Lebenszeichen

Es geht mir gut, mir liegen endlich wieder viele Blogeinträge in den Fingern, aber ich habe keine Zeit dafür. Nach meiner Abwesenheit wartet Aufgeschobenes: Eltern besucht, Freund beim Aufsetzen eines neuen Betriebssystems geholfen, gewandert, davor Personalausflug. Und jetzt erst mal die Schule. Am Schuljahresanfang finde ich die immer besonders anstrengend. Nicht, weil ich das Unterrichten nicht mehr gewohnt bin – da ist man gleich wieder drin. Das Vorbereiten kostet besonders viel Zeit. Im Lauf des Schuljahres denke ich mindestens ein paar Wochen voraus, meistens noch weiter, weil ich dann weiß, wo ich bin und wo ich hinwill mit der Klasse. Die konkreten Stunden überlege ich mir zwar auch erst ein oder zwei Tage vorher, aber die Grobplanung habe ich im Kopf. Am Anfang des Schuljahrs kenne ich die Klasse noch nicht. Soll ich jetzt mit Lyrik weitermachen oder mit Erörterung? Steige ich mit Vektorgrafik ein, oder doch mit ein wenig Pixelgrafik zuvor, oder mit Theorie, wie es das Buch vorsieht? Selbst wenn ich einen Kurs aus dem Vorjahr fortsetze, weiß ich das nicht sicher. Also hangle ich mich von Tag zu Tag und halte mir viele Optionen offen.

Wobei hangeln nicht gleich baumeln ist, im Sinne von baumelnden Füßen. Heute zwei Stunden Unterricht, Pause, zwei Stunden Unterricht, Pausenaufsicht, Teamtreffen Q11, Personalrats-Schulleitungstreffen, zehn Minuten Pause, Treffen der Schulentwicklunsgruppe, zwei Stunden Unterricht. Von letzterem klingelt mir jetzt noch ein Ohr – eine 6. Klasse zum ersten Mal im Computerraum, das summt und brummt. Ich bin aber auch gerade erkältet und so.

Fünf Tage ohne Kamm

Ich bin gerade in Darmstadt. Ich war schon mindestens einmal in Darmstadt, 1984, glaube ich. Das war auf Burg Frankenstein, mit Übernachtung im Zelt, ein Treffen eines Clubs, der aus historischen Gründen Fantasy-Department hieß. Oder so. Auf dem Bild bin ich rechts in der Mitte:

Und wir spielen gerade DSA. In Darmstadt habe ich auch zum ersten Mal Kingmaker gespielt, und Civilization, bei einem Besuch bei Herrmann Ritter.

– Dieses Mal war ich die ersten zwei Nächte in einem Naturfreundehaus im Wald unter lauter Informatikdidaktikern, als Teil einer kleinen Arbeitsgruppe. Das war ein bisschen so ähnlich. Geradezu gerührt hat mich, dass wir WFF N PROOF gespielt haben. Das ist ein obskures kaum spielbares Logikdenkspiel, für das ich zum letzten Mal vor fünfundzwanzig Jahren Mitspieler gefunden habe. Damals kannte ich noch keine Informatiker. Das Spielen ging jedenfalls richtig gut.

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Am letzten Tag kam die Dame, die sich um das Haus kümmert, kurz vorbei fragte in den Raum, ohne die Gruppe tatsächlich zu kennen, ob vielleicht jemand da sei, der ihr bei einem Problem mit dem Smartphone helfen könne. Schweigen. Eine schwierige Frage für einen Raum voller Informatiklehrer. Wenn man sich nicht auskennt, ist das nicht gut, wenn man sich zu gut auskennt, auch nicht. Das ist ja keine Informatik. Und vorpreschen will man auch nicht. Nun, wir haben es dann ohnehin nicht weit gebracht mit unseren Hilfeversuchen. Aber Schokolade kriegten wir dafür.

Inzwischen bin ich in einem Hotel und nicht mehr im Wald. Jetzt ist nämlich gerade die Informatikdidaktiktagung, wegen der ich hier bin. Gestern abend Essen und Spieleabend mit fremden Menschen, heute Vorträge und Workshop, morgend auch wieder, und ein Konferenzdinner – da habe ich mir den Abend frei genommen, um mal allein sein zu können. Vom Griechenlandurlaub her habe ich noch genug Mitmenschenerfahrung mitgenommen, das reicht dann immer wieder mal.

Inhalte der Vorträge und zur Rolle des Netzwerkens: Vielleicht später mal, wenn ich nicht auf dem Tablet tippen muss.

PS: Kamm zu Hause vergessen. Habe jetzt Ansätze zu schütterer, aber erkennbarer wuseliger Informatikermähne.

Ah, Schulanfang!

Was für ein schöner Beruf: Einmal im Jahr, Mitte September, sozusagen im frühlinghaften Wonnemonat des Lehrerberufs (siehe auch Eugen Roth, “So ist das Leben”) – einmal im Jahr mindestens fühlt man sich voller Schwung und Optimismus, will die alten Fehler vermeiden und neue ausprobieren, freut sich auf neue Gesichter (Schüler) und ist nur mäßig mürrisch gegenüber den alten (Kollegen).

Der Herbst kommt dann früh genug.

– Gestern war die Eröffnungskonferenz. Ich habe Fotos der neuen Kolleginnen für die Fotowand gemacht und gleich mal nach ihnen gegoogelt. (Es war eine lange Konferenz, die mich nicht völlig forderte.) Mein Stundenplan ist gut, wie jedes Jahr, ich bin aber auch leicht zufrieden zu stellen. Spannende Klassen, aber jede Klasse ist spannend, zumindest im September.

Ansonsten viele spannende Interna.

E.T.A. Hoffmann, “Die Räuber” (und anderes im Urlaub Gelesenes)

E.T.A. Hoffmann, “Die Räuber”

(Text.) Zwei junge Leute (“mögen sie Hartmann und Willibald genannt werden”) ziehen auf Abenteuer Richtung in Italien und geraten in einen Räuberhinterhalt in einem Wald in Böhmen. Glücklich entronnen werden sie vom örtlichen Grafen aufgenommen. Der heißt Maximilian und hat einen Sohn Franz. Auf dem Schloss lebt auch die Gräfin Amalia, die von Franz begehrt wird, dessen Liebe aber nicht erwidert. Ha, denken sich Hartmann und Willibald, das ist ja fast wie bei Schillers Räubern, fehlen nur noch ein Bruder Karl und ein Diener Daniel. Sie sprechen Franz auf die Ähnlichkeit in der Konstellation an. Der erbleicht. Denn natürlich gibt es noch einen Bruder, Karl mit Namen, der tatsächlich unter die Räuber gegangen ist. Und Daniel, den Diener, gibt es auch.
Die Geschichte entwickelt sich dann auch weiter wie bei Schiller. Allerdings ist Karl wohl wirklich ein fieser Räuber, und Amalia liebt ihn als Unwürdigen. Am Schluss brennt das Schloss, das Geschlecht wird ausgelöscht, wie wir in zwei Briefen lange nach der Haupthandlung erfahren.
Spuren von Usher und, natürlich, Rosencrantz und Güldenstern. Ein toller Ausgangspunkt für eine Geschichte, ein schöner letzter Absatz (“Willibald und Hartmann, gedenken aber noch jetzt […] oft jenes entsetzlichen Trauerspiels in Böhmen, dessen ersten Akt ein seltsames Verhängnis sie mitspielen ließ, und in ihrem innersten Gemüt erbeben dann tiefe Schauer”) – aber was ein Borges oder eben Tom Stoppard daraus gemacht hätten, das entgeht Hoffmann noch. Ist aber auch eine nachgelassene Novelle.

E.T.A. Hoffmann, “Ignaz Denner”

(Wikipedia.) Eine wilde Räubergeschichte. Der brave Andres, gräflicher Jäger in ärmlichen Verhältnissen, erhält immer wieder finanzielle Hilfe und Arznei für seine schwerkranke Frau von einem Fremden, der ihn in einigermaßen großen Zeitabständen besucht. Schließlich stellt sich heraus, dass der Fremde Ignaz Denner ist, berüchtiger Anführer eine Räuberbande. Er verstrickt Andres in seine Machenschaften. Nachdem er sich schuldig gemacht hat, will Andres nichts mehr von Ignaz wissen. – Später wird das Gut des Grafen überfallen, Andres ist auf einer Reise und hat kein Alibi. Nach seiner Rückkehr erfährt er, dass Ignaz seinen (Andres’) jüngsten Sohn getötet hat. (“Die ganze Stube voller Blutflecke an dem Boden, an den Wänden, sein jüngster Knabe mit zerschnittener Brust tot auf seinem Bettchen.”) Außerdem wird Andres als Mittäter unschuldig eingekerkert.
Jetzt geht die Geschichte erst richtig los. Ignaz ist nicht nur heimlich der Vater von Andres’ Frau, sondern ein Hexenkünstler, der aus dem Blut von Kindern Untersterblichkeitsserum gewinnt. Das hat er bei seinem Vater gelernt, einem noch fieseren Schwarzkünstler, der auch noch auftaucht. Andres erhält doch noch ein Alibi und wird gerettet, aber seine Frau stirbt bald, und Denner macht sich an das zweite Kind heran. (“Vor dem Feuer lag Georg nackt ausgebreitet auf einer Art Rost, und der verruchte Sohn des satanischen Doktors hatte hoch das funkelnde Messer erhoben zum Todesstoß.”)
In der zweiten Hälfte der Novelle driftet die Geschichte gehörig ins Gruselig-Konstruierte ab. Interessant.

E.T.A. Hoffmann, “Haimatochoare”

(Wikipedia.) In dieser sehr kurzen Briefnovelle wird die wachsende Feindschaft der eigentlich befreundeten englischen Naturforscher J. Menzies und A. Brougthon erzählt. Sie entzweien sich während einer Expedition nach Hawaii, wo der eine eine bezaubernde Südseeprinzessin entführt und der andere darauf besteht, dass sie ihm gehört. Bei Wikipedia wird die Pointe verraten.

Charlotte Perkins Gilman, “The Yellow Wallpaper”

(Wikipedia, wo auch Link zum Volltext.) Eine Gruselgeschichte von 1892, die ich als ebensolche als junger Mensch kennenlernte. Eine kränkelnde Frau, die unzuverlässige Erzählerin, wird nach und nach wahnsinnig in dem Zimmer, in das ihr Mann sie zur Rekobvaleszenz drängt. Auslöser ist das Muster der gelben Tapete, nach und nach entdeckt sie darin eine Frauenfigur, die einem Gittermuster im Vordergrung zu entkommen versucht. Man kann die Geschichte mindestens als Gruselgeschichte lesen, als Chronologie eines Wahnsinn, und natürlich drängt sich heute – aber wohl schon zur Entstehungszeit – eine feministische Deutung auf.

Griechenland: Gesehenes

Der Athene-Tempel auf der Akropolis in Athen:

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Der Eingangsbereich zur Akropolis-Anlage, mit Säulen links und rechts und einem nicht mehr recht vorhandenen Dach, heißt Propyläen. Hier ein Selfie in den Propyläen:

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Zu Füßen der Akropolis liegt im Süden das Dionysos-Theater, das wichtigste und, soweit ich weiß, älteste Griechenlands. Die Steinsitze sind etwas jünger:

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Delphi. Eine weiträumige Anlage, in eine Bergseite gebaut, heiß und doch mit sehr viel Grün drumherum.

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Besuch im Kloster Agia Lavra in der Nähe von Kalavrita. Alter Baum zum Empfang:

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Kalavrita selbst ist unter anderem für ein Massaker der Deutschen im zweiten Weltkrieg bekannt. Eine der beiden Kirchturmuhren zeigt noch dessen Uhrzeit an:

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Die letzten drei Tage in Nauplia (es ist ein bisschen schwierig mit den Namen, die Orte haben oft einen altgriechischen, neugriechischen und eingedeutschten Namen) waren dann mehr Erholung. Ausflüge, ja, aber auch viel freie Zeit zum Bummeln. Man verbringt die Nachmittage damit, den Mitreisenden aus dem Weg zu gehen, ganz so groß ist die touristische Mitte Nauplias auch nicht. Aber sehr schön.
Hoch über Nauplia liegt die Festung Palamidi aus dem 18. Jahrhundert. Schöne Aussicht und ganz schön viel Treppensteigen:

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Dort, wie in Athen auch, überall “zu vermieten”:

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Abends waren einige Tavernen und Bars recht leer. Ich habe mich bemüht und möglichst viele besucht. Aber gut, das Nachtleben beginnt dort eh zu einer Zeit, wenn ich schon wieder nicht mehr auf der Straße bin.

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Abstecher nach Olympia, dem bekanntesten Veranstaltungsort für Spiele. (Aber auch an den anderen Heiligtümern gab es ähnliche Spiele.) Ins Stadion zog man damals schon durch einen Tunnel, von dem jetzt nur noch ein langer eingesunkener Gang und ein Bogen übrig ist. Aus unseren Kopfhörern kam “Chariots of Fire”, legitimiert auch durch die Nationalität Vangelis’ – kitschig, dated, aber funktioniert.

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Wenn man in griechischen Museen “vorgeschichtlich” liest, ist meist “mykenisch” gemeint. Diese indoeuropäische Kultur sprach eine frühe Form des Griechischen, schrieb in der Silbenschrift Linear B (erst seit den 1950er Jahren entziffert), die sie von der noch früheren minoischen Kultur abgeschaut hatten (Linear A, noch kaum entziffert), und erlitt einen mehr oder nach anderen Theorien auch etwas weniger plötzlichen Niedergang aus ungeklärten Gründen. Für die Griechen des klassischen Altertums war das graue Vor- und Legendenzeit, die Mauern von Mykene nannten sie Zyklopenmauern, weil so große Steine ja wohl nur Zyklopen auftürmen hatten können. Es gibt eine Kontinuität von mykenischer zu klassisch griechischer Götterwelt, auch wenn auf dem Weg viele Götter wohl nicht übernommen wurden.
Mykene war beeindruckend.

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Das besterhaltene Theater Griechenlands steht in Epidauros. Ich habe mich natürlich auch in die Mitte unten gestellt und deklamiert. Chaucer, “The Nun’s Priest’s Tale”, weil ich das am besten auswendig kann. Dass die Akustik so gut ist, dass man auch oben noch viel versteht: geschenkt. Aber unten selber stehen und reden, das ist beeindrucken! Das brummt im Bauch, unglaublich. Unbedingt mitnehmen, auch wenn man sich bei Deklamieren blöd vorkommt.

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Nachtrag zum Reisen in einer Reisegruppe: Üblicherweise sieht mein Urlaub so aus, dass ich mit Frau Rau ein bis drei Wochen in einer Stadt bleibe und nur ab und zu Tagesauflüge mit öffentlichen Verkehrsmitteln mache, wohin die einen halt bringen. Dazu viel Lesen, viel Herumsitzen, Kaffeetrinken.
Mehr Sehenswürdigkeiten in kürzerer Zeit habe ich in der Reisegruppe gesehen. Und ein bisschen Agatha Christie ist dabei (“Tod auf dem Nil”), auch wenn bei ihr noch keine Lebensmittelunverträglichkeiten und ‑abneigungen eine Rolle spielten (darunter: Öl, Zwiebeln, Obst, Fleisch, Tomaten, Meeresfrüchte, Melone). Ein bisschen Karl May ist auch dabei, so mit örtlichem Fremdenführer.
Wenn ich mit Frau Rau unterwegs bin, sind meine Gespräche natürlich etwas tiefer. Ich hatte eine Woche weitgehend nur phatische Kommunikation. Das reicht erst mal eine lange Weile vor.

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So ab 4:35.

Griechenland: Tiere

Katzen auf der Akropolis in Athen:

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(Mindestens ein Guide da oben hat sie mit Dosenfutter versorgt.)

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Elstern gibt es dort oben auch:

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Und in ganz Athen, auf der ganzen Peloponnes hört man Zikaden. So wie unsere Grillen, aber viel lauter. Und Zikaden haben wenig mit Grillen zu tun. Es gibt viele Arten davon, die Gruppe der Singzikaden sind die, die man kennt, weil man sie hört – die Männchen jedenfalls. In der griechischen Mythologie werden sie mit Gesang und mit Unsterblichkeit verbunden. Diese hier habe ich an einem Baum entdeckt, dem Geräusch folgend. Sie war etwa drei Zentimeter groß:

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Ein Eichelhäher oben am Athener Himmel:

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Und Spatzen am Boden. In München gibt es es keine Spatzen:

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Ein Schmetterling an einem Parkplatz. Aber auch sonst gab es viele Schmetterlinge:

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Katze in Epidauros:

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Tauendfüßler dortselbst:

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Katzen in Mykene:

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Ziegen in der Ferne:

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Echse in Olympia:

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Kleine Fischlein in Nauplia:

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Und die Mauersegler dort:

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Viele, viele Mauersegler, aber sie sind nicht leicht zu fotographieren. Eigentlich müssten die Mauersegler, hätte ich gedacht, um diese Zeit schon wieder in Afrika im Winterquartier sein. Ich war ja nur ein paar Tag ein Nauplia, war das eine Pause vor der Überquerung des Mittelmeers oder bleiben die Vögel am Ende doch länger dort? Laut Aristoteles ist der Mauersegler das ganze Jahr in Griechenland; vielleicht war das Klima zu seiner Zeit dort wärmer? Oder, letzter Versuch, das waren gar keine Mauersegler, sondern die sehr ähnlichen Fahlsegler. Wikipedia sagt, dass die bis September bleiben, wenn auch nur im äußersten Süden Europas. Das würde ja einigermaßen passen.

Griechenland: Gegessen

Löslicher Kaffee mit Schaum und Eiswürfeln (frappé):

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Loukoumades:

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(Sehr lecker. Ganz frisch gemacht, frittierte Hefeteigbällchen mit Zimt, übergossen mit Honig und Nüssen. Außen sehr dünn knusprig, innen saftig und weich. Aber süß, das schon.)

Gegrillter Oktopus, etwas schwer zu schneiden. Die Speisekarte hatte mir gebratene Lammleber, Ziegenfleischsuppe und und Innereienspieß versprochen, das gab es aber alles nicht mehr.

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Noch mehr Oktopus, diesmal in leicht scharfer Tomatensoße, noch salZwässrig schmeckend. Den Geschmack kenne ich von spanischen Tintenfischkonserven:

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“Whitebait”, “small fry”, eine ökologische Sünde, aber sehr lecker:

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Darunter versteht man je nach Land etwas anderes. Das sind Jungfische einer Art (oder beliebiger, gemischter Art), im ganzen zubereitet.

Griechenland: Pflanzen

In Athen bin ich den Lykavittós hinauf, die höchste Erhebung innerhalb der Stadt, höher als die Akropolis. Sehr heiß, sehr trocken, sehr wüstenichte Pflanzen:

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Und viele dieser krumm stehenden Bäume:

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In Delphi wild wachsende Kapern:

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Eine Parkbank in Nauplia:

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Uuuund schräge Bäume in Nauplia:

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Packen ohne Jacken

Erkenntnis: Wenn man mal keine einzige Jacke in den Urlaub mitnimmt und keinen Pullover, dann braucht das Gepäck erstaunlich wenig Platz. Unbemerkt ist mir tatsächlich eine Hose mehr ins Gepäck gerutscht als geplant war.

Tag 3: Vormittags noch ein wenig Athenrundfahrt, mittags und nachmittags in großer, aber durchaus erträglicher Hitze in Delphi, Nabel der Welt und so, Heiligtum-Anlage und Museum. Abends auf der Peloponnes aufgeschlagen, in Patras. Noch vor dem Abendessen ins Mittelmeer.
Tag 4: Weiterhin in Patras. Ausflug nach Olympia, Ausgrabungsstätte und Museum. Dafür schon wieder am Spätnachmittag in Patras. Ich bin zu erschöpft, die Stadt zu erkunden, tippe ins Blog und freue mich aufs Baden im Meer.

Mein Bild vom Mittelmeer hat sich erst spät gefestigt, mit dem Atlantik war ich viel früher vertraut. Das Brettspiel Civilization (keine direkte Verwandtschaft mit dem gleichnamigen Computerspiel) hat viel zu meinem Mittelmeer beigetragen, als Wiege vieler, vieler Kulturen. Den Alltag eines Galeerensklaven habe ich zum ersten Mal in Ruyard Kiplings “The Finest Story In the World” vor Augen geführt gekriegt (aber vielleicht habe ich mir die Geschichte auch nur deshalb so gemerkt, weil sie ein wenig verwirrend ist). Und dann sind da die Zeilen von Gottfried Benn aus diesem schönen, mäßig bekannten Gedicht voller weiterer schöner Zeilen (mit einem einzigen Aussetzer im Tonfall):

Nachts auf Reisen Wellen schlagen hören
und sich sagen, dass sie das immer tun.

(Irgendwas sagt mir, dass das eher der Atlantik ist. auch egal.)

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Endlich die mir versprochenen kleinen Kohlrouladen, in Zitronensoße.

Zimmer mit Aussicht

Anfang der Ferien suchte ich nach einem Reiseziel und hatte Schwierigkeiten damit. Frau Rau hatte schon mal Erfahrungen mit dem Reiseveranstalter Studiosus gemacht, und kurz entschlossen buchte ich dort acht Tage geführtes Griechenland. Athen und die Peloponnes. Wegen Sonnenschein, Antike und modernem Griechenland.

Jetzt bin ich also Teil einer Reisegruppe (von 14 Personen). Das ist sehr interessant und passt zu meiner aktuellen Lektüre. Da muss ich etwas ausholen: Bei meinem aktuellen W‑Seminar bin ich auf einen deutschen Autor von Schauerromanen aus dem frühen 19. Jahrhundert gestoßen, über den ich mehr wissen wollte. Unter anderem besorgte ich mir eine Aufsatzsammlung zum Trivial- und Schauerroman jener Zeit, und einige Aufsätze darin waren sehr ergeibig. (Darüber werde ich noch einmal schreiben.) Einer brachte mich auf eine Anthologie mit Auszùgen aus Romanen dieser Zeit, Blutiges Biedermeier, und die lese ich gerade. Da werden ständig kleinere Reisegruppen von Räubern überfallen. Überhaupt: Diese Reisegesellschaften, gerne in Postkutschen, kenne ich aus vielen englischen und deutschen Romanen und Novellen. (Und aus einigen Western. Und von Agatha Christie natürlich.) Da sind kauzige Gelehrte dabei, Frauen in Männerkleidung, aufschneiderische Adlige, Priester, Studenten, züchtige Bürgertöchter, Soldaten, ehemalige Soldaten, flüchtige Gefangene, Kaufleute – solche zusammengewürfelte Reisegesellschaften über mehrere Tage gibt es heute normalerweise nicht mehr. Dafür reist man heute zu schnell.

Über die Gruppe schreibe ich diesmal nichts. Schwerpunkte Wien und München, Ich bin der einzige Lehrer darin und nicht der jüngste Mitreisende. Kuriose Gestalten gibt es, aber ich finde ja eh die meisten Menschen kurios.

Tag 1: Abholen vom Flughafen. Nachmittags ein bisschen in die Stadt gelaufen, davor auf den Lykavittós (“Wolfsberg”), die höchste Erhebung Athens. In fünfundzwanzig Minuten ist man oben, es fühlt sich aber länger an, denn es ist sehr heiß und der Weg in der Hitze mühsam. Aber ich hatte genug zu trinken dabei, kriegte Pflanzen zu sehen, wie ich sie noch nie gesehen hatte (neben herkömmlicheren Kakteen), und die größten Schmetterlinge, die ich je gesehen habe. Fotos von allem sind auf der Spiegelreflex, und ich kriege sie erst zu Hause ins Internet. Oben dann erst mal Pause bei einem Bierchen und einem Snack.
Abends traf sich dann die Gruppe zum ersten Mal, Vorstellungen, Planungen, danach gemeinsames Essen im Hotel.

Tag 2: Sehr gut geschlafen. (Am Vorabend noch Klimaanlage heruntergedreht. Vermutlich gilt es als Qualitätsmerkmal, Gästen erfrischend gekühlte Zimmer präsentieren zu können.) Frühstück mit Aussicht und süßen Feigen. Vormittags auf die Akropolis, dort Führung durch unsere Reiseleitung, Kalliopi. Damit wir sie gut hören können, spricht sie in ein Mikrofon, und wir haben einen Funkempfänger (abends aufzuladen, Mini-USB-Anschluss als Audioausgang und zum Laden) mit einem Knopf am Ohr. Das ist sehr praktisch, weil man auch bei großer Umgebungslautstärke alles hört und niemanden stört und sich frei von der Gruppe bewegen kann, weil man die Sprecherin ja auch gar nicht mehr im Auge behalten muss. Außerdem ermöglicht das das Einspielen von Audioclips. Weiße Rosen aus Athen, ahem.

Auf der Akropolis gibt’s übrigens eduroam, ein internationales WLAN von Bildungseinrichtungen und am Sendlinger-Tor-Platz in München. Wenn man von einer Uni einen Zugang gekriegt hat, kann man den überall nutzen, wo es eduroam gibt.

Am Mittag dann das neue Akropolismuseum, in dem die Statuen und Friese ausgestellt sind, die vorher auf der Akropolis waren. Bis auf die, die im Britischen Museum stehen – auf Lord Elgin ist man in Griechenland nicht gut zu sprechen. Eine Führung gekriegt. Mich gefreut über das Schild “Archaeologists are available to answer your questions.” Nachmittag und Abend frei, ich war nach ein bisschen mehr Museum noch im Dionysos-Theater am Südhang der Akropolis (kaum Leute da, im Gegensatz zu oben), danach durch die Stadt strawanzen. Ein leichtes Mittagessen:

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Bier, Raki, Wasser (kriegt man eh immer). Im kleinen Zylinder gleich die Rechnung. Dann weiter Stadt, einen sehr schönen großen überdachten Markt gefunden, auf dem es Unmengen von Fisch gab und Unmengen von Fleisch und Innereien in vielfältigen Zuschnitten. Nur wenig Käse, Obst habe ich gar nicht gesehen, Würste auch nur roh, Nüsse und Süßigkeiten draußen.

Dann wieder Hotel, duschen und fernsehen. Tippen ins Tablet, daher wohl mit viel Tippfehlern. Morgen mehr.