Einen Gedanken auf mehrere Sätze verteilen

Im Laufe der Mittelstufe werden die Gedanken der Schüler in Aufsätzen immer komplexer. (Behaupte ich mal so.) Und es gibt möglicherweise den Drang, solch einen – wenn auch komplexen – Gedanken auch in einer einzigen – dann halt recht langen – Periode auszudrücken. So erkläre ich mir Perioden wie diese in Deutschaufsätzen:

Ebenfalls nicht zu vernachlässigen ist der Punkt, dass durch die niedrigere Arbeitsbelastung während der Ausbildungsjahre und de[n] deutlich weniger anfallenden zu lernende[n] Stoff [die Schule dem Schüler] viel mehr Freizeit lässt, in der man sich beispielsweise wie mein großer Bruder in diversen Vereinen beteiligen kann, was das Knüpfen von sozialen Kontakten begünstigt und zu einer besseren Verflechtung der Gesellschaft führt.

Problematisch ist das mit den langen Sätzen, weil man sich gerne verheddert und der Satzbau nicht mehr stimmt, wie es im Beispiel ursprünglich der Fall war. Problematisch ist es vor allem auch, weil die Sätze dann schwerer zu verstehen sind. Der eine Hauptsatz enthält nur eine Floskel, alle Information steckt in Nebensätzen. Verständlicher wird der Gedanke, wenn man ihn auf mehrere Sätze verteilt:

Die Arbeitsbelastung ist während der Ausbildungsjahre deutlich niedriger. Denn man muss weniger Stoff lernen und hat deshalb mehr Freizeit. In dieser Freizeit kann man sich in Vereinen beteiligen. Dabei knüpft man soziale Kontakte.…

Wenn man einen komplexen Gedanken nur in einen einzigen Satz packen kann, dann wird die Komplexität der Gedanken, die man auf herkömmliche Weise schriftlich festhalten kann, begrenzt durch die Länge der Sätze, die man verständlich zu schreiben in der Lage ist. Der Gedanke tritt dann eher auf der Stelle, statt dass er im Gedankengang von Satzschlusszeichen zu Satzschlusszeichen hüpft.

Das mit der herkömmlichen Weise habe ich geschrieben, weil es ja auch noch die Poesie gibt. Andere Baustelle. Und ich habe nicht prinzipiell etwas gegen umständliche Sätze. Einer meiner liebsten, vor neun Jahren zum letzten Mal zitiert, so dass ich mal wieder darf, ist der erste Satz von Heinrich von Kleists “Der Zweikampf”:

Herzog Wilhelm von Breysach, der, seit seiner heimlichen Verbindung mit einer Gräfin, namens Katharina von Heersbruck, aus dem Hause Alt-Hüningen, die unter seinem Range zu sein schien, mit seinem Halbbruder, dem Grafen Jakob dem Rotbart, in Feindschaft lebte, kam gegen Ende des vierzehnten Jahrhunderts, da die Nacht des heiligen Remigius zu dämmern begann, von einer in Worms mit dem deutschen Kaiser abgehaltenen Zusammenkunft zurück, worin er sich von diesem Herrn, in Ermangelung ehelicher Kinder, die ihm gestorben waren, die Legitimation eines, mit seiner Gemahlin vor der Ehe erzeugten, natürlichen Sohnes, des Grafen Philipp von Hüningen, ausgewirkt hatte.

Der Satz kommt mir vor wie ein Stück Holz, aus dem ein geschickter Schnitzkünstler mit präzisen kleinen Axthieben nach und nach eine Figur heraushackt.

– Aus der Unterstufe beim Erzählen habe ich mir keine Schüler-Beispiele notiert. Vielleicht sind sie mir da weniger aufgefallen. Vielleicht – wahrscheinlich – können da die Schüler noch nicht genug Nebensätze.
Oder kann es sein, dass beim Erzählen leichter ist, zusammenhängend zu schreiben, auch wenn der Zusammenhang über mehrere Sätze geht? Es ist vielleicht der rote Faden der Handlung, der diesen Zusammenhalt der Sätze ermöglicht – ein roter Faden, den Schüler beim Erörtern nicht lernen. Da heißt es meist: Drei Argumente für jede Seite, aber am Ende bleibt jedes davon für sich. Und dazwischen gibt es furchtbar künstliche Überleitungen, die wir alle kennen: “Noch wichtiger aber ist… Es darf nicht übersehen werden…” Ich habe selber als Referendar Arbeitsblätter mit solchen Floskeln verteilt. Inzwischen glaube ich, dass das nichts bringt, eher sogar schädlich ist. Das mit dem roten Faden, das wäre wichtiger, ist aber vielleicht zu schwer.


Als Anhang noch zwei Beispiele für solche komplexen Sätze, auch aus Schüleraufsätzen:

Noch bedeutsamer aber ist, dass die Schüler [dadurch erfahren], dass das Fleisch, das sie normalerweise essen, schlimmsten Umständen ausgesetzt war, weil das Fleisch, das sie daheim aufgetischt bekommen, meistens aus dem Billig-Discounter stammt, und dass beispielsweise Truthahn stark auf die Brust gezüchtet wird, sodass die Tiere oftmals nicht einmal mehr stehen können, weil die Brust so schwer ist.

Die Schulleitung will außerdem darauf hinweisen, dass die Eltern sich um einiges früher hätten zu Wort melden sollen, als die Kinder eine Unterschriftaktion starteten, da dann die Möglichkeit bestanden hätte, dass das Projekt Steinzeit anders verwirklicht worden wäre, wenn sich die Eltern gemeldet hätten, und beispielsweise darauf hinweisen können, dass sie als Erziehungsberechtigte das nicht dulden können.

In der 6. Szene des 1. Aktes des Dramas “Die Soldaten” von Jakob Michael Reinhold Lenz, der von 1752 bis 1792 lebte, geht es um einen Dialog zwischen Marie und Wesener, ihrem Vater, nachdem dieser sie wegen einem Treffen zwischen ihr und dem Offizier Desportes, das er verboten hatte, in ihr Zimmer geschickt hat, in dem über die Liebe zwischen Marie und Desportes diskutiert wird.

Exkursion, sozusagen

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Na ja, Wandertag halt… :-) Die Schüler hatten einen Auftrag vom Klassleiter und ich hatte einen Preis für das beste Foto ausgeschrieben. Die Bilder kommen hinten ans Klassenzimmer, dann wird eines ausgesucht.

Die Pinguine haben etwas von Musical-Straßengang. Ansonsten: Warmer Tag, viele Tiere lagen recht ruhig herum. Die Elefanten, auch der junge, genossen das neu hergerichtete Bad.

Abimottos – die Dialektik der Originalität

Was ist ein Abimotto? Das Abimotto ist ein doppeldeutiger Wortwitz, eine Wortspielerei in der sich möglichst die Buchstaben ABI wiederfinden sollten. Der Leitspruch ist unverwechselbares Merkmal eures Abi-Jahrgangs. Perfekt umgesetzt ist es, wenn die Schüler der gesamten Schule genau wissen, welche Jahrgangsstufe gemeint ist, sobald das Motto auch nur erwähnt wird.
http://www.abiball-planer.de/abimotto/

Sagen wir mal so: perfekte Abimottos in diesem Sinn gibt es wenig. Zumindest weiß schon ein Jahr danach kaum einer mehr, welches Motto zu welchem Jahrgang gehörte. Die Mottos sind aber auch völlig austauschbar. Nur dass 2007 irgendwas mit James Bond war, das wusste man noch – wie an Dutzenden von anderen Schulen in jenem Jahr ebenso.
Mit Recherche im Web und freundlicher Hilfe von Ehemaligen habe ich dann doch noch folgende Liste zusammengekriegt:

  • 2020 The golden 20s (Nachtrag)
  • 2019 Westminster Abi – der Adel dankt ab (Nachtrag)
  • 2018 Abi rouge (Nachtrag)
  • 2017 Habi Potter – Vom Stein zum Weisen (Nachtrag)
  • 2016 12 Jahre Druck – endlich Diamanten(Nachtrag)
  • 2015 Abi-lymp – Auch Götter müssen einmal gehen (Nachtrag)
  • 2014 LABIrinth – 12 Jahre Verwirrung und trotzdem am Ziel (Nachtrag)
  • 2013 Abi heute – Captain Morgen
  • 2012 Ab(i)wesend – für immer entschuldigt
  • 2011 Rasso’s Eleven – Time for Another Job (G8)
    2011 GRG 9 – der letzte Einsatz (G9)
  • 2010 Strebergarten – endlich weg vom Tulpenfeld
  • 2009 Abistokratie – der Adel geht, der Pöbel bleibt
  • 2008 Germany’s Next Top Student
  • 2007 Abi007 – die Abigenten – Der Jahrgang der ihn liebte
  • 2006 Abiglam
  • 2005 Abikalypse – das Ende aller Plage
  • 2004 GlABIator
  • 2002 Das Wars – vergessen du musst was jemals du gelernt
  • 2001 Abimeister
  • 2000 Keines! Nach Auskunft eines Teilnehmers bisher. Toll!

Gut finde ich eines davon, brauchbar ein zweites.

Was sein muss: ein Wortspiel und ein nachgeschobener Slogan als Ergänzung. Die Mottos oben reihen sich nahtlos ein in folgende Listen von Abimottos – hunderte, aus denen man auswählen kann, alle ununterscheidbar in ihrer Suche nach Einzigartigkeit:

http://www.abi-stoff.de/abimotto-abschlussmotto/
http://abitipps.de/organisation/abimottos/abimotto-vorschlaege
http://www.abiball-planer.de/abimotto/
http://www.abital.de/abimotto.htm

(Zur Originalität: Ein Original ist, was kopiert wird. So wie gute Lieder gecovert werden.)

Ich weiß nicht, wie Abimottos entstehen; es würde mich interessieren. Ich nehme mal an, dass Listen aushängen, wer für was zuständig ist. Bestimmte Schüler gehen in den Arbeitskreis “Abizeitung”, andere in den Arbeitskreis “Abimotto”. Dann blättern manche davon im Web die Abimottolisten durch und schreiben sich die Mottos heraus, die ihnen gefallen; dazu kommen ein paar eigene Ideen. In der Abimotto-Gruppe setzen sich dann zwei oder drei Vorschläge durch (auf welcher Basis?), über die dann alle im Jahrgang abstimmen, die bei der Abstimmung mitmachen. Nach welchen Kriterien entscheiden die? Spielen die Personen der Leute, die das Motto vorschlagen, eine Rolle? Vermutlich ist es tatsächlich nur das Ausmaß, in dem das Motto als unverwechselbar witzig empfunden wird.

Die Option, auf ein Motto zu verzichten, oder ein ernsthaftes Motto zu wählen, gibt es nicht. Das hieße zu viel Originalität wagen.

Erste Schulwoche 2013

So richtig gewöhnt habe ich mich an die Schule noch nicht, abends bin ich jedesmal immer rechtschaffen müde. (Rechtschaffen müde, da muss ich immer an D&D denken.) Viel Unterricht habe ich nicht, aber viele Stunden an der Schule; mit meinem Stundenplan bin ich sehr zufrieden, ich bin aber auch sehr leicht zufrieden zu stellen. Und die Planer an unserer Schule (ich war ja früher selber einer) geben sich wirklich viel Mühe.

Viel Deutsch dieses Jahr, kaum Informatik, kein Englisch. Mit der 10. Klasse Stilistik geübt (gewünscht: verständliche Sätze), dann zur Erörterung. Die digitalen Themen liegen ja quasi auf der Straße. Mit der 8. Klasse Satzbau geübt anhand der Inhaltsangabe zu Little Brother aus Wikipedia, bei der ich alle Nebensätze in Hauptsätze umgewandelt habe – soweit möglich: von den 13 ursprünglichen Nebensätzen habe ich zwei nicht herausgebracht. Gerade Konditionalsätze lassen sich wohl gar nicht ersetzen. – Natürlich ging es mir nicht nur um Nebensätze, sondern auch um sehen, ob sich das Buch nicht doch schon in der 8. als Lektüre eignet… immerhin, eine Schülerin hatte es schon gelesen. Und der Lehrplananhang empfiehlt Moby Dick als Lektüre – ein tolles Buch, aber für die 8. Klasse nur in einer unzumutbaren Kinderbuchfassung denkbar.

An der Uni neuen Kollegen begrüßt. Schönen Regenschirm zu Geburtstag gekriegt, damit ich mich von zwei alten, kaputten trenne. Morgen Rosa-Glitzer-EInkaufstour für den Geburtstag der Nichte. Jetzt erst mal wieder müde-

Unbezahlt und unbeworben

Ich kriege nicht oft, aber doch regelmäßig Anfragen, ob ich nicht einen Artikel in meinem Blog platzieren möchte. Auf die meisten reagiere ich überhaupt nicht. Linktausch, und Material, das mir angeboten wird, oder fertige Texte, insgesamt lauter halbschariges Zeug. Aber vor ein paar Tagen kam eine erfrischend offene und freundliche Mail mit der Frage, ob ich nicht einen gesponserten Artikel schreiben würde. Für Geld, so richtig!

Das mache ich nicht, aber der Image-Film, den ich bewerben hätte sollen, war schön und interessant und hätte thematisch gepasst, so dass ich das unbezahlt und freiwillig machen wollte – zu meinen Bedingungen. Ich hatte schon einen – sehr kurzen – Blogeintrag dazu fertig. Aber nein, das bringe der Agentur gar nichts, ich müsse schon den agentureigenen Player verwenden, statt den Film von Youtube her zu verlinken. Nur dann könne man mir Geld… ICH WILL KEIN GELD!

Wenn ich nämlich nicht den agentureigenen Player verwende, weiß der Kunde nicht, dass ich über die Agentur angeworben wurde. Dann also nicht.

– Aus gegebenem Anlass des Schuljahresanfangs erinnere ich die bayerischen Kolleginnen und Kollegen im Übrigen daran, kein Foto der Klasse für den Sitzplan zu machen, zumindest nicht ohne schriftliche Einwilligung der Erziehungsberechtigten. Soll keiner sagen, dass Datenschutz hierzulande nicht ernst genommen wird.

Aufsätze lesen

Ich habe das hier, glaube ich, noch nie laut gesagt, aber ich werde im Wintersemester eine Vorlesung zu Fachdidaktik Informatik halten. Jetzt nicht zu viel vorstellen, ich rechne mit etwa fünfzehn Leuten in einem kleinen Zimmerchen. Trotzdem bin ich natürlich aufgeregt und frische schon das letze halbe Jahr über meine Kenntnisse der allgemeinen Didaktik auf. Lernzieltaxonomien und Berliner Modell und solche Sachen… meine eigenen Unterlagen aus dem Anglistik/Germanistik-Studium finde ich nicht mehr. Kinder, man weiß nie, wann man etwas doch noch mal brauchen wird! (Brauchen ist zu viel, ich hätte nur gerne mal reingeschaut und verglichen.) Die Sommerferien habe ich mit weiterer Lektüre verbracht. Bevor ich daran gehe, zu überlegen, wie ich den Stoff präsentiere, muss ich erst mal den Stoff kennen. Auch deshalb blogge ich hier nicht mehr so viel – das kostet alles Zeit und Nerven.

Laut LPO I und der Verwaltungsvorschrift dazu gehören zur Fachdidaktik-Ausbildung eines Informatiklehres (Gymnasium wie Realschule) folgende Inhalte:

Inhalte der fachdidaktischen Ausbildung (alle)

(Die rechte Hälfte gilt für alle Fächer, die linke ist speziell für Informatik.)

Diese Inhalte werden an der LMU in vier Veranstaltungen zu je 3 ECTS erworben. Meine ist eine davon, die in der Regel erste und theorielastigste. Ziel der gesamten fachdidaktischen Ausbildung ist aus allgemeiner Sicht, dass gut vorbereitete Lehrer ins Referendariat geschickt werden, und aus einer etwas eingeschränkteren Sicht, dass die Studierenden die Staatsexamensklausur schreiben können. Bis vor ein paar Semester gab es für Lehramt Gymnasium eine mündliche Prüfung zur Fachdidaktik, also nicht zentral; seit einiger Zeit gibt es jedoch wie bei der Realschule eine Klausur von drei Stunden. Die sieht etwa so aus:

fachdidaktik_realschule_2013-fruehjahr
(Staatsexamen Fachdidaktik Realschule Frühjahr 2013, Thema 1)

Im Zuge der Vorbereitung lese ich Aufsätze, wo sie mir begegnen, auch wenn sie nur am Rande etwas mit den wahrscheinlichen Didaktikinhalten zu tun haben. Via Twitter bin ich gestoßen auf “Do Learners Really Know Best? Urban Legends in Education” von Paul A. Kirschner und Jeroen J. G. van Merriënboer (Educational Psychologist Vol. 48, Issue 3, 2013). Darin werden drei Vorstellungen als Legenden vorgestellt, für die es keine ausreichenden Belege gibt: 1. dass es eine Generation von digital natives gibt, die irgendwie anders ist, 2. dass es Lernstile und Lerntypen gibt (visuell, verbal…), die in der Praxis einen Unterschied machen und 3. dass selbstgesteuertes Lernen (wo Lernende entscheiden, was sie wann lernen) besonders gut funktioniert. Der Aufsatz ist nicht mehr kostenlos im Web, hier eine Besprechung. Mit Genuss und Belehrung gelesen, den Aufsatz, sehr empfehlenswert.

Das Schöne an solchen Aufsätzen ist, dass immer einer zum nächsten führt. Also müsste ich eigentlich lesen Stanley Cohen, Folk Devils and Moral Panics aus den 1970er Jahren. Cohen hat darin den Begriff Moral Panic bekannt gemacht (Wikipedia) – Kinder, die Welt geht unter wegen Drogen. Oder Popmusik. Oder Dungeons & Dragons. Oder Computerspielen. Oder Computern. Oder wegen was auch immer. Bis ich wieder an der Uni bin, muss die Lektüre von “The ‘digital natives’ debate: A critical review of the evidence” von Bennett/Maton/Kervin warten. (British Journal of Educational Technology 39, p. 775–786, 2008). Dort wird das Konzept der moral panic aufgegriffen und mit dem Bohei um eine Generation von Digital Natives verglichen:

Arguments are often couched in dramatic language, proclaim a profound change in the world, and pronounce stark generational differences […] Such claims coupled with appeals to common sense and recognizable anecdotes are used to declare an emergency situation, and call for urgent and fundamental change.
Another feature of this “academic moral panic” is its structure as a series of strongly bounded divides: between a new generation and all previous generations; between the technically adept and those who are not; and between learners and teachers.

Kommt mir alles bekannt vor.

Dann habe ich noch einen spannenden Aufsatz gefunden darüber, wie Gerüchte und Legenden entstehen und sich verbreiten, aber das führt dann wirklich zu weit weg vom Thema.

Bei “Beyond the ‘digital natives’ debate: towards a more nuanced understanding of students’ technology experiences” von Bennett/Maton bin ich noch am Anfang, bin da aber auf ein Buch aus dem Jahr 1986 gestoßen, das von 1950 bis 1985 immerhin 75 Bezeichnungen die jeweils neue, durch grundlegenden gesellschaftlichen Wandel entstehende Zeit zusammenstellt. Jetzt, mit dem Ende des Gutenbergzeitalters, gilt es aber wirklich! Ehrlich.

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Neuer Rechner (2013)

Meinen Rechner hatte ich mir 2008 gekauft. Klein, nicht teuer, ausreichend leistungsfähig, mäßige Grafikkarte. Brauchbar für alles außer Spiele, sobald ich das Windows Vista runtergemacht hatte. Diese Sommerferien wollte ich einen neuen Rechner, einen leistungsfähigen. Zusammenbauen habe ich ihn mir von einer Münchner Firma lassen. Und ich bin sehr zufrieden.

Mein neuer Rechner ist ein Laptop, und diesmal ein richtig ordentlicher. Eine gute Grafikkarte, vier Prozessoren, mehr RAM als ich je brauchen werde. Eine mittelgroße SSD-Festplatte für Betriebsystem und Programme, eine terabytegroße herkömmliche Platte für alle meine Daten – Dateien, Bilder, Schulkram, Musik, Filme. Das ist die Platte, von der ich regelmäßig Backups mache. Bei Keyboard und Maus habe ich meine alten behalten, die per Funk an einem gemeinsamen USB-Knubbel hängen.

Der Klapprechner wird hauptsächlich stationär verwendet, aber ich kann ihn jederzeit transportieren. Mein alter großer Monitor hängt dran, und weil mein Vater noch einen kleineren übrig hatte, habe ich den auch noch angeschlossen. Man gewöhnt sich sehr schnell an das Arbeiten mit zwei Monitoren, vor allem wenn man die besten Windowskürzel aller Zeiten benutzt: Win-Taste + Pfeiltasten. (Wenn ein Monitor angesteckt ist, sendet der Laptop das Bild nur auf diesen, wenn keiner da ist, an den laptopeigenen Bildschirm. Und beim Zuklappen des Rechners bleibt er natürlich an.) Leise ist der Rechner auch, die Lüftung geht nur sehr gelegentlich an.

Ganz am Anfang habe ich das schnelle Booten ausgeschaltet, damit ich überhaupt ins BIOS komme. Das Secure Boot war gar nicht erst eingeschaltet – das ist das Feature, das zur Zeit ja noch deaktiviert werden kann, in Zukunft aber dafür sorgen kann, dass man kein Linux parallel installieren kann. Oder kein Libre Office.
Dann habe ich mit ClassicShellBackup die dämliche Windows 8‑Oberfläche umgangen, später VMware installiert und ein virtualisiertes Ubuntu aufgespielt. Das kann wunderbar parallel auf dem zweiten Monitor laufen, Geschwindigkeit kein Problem.

Auf die Idee mit dem Laptop hat mich Frau Rau gebracht. Ich habe nicht viel Platz auf und unter dem Schreibtisch – Kisten voller Comics, wer’s wissen will – und brauche keinen superschnellen Rechner. L.A.Noire und Half Life 2 laufen jedenfalls gut. Das Arbeiten macht gleich viel mehr Spaß.

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Fontane zum Schmunzeln

Fontane_zum_SchmunzelnDie erste Begegnung eines Schülers meiner Generation mit Fontane war “Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland” – vielgeliebt von Generationen von uh, ich weiß nicht, aber jedenfalls von früheren Generationen. Was sollte mir dieses Gedicht auch sagen? Niederdeutsch, auch gemäßigtes, war mir fremd, Birnbäume ebenso wie Birnen als Leckerei.

(Norberto42 hat Links zu diesem Gedicht zusammengestellt, darunter eine Fülle von Vertonungen, auch moderne. Vielleicht isset also doch lebendig, das Gedicht. Soll sein, soll sein, soll sein.)

Wenn man das Glück hat, an “Unterm Birnbaum” als Schullektüre vorbeizukommen, hat man die nächste Begegnung mit Fontane bei Effi Briest. Bei mir war das erst als Lehrer. Zwei- oder vermutlich dreimal habe ich die Effi gelesen, und ich muss sagen, sie ist jedes Mal besser geworden. Dann mal Irrungen, Wirrungen. Als Schullektüre immer noch harter Tobak für junge Leser. Und auch nichts, was ich in meiner Freizeit lese. Aber ich freue mich darauf, irgendwann, in fünf, zehn Jahren, den Stechlin zu lesen.

Schon seit ein paar Jahren steht bei meinen Eltern im Regal das Buch Fontane zum Schmunzeln (ausgewählte von Lea Susemichel). Vor kurzem habe ich dann doch mal reingeschaut. Und auch wenn das Buch eigentlich völlig unbrauchbar ist, habe ich es gelesen. Unbrauchbar weil: Es handelt sich um eine Sammlung von Fontane-Schnipseln, meist sehr kurz und mit wenig Kontext, und kurzen Herausgeber-Überleitungen. Philologisch nicht zu verwenden: Keine Quellenangaben, nicht mal den Titel; ob es sich um Ausschnitte aus einer Erzählung, einem Brief, einem Tagebucheintrag handelt, muss man sich erschließen. Auch bei Romanen wird das “ich” einfach mal als Fontane genommen. Und gleich die erste Überprüfung anhand einer besseren Ausgabe zeigte textliche Abweichungen. Dann doch gelesen weil: Ich etwas über Fontanes Biographie gelernt habe, und weil ich die Schnipsel tatsächlich interessant und manchmal amüsant fand.

Ein paar Ausschnitte:

Fontane auf dem Klo:

Das interessanteste in meinem Kölner Hotel war das Water-Closet: es ist sehr eng darin und die Wand vor einem befindet sich so nahe, dass man sie mit der Nasen­spitze berühren kann. Diese zudringliche Nähe war von talentvol­len jungen Malern, die sonst wohl die Mauern und Wände der Häuser mit gewissen mehr riesigen als naturgetreuen Abbildungen auszustaffieren pflegen, zu ähnlichen Kunstleistungen benutzt wor­den, die teils aus Bleistiftzeichnungen, teils aus dauerhaften tiefen Gravierungen bestanden. Mitten unter diesen lautren Schöpfungen der Phantasie und Laune befand sich, wie ein Professor im Bordell, die bekannte Figur des pythagoräischen Lehrsatzes, die mich vor Zeiten auf der Quartaner-Bank immer sehr traurig gestimmt, heute aber mein hellstes Lachen zur Folge hatte.

Fontane trifft sich mit Theodor Storm, der ihm etwas peinlich ist:

Es mochte zwölf Uhr sein, als wir durchs Brandenburger Tor zurückkamen und beide das Verlangen nach einem Frühstück verspürten. Ich schlug ihm meine Wohnung vor, die nicht allzuweit ablag; er entschied sich aber für Kranzler. Ich bekenne, dass ich ein wenig erschrak. Storm war wie geschaffen für einen Tiergartenspaziergang an dichtbelaubten Stellen, aber für Kranzler war er nicht geschaffen. Ich seh’ ihn noch deutlich vor mir. Er trug leinene Beinkleider und leinene Weste von jenem sonderbaren Stoff, der wie gelbe Seide glänzt und sehr leicht furchtbare Falten schlägt, darüber ein grünes Röckchen, Reisehut und einen Schal. Nun weiß ich sehr wohl, dass gerade ich vielleicht derjenige deutsche Schriftsteller bin, der in Sachen gestrickter Wolle zur höchsten Toleranz verpflichtet ist, denn ich trage selber dergleichen. Aber zu so viel Bescheidenheit ich auch verpflichtet sein mag, zwischen Schal und Schal ist doch immer noch ein Unterschied. Wer ein Mitleidender ist, weiß, dass im Leben eines solchen Produkts aus der Textilindustrie zwei Stadien zu beobachten sind: ein Jugendstadium, wo das Gewebe mehr in die Breite geht und noch Elastizität, ich möchte sagen, Leben hat, und ein Altersstadium, wo der Schal nur noch eine endlose Länge darstellt, ohne jede zurückschnellende Federkraft. So war der Stormsche. Storm trug ihn rund um den Hals herum, trotzdem hing er noch in zwei Strippen vorn herunter, in einer kurzen und einer ganz langen. An jeder befand sich eine Puschel, die hin und her pendelte. So marschierten wir die Linden herunter, bis an die berühmte Ecke. Vorne saßen gerade Gardekürassiere, die uns anlächelten, weil wir ihnen ein nicht gewöhnliches Straßenbild gewährten. Ich sah es und kam unter dem Eindruck davon noch einmal auf meinen Vorschlag zurück. “Könnten wir nicht lieber zu Schilling gehen; da sind wir allein, ganz stille Zimmer.” Aber mit der Ruhe des guten Gewissens bestand er auf Kranzler. En avant denn, wobei ich immer noch hoffte, durch gute Direktiven einiges ausrichten zu können. Aber Storm machte jede kleinste Hoffnung zuschanden. Er trat zu der brunhildenhaften Comptoirdame, die selber bei der Garde gedient haben konnte, sofort in ein lyrisches Verhältnis und erkundigte sich nach den Einzelnheiten des Büffets, alle reichlich gestellten Fragen bis ins Detail erschöpfend. Die Dame bewahrte gute Haltung. Aber Storm auch. Er pflanzte sich, dem Verkaufstisch gegenüber, an einem der Vorderfenster auf, in das zwei Stühle tief eingerückt waren. “Hier wird er Platz nehmen,” an diesem Anker hielt ich mich. Aber nein, er wies auch hier wieder das sich ihm darbietende Refugium ab, und den schmalen Weg, der zwischen Fenster und Büffet lief, absperrend, nahm er unser Gespräch über Mörike wieder auf, und je lebhafter es wurde, je mächtiger pendelte der Schal mit den zwei Puscheln hin und her. Ich war froh, als wir nach einer halben Stunde wieder heil heraus waren.
(Von Zwanzig bis Dreißig)

Und dann scheint es da noch ein altes Stöckchen zu geben, ausgeworfen von L(o)uise Fastenrath, ungarische Schriftstellerin (siehe Wikipedia zu Johannes Fastenrath). Wilhelm Busch beantwortete die Fragen am 22.5.1892 ausführlich, Fontane deutlich lapidarer:

Was ist Ihre hervorstechendste Eigenschaft? Indifferenz.
Wie verstehen Sie das Glück? Gar nicht.
Das Unglück? Auch nicht recht.
Wo möchten Sie leben? In meiner Stube.
Was wünschen Sie sich am sehnlichsten? Luft. Licht.
Wer ist in Ihren Augen der erste Dichter, Schauspieler, Musiker, Maler? Wechselt alle fünf Jahre.
Welche Fehler finden Sie am verzeihlichsten? Die meinigen.
Lieben Sie das Ideale oder das Reale? Das Diagonale.
Was ist am schwersten zu erreichen? Papst oder großes Los.
Welchen Rat würden Sie der Frau geben, die Sie lieben? Mich wiederzulieben.
Welches ist Ihre Lieblingsbeschäftigung? Schlafen.
Welche politische Richtung ist Ihnen am sympathischsten? Mecklenburg.
Wie denken Sie über die Ehe? Je nachdem.
Welches Vergnügen ist Ihnen das liebste? Schlafen.
Wie definieren Sie die Liebe? Mir zu schwer.
Wie definieren Sie die Frau? Noch schwerer.

Aus zwei verschiedenen unvollständigen Quellen zusammengebaut, beide nicht ganz zuverlässig. Bin für genauere Quellenangaben dankbar. Und wer will, kann das Stöckchen ja aufgreifen.

Fazit: Man kann aus so manchem unvollkommenen Buch noch etwas herausziehen.

Fasching 1979

Faschingsparty_1979

So sahen Faschingspartys damals aus. Hinweisen möchte ich auf die 50–50-Verteilung von traditionellen generischen Kostümen (Cowboys, Matrose) und benamsten Rollen, Marken-Namen – hier Superman, Spider-Man, Han Solo und Luke Skywalker. Ist das einzige traditionelle benamste Kostüm Robin Hood? Den habe ich zwar nie als Kostüm gesehen, aber ich kann ihn mir gut vorstellen neben Clown, Musketier, Prinzessin. Wie ist das heute, geht man als Kind als Markenfigur oder sind die Moden da so schnellebig, dass es sich nicht lohnt? Geht man als Zauberer oder als Harry Potter?

Luke Skywalker, das ist mein Bruder; Spider-Man (damals “die Spinne”) bin ich, in der 5. Klasse. Die Kostüme genäht von unserer Mutter, nach Rücksprache und detaillierten Anweisungen.
Zwei Star-Wars-Poster über dem Bett, die meinem Bruder gehörten. Für die Party wurde der obere Teil des Stockbetts abgenommen. (Stockbettern sind Klasse.)
Unter dem Bett eine Autorennbahn.
Unter dem unteren Nachttischregal: Die Steckdosenleiste könnte genau die sein, die jetzt unter meinem Schreibtisch ist. Die ist jedenfalls auch uralt und aus Familienbeständen, aber vielleicht sehen die immer so aus.
An der Wand oben eine Chianti-Korbflasche. Da habe ich noch mit 18 Jahren Kerzen reingesteckt und sie heruntertropfen lassen.
Im Bücherregal etwas, das Krabat sein könnte.
Auf dem Nachttischregal oben eine Taschenlampe und der Beginn meiner Comicsammlung.
Auf dem Boden stehend mein kleiner Bruder, der eine verwirrende Kindheit gehabt haben muss.