Was ein Beispiel ist

Eine der ersten Unterrichtsstunden, die ich als beginnender Referendar mitansah, war bei meinem Seminarlehrer für Deutsch. Es ging um das, was damals in der 8. Klasse „Begründete Stellungnahme“ hieß und eine einfache Form des sachlichen argumentativen Schreibens war. Eine These, drei Argumente, die die These stützten, dazu Einleitung und Schluss. In dieser Stunde ging es konkret darum, wie man ein Argument aufbaut. (Die Dateien damit zählen zu den selbst erstellten Dateien auf meinem Rechner mit dem ältesten Änderungsdatum, März 1996.) Dazu gab es auf einem Arbeitsblatt eine Art vorgefertigte Stoffsammlung, und die Schülerinnen und Schüler mussten herausfinden, was sich als … Continue reading „Was ein Beispiel ist“

Bachmannpreisgucken in der Oberstufe

Anfang Juli finden jedes Jahr die Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt statt, in deren Rahmen vor allem der Bachmann-Preis verliehen wird. Sieben Juroren schlagen dazu jeweils zwei Autorinnen oder Autoren vor, die eine unveröffentlichte Geschichte oder einen Romananfang mitbringen und dort vor den Jurorinnen und dem Publikum vorlesen. Nach jeder Lesung reden die Juroren dann kurz über das Werk. Und das alles live, vor Publikum, und im Fernsehen übertragen. Drumherum gibt es ein wenig Folklore für die Schlachtenbummler des Bachmannpreises (Bachmannpreisschwimmen und Bachmann Song Contest) und die Automatische Literaturkritik (Startpunkt für Recherche). Eine Doppelstunde für die Schule ist da … Continue reading „Bachmannpreisgucken in der Oberstufe“

Fontane, Irrungen, Wirrungen (annotiert)

Neulich war der Computerraum einmal während meiner Deutschstunde frei. Zuvor hatte ich an epischen Texten gezeigt, auf was man alles achten kann, jetzt sollten die Schülerinnen und Schüler zwei vorbereitete Kapitel aus Fontanes Irrungen, Wirrungen annotieren, jeweils eine Hälfte des Kurses ein Kapitel. Technisch war das dann doch nicht so einfach, aber darüber habe ich anderswo schon geschrieben, so dass eigentlich gar nicht so viel Zeit zum Arbeiten war. Insgesamt geht das aber sehr schön mit Google Docs: Da gibt man ein Dokument zur Kommentierung frei, und jeder, der den Link dazu erhält, kann Kommentare einfügen – aber sonst nichts … Continue reading „Fontane, Irrungen, Wirrungen (annotiert)“

Über die Behandlung von Gedichten im Deutschunterricht

In der Schule (Gymnasium, Bayern) ist die Textsorte Essay im Deutschunterricht eigentlich nur eine Variante des Kommentars mit mehr Zierrat. Das heißt: Parallelismen, Anaphern, Wortspiele (aber die sind schwierig). Sonderregel bei Herrn Rau: keine Ansprache an irgendwelche Leser, und ganz, ganz, ganz wenige Einwort-, Zweiwort- oder sonstwie unvollständige Sätze sowie rhetorische Fragen. Diese Stilmittel liegen den Schülerinnen und Schüler nämlich ganz nah an der Feder, und diese Stilmittel führen ganz besonders dazu, dass es mich beim Lesen schüttelt. Präskriptiv, deskriptiv, Abwägen, eigener Stil, alles klar – aber schütteln darf es mich nicht. Geeigneter sind Metaphern und andere Bilder, breit ausgeführte … Continue reading „Über die Behandlung von Gedichten im Deutschunterricht“

Gefundene Parabel (Arbeitsblätter von Kollegen 2)

Ich schaue mir ja gerne die Arbeitsblätter an, die von Kollegen in Klassenzimmern oder am Kopierer zurückgelassen werden. Vor ein paar Tagen fand ich das hier ungemein interessant, leider nur unvollständig erhalten: Etwas leichter zu lesen: Operation korrigiert werden kann. K wendet sich an V und erklärt ihm unter Zurverfügungstellung von „Berta“, er wolle wegen des „Mangels“ ein anderes Tier aus demselben Wurf. V erklärt zutreffend, er könne zwar eine andere Katze liefern, sei dazu jedoch nicht bereit. Das kam mir vage bekannt vor. Die Geschichten von Herrn K von Bert Brecht kannte ich doch eigentlich alle – war das … Continue reading „Gefundene Parabel (Arbeitsblätter von Kollegen 2)“

Das Biedermeier

In der Schule spielt die Zeit zwischen Romantik und Realismus literaturgeschichtlich keine große Rolle. Man liest den – vielleicht gar nicht so typischen – Woyzeck von Büchner und schaut ein bisschen in seinen Hessischen Landboten hinein. Den Rest macht man als Kurzfassung: Das Biedermeier als Schwundstufe der Romantik (Rückzug ins Private, Genügsamkeit, regional ausgerichtet), als alternative Reaktion auf die Restaurationszeit das Junge Deutschland und später Vormärz (weltbürgerlich-liberale Forderung nach mehr Freiheiten). Dabei hat diese Zeit ihren eigenen Reiz. Und die Trennlinien sind gar nicht so klar. Siehe Turnvater Jahn: Friedrich Ludwig Jahn, Ernst Eiselen, Die deutsche Turnkunst (Berlin 1816) Aber … Continue reading „Das Biedermeier“

Erörterung in der Schule, und Essays

Seit vielen Jahren bin ich mit der Textsorte Erörterung in der Schule unzufrieden. Steht hier was dazu,, und hier noch mehr. Die Theorie zu dieser Textsorte – die kenne ich nicht. Nie gelernt, mich auch nie weitergebildet. Ich kenne auch keinen, der dazu gesicherte Informationen hat und nicht nur Alltagserfahrung… vielleicht mal bei Wikipedia schauen. …uh, nein. Heißt die Erörterung irgendwo tatsächlich noch „Besinnungsaufsatz“? Ich dachte, das Wort vermeidet man seit den 1970ern. Davor trieb man in der Mittelstufe Erörterung, und den Besinnungsaufsatz in der Oberstufe; heute gibt es nur noch die Erörterung. Sag ich mal nichts dazu. (Siehe Dietrich … Continue reading „Erörterung in der Schule, und Essays“

Was romantisch ist

Langsam zum Ende der romantischen Epoche kommend, habe ich meinen Q11ern heute dieses Foto gezeigt (von Frau Rau bei einem Oktoberfestbesuch aufgenommen): Und dann sollten die Schüler sagen, was an dem Bild romantisch ist. Es kam auch eine ganze Menge dabei heraus. Symbole hatten wir zuvor auch wiederholt. Aber das wichtigste, eigentlich Romantische an dem Bild, das mich dazu gebracht hat, Frau Rau anzustupsen und die Aufnahme zu machen, das hat keiner gesagt oder gesehen.

Kurscafé

Wir arbeiten im Fach Deutsch in der 10. Jahrgangsstufe eng zusammen, damit die Schüler mit gleichen Voraussetzungen in die Kursphase der Oberstufe eintreten. In der Q11/Q12 setzen wir die Zusammenarbeit fort, was nicht heißt, dass alle die gleichen Lektüren lesen muss. Mein Kurs hat als Drama der Klassik Iphigenie gelesen, ein Parallelkurs Maria Stuart. Nach der Klausur trafen sich die beiden Kurse (eine hervorragende Idee des neuen Kollegen) in etwas, das wir „Kurscafé“ genannt haben: Die Schüler von Kurs 1 bekamen einen Laufzettel von Informationen, die Sie über Iphigenie einholen sollten, die Schüler von Kurs 2 einen Laufzettel für Maria … Continue reading „Kurscafé“

Fakten machen

It ain’t what a man don’t know that makes him a fool, but what he does know that ain’t so. Wenn es nur so einfach wäre. Mir ist in den letzten Wochen an verschiedenen Stellen aufgefallen, dass es in Ordnung zu sein scheint, Dinge zu wissen, die nicht stimmen. 1. Die Jugend von heute Manchmal üben Leute Kritik an der Jugend von heute. So schnell schaust du nicht, wie einem dann Zitate von alten Griechen um die Ohren geschlagen werden, die belegen sollen, dass immer schon auf die Jugend geschimpft wurde und dass deshalb nichts dran sein kann an der … Continue reading „Fakten machen“