Geld verdienen mit der Schule

Aufsichtsrat statt Schulbehörde? Ein Berliner Unternehmen will mit Schulen Geld verdienen – und bundesweit Filialen gründen.

Spiegel-Online

Eine Schule im Besitz einer AG, später sind Filialen geplant. “Unser Produkt ist gute Bildung”, sagt er Schulgründer laut SpOn. Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbands, meint dagegen: “Es ist unanständig, sich auf dem Rücken der Kinder zu bereichern.” Die Schule soll langfristig zur Marke ausgebaut werden.

Wenn man den Artikel liest, kommt man auf einige Gründe gegen eine solche Schule. Unanständig ist an diesem Konzept aber nichts, und der Rücken der Kinder ist auch nicht wirklich betroffen. Wenn das Berufsbeamtentum nicht wäre, könnte man sich ja alles mal für ein paar Jahre anschauen. So bindet das Kultusministerium Lehrer an sich; der Schritt an eine private Schule ist immer ein endgültiger oder notgedrungener.

Ein großer Vorteil privater Schulen ist einer, den öffentliche Schulen gar nicht haben können: Man kann Schüler der Schule verweisen, wenn sie sich nicht benehmen. Wenn es denn ein Vorteil ist.

Neuregelung bei der Schülerzeitung

Seit diesem Schuljahr dürfen die Schülerzeitungen wählen: Sie können weiterhin als SMV-Einrichtung der Schule erscheinen oder ganz selbstständig als “Druckwerk im Sinn des Bayerischen Pressegesetzes”.
Im letzteren Fall liegt die Verantwortung bei den Redaktionsmitgliedern selber. Sie müssen dann einen verantwortlichen Redakteur bestellen (Wikipedia: Sitzredakteur) und Name und Anschrift der Redakteure muss im Impressum erscheinen. Außerdem ist die Schülerzeitung dann zum Abdruck von Gegendarstellungen verpflichtet, wenn dies von einer betroffenen Person verlangt wird. Rechtliche Konsequenzen für die Redakteure sind dann an sich möglich.

Die Verteilung auf dem Schulgelände kann so oder so verboten werden, wenn die Schulleitung darauf besteht und das Schulforum keine Lösung findet. Wenn die Schülerzeitung eine Einrichtung der Schule ist, kann die Verteilung darüber hinaus auch außerhalb der Schule untersagt werden. Anders ist das bei einem Werk, für das die Redakteure selber verantwortlich sind.

An die Grundsätze der fairen Berichterstattung muss sich die Schülerzeitung in jedem Fall halten. (Ist man als Lehrer an der Schule schon Person der relativen Zeitgeschichte – relativ zu Auflage und Publikum der Schülerzeitung? Muss ich der Veröffentlichung von Bildern meiner selbst also nicht mal zustimmen? Nur mal so gefragt.)

(Details beim Kultusministerium.)

Lieber Papst (re: Herbstferien 2008/09)

Lieber Papst,

kannst du am Ende der ersten Novemberwoche im Jahr 2008 vielleicht wieder einmal nach Bayern kommen? Wir haben uns doch so an diese Woche Herbstferien um Allerheiligen herum gewöhnt. Die wird’s im Jahr 2008 aber nicht geben. Schuld ist die “ungünstige kalendarische Lage der Feiertage”.

Und da habe ich gedacht, wenn der Papst vielleicht noch einmal kommen würde, dann wäre vielleicht doch eine ganze Woche Herbstferien drin.

Sonst bleibt es dabei, dass nur Montag bis Mittwoch frei sind, Donnerstag und Freitag ist Unterricht. Schade.

Oktoberfestpodcast: English language special.

Anklicken und anhören. 15 MB, eine halbe Stunde, vier freiwillige angesprochene Schüler aus dem Leistungskurs Englisch sind auf dem Oktoberfest und berichten (auf Englisch):

Oktoberfest soundseeing tour, produced by members of the Leistungskurs Englisch

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Genau so habe ich mir das vorgestellt: Die Schüler sollten sich vorher die wichtigsten Vokabeln heraussuchen und dann quasi Gäste durch das Oktoberfest führen. Sightseeing nur mit Ton, also Soundseeing. Zum Beispiel für die englische Partnerschule zum Anhören.

Ein Vorbild waren Podcasts wie diese soundseeing tour durch den Central Park in New York. Wenn man das mit Kopfhörern draußen anhört, weiß man wirklich nicht mehr, ob da jetzt ein Auto im Podcast hupt oder auf der Straße. (Insgesamt ist mir das mit einer knappen Stunde zwar zu lang, selbst dreißig Minuten sind mir zu lang – ich habe es lieber kurz und knapp, drei bis zehn Minuten. Aber das ist Geschmacks- und vielleicht Konzentrationssache.)

Sicher ist nicht alles fehlerfrei. (Aber der eine Schüler wird sich sicher ewig merken, dass chapel nicht (Musik-)Kapelle heißt.) Und mein Vergnügen rührt sicher auch daher, dass ich die Schüler kenne, und die Textsorte Podcast kenne und mag. Aber so oder so finde ich das ein schönes Stück Arbeit. (Überspielt und geschnitten auch von den Schülern allein, alles übers Wochenende.) Viel besser als ich das selber je könnte. Wie machen diese Leute das eigentlich?

Natürlich muss ich darauf Noten geben – einfach deshalb, weil ich nun mal amtlich Noten machen muss, und was sollte ich sinnvoller benoten als so etwas? 20% der Leistung geht auf die Vorbereitung der Vokabeln, 30% auf Sprachfähigkeit Englisch, 50% auf Erfüllern der Kommunikationssituation. Denn eine echte Kommunikationssituation und ein echter Sprechanlass sind da gegeben, mehr als in der Schule.

(Wieviel Punkte dass dann werden, ist eine schwierige Frage.)

Der Spirit als Film

Frank Miller will den Spirit verfilmen, dabei Regie und Drehbuch übernehmen, dieses Jahr noch sollen die Dreharbeiten beginnen. Heißt es. Dass Miller das können könnte, lässt seine und Robert Rodriguez’ Arbeit bei Sin City vermuten.

Bei einer Spirit-Verfilmung gibt es bei der Handlung eine Schwierigkeit: Die Geschichten sind alle nur 8 Seiten lang, Miller muss wohl viele Geschichten zusammenbasteln. Ich hoffe, es wird ein episodenhafter Film daraus. Er soll zwar nicht Sin City kopieren, aber noch schlimmer ist es, zu wenig Material zu einem Kinofilm auszuwalzen, wie man an misslungenen Verfilmungen von Fernsehserien sieht. Ansonsten erwarte ich: Prügeleien, betörende Frauen, eine rege Unterwelt; den Oktopus, Spione, etwas Orient.

Noch schwieriger, aber auch reizvoller ist die optische Umsetzung des Comics. Weil ich ohnehin gerade The Spirit Archives Vol. 19 (7/49 to 12/49) gelesen habe (New York: DC Comics 2006), habe ich daraus herausgesucht, was für mich visuell typisch ist für den Spirit, und was ich in einer Verfilmung umgesetzt sehen möchte. Alle Beispiele stammen aus diesem Band.

Buchstaben

Bei nur 8 Seiten Raum für die Geschichte benutzt Eisner häufig das Titelbild als Teil der Erzählung. Oft baut er den Titel der Serie, der ja auf der ersten Seite erscheinen muss, in das Geschehen ein. Die Buchstaben werden Teil des Schauplatzes, gewinnen physische Realität.

Teil der Hafenanlage:

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(Sally of the Islands, July 17, 1949)

Wanderweg eines umherziehenden Balladensängers: Man beachte, wie im rechten Bild das “S” von der Rückseite betrachtet nur noch als Rand des Panels erscheint.

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(The Curse, October 16, 1949)

Ganz abstrahierte Landschaft: Der Name als Pfad, von Leichen gepflastert, der Spirit auf der Spur.

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(Fox at Bay, October 23, 1949)

Hochformat

Die Panels im Spirit sind häufig recht eng und im Hochformat (oft genug bricht die Handlung aus ihnen heraus). Wie und ob man das umsetzen sollte, weiß ich nicht.

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(The Return, August 14, 1949)

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(White Cloud, August 28, 1949)

In den letzten Panels sieht man ein weiteres, für den Spirit typisches Element. Die Perspektive, häufig von oben, gerne mit Treppen, mit großer Schärfentiefe.

Perspektiven

Will Eisner hat eigenem Bekunden nach vieles von Orson Welles gelernt und übernommen. (Die Quelle für das Zitat finde ich im Moment leider nicht, schlampig, schlampig.) Die Perspektiven, die wunderbare Tiefenschärfe, bei der Handlung gleichzeitig im Vorder- und im Hintergrund abläuft. Eine meiner Lieblingseinstellung in Citizen Kane ist die Szene am Anfang, als Thatcher den jungen Kane von seinen Eltern abholt. Drinnen die Verhandlungen mit Vater und Mutter, zwischen den Personen sieht man durch das Fenster, weit draußen spielt Kane im Schnee. Meisterhafte Bildkomposition.
Eisner zeigt “wie Orson Welles die verborgene Tiefe im Flachen” (Thomas Schneiders Nachruf in der Stuttgarter Zeitung online, 06.01.2005), sehr schön mehrdeutig formuliert.

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(Lilly Lotus, July 10, 1949)

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(Surgery, November 13, 1949)

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(Surgery, November 13, 1949)

Hier noch ein kleiner Strauß gemischter Perspektiven:

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(Ten Minutes, September 11, 1949)

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(Lonesome Cool, December 18, 1949)

Regen

Kein wirklich geeignetes Bild habe ich in diesem Archives-Band gefunden für ein weiteres wichtiges Element: Den Regen. Harvey Kurtzman hat ihn “Eisnershpritz” oder “Eisnerspritz” genannt, gnadenlos herunterprasselnden Bindfadenregen, als Vorhang und Kulisse gleichzeitig. Aber der dürfte sich leicht umsetzen lassen.

– Kurz und gut: Erwarte ich eine zweiten Citizen Kane von der Spirit-Verfilmung? Das wäre wohl etwas hoch gegriffen. Aber ein paar exotischere Einstellungen als das ewig gleiche: “Totale der Straße vor Haus, Kamera recht weit oben, Auto nähert sich und hält vor Haus, Kamera fährt nach unten aus dem Baum vorm Haus, Leute steigen aus” darfs schon sein.

Gehört und gelesen: Podcasts & Superhelden 2

Der zweite Podcast aus den letzten Tagen ist Escape Pod – ein kommerzieller Science-Fiction-Podcast mit einer Kurzgeschichte pro Woche und ein paar Minuten redaktionellem Beitrag, ein SF-Audio-Zine sozusagen. Vorgelesen werden die Geschichten von erfahrenen Sprechern.
Die Texte stehen unter einer Creative-Commons-Lizenz (attribution/no derivatives/non-commerical): Man muss die Quelle nennen, darf kein Geld damit verdienen und das Material nicht bearbeiten, also etwa ausschneiden oder abschreiben. Aber man darf es weitergeben, kopieren, verteilen, auf seine Webseite stellen, verschenken.

Das alles ist kostenlos, aber wem es gefällt, der darf gerne bei PayPal spenden. Fünf Dollar pro Monat werden vorgeschlagen. Autoren kriegen pro angenommener Geschichte immerhin 100 Dollar. (Auf der Seite steht noch etwas von 50 Dollar, aber im letzten Podcast wurde die Erhöhung der Summe bekannt gegeben.)
Ich habe mal 20 Dollar gezahlt. Ob das ein realistisches Geschäftsmodell ist, weiß ich nicht; es ist auch nicht mein Problem. Jedenfalls sind diese zwanzig Dollar schon mal Geld, das sie von mir gekriegt haben, das sie sonst nie gesehen hätten. (Hätte ich auch gespendet, wenn ich das hier nicht posten würde? Hm.)

Und ich habe dafür Science-Fiction-Kurzgeschichten gehört. Kurzgeschichten lese ich sonst fast keine mehr. Ihre große Zeit ist seit den 1950er Jahren wohl vorbei, ob Science Fiction oder nicht. Aber vielleicht kommt durch Podcasts und MP3-Player eine Renaissance: Denn für dieses Format sind Kurzgeschichten bestens geeignet. Romane möchte ich eigentlich nicht als Podcast hören, ich mag kurze Podcasts viel lieber als lange.

Eine Reihe von Geschichten hat mir besonders gefallen: Die Union-Dues-Geschichten, und damit komme ich endlich zu den Superhelden. Wenn man auf Escape Pod nach dem Autor, Jeffrey R. DeRego sucht, findet man die Union-Dues-Geschichten “The Baby and the Bathwater”, “Off-White Lies”, “Iron Bars and the Glass Jaw”. Die Geschichten spielen in einer Welt, in der Superhelden zum Alltag gehören. Sie sind wenig beliebt bei den normalen Menschen und gehören alle zur Superhelden-Gewerkschaft – wer da nicht mitspielen will, muss ins Hochsicherheitsexil. In den Geschichten geht es um Superheldenalltag und rechtliche und moralische Probleme: Eine Repräsentantin der Gewerkschaft will bei einer Familie den zweijährigen Sohn mitnehmen, dessen Superfähigkeiten sich manifestieren. Elektrische Schläge. Früher oder später wird er die Eltern versehentlich umbringen. Trotzdem weigern sie sich, den verlockenden Worten der Superheldin zu folgen (deren Eltern selbst damals nicht so sehr an ihrem Kind hingen).

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In den letzten fünfzehn Jahren hat es einige dieser Geschichten gegeben, die den Alltag der Superhelden untersuchen oder genauer hinschauen, wie eine Welt mit Superhelden wohl funktionieren würde. Eine der ersten war Damage Control von Marvel Comics, zuerst eine einzelne Geschichte, dann eine Reihe von Miniserien über die Firma “Damage Control”: Das sind die Leute, die nach den großen Kämpfen zwischen Helden und Schurken in New York aufräumen. Mit Bulldozern und Kränen, Architekten, Gutachtern und jeder Menge Anwälte werden herumliegende Riesenroboter entsorgt. Ein gefährlicher Job, immer wieder kommt es zu Unfällen, wenn ein Arbeiter über ein außerirdisches Artefakt stolpert und selber zum Superhelden mutiert. “We lose more employees this way…” (seufzend, Zigarre kauend, bei Zentrale anrufend) “One of my men just had an origin.”

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Dann gibt es noch Top 10 von Alan Moore. Die Prämisse: Jeder, aber auch wirklich jeder in der Stadt hat Superkräfte (und ein Kostüm). Der Rest ist pure Polizeiserie: Eine Crew von Polizisten versucht, Recht und Ordnung aufrecht zu erhalten. Korrupte Vorgesetzte, neue Kollegen, Probleme mit den Ehepartnern, Kriminalfälle.

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Die beste Serie ist allerdings Astro City von Kurt Busiek. In dieser Welt sind Superhelden nicht alltäglich, aber auch nicht außergewöhnlich; in Astro City selber – einer Großstadt wie New York – drehen sich oft nur die Touristen nach ihnen um.
Die Erzählungen aus Astro City sind in der Regel Vignetten, keine fortlaufenden Geschichten. Aber aus den Facetten, den wiederkehrenden Charakteren formt sich langsam ein Bild der Stadt, der Welt, der Menschen. Die erste Geschichte ist typisch: Ein Mann träumt, schlafend, vom Fliegen. Er fliegt nackt zwischen den Wolken, frei, glücklich, fliegt genüsslich aund ausgiebig Kurven und Kreise, bis ihn der Wecker aus dem Traum in den Alltag reißt. Er steht auf, fühlt sich etwas alt und müde, wie das morgens gerne mal so ist, und zieht sich dann seine Superheldenuniform an, Typ Superman. (Sehr schön an den Geschichten ist, Busiek schreibt das auch im Vorwort, dass man so viel beim Leser voraussetzen kann. Eine “Furst Family” wird nur kurz angerissen, aber aus den Fantastic Four weiß man ungefähr, was das alles mit sich bringt. Der Samaritan gehört zur Superman-Klasse, muss man gar nicht groß erklären, was das alles bedeutet.)
Den Rest der Geschichte saust er mit Überschallgeschwindigkeit durch die Welt und rettet Menschen, hält Termine ein, verhindert Katastrophen. Zwischendrin läuft immer wieder eine Stoppuhr mit, und man merkt erst nach und nach, was da gezählt wird. Am Schluss des Tages fällt der Held wieder todmüde in sein Bett. 56 Sekunden waren es an diesem Tag, 56 Sekunden in der Luft, fliegend, “best day since March”. Und er schläft und träumt wieder vom Fliegen

Einen Hauch von Realismus findet man zur Zeit auch bei Marvel Comics. Civil War ist das große Ereignis des Jahres 2006, das sich durch fast alle Serien zieht: Die Regierung hat beschlossen, dass sich alle Superhelden registrieren müssen, mit Namen und Adresse. Menschen mit Superfähigkeiten seien einfach zu gefährlich für die Allgemeinheit, als dass man sie unbeobachtet lassen könnte. (Diskussionen unter Fans: Wer wäre denn für eine Zwangsregistrierung, wenn es tatsächlich Superfähigkeiten gäbe, wer dagegen? Immerhin interessanter als die Frage, wer stärker ist, Thor oder Hulk.)
Die eine Hälfte der Superhelden ist für die Registrierung, die andere Hälfte dagegen. Die Fronten verhärten sich, Peter Parker als Spider-Man steht noch auf der Pro-Registrierungs-Seite (zusammen mit Tony Stark) und hat sogar freiwillig seine Identität veröffentlicht, wird aber früher oder später wohl zur Kontra-Seite (mit Captain America) wechseln. Viele gute Ideen, aber schade, dass manche Charaktere sich so völlig anders verhalten, als ihre 20- oder 40jährige Vorgeschichte erwarten lässt. Da haben es sich manche Autoren zu einfach gemacht.

Weniger sinnvoller Umgang mit Fremdsprachen

Heute war bayernweit der Jahrgangsstufentest der 6. Klassen in Englisch. (Der der 10. Klassen war entweder Dienstag oder auch heute, ich weiß es nicht.) Der Test wird zentral gestellt und zählt mindestens als mündliche Note, je nach Vereinbarung an der Schule auch als halbe Schulaufgabe.

Prinzipiell halte ich die Tests für sinnvoll, wenn sie denn sinnvoll gestellt werden, wovon man nicht immer ausgehen kann. Wenigstens war der Hörverstehenstext diesmal gut und nicht so grottenschlecht wie letztes Jahr. Damals hatte ein Pädagoge, oder zumindest jemand am Ministerium, die kluge Idee, auch noch medienverzerrte Sprache einzusetzen in Form einer Durchsage des Schulleiters über den Schullautsprecher. Als wäre die Tonqualität, die aus unseren CD-Playern dringt, nicht medienverzerrt genug. :-)

Sehr störend ist wieder mächtige Geheimhaltung, nur mit dem Abitur vergleichbar. So geheim, dass ich noch nicht einmal eine Musterlösung gekriegt habe, damit ich ja nicht einsage. Die Musterlösung bringt morgen dann wohl ein Kurier mit einem Aktenkoffer, der mit Handschellen an seiner Hand befestigt ist. Und glaube niemand, dass die Tests ohne Musterlösung zu bewerten sind. Die Kriterien wechseln von Jahr zu Jahr, das Ministerium weist auch darauf hin, dass die Tests nicht geeicht sind und die Aufgaben verschiedener Jahre durchaus ganz verschieden schwer oder leicht sein können. Wenn man in einem schweren Jahrgang war, hat man wohl Pech gehabt.

Warum die Geheimhaltung? Weil wir den Schülern einsagen, ihnen helfen könnten, die Schule dadurch in ein besseres Licht rücken wollen? (Denn die Tests sind natürlich auch dazu da, die Schulen miteinander zu vergleichen.) Dann wäre ich beleidigt.
Oder ist es die panische Aggst, dass die Aufgaben in der Nacht zuvor doch irgendwie im Internet landen und ganz Bayern ohne Test dasteht? Das verstünde ich ja noch fast.

Wofür man Fremdsprachen lernt

Heute war die Hochzeit meines Zwillingsbruders. Das Standesamt habe ich knapp verpasst, aber mit den Brautleuten und der restlichen Familie bin ich danach noch zum Mittagessen. Gemütlich, sonnig, wir konnten draußen sitzen und uns unterhalten. Die Braut war Französin, ihre Familie ebenso. An meinem Tisch wurde ein Gemisch aus Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch gesprochen, weil jeder neben der Muttersprache ein bisschen vom einen oder anderen verstand oder sprach. Ein Gast am Tisch war Französisch-Kanadierin mit gutem Englisch als Zweitsprache. Eine andere hatte am Gymnasium nie Französisch, sondern Spanisch gelernt. Einen Kongodialekt und Latein hatten wir auch. Der Kongodialekt war weniger hilfreich und mehr ein Kuriosum.
Da gingen die Sprachen zwar manchmal mitten im Satz durcheinander, aber ob das jetzt ein französisches “plus” war oder ein spanisches “mas”, verstanden hat man sich.

Die Fehler, die uns in der Schule als heilige Kühe galten, waren dabei nebensächlich. Kein s bei der dritten Person Singular Präsens im Englischen? Machte gar nichts. Macht ja auch tatsächlich nichts. Wichtig ist Kommunikation. (Kulturelle Verschiedenheiten sind da bestimmt wichtiger – wie man das Besteck hinlegt und was man mit der Serviette macht und so weiter.)

Ein Grund, warum wir in der Schule auf diesem s und ähnlichen banalen Fehlern herumreiten, ist der, dass wir Kommunikationsfähigkeit nicht lehren können oder sollen oder wollen und nicht benoten dürfen oder wollen oder können. Wir attestieren theoretische Kenntnisse; jemand, der in einer solchen Hochzeitssituation versagt, weil er den Mund nicht aufkriegt für die einfachsten Gespräche, kann durchaus eine bessere Note kriegen als andere, die das mit dem s vielleicht nie kapieren, aber sofort mit den Leuten reden können.

Mein neues Haustier

*shredder*

Mein neuer Aktenvernichter steht unter dem Tisch. Wie ein Haustier will er gepflegt und gefüttert werden. Nicht zu viel auf einmal, er muss schließlich den ganzen Haufen der letzten Jahre schlucken. (Zeugnisse, Gutachten, Kontoauszüge. Die schlummerten bislang in einem Schuhkarton, begannen aber schon heraus zu krabbeln und die Welt zu entdecken.)

Mein neuer Freund macht allerdings deutlich mehr Müll als ein Tamagotchi. Seine – Ausscheidungen? – füllen jetzt zwei andere Kartons. Habe ich wirklich etwas gewonnen? Immerhin, das Zeug kann ich dann in den Papiermüll bringen.

Er frisst übrigens auch Kreditkarten und CDs (in einem Extrafach). Ich habe schon einige CDs mi illegalen sensiblen Daten geshreddert, funktioniert gut.

Noch ein Tag, dann habe ich den Alltag wieder eingeholt

Zur Zeit läuft überall noch ein wenig das Notprogramm, aber morgen um diese Zeit bin ich so weit, dass ich mich um Liegengebliebenes kümmern und vielleicht sogar die ersten Hefte der Schüler ansehen kann.

Ich habe zweimal nachmittags Unterricht, dafür am Mittwoch nur eine Stunde. Ich komme nicht ungern wegen einzelner Stunden in die Schule, dafür vertrage ich auch mal einen Tag mit vielen Stunden. (Montag zum Beispiel.) Gestern abend war ich in Augsburg bei meinen Eltern, meinen Geburstag begehen. Das war sehr schön. Vormittag gab es leckeren Kuchen und Fudge in meiner 11. Klasse. Auch sehr schön. Ich bin gespannt, wie das mit der Klasse wird; sie sind ja jetzt alle mehr als ein Jahr älter als zu der Zeit, als ich sie in Englisch unterrichtet habe.

Eigentlich bin ich ja noch gar nicht so alt, 39 ist doch kein Alter. Aber mein Geburtsjahr 1967… das ist schon ziemlich sehr lange her. Geradezu geschichtlich lange.

(Abgestaubte Geschenke: Aktenvernichter für sensiblen Schulkram, eine Zweiliterflasche Ahornsirup, ein Herren-Kulturbeutel – weil mein alter kaputt und eher unherrlich war.)