Dial L for Listening

Ich bin seit einiger Zeit nicht mehr bei der Telekom, sondern kriege mein Telefon über meinen Internetanbieter. Dort kann ich mir ohne weitere Kosten zusätzliche Telefonnummern anlegen und auch wieder löschen, 10 Stück davon. Diese Nummern kann ich mit digitalen Anrufbeantwortern versehen, über mein Telefon und meinen Router oder über eine Webschnittstelle, wo ich eine Audiodatei hochladen kann (.wav, 8 kHz, also eher low-fidelity).

Ich unterrichte ja kein Englisch mehr, aber wenn es doch mal wieder dazu kommt, werde ich mir zwei oder drei Nummern einrichten mit Ansagetexten verschiedenen Schwierigkeitsgrads, und dann lasse ich in der Schule Schüler die Nummern anrufen und mir den Inhalt der Nachricht mitteilen. Eventuell ist auch gleich ein Arbeitsauftrag dabei. Ganz umkompliziert und spontan einsetzbare Hörverstehensübung.

(Ja, man braucht dazu Telefon im Klassenzimmer oder einsetzbare Handys. Zur Not, aber das würde viel vom Witz wegnehmen, könnte ich auch mein eigenes Handy anbieten; Anrufe wären dann kostenlos – wieviel und ob das sonst etwas kostet, hängt von den Tarifen der Schüler ab. Und klar, ein echter Mensch am anderen Ende – so wie bei dieser Hörverstehens-Schnitzeljagd an der Uni – wäre natürlich noch schöner.)

Optional müssen Schüler auch gleich einen Text als Reaktion auf meine Ansage aufsprechen. Der wird, digitaler Anbieter macht es möglich, automatisch als Audiodatei an eine beliebige E-Mail-Adresse geschickt (und dann vom digitalen AB gelöscht, man will ja nicht zuviel herumliegen haben). So kriege ich bequem die Aufnahmen.

— Was ich mir eh schon eingerichtet habe: eine private Telefonnummer ohne Ansagetext, aber mit Aufnahmemöglichkeit und Weiterleitung der Audiodatei an meine E-Mail. So kann ich mir schnell Audionotizen aufs Handy aufsprechen, die ich dann gleich auf dem Rechner habe, ohne erst ans Handy zu müssen.

Nachtrag: Eine eigene Nummer für den Anrufbeantwortner ist ohnehin keine schlechte Idee. Nicht nur für mich, das sollte jeder haben. Es kommt doch immer wieder vor, dass man Leute gar nicht persönlich sprechen möchte, sondern ihnen nur etwas aus Band sagen will. Wenn da jeder eine eigene Voicemail-Nummer hätte: wie praktisch.

Blaue Beutel

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Ich weiß nicht, wer damit angefangen hat, vor fünf, sechs Jahren. Jedenfalls haben wir seitdem stets ein halbes Dutzend Kühlbeutel im Eisfach im Lehrerzimmer. Die werden schon sehr gut angenommen, werden rege ausgegeben und wieder zurückgebracht. Ich weiß nicht, ob die Schüler sich heute mehr verletzen als früher, wir kamen jedenfalls ohne aus – aber ein lindernder Trost sind die Beutelchen allemal. Ich schwanke noch zwischen sinnvoller Einrichtung und überflüssigem Betütteln, aber das Bedürfnis nach den Kühlpacks ist auf jeden Fall da.

Also jetzt endlich: mein iPad

Zuletzt hat Felix Schaumburg gezeigt, welche Apps er auf seinem iPad in der Schule nutzt, jetzt will endlich auch ich mein iPad vorstellen. Die Kurzfassung: im Unterricht nutze ich es kaum. Ich zeige ohnehin nicht viele Präsentationen, und wenn, dann in offenen und freien Formaten, die das iPad nicht unterstützt. Außerdem gibt es bei uns in jedem Klassenzimmer Rechner und Beamer, die oft genug funktionieren, so dass ich gar nicht darüber nachdenke, das iPad zu verwenden.

Trotzdem ist das iPad für mich sehr praktisch und nützlich und ich halte das Format eines solchen mobilen Geräts für zukunftstauglich. Wer nur gelegentlich unterwegs seine Mail lesen möchte, dem reicht ein Smartphone. Wer unterwegs viel arbeiten möchte, der braucht einen Laptop mit einem flexiblen Betriebssystem. Für alles dazwischen ist das iPad gut – wenn man also mehr und länger lesen möchte, wenn man komfortabler schreiben will als mit eine Smartphone, und wenn man etwas schönere Spiele spielen möchte.

Ich habe es auf Reisen dabei gehabt: lange Akkulaufzeit, geringes Gewicht, sehr praktisch.
Ich habe es auf Konferenzen benutzt: Notizen, Mails und Feedreader, zwischendurch ein paar Spiele spielen, auch sehr nützlich.
Ich habe Familienmitgliedern Urlaubsfotos gezeigt: leuchtend hell, sehr schön.
Ich habe Passanten, die mich nach Straßennamen gefragt haben, helfen können, indem ich schnell bei der Karten-App einen Überblick über den aktuellen Standort zeigte.
Die Bedienung ist unübertroffen einfach, meine sechsjährige Nichte kann damit umgehen, mein zehnjähriger Neffe sowieso. Ich zeige denen nur ein kleines Malprogramm, und schon probieren sie der Reihe nach meine Spiele durch. Und die unbekannte Dreijährige in der S-Bahn neulich war auch begeistert, als sie – mit Erlaubnis der begleitenden Mutter – mit meinem iPad malen durfte.
Im Unterricht mal doch schnell – es ging gerade um Nerds – den Schülern zeigen wollen, wie Bill Gates aussieht: Bild gesucht und herumgezeigt.
Für die Couch zu Hause: ungeschlagen.
In der Lehrertasche: immer dabei.

Ich kann mir vorstellen, dass manche Lehrer damit einer papierlosen Schultasche nahekommen. Selber habe ich es zwei Tage versucht und dann wieder aufgegeben. Vielleicht wiederhole ich den Versuch noch mal.

Die Basics – E-Mail, Kalender, Kontake und Feeds:

  • Ich benutze die mitgelieferte E-Mail-App für meine Post. Alle Postfächer sind im imap-Format, so dass alle meine Mail-Zugänge synchronisiert sind: wenn ich auf dem iPad etwas lösche, verschwindet es auch aus meinem Mailprogramm auf dem PC (Thunderbird) und umgekehrt.
  • Ich habe etwa 400 Adressen mit meinem Feedreader abonniert. Keine Angst, auf den meisten davon gibt es nur selten etwas Neues. Wer’s noch nicht weiß: so ein Feedreader ist eine tolle Sache. Man abonniert Seiten (die Pressemitteilungen des Kultusministeriums etwa, oder mein Blog), und wenn auf diesen Seiten etwas Neues veröffentlicht wird, präsentiert einem der Feedreader den neuen Inhalt. Bei mir sind das an Wochentagen etwa 100 Eingänge täglich, vergleichbar mit 100 Artikeln in einer Zeitung: bei vielen lese ich nur die Überschrift, manche überfliege ich, einige hebe ich mir auf, um sie später gründlich zu lesen. Das dauert nur Minuten, und dafür muss ich nicht von Hand die 400 Adressen abklappern, ob es da etwas Neues gibt.
    Ich benutze zum Lesen den Google Reader (synchronisiert mit meiner Blogroll), auf dem iPad ist die normale Webseite dazu aber unpraktisch zu lesen, deshalb rufe ich die für mobile Geräte optimierte alternative Darstellungsform mit einem Knopfdruck auf.
  • Ich benutze die eingebaute Kalender-App für meine Termine. Die Kalender-Kategorien werden dabei mit meinem Google-Kalender-Account synchronisiert, der wiederum mit dem Kalender-Modul meines E-Mail-Programms synchronisiert wird. Letztlich liegen meine Termine also bei Google, weil es da am meisten Schnittstellen zu anderen Programmen gibt. Alle Termine trage ich nur einmal ein oder lösche sie nur einmal, egal ob im Web, am Tablet, in Thunderbird, und auf allen anderen Quellen erscheinen oder verschwinden sie dann automatisch. (Anleitung dazu.)
    Auf einen dieser Kalender hat auch das Sekretariat Zugriff, alle Termine, die dort eingetragen werden – vom Sekretariat oder von mir, am iPad oder am Bürorechner – tauchen dann automatisch auf der Terminliste unserer Schulhomepage auf.
  • Meine Kontaktadressen in Thunderbird werden mit Zindus mit meinen Kontaktadressen bei Google synchronisiert. Und die wiederum werden – man erkennt ein gewisses Muster – mit meinen Kontakten auf dem iPad synchronisiert. (Anleitung hier.) Die Synchronisation klappt nur einigermaßen, da nur die Informationen synchronisiert werden, die sowohl bei Google als auch beim iPad als auch bei Thunderbird vorgesehen sind. Telefonnummern, Namen und Mailadressen gehen, Straße und Ort dagegen nicht. Ich habe die bisher noch nicht vermisst, es wäre aber doch schön, wenn das ginge.

Zum Arbeiten:

  • Office2HD zum Bearbeiten und Erstellen von Word- und Excel-Dateien, vor allem auch zum Bearbeiten von GoogleDocs-Dateien. Relativ teuer, aber meiner Meinung nach das beste seiner Art. Nicht oft gebraucht.
  • Evernote für Notizen. Alle Notizen dort werden mit meinem Evernote-Account synchronisiert, der wiederum synchronisiert ist mit meinem Evernote-Programm auf dem PC: Wenn ich auf dem iPad Notizen mache, erscheinen diese auch auf dem PC und umgekehrt.
  • Ähnlich funktioniert die Dropbox-App, nur mit Dateien: alles, was ich in meinen Dropbox-Ordner auf den PC lege, wird mit dem Dropbox-Account synchronisiert, der wieder um mit der iPad-App erreichbar ist. Allerdings funktioniert das nur in einer Richtung, ich kann mit dem iPad nichts in den Dropbox-Ordner kopieren.
  • Meine Lesezeichen liegen alle bei Delicious, mit der App dazu (iPhone-Version) kann ich auf sie zugreifen.
  • Meine Passwörter auf meinem PC werden mit dem Programm KeePass verwaltet, auch dazu gibt es die App MyKeePass (iPhone-Version), die es mir ermöglicht, meine Passwörter sicher mit mir zu tragen.
  • Unsere Schulmails laufen über das Programm Groupwise von Novell. Keines meiner Favoriten. Der Zugang über Web ist mit dem iPad nicht möglich, deshalb benutze ich, sehr selten, GW Web dazu (iPhone-Version, großen Bruder gibt’s aber auch).
  • Man kann sein WordPress-Blog natürlich über den normalen Webzugang verwalten, aber das ist umständlich. Mit dem Scrollen auf dem iPad hapert es nämlich ein wenig, das geht nicht sehr sauber. Deshalb benutze ich die WordPress-App, um einfach auf die Rückseite meines Blogs zurgeifen zu können.
  • Ähnliches gilt für unsere unter Joomla laufende Schulhomepage, dazu nehme ich Joomla Admin Mobile in der Lite-Version. Für Notfälle. Der WYSIWYG-Editor funktioniert aber beim iPad nicht.

Praktisches:

  • MVG Fahrinfo, DB Navigator.

Zur Unterhaltung:

  • Facebook (iPhone-Version): deutlich komfortabler als der Webzugang. Sporadisch benutzt.
  • Twitter.
  • Flipboard: eine schöne App, mit der die Tweets und verlinkten Seiten aus Twitter und Facebook (und anderen Quellen) quasi in Magazinform dargestellt werden. (Youtube-Video zum Anschauen.)

Spiele:

  • iGammon: meine liebste Backgammon-App. Mehrere Schwierigkeitsstufen, besser als ich. Spielt sich schnell. Einziger Nachteil: kein Ton, so ein gelegentliches Klickklack beim Ziehen wäre schön.
    Backgammon ist ein tolles Spiel, eine gute Mischung aus Taktik und Glück. Anders als bei vielen Spielen gibt es manchmal richtige Entscheidungen, die trotzdem zum Verlust des Spiels führen. Man muss Chancen und Risiken abwägen und manchmal setzen sich die Risiken durch. Aber das nächste Mal würde man sich in der gleichen Situation noch einmal für den gleichen Zug entscheiden. Dieses Rationale mag ich an dem Spiel. (Natürlich macht man auch tatsächliche Fehler, bei denen man beim nächsten Mal andes entscheiden würde, weil man schon beim ersten Mal anders entscheiden hätte können. Backgammonspieler machen beide Arten von Fehlern, Politiker nur eine.)
    Und manchmal muss man aus rationalen Gründen und gegen seinen Willen ein Verdoppelungsangebot des Gegners annehmen, auch wenn man schlechter dasteht. That’s life.
  • Pinball Ride: mein Lieblingsflipper. Gibt’s auch in einer Lite-Version zum Testen.
  • Cricket T20 Fever: ich habe nicht viele Cricketversionen ausprobiert und verglichen, vielleicht gibt es noch bessere. Aber eine musste sein, um die Regeln zu lernen. (Auch wenn T20 eine neuere, möglicherweise fehlgeleitete Entwicklung im Cricket ist, um das Spiel für ein heutiges Publikum attraktiver zu machen.)
  • Carnivores: Dinosaurierjagd auf Monsterinsel. Man vebringt viel Zeit damit, fliehenden Sauriern hinterherzulaufen. Das gefällt mir, dass da nicht viel passiert.
  • Spit: ein Kartenspiel, alter Zeiten wegen, in denen ich es mit echten Karten gespielt habe. Ein einfaches Ablagespiel, nur dass es pro Spieler einen Ablagestapel gibt (in der App: nur zwei Spieler/Computer, mit echten Karten: bis zu vier) und alle Spieler gleichzeitig auf allen Stapel ablegen dürfen, wenn sie schnell genug sind. Ich mag Spiele ohne feste Zugreihenfolge, davon kenne ich einige.
  • Frotz: eine App für Interactive Fiction/Textadventures im Z-Machine-Format, kommt gleich mit zwei Dutzend solcher Spiele.

Und nun das allerwichtigste: Comics lesen.

Dafür wurde das Gerät gemacht. Zum Beispiel mit Comics von ComiXology. Bei ComiXology (und anderen Anbietern) kann man sich Comics herunterladen, sehr viele kostenlos, andere nicht sehr teuer. Oft ist das erste Heft einer neuen Serie kostenlos im Laden, weitere Hefte kauft man, wenn einem die Serie gefällt. Von DC/Marvel ist weniger dabei als von kleineren Anbietern. Und die liest man dann, entweder Seite für Seite, was nicht sehr praktisch ist, da das iPad doch etwas kleiner ist als ein Heft. Oder Panel für Panel, also Bildchen für Bildchen. Dabei zoomt und fährt die Kamera quasi von Bild zu Bild, es gibt, powerpointähnlich, verschiedene Rahmen und Übergangsformen. Verloren geht dabei die Gesamtwirkung der Seite (auch wenn man die sich auch im Ganzen anschauen kann). Man gewinnt dafür eine größere Aufmerksamkeit für das Detail, das einzelne Bild, und die Übergänge ermöglichen eine weitere semantische Dimension beim Lesen. Toll.

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Probleme und Fazit:

  • Mit dem Prinzip App-Store kann ich leben. Ich kann keine eigene Software installieren, sondern mich nur aus der im App-Store angebotenen bedienen. Das ist eine gewisse Einschränkung, da ich viele praktische in Java geschriebene Programme nicht nutzen kann, die für den Informatikunterricht praktisch wären.
  • Ich fühle mich angenehm an C64-Zeiten erinnert, als auch alle Rechner mehr oder weniger gleich waren. So sind auch alle iPads gleich, lediglich der feste Speicher liegt zwischen 16 und 64 Gigabyte, glaube ich. (Meiner hat 32 GB und UMTS.)
  • Ausgesprochen lästig und einschränkend finde ich die fehlende Unterstüzung für offene und freie Formate, oder weit verbreitete proprietäre Formate. Mit speziellen Apps kann ich divx-Filme anschauen (CineXPlayer, mit Videoausgang) oder Open-Office-Dateien betrachten (FileApp), wenn auch nicht bearbeiten.
  • Eingeschränkter Dateitransfer: Man kann mit dem iPad das nicht tun, was man sich als normaler Benutzer so vorstellt, nämlich einen USB-Stick anstecken und Dateien hin und her bewegen. Das ist unnötig und Gängelung und ärgert mich – aber ich vermisse die Funktion nicht sehr. Nur selten kopiere ich Daten auf den iPad, und wenn, dann meist über Dropbox.
  • Mit einem zusätzlich zu kaufenden VGA-Adapter kann ich aus dem iPad heraus Bildsignale an einen Beamer schicken. Das können aber nur bestimmte Apps (Präsentationssoftware und der eingebaute Videospieler; auch manche anderen Videoapps), aber es ist nicht so, dass man quasi alles, was man auf dem iPad tut und sieht, auch auf den Beamer leiten könnte. Ich habe das noch nicht vermisst, da ich meinen iPad dazu nicht nutze.
  • Und ja, ich nutze für sehr viel Daten die Cloud, will heißen, meine Daten liegen auf irgendwelchen Servern bei Dropbox oder Evernote oder Google. (Das sind immerhin identifizierbare Server, anders als wenn man etwa bei Amazon übrige Rechenzeit aus der Cloud kauft.) Bei mobilen Geräten ist das praktisch.

Für die Zukunft: ein ähnliches Gerät, mit etwas verbesserter Benutzeroberfläche, mit Unterstützung freier Formate, mit Dateibrowser. Und für die Schule: klar, wenn alle Schüler ein iPad hätten, könnte man schöne Sachen damit machen. Oder ein Laptop. Oder pünktlich wären. Oder wenn es Schränke gäbe. Und und und.

Sport und Spiel

Sollte eigentlich jede Englisch-Fachschaft haben:

So ein Set habe ich im Urlaub gesehen und vor kurzem bei amazon.co.uk bestellt – kostet £10, nochmal £12 Porto dazu, immer noch nicht viel. Natürlich ist das kein ernstzunehmendes Cricketset, es hat Kindergröße und ist vermutlich nicht sehr stabil, der Ball ist nur ein – für Schüler ohnehin eher geeigneter – einfacher Tennisball. Aber ein-, zweimal im Jahr könnte man doch in einer Englischdoppelstunde auf die Wiese gehen und Cricketspielen spielen.

In einem alten Blogeintrag gibt’s eine Einführung in Cricket. So richtig beherrsche ich das Spiel nicht, von den Kriterien für die Schiedsrichterentscheidungen und deren Handzeichen habe ich nur vage Ahnung. Aber ich will mich gerne fortbilden, spiele auch schon fleißig Cricket auf meinem iPad.

Nächste Woche bin ich mit meiner 7. Klasse in einem Sport- und Freizeitheim: fünf Tage in einem Hüttendorf, mit Fußball, Tennis, Tischtennis, Wandern und dergleichen. Ich habe schon Frau Rau gefragt: „Darf ich mein neues Cricketspiel mitnehmen? Darf ich? Darf ich?“ Aber ihr war nur wichtig, dass ich meinen Cricketpullover mitnehmen würde. Menno. Wo ich doch noch traumatisiert davon bin, dass ich mein Spider-Man-Kostüm nicht ins Schullandheim mitnehmen durfte, damals, anno 1979. War eine weise Entscheidung meiner Mutter damals.

— Dann war heute schöne Post im Briefkasten: eine Einladung des amerikanischen Präsidenten.

Der Präsident hieß aber Roosevelt. In einem Monat ist nämlich wieder das jährliche Rollenspieltreffen, und unser Abenteuer letztes Jahr war äußerst spannend – und nur ein Etappensieg für unsere Abenteurergruppe, auch wenn das Leben von F.D.R. Roosevelt vorerst gerettet ist. Der Spielleiter hat jedem Spieler einen Umschlag geschickt mit einem frisch ausgedruckten Charakterbogen; ich bin Nick Douglas, Schauspieler, zur Stummfilmzeit erfolgreich, jetzt – erste Hälfte der 1930er Jahre – auf der Suche nach anderen Aufgaben. (Foto.) Schrotflinte und Revolver, Überreden 50%, Verborgenes erkennen 45%, und so weiter. Dazu eine Liste der Personen vom letzten Jahr und eine Zusammenfassung der Ereignisse, man vergisst ja so viel. Bin schon gespannt, was der Präsident mir geschrieben hat… und das erste Misstrauen regt sich: haben alle Figuren das gleiche Schreiben gekriegt oder gibt es nicht doch besondere Anweisungen für den einen oder anderen?

Freue mich schon sehr.

Nachtrag: Im Umschlag eine Einladungskarte, Details, und ein Flugticket. Mmmmmmh. Eigentlich eine Kleinigkeit, aber hebt das Spielvergnügen ungemein.

(Ansonsten eher Unschönes. Heute war die Beerdigung einer Kollegin, zu jung gestorben, kein Thema fürs Blog. Ein Familienmitglied wird heute operiert, ein anderes hat Kummer. Ach ja.)

Ich und das Internet

Jens Scholz blickt auf 10 Jahre Blog zurück, und das macht mich auch ganz erinnerlich.

Dieses Blog gibt es seit 2004, ein erstes Blog hatte ich im Herbst 2003. Den ersten Gästebucheintrag (also fast schon Web 2.0) hatte meine erste Webseite 1998, die Webseite gibt es seit 1996. Im Internet bin ich seit 1994 oder 1995. Das weiß ich noch, weil ich kurz nach meiner technischen Einführung an der Uni – ein Hinterzimmer mit einer kleinen Gruppe von Interessierten, ganz unspektakulär – mein erstes Buch über das Internet kaufte, Der Internet Navigator von Paul Gilster (deutsche Ausgabe 1994).

In diesem Buch ging es um Telnet und Mail und FTP, das Usenet und das Bitnet, Gopher, Archie und Veronica (Very Easy Rodent-Oriented Netwide Index to Computerized Archives). Wie man sich RFCs schicken lassen konnte und FYIs. Ein kleines Zusatzkapitelchen widmete sich der neuesten Errungenschaft, dem WWW. Die WWW-Beispiele sind alle noch von reinen Textterminals, ohne Bilder, ohne markierte Links, die stattdessen nur Ziffern in eckigen Klammern gekennzeichnet waren. Und wie man sich, wenn man nur über einen Mail-Zugang verfügte, WWW-Seiten schicken lassen konnte, so dass man die nummerierten Links dann wiederum per Mail anfordern konnte. Mir ham ja nix ghabt. Na gut, an der Uni war auch schon der erste graphische Browser überhaupt installiert, Mosaic, so etwas gab es erst ab Herbst 1993.

An Computern hatte ich (oder mein Vater) zuvor einen 386er, einen Atari ST, einen Commodore 64. Davor ein CBM 8032 und sogar einen Commodore PET. Kein VC-20, aber eine Intellivison-Konsole und eine echte Rarität: die Magnavox Odyssey von 1972. (Einen Akustikkoppler gab’s auch im Haus, aber mit dem hatte ich nie zu tun.)


Aber ursprünglich wollte ich zu einem anderen Thema etwas schreiben, nämlich dazu, was an Veränderungen im Web kommen wird. Vorab: ich habe keine Ahnung. Aber einige Dinge werden viel diskutiert, von denen man gehört haben sollte. Deshalb auch für mich als Erinnerung eine Zusammenstellung.

Da ist die Frage der Netzneutralität. Darf ein Internetprovider manche Daten, die über seine Wege transportiert werden, bevorzugen? Manchmal muss er das, aber das ist eine andere Frage, hier schön erklärt. Manchmal muss er nicht: ein erfundenes Beispiel wäre, dass ein Provider alle Daten, die von Facebook kommen oder zu Facebook gehen, bevorzugt transportiert, also schneller. Dafür würde Facebook dem Provider natürlich Geld zahlen. Der Provider gibt diese Kosten an den Kunden weiter. Positiv gesehen: der Kunde bestellt quasi beim Provider das Paket „200% Youtube, 100% Facebook, 50% alles andere“, zum vorgegebenen Preis. Negativ gesehen: neue Dienste, die naturgemäß nicht in diesen Paketen enthalten sind, haben es schwerer, genutzt und damit bekannt zu werden (weil die Verbindung so langsam ist). Generell haben es kleine Dienste in diesem System schwerer. Könnte da plötzlich so etwas wie Twitter aus dem Nichts kommen und das Web umkrempeln? Innovation braucht Netzneutralität. Die Frage: sollen Provider so etwas anbieten dürfen?

Das andere Problem ist das mit dem Löschen und dem Sperren und dem Jugendschutz. Das Bundeskriminalamt will Websperren für Kinderpornographie, damit man die von Deutschland aus nicht ansehen kann. (Probleme: Wirksamkeit und Datensammlung. Aber okay.) Gegen den Vorwurf der Zensur wehrt sich der BKA-Präsident:

Etwas vom Gesetzgeber Verbotenes dem öffentlichen Zugriff zu entziehen, kann keine Zensur sein.

Das Lawblog schließt daraus, zu Recht, dass es mittelfristig eben keinesfalls nur um Kinderpornographie geht, die quasi nur der Türöffner ist, sondern grundsätzlich um „vom Gesetzgeber Verbotenes“ gehen wird. Udo Vetter nennt
Online-Wettanbieter und Tauschbörsen. Heise vermeldet: „EU-Kommission debattiert über Filter gegen Copyright-Verstöße.“

Und vom Gesetzgeber ist Vieles verboten. Die Regeln für Kinderpornographie sind in jedem Staat verschieden, wenn die sich auch im Kernbereich natürlich einig sind. Aber schon bei gezeichneter Darstellungen von Nacktheit gibt es unterschiedliche Ansichten. Auch die Regel für das Copyright sind in jedem Staat verschieden, was in den USA als fair use gilt, oder was nicht mehr urheberrechtlich geschützt ist (fast alle Texte, die vor 1923 dort veröffentlicht wurden), kann in England oder Deutschland noch geschützt sein (weil der Urheber noch keine 70 Jahre tot ist). Auch die Meinungsfreiheit kennt in jedem Staat unterschiedliche Grenzen., Die jeder Staat – China, Iran, USA, Deutschland – für die sinnvollsten hält. Nationalsozialistische Propaganda ist in den USA erlaubt, hier verboten. Es ist nur konsequent, alles, was in Deutschland verboten ist, zu sperren.

In Deutschland gehen wir gerade auf ein Leistungsschutzrecht für Verlage zu: die möchten (unabhängig vom geltenden Urheberrecht und dem Zitatrecht) eine Pauschale vom Staat, weil ihre Texte im Web – etwa von Google – erfasst und verwendet werden. Eine Alternative wäre natürlich, die Texte einfach nicht ins Web zu stellen oder Google auszuschließen, aber man will ja daran verdienen. Ein weites Feld, hier könnte man anfangen zu lesen.
Gerade gibt es eine Klagewelle in den USA wegen Übernahme von Pressetexten, ganz oder teilweise, in Blogs. Wer ein Gerichtsverfahren scheut, geht auf einen Vergleich ein oder, bei uns, nimmt die Abmahnung hin, ob gerechtfertigt oder nicht. Gegen Plagiate habe ich auch etwas, für die Möglichkeit einer Diskussion im Web braucht es aber auch ein Zitatrecht (gerne noch weiter gehend als in Deutschland).

Am gewichtigsten ist vielleicht die laufende Novellierung des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags (JMStV). Der Gedanke: man muss – auch im Web – die Jugend vor Inhalten schützen, die ihre Enwicklung schädigen können oder die die Menschenwürde verletzen oder sonstige geschützte Rechtsgüter verletzen. (Siehe Urheberrecht und Grenzen der Meinungsfreiheit.) Lesenswerte Kritik daran beim AK Zensur, der „irreversible Schäden an einem sich entwickelnden kulturellen und sozialen Raum“ befürchtet, dem öffentlichen Web. Ausländische Seiten bleiben vom JMStV unberücksichtigt, werden also – diese Konsequenz sehe ich jedenfalls – früher oder später gesperrt werden müssen, wenn keine internationale Altersfreigaberegelung kommt. Inländische Seiten, wie mein Blog, müssen durchgesehen werden, ob davon nicht eine „Erziehungsbeeinträchtigung“ für sechsjährige Kinder ausgeht, oder ein Link auf eine solche. Wenn ja, muss man Maßnahmen. Vermutlich würde ich das ganze Blog sicherheitshalber mit der Altersbezeichnung „ab 18“ markieren, aber ich weiß nicht mal, ob das reicht. Selbst wenn das noch so wäre: richtig geschützt wäre die Jugend dadurch ja nicht.
Ehrlich gesagt, es gibt viel richtig widerliches Zeug im Web – mehr als ich weiß, da ich nur selten auf Links stoße und denen nach ersten Versuchen auch nicht mehr nachgehe. Aber Wikipedia allein verlinkt unter manchen Artikeln (zum Thema „unappetitliches Zeug“) viele, viele Seiten, die bei Kindern sicher Übelkeit und Alpträume auslösen. Als ausländische Seite bleibt sie vom JMStV unbetroffen, aber darf ich noch darauf verlinken, wenn ich meine Seite für Minderjährige öffne?

Ob der Netzpferdchen-Ausweis die Lösung ist? Internetführerschein für unsere Kleinen, nur damit darf man ins Web.

Spaß mit dem Beamer

Weil Weihnachten ist, gibt es jetzt in manchen Pausen in der Aula Besinnliches per Beamer an die Wand. Und weil ich gerne herumspiele, habe ich mal ausprobiert, ob ich meinen kleinen Laptop mit der eingebauten Webcam auch anschließen kann. Es geht:

Kamera auf Pausenhalle, Bild per Beamer an die Wand. Das nächste Mal probiere ich Rückkopplungseffekte aus – wenn ich die Kamera auf die Leinwand richte, auf die projiziert wird, sollte das tolle Effekte geben.
Was ich damit machen will, weiß ich noch nicht. Für Theateraufführungen, so dass sich das Publikum im Hintergrund selber sehen kann? Sicher nicht zur bloßen Unterhaltung der Schüler oder gar zu irgendeiner Form von Überwachung.

(Einziges Problem: Das Verlängerungskabel für den Beamer ist ein VGA-Kabel, ich kann also nur einen Rechner anschließen und nicht unmittelbar eine Videokamera, da die alle einen Cinch-oder S-Video-Ausgang haben dürften. Ich muss mal schauen, wo das Verlängerungskabel hinläuft.)

Verursacherprinzip und Solidaritätsprinzip

Wir haben ein schönes neues Schulgebäude und Teppich. Deshalb sollen alle auf die Sauberkeit der Schule achten. Das klappt auch gut; die Schule sieht immer noch schön aus. Allerdings: so ganz zufrieden sind manche Schüler nicht, denn diese Sauberkeit erfordert Einschränkungen. (Keine Wasserspiele in der Aula, auch nicht für die Hochschulreifen.)

Kein Murren gibt es allerdings beim Pausendienst. Der sieht so aus: Jede Woche räumt eine Klasse den offensichtlichsten Müll in der Aula und umliegenden Bereichen auf. Jede Klasse ist also einmal im Jahr dran, an fünf aufeinander folgenden Tagen. Pro Tag werden 6-8 Schüler eingeteilt, die gleich nach der zweiten Pause mit dem Lehrer dieser Stunde ein paar Minuten aufräumen. Dazu gibt es große Zangen, mit denen man Müll vom Boden aufheben kann.

Und ja, die Schulstunde wird dadurch ein paar Minuten kürzer.

Ich habe das jetzt schon mit zwei Klassen gemacht, es gab nie Probleme. Hoffentlich, weil die Schüler das ebenso einsehen wie die meisten Lehrer. Ich erkläre dazu immer Verursacherprinzip und Solidaritätsprinzip, und das manchmal das eine, manchmal das andere sinnvoller ist. Für eine gemeinsame Kranken- und Arbeitslosenversicherung sind die Schüler ja auch.
Andererseits machen diese Zangen vielleicht auch nur Spaß.

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Für die Bilder danke ich Kollege S. – ich hatte selber Unterricht und konnte nicht fotographieren. Am Tag zuvor hatte ich Zeit, aber, äh, da gab’s nichts zu knipsen. Gerade am Anfang des Schuljahrs hat sich das mit dem Aufräumen wohl noch nicht zu jedem Lehrer herumgesprochen, und dann sind eben noch nicht alle Klassen informiert.

Unser Theatron (im Sommer)

Ich warte noch auf den Historiker, der klärt, ob wir ein Theatron (mit Orchestra) oder ein Amphitheater auf dem Schulhof haben. Theatron scheint sich gerade durchzusetzen, ich neige selber auch dazu. Runde Fläche zum Spielen, Sitzreihen, die fast (aber eben nur fast) ganz herum gehen, Platz für 120 Schüler, denke ich, vielleicht auch 150. Ordentliche Akustik.

Was tun mit einer 9. Klasse zum Ende des Schuljahres? Es ist heiß und chaotisch. Filme zeige ich nicht gerne, und Spaß machen die im heißen Klassenzimmer auch nur mäßig. Also haben Gruppen aus der Klasse in den letzten Stunden einzelne Szenen aus der Lektüre Andorra eingeübt (in diversen Ecken und Nischen des Schulgebäudes), und heute führten sie diese dann in einer Doppelstunde vor. Und zwar draußen, im Theatron. Ein bisschen Luft ging, es war viel angenehmer als drinnen. Und die Schüler üben das laute Sprechen – das können auch jetzt noch nicht alle gleich gut.

(Fotos von Fabian B. und von mir.)

Die Fotos habe ich gleich danach im Klassenzimmer gezeigt: Speicherkarte aus dem Apparat und in den Rechner, und mit dem Beamer an die Wand geworfen. Sehr praktisch, habe ich schon bei einer Englisch-Übung vor kurzem gemacht.

Print On Demand am Bahnhof in München

Das musste ich ausprobieren. Am Bahnhof im Kiosk für internationale Presse gibt es jetzt auch einen großen Laserdrucker und ein Terminal dazu. Die Software lässt einen aus gut 850 Zeitungen auswählen – von Albanien (Gazeta Shqiptare) bis Zimbabwe (Business Weekly), mit Zeitungen aus China, Indien und Quatar dazwischen. Aus den USA gibt es den Cincinnati Enquirer, aus England zwar die Birmingham Mail und Post, aber nichts aus Brighton.

Nach der Auswahl werden gut 70 MB Daten von einem Server geladen. Dann wird gedruckt, das dauert ein paar Minuten. Wie das bei Druckern so ist, ging auch da etwas schief – kurzer Anruf bei einem Gerätewart, der dann als Remote User den nicht abgeschlossenen Druckvorgang abbrach und einen neuen begann.

Heraus kommt dann das – links der Digitaldruck, rechts die Zeitung, die ich zum Vergleich mitnahm:

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Gedruckt wird DIN A 3, beidseitig, nur das Titelbild ist farbig. Die Druckqualität ist hervorragend, das Papier ist fest. Geheftet wird durch händisches Zusammentackern am Rand. Kostet 4 bis 6 Euro pro Zeitung. (Daily Express: 4 Euro.) Verantwortlich für das ganze Prinzip ist NewspaperDirect.

Ein Vorteil: Man kann nicht nur die aktuelle, sondern auch die letzten Ausgaben zuvor drucken lassen, wenn man die verpasst hat – jeweils bis zu einer Woche zurück.

— Ausprobieren musste ich das, weil ich meinem LK davon erzählt hatte. Nach der Klausur, und weil’s eh gerade um Urheberrecht und Zensur und Presse ging, habe ich eine Stunde zu Drucktechnik gemacht, unterbrochen vom Abistreich. Hochdruck, Tiefdruck, Flachdruck, Digitaldruck; Rotationspresse – viel mehr als bei Wikipedia weiß ich jetzt auch noch nicht. Und was Satz betrifft, weiß ich kaum den Unterschied zwischen Linotype und Monotype.

(Apropos, falls sich da jemand auskennt: Wie lief das eigentlich, wenn früher eine neue Ausgabe des gleichen Buchs erschien und diese Ausgabe neu gesetzt wurde? Musste da jemand alles neu abtippen? Oder gab es eine Möglichkeit, die Daten zu speichern, auf Lochstreifen vielleicht? Kann ich mir nicht vorstellen.)

Ganz altmodische Hardware, hat aber auch Vorteile

globus

Steht gerade bei uns im Lehrerzimmer.

Für sphärische Trigonometrie – ein Dreieck mit Innenwinkelsumme von mehr als 180° zum Beispiel. (Auch für nichteuklidische Geometrie möglich.)

Und was isses?

Ein Globus aus Tafel. Um mit Kreide darauf zu zeichnen.