Visitenkarten

Sei einiger Zeit habe ich endlich Visitenkarten. Im letzten Jahr bin ich etliche Male ohne dagestanden, wenn es zum allgemeinen Tausch kam. Also habe ich online die ersten besten bestellt – Querformat, einfacher Text, schlicht. Vorerst nur mal 50 Stück, denn die werde ich ohnehin nicht so schnell los, und ich will lieber eine Menge verschiedener Visitenkarten haben. Philip Marlowe hatte auch mindestens zwei Sorten: Die einen mit der kleinen Pistole in der Ecke und die anderen ohne. Je nach Art des Klienten konnte Marlowe die passende auswählen.

Was ich gerne hätte:

Die Version mit der kleinen Hängematte in der Ecke, wegen der ungetrübt freien Nachmittage in meinem Beruf.
Eine mit meiner Sprechstunde. Da kann ich dann nur mal schnell mit Rotstift draufschreiben: “Bitte kommen Sie doch mal vorbei.”

Früher wollte ich mal die hier haben:

Thomas Rau
Consulting Philosopher

Oder auf deutsch:

Thomas Rau
Privatphilosoph

Lehrerleute haben, glaube ich, keine Visitenkarten.
Über kurzfristige Notlösungen, die ich schon bei Kollegen gesehen habe, will ich lieber nicht schreiben. (Ich sage nur ein Wort: laminiert.)

Erster Tag nach den Faschingsferien

(Übrigens heißen die Faschingsferien in Bayern offiziell gar nicht so, sondern Winterferien. Wär ja auch zu närrisch sonst.)

Trotz sieben Stunden Unterricht und Personalrat bin ich noch einigermaßen bei Stimme. Normalerweise ist das viele Reden nach einer Woche Pause zu ungewohnt, und ich rede natürlich zu viel, wie alle Lehrer, und dann gibt es Halsweh. Aber ich bin es heute ruhig angegangen. Keine besonderen Vorkommnisse. Es gibt einen mehr oder weniger geänderten Stundenplan zum Halbjahr, ich unterrichte eine Deutschklasse zusätzlich für einen erkrankten Kollegen. Wenn der bis zum Ende des Schuljahres erkrankt bleibt, muss ich dafür im nächsten Jahr weniger unterrichten; wenn er wiederkommt, dann wird das als Mehrarbeit verrechnet. Die Mehrarbeit ist eine eher poplige Sache und wird mit Pfennigbeträgen entlohnt, außerdem wird (fast) jede sonstige ausfallende Stunde dagegen aufgerechnet. Nun ja. Ich muss also jeden Tag meine Stunden protokollieren.

Es gibt etliche neue Kollegen, darunter auch – für das halbe Jahr – zwei echte Informatiklehrer. Das ist spannend. Die beiden sind frischer von der Uni als man das für möglich halten würde, da der Lehrermarkt sehr abgegrast ist. Spannend ist das deshalb, weil ich ja selber nur so ein halber Informatiklehrer mit Schnellstudium bin, ohne viel Didaktik der Informatik gelernt zu haben und auch mit – vergleichsweise – oberflächlichen Kenntnissen in der Informatik. Ich will mir da schon auch was abschauen; heute habe ich schon erzählt bekommen, wie die Schüler quasi im Rollenspiel den Weg einer E‑Mail im Internet nachvollzogen haben. Klang gut. So mit Routern und Mailservern und Adressierung.

Spannend ist das auch, weil ich mit den beiden jetzt Kollegen habe, bei denen ich sorglos Wörter wie “client” und “server” verwenden kann. Das ist ein erleichterndes Gefühl. (Natürlich kennen meine Leser solche Wörter, aber halt nicht jeder im Kollegium.) Trotzdem habe ich mich dabei ertappt, wie ich von “grüne Ebene” und “roter Ebene” spreche, den anschaulicheren Formulierungen für client und server, die ich mir im Kollegium angewöhnt habe – so eine Art Informatik-Babysprache. Vielleicht liegt das auch daran, dass ich jetzt aufpassen muss, dass ich die Fachsprache richtig verwende… :-)

Muss ich jetzt auch Fachsitzungen abhalten, so als einzige reguläre Informatikkraft an der Schule? Au ja, die Tagesordnungspunkte bestreiten dann die beiden anderen; dann lerne ich noch was. Ich bring Kaffee und Kuchen mit.

Google Earth und SketchUp

Ich bin wieder mal der letzte, der es mitkriegt – neulich hat mich wenigstens mein Vater zu seinem siebzigsten Geburtstag darauf aufmerksam gemacht: SketchUp.

Dass man bei Google Earth an manchen Städten 3D-Objekte einblenden kann, wusste ich schon. So sieht Manhattan zum Beispiel aus, wenn man die eingebauten Objekte anzeigen lässt:

google_earth_new_york.gif

Schon hübsch, nicht. Man kann natürlich auch noch viel näher heran.

Diese Objekte werden mit SketchUp erstellt, einem Programm zum Modellieren von 3D-Objekten – Autos, Geräten, Gebäuden. Die erzeugten Gebäude kann man dann uploaden und anderen zur Verfügung stellen, die mit diesen Gebäude dann ihr eigenes Google Earth erweitern können.

Das Bedienen von SketchUp ist sehr einfach, und mich interessiert daran vor allem die Möglichkeit, das Programm im Informatikunterricht einzusetzen – zumindest zur Demonstration oder als Empfehlung. (Ich darf es nur “privat, nicht-kommerziell” benutzen.)

sketchup1.jpg

In der 6. Klasse lernen die Schüler ja Vektorgraphiken kennen und die Klassen Ellipse, Rechteck und Linie. Eine Standardaufgabe damit ist das Zeichnen von Grundrissen, von der eigenen Schule zum Beispiel. Noch schöner geht das sicher mit SketchUp, andererseits ist es vielleicht zu verwirrend, denn für das Klassen-Konzept ist SketchUp wohl weniger hilfreich. Es gibt ebenfalls die Klassen Rechteck, Polygon und Linie – mit zusätzlichen Attributen durch die Anordnung im Raum -, aber intuitiv meint man eben doch mit Quader-Objekten zu arbeiten statt mit den Flächen-Objekten, die den Quader bilden.

Sportwoche

In der Woche vor dem Zeugnis gab es Basketball‑, Handball- und Fußballturniere der verschiedenen Klassen. (Die Lehrermannschaft verlor nur knapp gegen die Gewinner aus der 11d.) Ich habe immer dann vorbeigeschaut, wenn mir deswegen Unterricht ausgefallen ist, und meine Klassen angefeuert. Sehr laut ist es schon in diesen Sporthallen; darauf werde ich manchmal hingewiesen, wenn ich über meine Deutschkorrekturen jammere.

Allerdings ging die Lautstärke bei diesem Turnier – die sicher über die normale, auch nicht unbeträchtliche Sportstundenlautstärke hinausging – von höchstens zehn Prozent der Schüler aus. Die sangen und skandierten und hatten sich Lärmgeräte mitgebracht, der Rest schaute zu.
Ich gestehe, der Lärm hat mich gestört.

Ich bin kein Sportfan, ich schreie und skandiere nicht. Haben diese zehn Prozent der Schüler das richtige Verhalten gezeigt, und der Rest ein falsches? Umgekehrt? Kann man so nicht sagen? Gehen die einen richtig mit und unterstützen ihre Mannschaft, während die anderen einfach weniger Interesse am Spiel haben?
Natürlich lernen die Schüler nicht in der Schule, wie man sich bei einem Fußballspiel zu verhalten hat, sondern anderswo. Zumindest gilt das für diese zehn Prozent, der Rest schaut es sich vielleicht von ihnen ab. Möglicherweise ist dieses Verhalten ja sogar erwünscht (sich austoben, manche Schüler brauchen das einfach etc.), und so oder so kann die Schule gesellschaftliche Verhaltensregeln nicht groß beeinflussen.

Nehmen Sportlehrer das Skandieren in Kauf, weil sich eh nichts ändern lässt, oder begrüßen sie es, weil das nun mal dazu gehört? Soll man im Sportunterricht lernen, wie man sich bei Sportveranstaltungen verhält, kann das der Sportunterricht überhaupt leisten, und wie soll man sich denn bei Sportveranstaltungen verhalten?

Ich frag nach den Ferien mal nach.

Audiokommentare

Wollte nur mal sagen: Ab jetzt sind auch Audiokommentare möglich. Unter jedem Beitrag ist ein Icon, auf das man klicken kann. Man braucht nur ein angeschlossenes Mikro am Rechner, keinerlei Software (außer Java), keinerlei Download. Man kann sich aufnehmen, es sich anhören, dann nochmal versuchen, dann nochmal, und dann schließlich zusammen mit einem Textkommentar absenden.

Dann höre ich euch auch mal, also zumindest die Mutigeren, jedenfalls die mit Mikrophon.

Die Länge der Kommentare ist vorerst auf eine halbe Minute begrenzt. So ganz zufrieden bin ich noch nicht; der Service läuft über das Plugin podPress und damit bei http://www.mobatalk.com. (Evoca ist eine Alternative dazu.) Die Kommentare liegen auf derem Server, ich kann sie nicht archivieren, und wenn ich das Plugin später entferne, sind auch die Audiokommentare weg – oder zumindest im Web verschollen.

Nein, ich hätte das alles lieber auf dem eigenen Server, aber so ein Plugin gibt’s wohl noch nicht. Vielleicht doch mal Loudblog installieren.

Die Fledermaus

Wie neulich angekündigt, und wie Frau Nachtgedanken auch war ich gestern in der Oper, Die Fledermaus anschauen.

Meine Eltern hatten uns zu Weihnachten Karten gekauft. Da hatten wir aber schon selber welche für die gleiche Vorstellung, also haben wir meine Eltern mit deren Karten eingeladen. (Jetzt fühlen sie allerdings, dass sie noch ein Geschenk schuldig sind. Ist schon ein Kreuz mit den Erwachsenen.)
Schön war’s. Ich hatte aufgrund widriger Umstände (=Blödheit) die Hälfte der Karten zu Hause vergessen, wie wir beim Eintreten merkten. Das sind die Leute dort allerdings schon gewöhnt: An der Kasse kann man sich Ersatzkarten ausdrucken lassen, zumindest wenn man noch weiß, unter welchem Namen und wie man die Karten bestellt hat. Das seien jeden Abend eine ganze Menge Leute.

Meine Eltern, erfahrenere Besucher von Schauspielhäusern, bestellten vor der Aufführung gleich Getränke für die Pause. Dann muss man nicht anstehen. Zur Aufführung selber kann ich nicht viel sagen; es war die erste Fledermaus, die ich auf der Bühne sah. Die Musik ist gut, die Handlung auch, Details dazu beim letzten Eintrag. Die Sänger waren nicht so leicht zu verstehen wie bei meinen Plattenaufnahmen. Wir saßen über dem Orchestergraben und konnten gut hinunterschauen; die männlichen Musiker im Frack, für die weiblichen reichte zum Teil schwarze Hose und Hemd. Erstaunlich, wie doch so wenige Leute zusammen so schöne Musik machen können. Als Nichtmusiker ist das für mich immer wieder faszinierend und nicht ganz verständlich, wie das funktioniert.

Nach der Pause spielte die Biermösel Blosn ein paar Nummern auf dem Ball Orlofsky. Das Orchester machte bei den Gstanzln mit. Und von oben wirbelten Luftschlangel ín Industriestärke durch den Raum. Angestrahlt von den Scheinwerfern sah das fast aus wie lautloses Feuerwerk.

Die Gefängsnisszenen mit Frosch waren mir allerdings zu lang. Da gibt’s dann auch keine Musik dazu, sondern Klamauk und Improvisation. Da war ich aber schon etwas müde.

Insgesamt sehr schön. Bei der Tanzeinlage habe ich mir versucht vorzustellen, wie das vor siebzig oder achtzig Jahren war, als man noch ins Theater ging, um Revuen anzuschauen. Konnte ich nicht. Gab’s das am Ende nur im Film?

fledermaus.jpg

Spamkunde in der 7. Klasse

In der 7. Klasse lernen die Schüler in Informatik Naturundtechnik laut Lehrplan E‑Mails kennen – Vor- und Nachteile verglichen mit der Briefpost, Klassendiagramm, Aufbau von WWW- und E‑Mail-Adressen. Und natürlich auch die Gefahren und Probleme beim Umgang mit E‑Mails:

  • Phishing: Mit gefälschten E‑Mails wird versucht, Passwörter oder andere Daten herauszubekommen (zum Ausprobieren, wie gut man echte von falschen Mails trennen kann: Mailfrontier Phishing IQ Test oder Fraunhofer Phishing Test)
  • Spam
  • Schädliche Software: Anhänge können Viren oder Spyware enthalten
  • Betrug: Ich sag nur: Nigeria-Connection.
  • Link auf manipulierte Seiten

Zur Illustration gewähre ich meinen Schülern einen Einblick in meine E‑Mail-Ordner in Thunderbird (nachdem ich dort ein wenig aufgeräumt habe). Da sehen die Schüler, wofür man Mails nutzen kann, oder zumindest, wofür ich Mails nutze. Und dann zeige ich ihnen zwei oder drei Phishing-Mails, die ich nicht gelöscht habe, weise sie auf den Anhang mit den Rechnung.pdf.exe-Dateien hin, und öffne meinen Spam-Ordner. Eine oder zwei Spam-Mails schauen wir uns dann auch an, sofern die Betreffzeile einigermaßen Unverfängliches erwarten lässt. Manchmal erlebt man dabei allerdings doch Überraschungen.

Woran man gefälschte Mails erkennt (Absender und Betreffzeile können glaubwürdig wirken):

  • falsche Rechtschreibung
  • man ist gar nicht bei der betreffenden Bank
  • falsche Anredeformen (“Hallo Kunde” oder “Sehr geehrter Kunde”)
  • man soll irgendwelche Daten herausrücken
  • die Mail baut Druck auf, indem sie vorgibt, von einer Bank oder Behörde zu stammen, oder indem man angeblich eine Rechnung bezahlen soll, etwas bestellt oder eine Adresse geändert hat oder einen dringenden Termin einhalten muss

Weiteres, was Schüler spätestens zu diesem Zeitpunkt lernen müssen

Lesen üben mit “The Big Scan”

Bei der BBC gibt’s schönes Online-Lernmaterial, darunter unter dem Abschnitt Reading/Scanning einen animierten Flash-Krimi: The Big Scan. Angela Spelling wurde tot in ihrem Hotelzimmer gefunden, ihre Schwester beauftragt einen Privatdetektiv (den Spieler), herauszufinden, was geschehen ist. Schmuddeliges Büro, Trenchcoat und Hut am Haken, erfreulich viel Atmosphäre. An der Wand hängt ein Nighthawks-Druck. Man geht in beliebiger Reihenfolge ins Hotel, zur Polizei, in die Leichenhalle und sucht mit point-and-click Hinweise, um am Schluss einen Täter und Motiv herausgefunden zu haben.

Das habe ich neulich Schülern einer 6. Klasse zum Spielen gegeben. Funktioniert gut, dauert höchstens eine halbe Stunde, eher weniger.

(Ebenso erfreulich, dass im Achtklassbuch Bogart-Fotos aus The Big Sleep und The Maltese Falcon zur Illustration einer Krimigeschichte auftauchen.

‘McGill’, it says on the door. ‘J. McGill. Private Detective’. Not a bad job. A tough one at times, I admit, but that’s the way I like it.

Und außerdem gibt’s im Buch einen Ausschnitt aus “The Body” von Stephen King, mit Fotos aus Stand By Me. Meine Generation ist bei den Schulbuchautoren angelangt! Genau genommen habe ich mir das schon vor einigen Jahren gedacht, als ich das erste Robert-Gernhardt-Gedicht in einem Schulbuch entdeckte.)

Bayern Alpha: Campus

Auf Bayern Alpha läuft schon seit geraumer Zeit Bayern Alpha Campus: Jeweils Montag bis Freitag, 18.00 Uhr bis 18.30 Uhr wird eine halbe Stunde Vorlesung aus einer Universität übertragen. Das Programm kann man unter dem Link oben einsehen.

Meiner 11. Klasse (Deutsch) habe ich eine Vorlesung zu Musiktheater und Literatur gezeigt, gehalten an meiner eigenen Uni (Augsburg). Es war schön, noch einmal den Vorlesungssaal zu sehen.
Die Schüler sehen mal, was eine Vorlesung ist, und wenn sie gut ist, können sie sich bei Referaten daran orientieren. Vorlesungen sind als Modell vielleicht besser als Referate, für die es letztlich kein gutes Modell gibt.

(Außerdem kann man dann gleich von studentischen Hilfskräften, Professoren, Assistenten, guten und schlechten Studenten und so weiter erzählen.)