Charles Darwin zum Geburtstag

Charles Darwin wird heute 200 Jahre alt. Vor ein paar Jahren habe ich sein The Origin of Species gelesen. Es hat mich überrascht, wie spannend, leicht nachzuvollziehen und wunderbar logisch und konsequent es aufgebaut war. Besonders spannend war es, Wissenschaft beim Entstehen zuzuschauen: Darwin gesteht freimütig ein, wenn er einen Zusammenhang noch nicht erklären kann, wenn es Lücken in seiner Argumentation gibt. Mit dem heutigen Wissen (etwa um Gene und Vererbung) ist es leicht, manche dieser Lücken zu schließen, und eben das lässt den Respekt vor Darwins Leistung wachsen. (Ähnlich ging es mir mit Leonard Eulers „Briefen an ein eine deutsche Prinzessin“, in der er ihr die Welt der Physik erklärt.)

Hier eine ganz kurze Zusammenfassung der Kapitel von The Origin of Species.

Kapitel 1: Variation durch menschliche Züchtung. Am Beispiel der Taubenzüchtung zeigt Darwin, wie in relativ kurzer Zeit verschiedene Rassen durch die Auswahl des Menschen entstehen können.

Kapitel 2: Auch in der Natur gibt es Variationen. Am meisten bei weit verbreiteten Arten.

Kapitel 3 und 4: Auswahl durch die Natur (statt durch den Menschen). Wettbewerb sorgt dafür, dass manche Varianten sich mehr vermehren als andere.
Das ist die große Leistung Darwins (und unabhängig dazu von Alfred Russel Wallace). Den Gedanken der Vererbung gab es auch bei Lamarck: Die Giraffe streckt ihren Hals, um ans Futter zu gekommen, und vererbt diesen langen Hals an die nächte Generation weiter. So nicht, sagt Darwin: Nachkommen unterscheiden sich irgendwie von den Eltern, aber schon von Geburt an, und durch natürliche Auswahl entstehen dann zuerst verschiedene Rassen, und nach vielen weiteren Generationen dann aus diesen verschiedene Arten.

Kapitel 5: Regeln der Variationen. Etwa: Körperteile, die nicht mehr gebraucht werden, werden durch die natürliche Auswahl nicht bevorzugt, im Gegenteil, sie verkümmern. Beispiel: Verlust der Flugfähigkeit, wenn sie evolutionär keinen Vorteil mehr bringt.

Kapitel 6: Probleme mit dieser Theorie. Warum es keine Zwischen- oder Übergangsarten gibt. Wie so etwas Kompliziertes wie das Auge entstehen kann. Und vieles andere, was mir auf Kreationistenseiten immer noch und immer wieder als Gegenargumente begegnen, widerlegt schon vor 150 Jahren.

Kapitel 7: Instinkt. Wie sich so etwas entwickeln kann. Aber vor allem: Wie sich zum Beispiel bei Bienen Drohnen oder andere sterile Formen herausbilden können – wie bitte sollen die denn ihre Gene weitergeben? Klug, sehr klug.

Kapitel 8: Fortpflanzung unter sehr nah verwandten Arten und unter den so entstandenen Hybriden. Also: Pferd und Esel sind begrenzt fortpflanzungsfähig, das entstandene Maultier ist das noch sehr viel begrenzter, in der Regel gar nicht. Gründe dafür.

Kapitel 9: Warum es nicht für alle Zwischenstufen fossile Funde gibt. Auch immer wieder als Argument gegen die Evolution vorgebracht. Kinder, das steht alles schon bei Darwin.

Die nächsten Kapitel: Untersuchung der geografischen Verwandschaft verschiedener Arten, organische Verwandschaft, Entwicklung des Embryos, ähnliche technische Fragen.

Zum Schluss: Eine Zusammenfassung, beginnend mit den offenen Fragen und Problemen seiner Theorie. (Wie viel hätte er erklären können, wenn er schon von Genen und DNA gehört hätte. Aber von Mendel wusste er noch nichts.) Warum die Leute Schwierigkeiten haben, zu akzeptieren, dass sich Tierarten ändern können. Anwendbarkeit auf den Menschen.

Insgesamt: Wirklich sehr gut lesbar.

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2 Thoughts to “Charles Darwin zum Geburtstag

  1. Danke, danke, danke.

    Die Evlolutionstheorie ist heute ja nur noch „eine von vielen“, wenn man den neusten Umfragen in der Schweiz glaubt, wo ein Drittel der Befragten genau das angibt. Ich habe schon überlegt, Message-Shirts mit „Darwin4ever“, „Happy Birthday, Darwin“ „Darwin@work“ u.ä. zu produzieren. Aber vielleicht wird man schon bald deswegen erschossen, äh, entlassen.

    (Ja, ich bin diesbezüglich desillusioniert, gar frustriert.)

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