Mindmap zu einem Vortrag über Blogs

Am Dienstag werde ich in Paderborn in einem Seminar an der Uni etwas über Blogs in der Schule erzählen. Einen Vortrag halten, geradezu. Vortrag kann ich nicht. Den macht man in der Schule auch nicht, der berüchtigte “Lehrervortrag” dauert nie sehr lange. Das fast ebenso berüchtigte “Unterrrichtsgespräch” kann allerdings prinzipiell endlos gehen, unabhängig davon, wieviel dabei herauskommt. Manchmal wäre da ein Vortrag, eine echte Vorlesung, effizienter – aber die müsste man erst einmal ausarbeiten. Wobei ich wieder beim Thema bin: Vortrag kann ich nicht.

Außerdem habe ich inzwischen das Gefühl, kaum etwas Interessantes über Blogs sagen zu können. So analytisch ich sonst gerne bin, Blogs habe ich nie so richtig analysiert. Also werde ich mich an einer Reihe von Beispielen festhalten und hoffen, dass die Studenten geduldig mit mir sind. Vermutlich sind meine Beispiele für sie ohnehin interessanter, als ich es im Moment denke.

Struktur und Stichwortzettel muss natürlich trotzdem sein. Meine Gedanken habe ich probeweise mit einer Mindmap gesammelt, die online bei Mindmeister steht und die ich hier direkt von dort einbinde:

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Tatsächlich erstelle ich die Mindmap offline mit Freemind und lade sie dann hoch.

Die Mindmap ist noch nicht fertig, einige Gedanken sind noch nicht ausgearbeitet, und in dieses schmale Blog-Spalte eingebunden sieht der Kartenausschnitt nicht sehr übersichtlich. Ob ich in dem Seminar nur mit meinen Notizen arbeite oder mit der Karte am Beamer, das weiß ich noch nicht – die Karte enthält jedenfalls alle Links, die ich anklicken könnte. Und sie ist eine Art Ersatz für ein Handout. Wie praktisch das ist, wird sich zeigen.

Jetzt erst mal kurze Pause. Bin sehr, sehr nervös.

Schulbibliotheken

Heute gleich zwei Meldungen dazu bei Bildungsklick gelesen:

Schülerinnen und Schüler, die gute Schulbibliotheken benutzen, schneiden in Leistungstests besser ab. Zumindest für die USA und Kanada gilt anscheinend, dass Schüler an Schulen mit guten Schulbibliotheken in landesweiten Leistungstests bis zu 20% besser abschneiden als Schüler an Schulen mit weniger guten Schulbibliotheken. (Gut, das sagt noch nichts über Kausalität aus.) Und was kennzeichnet eine gute Schulbibliothek?

  • Gut ausgebildetes Personal
  • Lange Öffnungszeiten
  • Qualität des Medienbestandes
  • Zusammenarbeit der Bibliotheksleitung (library media specialist) mit den Fachlehrern
  • Training von Arbeitstechniken in der Bibliothek (information literacy skills)
  • Integration neuer Medien

Hm. Ja. Wenn ich mir die wenigen Schulbibliotheken, die ich so kenne, anschaue, dann wirken diese Kriterien wie aus einer anderen Welt. Anders gesagt, da sehe ich noch Entwicklungsmöglichkeiten.

Außerdem bei Bildungsklick gefunden: Die Schulbibliothek des Jahres 2009.

Die Landesarbeitsgemeinschaft Schulbibliotheken in Hessen e. V. schreibt einen Preis für eine hessische Schulbibliothek aus. “Für die Auszeichnung sind Aspekte der pädagogischen Arbeit und der Integration der Bibliothek in die Schule, kreative Ideen bei der Organisation der Leseförderung oder der Vermittlung von Medien- und Recherchekompetenz ausschlaggebend.” Dazu können gehören: Lesekonzepte, Bibliotheks-Aktionen, Attraktivität. 1.000 € Preisgeld gibt’s dafür.


Unsere eigene Schulbibliothek ist erst mal mehr oder weniger unverändert in die neue Schule umgezogen und deshalb noch entwicklungsfähig. Wie so vieles bei uns ist sie durch eine breite Glasfront sehr durchsichtig. In einer eigenen, durch eine weitere Glaswand abgetrennten Ecke befindet sich die Schülerlesebibliothek, also die Abteilung mit den Jugendbüchern für die Unterstufe. Die ist mehrmals in der Woche geöffnet und sonst abgesperrt. Mit den allgemeinen Lehrerschlüsseln kann man zwar die restliche Bibliothek öffnen und schließen, aber nicht diesen Bereich. Nu, es wird wohl gute Gründe dafür geben, so wie bei den Chemieräumen, in die man mit dem normalen Lehrerschlüssel auch nicht kommt. Sonst wär das ja Blödsinn.

Als erster Schritt zu einer Erneuerung der Bibliothek haben wir am pädagogischen Tag letzte Woche damit begonnen, alte Bücher auszusortieren. Erst mal bei Deutsch, aber den anderen Fachschaften täte das auch gut. (Mein Favorit: Ein vereinzelter Amnesty-International-Report aus dem Jahre 1974. Daneben auch jede Menge dicker Handbücher zu Windows 95 oder alten Excel-Versionen. Neu, aber auch schon zum Wegwerfen.)

Das hat Spaß gemacht, das mit dem Ausmisten. Bücher machen sowieso Spaß, Bücher einräumen auch, außerdem sieht man so mal, welche interessanten Bücher sich tatsächlich in der Bibliothek verstecken. Man schaut dann doch mal rein in die Bände und findet das, was man in Büchern zu finden pflegt: spannende Sachen. Bei manchen Büchern weiß man genau, welcher Kollege sie einst angeschafft hat, bei anderen kann man nur einen Vor-Vorgänger mit merkwürdigen Spezialgebieten vermuten.

Was mit den Büchern geschieht, die wir in einer Schulbibliothek nicht mehr brauchen, weiß ich nicht – einen Bücherflohmarkt organisieren, verschenken, verteilen?

Erste Fundstücke:

Referate und Diskussionen einer Tagung der Evangelischen Akademie für Rundfunk und Fernsehen in Bad Boll, 1956/1958. Keine Schule sollte ohne sein:

Der currikulare Lehrplan, mit dem ich in den 1980ern beschult wurde. Ach ja. Da steht ziemlich viel drin. “Kompetenz” hieß damals noch “Fähigkeit”, und die erste Spalte des Lehrplans ist voll davon.
Daneben eines von zwei schmalen Bändchen aus dem Jahr 1974, die den Grundkurs Deutsch der Kollegstufe “nach dem in Bayern an fast vierzig Gymnasien in Erprobung befindlichen Modell” beschreiben. Und jetzt ist sie wieder abgeschafft, die Kollegstufe:

Das Lesen alter Lehrpläne relativiert etwas den Enthusiasmus, mit dem man sich auf neue stürzt.

Den Band Informationstechnische Bildung im Deutschunterricht sollten wir vielleicht aufheben. Von 1992, total veraltet, aber ein paar Ideen sind drin. Daneben viel BASIC und der Rat, sich bei der Neuanschaffung einen Rechner mit wenigstens 1 MB Hauptspeicher anzuschaffen, der auf 4 MB erweiterbar sein sollte, “um komfortable Standardsoftware voll nutzen zu können.” – Wie war das gleich wieder damals mit dem 386er? 1 MB normaler Speicher, 3 MB erweiterter Speicher und 4 MB Zusatzspeicher oder wie der gleich wieder hieß, mit viel Fummelei kam man so auf 8 MB Arbeitsspeicher, um Alone in the Dark spielen zu können.

Moral zum Schluss: Ich bin ja ein großer Fan vom Internet. Aber eine richtig schöne Schulbibliothek sollte selbstständiges Arbeiten doch genauso so fördern können wie Rechner im Klassenzimmer.

Gesundheitstag der offenen Tür

Soll keiner sagen, wir hätten heute nichts mit Gesundheit gemacht. In der Aula wurde jongliert:

Im Biosaal bastelten die Fünftklässler selber Jonglierbälle – Tennisbälle, mit Wasser befüllt, Luftballonhülle drüber.

Zu essen gab es gesunde mediterrane Kost vom Französisch-LK:

Das ist jetzt weniger gesundheitlich, aber weil auch Tag der offenen Tür und erst neulich der Wettbewerb dazu war, wurde auch der Lego-Roboter vorgeführt. (Damit die Leute denken, das sei bei uns Alltag.)

Die Fünftklässler schippten etwas Erde auf ein Apfelbäumchen – jedes Jahr wird jetzt für jeden Jahrgang ein Apfelbäumchen in einem Bereich zwischen zwei Gebäudeflügeln gepflanzt:

Außerdem wurde unser Stück Kunst am Bau eingeweiht. (Drinnen, aber da habe ich nur Fotos von Leuten gemacht, die Reden halten.) Das Teil heißt “Golden Gate”, es handelt sich dabei um eine Gangway, begehbar und schwer symbolisch: Jahr um Jahr steigen die Schüler quasi auf, bis sie am Schluss flügge werden. Den Abflug machen. (Oder abstürzen. Vor dem nichts stehen. Dazu ist uns viel eingefallen heute.)

Ich finde das Teil gar nicht so schlecht, begehbar ist immer gut, die Idee gefällt mir auch. Die goldenen Applikationen an der Seite erinnern mich allerdings eher an japanische Science-Fiction-Filme aus den 70er Jahren. Wenn es wenigstens die zeitlosen 1930er wären (Flash Gordon). Und die Deko-Räder unten sehen ein bisschen aufgeklebt aus.

Wie man sieht, ist inzwischen das Gitter wieder drumrum. Weil die Metallstufen zu rutschig sind und erst noch ein Geländer an die Seite montiert werden wird. Oh, die Ironie.

Jahrgangsstufentests Deutsch 2008

Diese Woche habe ich für unsere Deutsch-Fachsitzung die Ergebnisse unserer Schule mit denen von Bayern verglichen. Erleichtert wird das durch eine vom ISB gelieferte Excel-Tabelle, in die die Lehrer beziehungsweise Fachbetreuer ihre Daten eingeben. (Die bayernweiten Ergebnisse kopiert man dann in die Tabellen, ausgewertet wird dann automatisch.) Erschwert wird das durch eine vom ISB gelieferte Excel-Tabelle – zumindest durch die Fassung, die ich sehr früh dort heruntergeladen habe und die auf dem Tabellenblatt “Kompetenzprofil” falsche Formeln verwendet. Die aktuelle Fassung dort ist stillschweigend korrigiert worden. Das ist ärgerlich und hat mich etwas Bastelei gekostet, die ich nicht jedem Lehrer zutraue. Dennoch, die Tabellen sind hilfreich, und gerade dieses Tabellenblatt ist es besonders.

In den Tests werden vier Kompetenzen geprüft:

  • Leseverstehen
  • Ausdrucksfähigkeit
  • Formale Sprachbeherrschung (=Grammatik)
  • Rechtschreibung

Ob die einzelnen Aufgaben wirklich diese Kompetenzen überprüfen, also ob der Test auch valide ist, kann ich nicht so einfach überprüfen, aber gehen wir mal davon aus.

Der Test ist nicht genormt. Es ist also allenfalls ein Richtwert, wenn man erfährt, dass die Schüler 60% der Punkte erreicht haben. Erst der Vergleich mit den bayernweiten Durchschnitten ist dann ergiebig: Wenn dort nur 50% der Punkte erreicht wurden, darf man sich freuen, bei 70% sich ärgern. Über die Gründe für das bessere oder schlechtere Abschneiden ist damit allerdings noch nichts gesagt.

Einen Nutzen dieser Tests habe ich tatsächlich erst dieses Jahr erkannt:

Wenn eine Klasse oder Schule in allen Kompetenzen unter- oder überdurchschnittlich ist, dann hilft einem das bei der Schulwentwicklung nicht viel. Wenn aber in beiden Jahrgangsstufen die gleichen Kompetenzen jeweils überdurchschnittlich oder unterdurchschnittlich sind, und das möglicherweise auch noch über mehrere Jahre hinweg, dann sagt das etwas über die bewusste oder unbewusste Schwerpunktsetzung der Schule aus, finde ich.

(Aus der Kategorie: Werbung für diagnostische Tests.)

Bunte Woche (nur erzählt, nicht gejammert)

  • Montag: Unterricht, nachmittags/abends Schulforum (je drei Eltern, Lehrer, Schüler)
  • Dienstag: Unterricht, nachmittags Fachsitzung Deutsch, abends Kartoffelessen (jährliche Einladung des Elternbeirats an alle Lehrer)
  • Mittwoch: Pädagogischer Tag (müssen wir machen; findet bei uns, weil schon immer so, am Buß- und Bettag statt)
  • Donnerstag: am ISB in Arbeitskreis
  • Freitag: ganz normaler Schultag, soweit ich weiß
  • Samstag: Tag der offenen Tür+Unterrichtstag mit Schwerpunkt Gesundheit

Conley, Magic Words

Magic Words von Craig Conley ist ein Wörterbuch der magischen Wörter. Gemeint sind damit die Ausdrücke, die Zauberer zum Zaubern verwenden. Abracdabra. Hokus-Pokus. Sesam öffne dich. Voilà. Bingo. Überraschend verbreitet auch: Bibbidy-Bobbidi-Boo.

In einem Vorwort erinnert Conley an die Magie der Worte und die lange Tradition vieler Zauberwörter, deren Bedeutung schon lange nicht mehr auszumachen ist. Es folgt eine Anleitung, wie man selbst das allgegenwärtige Hokus Pokus noch wirksam ausprechen kann.

Conley zieht als Quellen ein wildes Sammelsurium heran. Ein Shadow-Roman von Maxwell Grant für “Abracadabra”, My Little Pony Monthly für “Adarakadabara”. Comics, Romane, Filme, Lieder (“Oo Ee Oo-Ah-Ah Ting Tang Walla-Walla Bing-Bang”), professionelle Bühnenzauberer, Esoterikbücher und Ausgaben alter Papyri.

Mit “Acba” werden im Rollenspiel I Blame Society die Murmeln der Transformation eingesetzt: Aus den vorbereiteten Murmeln entstehen dann Gegenstände, zum Beispiel ein Seil (oder was Rollenspieler sonst so brauchen). Als Quelle wird ein C.J. Gardiner mit der Seite IBlameSociety.ca (2005) angegeben; das Web weiß leider nichts mehr darüber.

“Iaeh-Yog-Thu-Sot” aus dem Computerspiel Shadow of the Comet (1994) wird aufgeführt, nicht allerdings dessen Vorlage – “Iä, Yog-Sothoth” oder “Cthulhu fthagn” fehlen.

– Ein Anhang enthält die magischen Worte verschiedener Berufszweige – falls man als Bühnenzauberer mal vor denen auftreten sollte. “Action!” für Schauspieler und Regisseure, “al dente” für Köche, “cash flow” für Investoren, “cheese” für Fotographen. Jeweils mit Quellen.

Bleib so wie du bist

Wenn ich manche Foren lese, glaube ich fast, der liebste Wunsch, den man einem anderen – etwa anlässlich eines Geburtstags – angedeihen lassen kann, ist: “Bleib so, wie du bist, und lass dich von niemandem ändern.”

Zum ersten Mal ist mir das bei Schülern aufgefallen, aber das liegt vielleicht daran, dass ich überproportional viel mit denen zu tun habe und weniger mit Erwachsenen. Bei denen bin ich allerdings nach einer kurzen Google-Suche genauso fündig geworden. Eine Auswahl, ohne Quellenangaben:

Motto: Sei du selbst und lass dich von niemandem ändern!

Lebensmotto: Bleib wie du bist und lass dich von niemandem ändern.

Ich finde es unfair, jemanden verbiegen zu wollen und ihn nicht so zu nehmen, wie er ist.

bleib so wie du jeZz bist okay und lass dich von NIEMANDEN ändern

Vielleicht ist das tatsächlich unter Jugendlichen häufiger. Die müssen sich vermutlich auch am meisten mit den Änderungswünschen anderer auseinandersetzen. Das Weltbild dahinter scheint zu sagen, dass man entweder a) mit einem unveränderlichen Ich geboren wird, das niemand ändern kann, oder b) dass der Vorgang des Sich-Änderns eine selbstbestimtme, bewusste, von anderen unabhängige Entscheidung ist.
Das ist meiner Meinung so nicht richtig. Man ändert sich doch vor allem durch äußere Einflüsse. Einige meiner Wesenszüge kenne ich an mir seit fünfunddreißig Jahren, das ist wahr. Aber manche habe ich erst durch andere Menschen erworben, die mich beeinflusst und geprägt haben.

Warum ich glaube, dass das für die Schule wichtig ist: Viele Leute wünschen sich, dass die Schule nur Wissen und Fertigkeiten vermitteln soll, und zwar nur insoweit, als man damit im späteren Leben mehr Geld verdienen kann.
Halten die Leuten, die das so sehen, denn Werte, Verhaltensweisen, ästhetische Bildung für unwichtig? Das glaube ich nicht. Allerdings meint man wohl, für die kann man selber sorgen, da soll einem keiner reinreden. Die lernt man nicht, für die entscheidet man sich. Alles andere stellt einen unberechtigten Eingriff in die Persönlichkeitsautonomie dar.

Vielleicht sehe ich das auch nur so, weil Leute ändern nun mal mein Beruf ist. Lernen heißt sich ändern. Was heißt dann Lehren?


Nicht untergebrachte Gedanken:

1. Das soll nicht heißen, dass man sich von allem und jedem ändern lässt. Aber die Änderung durch äußere Einflüsse sollte man prinzipiell zulassen.

2. Das Teilreflexive des Verbs “sich ändern” bereitet mir Schwierigkeiten: “jemand ändert sich” (traditionelle Grammatik: “echt reflexiv”) ist oberflächlich dem “jemand ändert mich” (“unecht reflexiv”) ähnlich. Beim englischen “I’ve changed” bleibt offen, wodurch die Änderung stattgefunden hat; beim deutschen “ich habe mich geändert” scheint die die betroffene Person die Änderung aktiver gestaltet zu haben. Siehe vielleicht auch Medium (Grammatik). Ändert man sich oder wird man geändert?

3. Ich bin nicht ganz zufrieden mit dem Blogeintrag, finde ihn zu durcheinander und zu unpräzise, vielleicht, weil ich zu viel daran herumgeschraubt habe. Ich habe das Gefühl, dass es da eine Frage gibt, die es wert ist, gründlicher durchdacht und erörtert zu werden. Da steckt noch ein besserer Blogeintrag drin, den ich auch gerne anderswo lesen würde, bei jemandem mit besseren analytischen Fähigkeiten als ich.

4. Mal machen: Fürs Erörtern mal hernehmen die zwei Keuner-Geschichten “Das Wiedersehen” und “Wenn Herr K. einen Menschen liebte” von Bert Brecht.

Nachtrag 2019: Wenn ich mich an die Lernpsychologie aus der Uni richtig erinnere (zweifelhaft), ist eine Definition von Lernen die der Möglichkeit, sich anders zu verhalten als vor dem Lernen. Eine neue Verhaltens- oder Handlungsmöglichkeit ist im Repertoire. Lernen heißt also Veränderung.

Schöner Schultag heute

Zuerst eine schöne Stunde in meiner 9. (Deutsch), die mir großes Vergnügen bereitet, die viel leisten mögen und die ich zu noch mehr auffordern müsste.

Pausenaufsicht führen.

Dann eine unverhoffte Doppelstunde in der 10. (Informatik). Endlich mal ein bisschen mehr Zeit zum Arbeiten. Dafür hat der Beamer im Computerraum nicht funktioniert, aber digital ist man ja flexibel, und die Datei zum Austeilen aus dem Moodle holen zu lassen ging schneller als den USB-Stick hersauszukramen.
– Eigentlich war mir die Nachmittagsstunde am Mittwoch auf diesen Montag zur anderen, regulären Stunde verschoben worden, aber ich habe gesagt, dass ich die Stunde am Mittwoch doch lieber auch halten würde. Schon mal, weil ich eh einige Tage im Halbjahr dienstlich außer Haus bin und dadurch ausfalle. Die Schüler mögen es natürlich lieber, wenn sie früher nach Hause gehen können. Das verstehe ich natürlich. Manche Eltern sehen das sogar auch so. Das verstehe ich nur zum Teil. Mehr zumuten, als das die Stundentafel vorsieht, will ich den Schülern nicht. Aber ich halte Schule für wichtig genug, dass möglichst viele Stunden gehalten werden sollten.

Danach noch eine Doppelstunde LK, morgen ist Klausurtermin. War auch schön.

Grammatik 3

Schwierig ist das Präpositionalobjekt. Es beginnt mit einer Präposition (auf, in, nach…), aber das gilt auch für viele Adverbialien. Anders als diese ist das Präpositionalobjekt aber in der Valenz des Verbes festgeschrieben – in Schulgrammatik-Sprache: “man kann es nicht weglassen”. Außerdem, und das ist vielleicht wichtiger, wird die Präposition des Präpositionalobjekts bereits durch das Verb mehr oder weniger bestimmt, während das Verb keinerlei Einfluss auf die Präposition eines Adverbials hat. Beispiele folgen.

1. Ich warte auf einer Brücke auf meine Freundin.
2. Markus wartet schon sehr lange auf sein Geld.

Auf einer Brücke/schon sehr lange sind Adverbialien – Orts- beziehungsweise Zeitangaben, die man weglassen kann oder nicht. Das erste davon beginnt mit einer Präposition, das zweite nicht. Andere Adverbialien mit anderen Präpositionen sind leicht denkbar: auf einer Couch, unter einer Brücke, über einer Brücke, vor einer Brücke.
Auf meine Freundin/auf sein Geld sind Präpositionalobjekte, man kann sie (erzählen wir den Schülern) nicht weglassen, da die Valenz des Verbs sie erfordert. Entsprechende Satzglieder mit anderer Präposition sind nur gelegentlich zu finden. Falsch sind jedenfalls: *Ich warte für/von/über meine(r) Freundin.

(In der englischen Grammatik würde man die Präposition einfach dem Verb “warten auf” zuschlagen, übrig bliebe ein simples Objekt “meine Freundin”. Siehe auch Objekt bei Wikipedia.)

– Allerdings gibt es auch bei der Valenzgrammatik Probleme. Ist eilen wirklich einwertig?

1. Wir eilten.
2. Wir eilten nach Hause.

Der erste Satz wirkt unvollständig. Der zweite ist richtiger – heißt das, dass ein Adverbiale doch zur Valenz gehören kann? Dass es gar nicht stimmt, wenn wir Schülern sagen, dass man die immer weglassen kann?

1. Sie riefen laut meinen Namen.
2. Sie riefen laut: “Guten Morgen!”
3. Sie riefen laut um Hilfe.
4. Sie riefen laut, dass die Tür verschlossen sei.

Bei 1 ist das Akkusativobjekt klar, bei 3 ist das sicher keines, sondern wohl ein Präpositionalobjekt (auch möglich: nach Hilfe). Und 2 und 4? Man wird wohl sagen, dass hier ein Nebensatz beziehungsweise eine satzwertige Äußerung die Akkusativobjekt-Rolle übernehmen.

– Und wie ist das mit den Dativobjekten bei folgenden Sätzen:

1. Ich schreibe einen Brief. S‑P-OA
2. Ich schreibe ein Buch. S‑P-OA
3. Ich schreibe ihm ein Buch. S‑P-OD-OA
4. Ich schreibe ihm einen Brief. S‑P-OD-OA

Welche der Dativobjekte in 3 und 4 sind in der Valenz vorgeschrieben, welche nicht? Letztere heißen auch “freie Dative” (Wikipedia) und sind Objekte, die man eben doch weglassen kann. Traditionell würde man sagen, dass das sowohl für 3 als auch für 4 gilt. Aber schreibt man nicht immer jemandem Briefe, und selten jemandem Bücher? Oder ist das bereits Semantik und nicht mehr Syntax?

Als Zuckerchen zum Schluss ein paar Aussagesätze ohne Subjekt, weil ich die sonst nirgendwo untergebracht habe:

1. Mir ist kalt. OD-P-Prädikativ
2. Mich friert. OA-P.
Und mit Quasi-Subjekt:
3. Es friert mich. S‑P-OA

Nachtrag: Es heißt das Adverbiale, oder auch das Adverbial, glaube ich. Beim Plural bin ich mir nicht einig: Adverbialien, Adverbialen, Adverbialia, Adverbiale? Wer hilft? Und der Genitiv?