Alles über: Lernziele

“Wann beherrscht man etwas?”, fragt Lehrzeit in einem Blogeintrag. Das habe ich mir auch schon überlegt, und der Blogeintrag ist eine Überlegung dazu.

Lernzieltaxonomien

Vor den Lernzielen war das Lehren wüst und leer. Man hat, stellt man sich vor, einfach drauflos unterrichtet. Das sollte sich Anfang der 1950er Jahre ändern. Da präsentierte Benjamin Bloom als Vorsitzender einer Kommission, die genau das zum Ziel hatte, eine Kategorisierung und Hierarchisierung von Lernzielen, die Bloomsche Lernzieltaxonomie. Ein erklärtes Ziel war, dass man sich dadurch besser über Unterricht kommunizieren könnte. Die Taxonomie sah kognitive, affektive und psychomotorische Lernziele vor; außerdem gab eine Hierarchisierung, nach der bestimmte Arten von Lernzielen auf anderen aufbauten. Die ganze Taxonomie sah am Anfang so aus:

Kognitive Ziele
  1. Wissen
  2. Verstehen
  3. Anwenden
  4. Analysieren
  5. Erzeugen
  6. Bewerten
Affektive Ziele
  1. Aufmerksamwerden, Beachten
  2. Reagieren
  3. Werten
  4. Entwickeln von Wertestrukturen/eines Wertesystems
  5. Verinnerlichen von Werten
Psychomotorische Ziele
  1. Imitieren (einer vorgeführten Handlung)
  2. Manipulieren (Ausführen nach Anweisung)
  3. Selbstkontrolliertes Ausführen (mit mehr Präzision)
  4. Strukturierung (Zerlegung in Einzelhandlungen)
  5. Automatisierung, Verlagerung ins Unterbewusstsein (Naturalisierung)

An dieser Taxonomie kommt man in keinem Lehramtsstudium vorbei. Es fällt allerdings auf, dass in der Praxis für die meisten Fächer dann doch nur die kognitiven Lernziele eine Rolle spielen – deren Taxonomie entstand auch vor den anderen: 1956 erschien Band 1 der Taxonomy of educational objectives: The classification of educational goals (zum kognitiven Bereich), 1965 Band 2 (zum affektiven Bereich). Band 3 erschien nicht. Bloom nannte das Handbuch “one of the most widely cited yet least read books in American education” (zitiert nach Wikipedia) – ich müsste selber auch mal reinschauen…

An der Rangordnung innerhalb der Taxonomie wurde immer wieder herumgeschraubt, die aktuellste Fassung ist diese:

BloomsCognitiveDomain

Gerade die Frage, obb das Bewerten oder das Erzeugen das anspruchsvollere Lernziel ist und das jeweils andere als Grundlage nötig ist, wird unterschiedlich gesehen. Deshalb stehen sie jetzt auch nebeneinander.

Diese Taxonomie ist nicht die einzige, bekannt ist auch eine von Anderson/Krathwohl mit 4 Wissensdimensionen und 6 Stufen – alle kognitiv. Aber in der einen oder anderen Form ist Bloom immer noch sehr verbreitet. ein Beispiel dafür ist dieses Poster zur “Padagogy”:

padagogy_wheel

(Allan Carrington, Creative Commons Attribution 3.0 Unported)

Die Speichen entsprechen den (kognitiven) Domänen bei Bloom, wobei die untersten beiden Ebenen, Erinnern und Verstehen, zusammengefasst sind. Im zweiten Kreis von innen stehen den einzelnen Domänen zugeordnete “action verbs” – passende Verben zu den jeweiligen Lernzielen. Für das Analysieren sind das zum Beispiel “compare, classify, demonstrate”. Diese action verbs entsprechen wohl dem, was hierzulande Operatoren heißt, dazu später mehr.

Und dann habe ich noch in einem Blogeintrag von Manfred Kaul den Hinweis auf die Canterbury QuestionBank gefunden. Das ist ein Pool von zur Zeit gut 650 Informatik-Aufgaben, den man als html, pdf, xml, oder doc herunterladen kann (lizenziert unter BY-NC-SA 3.0).
Ein Beispiel für eine Aufgabe:

Welche Datenstruktur, mit der man eine Menge implementieren könnte, hat die ungünstigste Laufzeit für eine Methode Menge.enthaelt?
A Binärer Suchbaum
B Verkettete Liste
C Sortiertes Array
D Hashtable

Die Aufgabe ist unter anderem verschlagwortet mit “Schwierigkeitsgrad 1 (niedrig)” und “Bloom-3-Analysis”. (Hier lautet die Reihenfolge: 1‑Knowledge, 2‑Comprehension, 3‑Analysis, 4‑Application, 5‑Synthesis, 6‑Evaluation.) Hätte ich das auch unter Analyse getan oder doch nur unter Verständnis?

Vor- und Nachteile von Lernzielen

Mit einer Lernzieltaxonomie hat man ein einheitliches Format, um sich über Unterrrichtsstunden und Lehrmaterial auszutauschen. Und mit Lernzielen macht man sich als Lehrer vor einer Stunde Gedanken darüber, welches Ziel man mit der Stunde überhaupt erreichen will. (Oder mit der ganzen Sequenz, dann mehr so als Grobziel.) Wenn man nur verschwommene Vorstellungen hat, was am Ende der Stunde herauskommen soll (und dazu zählt: wir machen die Seite 17 und 18 im Buch), dann kommt leicht eine Stunde heraus, in der Schüler und Lehrer sich gegenseitig nichts tun, womit alle zufrieden sind – aber gelernt wird nichts Sinnvolles.
Wenn man sich als Lehrer dagegen vornimmt, dass die Schüler am Ende der Stunde ein konkretes Lernziel erreicht haben sollen, dann arbeitet man zielgerichteter. Das Erreichen des Lernziels kann man dann mit einer Lernzielkontrolle überprüfen. Das geht um so besser, je operationalisierter ein Lernziel ist.

(Operationalisierung: Das ist die möglichst genaue Beschreibung unter Angabe aller Bedingungen. “Der Schüler kann innerhalb von einer Minute drei Beispiele aufzählen.” Dazu gehört eben auch ein geeigneter Operator: Ungeeignet sind etwa Lernziel-Operatoren wie “wissen, verstehen, vertrauen, wertschätzen, einsehen, begreifen”, weil sich die nicht überprüfen lassen. Geeignet sind “beschreiben, identifizieren, unterscheiden, aufzählen, begründen, anwenden, benennen.”)

Andererseits: Die Konzentration auf Lernziele kann dazu führen, dass man sich nur die heraussucht, die auch tatsächlich operationalisierbar sind. Damit fallen affektive Lernziele schon mal weg. Außerdem wird der Unterricht unflexibel, wenn man nicht gelernt hat, von den anvisierten Lernzielen abzuweichen. Und schließlich kann es auch gewinnbringend sein, wenn man nicht als Lehrer die Lernziele und ihre Reihenfolge vorgibt, sondern die Schüler erst einmal arbeiten lässt, bis sie selbst auf Probleme stoßen – manchmal ist die Reihenfolge der Lernziele ja nicht festgelegt.
Und dann tut auch noch die Kompetenzorientierung, als wäre sie etwas grundsätzlich anderes als Lernzielorientierung. Dabei geht es bei beidem letztlich um Messbarkeit.

Zurück zur Ausgangsfrage: Wann beherrscht man etwas?

Zugegeben, den Punkt habe ich inzwischen etwas aus den Augen verloren. Im psychomotorischen Bereich scheint mir das von der Naturalisierung ganz einleuchtend. Im affektiven Bereich ist Beherrschung vielleicht das falsche Wort (aber: Selbstbeherrschung). Im kognitiven Bereich… Marco schlägt als Kommentator vor “Ich kann es anderen beibringen/erklären”.

Das gefällt mir gut, und ich war auch selber schon auf den Operator “erklären” gestoßen. (Blogeintrag dazu.) Oft meint man mit “erklären Sie” dann doch nur: “Zeigen Sie, dass Sie wissen…”, und das ist natürlich etwas anderes, Bloom K4, schätze ich. Echtes Erklären taucht in der Schule kaum auf, jedenfalls nicht auf Schülerseite. Wo würde das bei Bloom stehen? War das damals noch nicht erfunden? Oder blieb das der Lehrkraft vorbehalten, war außerhalb des Geltungsbereichs der Taxonomie? Oder ist das Erklärenkönnen eine untergeordnete Sekundärfähigkeit?

(So, Ferien und Jahresende, Zeit fürs Aufräumen. Deshalb muss der Blogeintrag jetzt einfach raus, auch wenn er noch nicht fertig ist.)

Ein Stock von Hauptschulblues

Weil Hauptschulblues gefragt hat:

1. Sind Sie ein Stehaufmännchen oder ein Wackelkandidat?
(Optionale Frage, trotzdem beantwortet) Stehaufmännchen. Vielleicht bin ich auch noch nie richtig geschüttelt worden. Aber ich halte mich für robust. Ich kann mich an ein paar Male erinnern, wo ich wieder aufgestanden bin.

2. Welches Gedicht können Sie ohne zu zögern aufsagen?
Vollständig… kaum eines. Matthias Claudius, “Der Tod”, aber das ist auch kurz. Mehr Verse kann ich von Chaucer, aber kein Gedicht. Früher konnte ich ein paar mehr. (Ein paar klassische Haikus kann ich auch noch. Und Ernst Jandls “Lichtung”.)

3. Wenn Sie an Ihre eigene Schulzeit denken, wie fühlt sich das an?
Fern. Viel ferner als noch vor zehn Jahren. Es war so vieles anders als heute. Aber schön. Ich habe die Schule sehr genossen und bin ebenso gerne von ihr gegangen, ohne mich umzudrehen.

5. Ich plane eine Überraschungseinladung für eine Handvoll Blogleser. Möchten Sie teilnehmen?
Ja.

6. Welche CD begleitet Sie schon ganz lange? Was löst sie bei Ihnen aus?
Hm. Es müsste wohl eine LP sein, wenn sie mich schon lange begleitet. Ich glaube, die Platten, die mich lange begleitet haben, höre ich gar nicht mehr so viel. Mir fallen ein paar Titel ein, aber keiner, der besonders hervorsticht.

7. Was ist Ihr Luxus?
Strukturell lebe ich vermutlich rundum im Luxus. Aber relativ zu meinem Alltag, also was ich mir Besonderes gönne oder gönnen kann – jemand, den ich fürs Putzen bezahle, vermutlich.

8. Welches Buch haben Sie schon x‑mal gelesen. Warum?
Ich bin meine Listen durchgegangen, und es ist wohl David Lodge, Changing Places. Das habe ich im Studium gelesen (wenn auch nicht für die Uni), mit Schülern, für eine private Leserunde, und vermutlich auch mal so zwischendurch aus Vergnügen. Iphigenie und Faust für die Schule?

9. Warum bloggen Sie?
Aus Mitteilungsbedürfnis. Das sinkt allerdings eher in den letzten Jahren. Es wiederholt sich so viel.

10. Was macht Sie liebenswert?
Das ist eine loaded question, die präsupponiert, dass ich liebenswert bin. Was macht mich liebenswert? Dass ich ein Mensch bin. Menschen sind liebenswert. Aber gut, wenn ich mir die Frage so ganz im herkömmlichen Sinn anschaue – ich weiß nicht, ob ich liebenswert bin. Ich biete an: Geduld und Freundlichkeit, aber auch das nicht immer.

11. Sie stehen vor Ihrem Schöpfer (ungeachtet der Tatsache, ob Sie daran glauben oder nicht) und dürfen eine Frage stellen. Welche wäre es?
(Optionale Frage, trotzdem beantwortet) Vermutlich etwas Mathematisches. Ob P = NP ist oder nicht. Was sollen mir andere Antworten auch bringen? Oder kann ich die Antworten mitnehmen und hier für irgendwas benutzen, so für Wettgewinne? Darf ich überhaupt davon ausgehen, dass dieser ominöse Schöpfer alle Fragen beantworten kann?

ECTS an der Schule

Manchmal, und vermutlich traditionell, wird an der Uni über Verschulung geklagt. Oder über Bologna. Seit dem mit diesem Schlagwort verbundenen Umgestaltungsprozess ist das Studium ja modularisiert, das heißt unter anderem, dass jede Veranstaltung eine bestimmte Menge an Credits (European Credit Transfer System) wert ist. Im Laufe eines Studiums – sagen wir Lehramt Gymnasium – muss man insgesamt gut 270 ECTS-Punkte in verschiedenen Bereichen erbringen, das steht in der Lehramtsprüfungsordnung I.

Dabei stehen diese Credits nicht für eine gute oder schlechte Leistung, sondern allein für den Arbeitsaufwand. Dabei entspricht 1 Credit etwa 30 Stunden Arbeit, im Schnitt rechnet man pro Semester mit 30 Credits Arbeit. So ein Semester hat etwa 15 Wochen.

Eine typische zweistündige Veranstaltung ist zum Beispiel 3 ECTS wert. Ein Drittel der 90 Zeitstunden, denen das entspricht, ist durch die Anwesenheit in der Veranstaltung abgedeckt, zwei Drittel bleiben für die häusliche Nachbereitung. Zumindest theoretisch…

– Gibt es so etwas auch für die Schule? Zumindest hat die KMK festgelegt, wie viele Schulstunden Schüler bis zum Abitur insgesamt hinter sich gebracht haben müssen. Aber wie viel häusliche Arbeit außerhalb der Stunden darf man verlangen? In der Schulordnung und Praxis heißt es, dass man das irgendwie koordinieren soll, etwa durch Eintrag in ein Klassenbuch, in das jeder Lehrer einträgt, wie viele Minuten Hausaufgabe man aufgibt, damit das ingesamt nicht zuviel wird.

In einem Schülerblog hat eine Schülerin protokolliert, wieviel Zeit sie für die Schule aufwendet. Bayerisches Gymnasium, Oberstufe. Hier das Ergebnis. (Link via susiiiq.) Kurzfassung: 49 Stunden und 28 Minuten.

Im Deutschunterricht kommt die Hausaufgabe meist punktuell, dann aber zeitintensiv – Aufsätze schreiben, Lektüren lesen. Im Informatikunterricht würde ich am liebsten viel Hausaufgabe geben – Programmierübungen, denn Programmieren lernt man nur durch Programmieren.

Kurzum: Wieviel ECTS ist mein dreistündiges Informatik wert? Sind alle Fächer gleich viele ECTS wert? Macht es einen Unterschied, ob es ein Lernfach oder ein Übungsfach ist, ein Pflichtfach, ein Abiturpflichtfach, oder nicht? Immerhin wüssten die Schüler dann, wie viele Stunden erwartet würden.

Wenn man die Uni schon verschult, könnte man ja vorher auch die Schule verschulen.

Ich sag’s nicht oft genug, das Web ist so schön

Insbesondere Youtube. Ich kommentiere da zwar nicht mehr, seit Google damals etc., aber ich finde es wundervoll, einfach so nach Filmschnipseln suchen zu können, auf die man gerade Lust hat, und sich dann davon zu anderen Schnipseln treiben zu lassen. Nichts gegen süße Tiervideos, aber bei mir sind es Tänze. Angefangen habe ich bei dieser Nummer von Eleanor Powell und Fred Astaire (die ich schon mal verlinkt habe, aber ich seh sie einfach zu gern). Hier nur die Kurzfassung, die kürzere zweite Hälfte:

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Gedichte liest man und erfreut sich daran, Tanzvideos ebenso. Aber dann macht es schon auch Vergnügen, sich so ein Gedicht genauer anzuschauen, wie das funktioniert und wie es sich von anderen Gedichten unterscheidet, und was diesen Tanz ausmacht und wie er sich von anderen Nummern unterscheidet. (Wann tanzen sie parallel, wann nicht, wann mit‑, wann gegeneinander? Habt ihr gesehen, wie die sich immer wieder um sich und um einander drehen? Die weit ausholenden Handhaltungen?)

Daneben war ein Link zu folgendem Video, das kannte ich schon, Fred Astaire nannte sie die beste Steptanznummer. So weit möchte ich nicht gehen, die – allerdings beeindruckenden – Spagate sind mir etwas zu gehäuft:

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Am Anfang Cab Calloway, den die meisten von uns zum ersten Mal in den Blues Brothers gesehen haben dürften.
Mehr als dreißig Jahre später tanzen die Nicholas zusammen mit Michael Jackson, der auch mitsteppt:

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Ich bin jetzt mal weitergucken.

Joseph Maria Samulskie, Kopieranstalt

samulskie_psychoknastEin Buch von Bertram Altekamp, einem Grundschullehrer aus Münster, veröffentlicht unter Pseudonym. Es geht darin um Benno Heinen, einen frustrierten Grundschullehrer, der seine böse Seite mal so richtig heraushängen lässt. (Und in der Fortsetzung dann auch in einer psychiatrischen Anstalt landet.) Das Buch ist so mittelgut geschrieben; der Autor scheut wie so viele das einfache Verb “sagen” und lässt seine Figuren stattdessen alles mögliche tun, um ihre Äußerungen herauszubringen. Trotzdem habe ich es interessiert und mit Vergnügen gelesen.

Dieser Benno Heinen, der dreht schon wirklich durch. Er rächt sich für echte oder eingebildete ungerechte Behandlung an Grundschülern, Kollegen, Schulleitung, das ganze eskaliert, bis es Tote gibt. Demnach spielt die Fortsetzung eben auch in einer Anstalt. Nun bin ich selber viel zu faul und zu zufrieden, als dass ich solche Rachefantasien in der Schule selber hätte. Ganz gelegentlich gönne ich mir mal eine gedachte Abschiedsrede zur Pensionierung, entweder für Kollegen oder meine eigene, aber auch das nicht oft. Trotzdem bereit es mir ein gewisses entrüstetes Vergnügnen, quasi stellvertrend diesen Benno Heinen all diese Sachen machen zu lassen, die man wirklich, wirklich nicht machen sollte.

Das erste Buch hat mit dabei besser gefallen als die Fortsetzung. Bei der fiel mir auf, wie übertrieben und klischeehaft das doch alles war. Das stimmte ja alles gar nicht. Komisch – bei der Schule hat mich das nicht gestört, und das war natürlich genauso überzogen.

Informatikunterricht auf Englisch, gelegenheitshalber

Weil heute in meinem Informatik-Q11-Kurs ein ausländischer Gast da war, der kein Deutsch konnte, habe ich die Stunde auf Englisch gehalten. Klar, Gäste sollen ja auch Deutsch hören, aber das können sie in anderen Fächern auch, und ich habe in den letzten Jahren so wenig Englisch unterrichtet, dass ich die Gelegenheit ergriffen habe, mal wieder Englisch zu reden.

Das ging auch ganz gut; die Stunde war lehrerzentrierter als sonst, weil ich mit einigen Folien ein neues Konzept einführte, nämlich das Kompositum-Entwurfsmuster, und wie uns das bei unseren Listen helfen würde. Mit dem Wortschatz habe ich bei Informatik keine Schwierigkeiten: composite pattern, inheritance, to implement, to extend, class, instance – da die meisten Programmiersprachen (aber nicht alle) Englisch als Grundlage haben (class, if, else, while…) und viele Begriffe internationale englisch-basierte Begriffe sind. Und dass der “Knoten” in Listen und Bäumen nicht knot, sondern node heißt, dass wusste ich. Viel Informatik-Literatur ist auf Englisch geschrieben, viele wissenschaftliche Arbeiten, auch aus Deutschland, werden gleich Englisch verfasst. Wie gut das Englisch dabei ist, weiß ich gar nicht, muss ich mal nachschauen.

Ansonsten fehlt mir sicher für viele Fächer die Terminologie, vor allem Mathe. Ich bin schon stolz darauf, dass ich weiß, was spitzer und stumpfer Winkel heißt und gleichseitiges Dreieck, aber dann hört es auf. Das fängt schon an, dass ich Terme nicht richtig vorlesen kann, irgendwas mit “over” bei Brüchen (“fractions”) und so weiter.

Mit hat’s Spaß gemacht, den Schüler wohl auch, man ist ja für jede Abwechslung dankbar. Und Fachunterricht in der Fremdsprache, das hat schon was. Da hören die Schüler zu, intrinsisch oder extrinisch motiviert, weil es um Inhalte geht, die sie mitkriegen müssen. Im Englischunterricht selber ist es ja mitunter so, dass die Inhalte dann doch eher vorgeschoben sind, um einfach nur Englisch zu lernen. Passt ja auch zur Kompetenzorientierung, die die landeskundlichen Inhalte immer mehr aus den Lehrplänen vertrieben hat. (Natürlich bemühen Lehrer sich dabei schon, interessante Inhalte und herausfordernde Aufgaben zu finden.)

Ein Schüler ist immer dabei, der es dann auch mit einem geradebrechten “¿Habla español?” versucht. Nun kann ich gerade mal genug Spanisch, um sehr sicher und sehr flüssig sagen zu können: “Nur ein paar Wörter. Ich habe viel vergessen. Der Vater meiner Frau ist spanisch.” Aber diese Sätze bringe ich gerne bei jeder Gelegenheit an, und um Schüler zu beeindrucken reicht das. Außerdem kann ich noch eine eher nicht-idomatische Fassung von “Das Glas ist auf dem Tisch.” Das kann ich seltener anbringen.

Kurscafé

Wir arbeiten im Fach Deutsch in der 10. Jahrgangsstufe eng zusammen, damit die Schüler mit gleichen Voraussetzungen in die Kursphase der Oberstufe eintreten. In der Q11/Q12 setzen wir die Zusammenarbeit fort, was nicht heißt, dass alle die gleichen Lektüren lesen muss. Mein Kurs hat als Drama der Klassik Iphigenie gelesen, ein Parallelkurs Maria Stuart. Nach der Klausur trafen sich die beiden Kurse (eine hervorragende Idee des neuen Kollegen) in etwas, das wir “Kurscafé” genannt haben:

kurscafe

Die Schüler von Kurs 1 bekamen einen Laufzettel von Informationen, die Sie über Iphigenie einholen sollten, die Schüler von Kurs 2 einen Laufzettel für Maria Stuart. Dann setzten sie sich gemischt an Tische; am Ende von 60 Minuten sollten sie fertig sein und dann noch innerhalb des eigenen Kurses Material vergleichen. Statt Namenskärtchen gab es Klebeband mit dem Namen drauf, mehr aus dekorativen Gründen.

Wir hatten erwartet, dass die Schüler mehr wanderten, von Tisch zu Tisch gingen, aber das war nicht so. Man blieb größtenteils in der sich am Anfang ergebenen Tischkonstellation. Außerdem war die Zeit einmal zu lang und einmal zu kurz; zu kurz insofern, als die Schüler mit gegenseitigen Fragen so sehr beschäftigt waren, dass keine Zeit mehr zur Sicherung im eigenen Kurs blieb, zu lang insofern, als die Konzentration – nicht der gute Wille – nach 70 Minuten nachließ.

Verbesserung fürs nächste Mal, denn das wollen wir bei der nächsten getrennten Lektüre wieder machen: den Inhalt vorentlasten, so dass nur noch Informationen über Aufbau, Symbole, epochentypische Elemente und so weiter ausgetauscht werden müssen. Weniger Fragen. Und die in geeigneter Reihenfolge auf dem Laufzettel, weil die Schüler diesen doch oft von oben nach unten durcharbeiten.

Tänze von früher

Gumnaan (1965):

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Der Tiger von Eschnapur (1958):

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Das indische Grabmal (1958):

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Zu den letzten beiden Ausschnitten: “Der Tiger von Eschnapur” und “Das indische Grabmal” kenne ich seit früher Kindheit; sie haben sich nicht wirklich gut gehalten. Eine Mischung aus James Bond, Indiana Jones und dem Wirtshaus im Spessart. Ganz viel Korken im Gesicht und völlig humorlos. Unvergessbar aber die zombieartigen Leprakranken in ihrem unterirdischen Verlies – grüne Hautfarbe, unartikuliert, Kleidung in Fetzen, ausgestreckte Arme, langsame Bewegungen (Video).

– Neben den Filmen von 1959 gibt es auch Fassungen von 1938 (mit La Jana, Theo Lingen und Gisela Schlüter) und 1921, auch jeweils als Zweiteiler. Die Version von 1938 habe ich als Teenager mal im Fernsehen gesehen; auf Youtube findet man zumindest den ersten Teil, und der erste Teil von 1958 ist im Internet Archive.

Vom Referat zur Habilitationsschrift

Neulich im W‑Seminar, Tabelanschrift:

Habilitationsschrift
Doktorarbeit (Dissertation)
Masterarbeit
Bachelorarbeit
Seminararbeit
W‑Seminar-Arbeit
Referat

Damit die Oberstufenschüler wissen, was es so an Arbeiten gibt und wo die W‑Seminar-Arbeit hinführen soll. Jede Arbeit soll, habe ich jedenfalls behauptet, eine Frage stellen und beantworten. Und dann haben wir Fragen gesammelt und überlegt, auf welcher Ebene die wohl am ehesten zu beantworten wären. Manche Fragen sind einfach zu umfassend für ein W‑Seminar-Thema. Oder überhaupt zu umfassend: Zu “Einfluss des Menschen auf die Umwelt” kann man einen Essay schreiben, aber keine wissenschaftliche Arbeit, da müsste man die Frage viel enger stellen. Und ja, auch das Schülerreferat soll eine Frage stellen und beantworten und sich nicht in einer Inhaltsangabe erschöpfen.

Dann haben wir uns ein paar Doktorarbeiten an der LMU München angeschaut, auf Schülerwunsch in den Bereichen “Antike, mittelalterliche und östliche Philosophie” und “Informatik”. Festgestellt: In der Informatik sind fast alle Dissertationen auf Englisch. Tja.

Bei einigen Arbeiten kann man schon am Titel erkennen, was die Frage ist: Und der Meister sprach…: Die Darstellung des Konfuzius in Texten der Zhanguo- und Frühen Han-Zeit oder Tunica – Palla – Vellata: Analyse figürlicher Darstellungen aus dem mediterranen Bereich in Spätantike und Frühmittelalter. Andere sind für meinen Geschmack wieder zu allgemein: Buddhismus und Moderne in China und Japan.

(Auch die TU München macht viele Doktorarbeiten und Habilitationsschriften digital zugänglich.)

So schöne Titel wie in manchen Doktorarbeiten können bayerische W‑Seminar-Arbeiten allerdings nicht haben: aus technischen Gründen ist die Länge des Titels auf eine twitterartig kleine Anzahl von Zeichen beschränkt.

P‑Seminar aus St. Ottilien

Kurt Zobrist von der Sprechstunde schreibt über ein P‑Seminar des Rhabanus-Maurus-Gymnasiums in St. Ottilien, in dem Werbefilme für die Schule produziert wurden. Zwei der drei Filme sind bei Yotube zugänglich:

Lichtblicke, Platz 1:

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und

No more Shades of Grey, Platz 2:

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Würde mir für meine Schule auch gefallen, so ein Film. Wir hatten mal eine Weile lang eine Film-AG, aber die war nicht zu so etwas zu bewegen. Ich habe mir dann auch gleich mal die Wikipedia-Seite zum Rhabanus-Maurus-Gymnasium angeschaut. Bei dem Satz

schloss bei den Jahrgangsstufentests des bayerischen Kultusministeriums sowie des Bundeswettbewerbs Mathematik wiederholt als eines der besten Gymnasien in Bayern ab.[1][2][3][4]

hätte zwar “[1]” genügt, weil die restlichen Quellen ins Leere laufen, aber trotzdem: wer kann, der kann.

(Meine Schule hat natürlich auch eine Seite bei Wikipedia. Wäre schön, wenn die spannender wäre, aber mir fällt nichts dazu ein.)