Was ich gerade spiele und warum: Sunless Sea

Kurzfassung: Ich spiele gerade viel Sunless Sea, und wenn ich überhaupt spiele, was nicht mehr so oft vorkommt, dann meist mit dem Hintergedanken, wie ich das Spiel für die Schule ausschlachten kann. Und bei diesem Spiel hatte ich eine schöne Idee.

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Vorab: Auf dieses Spiel bin ich gekommen, weil ich zwei sehr empfehlenswerte Feeds abonniert habe. Das ist einmal http://planet-if.com/, ein Aggregator verschiedener Blogs, die sich mit Interactive Fiction beschäftigen. Da geht es um textbasierte Spiele jeglicher Art: Textadventures, historische und neue, browserbasierte Anklickspiele, aber auch reine Erzählspiele ohne Computer – alles, was mit Text zu tun hat. Da sind regelmäßig wieder lesenswerte Sachen dabei. So kriege ich wenigstens mit, über was gerade geredet wird. Sunless Sea war im letzten Jahr so eine Sache.
Außerdem lese ich http://www.gamasutra.com/features. Da gibt es immer wieder Analysen von alten und neuen Spielen, grundsätzliche Überlegungen bei der Entwicklung von Computerspielen, kurze Essays zu bestimmten Aspekten. Ein Aufsatz dort mit Gedanken zu modular storystelling hat mich dann dazu bewogen, mir Sunless Sea zu kaufen.

Der Hintergrund von Sunless Sea klingt einigermaßen bizarr: Wir schreiben das späte 19. Jahrhundert, und vor dreißig Jahren holte ein Haufen Fledermäuse die gesamte Stadt London einige Kilometer in die Unterwelt. (Königin Victoria hatte London dorthin verkauft, um ihrem Ehemann das Leben zu retten.) Dort sitzt Fallen London jetzt, am Ufer eines unterirdischen Ozeans. Es gibt Teufel aus der noch tieferen Unterwelt, man treibt Handel mit Seelen und anderen Dingen, Kohle ist billig, Fortschritte in Technologie und Dämonologie haben die Anpassung an das Leben unter der Erde erleichtert. Es gibt verschiedene Gruppierungen, die nach Einfluss streben; der Ozean ist voller Inseln mit mehr oder weniger schräger Bevölkerung, und man selbst spielt einen Seemann oder eine Seefrau, die diese Unterzee navigieren.

Tatsächlich stammt dieses Setting aus dem Vorgängerspiel, Fallen London. Das war ein erfolgreiches reines textbasiertes Browserspiel. Sunless Sea ist auf den ersten Blick klassischer, ein 2D-Spiel aus der Vogelperspektive. Man fährt mit dem Schiff von Hafen zu Hafen, entdeckt neue Inseln, kann Handel treiben und mit dem Geld, das man dabei verdient, seine Bewaffnung oder seinen Schiffsmotor verbessern oder gleich ein neues Schiff kaufen.
Das ist bereits reizvoll. Computerklassiker wie Elite sind ja auch vor allem Erkundungs- und Handelsspiele. Und meine erste Rollenspielkampagne zu Traveller, einem Science-Fiction-Rollenspiel und Vorbild für Elite, scheiterte letztlich daran, dass das Rollenspielelement immer weniger wichtig wurde. Es machte einfach so viel Spaß, zu neuen Planeten zu fliegen, den dortigen Handelskurs zu erwürfeln und günstig ein- und anderswo zu verkaufen. Wer brauchte da noch Rollenspiel?

Natürlich funktioniert das vor allem dann, wenn die Atmosphäre stimmt. Und die ist sehr stimmungsvoll. Weite Passagen fährt man einfach durch die Dunkelheit, achtet darauf, dass Treibstoff und Lebensmittel nicht ausgehen. Nebenbei muss man Piraten ausweichen und See‑, Verzeihung, Zeeungeheuern, und muss aufpassen, dass man nicht zu viel Zeit in der Dunkelheit verbringt. Denn dann steigt an Bord die Furcht vor dem monströsen Welt bis in den Wahnsinn – Seeleute springen über Bord, es kommt zu Meuterei. Ohne Treibstoff kann man vielleicht noch etwas Ladung verheizen; ohne Lebensmittel beginnt man mit den Mannschaftsmitgliedern zu liebäugeln, vielleicht erlegt man ja auch noch rechtzeitig ein Zeeungeheuer. Hat man es bis zur nächsten Anlegestelle geschafft, kann man dort vielleicht das Nötigste einkaufen oder Handel treiben.

Wie gesagt, das ist bereits leidlich unterhaltsam, da amüsant schräg, und Handeln & Entdecken geht immer. Aber das würde wahrscheinlich nicht reichen, um mich länger bei einem Spiel zu halten. Ich spiele ohnehin kaum mehr ein Spiel zu Ende. Jedes Spiel der letzten Jahre war bei mir ein Wettlauf zwischen der Neugier auf die Fortsetzung der Geschichte (erleichtert durch die Tatsache, dass sich Geschichten in Computerspielen in kleinen, leicht zu erreichenden Schritten entwickeln) und der Erkenntnis, dass selbst ein atmosphärisches Spiel wie L.A. Noire nichts weiter ist als das Herumschubsen von Zahlen. Da verbringt man Stunde um Stunde vor dem Rechner, damit ein paar 0er und 1er von der einen Speicherzelle in die andere kommen, und gerade bei Handelsspielen sieht man sich buchstäblich die Zahlen mühsam manuell transportieren.

– Andererseits, kleiner Exkurs: Gilt das nicht für alles im Leben? A tale told by an idiot, full of sound and fury, signifying nothing? Macht nicht die eine Zahl mehr oder weniger in der Speicherzelle dann doch einen großen Unterschied? Hier ein Cartoon, der mein Weltbild dazu recht gut wiedergibt.

sunless_sea

Jetzt die Hauptsache:

Was Sunless Sea wirklich interessant und überhaupt erst zu einem dann doch textbasierten Spiel macht, sind die vielen Geschichten. DasFahren zwischen den Häfen ist ja ganz nett, aber der Kern spielt sich in den Häfen ab. Dort warten kleine Dialoge mit Fortsetzungsgeschichten auf den Spieler.

  • Da ist diese eine Insel, die von von intelligenten Ratten bevölkert wird, die sich zwischen jedem Besuch weiterentwickeln und Rat suchen. (Kolonialismus, anyone? Andere Geschichte.) Wenn man die Insel besucht, erhält man einen kurzen Bericht über den aktuellen Status dort und die Option, lenkend in die Handlung einzugreifen. Beim nächsten Mal liest man dann, wie es den Ratten inzwischen ergangen ist, und erhält weitere Optionen.
  • Oder die Affeninsel, deren Bewohner einen Zeppelin bauen wollen und dafür Material vom Spieler geliefert bekommen.
  • Oder der Bordoffizier, der eine tragische Vergangenheit hat und den man an verschiedene Orte transportieren und mit einer Auswahl an Handelswaren ausstatten muss, um nach und nach seine Geschichte zu erfahren und fortzuschreiben.
  • Oder die Bordoffizierin, die nach ihrer Mutter sucht, die irgendwo auf einer der Inseln sitzt.
  • Oder die Gruft-Touristen, die in ihren Särgen noch einmal eine kleine Rundreise machen wollen. (Alternativ: Kann man sie nicht etwa doch auf der Spinneninsel aussetzen?)

Man will jeweils lesen, wie die kleinen Geschichten weitergehen, von denen es viele, viele Dutzend gibt. Dazu muss man man – eventuell mit den notwendigen Materialien – zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein, und das mehrfach hintereinander. Und das alles will man vor allem dann, wenn die Geschichten gut geschrieben sind.

Modulare Geschichten

Was jetzt kommt, ist nicht neu und gilt wohl für Spiele wie Grand Theft Auto genauso. Aber ich hatte mir noch nie Gedanken dazu gemacht. Was bei GTA Missionen sind, heißt bei Sunless Sea “Storylet”. Und solche Geschichten kann man nachträglich und so unabhängig von anderen Geschichten, wie man will, in das Spiel einbauen.

Da ist zum Beispiel die Geschichte von Mr Sacks, die Weihnachten 2015 in die bestehende Welt hinzugeladen wurde. Plötzlich gab es, wenn man in London anlegte, eine neue Option: Mr Sacks machte einem ein Angebot. Mr Sacks, eine dunkle Parodie auf den Weihnachtsmann, der London in Schrecken versetzt. Technisch war es nur ein einfacher Auftrag, den man annehmen und vermutlich auch ablehnen konnte; Mr Sacks versprach reiche Belohnung dafür, dass er der Reihe nach an drei Orte gebracht würde, um dort… Geschenke abzugeben, dunkle, düstere Geschenke… An den ersten beiden Orten erfährt man von den Gaben von Mr Sack, danach will er an den Nordpol gebracht werden, um ein dunkles Ritual abzuhalten. Zu diesem Zeitpunkt hat man die Wahl, das Ritual auf eine bestimmte Art zu sabotieren oder nicht, und wenn man das nicht macht, entsteht eine neue kleine Geschichte, die von dem Menschenwesen aus Eis geboren, das an bestimmte Orte gebracht und mit bestimmten Dingen versehen werden muss, um das Schmelzen aufzuhalten – aber hier geht es erst einmal nur um Mr Sacks selber. Wenn man sich mit dessen Reise übrigens zu viel Zeit lässt, gibt es Probleme; dreimal wird, mehr oder weniger zufallsgesteuert, Mr Sacks ungeduldig; zweimal kann man ihn hinhalten, aber wenn man beim dritten Mal noch nicht am Nordpol war, dann macht einem der Weihnachtsmann den Garaus.

Zusammengefasst:

  • Man hat eine mehr oder wenige spannende Welt.
  • Am Anfang wird die Welt mit einer bestimmten Anzahl von kleinen Geschichten ausgeliefert. “Missionen” in anderen Spielen, textbasierte “Storylets” in diesem Spiel. Dazu gehören auch wiederkehrende Routinegeschichten wie die Auftragsarbeiten für den Admiral in London: Dokumente in einem zufälligen Hafen abholen und zu ihm bringen.
  • Aber es gibt eben auch die Möglichkeit, nach und nach weitere Geschichten in die Welt zu intergrieren. Mr Sacks zur Weihnachtszeit. Davor die Affeninseln. Ein neuer Offizier mit einer Hintergrundgeschichte.
  • Dieses Prinzip heißt: Modulares Geschichtenerzählen.

Das müsste doch auch irgendwie für die Schule nutzbar sein, dachte ich mir. Man hat eine gemeinsame Welt, und jede Schülerin oder jedes Schülerteam entwirft eine Geschichte in dieser Welt. Einfache Kurierdienste, letztlich, aber durch gutes Schreiben spannend gemacht, so wie bei Mr Sacks.

Durchgeführt habe ich das noch nicht, aber Gedanken dazu. (Fortsetzung folgt.)

Aber die anderen dürfen das doch auch…

Das hört man immer wieder mal in der Schule. Bei den anderen ist das erlaubt, warum dann nicht bei uns? Bei denen geht das, dann muss das auch bei uns gehen!

Vielleicht gibt es zu wenig Zwillinge auf der Welt. Zwillinge entwicklen im Lauf der Zeit ein feines Gerechtigkeitsempfinden. Ja, zuerst geht es darum, dass jeder Zwilling exakt die gleiche Kleidung kriegt und die gleichen Portionen vom gleichen Teller. Später wird das differenzierter: Wenn der eine eine Gitarre zu Weihnachten kriegt, kann der andere durchaus etwas anderes kriegen. (Ich spreche aus Erfahrung.)

Oder es spielen zu wenige diese Ressourcen-Management-Spiele, so wie Sim City:

informatik_frauenanteil_sim

Bei diesen Spielen lernt man, dass man nicht alles haben kann, nicht gleichzeitig jedenfalls; wenn man den einen Regler nach rechts dreht, steigen manche Werte und andere sinken. Und man hat nur begrenzte Ressourcen.

Deshalb finde ich sehr informativ, wenn Schülerinnen mir sagen, dass sie etwas bei Kollegin A dürfen, was sie bei mir nicht dürfen. Das finde ich auch okay – Lehrer sind verschieden, manche Dinge stören mich, andere nicht; es gibt ein paar feste Regeln aber auch viel Gestaltungsfreiraum.

Aaaaaber eigentlich geht es mir ja mehr um die Kollegen. Von denen höre ich auch ab und zu mal “An meiner alten Schule durften wir [diesmal sind die Kollegen gemeint] das aber”. Missversteht das nicht: Ich finde es enorm wichtig, dass man weiß, wie Dinge an anderen Schulen gehandhabt werden. Denn das ist ein prima Gegenargument gegen die Behauptung, irgendetwas sei unmöglich oder verboten.

Aber dass etwas an einer Schule geht, ist natürlich kein Argument dafür, das an einer anderen Schule auch einzuführen. Das wissen Zwillinge und Computerspieler.

Das Fach Informatik genießt einen hohen Stellenwert

Das Fach Informatik genießt einen hohen Stellenwert in den Stundentafeln aller weiterführenden Schulen in Bayern.

(Pressemitteilung Kultusministerium.)

Aber, möchte man sagen, das stimmt doch gar nicht! Am Gymnasium gibt es das Fach nur in den Jahrgangsstufen 9 und 10 mit je zwei Stunden, und das auch nur im naturwissenschaftlich-technologischen Zweig des Gymnasiums, und danach optional in der Kursphase, wenn auch nicht gleichberechtigt neben Bio oder Chemie. Zugegeben, man treibt auch in 6 und 7 einstündig Informatik, als Teil der Mogelpackung des Fächerverbunds “Natur und Technik” – aber da heißt das Fach nun mal nicht so und ist eben auch keines. Informatik hat allerdings einen höheren Stellenwert als Sozialkunde in Bayern, das stimmt.

An der Realschule gibt es das Fach gar nicht, sondern das Fach “IT/Informationstechnologie”, in dem man auch informatische Inhalte lernt, aber eben auch Bildbearbeitung und Maschineschreiben und CAD. Das ist vielleicht nicht schlecht und sicher auch was mit Medien, aber kein Fach Informatik.

Es stimmt allerdings, und dass ich das Kultusministerium da mal vor mir selber verteidigen muss: Im Vergleich zu anderen Bundesländern ist die Informatik in Bayern noch gut aufgestellt.

Call of Cthulhu: Rollenspiel in der Schule

Im aktuellen Süddeutschen Magazin steht ein langer Beitrag über eine Rollenspiel-Schule in Dänemark, ich bin noch nicht zum Lesen gekommen, hole das aber nach. Von der Schule selber weiß ich schon was, in einem Buch habe ich einen Aufsatz dazu gelesen, nachdem mich ein Artikel im Magazin LARPZeit darauf gebracht hatte (Blogeintrag 2010).

Aber hier soll es heute um das klassische Pen&Paper-Rollenspiel gehen, oder, wie es früher hieß, “Rollenspiel”. Das musste man damals zwar bei jeder Erwähnung abgrenzen von jenen Rollenspielen, die man aus dem Jugendarbeitsworkshop oder anderen Treffen in Pfarrheimen kannte, aber anderes gab es nicht. Heute denken viele an LARP, das zumindest unter Schülern bekannter sein dürfte als klassisches Pen & Paper. In meinem W‑Seminar zu Horror und Grusel ging es – natürlich – auch um H. P. Lovecraft, und damit dann auch zumindest in einem Nebensatz um das Rollenspiel, das nach seiner bekanntesten Kurzgeschichte benannt ist (auch wenn es stilistisch eher zu “The Dunwich Horror” passt) und das maßgeblich für die Allgegenwart von HPL in der heutigen Populärkultur verantworlich sein dürfte: Call of Cthulhu.

(Hier ein ausgezeichneter und ausführlicher Artikel zur Entstehungsgeschichte von CoC und dessen maßgeblichen Autor, Sandy Petersen, der zehn Jahre später eine große Zahl der Levels von Doom entwarf, und wir wissen ja alle, welche Rolle Doom in der Geschichte der Computerspiele spielt.)

Neu an CoC war vor allem der Gedanke, das Spielfiguren nicht nur sterben, sondern auch wahnsinnig werden können. Körperliche Verletzungen war man aus anderen Spielen gewohnt, die heilten spätestens bis zum nächsten Treffen wieder. Bei CoC verloren die Spieler bei jedem grausigen oder übernatürlichen Erlebnis ein wenig von ihrem Zustand geistiger Stabilität, und wieder auffrischen konnte man das nur teilweise. Generell war jede Figur nach einem Spiel ein wenig angegriffener als zuvor. Dazu kam, dass die Höchstmenge an geistiger Stabilität abhängig war vom Wissen über das Lovecraft-Universum: wer viel alte Bücher liest, lernt viel, und ist fragiler. Und so traut man sich als Spieler gar nicht erst in dunkle Zimmer hinein, zieht den Vorhang lieber nicht zurück, flüchtet lieber gleich als zu genau hinzusehen – sehr stimmungsvoll.

Jedenfalls wollten einige Schüler wissen, wie das so geht mit dem Rollenspiel, und fragten, ob wir nicht mal eine Runde spielen könnten. Also gut.

coc_schule_rollenspiel

Vier Spieler, ich als Spielleiter, 120 Minuten. Call of Cthulhu, Spielzeit: 1928. Das reicht gerade mal für einen Einstieg, üblicherweise dauert eine Partie vier Stunden, oder sechs, und zwar auch eher zwei oder drei solcher Sitzungen, oder acht. Es geht bei CoC ja auch ganz langsam los: Die Figuren kriegen erste Anzeichen geheimnisvoller Vorgänger, recherchieren, kriegen eine erste Warnung, haben es mit den ersten menschlichen Gegnern zu tun (wahnsinnigen Kultisten etwa), dann vielleicht ein klitzekleines scheinbar übernatürliches Phänomen (vulgo: Monster), und ganz am Ende, nach einem halben Jahr Spielzeit, trifft man vielleicht auf eines der ganz großen Monster. Das ist bei HPL dann aber auch von der Art, das man nur einmal hinzuschauen braucht und mit großer Wahrscheinlichkeit eh unrettbar wahnsinnig wird. Das kann nur beim Finale sein, nicht vorher.

Also spielten wir sehr zügig. (Oder kam mir das nur so vor, bin ich inzwischen langsameres Spiel gewohnt? Es kann sein, dass wir früher auch sehr viel schneller waren und Situationen sehr viel weniger ausspielten.) Ich teilte vorbereitete Charakterbögen aus, kurze Vorstellungsrunde, dann rasch ins Spiel, beim Recherchieren etwas nachgeholfen, ein kleiner Einbruch – mit etwas Glück kam ich gerade noch zu einem ganz kleinen Sanity-Verlust am Ende. Geschossen oder anderweitig gekämpft wurde nie.

Mir hat es Spaß gemacht. Ich habe das Spiel in den Weihnachtsferien vorbereitet, gründlich, da ich das in diesem Schuljahr dann gleich mit ein paar Kollegen spielen werden, die sich auch schon lange dafür interessieren. Vorbereiten, das geht dabei anders als früher, vor dreißig Jahren, als ich zuletzt CoC-Spielleiter war. (Man kommt sehr schnell wieder rein.) Heute hatte ich für viele Personen, die auftauchen würden oder auftauchen könnten oder auch nur vielleicht eine Rolle spielen würden, Fotos besorgt. Von historischen Orten – Bibliothek, Krankenhaus, Rathaus – hatte ich zeitgenössische Fotos gefunden, Grundrisse, Stadtkarten von Boston aus den 1920er Jahren. Auch zu den wichtigsten fiktiven Schauplätzen gab es Bilder. Das macht Spaß und schafft Atmosphäre.

Für Insider: Ich hatte das erste Kapitel der klassischen Kampagne Shadows of Yog-Sothoth vorbereitet und gleichzeitig eines der kleinen Einzelszenarios am Ende des Bandes. So war ich flexibel. Klar war das übervorbereitet, aber es hilft ja auch im Unterricht, einen großen Vorrat an Wissen und Möglichkeiten im Hintergrund zu haben, um flexibel die Stunde dann doch umplanen zu können, wenn sich der Unterricht in eine andere, lohnenswerte Richtung entwickelt. “Railroading” mögen Spieler genauso wenig wie Schüler; die Illusion von Freiheit und einem open world game ist wichtig. Und so hätte sich das Spiel in die eine Richtung entwickeln können oder in die andere, ich habe ein paar Haken gesetzt, an denen ich neue Geschichten einbauen kann, Personen, die erst später eine Rolle spielen würden, oder auch nicht. Ein späteres Spiel würde es zwar nicht geben, aber man ist ja auch Künstler.

Die Schüler selber, noch unerfahren (hatten nicht mal eine Taschenlampe dabei, oder ein Seil!), aber besser darin, in character zu spielen als wir damals. Das macht das ganze Improtheater, das diese jungen Leute so treiben; ist zumindest an meiner Schule sehr populär.

Jetzt bin ich gespannt, ob die Lehrerrunde zusammengeht. Dann vielleicht an einem gemütlicheren Ort und mit mehr Zeit. So wie damals, im Haus in der Goldammerstraße in Haunstetten, wird es natürlich nie wieder werden.

Lange Nacht des GRG

Ein Kollege spielt mit dem Gedanken einer langen Nacht des GRG (so heißt meine Schule). Das soll ein Abend mit Vorträgen sein von Lehrern – und vielleicht auch Schülern – zu außerunterrichtlichen Themen. Außen- und Innenwirkung, Potentiale zeigen, schöne Idee. Ich weiß nur nicht, was ich anbieten soll. Es müsste etwas sein, dass zumindest nicht gar zu viele abschreckt. Meine Ideen bisher:

  1. Amerikanische Hörspiele der 1930er bis 1950er Jahre?
  2. Marvel und DC: Der Unterschied
  3. Songs of the Great Depression? Ich habe da eine tolle CD-Sammlung mit ausführlichem Booklet
  4. Die Evolution der Kooperation (keine so große Lust, aber das habe ich mal als Referat bei einem Abendessen gehabt, bei dem jeder Gast einen Kurzvortrag über irgendein solches Thema halten musste; Gastgeber war ich selber)
  5. Pen&Paper-Rollenspiele für Einsteiger
  6. Das amerikanische Musical: von The Jazz Singer bis Singing in the Rain (Problem: dazu müsste ich viel Filmmaterial zeigen, und dafür ist so ein Vortrag zu kurz)
  7. Nachtrag: Pulp Fiction – populäre Helden der 1920er und 1930er Jahre. Doc Savage. The Shadow. 100 Jahre scientifiction.
  8. Nachtrag: Irgendwas aus der Informatik geht natürlich auch, Verschlüsselungsverfahren, brauch ich nur meine Folien vom letzten Tag der Informatiklehrer rauskramen.

Essen in der Schule und zu Hause (Tintenfisch und Jamón)

Bei uns in der Schule gibt es – wie sicher an allen Schulen – gelegentlich ein gemeinsames Buffet, nach der Schule. Jeder bringt etwas mit, oder meist eher: eine Teilmenge, die letzten Geburtstagskinder. Heute war wieder so ein Buffet (statt Weihnachtsfeier, weil es im Dezember eh so viele Termine gibt). Ich habe Tintenfischsalat mitgebracht, selbst gemacht natürlich. War sogar noch Tinte drin, also vorher, vor dem Machen.

  • 2–3 Tintenfische (Pulpo) notfalls ausnehmen; oft ist da aber schon nichts mehr drin
  • währenddessen: Wassser in einem großen Topf kochen, genug um die Tintenfische darin schwimmen zu lassen
  • wenn das Wassser kocht: Herdplatte ausschalten, Tintenfische in Topf, Deckel wieder drauf – und drei Stunden da drin in Ruhe lassen (gerne auch länger – bei mir war’s heute über Nacht, hat ihnen nicht geschadet)
  • die Tintenfische herausnehmen, Fangarme ab- und in Stücke schneiden, aus dem Kopf den Schnabel herausnehmen und den Kopf in Stücke schneiden (da ist gerne mal noch Wasser drin, das dann spritz, aufpassen)
  • Knoblauch, gerne auch jungen, fein scheibeln, zwei Zehen vielleicht
  • Olivenöl dazu
  • Petersilie, etwas kleingehackt
  • grüne Spitzpaprika, in Streifen geschnitten
  • salzen
  • und spanisches geräuchertes Paprikapulver aus der Region Vera, deshalb pimentón de la vera

Eigentlich wollte ich ja das Weihnachtsgeschenk der halbspanischen Verwandtschaft in die Schule mitnehmen und dort auftischen:

jamonero
Bild: Frau Rau

Aber nach dem Probelauf zu Hause – man will sich ja nicht blamieren – war das Ding dann so groß und so einpackungsbedürftig, dass der Transport ziemlich umständlich werden würde.

Ernsthaft: Wer veschenkt denn einen ganzen Jamón samt Jamonero zu Weihnachten? Das ist ja fast wie ein Haustier. Ich vertrage so etwas, zugegeben. Immer wieder zwischendrin dramatisch ¡Jamonero! gerufen und mir ein Peitschenknallen dazu vorgestellt.

Arbeitstag an der Uni

Ich bin ja zu einem Drittel an die Uni teilabgeordnet, zur Unterstützung der Lehrerausbildung dort. Das läuft noch bis zum Ende des Schuljahrs, dann waren das fünf Jahre – länger lässt einen das Kultusministerium nicht auf einer solchen Stelle. (Das ist etwas anderes als bei akademsichen Räten oder Oberräten, die ganz an der Uni sind und dort auch bleiben.) Einen Fuß behalte ich noch an der Uni, aber es wird sicher auch schön, wieder mehr zu unterrichten. Auch Personalratswahlen sind wieder Ende des Schuljahrs; ich überlege noch, ob ich wieder kandidiere. Das sind jetzt auch zehn Jahre, dass ich das mache. Ein Teil der Personalratsarbeit macht mir Spaß, manches mache ich ungern und nicht gut und deshalb lieber gar nicht – schließlich ist man in einem Team und kann sich absprechen.

Tag an der Uni heute:

  • 8.15 – 9.30 Uhr: Vorlesung Fachdidaktik der Informatik I
  • 9.30 – 10.15 Uhr: Teilnahme an Interview für freiwerdende Stelle (meine)
  • 10.15 – 10.40 Uhr: E‑Mail erledigen
  • 10.40 – 11.40 Uhr: Beratung wegen Zulassungsarbeit
  • 11.40 – 13.00 Uhr: Mittagspause (Essen in Kantine des Finanzamts, danach Kaffeetrinken und Austausch mit Kollegen)
  • 13.00 – 14.15 Uhr: Vorbereitung auf folgenden Examensvorbereitungskurs
  • 14.15 – 15.45 Uhr: Examensvorbereitungskurs (Fachdidaktik Informatik – nur zwei Termine innerhalb einer größeren Veranstaltung)
  • 16.00 – 17.30: Teilnahme an Interview für freiwerdende Stelle (meine und andere)

Danach noch kurz einkaufen, rechtschaffen erschöpft. Morgen dann wieder Unterricht.

 

Sprechstunden

Jeder Lehrer hat eine Sprechstunde, und eine Schülermutter hat mich neulich dafür gelobt, dass ich so unkompliziert auch per Email zu erreichen sei und bereitwillig kommuniziert habe und die Einrichtung eines alternativen Termin so einfach gegangen sei. Anscheinend – das sage ich jetzt mal – ist das nicht so selbstverständlich. Fragte ich eine Kollegin oder einen Kollegen, jeder würde beteuern, dass er oder sie ganz leicht zu erreichen sei. Ich bin mir nicht sicher, ob die Selbst- udn Außenwahrnehmung da übereinstimmen.

Überhaupt, die Sprechstunden. Die wöchentlich vormittäglichen 45 Minuten, in denen ein Lehrer anwesend zu sein hat, weil vielleicht ein Elternteil vorbeikommt, die sind doch eigentlich überholt. Sie stammen aus einer Zeit, als ein Elternteil berufstätig war und eins nicht und letzteres deshalb bequem in die Schule kommen konnte. Warum nicht gleich nur nach Absprache?

(Ansonsten warte ich noch auf meine zweite Unterrichtsstunde in diesem Jahr. In der ersten habe ich vor allem eine Klausur zurückgegeben und besprochen. Kein Wunder, dass ich nichts zu bloggen habe. Ansonsten war ich beschäftigt mit der Korrektur von W‑Seminar-Arbeiten und mit spannendem Unikram, über den ich nicht schreiben darf. Außerdem suchen wir gerade meinen Nachfolger oder meine Nachfolgerin an der Uni, weil meine fünf Jahre bald herum sind und ich wieder ganz zurück an die Schule gehe.)

Schwanzmeisenbesuch 2016

Heute vormittag gab es vor meinem Fenster gemischten Vogelbesuch:
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Specht und Blaumeise sind oft hier, die Schwanzmeise war neu. Und gleich war es eine ganze Familie, fünf Stück insgesamt:
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Deshalb heißen sie Schwanzmeisen:
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Zur Dokumentation – natürlich waren auch andere Vögel da.

Amsel:
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Kleiber:
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Kohlmeise:
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Nizza Dezember 2015

Über die Ferien war ich ein paar Tage in Nizza. In einem Museum dort gab es eine Ausstellung mit Bildern des Fotografen Henri Cartier-Bresson, und zwei Tage lang habe ich daraufhin versucht, selber seinen decisive moment zu erkennen und einzufangen. Aber meistens hat sich der moment als wenig decisive herausgestellte, und die anderen Male habe ich zu früh oder eher zu spät aufgedrückt oder nicht den richtigen Schwerpunkt gefunden. Nu, bleiben halt Urlaubsfotos.

Oben links waren wir in einem kleinen Ferienapartment:
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Unter uns noch eine Weihnachtskrippe, die aber bald abgebaut wurde. Mit elektrisch nickenden Kamelen und Königen:
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Frau Rau fotografiert Sonnenuntergang am Meer (Nizza hat übrigens eine halbe Stunde mehr und später Sonnenlicht als München):
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Am Strand auch Fledermäuse. Das hier ist eine, ehrlich:
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Ziemlich viel Deko und Kunst war winterlich eingepackt:
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Seeschwalben, nicht so viele wie beim letzten Nizzabesuch, aber doch:
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Eintauchen ins Wasser:
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Herausfliegen mit Fisch:
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Ja, und der Friedhof von Nizza. Ein echtes Meer aus Stein:
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Und noch einmal Möwen- und Taubenfütterung:
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