulorganisation oder Schulpolitik, sondern auf die Lehrer ankommt; und dass die Fähigkeiten zum Lehrersein erlernbar sind. Und dass die Lehrer “nicht der gemütlichen These anhängen, Kinder wüssten selbst am besten, was gut für sie ist (Autonomieillusion), sondern deren entwicklungspsychologischem Bedürfnis nach Anleitung, Erklärung und Orientierung nachkommen.”

Nirgendwo fällt das Wort “Lernbegleiter”. Dafür wird der Göttinger Erziehungswissenschaftler Hermann Giesecke zitiert: “[N]nahezu alles, was die moderne Schulpädagogik für fortschrittlich hält, benachteiligt die Kinder aus bildungsfernem Milieu.”

Das digitale Schulbuch: Umsetzung mit Wiki

Auf diesen Seiten probiere ich aus, wie die Zusammenarbeit an einem digitalen Schulbuch mit Hilfe eines Wikis aussehen könnte. Das ist aber nur ein Modell und wird in dieser Form nicht eingesetzt werden.

Mein Grundgedanke ist der, dass ein Benutzer Material in Form einzelner Texte oder Arbeitsaufgaben oder Tafelbilder einstellen kann; dass derselbe oder andere Benutzer dann Kapitel erstellen, wobei sie auf das vorhandene Material zurückgreifen, statt es neu zu erstellen; und dass man sich aus den verschiedenen Kapiteln ganze Bücher zusammenstellen kann.

Umsetzung

Das Wiki ist als Beispiel für das Fach Deutsch gedacht. Da arbeitet man häufig mit Texten, mit Arbeitsaufträgen und Material und Tafelbildern dazu. In einem typischen Wiki würde man – wenn es um die Novelle “Des Lebens Überfluss” von Ludwig Tieck geht – dann etwa eine Seite Des Lebens Überfluss (Text) anlegen, mit einer weiteren Seite Des Lebens Überfluss (Aufgaben) und Des Lebens Überfluss (Tafelbilder), wenn man nicht gleich alles auf einer einzigen Seite vereinen möchte. Ich gehe hier aber anders vor.

Wenn man sich Wikipedia anschaut, dann gibt es da zu jeder Seite eine parallele Diskussionsseite. Neben dem Artikel Storch kann man bei Diskussion:Storch über eben genau diesen Artikel diskutieren. Dass die beiden Seiten irgendwie zusammengehören, merkt man am ähnlichen Namen; dass sie auseinander gehalten werden können, liegt an den unterschiedlichen Namensbereichen. Es gibt bei Wikipedia neben dem Haupt-Namensbereich eben den Namensbereich Diskussion:, aber etwa auch den Namensbereich Benutzer: – so kann es neben den bereits erwähnten Storch-Seiten auch eine Seite für den Benutzer:Storch geben, ohne dass die Seiten sich in die Quere kommen.

In dem Wiki habe ich mehrere solcher Namensbereiche angelegt, nämlich die Bereiche Text, Tafelbilder, Aufgaben, Links, Ideen, Diskussion. (Denkbar sind weitere oder andere: Medien, Lösungsvorschläge, Prüfungen.) Legt man einen neuen Text an, geschieht das sinnvollerweise im Namensbereich Text, etwa so: Text.Des Lebens Überfluss. (Sobald man sich im entsprechenden Namensbereich befindet, kann man auf dessen Angabe verzichten.)

Wenn man sich auf der Text-Seite zu “Des Lebens Überfluss” oder wessen auch immer befindet, erscheinen im Kopf des Wikis automatisch und immer Reiter mit weiteren Links:

Diese Links führen zu Seiten, die den gleichen Namen haben wie die Textseite, nur jeweils im entsprechenden anderen Namensbereich. Umgekehrt ist das genauso: lege ich eine Seite im Tafelbild-Namensbereich an, erscheinen dazu Links zu den entsprechenden Seiten in den anderen Namensbereichen. So sind Text, Material, Ideen, Diskussion zu einem Thema einerseits getrennt, andererseits miteinander verknüpft.

(Ein Nachteil des Wiki-Modells: Es handelt sich hier immer um 1:1‑Beziehungen, das heißt: Einer Textseite ist eine Aufgabenseite und eine Diskussionsseite zugeordnet und jeweils umgekehrt. Was ich wirklich möchte, sind 1:n‑Beziehungen. Einem Text sind mehrere Aufgaben zugeordnet; eine Aufgabe kann sich auf mehrere Texte beziehen. Das geht mit einem Wiki nicht, so dass man auf einer Aufgabenseite halt mehrere Aufgaben zum gegebenen Text sammeln muss.)

Beispiele

Die Seite zur oben erwähnten Tieck-Novelle kann man sich schon mal anschauen. Bisher gibt es da einen Text, ein Tafelbild, ein paar Ideen, ein paar Aufgaben, erst mal alle nur skizziert.

Außerdem gibt es eine Reihe von Parabeln, etwa Lessings Der Besitzer des Bogens. Zu jeder Parabel könnte es, wir erinnern uns, Aufgaben, Ideen, Diskussion, Tafelbilder geben. Im Kapitel Parabeln habe ich mal probeweise drei Parabeln und ein Tafelbild zu einem Kapitel zusammengesetzt. Dabei besteht der Inhalt des Kapitels aus neuem Text und vor allem aus dem Materialbausteinen, die unmittelbar eingebaut werden. Ich muss also nicht die Parabel abtippen, sondern baue sie lediglich ein.

Dieses Kapitel habe ich mit einem kurzen zweiten Kapitel Nathan der Weise nach demselben Prinzip zu einem Buch Die Aufklärung zusammengesetzt.

Erkenntnisse, Probleme, zu Erledigendes

  • Für jedes Fach braucht es ein eigenes Wiki. Zu unterschiedlich sind die Wünsche, das wird dann auch zu unübersichtlich, und mittels Interwiki-Links kann man die Seiten der verschiedenen Wikis trotzdem leicht miteinander verbinden.
  • Die Infoboxen zu den Materialien sind alle noch händisch eingefügt; dafür könnte und sollte man Templates anlegen.
  • Die Infoboxen enthalten einige Kategorien (Schlagwörter). Das müsste man systematisieren. Außerdem gehören alle Schlagwörter zur Zeit unhierarchisch zur gleichen Kategorie; tatsächlich könnte man leicht separate Schlagwort-Kategorien für Autoren, Gattungen etc. anlegen.
  • Die Ausgabe als pdf/was auch immer: Darum habe ich mich noch nicht gekümmert. Wikiseiten automatisch in pdf umwandeln geht halbwegs, so dass man ordentliche Arbeitsblätter kriegt. Was allerdings keine Umwandlungssoftware bisher macht: die entstandenen Dokumente mit Zeilennummern versehen. Das wäre bei einem festen Ausgabeformat aber wichtig.
  • Meine Lieblings-Wikisoftware ist das hier verwendete PmWiki: keine Datenbank nötig; Update durch Drüberkopieren der neuen Dateien und fertig; Umzug einfach durch Verschieben an einen anderen Ort.
    Wenn man tatsächlich mit einem Wiki arbeiten würde, käme man am mächtigeren Mediawiki nicht vorbei, allein schon der vielen Erweiterungen wegen. Ich nehme mal an, dass es meinen Server auch viel Rechenzeit kostet, diese verschachtelten Bücher zu erzeugen, die aus Kapitel bestehen, die aus Texten bestehen, und dass es da eine Obergrenze gibt.
  • Letztlich ist ein Wiki nicht die ideale Software. Es braucht dazu ein fertiges Redaktionssystem, also nicht nur ein einfaches CMS. Ich habe mich nie nach Bucherstellungs-Software umgesehen, weiß aber, dass es da eine Menge gibt. Natürlich mindestens webbasiert, am besten auch mit Offlinemodus/Synchronisation.
  • Das würde auch das Problem der Namensgebung lösen: bei Wikis ist das Umbenennen von Seiten lästig. Man müsste sich vorher auf Namenskonventionen einigen. Das gilt auch für Disambiguationsseiten, etwa wenn aus einer längeren Textquelle verschiedene Kurzfassungen existieren.
  • Natürlich sowieso: Bewertung der Bestandteile durch die Community; jeder Benutzer muss eine Lste von Bestandteilen speichern können, die ihn interessieren.
  • Wer ein Passwort zum Herumspielen möchte: mir Nachricht schicken.

Gemeinsam an einem digitalen Schulbuch arbeiten

Das wäre doch eine schöne Idee. Das Blog gleich8.de hat sich vor einem halben Jahr dazu Gedanken gemacht, ich krame das anlässlich des Schultrojaners wieder heraus.

1. EduBrowsen

Nehmen wir an, ich hätte eh schon schönes Arbeitsmaterial zu Hause, das ich gerne anderen zur Verfügung stellen würde. Stichprobe auf der Festplatte:

  1. Englische Hörverstehensaufgaben zu relativ freien Texten (NPR) und unfreien (Douglas Adams)
  2. Ein schönes Arbeitsblatt zur Metrik
  3. Ideen zu einer Krimi-Sequenz (unfrei, unfertig)
  4. Ein schönes Tafelbild zu einer nicht so oft gelesenen Novelle von Ludwig Tieck
  5. Texte und Material zu einer selten gelesenen Fouqué-Novelle
  6. Eine Präsentation zum Konstruktor in Informatik.

Das ist Material, das sich mit Schulbuchmaterial messen kann. (Was aber fehlt, und dazu später, ist die Einordnung in den Lehrplan und einen Lernprozess und andere Zusammenhänge.) Wenn ich das mit anderen teilen möchte, kann ich das Material in einem Blog veröffentlichen (2, 5, 6), einen Moodlekurs dazu erstellen und den zur Verfügung stellen (6), ich kann es auf einer Mailingliste anbieten (1). Ich könntes außerdem bei einer der vielen Portale für Unterrichtsmaterial einstellen, ein kleiner Überblick von OER Commons über Digitale Schule und ZUM-Wiki in diesem Blogeintrag. Ich kann bei Jan Klinges One-Note-Projekt mitmachen. (3) kann ich nicht teilen, da verwertungsrechtlich geschützt.

Tatsächlich nutze ich nur die Möglichkeit meines Blogs, und die auch nur sporadisch, denn das ist kein Materialblog hier. Auf Materialplattformen lade ich nichts hoch; ich nutze sie auch sonst so gut wie gar nicht. In den ersten Jahren meines Lehrerseins habe ich mich da gelegentlich bedient, inzwischen habe ich kein Bedürfnis nach Material. (Nur OER Commons habe ich abonniert, aber das nur aus Interesse – Englisch unterrichte ich ja de facto nicht mehr.) Die Benutzeroberflächen sind mir zu anstregend, und das Anschauen und Herunterladen von pdf- oder doc-Dateien ist mir zu mühselig. Auch das Zusammensuchen aus Blogs geschieht eher sporadisch. Reicht mir auch, ich lese Blogs nicht wegen des Materials, sondern wegen der Leute und der Ideen.

Ein wenig anders wäre das, wenn es einen Materialbrowser gäbe für Unterrichtsmaterial. Ein Youtube für Bildungsmaterial (Blogeintrag 2008) oder ein iTunes für Bildungsmaterial (blogeintrag 2008). SourceForge als Vorbild ist auch denkbar, und TeachingEnglish habe ich mal als Facebook für Englischlehrer vorgestellt.

Voraussetzung wäre ein (XML-)Format für Unterrichtsmaterial. Wenn ich mir meine Beispiele oben ansehe, gehört für meine Fächer dazu: Eingebettetes Audio- und Videomaterial (bzw. Links dazu); Links zum Thema; ein oder mehrere Texte (Gedicht, Novelle, eingebettet oder verlinkt), Aufgaben zu den Texten; Anmerkungen und Lösungen zu den Aufgaben; eingebettete oder verlinkte Bilder/Diagramme; eventuell doch Dateien als Anhang; Programmcode. Eigene Schlagwörter des Erstellers, aber natürlich gibt es im Materialbrowser die Möglichkeit der Verschlagwortung und Bewertung. Der Browser zeigt mir jeweils die gewünschten Aspekte des Materials an.

Sicher würden erst mal weniger Leute mitmachen bei diesem Format als beim Hochladen von .docx-Dateien, aber ich würde mitmachen. Der prinzipielle Vorteil dieses Vorgehens: jeder Lehrer, der doch eher ein eigenbrödlerischer Vorsichhinwurschtler ist, kann eigene kleine Quasi-Arbeitsblätter verfassen, ohne sich mit anderen groß auf gemeinsames Vorgehen wie bei einem Schulbuch zu verständigen. Aber dieses Einzelmaterial kann Module ergeben für Schulbücher.

2. Digitale Schulbücher

– Denn natürlich sind diese möglichen Materialsammlungen in meinem eduBrowser noch kein Schulbuch. Ich sage einfach weiter Schulbuch dazu, ja, auch wenn ich etwas Digitales meine. Ein Buch entsteht anders, als Gemeinschaftsprojekt etwa bei Wikibooks. In diesem Regal sieht man, was es schon alles an (für deutschsprachige Lerner gedachten) Schulbüchern gibt. Für Deutsch und Englisch ist das bisher nur eine Skizze und nicht sehr modern anmutend, am weitesten fortgeschritten ist das Chemiebuch. Jenseits der Schule gibt es einen Band zur komischen Literatur – aber das ist kein Buch in meinem Sinn, sondern ein Wiki-Artikel, ein Exzerpt: Es gibt keine längeren Absätze, gibt überhaupt nicht viel Text. Da ist überall noch viel Raum zur Mitarbeit.

Bessere Bücher (im Sinne englischer Textbooks), die mehr in meinem Sinn sind, gibt es bei OER Commons:

  • Commonsense Composition: “Abstract: This textbook follows California Language Arts Standards for grades 9–12 to provide a generalized understanding of composition and to serve as a supplementary aid to high school English teachers. Languages: English. Material Type: Textbooks. Media Format: Text/HTML, Downloadable docs.” (CC BY-NC-SA 3.0)
  • US History Sourcebook (Basic) bzw. (Advanced): “Abstract: From CK-12, U.S. History Sourcebook – Basic covers U.S. history from Colonial America through World War I. This book provides high school U.S. History teachers and students with sets of primary and secondary sources about important topics. Some teachers will use it as a supplement to a traditional textbook. For those looking to leave the textbook behind entirely, it will provide a course with basic structure and continuity, and will reduce the burden of finding new primary sources for each class meeting. However, it is not yet comprehensive enough to meet the coverage requirements of, for example, an Advanced Placement test.” (CC BY-NC-SA 3.0)

    Urheber dieser drei Bücher ist die CK-12 Foundation:

    CK-12 is a non-profit association based in California founded to reduce the cost of textbook materials for the K‑12 market. They maintain the FlexBook open source tool for creating remixable texts, and as of July 2009 were developing 30 English-language open textbooks, focusing on books for US high schools. While their initial efforts target the US market, they claim to have the worldwide market in mind as well. […] In April 2009, the state of California issued a call for open textbooks for use in their high schools. CK-12 submitted five science books and three math books, more than any other publisher. They have committed to seeding their system and authors community with at least another 25 complete books.” (Wikipedia, CC-BY-SA).

  • The Great Depression Unit: “Abstract: In this unit, students will be focusing on determining importance; summarizing; making predictions; recognizing plot structure; and identifying flashbacks and foreshadowing. Wherever possible, mini-lesson texts relate to American life in the 1930s, and all students will be reading literature circle novels set during this time period in American history. Languages: English. Material Type: Activities and Labs, Homework and Assignments, Lesson Plans, Readings, Syllabi, Textbooks. Media Format: Other, Text/HTML, Video.” Die Autorin Chelsea Nilsson hat das unter CC-BY 3.0 gestellt.

3. Was ich gerne hätte

Hm, dieses “FlexBook open source tool for creating remixable texts” könnte ich mir mal anschauen. Ich habe mich überhaupt noch nicht groß mit Software zur Erstellung von Büchern beschäftigt. Für meine folgenden Auslassungen stelle ich mir Wikis als Veranschaulichung vor, obwohl die für meine Wünsche nicht optimal sind.

In Deutsch und Englisch beschäftigt man sich typischerweise mit: Text und Fragen dazu. (Fragen können alles mögliche sein. Aber ich wollte nicht educationally correct sein und “Material” sagen.) Zu einem gegebenen Text kann es viele Fragen geben. Also bräuchten wir eine Art Wiki, in dem erst einmal Texte gesammelt sind. Zu jedem Text gibt es – auf einer anderen Seite gespeichert – verschiedene Fragensätze. Ein digitales Schulbuch besteht jetzt aus einer sinnvollen Reihung (und ja, diese Linearität als Vorschlag halte ich für sinnvoll) von verschiedenen Texten, mit jeweils verschiedenen Fragesätzen dazu. Mix and match. Ich will das wie eine Datenbank abfragen können: Gib mir alle vorhandenen Gedichte von Heine, kombiniert jeweils mit allen vorhandenen Fragesätzen dazu, die sich für die 9. Klasse eignen, jeweils schön untereinandergedruckt als odt-Datei.

Zu jedem Text gibt es Zusatzmaterial (Links), zu jedem Fragensatz gibt es Zusatzmaterial (Lösungsvorschläge, Anregungen). Sollen die für jeden zugänglich sein oder nicht? Müsste man klären, ich kann mit prinizipieller Offenheit leben.

Versionierung: Wenn ich mich auf einen Text beziehe, ein Gedicht etwa, soll sich der ändern können – Schreibfehler müssen nachträglich berichtigt werden können. Aber der Text soll nicht so sehr verändert werden können, dass es ein anderer Text wird. Also müsste man sich entweder auf jeweils eine konkrete Version des Texts festlegen und auf die korrigierte Fassung verzichten, oder jemand müsste aufpassen, dass die korrigierte Version wirklich nur aus kleineren Änderungen besteht. Andernfalls müsste man eine gänzlich neue Version erstellen.

Das gilt noch mehr für die Fragensätze zu Texten. Auch da sind Fehler drin, die man nachträglich korrigieren möchte, so dass eine Schulbuchseite, die diese Fragensätze benutzt, die Korrekturen automatisch übernimmt. Andererseits muss beim Hinzufügen oder Löschen eines wesentlichen Teils eine neue Version entstehen.

(Bewertung, Verschlagwortung, pdf-Ausgabe, Medieneinbindung etc. will ich sowieso.)

Dann würde ich erst einmal damit anfangen, freie Texte und Textausschnitte zu sammeln und einzustellen. Warum nicht auf Wikimedia oder anderswohin verlinken? Zu flüchtig, die Texte, und ich will sie schließlich mit einfachen Methoden mit den Fragesätzen dazu in ein Schulbuch umformen. Eine tatsächliche Leistung besteht natürlich immer noch darin, aus dem einzelnen Material gute Bücher zu erstellen und festzuhalten, was noch fehlt, bis ein gewünschter Anspruch (lehrplankonformität) erreicht ist.

Fazit: Gebt mir ein Framework, in dem ich auch kleine Stückchen nachhaltig beisteuern kann, und ich mache vielleicht mit. Schon mal deshalb, weil ich dann selber mein eigenes Material und meine eigenen Ideen ein bisschen sortiert hätte. Dass eh nur wenige Lehrer da mitarbeiten, ist klar, und kein Problem.

Fußnoten

Ein Anfangsprojekt, schön überschaubar, wäre ein englischsprachiges CC-lizenziertes Theaterstück für die 5. oder 6. Klasse zum Nachspielen. Robin Hood, King Arthur, Wildwestszenario, irgend so etwas. Dann können die Schüler das nämlich auch aufnehmen und vorzeigen. Mit Vokabelliste und Illustrationen, und vor allem mit einer Audioaufnahme führender Englischblogger.… jeder übernimmt eine Rolle, dann können die Schüler sich das anhören und ihre Rolle anständig auswendiglernen, mit Rhythmus und Intonation. Möchte das mal einer in die Hand nehmen?

Der angekündigte neue Lehrplan für Bayern soll ja ein Lehrplanplus werden – mit optionalem zusätzlichen Material. Das liegt a) im Web und ist b) zugangsbeschränkt, obwohl c) natürlich nur freies Material verwendet werden wird. Daraus könnte man tatsächlich etwas machen, wenn das nicht nur ein Lippenbekenntnis sein wird. Allein die Wartung und Aktualisierung einer solchen Datenbank, wenn sie einen sinnvollen Umfang hat, wäre eine Vollzeitstelle. Das sehe ich nicht kommen.

Fotowand

Wir dürfen ja nichts aufhängen oder ‑kleben an Wänden oder Türen, dafür ist ein Teil der Rückwand jedes Klassenzimmers magnetisch. Aber so richtig dauerhaft hält da auch nichts, Schweres ohnehin nicht. Ich habe trotzdem im Computerraum (dem einzigen Raum, in dem ich dieses Jahr unterrichte) das hier aufgehängt:

In die durchsichtigen Plastikabteilungen kann man Fotos im üblichen 9x13-Format stecken. Diese Plastikvorhänge gibt es in verschiedenen Formaten und Ausführungen bis hin zum Duschvorhang. Die Fotos sind lauter Abbildungen von erinnernswerten Projekten oder Unternehmungen, die ich den letzten zehn Jahren mit Schüler unternommen habe. Bilder davon habe ich ja dank meines Blogs.

Warum? Zur Erinnerung an schöne Sachen und als Demonstration. Eigentlich wäre es mir ja noch lieber, wenn in jedem Klassenzimmer eine Klasse so ihr Schuljahr dokumentieren würde: schöne Momente, Ergebnisse, Erlebnisse. Ein kleineres Problem besteht darin, dass man vorher ausmachen muss, was hineingehört und was nicht; danach müsste man die Schüler schon entscheiden lassen. Das größere Problem wäre der zu erwartende Vandalismus. Am besten wäre so eine Fotowand ja als Demonstration nach außen, also außen an der Tür, aber das wird sich schwer machen lassen.

– Aufgehängt habe ich die Bilder an einem Badezimmerhaken, und dieser Haken ist mit Tesa Powerstrips befestigt. (Gibt’s auch von der Konkurrenz, glaube ich.) Hält sehr fest an glatten Oberflächen und ist einfach und rückstandslos wieder ablösbar. Damit wäre jetzt kein Klassenzimmer sicher vor mir.