Informatik-Escape-Room, und andere Schnitzeljagden

Escape Rooms gibt es auch für den Einsatz in der Schule; im Web findet man sie häufig auch unter dem Stichwort “Edu-Breakout”. An der Uni Potsdam entstand in zwei Semestern am Lehrstuhl für Didaktik der Informatik ein Escape Room für Informatik-Inhalte – gedacht für 1–6 Teilnehmer, ab 10. Jahrgangsstufe, Dauer 90 Minuten:

https://www.cs.uni-potsdam.de//room‑x/files/Fall181120/

Man kann auf der Seite eine ganze Menge Material dazu herunterladen, wenn auch ein wenig unübersichtlich. Das liegt auch daran, dass es neben der ursprünglichen Version 1 eine etwas gekürzte und gestraffte Version 2 gibt.

Wenn man alles zusammengesucht und zusammengebaut hat, kriegt man diesen übergroßen Schuhkarton:

(Zu meiner Theorie des Schuhkartons später mehr.)

Und vor diesen Schukarton setzen sich dann die Spieler und Spielerinnen – sie übernehmen die Rolle von jungen Informatikern und Informatikerinnen, die die Ermittlung eines inzwischen verschwundenen Kriminaltechnikers nachvollziehen, der einen Hacker-Fall gelöst und dabei viele Notizen und andere Unterlagen hinterlassen hat. Diese bilden zusammen mit den Beweismitteln aus dem Fall den Inhalt des Schuhkartons. Am Schluss stellt sich dann die Lösung des Falls heraus.

In der Didaktik-Vorlesung haben meine Studenten und Studentinnen diesen Escape Room durchgespielt. Zwei davon waren so nett, das Sichten und Ausdrucken und Zusammenbauen und überhaupt die Spielleitung zu übernehmen. Ich rede mich darauf hinaus, dass man dabei ja auch viel lernt, aber tatsächlich war ich auch froh, dass mir einfach Arbeit abgenommen wurde. Das Material habe ich besorgt (es ist ein bisschen exotisches Zeug dabei) und ich habe die Druckkosten bezahlt.

In der Vorlesung haben wir ziemlich genau die angekündigten 90 Minuten gebraucht, vielleicht nur ein paar Minuten weniger.

Und ja, eine UV-Lampe spielt eine Rolle. Das ist kein zu großer Spoiler: Die Lampe rollt einem gleich nach dem Öffnen der Schachtel entgegen und ist auch als solche zu identifizieren, sobald man sie einschaltet.

Was ist an Informatik drin

Schon ein bisschen was. Kaum etwas, das Vorkenntnisse erfordert, und wenig, das sich unmittelbar abprüfen lässt – manche Aufgaben sind vergleichbar zu Aufgaben aus dem Informatik-Biber-Wettbewerb oder bei Capture-the-Flag-Webrätseln. Bei anderen erfährt man etwas über historische Informatiker und Informatikerinnen. Mehr will ich nicht verraten.

Erkenntnisse

  1. Unbedingt vorher durchspielen.
  2. Rätsel sind immer schwerer, als man beim Erstellen oder Durchlesen meint, selbst wenn man Regel 2 berücksichtigt.
  3. Fast wichtiger als die Qualität der Rätsel, aber da bin ich mir noch nicht ganz sicher, ist der rote Faden. Einen roten Faden braucht es. Der kann vielleicht dadurch entstehen, dass einfach ein Rätsel eindeutig zum nächsten führt, und dass das auch der einzige Weg zu diesem Rätsel ist. Dieser Escape Room ist da ambitionierter und macht einen echten Schuhkarton daraus: Das Material ist ungeordnet und muss erst einmal gesichtet werden, und man weiß nicht gleich, wozu man welches Material überhaupt braucht. Der rote Faden ist hier das Geheimnis, dem der Ermittler und nach ihm die Spieler und Spielerinnen auf der Spur sind. Und dieser rote faden verlor sich mitunter: Da wurde ein Rätsel gelöst, weil man es als solches erkannte, aber man wusste nicht, was mit der Lösung zu tun war. Die überraschende Wendung (es gibt eine solche) ging dabei vielleicht sogar unter, auch wenn der Text dazu gefunden und vorgelesen wurde – es war zu wenig Zeit zum Rollenspiel, glaube ich. Deshalb: Wenn Handlung als roter Faden, dann Handlung noch einfacher und noch linearer halten, als man meint. Hier gab es parallele Wege zur Lösung; zwei Gruppen konnten unabhängig voneinander an verschiedenen Rätseln arbeiten. Einerseits gut, andererseits geht der Plot dabei verloren.

Wie lässt sich das in der Schule einsetzen

In der aktuellen Form ist das für Gruppen von maximal sechs, mit viel gutem Willen: acht Spielern und Spielerinnen gedacht. Das macht das für die Schule unpraktisch – es lässt sich vor allem außerhalb des regulären Unterrichts einsetzen. Mir fällt leider keine Möglichkeit ein, das doch in Klassengröße zu machen.

Nach dem Ausprobieren kann ich das jetzt jedenfalls auch mal in der Schule ausprobieren.

Anhang: Weitere Schnitzeljagden

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.