Bücher 2019

Meine gelesenen Bücher 2019, endlich wieder mehr davon, und es hat mir großes Vergnügen bereitet. Die Bücher mit ° habe ich wiedergelesen. Wie immer waren es in der ersten Jahreshälfte mehr als in der zweiten, und ganz am Anfang die prägenden Bücher: der letzte Adrian Mole, Robert Graves; ganz besonders Isak Dinesen. Überschätzt: Michael Shea.

25 Bücher von Frauen, 44 von Männern, Rest gemischt. 20 Bücher wiedergelesen. 12 Nonfiction. 9 Podcast-Episoden. 12 Blogeinträge zu Lektüren.

(Meine Bücher schreibe ich übrigens seit Ende 1999 auf. Schon als Kind habe ich gerne Listen gemacht.)

  1. Laurie R. King, The Moor
  2. Sue Townsend, Adrian Mole: The Prostrate Years
  3. Anke Tröder, 13 Near Misses
  4. Robert Graves, Homer’s Daughter
  5. Stephen Jay Gould, Hen‘s Teeth and Horses‘ Toes
  6. William Goldman, The Season
  7. Ursula K. Le Guin, The Wave of the Mind
  8. Thomas Fröhlich, Sherlock Holmes und das Geheimnis des Illusionisten
  9. Hugh Walker, Boten der Finsternis° (Terra Fantasy 20) (Podcast)
  10. Isak Dinesen, Seven Gothic Tales
  11. Ursula K. Le Guin, The Dispossessed
  12. Arthur Conan Doyle, Der Hund der Baskervilles°
  13. Pierre Bayard, Freispruch für den Hund der Baskervilles
  14. Saladin Ahmed, Throne of the Crescent Moon
  15. Dashiell Hammett (Hrsg.), Creeps By Night
  16. Lin Carter (Hrsg.), Flug der Zauberer° (Terra Fantasy 21) (Podcast)
  17. Andre Norton, Das Mädchen und der Magier° (Terra Fantasy 22) (Podcast)
  18. Karl May, Der Schut°
  19. Maja Lunde, Die Geschichte der Bienen
  20. Slightly Foxed No. 61
  21. Isak Dinesen, Anecdotes of Destiny and Ehrengard
  22. Michael Chabon, The Final Solution
  23. Aminata Sow Fall, The Beggars‘ Strike
  24. Hope Mirrlees, Lud-in-the-Mist
  25. Leonora Carrington, The Hearing Trumpet
  26. Workers’ Tales: Socialist Fairy Tales, Fables, and Allegories from Great Britain
  27. Robert E. Howard, Krieger des Nordens (Terra Fantasy 23) (Podcast)
  28. Ted Chiang, Stories of Your Life
  29. Gail Honeyman, Eleanor Oliphant Is Completely Fine
  30. Michael Moorcock, Diener des Runenstabs (Terra Fantasy 24) (Podcast)
  31. Stephen King, The Body °
  32. Raquel J. Palacio, Wunder
  33. C.L. Moore, Jirel, die Amazone° (Terra Fantasy 25) (Podcast)
  34. Slightly Foxed No. 62
  35. Lin Carter, Götter, Gnomen und Giganten ° (Terra Fantasy 26) (Podcast)
  36. Roy Lewis, The Evolution Man
  37. Jakob Arjouni, Kismet
  38. Stephen Chbosky, The Perks of Being a Wallflower
  39. Amie Kaufman & Jax Kristoff, Illuminae
  40. Homer/Emily Wilson, The Odyssey
  41. Hugh Walker, Gefangene der Finsternis ° (Terra Fantasy 27) (Podcast)
  42. Dagmar Chidolue, Ponzl guckt schon wieder
  43. Friedrich Ani, Süden und das heimliche Leben
  44. Géza von Cziffra, Der Kuh im Kaffeehaus
  45. Isak Dinesen, Winter‘s Tales
  46. Carlo Collodi, Pinocchio
  47. Rudyard Kipling, The Phantom Rickshaw and other Ghost Stories
  48. Rudyard Kipling, Under the Deodars°
  49. Joseph Moncure March, Das Wilde Fest
  50. Judith Kerr, When Hitler Stole Pink Rabbit
  51. Judith Kerr, Bombs on Aunt Dainty
  52. Robert E. Howard, Kull von Atlantis° (Terra Fantasy 28) (Podcast)
  53. Judith Kerr, A Small Person Far Away
  54. Ute Schmid, Katharina Weitz, Michael Siebers, Künstliche Intelligenz selber programmieren für Dummies Junior
  55. Philip Roth, Our Gang °
  56. Michael Shea, The Incompleat Nifft
  57. Michael Shea, Polyphemus
  58. Jan Wagner, Regentonnenvariationen
  59. Robert Shea, Robert Anton Wilson, Illuminatus! Part I: The Eye in the Pyramid°
  60. Slightly Foxed No. 63
  61. Robert Shea, Robert Anton Wilson, Illuminatus! Part II: The Golden Apple°
  62. Robert Shea, Robert Anton Wilson, Illuminatus! Part III: Leviathan°
  63. Ghost Stories Vol. 10, No. 6, July 1931
  64. Kent Haruf, Eventide
  65. Robert Irwin, The Arabian Nightmare°
  66. Sheddad Kaid-Salah Ferrón, Eduard Altarriba, Professor Albert und das Geheimnis der Quantenphysik
  67. S. J. Perelman, Westward Ha!°
  68. Judith Lynne, Not Like A Lady
  69. Robert E. Howard, Herr von Valusien° (Terra Fantasy 29)
  70. Daniel Mendelsohn, Eine Odyssee
  71. Slightly Foxed No. 64
  72. Peter S. Beagle, The Folk of the Air°
  73. Michael Moorcock, Legion der Morgenröte (Terra Fantasy 30)
  74. Andre Norton, Die Braut des Tiermenschen° (Terra Fantasy 31)

(Bücher 2018)
(Bücher 2017.)
(Bücher 2016.)
(Bücher 2015.)
(Bücher 2014.)
(Bücher 2013.)
(Bücher 2012.)
(Bücher 2011.)
(Bücher 2010.)
(Bücher 2009.)

Kull von Atlantis – Terra Fantasy Band 28 und 29

Der erste Terra-Fantasy-Band enthält – mehr oder weniger – die Hälfte der 1967 zusammengetragenen Kull-Geschichten: Drei längere oder halbwegs lange Geschichten, sechs eher kurze Vignetten. Zwei Fragmente wurden durch Lin Carter beendet. Alles Howard-Material entstand wohl 1926–1930, nur ein kleiner Teil wurde zu seinen Lebzeiten veröffentlicht. Kull verkaufte sich wohl nicht besonders, Robert E. Howard packte beim nächsten Versuch noch ein bisschen mehr Magie dazu und schuf seine nächste, ungleich erfolgreichere Figur: Conan, den Barbaren.

Kull ist nur in der ersten kurzen Vor-Geschichte allein, danach stets König und stets in Begleitung der gleichen Weggefährten. Klar wird viel mit dem Schwert gekämpft, aber der Hauptgegner wird nie im Kampf getötet (von einer der Geschichten abgesehen, die von Lin Carter beendet wurden, und die auch in anderen Punkten von Howard abweicht). Vielmehr geht es um eher existentielle Probleme oder philosophisch verpackte Rätsel, auf einem Niveau, das einen Teenager durchaus faszinieren kann. In einer Geschichte stirbt der Gegner explizit nicht durch Kull, sondern einen unscheinbaren Skorpion; in einer anderen geht es um eine das ganze Universum bedrohende Stille (ähnlich wie bei Michael Endes Nichts); in einer weiteren um die Sache mit dem Kosmos und dem Sandkorn und Welten in Welten und so weiter.

Anders als sein Nachfolger Conan ist Kull ein Grübler, Standardpose Kopf sinnend auf den Arm gestützt. Es gibt keine Trinkgelage, sondern “zwei riesengroße Regale mit Pergamentschriften” in seinem ansonsten karg eingerichteten Raum, und “Kull war nicht an Frauen interessiert”. Der Emo unter den Barbaren, der Philosoph, der Asket? Der Grübler?

Wirklich erwähnenswert und folgenreich ist vielleicht nur die einzige der Geschichten in diesem Band, die zu Howards Lebzeiten veröffentlicht wurde, “Das Schattenkönigreich”. Darin geht es um Verfolgungswahn und Identität. Kull ist erst vor kurzer Zeit zum Herrscher von Valusien aufgestiegen. Das neuerworbene Reich ist ihm noch unbekannt; er wird überrascht von einem Geheimgang, der bis zu seinen Gemächer führt, und der seinen piktischen Verbündeten (später: Vertrauten) bekannter ist als ihm. Vor allem ist sein Palast von einem Kult von Schlangenmenschen unterwandert, die die Gestalt echter Menschen annehmen können. Er kann sich nicht darauf verlassen, dass die Personen wirklich die sind, für die sie sich ausgeben – und wird selbst für eine kurze Weile durch einen Doppelgänger auf dem Thron ersetzt. (Diese Geschichte ist wohl tatsächlich der Urvater von “V – die Besucher” oder den modernen Reptiloiden-Verschwörungstheorien.)

Der zweite Band enthält die restlichen Geschichten, und damit fast alles, was es von Kull gibt. Auch hier sind Geschichten von Lin Carter beendet, und nicht wirklich gut beendet.

Erwähnenswert ist “Herr von Valusien” (“By This Axe I Rule”), eine abgelehnte und unverkaufte Geschichte, die Howard nur leicht variierte, mit ein bisschen Magie versah, und dann mit “Conan” als Namen der Hauptfigur verkaufte – so kam es, dass auch Conan schon in der ersten Geschichte ein König war. In den meisten anderen Geschichten ist er eher ein Herumtreiber. Eine Nebenfigur der Geschichte, die Kull letztlich das Leben rettet, ist – wieder mal – eine Frau, die aufgrund der Gesetze Valusiens ihren Geliebten nicht heiraten kann. Nach seiner Rettung zerbricht Kull dramatisch mit seiner Axt die Steintafel mit dem hinderlichen Gesetz. “Ich bin das Gesetz,” ruft er. – Der Gedanke, dass es ein Volk gibt, das, etwa mittels gewählter Vertreter, das Gesetz ändern kann, ist diesen Geschichten fremd.

In “Die Spiegel des Tuzun Thune” (“The Mirrors of Tuzun Thune”) hört Kull von einem berühmten Zauberer, der Wunder wirken kann, und stellt ihn auf die Probe. Er soll einen Dämon beschwören, oder ein Wunder wirken. Der Zauberer kontert, nichts sei leichter als das: Er müsse nur Kull ins Gesicht schlagen, und würde damit einen furchtbaren Dämon herbeirufen. Und der Zauberer bewegt seine Hand: “Ist dies kein Wunder – daß dieses blinde Fleisch meinem Geist gehorcht? Ich gehe, ich atme, ich spreche. Sind das nicht alles Wunder?”

Ich hätte schwören können, dass ich das schon mal bei Lessing in Nathan der Weise gelesen habe. Da geht es doch auch um Wunder, und dass unsere Welt wunderbar genug ist. Ähnlich auch bei Lichtenberg, ganz häufig bei Chesterton – aber nichts. Kann es sein, dass diese aufklärerische Szene wirklich auf Howards Mist gewachsen ist?

Ich habe nur eine entfernt verwandte Zen-Erzählung gefunden, wo ein Soldat zum Zen-Lehrer Hakuin geht und von diesem wissen will, ob es wirklich ein Paradies und eine Hölle gibt. Hakuin beleidigt den Soldaten, worauf dieser sein Schwert zu ziehen beginnt: Hier öffne sich das Tor zur Hölle. Als der Soldat sein Schwert wieder in die Scheide steckt, kommentiert Hakuin: Und hier beginne das Paradies. – Ich glaube, von dieser Art der Proben eines weisen Lehrers gibt es noch mehr, und irgendwo hat REH das mit dem Wunder und der Hand her.

Anhang

Vorweihnachtswoche: Wichteln, Audio in Englisch 7, Restklassenbeschäftigung

Weihnachtswichteln

Am Freitag kein Unterricht, dafür zwei Stunden Gottesdienst (freiwillig), zwei Stunden Klassleiterstunde (weihnachtlich zu verbringen) und zwei Stunden frei. Ich sag ja immer, Schule muss mehr sein als Unterricht, aber ich sage das ironisch. Dennoch hat meine 7. Klasse die Weihnachtsstunde anständig hinter sich gebracht. Ein paar hatten Musikinstrumente dabei – Ukulele, Violine, Querflöte, Gitarre – und spielten ein bisschen vor; eine Schülerin hatte ein Gedicht mitgebracht; wir sangen Lieder. Die Hauptattraktion war aber wieder das Wichteln. Weniger Kosmetik als letztes Jahr. Trotz Um- und Rückbau wegen Sitzkreis hatten wir am Schluss nichts mehr zu tun und standen wartend herum.

Audiosachen machen

Mit der 7. Klasse in Englisch Mini-Podcasts ausprobiert, in Anlehnung an eine Aufgabe aus dem Schulbuch: Die Schüler und Schülerinnen sollen – wenn möglich, ist freiwillig, all eInformationen dafür auf einem Blatt – zu zweit einen Lieblingsort vorstellen, mit dem Handy als Aufnahmegerät. Danach sollten sie zu Hause die Audiodatei auf einen USB-Stick kriegen und mitbringen. Ich hatte gewarnt, dass das schwierig sein und sicher nicht bei allen klappen würde. Und so war es auch beim ersten Versuch: Manche hatten falsche Dateien (Emails, Verknüpfungen), andere doch nur ihr Smartphone (und von einem Applegerät kriegt man die Dateien nicht herunter), und wenn dann doch mal eine Datei war, dann war sie oft in einem Format, das sich auch mit Online-Konverter nicht in ein weiterverarbeitbares Format bringen ließ.

Glücklicherweise hatte ich das so ähnlich erwartet und war halbwegs darauf eingestellt. Beim zweiten Versuch dann sollten die Schüler und Schülerinnen ihre Audiodatei von zu Hause aus bei Mebis hochladen; ich würde sie dann für alle konvertieren. Und das ging wesentlich besser, so werde ich das in Zukunft auch halten! Ich lud die Dateien herunter und brachte konvertierte Version zur Bearbeitung in die Schule mit. Dazu ein Jingle, ein Soundeffekt, den Auftrag, eventuelle Versprecher herauszuschneiden. (Aber auch hier: Bei ein paar hatte der Upload nicht geklappt, hieß es; das muss alles oft geübt werden.)

Außerdem gezeigt, wie man mit einem Programm aus Audio-CDs (den schulbuchbegleitenden Englisch-CDs des Vorjahrs) mp3-Dateien erstellt. Ein Beitrag des Fachs Englisch für unser Mediencurriculum.

Resteklassen, Klassenreste

Am Donnerstag fiel für viele Schüler und Schülerinnen einiger Jahrgangsstufen auch der Unterricht aus, weil stattdessen ein Volleyballturnier angesagt war. Und so waren manche Klassen nur teilweise besetzt, zumal wie in den Tagen zuvor auch noch vereinzelte Musikproben waren. Man weiß an diesen Tagen nie so recht, wie viele bei einem im Unterricht sitzen werden und was man mit denen anfangen soll. Offiziell heißt es, die würden nachlernen, aber das ist natürlich Quatsch.

Also reservierte ich für zwei Stunden den Computerraum und bot an, Aufsicht zu führen: Wer nichts Sinnvolleres mit den Schülern und Schülerinnen anzufangen weiß, der könne sie zu mir schicken – ich würde Aufsicht führen und Gelegenheit zum Tastschreibenüben geben. Drei Kollegen und Kolleginnen bedankten sich, zwei schickten ein paar Schüler und Schülerinnen vorbei, die auch mehr zu Mebis erklärt haben wollten.

Ich glaube, ich möchte das in Zukunft ausbauen: 1 Aufsicht in Bibliothek, 1 Aufsicht im Computerraum, 1 Aufsicht in Mensa – alle anderen Restklassenlehrer und ‑lehrerinnen sollen Kaffeetrinken oder nach Hause gehen. So eine Art Freiarbeit, fördert Selbstständigkeit blabla usw.

Tatsächlich geht es aber auch gegen diese vielen Sportturniere und die Vergeudung von Unterrichtszeit. Meine Angebot an die Kollegen und Kolleginnen war leider so freundlich formuliert, dass das vielleicht niemand gemerkt hat. Klar könnten die Resteklassen auch beim Volleyballturniert zuschauen, weil Zuschauer ja wichtig sind. Aber: siehe Vergeudung.

Peter S. Beagle, The Folk of the Air

Der Roman The Last Unicorn (1960) hatte mir gut gefallen; ganz ausgezeichnet fand ich Peter S. Beagles Erstling, A Fine and Private Place (1960, deutsch: He! Rebeck!), also war ich gespannt auf seinen nächsten Roman (nach einer Reihe anderer Veröffentlichungen):

Das dürfte knapp dreißig Jahre her sein. Ich weiß noch, dass mich das Buch damals irritierte, mir nicht wirklich gefiel – vielleicht hatte ich einfach anderes erwartet. Beagles Laufbahn verfolgte ich seitdem nicht gründlich, aber mit Interesse, las noch ein, zwei weitere Bücher von ihm. Aus Gründen an The Folk of the Air und daran erinnert, dass ich meinen Frieden noch nicht damit gefunden hatte, las ich das Buch ein zweites Mal – und weil Beagle, selbst wohl nicht zufrieden damit, gerade an einer überarbeiteten Version davon sitzt.

Zum Inhalt:

Der herumziehende Lautenspieler Farrell – später erfahren wir seinen vollständigen Namen: Joseph Malachi Lope de Vega Farrell – kehrt mit seinem alten VW-Bus namens Madame Schumann-Heink zurück in die Stadt, in der er seine College-Jahre verbracht hat: Avicenna, Kalifornien. Er besucht dort seinen alten Freund Ben, der mit einer etwas geheimnisvollen älteren Frau, Sia, zusammenlebt. Außerdem trifft er dort eine alte Flamme, Julie, mit der er seit vielen Jahren immer wieder eine Weile zusammenlebt, bevor sie sich dann doch wieder verkrachen.

Ben hat ein großes Geheimnis, stellt sich heraus. Sia hat ein großes Geheimnis. Julie hat ein kleineres Geheimnis, und vor allem nimmt sie Farrell mit zu einem Treffen der “League of Archaic Pleasures”. Das sind die örtlichen… nicht Cosplayer, nicht LARPer, sondern in gewisser Art deren Vorläufer: Die Mitglied haben Fantasy-Namen, Kostüme, Rüstungen, Zeremonien, tragen Kämpfe aus, tanzen Renaissancetänze und sprechen einander mit “thou” an.

Und ich glaube, das ist es, was mich so irritiert hat an dem Buch. Vorbild für die League of Archaic Pleasures ist vielleicht die real existierende “Society for Creative Anachronism”, die ich damals schon aus Berichten und von Fotos kannte. Ich war damals selbst schon im Rahmen meiner FOLLOW-Mitgliedschaft auf solchen Veranstaltungen gewesen – Rüstungen, Feuerschlucker, Met, und auch ich hatte ein Kostüm an, und ich habe mit Morgenstern-Attrappen aus Tennisbällen im Wald gekämpft. Der große Unterschied: Die League-Leute im Buch sind cool, betreiben das Kampfspiel voller Ernst, treiben Falknerei und sind allesamt Experten für Renaissancemusik und ‑tänze. Das brachte ich nicht zusammen mit der Realität, die ich kannte.

Der Schlüssel liegt darin, dass das Buch ein Roman der Urban Fantasy ist. Und es gibt zweierlei Fantasy-Elemente: Erstens beschwört die junge Hexe Rosanna bei ersten großen Fest der League eine dämonenartige Gestalt, wovon nur Farrell Zeuge wird. Rosanna und Nicholas sind die Schurken des Buchs, auch wenn sie differenziert dargestellt werden; ihre Geschichte und Vorgeschichte und ihre Pläne treiben die Handlung voran. Zweitens ist es ein Fantasy-Element, dass diese League of Archaic Pleasures so groß und semiprofessionell ist. Die Stadt Avicenna selbst, man merkt es am Namen, ist ein bisschen komisch. Vor kurzem hat der Stadtrat beschlossen, den Verkauf von Kriegsspielzeug, körnergefüttertem Rindfleisch und Puppen ohne Genitalien zu verbieten. “Man, everybody in Avicenna is insanely knowledgeable about something. Especially fighting.” Farrell unterhält sich mit “pony-tailed boys who knew South German plate armor from Milanese, and Peffenhauser’s work from Colman’s.” Und nebenbei kann man nicht nur den Namen Tolkien fallen lassen, sondern auch Cabell, und jeder weiß, wer gemeint ist. Das war zum einen die Welt, die ich kannte, zum anderen eben auch nicht.

Wie es nach dem Erscheinen von Nicholas Bonner auf dem ersten Fest weitergeht, erzähle ich hier nicht. Es geht im Buch ohnehin mehr um die Stimmung als um die Handlung, auch wenn die logisch genug entwickelt wird. Allerdings ist Farrell für die Handlung des Buchs gar nicht so wichtig, wie man vielleicht meint. Er ist letztlich doch Zuschauer, er verbindet die verschiedenen Handlungsstränge – andererseits wären sie auch ohne ihn verbunden. Farrell trifft keine Entscheidungen und ist für nichts verantwortlich; die Handlung läuft ohne ihn ab. Ben ist viel mehr der Held als er, und wichtiger für die Handlung.

Ich bin gespannt, ob Peter S. Beagle wirklich an dem Buch arbeitet und was dabei herauskommt.

Licht im Tunnel, Calliope-Vorlesung, Glühwein

Im Moment bin ich ein kleines bisschen im Stress. Das heißt, ich sehe jetzt schon wieder Licht. Die letzten vier Wochen war ich ständig am Korrigieren, Unterricht habe ich nur so notdürftig wie möglich vorbereitet – immer noch bemüht, aber leider nicht so gründlich, wie ich gerne hätte.

Außerdem war ich krank, erkältet, so sehr, dass ich einmal die Didaktik-Vorlesung ausfallen lassen musste. Weil das eine System zur Kursverwaltung neu ist und nicht richtig funktioniert… also gut, Bedienerfehler, wohl… und das andere System, Moodle, gerade aus anderen Gründen nicht richtig funktioniert, ging meine Nachricht über die ausfallende Veranstaltung leider nicht an alle heraus, sondern nur an mich selber als Veranstaltungsleiter.

So warteten die Studenten und Studentinnen vergeblich auf mich, und ich wurde durch einen Telefonanruf zu Hause überrascht, auf den ich mich wie immer befremdlich mit einem skeptischen “Hallo?” meldete. Bei mir ruft sonst nie jemand Unbekanntes an; die Namen hinter den anderen Nummern werden im Display angezeigt. Es waren die Studierenden, die sich ein Herz gefasst und mich gegoogelt hatten und im Impressum meines Blogs auf meine Telefonnummer gestoßen waren. (Nicht meine Haupt-Telefonnummer übrigens, sondern eine zweite Nummer für den gleichen Apparat, die sich jederzeit ändern lässt. Ich glaube, die hat bisher noch nie jemand gewählt.)

Es sei nicht so schlimm, sagten sie, und sie gingen dann eben zum zweihundert Meter entfernt gelegenen Christkindlesmarkt am Chinesischen Turm. Von dort aus posteten sie ein Gruppenfoto bei Moodle – wie schön! Und sie hätten nur über didaktische Themen geredet, sagten sie.

Gestern habe ich dafür alle, die mitkommen wollten, auf dem dem Christkindlesmarkt zu Glühwein oder alkoholfreiem Punsch eingeladen. Gruppenfotos gemacht, hier ist eines zum Veröffentlichen:

Links oben: der Calliope-Koffer

Auf Wunsch der Studenten und Studentinnen gab es dann auch eine entsprechende Moodle-Badge für alle, die dieses oder letztes Mal dabei waren:

Badge “Heimeliges Heißgetränk”

(Andere Badges gibt es sonst für zu erledigende Pflichtaufgaben während der Vorlesung.)

- Davor haben wir 90 Minuten mit der Calliope mini gespielt. Anscheinend habe ich noch nie wirklich über die Calliope geschrieben? Das überrascht mich aber doch, ich habe immer wieder damit gearbeitet; muss ich unbedingt nachholen. Kurz: Die Calliope ist ein kleiner, leicht programmierbarer Minicomputer mit allen möglichen Sensoren (Beschleunigung, Lage, Temperatur, Lautstärke, Helligkeit, zwei Knöpfe) und Ausgabemöglichkeit (eine 5x5-Matrix aus roten LED, eine LED für beliebige Farbe, Lautsprecher für kleine Musikstücke). Außerdem können die Calliopes untereinander über Funk kommunizieren.

Meine Schule hat zwei kleine Köfferchen voller Calliopes für den Einsatz im Computerraum:

Einen hatte ich mir ausgeliehen und die Studenten und Studentinnen darum gebeten, Rechner mitzubringen. Die didaktische Auswertung und Diskussion der Einsatzmöglichkeiten steht noch aus, das kommt nächstes Mal, aber die Bastelzeit war eine gute Idee. Die Calliope macht auch in diesem Alter Spaß – und es gab endlich mal Gelegenheit, die Kommunikation der Rechner untereinander zu testen. Das ging etwas durcheinander, weil bald alle auf den gleichen Kanälen sendeten und empfingen. Aber auch das war lustig.

CHIP‑8: Teil 2, in welchem das eigentliche Programm vorgestellt wird

Stehen geblieben waren wir bei diesem Computerprogramm für den CHIP‑8:

A2 1E C2 01 32 01 A2 1A D0 14 70 04 30 40 12 00 60 00 71 04 31 20 12 00 12 18 80 40 20 10 20 40 80 10

Es erzeugt ein Zufallslabyrinth so wie dieses hier:

Wie geht das? Wie können ein Haufen Zahlen so etwas erzeugen?

Sie können es natürlich nicht allein, sondern nur, wenn sie einem Computer gefüttert werden, der genau mit diesen Zahlen umgehen kann. Zentral an so einem Computer ist die Recheneinheit (die kann rechnen), dazu kommen der Arbeitsspeicher und Ein- und Ausgabemöglichkeiten. Gesteuert wird das ganze vom Steuerwerk. Ausgabemöglichkeiten für den CHIP‑8 sind der Bildschirm und ein Tonsignal, Eingabemöglichkeiten eine eingeschränkte Tastatur, aber die brauchen wir hier gar nicht. Das kann man sich so vorstellen:

Weil das Laden und Speichern von Daten im Arbeitsspeicher relativ langsam ist, gibt es in manchen Prozessoren spezielle Zwischenspeicher, die bequemer zugänglich sind, Register genannt. Der CHIP-8-Prozessor hat 16 solche Register, mit V0 bis VF bezeichnet. Manche davon haben zusätzliche Funktionen. Insgesamt sieht der Speicher des Systems zum Beispiel so aus:

  • Der Abeitsspeicher ist in Byte-große Häppchen aufgeteilt.
  • Jedes Häppchen kriegt eine fortlaufende Nummer, die Adresse.
  • Die Nummern 0 bis 1FF sind für Kram reserviert.
  • Wenn ein Programm, zum Beispiel MAZE, geladen wird, dann kommt es ab Adresse (hexadezimal) 200 in den Arbeitsspeicher – ich habe das in der Grafik schon mal erledigt.
  • Der interne Programmzähler wird auf 200 gesetzt, das heißt, da wird das Programm beginnen.

Der erste Befehl lautet A21E, dann kommt C201, und so weiter. Aus einem Handbuch zum CHIP‑8 habe ich mir herausgesucht, wofür diese und die anderen Befehle stehen. Meistens stehen die ersten vier Bit, also die erste Ziffer, für die Art des Befehls, quasi das Verb (setze, hole, springe, erhöhe); die anderen zwölf Bit, also Ziffern zwei bis vier, sind Adressen- oder Zahlenangaben, quasi Akkusativ- oder Dativobjekte. Hier sind die Übersetzungen der Befehle:

Also: In Adresse 200–201 steht A21E, das heißt: Schreibe 21E in das I‑Register. Das I steht für Memory Index Pointer, lese ich; später wird mir klar werden, was das bedeutet. Danach wird der Programmzähler erhöht, die Adresse 202–203 wird ausgewertet, wo das C201 bedeutet, dass letztlich in V2 zufällig eine 0 oder eine 1 geschrieben wird. In Adresse 204–205 wird mit 3201 überprüft, ob in V2 – dem Register, in das wir eben geschrieben haben – eine 1 steht: Wenn ja, dann wird die nächste Zeile übersprungen.

Wichtig ist D014 an Adresse 208–209: Hier wird auf den Bildschirm gemalt! Und zwar an die Koordinaten (V0, V1) – in diese Register schreiben wir also zumindest in diesem Programm die Position, an die etwas gezeichnet werden soll! Was gezeichnet wird, war mir da noch nicht klar. Gut, vielleicht hätte ich die Anleitung lesen sollen…

Dann wird in Viererschritten die x‑Koordinate erhöht, bis zu dem Höchstwert 40 (=dezimal 64, so viele Pixel gibt es hier in der Breite), dann wieder von vorne angefangen, aber mit jeweils erhöhtem y‑Wert, bis am Ende an der Adresse 218–219 der Befehl 1218 erreicht wird, der besagt, dass das Programm zur Adresse 218 springen soll: eine Endlosschleife.

Unklar waren mir erst die letzten 8 Byte, also die letzten vier Zeilen oben. Meine Interpretation der Zeilen als Befehl machte keinen Sinn. Und das muss sie auch gar nicht: diese Zahlen sollen gar nicht als Befehle interpretiert werden, der Programmzähler wird nie auf ihre Adressen gesetzt, diese Zahlen sind einfach nur Zahlen. Das heißt…

Erinnert ihr euch an das I‑Register, den Memory Index? Und an die Zeile, an die irgendetwas an die Koordinaten (V0,V1) geschrieben werden soll? Tatsächlich passiert bei Ausführung des Befehls D014 Folgendes: “D” kann man sich als “display” merken; “01” bedeutet, dass die x/y‑Koordinaten in V0 und V1 stehen, und die “4” bedeutet, dass an diese Stelle 4 Byte, also 4*8 bit gezeichnet werden sollen – und zwar genau diese 4 Byte, die sich an der Stelle befinden, auf die der Memory Index verweist. Das ist entweder 21E (in Zeile 200–201 festgelegt) oder 21A (in Zeile 206–207 überschrieben). An diesen Stellen – den letzten acht Byte des Programms – werden zwei kleine Bildchen definiert, sogenannte Sprites.

Ab Adresse 21A stehen folgende 4 Bytes:

hex 80, also bin 10000000
hex 40, also bin 01000000
hex 20, also bin 00100000
hex 10, also bin 00010000

Ab Adresse 21E stehen folgende 4 Bytes:

hex 20, also bin 00100000
hex 40, also bin 01000000
hex 80, also bin 10000000
hex 10, also bin 00010000

Und diese Bytes, also eigentlich diese Bits, werden als kleine Bildchen interpretiert:

Diese Bildchen (Sprites) sind immer 8 Pixel breit, aber sie können bis zu 15 Pixel hoch sein – hier sind sie 4 Pixel hoch, weil sie aus vier Byte bestehen. Das Labyrinth braucht nur die linke Hälfte der Sprites, deswegen wird das nächste Sprite ja auch vier Pixel versetzt gezeichnet und überlagert damit die leeren Pixel des Vorgängers.

Und jetzt kann man experimentieren. Die letzten acht Byte des Programmcoes definieren die beiden Sprites. Wenn ich die ersetze durch 80 40 40 80 10 20 20 10, dann sehen die beiden Sprites so aus:

Dann ist das Zufallslabyrinth gar keines mehr:

Oder man setzt den Memory Index Pointer auf 200 statt auf 21A? Dann werden die ersten vier Byte einmal als zwei Befehle, einmals als Sprite interpretiert.

Vielleicht kommt man mal so weit mit einer 12. Klasse? Da macht man Maschinensprache, aber typische Aufgaben wie Multiplikation durch wiederholte Addition und solche Sachen.

Anhang: Warum macht man das so umständlich, mit 3201 statt “if (v2==0)”, wie man das aus Java kennt? Tatsächlich sind diese Zahlen die einzige Sprache, die ein Prozessor versteht, auch heute noch. Alles andere, das auf einem Rechner läuft, wird – vielleicht über mehrere Zwischenstufen – in genau solche Zahlen übersetzt, also in Maschinensprache. Allerdings sind moderne Prozessoren in manchen Aspekten komplexer aufgebaut als der recht primitive CHIP‑8.

CHIP‑8 Teil 1, in welchem es vor allem erst einmal um 0 und 1 geht

Bei Marco habe ich vom CHIP‑8 gelesen. Das war eine Spezifikation aus dem Jahr 1978 für einen möglichst simplen Computer, mit dem man dennoch Spiele programmieren können sollte. Und zwar solche einfachen Spiele:

Ob es physisch je einen CHIP-8-Computer gegeben hat, weiß ich nicht; aber es gibt etliche virtuelle CHIP-8-Computer – das heißt, dass die in Wirklichkeit ein Programm auf einem beliebigen anderen Rechner sind (zum Beispiel mit Windows darauf), das so tut, als wäre es ein Computer. Auch Java funktioniert so, mit einem virtuellen Java-Rechner – dem Java-Programm ist es egal, ob es in Wirklichkeit unter Windows oder Linux oder IOS läuft; tatsächlich läuft es erst einmal auf einer virtuellen Java-Maschine.

Also habe ich mir mal eine CHIP-8-Maschine für Windows 10 besorgt, und Programme dafür (aber letztlich für jede andere CHIP8-Maschine eben auch, das ist ja der Vorteil). Ich habe mir das kürzeste Programm herausgesucht, und das zeichnet einfach ein zufälliges Labyrinth auf den Bildschirm:

Tatsächlich kannte ich dieses Programm von früher, es werden dabei nur zwei verschiedene Bausteine zufällig wiederholt, was dann ein Bild wie bei einem Labyrinth gibt. Die Programmdatei dazu heißt MAZE, und wenn ich sie mit einem Textbearbeitungsprogramm öffne, sehe ich das:

Wer schon mal eine .exe-Datei unter Windows mit einem Texteditor betrachtet hat, dem kommt das bekannt vor. Solche Dateien sind nicht dazu geeignet, mit einem Texteditor geöffnet zu werden. Der Grund: Jede Datei auf der Festplatte oder anderswo besteht letztlich nur aus einem Haufen von 0ern und 1en. (Auch das ist zwar noch eine Abstraktion: tatsächlich ist das irgendwas fies Physikalisches, mit Schalterchen oder Transistoren oder Spannung, aber für mich sind 0er und 1en tief genug.)

Aus praktischen Gründen betrachtet man meist immer acht dieser bits auf einmal davon. Manche dieser Achter-Kombinationen entsprechen Buchstaben, das ist so eine Konvention, eben um überhaupt mit Text arbeiten zu können. Wenn die Textdatei zum Beispiel mit “Hallo” beginnt, dann werden die ersten zwei Buchstaben vielleicht in Wirklichkeit als “‭0011 0000 ‭0011 1101” gespeichert sein – oder andersherum gesagt: Die Gruppe ‭0011 0000 entspricht einem “H”. Ich sage “vielleicht” deshalb, weil es auch hier verschiedene konkurrierende Codierungen gibt, etwa Windows-1252 und ASCII, bei denen jeweils die gleichen acht bits als unterschiedliche Zeichen interpetiert werden.

Als Folge von 0 und 1 sieht die vollständige MAZE-Programmdatei so aus:

10100010 00011110 11000010 00000001 00110010 00000001 10100010 00011010 11010000 00010100 01110000 00000100 00110000 01000000 00010010 00000000 01100000 00000000 01110001 00000100 00110001 00100000 00010010 00000000 00010010 00011000 10000000 01000000 00100000 00010000 00100000 01000000 10000000 00010000

Diese Kombinationen sind weder dafür gedacht, als ASCII-Codierung verstanden zu werden noch als Windows-1252. Es sind einfach erst einmal nur Zahlen. Wenn ich sie mit Gewalt als Zeichen interpretieren will, kommt so Salat aus wie oben. Manchmal kommt so etwas auch aus dem Drucker, wenn ein Druckauftrag daneben gegangen ist.

Am besten betrachtet und bearbeitet man solche Dateien mit einem Hexeditor. Der zeigt einem quasi die 0er und 1en direkt, und nur am Rande nebenbei als Option eine mögliche Interpretation als Zeichen. Weil diese vielen 0er und 1en aber so unübersichtlich sind, werden jeweils ein Achterblock (ein Byte) zusammengefasst als zweistellige Zahl im Hexadezimalsystem dargestellt. Das ist viel lesbarer und sieht dann so aus:

A2 1E C2 01 32 01 A2 1A D0 14 70 04 30 40 12 00 60 00 71 04 31 20 12 00 12 18 80 40 20 10 20 40 80 10

Man muss sich eigentlich nur merken, dass etwa A2 eine Abkürzung für die Folge 10100010 ist. (Wer neugierig ist, kann sich ja mal Bilddateien vom Format jpg oder bmp in einem Hexeditor anschauen und ausprobieren, was sich ändert, wenn man ein paar Zahlen abwandelt.)

Wie ensteht jetzt aus diesen 34 Hexadezimal-Paaren (oder 34 Byte oder 34 mal 8 Bit) das Labyrinth? Das kommt im nächsten Blogeintrag.

Diese Woche: Elternabend, Blade Runner, Abendbrot (rot)

Am Montag war ein kleines Treffen mit interessierten Parteien aus der Schule und dem Sachaufwandsträger: diese ganze Mediencurriculum erfordert ja auch Ausstattung, und für die ist immer noch der Sachaufwandsträger zuständig – nur dass es jetzt zusätzliche Fördermittel von Bund und Land gibt. Aber es bleibt dennoch Gesprächsbedarf.

Dienstag war… weiß ich nicht mehr, das ist so lange her. Ich hangle mich gerade von Tag zu Tag: Prüfung erstellen, Prüfung korrigieren, Prüfung zurückgeben. Man ist gut, wenn man immer höchstens zwei gleichzeitig zu korrigierende Klassensätze zu Hause hat.

Mittwoch vormittag kennt unter 14 Schülern und Schülerinnen in der Q12 – der Kurs ist größer, es waren nur nicht alle da – niemand Blade Runner. Und das im November 2019! Daraufgekommen sind wir durch das Ende von Kafkas “Die Verwandlung”. Also musste ich kurz Blade Runner, und davor natürlich Film noir, allein schon wegen expressionistischem Film, um den es davor gegangen war, und dann zum Thema Symbole vs. Metapher – die Regenszene in Blade Runner, mit der Taube… gut, die wenigstens kannten ein paar, wird ja oft genug zitiert.

Für die Frage “War Lovecraft eigentlich Expressionist, oder zu welcher Epoche gehört der?” war in der Schule nicht genug Platz, also antwortete ich von zu Hause aus via Mebis/Moodle. Ein Schüler meinte, er habe Google Translate Deutsch-Deutsch gebraucht, um meine ausführliche Antwort zu verstehen, aber ich hoffe, er hat ein wenig übertrieben. (Aber man kann doch nicht über Lovecraft schreiben, ohne nicht-euklidische Geometrie zu erwähnen.)

Danach Vorlesung. So sieht es da aus:

Tatsächlich sind so 10–12 Studenten und Studentinnen da, aber vorne ist schon immer auch noch Platz.

Donnerstag dann Elternsprechabend. Ich bringe die Wörter “Klassenelternabend” und “Elternsprechtag” übrigens immer durcheinander. Das war jedenfalls das mit den Einzelgesprächen: Von 17–19 Uhr vorher online buchbar, danach noch bis 20 Uhr nach Bedarf. Ich war so zwanzig nach sieben fertig, hatte 21 Gespräche geführt – bei uns sind das immer 7‑Minuten-Slots. Ich komme gut damit zurecht – aus meiner Sicht; ich hoffe, die Eltern sehen das ähnlich.

Mein Geheimnis: Ich komme immer zehn Minuten früher in mein Klassenzimmer, und da führe ich meist schon das erste Gespräch vor dem eigentlichen Termin. Und so entzerrt sich das. Außerdem brauche ich im Schnitt sicher nur 6 Minuten für ein 7‑Minuten-Gespräch. Ich glaube, ich begrüße kurz, frage dann echt neugierig: “Was wollen Sie denn wissen oder mir erzählen?” oder: “Ach, die Julia”, sage dann kurz etwas zu Mitarbeit und Verhalten und Integration in der Klasse, etwas zu meiner groben Einschätzung der Leistung (und kommtentiere, wenn sich das von den Noten unterscheidet), frage dann: “Und was erzählt er/sie zu Hause, wie geht es ihm/ihr?”, und zwischendrin kommen schon auch die Eltern zu Wort, hoffe ich. Manchmal dauert es ein bisschen länger als 7 Minuten, aber ich habe ja einen Puffer, und echte Probleme muss man in der Sprechstunde besprechen. Ich habe eine Liste, wer wann kommt, da kann ich spicken und mir Gedanken machen, was ich zu dieser Schülerin oder diesem Schüler sagen will.

Dazu rolle ich meist das kleine Stehpult vor die Tafel, fahre es ganz nach unten und stelle drei Stühle drumrum, das reicht meistens. Aus dem Fenster sehe ich Kollegen, die das Lehrerpult zwischen sich und den Eltern haben, in einem Zimmer sogar Lehrerpult und Bank.

Im Anschluss an den Elternabend gab es die traditionelle Einladung des Elternbeirats für die Lehrer und Lehrerinnen: Vor Jahrzehnten im Gut Roggenstein als Kartoffelessen begonnen, dann unter Fortführung des Namens und allmählichem Wegfall der Kartoffeln und letztlich auch des Namens an verschiedenen Orten weitergeführt; seit dem Umzug in ein neues Gebäude mit Mensa in derselben, und an die Bezeichnung Kartoffelessen erinnern sich nur die alten Kollegen. Aber es gibt leckeren Imbiss, und dazu Glühwein. Erst wollte ich gar nicht hin, bin dann aber doch, wie fast jedes Jahr, und es war wieder sehr nett: Ich war allerdings ziemlich erschöpft, da ich ja den ganzen Tag über in der Schule geblieben war und geabreitet hatte, und blieb nur eine Stunde.

Freitag sehr müde; heiser. Sehr auf Feierabend gefreut, das Arbeiten an der zu erstellenden Klausur doch auf irgendwann (bald) mal verschoben: ich brauche einen halben Tag ohne Schule. Dafür: Abendbrotvorbereitungen…

Yikes! Grusliges Podcastverhalten, Lovecraft BBC 4

Ein ganz kleines bisschen habe ich mich schon erschreckt. Aber dazu muss ich ausholen.

Es gibt einen Kurzroman von H. P. Lovecraft, The Case of Charles Dexter Ward. Nichts für Lovecraft-Einsteiger. Es geht darin um den merkwürdigen Fall des Charles Dexter Ward, der sich im Jahr 1928 – so die Rahmenhandlung – in einer psychiatrischen Anstalt befindet. Sein Arzt recherchiert, wie es dazu gekommen ist, und findet immer mehr über den Fall heraus, zu weiten Teilen mittels Aufzeichnungen von Ward und anderen Personen.

Die BBC hat daraus eine tolle Hörspielreihe gemacht. Die Geschichte ist dabei in die Gegenwart versetzt und auch in anderen Punkten aktualisiert worden. Wards Arzt gibt es immer noch, aber den Hauptteil der Recherchearbeit und Fokusperson für die Hörer und Hörerinnen sind jetzt zwei Podcaster, die – in der vergleichbaren Ausgangssituation wie im Original – nach und nach herausfinden, was es mit dem Fall Charles Dexter Ward auf sich hat. Die Hörspielepisoden bestehen (zumindest in den ersten Folgen, danach wird es komplizierter) aus ihrem Podcast, der ganz im Stil von echten True-Crime-Podcasts gehalten ist – am bekanntesten Serial.

Aus… Gründen… wurde der Charles-Dexter-Ward-Podcast nicht mehr fortgesetzt – extradiegetisch gesprochen: Die Charles-Dexter-Ward-Hörspielreihe war zu Ende. Das war Anfang 2019, glaube ich.

Aber heute rührte sich etwas in meinem iTunes, das ich – ganz Dinosaurier – noch zum Verwalten meiner Podcasts nutze. Plötzlich stand da eine neue Episode. Und der Titel des abonnierten Podcasts hatte sich geändert, da stand nichts mehr von Charles Dexter Ward, plötzlich hieß er: The Whisperer in Darkness, und eine neue Episode war da, getitelt “Reactivating your feed.” Inhalt: Hundegebell, Geflüster, Kryptisches.

Kurzum: Es gibt neue Episoden! “An investigation into witchcraft, the occult and secret government operations. From H.P. Lovecraft.” Bin schon sehr gespannt.

(Die alten Folgen, also die mit Charles Dexter Ward, sind auch noch da.)

Nachtrag: Die alten Folgen sind besser.

Neue Oberstufe in Bayern; Süßigkeiten aus Weißrussland

1. Die neue Oberstufe

Bayern stellt ja gerade wieder von acht- auf neunjähriges Gymnasium zurück, mit mittlerem Schulabschluss nach der 10. Jahrgangsstufe, Oberstufenreife nach der 11. Jahrgangsstufe. Die soll wohl eine Art Festigungs-/Wiederholungs-/Orientierungsstufe sein, die man wohl nicht getrost, aber doch möglichst glimpflich überspringen können soll – das ist auch das Feigenblatt für das Abitur im eigenen Tempo, damit niemand sagen können soll, das mit dem achtjährigen Gymnasium sei keine gute Idee gewesen.

Gestern sind erste Eckdaten für die Jahrgangsstufen 12–13 veröffentlicht worden:

  1. Eine Rückkehr zu zwei Leistungskursen gibt es nicht, allerdings wählt jeder Schüler und jede Schüler ein Fach als Leistungsfach, das dann mit größerer Stundenausstattung und hoffentlich entsprechender Vertiefung unterrichtet wird. Das kann jedes Fach sein, hieß es ursprünglich, sofern das halt als Vertiefungsfach von der jeweiligen Schule angeboten wird…
  2. …aber es sieht so aus, als gelte das nicht für Deutsch und Mathematik. Denn in diesen Fächern können interessierte oder begabte Schüler und Schülerinnen in Jahrgangsstufe 12 einen Vertiefungskurs mit 2 Stunden belegen, der als Wahlpflichtfach zählt. Das heißt, es gibt eine Note (die zum Abitur gezählt werden kann), so wie jetzt etwa mit den Wahlpflichtfächern Philosophie oder Englische Konversation .
  3. In Jahrgangsstufe 13 können alle leistungsschwächeren Schüler und Schülerinnen zwei Differenzierungsstunden Deutsch oder Mathematik belegen – als Wahlfach, ohne Note, ohne Auswirkung auf die Oberstufen-Mindeststundenzahl. Das heißt: Es sind so ein bisschen Nachhilfestunden.

Keine Angaben gibt es darüber, welche Fächer im Abitur verpflichtend sind. Aber das riecht schon nach Leistungsfach und Deutsch und Mathematik. Deshalb gibt es ja die Unterscheidung in Leistungsfach und Vertiefungskurs, und deshalb gibt es die Differenzierungsstunden – weil man in Mathematik und Deutsch bisher halbwegs zum Abitur durchrutschen kann und vor allem das Abitur dan plötzlich Schwierigkeiten macht, weil das in diesen beiden Fächern – bisher – rein schriftlich abzulegen ist.

Denn die unselige Regelung, dass große und kleine Leistungsnachweise (de facto: schriftliche und mündliche Noten) im Verhältnis 1:1 gewichtet werden statt wie früher 2:1, zu der kann ja wohl keine Regierung jemals mehr zurück, ohne Proteste in Kauf zu nehmen. Denn die mündlichen Noten fallen nun mal didaktisch undiskutiert besser aus als schriftliche (Blogeintrag).

Welche Leistungsfächer werden die Schulen anbieten? Welche werden gewählt werden? Bei 100 Schülern und Schülerinnen werden es höchstens 6 sein (16–17 Teilnehmer pro Kurs). Sport, Musik, Wirtschaft, Englisch, Mathematik, noch eines – das hängt von den Interessen ab und von den Noten, denke ich. So große Wahlmöglichkeiten sehe ich jetzt nicht für die einzelnen Schüler oder Schülerinnen. Bei zwei Leistungskursen war die Chance größer, dass man einen oder sogar beide Wünsche erfüllt bekam, mit dem neuen Modell kann man nur hoffen, dass von den 15 oder so Fächern der eigene Wunsch bei den Top 6 dabei ist.

Wie viele werden den Vertiefungskurs Deutsch oder Mathematik besuchen? Schon ein paar. Diese Kurse stehen in Konkurrenz zu Wahlpflichtfächern wie Chor oder vielleicht sogar einer zweiten Naturwissenschaft oder Informatik. Die Gesamtzahl der angebotenen Wahlpflichtkurse wird sich kaum ändern, aber jetzt gibt es neben Englischer Konversation dann vielleicht auch Lesen und Reden – man müsste wissen, wie viel Freiraum man beim Inhalt dieser Vertiefungskurse hat. Mein Wunsch: Gespräche über Literatur und Sprachwissenschaft; bloß keine Aufsatzklausuren, sondern Präsentationen (gerne mit guten Noten, damit der Kurs auch gewählt wird) oder Wissenstests, gerne zum Ankreuzen. Das halt leider nur ein Jahr lang. Zu attraktiv darf das auch nicht werden: Wenn Schüler und Schülerinnen tatsächlich das Recht dazu haben sollen (anders als auf ein bestimmtes Leistungsfach), dann würden da viele Stunden aus dem Pool dafür ausgegeben werden müssen. Na, packt man 30 Leute rein, dann erledigt sich das mit der Attraktivität eh.

Wie viele werden die Differenzierungsstunden Deutsch oder Mathematik besuchen? Viele, denke ich. Im Moment gibt es an vielen Schulen das Phänomen, das Schüler und Schülerinnen, die sich das Abitur noch nicht zutrauen, die 11. Jahrgangsstufe freiwillig wiederholen; in einem neunjährigen Gymnasium macht man das wohl weniger, aber denen helfen dann vielleicht diese – freiwilligen, unbenoteten… – Zusatzstunden. Da wird der Kultusministeriumswunsch sicher sein, möglichst viele Aufsätze zu schreiben und zu korrigieren und sonst nichts. Schönen Dank auch.

Laut KMK muss eine bestimmte Anzahl an Fächern auf erhöhtem Anforderungsniveau unterrichtet werden. Früher waren das in Bayern die Leistungskurse, im G8 waren das aufgrund der vorgeschriebenen Stundenzahl ohne Wahlmöglichkeit Deutsch, Mathematik und Englisch (bzw. fortgeführte Fremdsprache). Mit dem G9Plus sind diese Fächer automatisch Deutsch, Mathematik und Leistungsfach – Englisch ist nicht mehr standardmäßig dabei. Aus diesem Grund kann auch Deutsch oder Mathematik nicht Leistungsfach sein, weil man sonst nicht auf drei davon kommt. Wird es eigene Lehrpläne für, sagen wir, Englisch auf normalem und auf erhöhtem Niveau geben, wie zu Leistungskurszeiten, oder läuft das über zusätzliche Additum-Inhalte oder gar implizit?

Nachtrag: Inzwischen weiß man ein bisschen mehr. Man muss weiterhin eine 2. Fremdsprache oder eine 2. Naturwissenschaft oder Informatik belegen, jetzt aber alle 4 Semester statt nur 2 wie bisher. Das allerdings nur, wenn man kein Vertiefungsfach Deutsch oder Englisch hat. Das heißt, es konkurrieren jetzt alle Fächer um diese 2 Stunden – aber immerhin gibt es jetzt die Möglichkeit, 4 Semester Informatik zu belegen.

2. Buß- und Bettag, Medienkonzept

Am Mittwoch bildeten wir uns über unser Medienkonzept fort. Manche Fächer sehen die digitale Transformation (so sagt man jetzt, nicht mehr Digitalisierung) als Chance oder vielleicht auch als Bedrohung, jedenfalls als Thema, andere Fächer haben deutlich weniger Interesse daran. Mich würde sehr interessieren, ob das von den Einzel-Persönlichkeiten abhängt oder vom Fach, aber ich kann hier natürlich nicht laut schreiben, welche Fächer ich meine.

Dieser Tage dann viele Treffen mit Sachaufwandsträgern und Arbeitsgruppen.

3. Besuch aus Weißrussland (Republik Belarus)

Die letzten drei Wochen war eine Gastlehrerin aus Weißrussland/Belarus bei uns zu Besuch und hat bei verschiedenen Kollegen und Kolleginnen hospitiert. Und wenn ich Kollegen sage, meine ich Kollege, also mich. Gestern waren wir zum Abschied Mittagessen, die Schulleitung und alle Kollegen und Kolleginnen, die mit unserem Gast etwas zu tun hatten, also wieder nur ein Kollege, nämlich ich.

Das liegt sicher auch am Fach Deutsch, wo es mehr Lehrerinnen als Lehrer gibt, aber es waren auch andere Fächer vertreten. Ich mein ja nur.