Heute Examen

(Und übermorgen wieder, übrigens. Da gibt’s aber keinen Extra-Eintrag.)

Heute 8.00–12.00 Uhr, Rucksäche und Taschen ans Saal-Ende, Handys weg, Austreten möglich, Pass und Anschreiben auf den Tisch legen. Galgenfrohe Stimmung.
Laut Merkblatt: “Es wird dringend empfohlen, die Klausurarbeiten mit Tinte anzufertigen”; sag ich meinen Schülern auch immer. Tintenlöschmittel (“Tintenkiller, Tintentod, Korrekturlack”) sind verboten.

Chronistenpflicht:

Die Aufgaben waren okay. Die schwierigen Zuckerstückchen kamen leider nicht dran, dafür aber auch fast nichts Unbekanntes.
Ich habe eine Erkläung dafür gefunden, warum ich so wenig Lust aufs Lernen hatte: Für das Deutsch/Englisch-Examen damals muss ich Sachen lernen, die ich vorher noch nicht wusste oder kannte; das hat mir auch Spaß gemacht. Informatik hieß, fast ausschließlich Dinge zu wiederholen, die ich schon mal gelernt und gekonnt hatte. Das ist nicht so spannend.

Morgen Staatsexamen

Nachdem ich vorgestern, gestern und heute nochmal auf dem amtlichen Schreiben nachgeschaut habe, um sicher zu gehen, dass ich nicht plötzlich blöd geworden bin: Doch doch, morgen früh muss ich zum Staatsexamen Informatik (Lehramt vertieft).

Mit der Einführung des neuen Lehrplans für das G9 wurde nämlich auch das Pflichtfach Informatik eingeführt. Als Teilnehmer am Schulversuch “Europäisches Gymnasium III” gab es das Fach an unserer Schule bereits zuvor als Pflichtfach. (Das EGy III hatte manche Vorteile und manche Nachteile. Es ist insofern ein gescheitertes Experiment, als keine Erkenntnisse daraus gewonnen und umgesetzt wurden.)*

Nur gab es noch keine Informatiklehrer, und es gibt auch jetzt nicht genügend. Das Studienfach ist nicht sehr attraktiv, und ohnehin dauert es Jahre, bis die ersten Studenten damit durch sind. Also gab es ein Programm, mit dem man in zwei Jahren Fernstudium mit Anwesenheitstagen (im ersten Jahr monatlich, im zweiten wöchentlich) die Lehrbefähigung erwerben kann.

Dazu gehört aber auch das Staatsexamen – zwei schriftliche, drei mündliche Prüfungen. Meine letzten derartigen Examina sind genau 10 Jahre her. Schon damals hatte ich mich danach gefreut: Nie wieder Prüfungen! Das hat dann gleich mehrfach nicht gestimmt. (Nach dem Abitur habe ich das nicht gedacht, das war ruhig und gelassen, viel harmloser als Universität oder Führerschein.)

Ich weiß noch nicht, ob ich mich damit brüsten soll, wie wenig ich in den letzten Wochen gelernt habe (“Ach weißt du, wenn man’s einmal kapiert hat, braucht man sich’s eigentlich gar nicht nochmal anschauen”), oder um Mitleid und Schrecken buhlen soll mit anschaulichen Schilderungen klaglosen Leidens (“Jeden Tag um sieben Uhr aufgestanden, Formeln angeschaut, bis einem der Kopf raucht”).
Die Wahrheit liegt wohl, wie so oft, jenseits der Mitte.

Ein bisschen aufgeregt bin ich aber wirklich.

*Im noch neueren G8 braucht man nicht ganz so viele Informatiklehrer, da das Fach in weniger Klassenstufen unterrichtet wird, und das teilweise einstündig, obwohl es das offiziell nicht mehr geben darf. Möglich macht das das zweistündige Fach “Natur und Technik”, mit einer Zeugnisnote, aber zwei Lehrern – einem in Biologie, einem in Informatik.

Wasserhahn 1/2000 s

Ich hab noch nicht ganz sattgespielt mit der Lupe, aber das ist erst mal die letzte, versprochen:

Ein Wasserhahn bei so kurzer Belichtungszeit, wie es meine Kamera hergibt, mit sprudelnd laufendem Wasser.

Internetpräsens

Bin eben zufällig auf die (oder das?) “Internetpräsens” einer deutschen Stadt gestoßen, gleich mal danach gegoogelt: 21.000 Fundstellen (“Besuchen Sie auch unsere Internetpräsens”, “Wir bauen unsere Internetpräsens um”).

Schöne Wörter

Selbst die Wirtschaftler haben schönere Fachausdrücke als wir:

shark repellents: Finance. another word for porcupine provisions.

porcupine provisions: Finance. provisions, such as poison pills or staggered directorships, made in the bylaws of a company to deter takeover bids.

poison pill Finance. a tactic used by a company fearing an unwelcome takeover bid, in which the value of the company is automatically reduced, as by the sale of an issue of shares having an option unfavourable to the bidders, if the bid is successful.

white knight: a champion or rescuer, esp. a person or organization that rescues a company from financial difficulties, an unwelcome takeover bid, etc.

(Collins English Dictionary, 3rd edition)

Sun Koh, der Erbe von Atlantis

“Sun Koh, der Erbe von Atlantis” war eine Groschenheftserie von Freder van Holk, die in den Jahren 1933–1935 insgesamt 150 Hefte lang erschien. In den Jahrzehnten danach wurde sie immer wieder mal in Heft‑, Taschenbuch- und Buchform neu aufgelegt, teilweise deutlich bearbeitet, unter anderem ab 1978 in Form von 37 Taschenbüchern beim Pabel-Verlag, der Version meiner Jugend. Ich habe die Bände gelesen – 1985, oder ein Jahr früher. Seitdem nie wieder. Und immer noch kann ich mich an eine Szene aus dem ersten Band erinnern: Der geniale, aber brotlose Ingenieur und Erfinder Peters steht vor dem Selbstmord, als ihn der geheimnisvolle Sun Koh rettet und ihm ein Chance gibt. Seine Erfindung: Ein Flugzeug, das nicht abstürzen kann. Der Trick sind offene Röhren, die am Rumpf befestigt sind. Peters demonstriert das Prinzip an Strohhalmen, die, nach unten fallen gelassen, ja auch immer waagrecht landen, ab einer gewissen Höhe jedenfalls.

Wie hanebüchen auch immer das sein mag, ich hab’s mir jedenfalls gemerkt.

Und gestern nachmittag beim Tee, meine Eltern und die Freundin eines Bruders waren zu Besuch, unterhalten wir uns über Telenovelas und Groschenromane, und mein Vater, Techniker bis ins Mark, der nie viel gelesen hat, meint, Groschenhefte seien das einzige gewesen, das er in seiner Jugend überhaupt gelesen habe. (Das müsste in den späten 40er und frühen 50er Jahren gewesen sein.) Und er zählte ein paar Serientitel auf, vor allem Westernserien, und auch: Sun Koh, der Erbe von Atlantis. Und dann erzählt mir mein Vater die Geschichte von dem Ingenieur und den Strohhalmen. Bei mir ist das 20 Jahre her, bei ihm 50 Jahre; für beide war das Einmallektüre.
Wir sind uns in manchem wohl doch ähnlich, und irgendwas muss an Sun Koh schon auch dran sein. Jedenfalls werde ich mich jetzt nicht so schnell von meinen 37 Taschenbüchern trennen können.

(Und wäh! gerade habe ich nach meiner Sun-Koh-Leihbuchausgabe aus den 50er Jahren gesucht, bis mir eingefallen ist, dass ich sie ja mal an einen Freund verschenkt habe. Sie kam in gute Hände, gewiss, aber trotzdem, ich hätte jetzt gerne darin geblättert und das Titelbild eingescannt. Liebe Buben und Mädchen, ihr wisst vielleicht gar nicht, was ein Leihbuch ist – bunter Supronyl-Einband, dickes Papier, reißerische Aufmachung, extra hergestellt für die Leihbüchereien jener Tage. Man sieht sie gar nicht selten auf Flohmärkten. Ich komme mir gerade so alt vor. Hier gibt’s eine Datenbank von SF-Leihbüchern, ich habe sie eben entdeckt, darin geschnuppert und ein Scherflein beigetragen. Bunt, die Titelbilder, nicht wahr?)

Nachtrag:

Sun Koh in der Variante von 1949.
Die Zeichnung sieht aus wie für ein Computerspiel, finde ich.

Vergleiche außerdem die zeitgleiche amerikanische Abenteuerserie Doc Savage, der Mann aus Bronze.

Cricket

Gestern war ich hier und habe bei einem Cricket-Spiel zugeschaut.
(Den brillanten Magnifier habe ich von hier. Die Lupe läuft unter Firefox, Netscape, IE; bei Opera und Mac-Browsern weiß ich’s nicht bei Mac unter Safari, IE und Firefox, aber nicht zumindest manchmal unter Opera. Es funktioniert mit zwei Bildern, einem großen und einem kleinen. Das große ist fürs WWW arg komprimiert.)

cricket

Cricket wäre die englische Nationalsportart, wenn das nicht eigentlich Fußball wäre. Aber Cricket hat mehr Geschichte und ist vor allem durch das Britische Empire und das Commonwealth in die ehemaligen Kolonien gelangt, so dass auch heute noch in Australien, Neuseeland und Indien viel Cricket gespielt wird.

Die Regeln erkläre ich vielleicht später mal ausführlich. Eine längere Erklärung gibt es bei der Wikipedia, hier meine Kurzfassung:

Zum Spiel:

  • 20 Meter von einander entfernt werden zwei wickets aufgebaut: je drei Holzstäbe nebeneinander, verbunden durch zwei oben liegende Holzstückchen. Ein Werfer (bowler) versucht, ungefähr vom einen Wicket aus, das andere mit einem Ball so treffen, dass die Holzstückchen herunterfliegen. Vor dem Wicket steht allerdings ein Spieler der anderen Mannschaft und versucht, den Ball mit einem Schläger (bat) möglichst weit wegzuhauen.
  • Trifft der Bowler das Wicket, ist der Batsman draußen und der nächste Batsman kommt an die Reihe. Das heißt dann “wicket”. Sobald 10 der 11 Spieler als Batsmen an der Reihe waren, ist das innings (sic) zu Ende und die Rollen werden getauscht: Die andere Mannschaft darf an den Schläger.
  • Der Bowler trifft das Wicket allerdings nur selten. Davor steht ja der Batsman, und der versucht, den geworfenen Ball weit weg zu hauen, und dann Punkte durch runs zu machen: Während die Spieler der Gegenmannschaft versuchen, den Ball zurück zu holen, laufen der Batsman und sein Partner gegenüber hin und her (ähnlich wie beim Baseball, nur dass dort in einem Quadrat gelaufen wird). Ein Batsman kann dabei herausfliegen, wenn er nicht rechtzeitig vor dem Ball wieder in seinem Heimatbereich ist. Je öfter die beiden hin- und herlaufen, desto mehr runs erzielen sie.
  • Der Bowler wirft insgesamt sechsmal (mehr, wenn der Schiedsrichter Würfe für ungültig, weil zu weit seitlich, erklärt), dann ist ein over zu Ende und ein anderer Spieler wirft. Die Anzahl der Overs kann je nach Spielregeln begrenzt sein.
  • Wer am Schluss am meisten Runs hat, gewinnt.
  • “Wkts 1”: Ein Wicket; das heißt, ein Batsman ist bereits abgeschlagen worden (weil der Bowler das Wicket getroffen hat, oder aus anderen Gründen, etwa wenn der Batsman den Ball nicht mit dem Bat, sondern mit einem Fuß abgewehrt hat).
    “Ovrs 5”: Fünfmal wurden schon je 6 Bälle pro Werfer geworfen. Das heißt, es wurden 30 legale Bälle geworfen. (Mit einem dieser Würfe wurde ein Wicket getroffen. Siehe oben.)
    “Runs 25”: Bei den anderen 29 Bällen konnte der Batsman den Ball abwehren, und so oft so weit wegschlagen, dass er und sein Partner (bzw. der vorherige Batsman, einer ist ja rausgeflogen) insgesamt 25 mal zwischen den Wickets hin- und herlaufen konnten.

Zum Stil:

  • Cricket wird traditionell in weiß gespielt, oft in extrem schicken Pullovern.
  • Cricket-Spiele können, je nach Vereinbarung, Tage dauern. Jedenfalls ist es so oder so relativ normal, sich eine Tasse heißen Tee oder ein Bier zu holen, mitgebrachte Sandwiches zu essen oder mal schnell eine Portion Chips zu besorgen. Das macht mir das Spiel schon mal viel sympathischer als Fußball. (Oder ist das da auch so?)

Das gestern war allerdings erst das zweite Cricket-Spiel, das ich je gesehen habe. In England hat mich ein Freund und Cricket-Enthusiast mal mitgenommen; viel war aber nicht hängen geblieben. Das Spiel gestern im Englischen Garten hatte leider schlechtes Wetter, viel Regen. Für die Sportler tut es mir leid, aber das andere Ziel der Veranstaltung war ja die deutsch-indische Freundschaft, das Indien-Institut und überhaupt die Sportart Cricket bekannter zu machen, und das hat wenigstens geklappt.

(Es gab Samosas und Pakoras, indischen Tee – süß, mit Milch und Gewürzen – und deutsche Kuchen. Kein Bier. Sehr viele Zuschauer waren nicht da, ich bin schlecht im Schätzen: vielleicht hundert, die meisten davon Inder oder indischstämmig. Vier Euro Eintritt. Ein buntes Gemisch aus Deutsch, Englisch und vielem, das ich nicht verstanden habe – Hindi vermutlich.)

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