Sport und Spiel

Sollte eigentlich jede Englisch-Fachschaft haben:

So ein Set habe ich im Urlaub gesehen und vor kurzem bei amazon.co.uk bestellt – kostet £10, nochmal £12 Porto dazu, immer noch nicht viel. Natürlich ist das kein ernstzunehmendes Cricketset, es hat Kindergröße und ist vermutlich nicht sehr stabil, der Ball ist nur ein – für Schüler ohnehin eher geeigneter – einfacher Tennisball. Aber ein‑, zweimal im Jahr könnte man doch in einer Englischdoppelstunde auf die Wiese gehen und Cricketspielen spielen.

In einem alten Blogeintrag gibt’s eine Einführung in Cricket. So richtig beherrsche ich das Spiel nicht, von den Kriterien für die Schiedsrichterentscheidungen und deren Handzeichen habe ich nur vage Ahnung. Aber ich will mich gerne fortbilden, spiele auch schon fleißig Cricket auf meinem iPad.

Nächste Woche bin ich mit meiner 7. Klasse in einem Sport- und Freizeitheim: fünf Tage in einem Hüttendorf, mit Fußball, Tennis, Tischtennis, Wandern und dergleichen. Ich habe schon Frau Rau gefragt: “Darf ich mein neues Cricketspiel mitnehmen? Darf ich? Darf ich?” Aber ihr war nur wichtig, dass ich meinen Cricketpullover mitnehmen würde. Menno. Wo ich doch noch traumatisiert davon bin, dass ich mein Spider-Man-Kostüm nicht ins Schullandheim mitnehmen durfte, damals, anno 1979. War eine weise Entscheidung meiner Mutter damals.

– Dann war heute schöne Post im Briefkasten: eine Einladung des amerikanischen Präsidenten.

Der Präsident hieß aber Roosevelt. In einem Monat ist nämlich wieder das jährliche Rollenspieltreffen, und unser Abenteuer letztes Jahr war äußerst spannend – und nur ein Etappensieg für unsere Abenteurergruppe, auch wenn das Leben von F.D.R. Roosevelt vorerst gerettet ist. Der Spielleiter hat jedem Spieler einen Umschlag geschickt mit einem frisch ausgedruckten Charakterbogen; ich bin Nick Douglas, Schauspieler, zur Stummfilmzeit erfolgreich, jetzt – erste Hälfte der 1930er Jahre – auf der Suche nach anderen Aufgaben. (Foto.) Schrotflinte und Revolver, Überreden 50%, Verborgenes erkennen 45%, und so weiter. Dazu eine Liste der Personen vom letzten Jahr und eine Zusammenfassung der Ereignisse, man vergisst ja so viel. Bin schon gespannt, was der Präsident mir geschrieben hat… und das erste Misstrauen regt sich: haben alle Figuren das gleiche Schreiben gekriegt oder gibt es nicht doch besondere Anweisungen für den einen oder anderen?

Freue mich schon sehr.

Nachtrag: Im Umschlag eine Einladungskarte, Details, und ein Flugticket. Mmmmmmh. Eigentlich eine Kleinigkeit, aber hebt das Spielvergnügen ungemein.

(Ansonsten eher Unschönes. Heute war die Beerdigung einer Kollegin, zu jung gestorben, kein Thema fürs Blog. Ein Familienmitglied wird heute operiert, ein anderes hat Kummer. Ach ja.)

Verlorene Links

Ich lese regelmäßig die Blogs in meinem Feedreader (ein Ausschnitt hier). Die meiste Zeit über lasse ich um die fünfzehn Artikel als ungelesen stehen, weil ich die bald mal noch kommentieren oder etwas dazu schreiben will. Aber dann rutschen die doch immer weiter nach hinten und ich komme nicht dazu.

Deswegen jetzt mal kurz und gesammelt:

  • “Zeitungen müssen Prüfungsthema in den Schulen werden” fordert die Jahrestagung der Nationalen Initiative Printmedien, neben mehr Geld. Denn:

    Junge Menschen lesen heute immer weniger Zeitungen und Zeitschriften. Im Zentrum ihrer Mediennutzung stehen elektronische Angebote. Mit dieser bereits seit langem zu beobachtenden Entwicklung geht ein signifikanter Rückgang des Interesses von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen an politischen und gesellschaftlichen Fragen einher. Das ist der Demokratie langfristig abträglich.

    Der Zusammenhang ist an den Haaren herbeigezogen. Im Gegenteil, ich glaube, die elektronischen Angebote machen den Einstieg in politische und gesellschaftliche Fragen viel leichter und dienen der Demokratie langfristig.

  • ixsi berichtet über eine Online-Fortbildung – Lehrer zu Hause mit Kopfhörer und Mikro. Klingt nach einem Konzept, das funktionieren kann.
  • “Aus Panik angepasst und unter Selbstkontrolle” (via Sven Scholz) – die Telepolis-Interpretation einer Jugendstudie des Marktforschungsinstituts Rheingold. Jugend von heute und so. Ich weiß noch nicht, was ich davon halten soll. Vielleicht mal die Deutsch-Oberstufe fragen?
  • Improv Everywhere macht aus Coney Island ein Black-Tie-Beach-Erlebnis: Damen und Herren in Abendgarderobe tummeln sich am Strand, bauen Sandburgen, gehen schwimmen, lassen sich eingraben. Sehr schöne Fotostrecke dort.
    Ich würde das wohl nicht erwähnten, erinnerte mich das nicht an jenen jungen Mann, der letztes Jahr in Brighton mit einer Ente auf dem Kopf aus dem Ozean heranschwamm und ebenfalls Abendanzug trug. (Und Flossen.)
  • Maik Riecken schreibt sehr konkret über Benutzen von – für die Öffentlichkeit zum Großteil nicht zugänglichen – Blogs, in denen Schüler jeweils einer Klasse ihre Texte einander zugänglich machen und kommentieren. Thema Partnerfeedback und Überblick.
  • Und nach 19 Jahren sprechen können. Eine schöne Erfolgsgeschichte aus einer Schule für Menschen mit geistigen Behinderungen.

Bleiben noch 130 als Favoriten markierte Beiträge, die teilweise schon Jahre alt sind, die aber immer noch kommentiert werden wollen.

Schöne Lieder

Schon mal verlinkt, aber nichts daraus geworden, deshalb jetzt eingebettet: Jonathan Coulton, “The Presidents”.

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Washington came first and he was perfect,
John Adams kept us out of war with France
Jefferson made a Louisiana Purchase
In 1812 James Madison kicked the British in the pants
James Monroe told Europe they could suck it
John Quincy Adams looked just like his Dad
Andrew Jackson got rid of all the Indians
Van Buren served one term but he wasn’t bad

Sollen die Europäer mal nicht so spotten über die geschichtslosen Amerikaner. Der Ton ist nicht so besonders, ich habe außerdem noch eine schönere Liveaufnahme.

Vielleicht kann man etwas im Englischunterricht damit machen. Ich habe mal als Teil eines Wikiprojekts den Text ausgegeben und zu den meisten Zeilen Links gesetzt, hinter denen die Schüler dann eine Erklärung zu der Zeile schreiben sollten. (Nach Recherche zum Thema natürlich.) Ich bin mir aber nicht sicher, was das gebracht hat.

  • Klar, die Schüler sind weg von der Straße und beschäftigt, noch dazu mit einer gewissen Freiheit. Das kann nie schaden.
  • Die Schüler haben gelernt, dass Man Gemeinsam An Einem Projekt Arbeiten Kann. Aber eigentlich ist dazu so ein Liedtext zu klein, jeder Schüler weiß, dass das im Prinzip eine Aufgabe für eine Einzelperson ist. Hat ja auch nur einer geschrieben, den Text.
  • Jeder Schüler hat sich ein oder zwei Daten aus der amerikanischen Geschichte etwas näher angeschaut. Kann auch nicht schaden. Ist vermutlich das Lohnendste an der Aufgabe.
  • Die Schüler haben einen vagen Eindruck davon bekommen, dass die USA eine Geschichte haben. Kann auch nicht schaden. Die besseren Schüler wussten das wohl vorher schon.
  • Selbstständiges Recherchieren, na ja, okay.
  • Was man eigentlich an dem Lied sieht: dass für das Verständnis von Texten aus einer anderen Kultur viel Faktenwissen nötig ist – Fakten, die Mitglieder dieser Kultur zu einem ordentlichen Teil kennen und man selber nicht.

Diese Wiederaufnahme eines Lied aus alten Fry&Laurie-Tagen ging auch schon durch die Blogs, ich hab’s aber noch nicht hier gehabt. Hugh Laurie ist klasse.

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Gedanken eines Lehrers in den mittleren Dienstjahren

Ich muss mir angelegentlich mal Gedanken machen, ob ich Karriere machen will, oder was man statt Karriere als Beamter an der Schule halt so hat. Seit über einem Dutzend Jahren bin ich Vollzeitlehrer, bin mit meinen Fächern vertraut, bin mit Paragraphen und Verordnungen und Instanzen vertraut, kenne die Abläufe an meiner Schule, habe mit wechselndem Erfolg alle möglichen Aufgaben an der Schule erledigt und bin zur Zeit Junior-Fachbetreuer und Personalrat. Und ich habe noch zwanzig bis fünfundzwanzig Schuljahre vor mir. Das ist so das Dienstalter, in dem man sich Gedanken macht.

Was fange ich in dieser Zeit an? Die eine Option ist die, dass ich daran arbeite, ein – von mir aus: noch – besserer Lehrer zu werden. Damit kann ich meine Jahre ganz bestimmt ausfüllen, quasi Lebensaufgabe.
Oder ich strebe eine Wichtige Stelle an.

Mir fallen drei Gründe ein, Wichtige Stellen anzustreben: weil man da mehr Einfluss hat und Schule vielleicht mitgestalten kann, weil einem das eine gewisse Bestätigung gibt, und weil man dann mehr Geld kriegt. (Dann wird man nämlich irgendwann mal Studiendirektor und kriegt mehr Pension.)

– Allerdings kann man seine Schule auch außerhalb solcher Positionen sehr weit gestalten. Ich bastle recht viel an meiner Schule herum und freue mich sehr daran. Aber das sind zum größten Teil Arbeiten, die ich freiwillig erledige und jederzeit aufgeben kann, wenn ich keine Lust mehr habe oder wenn mir jemand dumm kommt. Wer eine Wichtige Stelle hat, der muss diese Arbeiten erledigen. (Also, theoretisch.) Maik, das ist wieder dein Konzept der ideellen Macht.

– Bestätigung ist tatsächlich etwas sehr Wichtiges. Und die Bestätigung durch eine Position ist wohl nicht zu verachten. Ich selber brauche sehr viel Bestätigung. Glücklicherweise sehe ich mich in der Lage, diese Bestätigung aus den verschiedensten, nicht unbedingt leicht nachzuvollziehenden Quellen zu schöpfen: dem Spaß an den Schülern und dem Unterricht, meinem Blog, den Büchern in meinem Regal, den Büchern auf meinem Nachttisch, meinem umfassenden Wissen über amerikanische Radioserien der 1930er bis 1950er Jahre und über die Geschichte der Marvel-Comics, meinen Rollenspielerfahrungen, ganz vor allem der Anerkennung durch Frau Rau. Da spielt die Schulhierarchie keine so große Rolle mehr.

– Das Geld wäre allerdings schon schön. Nicht für jetzt, bewahre, nur für die Pension natürlich. Aber das sind doch noch über zwanzig Jahre!

Warum ich gerade auf diese Gedanken komme: wenn auch das Kollegium an meiner Schule ein eher junges ist, so gibt es doch einige Kollegen mit wichtigen Positionen, die in absehbarer Zeit in Pension gehen. Die Fachbetreuung für das eine Fach (keines von meinen), die Fachbetreuung für das andere Fach (auch keines von meinen). Für die Nachfolgerrolle positionieren sich natürlich die in Frage kommenden Kandidaten.

Fußnote: Liebe nichtlehrende Mitleser, verachtet uns nicht zu sehr. Wie in jedem Laden, in dem die gleichen Kollegen Jahrzehnte miteinander verbringen, verbringen wir unsere Zeit auch mit solchen Spielchen, wenn wir erst einmal zehn Jahre auf dem Buckel haben.

Auch andere Positionen werden in absehbarer Zeit neu besetzt werden. Was gibt es für derartige Positionen an einer Schule? Mittel- und Unterstufenbetreuer: Nicht das meine. Oberstufenkoordinator (vormals Kollegstufenbetreuer): Geht schon mal gar nicht, da müsste ich ja bei Abistreichen mitmachen. Schulleitung: dafür braucht man erst andere Jobs, wird aber sogar Oberstudiendirektor. Nichts für mich. Vertreter der Schulleitung oder Mitarbeiter im Direktorat: bis vor kurzem hätte ich nicht darüber nachgedacht, jetzt ertappe ich mich dabei, das doch zu tun, also zumindest nachzudenken. Der Nachteil: ich müsste regelmäßig auf Konzerte und Theatervorführungen und so. Ich telefoniere auch nicht sehr gern. Aber jemand mit Computerkenntnissen in der Schulleitung könnte einige Prozesse noch optimieren.

Oder ich könnte mich nicht ganz so hoch strecken und Teil der mittleren Führungsebene werden wollen. So etwas wird nämlich in Kürze eingeführt und läuft bereits an einigen Schulen versuchsweise als sogenannte Modus-Maßnahme. Was ich davon gehört habe, klingt aber eher fade. Jedenfalls müsste ich mir bald Gedanken machen, da der Termin für die Anmeldung zu Fortbildungen für diese Aufgabe bereits nahe rückt.

Ich schätze, ich werde mal um ein Mitarbeitergespräch mit der Schulleitung bitten und Frau Rau fragen. Obwohl, was mir ja das liebste wäre, wäre ein Jahr Praktikum in irgendeiner Computerfirma da draußen. Wenn sich da eine Möglichkeite fände… ist aber dienstrechtlich ein Problem; ich darf nicht so einfach ein Jahr Urlaub nehmen und während dieser Zeit arbeiten. Ist nicht vorgesehen.

Neue Jacke

In England im Laden gesehen und gleich – nach einem vorsichtigen Seitenblick auf Frau Rau – mitgenommen. Den ersten Schultest letzte Woche hat sie bestanden. Merkwürdigerweise denken die Kollegen alle an Militäruniform, dabei ist das doch eindeutig Zirkusdirektor. Muss mir jetzt nur noch eine weiße Hose und schwarze Stiefel dazu kaufen.

(Ansonsten: viel Spannendes zu lesen in anderen Blogs, auf die ich verlinken will. Krause Ideen. Kaum Unterricht letzte Woche, und wenn, dann nur Sitzplanerstellen und Bücherabzeichnen. Aber dafür viel Organisatorisches.)

Änderungen an der GSO (Bayern)

Zum Beginn des aktuellen Schuljahrs – 1. August 2010 – sind einige kleine Änderungen der GSO in Kraft getreten. Viele betreffen das Abitur, vorab angewendet wurde bereit die Erweiterung des möglichen Vorrückens auf Probe (bei welchen Noten auch immer) auf die Jahrgangsstufe 9. Echt neu sind ein paar Wörter in §37:

Bei Erkrankung von mehr als drei Unterrichtstagen oder bei Erkrankung am Tag eines angekündigten Leistungsnachweises kann die Schule die Vorlage eines ärztlichen Zeugnisses verlangen.

Kann, nicht muss. Bisher haben manche Schulen bereits so ein Attest verlangt, wenn ein Schüler an einem Tag mit einer Schulaufgabe (angekündigte größere Prüfung) nicht da war, aber das stand rechtlich vielleicht auf eher lockerem Boden. Ab jetzt ist das jedenfalls möglich.

– An die Bekanntmachungen angefügt war auch der Text des Gesamtvertrags zur Vergütung von Ansprüchen nach §52a UrhG. Der Vertrag ist zwischen den Ländern und acht Verwertungsgesellschaften abgeschlossen, darunter die GEMA und WG Wort; geregelt wird darin das “öffentliche Zugänglichmachen von Werken oder Werkteilen für Zwecke des Unterrichts an den Schulen.” Grundlage für den Vertrag ist §52a UrhG, der in Absatz 4 eine angemessene Vergütung für die Verwendung geschützten Materials in der Schule vorsieht.

Kleine Teile eines Werks (maximal 12% bzw. höchstens 5 Minuten), 25% eines Druckwerks (maximal 100 Seiten) und ganze Werke geringen Umfangs können einem abgegrenzten Kreis von Unterrichtsteilnehmern zugänglich gemacht werden. Aber nur, und das verstehe ich nicht ganz, “wenn das Werk nicht in zumutbarer Weise vom ausschließlichen Rechteinhaber in digitaler Form für die Nutzung im Netz der Schulen angeboten wird.” Wo kommt plötzlich die digitale Form her? Heißt das, wenn es eine zumutbare Grass-CD gibt, dass ich keinen Grass-Text kopieren darf?

Für diese Rechte (bis 31. Juli 2013) zahlen die Länder €1.760.000.- an die Verwertungsgesellschaften (bzw. die federführende VG Wort, die das dann wohl weiter verteilt). Außerdem wird es wieder repräsentative Erhebungen geben an Schulen, darunter zusätzliche an solchen, die geschütztes Material “in Intranets” stellen. “Dabei sollen während des gesamten Schuljahres Angaben über die eingestellten Inhalte erhoben werden; die genauen Modalitäten werden rechtzeitig gemeinsam festgelegt.” Nu ja.

Wegen einer Stunde in die Schule kommen!

Die Stundenplanung hat mich am Wochenende angerufen, ob es in Ordnung wäre, wenn ich – einer Kollegin würde dadurch der Plan verbessert – am Freitag jeweils nur eine Stunde hätte. Die Stundenplanung weiß, dass sie mich das fragen kann und dass ich nichts dagegen haben würde. Die normale Reaktion darauf ist allerdings wohl Entrüstung. Wegen einer Stunde in die Schule kommen! Ich habe selber schon Kollegen gesprochen, bei denen das mal vorkam. Deren erste Reaktion: reine Schikane, das hätte auch ein freier Tag sein können, aber das gönnen einem die Stundenplaner nicht. (Reiner Unfug.)

Ich komme fünf Tage in der Woche in die Schule, und wenn das einmal nur für eine Stunde ist, ist das doch auch egal. Etwas anderes ist es, wenn man lieber ausgewogene Pläne hat, mit ungefähr gleich viel Stunden jedem Tag. Das verstehe ich. Selber mag ich Schwankungen aber ganz gern, so mit einem langen Donnerstag von 2. bis 10. Stunde und dafür einem sehr kurzen Freitag.

Ansonsten: lebhafter Schuljahresanfang.

Wieviel Aufwand man mit einem warmen Käsebrot treiben kann

Man braucht dafür Folgendes:

Ich weiß nicht, wo und wann ich dem Käsebrot, von dem dieser Blogeintrag handelt, zum ersten Mal begegnet bin. “Welsh rabbit” oder “Welsh rarebit” hieß es, und das allein ließ mich das Gericht nicht vergessen. In jungen Jahren muss ich bei der Zubereitung des Gerichts einmal versagt haben, dunkel erinnere ich mich an so etwas.

Zum vorletzten Mal bin ich dem Gericht bei Karl Philipp Moritz begegnet, jawohl, dem von Anton Reiser, in seinem schönen Buch Reisen eines Deutschen in England im Jahr 1782, das es leider beim Project Gutenberg nur auf Englisch gibt. Nur beim Projekt Gutenberg gibt es das deutsche Original. Man beachte die andere Schreibweise: das mit dem k ist diese deutsche Seite, bei spiegel.de, nicht mit dem Project verbunden, ohne Downloadmöglichkeit für ganze Texte, mit urheberrechtlichem Anspruch auf “Auswahl, Anordung, Einteilung und Formatierung aller Dokumente” dort. Ich würde da nie als Freiwilliger mitarbeiten. Dennoch, der Reisebericht von Moritz ist schön, ich sollte mal etwas darüber schreiben. Und wie ich gerade nachsehe: es war gar kein Rarebit, sondern ein “Käse toast; dieß war am Feuer gebratner und halbgeschmolzner Chesterkäse, der wohl ein recht delikates Gericht seyn mag, wovon ich aber zum Unglück keinen Bissen essen konnte.”

Ja, englischer Käsebrot ist nicht für jeden etwas. Wer keine Angst davor hat, mag sich diesen Video anschauen:

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English cuisine at its most traditional.

Zum bisher letzten Mal bisher bin ich dem Gericht vor ein paar Wochen in freier Wildbahn in England begegnet, als alternativer Käsegang. Also dachte ich mir, das mache ich endlich mal selber. Bei Delia habe ich eine etwas feinere Variante gefunden: Mehl in Butter anschwitzen, mit etwas Milch aufkochen, Cayennepfeffer oder Paprika (auch für die Farbe), Worcestershiresaue, Senf, Eigelb, geriebener Käse dazu (halb Cheddar, halb Parmesan – beim nächsten Mal nur Cheddar). Das ergibt eine Pampe, die der aus dem Video nicht unähnlich ist:

Soweit noch traditionell. Dann wird aber geschlagenes Eiweiß untergehoben. Das lockert die Masse deutlich auf. Auf Brot gestrichen (Unterseite getoastet)…

…und noch einmal kurz unter den Grill:

Lecker.

Aber ehrlich gesagt, das war mir fast schon zu fein. Das nächste Mal ohne Eiweiß und dafür mit etwas Bier, wie es auch in vielen Rezepten steht. Wer möchte, hier ein traditionelleres Rezept:

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Ich und das Internet

Jens Scholz blickt auf 10 Jahre Blog zurück, und das macht mich auch ganz erinnerlich.

Dieses Blog gibt es seit 2004, ein erstes Blog hatte ich im Herbst 2003. Den ersten Gästebucheintrag (also fast schon Web 2.0) hatte meine erste Webseite 1998, die Webseite gibt es seit 1996. Im Internet bin ich seit 1994 oder 1995. Das weiß ich noch, weil ich kurz nach meiner technischen Einführung an der Uni – ein Hinterzimmer mit einer kleinen Gruppe von Interessierten, ganz unspektakulär – mein erstes Buch über das Internet kaufte, Der Internet Navigator von Paul Gilster (deutsche Ausgabe 1994).

In diesem Buch ging es um Telnet und Mail und FTP, das Usenet und das Bitnet, Gopher, Archie und Veronica (Very Easy Rodent-Oriented Netwide Index to Computerized Archives). Wie man sich RFCs schicken lassen konnte und FYIs. Ein kleines Zusatzkapitelchen widmete sich der neuesten Errungenschaft, dem WWW. Die WWW-Beispiele sind alle noch von reinen Textterminals, ohne Bilder, ohne markierte Links, die stattdessen nur Ziffern in eckigen Klammern gekennzeichnet waren. Und wie man sich, wenn man nur über einen Mail-Zugang verfügte, WWW-Seiten schicken lassen konnte, so dass man die nummerierten Links dann wiederum per Mail anfordern konnte. Mir ham ja nix ghabt. Na gut, an der Uni war auch schon der erste graphische Browser überhaupt installiert, Mosaic, so etwas gab es erst ab Herbst 1993.

An Computern hatte ich (oder mein Vater) zuvor einen 386er, einen Atari ST, einen Commodore 64. Davor ein CBM 8032 und sogar einen Commodore PET. Kein VC-20, aber eine Intellivison-Konsole und eine echte Rarität: die Magnavox Odyssey von 1972. (Einen Akustikkoppler gab’s auch im Haus, aber mit dem hatte ich nie zu tun.)


Aber ursprünglich wollte ich zu einem anderen Thema etwas schreiben, nämlich dazu, was an Veränderungen im Web kommen wird. Vorab: ich habe keine Ahnung. Aber einige Dinge werden viel diskutiert, von denen man gehört haben sollte. Deshalb auch für mich als Erinnerung eine Zusammenstellung.

Da ist die Frage der Netzneutralität. Darf ein Internetprovider manche Daten, die über seine Wege transportiert werden, bevorzugen? Manchmal muss er das, aber das ist eine andere Frage, hier schön erklärt. Manchmal muss er nicht: ein erfundenes Beispiel wäre, dass ein Provider alle Daten, die von Facebook kommen oder zu Facebook gehen, bevorzugt transportiert, also schneller. Dafür würde Facebook dem Provider natürlich Geld zahlen. Der Provider gibt diese Kosten an den Kunden weiter. Positiv gesehen: der Kunde bestellt quasi beim Provider das Paket “200% Youtube, 100% Facebook, 50% alles andere”, zum vorgegebenen Preis. Negativ gesehen: neue Dienste, die naturgemäß nicht in diesen Paketen enthalten sind, haben es schwerer, genutzt und damit bekannt zu werden (weil die Verbindung so langsam ist). Generell haben es kleine Dienste in diesem System schwerer. Könnte da plötzlich so etwas wie Twitter aus dem Nichts kommen und das Web umkrempeln? Innovation braucht Netzneutralität. Die Frage: sollen Provider so etwas anbieten dürfen?

Das andere Problem ist das mit dem Löschen und dem Sperren und dem Jugendschutz. Das Bundeskriminalamt will Websperren für Kinderpornographie, damit man die von Deutschland aus nicht ansehen kann. (Probleme: Wirksamkeit und Datensammlung. Aber okay.) Gegen den Vorwurf der Zensur wehrt sich der BKA-Präsident:

Etwas vom Gesetzgeber Verbotenes dem öffentlichen Zugriff zu entziehen, kann keine Zensur sein.

Das Lawblog schließt daraus, zu Recht, dass es mittelfristig eben keinesfalls nur um Kinderpornographie geht, die quasi nur der Türöffner ist, sondern grundsätzlich um “vom Gesetzgeber Verbotenes” gehen wird. Udo Vetter nennt
Online-Wettanbieter und Tauschbörsen. Heise vermeldet: “EU-Kommission debattiert über Filter gegen Copyright-Verstöße.”

Und vom Gesetzgeber ist Vieles verboten. Die Regeln für Kinderpornographie sind in jedem Staat verschieden, wenn die sich auch im Kernbereich natürlich einig sind. Aber schon bei gezeichneter Darstellungen von Nacktheit gibt es unterschiedliche Ansichten. Auch die Regel für das Copyright sind in jedem Staat verschieden, was in den USA als fair use gilt, oder was nicht mehr urheberrechtlich geschützt ist (fast alle Texte, die vor 1923 dort veröffentlicht wurden), kann in England oder Deutschland noch geschützt sein (weil der Urheber noch keine 70 Jahre tot ist). Auch die Meinungsfreiheit kennt in jedem Staat unterschiedliche Grenzen., Die jeder Staat – China, Iran, USA, Deutschland – für die sinnvollsten hält. Nationalsozialistische Propaganda ist in den USA erlaubt, hier verboten. Es ist nur konsequent, alles, was in Deutschland verboten ist, zu sperren.

In Deutschland gehen wir gerade auf ein Leistungsschutzrecht für Verlage zu: die möchten (unabhängig vom geltenden Urheberrecht und dem Zitatrecht) eine Pauschale vom Staat, weil ihre Texte im Web – etwa von Google – erfasst und verwendet werden. Eine Alternative wäre natürlich, die Texte einfach nicht ins Web zu stellen oder Google auszuschließen, aber man will ja daran verdienen. Ein weites Feld, hier könnte man anfangen zu lesen.
Gerade gibt es eine Klagewelle in den USA wegen Übernahme von Pressetexten, ganz oder teilweise, in Blogs. Wer ein Gerichtsverfahren scheut, geht auf einen Vergleich ein oder, bei uns, nimmt die Abmahnung hin, ob gerechtfertigt oder nicht. Gegen Plagiate habe ich auch etwas, für die Möglichkeit einer Diskussion im Web braucht es aber auch ein Zitatrecht (gerne noch weiter gehend als in Deutschland).

Am gewichtigsten ist vielleicht die laufende Novellierung des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags (JMStV). Der Gedanke: man muss – auch im Web – die Jugend vor Inhalten schützen, die ihre Enwicklung schädigen können oder die die Menschenwürde verletzen oder sonstige geschützte Rechtsgüter verletzen. (Siehe Urheberrecht und Grenzen der Meinungsfreiheit.) Lesenswerte Kritik daran beim AK Zensur, der “irreversible Schäden an einem sich entwickelnden kulturellen und sozialen Raum” befürchtet, dem öffentlichen Web. Ausländische Seiten bleiben vom JMStV unberücksichtigt, werden also – diese Konsequenz sehe ich jedenfalls – früher oder später gesperrt werden müssen, wenn keine internationale Altersfreigaberegelung kommt. Inländische Seiten, wie mein Blog, müssen durchgesehen werden, ob davon nicht eine “Erziehungsbeeinträchtigung” für sechsjährige Kinder ausgeht, oder ein Link auf eine solche. Wenn ja, muss man Maßnahmen. Vermutlich würde ich das ganze Blog sicherheitshalber mit der Altersbezeichnung “ab 18” markieren, aber ich weiß nicht mal, ob das reicht. Selbst wenn das noch so wäre: richtig geschützt wäre die Jugend dadurch ja nicht.
Ehrlich gesagt, es gibt viel richtig widerliches Zeug im Web – mehr als ich weiß, da ich nur selten auf Links stoße und denen nach ersten Versuchen auch nicht mehr nachgehe. Aber Wikipedia allein verlinkt unter manchen Artikeln (zum Thema “unappetitliches Zeug”) viele, viele Seiten, die bei Kindern sicher Übelkeit und Alpträume auslösen. Als ausländische Seite bleibt sie vom JMStV unbetroffen, aber darf ich noch darauf verlinken, wenn ich meine Seite für Minderjährige öffne?

Ob der Netzpferdchen-Ausweis die Lösung ist? Internetführerschein für unsere Kleinen, nur damit darf man ins Web.

Who writes like who? Verzeihung, whom. Oder doch who?

Nettes Spielchen: I Write Like, eine Seite, bei der man einen zusammenhängenden englischen Text eingibt, theoretisch selbst verfasst, und die Maschine sagt einem dann, welchem – Englisch schreibenden – Autor man ähnelt. (via Anke Groener)

Ich habe natürlich ausprobiert, was geschieht, wenn man gleich Texte englischer Autoren eingibt. Heraus kam:

  • Ray Bradbury schreibt wie Stephen King.
  • Rudyard Kipling schreibt wie Vladimir Nabokov.
  • Robert Leslie Bellem schreibt wie Nabokov.
    Oder wie H.G. Wells, wenn man den Textausschnitt erweitert.*
  • William Faulkner schreibt wie Margaret Mitchell.
  • Ernest Hemingway schreibt wie Raymond Chandler.
  • Henry James schreibt wie H.P. Lovecraft.
  • H.P. Lovecraft schreibt wie H.P. Lovecraft.

* Bellem muss man nicht kennen. Ein Spitzname für ihn ist Shakespeare of the Spicies. Pulpautor vom Feinsten.

Dass Hemingway und Chandler sich ähnlich sind, da ist etwas dran. Henry James und Lovecraft dagegen… das müsste man untersuchen.
Mögliches Spiel, auch für die Schule: man gibt einen Text eines selbst gewählten Autors ein und schaut, wem dieser Autor ähnelt. Dann muss man ein Textstück des neuen Autors suchen und eingeben und wiederum schauen, wem dieser ähnelt. Und so weiter, bis man irgendwann zu einem Autor kommt, der sich selber ähnelt, wie Lovecraft in meinem Versuch oben.