Bloggen, Root Beer Zahnpasta, Homo faber auf Google Earth

Gerade etwas erschöpft von allem. Letzte Woche 7 Zusatzstunden gemacht, diese Woche nur eine. Mit G9-Abitur und so ist gerade viel los.

***

Root Beer mochte ich schon vom ersten Schluck an, als ich zehn Jahre alt war. “Schmeckt nach Zahnpasta”, war die erste Reaktion und einhellige Beschreibung des Getränks in meiner Familie. Aber Geschmäcker ändern sich, vor allem in der Zahnpastenmode. Es hat zwanzig Jahre gedauert, wieder eine Zahnpasta zu finden, die – diesmal eben andersherum – nach Root Beer schmeckt. Frau Rau, der ich herzlich danke, auch für die zwei Extratuben, hat sie entdeckt:


(blend-a-med natur frisch. Meereskraft mit Mineralien, übrigens.)

***

Zu GoogleLitTrips habe ich schon mal geschrieben. Kurzfassung: auf Google Earth speichert man Markierungen für Handlungsorte, versehen mit Text oder Fotos, und kann sich so an einer Romanhandlung entlanghangeln. Der Q12-Kurs liest gerade Homo faber, und der Herr Faber reist nun wirklich sehr viel in diesem Roman, da bietet sich eine Veranschaulichung mit Karten an. Bei Lehrerfreund gibt es das schon fertig als schönes Unterrichtsmaterial zum Herunterladen. Ich habe lediglich die Blickwinkel zu den einzelnen Stationen geändert und meist näher an die Erdoberfläche gelegt – dann fährt die Kamera von einem Punkt zum nächsten tiefer über der Erde und man kriegt mehr die Reisendenperspektive mit.

***

Leider ziehen die Rechner in der Schule nicht so recht mit, auch wenn Google Earth installiert ist. Aber irgendwo zwickt und zwackt es prinzipiell an Schulrechnern, egal an welcher Schule. Wenn man sich auskennt, kriegt man sie meistens auch dazu, das zu tun, was man als Benutzer will – wenn man weiß, welches Kabel wohin gehört, und wie man den Windows Explorer ohne Maus und Startknopf starten kann, und wenn man die Grafikkarteneinstellung anzupassen weiß und so weiter. Mit einer Kollegin in der S‑Bahn darüber gesprochen: muss sie eigentlich wissen, welches Kabel wohin gehört? Meine erste Reaktion: klar, weil, ist ja auch nicht schwer, Grundwissen und so. Aber dann habe ich nachgedacht. Und nein, muss sie nicht. In keinem vergleichbaren Beruf wird erwartet, dass der reine Computernutzer sich so weit auskennt. Wenn da im Büro etwas nicht funktioniert, wird die Technik gerufen. Bei uns erwartet man, dass der Lehrer das selber im Griff hat, oder der Systembetreuer, der aber auch nur ein Lehrer ist, das schnell mal repariert. Die IT-Ausstattung an Schulen ist nicht ausreichend – nicht so, dass man einen Computer als zuverlässiges Werkzeug nutzen kann. (Und das sage ich, auch wenn die Ausstattung an meiner Schule sicher überdurchschnittlich ist.)
Als Lösung sehe ich nur, aber erst in vielen Jahren, Schüler mit ihren eigenen Tablet-Rechnern im Klassenzimmer. Die Schule sorgt für eine Internetverbindung, alles andere liegt in der Cloud.

***

Homo faber ist voll mit antiken Mythen, das sollen die Schüler in Referaten herausarbeiten und damit lernen, dass die griechische Antike eine der beiden Säulen unserer Kultur ist und überall Spuren hinterlassen hat. Die andere Säule ist eine orientalische Wüstenreligion, die hier viele Anhänger gefunden hat: das Christentum. Auch davon gibt es überall Spuren, im Kino etwa:


Kunsthistorikerin Lila: “Seit Jahren leite ich meine Stunde über christliche Ikonographie mit diesem Bild ein.”

– Angeregt dadurch ist mir wieder das Titelbild zu Uncanny X‑Men 136 eingefallen:

Das habe ich den Schülern gezeigt, zusammen mit zwölf anderen Titelbildern, die das gleiche Motiv zeigen. Kommt bekannt vor? In diesem Blogbeitrag, das noch längst nicht alle Titelbildvarianten zeigt, wird das Geheimnis gelüftet. Einige der Schüler haben das Orginal schon bei der Kursfahrt nach Rom gesehen.

***

Was ich jetzt lieber machen würde: die alte Bodybuilding-Werbung von Charles Atlas umschreiben, so dass aus dem 98-pound weakling, der am Strand vom Muskelpaket verspottet wird, ein 98-page weakling wird, der nach hartem Training in der Lage ist, auch dickere und anspruchsvollere Bücher zu lesen, damit er dann am Strand die ehrfürchtigen Blicke der Mädchen auf sich zieht. Nachtrag: Das Atlas-Original ist ein 97-pound weakling, nur in der Rocky Horror Picture Show wird er als 98-pound zitiert.

Und ich habe eine tolle Idee für ein Gerüchte-Legenden-Entwicklungssystem für eine Fantasy-Computerspielwelt, das ich gerne umsetzen würde. Aber das zu beschreiben dauert länger.

Der Regierungssprecher twittert

In einer anderen Ecke des Internets ist das schon fast durch, aber ich weiß nicht, wie sehr sich das herumgesprochen hat. Der Regierungssprecher twittert (als Regierungssprecher und im Auftrag der Regierung), schon eine Zeitlang, und die Hauptstadtkorrespondenten haben das herausgefunden.

Müssen wir das auch noch lesen/ist das nötig/ist das denn zuverlässig/haben wir noch nie gehabt – im Video wirkt alles noch ein bisschen peinlicher als in der Textfassung:

Der Inhalt ist nicht verfügbar.
Bitte erlaube Cookies, indem du auf Übernehmen im Banner klickst.

(Via Indiskretion Ehrensache, dort auch mehr dazu.)

Wer hat, dem wird gegeben

Als Kind hat mich am katholischen Gottesdienst eigentlich nur die Lesung und deren anschließende Interpretation interessiert. (War das die Predigt?) Ein Text, an dem ich stets zu kauen hatte, war das Gleichnis von den Talenten. Das war gut so, denn mir nutzte der Reiz widersprüchlicher Texte. Hier ist er:

Das Himmelreich ist wie mit einem Mann, der auf Reisen ging: Er rief seine Diener und vertraute ihnen sein Vermögen an. Dem einen gab er fünf Talente Silbergeld, einem anderen zwei, wieder einem anderen eines, jedem nach seinen Fähigkeiten.
Sofort begann der Diener, der fünf Talente erhalten hatte, mit ihnen zu wirtschaften, und er gewann noch fünf dazu. Ebenso gewann der, der zwei erhalten hatte, noch zwei dazu. Der aber, der das eine Talent erhalten hatte, ging und grub ein Loch in die Erde und versteckte das Geld seines Herrn.
Nach langer Zeit kehrte der Herr zurück, um von den Dienern Rechenschaft zu verlangen.
Da kam der, der die fünf Talente erhalten hatte, brachte fünf weitere und sagte: Herr, fünf Talente hast du mir gegeben; sieh her, ich habe noch fünf dazugewonnen. Sein Herr sagte zu ihm: Sehr gut, du bist ein tüchtiger und treuer Diener. Du bist im Kleinen ein treuer Verwalter gewesen, ich will dir eine große Aufgabe übertragen. Komm, nimm teil an der Freude deines Herrn!
Dann kam der Diener, der zwei Talente erhalten hatte, und sagte: Herr, du hast mir zwei Talente gegeben; sieh her, ich habe noch zwei dazugewonnen. Sein Herr sagte zu ihm: Sehr gut, du bist ein tüchtiger und treuer Diener. Du bist im Kleinen ein treuer Verwalter gewesen, ich will dir eine große Aufgabe übertragen. Komm, nimm teil an der Freude deines Herrn!
Zuletzt kam auch der Diener, der das eine Talent erhalten hatte, und sagte: Herr, ich wusste, dass du ein strenger Mann bist; du erntest, wo du nicht gesät hast, und sammelst, wo du nicht ausgestreut hast; weil ich Angst hatte, habe ich dein Geld in der Erde versteckt. Hier hast du es wieder.
Sein Herr antwortete ihm: Du bist ein schlechter und fauler Diener! Du hast doch gewusst, dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe, und sammle, wo ich nicht ausgestreut habe. Hättest du mein Geld wenigstens auf die Bank gebracht, dann hätte ich es bei meiner Rückkehr mit Zinsen zurückerhalten. Darum nehmt ihm das Talent weg und gebt es dem, der die zehn Talente hat! Denn wer hat, dem wird gegeben, und er wird im Überfluss haben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat. Werft den nichtsnutzigen Diener hinaus in die äußerste Finsternis! Dort wird er heulen und mit den Zähnen knirschen. (Matthäus 25,14–30)

Warum war der Text widersprüchlich für mich? Weil er mir so eindeutig ungerecht erschien. He, der Diener sollte das Talent aufbewahren, und das hat er getan. Und dann wird er geschimpft dafür. Unfair! Außerdem kam dieser phantasielos wörtlich nehmende Diener meinem eigenen analytischen Wesen am nächsten. Wenn der Herr etwas anderes gewollt hätte, hätte er sich gefälligst deutlich ausdrücken sollen.
Vielleicht habe ich damals nicht verstanden, was gemeint ist mit: “vertraute ihnen sein Vermögen an”, und welcher Auftrag dahintersteckt. Hier scheint es mir sehr auf die Übersetzung anzukommen, jedenfalls lautete der Auftrag des Herrn in meinem Verständnis immer: “Pass gut darauf auf”, und sonst nichts. Heute nehme ich mal an, der Herr hat damit etwas anderes gemeint. Das nächste Mal die Sprechakte etwas expliziter, bitteschön!

(Im Lukas-Evangelium heißt es im analogen Gleichnis: “Macht Geschäfte damit, bis ich wiederkomme.” Das hätte ich verstanden. Anscheinend ist mir immer nur das Matthäus-Evangelium untergekommen.)

Aber noch aus anderen Gründen haderte ich mit diesem Gleichnis. Zum einen glaube ich nicht, dass man verpflichtet ist, aus seinen Talenten etwas zu machen, jedenfalls wenn man darin Talente in der konkreten heutigen Bedeutung versteht: musikalische Begabung, Zeichenbegabung, sonstige Begabungen. Vor allem hat mich aber das Ungerechte an dem Prinzip: “wer hat, dem wird gegeben” gestört.

Aaaaaaandererseits… wie ist das so mit dem Lernen in der Schule? Wer viel weiß, wird bald noch mehr wissen. Oder von mir aus auch modemäßig kompetenzorientiert: Wer viel kann, wird bald noch mehr können. “Wie schwierig ist doch der Lernprozeß – man hat vom Lernen eigentlich erst was, wenn man schon eine Menge gelernt hat” (Lila). Das deckt sich auch mit meinem Verständnis von Konstruktivismus: wer sich schon viel konstruiert hat, kann Neues um so leichter irgendwo einbauen. Und der Matthäus-Effekt gilt wohl auch für die Schule: “Wenn man Schüler über einen längeren Zeitraum hinweg beobachtet, so fällt auf, dass die Schule vorhandene Leistungsunterschiede verstärkt.” (Wikipedia, und hiermit gebe ich zu, dass ich zum Forschungsstand hierzu nicht die geringste Ahnung habe.)

Wenn es diesen Effekt wirklich gibt, und ich zweifle nicht daran: kann man das verhindern? Soll man das verhindern? Klafft die Schere dann nicht immer weiter auseinander? Ich denke, das tut sie, und das will auch keiner ernsthaft verhindern.

(Subjektiv wird das Problem vielleicht gar nicht so wahrgenommen. Dieser Aufsatz – “Why people fail to recognize their own incompetence” (pdf), schon mal verlinkt – legt nahe, dass Studenten ihre eigene Leistung proportional um so mehr überschätzen, je schlechter sie sind. Wie sehr das übertragbar ist, weiß ich allerdings nicht.)

Letztlich kommt es ja nicht darauf an, wie groß die Menge an Wissen ist, die sich jemand – ausgestattet mit den nötigen Kompetenzen dazu – konstruiert hat. Um es mit Josh Billings zu sagen: “It ain’t what a man don’t know that makes him a fool, but what he does know that ain’t so.” Darauf nehmen die Lerntheorien wohl alle wenig Rücksicht.

Zeichensätze in Webseiten einbinden

Nur um zu zeigen, dass es geht, Sonett Nummer 15 von Edmund Spenser:

Ye tradefull merchants, that with weary toyle
Do ſeeke moſt pretious things to make your gain,
And both the Indias of their treaſures ſpoile,
What needeth you to ſeeke ſo farre in vaine?
For loe my love doth in her ſelfe containe
All this world’s riches that may farre be found.
If ſaphyres, loe her eyes be ſaphyres plaine;
If rubies, loe her lips be rubies ſound;
If pearls, her teeth be pearls both pure and round;
If yvorie, her forhead ivorie weene;
If gold, her locks are fineſt gold on ground;
If ſilver, her faire hands are ſilver ſheene.
But that which faireſt is, but few behold:
Her mind, adorned with vertues manifold.

Das Gedicht oben ist keine Grafik, sondern benutzt einen schönen alten Zeichensatz aus dem 17. Jahrhundert (etwas zu spät für Spenser). Dieser exotische Zeichensatz dürfte aber auf keinem Rechner meiner Leser vorhanden sein, er ist vielmehr derart eingebunden, dass er beim Laden der Seite mit übertragen wird.

Am einfachsten bettet man einen Zeichensatz ein, indem man die ttf- oder otf-Datei in ein Verzeichnis hochlädt, in diesem Fall gleich das, wo die CSS-Datei liegt, und diese Information dann so in die CSS-Datei schreibt:

@font-face {
  font-family: IM FELL English Pro;
  src:url('IMFeENrm29C.otf');
}

Alternativ außerhalb der CSS-Datei, also im Kopf einer konkreten Seite oder sonstwo:

<style type="text/css">
  @font-face: {
    font-family: IM FELL English Pro;
    src:url('http://pfad/zur/datei/IMFeENrm29C.otf');
  }
</style>

Dann kann die Schrift IM FELL English Pro – die Namen kann man natürlich selber wählen – wie jeder andere Zeichensatz verwendet werden, in der CSS-Datei selber oder in einem div-Block anderswo:

<div style="font-family: 'IM FELL English Pro','Times'"> ... </div>

Das Hochladen des Fonts macht in meinem Fall noch einmal 190 KB aus.

Der Zeichensatz, den ich verwendet habe, gehört zu den Fell Types, wenn man dem Link folgt, erfährt man mehr zu deren Entstehungsgeschichte. Man kann dort auch alle dreizehn Fonts anschauen und herunterladen.

Diese Reihe von Zeichensätzen ist unter der SIL Open Font License, Version 1.1 veröffentlicht. Und deswegen darf ich sie hier auch anwenden – die meisten Zeichensätze auf den eigene Rechnern dürften nicht unter einer derartigen Lizenz stehen, so dass man sie vermutlich nicht einbinden darf – denn bei jedem Aufruf einer solchen Seite wird ja der gesamte Zeichensatz an einen fremden Rechner übermittelt.

(Und wie findet man so was? Na, über ein Rollenspielblog natürlich.)

– Man beachte auch das lange ſ. Die Regeln für die Verteilung von langem ſ und s stehen bei Wikipedia oder im Duden. Faustregel, die meist gilt: am Anfang und im Inneren eines Worts oder genauer: Wortbestandteils (Morphem) lang, am Ende kurz. Oft sieht man Altertümelndes ohne langes ſ, da schüttelt man dann immer den Kopf über die Zeiten und Sitten heutzutage.

Beim habe ich die Ligatur durchgeführt, also die typographische Verbindung der beiden Buchstaben. Das ist nämlich ein Standardzeichen. Auf die verschiedenen Ligaturen beim ſ habe ich verzichet. Die sind zwar im Zeichensatz vorhanden, aber in anderen Zeichensätzen – mit kurzem s – gibt es natürlich keine Entsprechung dafür, so dass manche Blogleser noch mehr Schwierigkeiten hätten, den Text zu lesen. Denn nicht alle Browser unterstützen dieses Einbetten von Fonts, wer also einfach die Schriftart Times sieht, sieht leider gar nicht, worum es geht. Safari (außer: iPad etc.), Firefox, Google Chrome, Opera dürften keine Probleme haben; Internet Explorer unterstützt wohl – wen wundert’s – nur das eigene proprietäre Format. Und zumindest mein Windows-Firefox stellt die Schrift auch nicht besonders gut dar, deshalb habe ich sie auch so groß gemacht. Safari glättet die Schrift schon sehr viel besser.

Expressionistische Gedichte, gefälscht

Zwischendurch gemacht in der Q12: Jeder Schüler sollte ein Gedicht schreiben, das – für Mitschüler – möglichst nicht von einem echten expressionistischen Gedicht zu unterscheiden war. Danach sollten die Gedichte bei Moodle hochgeladen werden, wo ich sie dann zusammenstellen und eine Abstimmung darüber anlegen würde. Und so geschah es auch: letztlich schafften es dreizehn der anwesenden Schüler, ihr Gedicht pünktlich abzuliefern; ich legte selber noch ein nachgemachtes Gedicht von mir dazu (im Unterricht entstanden) und ließ den Parallelkurs abstimmten, welches unter den Gedicht das angeblich echte sei.

Erstaunlicherweise verteilten sich ein Großteil der Stimmen auf genau zwei Gedichte, und meines war nicht dabei. Die Gewinner bekamen Schokolade. Ein echtes expressionistisches Gedicht war entgegen meiner Ankündigung nicht dabei gewesen, da ich vermutet hatte, dass das dann doch jeder sofort erkennen würde. Inzwischen bin ich mir nicht so sicher.

Ich habe hier mal die Schülergedichte, das Lehrergedicht und ein echtes Gedicht aus der Sammlung Menschheitsdämmerung von Kurt Pinthus in alphabetischer Folge zusammengestellt. Ich habe drei Fragen, falls jemand meiner Leser mitspielen möchte: welches Gedicht ist das echte, welches ist von mir, welches haben die Schüler mit Abstand zu einem echten erklärt?

1
Das Ende

Von weit her nähert es sich an,
Der Schneesturm es begleitend.
Es baut sich auf wie ein Mann,
Die Gnade vom Gesichte weichend.

In einem schnellen Tanze es sich bewegt.
Durch das Dunkle der Gassen sich frisst.
Wo es brauste, sich nichts mehr regt.
Es nimmt des Menschen letzte Lebensfrist.


2
Die Lagerfeuer an der Küste rauchen.
Ich muss mich niederwerfen tief in Not.
Leoparden wittern mein Gesicht und fauchen.
Du bist mir nahe, Bruder Tod.

Verworren zuckt Europa noch im Winde
Von Schiffen auf dem fabelhaften Meer;
Durch die ungeheure Angst bricht her
Schrei einer Mutter nach dem kleinen Kinde.


3
Es wird dunkel, die Nacht bricht herein.
Das tödliche Ungeheuer nähert sich der Stadt,
und die Bewohner beginnen zu schrein.
Der feurige Atem entzündet die Wälder
und vernichtet die Welt; doch als die Sonne erwacht
wird die Welt neu gemacht.


4
Gebäude brennen lichterloh,
Kinder schauen nicht mehr froh.
Schweifende Blicke gehen umher,
Leben gibts nun nimmermehr.

Gebäude brennen lichterloh,
nun hüpfen Flammen, wie die Kinder so.
Ein lachendes Inferno frisst die Stadt,
Feuer setzt die Stadt schachmatt.


5
Häuser stehen leer,
es brennt.
Menschen laufen wild umher,
man rennt.

Winde wehen von den Türmen,
man fängt an die Bank zu stürmen
um dann noch sein letztes Geld,
in der kaputten, toten Welt
in den Kneipen auszugeben.

Häuser stehen leer,
es rennt.
Menschen laufen wild umher,
man brennt.


6
Leute laufen durcheinander, umeinander, umher
tausend helle Schreie toben in den Gassen laut
durch die Straßen jagt ein riesen Menschenmeer
bis in der Früh der Morgen graut

Von den Dächern stürzen schwarze Felsen
und schlagen einen Jeden tot
Millionen schreien aus vollen Hälsen
und das Menschenmeer wird langsam rot.


7
Nachtruhe

Schwarze Nacht. Fahrt
Ohne Ende tönen Wogen,
Schleppen Schleier aus Dunst
In die lichtlose Stadt.
Kein Schrei, nur jede Ecke
Misstraut der nächsten Kante
Und Kurven flüchten in die Dunkelheit.
Dunst und hoher Kamine Rauch
Türmen sich zu Missgebilden,
Töten wenn der Morgen graut.


8
Neuanfang

Die Welt geht unter
auch Gott lässt sie sterben, denn ihn gibt es nicht.
Menschen munter Welt zu retten
wirres Chaos entbricht

Menschenfluten in den Scherbenhaufen der Städte,
Lüstern,
Neues zu erschaffen.
Die Muskeln des Untergangs langsam erschlaffen.

Der Neuanfang liegt nun im Bette
und erwacht.


9
Nudrev

Kanonen kriechen schreiend Richtung schwarze Mauer,
Feuer trümmert Hand entzwei,
Ostens steht des Reiters rote Auge Lauer,
Gleich zerstört das Heer in Reih‘.

Tausend Waffen sind schon tot,
Tyrann den Zug regiert,
Blauer Fluss in großer Not,
Schwarz Tod den Mord negiert.


10
Schicksal

In den Städten peitschte die rote Feuerbrunst,
Keiner mag das Ausmaß kennen, es zu überleben
Und schaut, hört ein neues dunkles Beben,
Warum geschieht dies hier, die Menschen haben keinen Dunst

Es ward Morgen, als alles still und farbenfroh erwachte,
Doch von den Städten waren keine Massen
Es war das Ende vieler, es rasteten alle Rassen
Nur das blaue Meer bewegte sich sachte1


11
Schwarze Fahnen windig wehen,
Häuserdächer tiefes Gröhlen,
Tod und Teufel durch die Gassen,
um zu holen diese Massen.
Wie Nacht und Nebel, Finsternis und Dunkelheit,
die Welt dem Ende, Dämmerung und Einsamkeit.
Bis zum Morgen, Angst und Schrecken,
bis die Glocken Menschen wecken.


12
Untergang

Dunkel färbt sich der Himmel,
Schreie laufen durch das Land
und von den Vögeln überall Gewimmel.
So war’s bisher niemandem bekannt!

Die Meere türmen sich zu Bergen,
Häuser brechen in sich zusammen,
Menschen laufen auf Millionen Scherben.
Alle sind in dieser Welt gefangen.


13
Vom Mantel springt dem dicken Mann ein Knopf
Und Mädchen lächeln wohlig und verzückt.
Ein Herr verliert im Übermut den Kopf
Und ferne Hunde bellen wie verrückt.

Die Züge fahren auf den morschen Schienen
Und Pferde legen sich zum Sterben hin
Herunter purzeln Reitersleut mit ihnen
Und freuen sich an ihrem heitern Sinn.


14
Welt der Kontraste

Brennend kommt er der Stadt entgegen,
brennend die Lichter auf allen Wegen.
In Dunkelheit und Kälte sehr
die Nacht entzündet die Flammen wie Meer.

Mal warm, mal kalt, dunkel und hell
die Welt geht zu Grunde mal langsam, mal schnell.
Sie fallen und fallen, die Welt, der Himmel ist grell
er stirbt und raucht auf dem brennenden Fell.


15
Zerrissen sind die ansichten
Voller zweifel findet sicht
Alles gleicht dem nichten
Am ende entsteht licht
Verlangen steigert sehr
Ende ist nicht mehr

Wie oben angedeutet: ich bin mir nachträglich nicht sicher, dass Schüler das echte Gedicht als solches erkannt hätten. Ich bilde mir erstens ein, dass das echte Gedicht herausssticht unter all den anderen, und dass ich zweitens bei fast allen Schülergedichten den Finger auf eine Stelle legen kann, von der ich sage: hier hakt es! (Auch wenn der Rest gut ist.) Und ich glaube drittens, dass meine Schüler diese Stellen nicht als solche erkennen.

Das soll übrigens kein Vorwurf an die Schüler sein, sondern eine Feststellung. Vielleicht ist das auch gar nicht schlimm. Vielleicht ist das auch ein Punkt, um didaktisch anzusetzen. Ich würde gerne mehr Lyrik machen, aber weniger Epochen. Und einen Wahlkurs “Gedichte schreiben” vielleicht.

Recherchieren in der Bibliothek

Das habe ich beim Webweiser gefunden:

Der Inhalt ist nicht verfügbar.
Bitte erlaube Cookies, indem du auf Übernehmen im Banner klickst.

Das ist einer von drei Videos zum Thema Recherche in Bibliotheken. (“Ein Projekt der Akademie für Leserförderung der Stiftung Lesen an der Wilhelm Leibniz Bibliothek Hannover”, Bindestriche hat man jetzt gar nicht mehr.) Die Schüler im Video sind jünger als meine, aber im Moment probiere ich das mit einer 7. Klasse aus, habe auch die Videos im Unterricht gezeigt. Die Schüler klagen zwar darüber, dass sie am Anfang so ein Plakat erstellen sollen, aber ich halte das Vorgehen für sinnvoll – ob es das wirklich ist, wird sich zeigen.

Der Knackpunkt ist für mich der, und, so formuliert, eigentlich banal: die Referenten-Rechercheure überlegen sich vorher schriftlich, welche Fragen Sie zu einem Thema haben. Und erst dann beginnt die eigentliche Recherche. Oft ist es bei Referaten nämlich anders: man stellt als Lehrer ein Thema und gibt den Schülern weder Leitfragen vor noch lässt man sie erarbeiten. Und die Schüler lesen dann zuerst den Wikipedia-Artikel dazu, danach noch zwei oder drei relativ willkürlich ausgewählte Quellen, und fassen dann einfach alles zusammen.

Anders ist es, wenn man die Schwerpunkte vorher setzt. Dann verzettelt man sich zum einen nicht, und zum anderen muss man notfalls eben weiter recherchieren, nämlich so lange, bis man die Antworten auf die Fragen gefunden hat. Ob das wirklich so einen Unterschied macht, weiß ich nicht; aber ich möchte in Zukunft vor Referaten nicht nur das Thema wissen oder vorgeben, sondern die Fragen dazu sehen.

Dial L for Listening

Ich bin seit einiger Zeit nicht mehr bei der Telekom, sondern kriege mein Telefon über meinen Internetanbieter. Dort kann ich mir ohne weitere Kosten zusätzliche Telefonnummern anlegen und auch wieder löschen, 10 Stück davon. Diese Nummern kann ich mit digitalen Anrufbeantwortern versehen, über mein Telefon und meinen Router oder über eine Webschnittstelle, wo ich eine Audiodatei hochladen kann (.wav, 8 kHz, also eher low-fidelity).

Ich unterrichte ja kein Englisch mehr, aber wenn es doch mal wieder dazu kommt, werde ich mir zwei oder drei Nummern einrichten mit Ansagetexten verschiedenen Schwierigkeitsgrads, und dann lasse ich in der Schule Schüler die Nummern anrufen und mir den Inhalt der Nachricht mitteilen. Eventuell ist auch gleich ein Arbeitsauftrag dabei. Ganz umkompliziert und spontan einsetzbare Hörverstehensübung.

(Ja, man braucht dazu Telefon im Klassenzimmer oder einsetzbare Handys. Zur Not, aber das würde viel vom Witz wegnehmen, könnte ich auch mein eigenes Handy anbieten; Anrufe wären dann kostenlos – wieviel und ob das sonst etwas kostet, hängt von den Tarifen der Schüler ab. Und klar, ein echter Mensch am anderen Ende – so wie bei dieser Hörverstehens-Schnitzeljagd an der Uni – wäre natürlich noch schöner.)

Optional müssen Schüler auch gleich einen Text als Reaktion auf meine Ansage aufsprechen. Der wird, digitaler Anbieter macht es möglich, automatisch als Audiodatei an eine beliebige E‑Mail-Adresse geschickt (und dann vom digitalen AB gelöscht, man will ja nicht zuviel herumliegen haben). So kriege ich bequem die Aufnahmen.

– Was ich mir eh schon eingerichtet habe: eine private Telefonnummer ohne Ansagetext, aber mit Aufnahmemöglichkeit und Weiterleitung der Audiodatei an meine E‑Mail. So kann ich mir schnell Audionotizen aufs Handy aufsprechen, die ich dann gleich auf dem Rechner habe, ohne erst ans Handy zu müssen.

Nachtrag: Eine eigene Nummer für den Anrufbeantwortner ist ohnehin keine schlechte Idee. Nicht nur für mich, das sollte jeder haben. Es kommt doch immer wieder vor, dass man Leute gar nicht persönlich sprechen möchte, sondern ihnen nur etwas aus Band sagen will. Wenn da jeder eine eigene Voicemail-Nummer hätte: wie praktisch.

The Golden Age 2: Perry Rhodan

In den letzten Wochen habe ich viele Hörbücher von meiner Festplatte angehört, die endlich mal wegmussten. Hauptsächlich Fontane und solche Sachen, aber auch Perry Rhodan Band 2300 aus dem Jahr 2005, den ich mir damals aus dem Web geladen habe. (Download inzwischen hier.)

Und grad schön war’s. Ich meine, ich kann das keinem meiner Leser einfach so empfehlen, aber wer’s mag, fur den ist es das Höchste, wie man so sagt. Und für jemanden wie mich auch, der eine Perry-Rhodan-Vergangenheit hat, und es gibt schlimmere Leichen, die man im Keller haben kann. Ich habe nur ein paar Jahre lang Perry gelesen, vielleicht zwei oder drei, aber von den ersten 1000 Heften habe ich vermutlich fünfhundert gelesen – die ersten dreihundert, und dann zwischendrin noch viele andere, dazu einige Dutzend PR-Taschenbücher.

Beim Anhören von Heft 2300 kamen viele Erinnerungen auf, Figuren, an die ich Jahrzehnte nicht mehr gedacht habe, die ich aber mit dem wunderbarsten Erinnerungen verknüpfte. Siganesen, Roi Danton, die USO, Alaska Saedelare, Schreckwürmer, Molkex, die Blues, Meister der Insel, ES, Crest, Arkoniden, Haluther, Unither. Das war so ähnlich wie beim Anhören von Wilhem Hauffs “Geschichte von dem Gespensterschiff”, das ich als Kind als Hörspiel hatte, und dessen exotisch-magische Namen ich auch schon wieder vergessen hatte. (“Mein Vater hatte einen kleinen Laden in Balsora.”)

Ich habe dann in der Perrypedia geblättert, könnte allein schon vom Ausgangspunkt “Kurioses in Romantiteln” stundenlang herumlesen. Na, und erst die wunderbaren Titelbilder von Johnny Bruck!

Ähnlich wie Leute mit Griechisch-Leistungskurs erkennen sich auch ernsthafte Perry-Rhodan-Leser auch noch Jahrzehnte danach; in meinen Kreisen gibt es leider kaum welche davon. Wie gerne würde ich mal wieder fachsimpeln und mich über die neuesten Entwicklungen informieren lassen. Viele gibt es davon ja nicht, das liegt im Wesen solcher Serien. Trotzdem sammeln sich in zweieinhalbtausend Heften, weiteren Taschenbüchern und begleitenden Serien schon sehr viel Geschichten an – immerhin durchgehend seit 1961. Der Serienkosmos wächst von Heft zu Heft, so dass es früher oder später zu jedem beliebigen Thema und zu jeder Figur in der Serie sehr viel in einem Lexikoneintrag zu schreiben gibt. Das macht die Lexikoneinträge für Außenstehende dann etwas kryptisch:

Anmerkung: Im Kommentar zu PR 2039 wird die Parabegabung der Antis ebenso wie die der Vincraner auf das Abjin der Lemurer zurückgeführt. Diese nicht besonders stark ausgeprägten paranormalen Kräfte wurden durch den Kontakt mit der Megaintelligenz ZEUT besonders gefördert. Die Abjin-Kräfte traten daher bei den auf Zeut angesiedelten Lemurern und ihren Nachkommen besonders gehäuft und ausgeprägt auf. Interessant ist, dass schon die Zeut-Ellwen die für Akonen und Arkoniden und die von ihnen abstammenden Völker charakteristische knöcherne Brustplatte anstelle von Rippen besaßen. (Perrypedia)

Wenn man das verstehen will, muss man sich schon einlesen in das Perry-Universum. Anders als bei den ähnlich gewachsenen Universen von DC beziehungsweise Marvel Comics hat es allerdings und glücklicherweise nie eine kosmische Notbremse gegeben. Das waren bei DC Crisis on Infinite Earths (und Zero Hour), bei Marvel mindestens One More Day (und jede Menge X‑Kram, den ich nicht mitkriege). Diese kosmischen Notbremsen dienen dazu, einem dem Verlag unliebsam gewordenen Zustand des jeweiligen Kosmos gewaltsam und gegen alle internen Naturgesetze zurechtzurücken – so wird man zu viele Helden oder zu viel Hintergrundgeschichte los. Perry Rhodan hat den Vorteil, dass es sich in die Zukunft fortbewegt und deshalb mehr Raum für Veränderungen hat als Marvel und DC.

Könnte man auch mal eine Arbeit schreiben, die das Universum von DC, Marvel, Star Trek, Star Wars und Perry Rhodan hinsichtlich solcher Sachen vergleicht.

Vorerst und zum Schluss aber etwas Leichteres:

Warum, schreibt Dieter K. aus Brüssel,
hat Perry Rhodan keinen Rüssel?
Dr. Ara klärt: Das geht nicht, Dieter,
er ist Terraner, kein Unither.

Diese Vierzeiler waren eine kleine Mode, damals, mit fünfzehn Jahren oder so, vielleicht auch nur in meinen Kreisen Das ist der einzige, an den ich mich noch erinnere. For what it’s worth.

The Golden Age 1: Call of Cthulhu

“Es ist sehr interessant,” sagte ich zu Frau Rau, “die Live-Aufnahme eines Rollenspielszenarios als Podcast zu hören, bei dem man selber mal Spielleiter war, weil man dann die Geschichte und die Hintergründe schon kennt und das Verhalten der Spielergruppe mit der eigenen damals vergleichen kann.”

“Das ist eine sehr spezielle Definition von ‘interessant’,” sagte Frau Rau.

Trotzdem höre ich gerade Episode 24 von “Horror on the Orient Express: Audio Game Recording” (Links zu Episoden). Horrors on the Orient Express ist eine umfangreiche Kampagne für das Rollenspiel Call of Cthulhu, und eine erfahrene Gruppe von Spielern hat sie durchgespielt und aufgenommen. 18 Monate, 34 Episoden, jeweils so um die zwei Stunden lang. Hier das Intro:

Der Inhalt ist nicht verfügbar.
Bitte erlaube Cookies, indem du auf Übernehmen im Banner klickst.

Prof. Alphonse Moretti (Prof. Emeritus, European History, Univ. Florence), Betty Sunderland (Egyptologist), Col. Neville “Never” Goodenough (Military Engineer, Rtd.), Violet Davenport (Magician’s Assistant) und Grace Murphy (Secretary to Mrs Sunderland) erleben dabei spannende Abenteuer. Die – britischen – Spieler haben solche Audioaufnahmen schon mit mehreren Kampagnen produziert, das Spiel geht manchmal eher Richtung Impro-Theater. Mehr Rollenspiel als bei uns damals, aber weniger Horror. Und etwas zu lang. Orient Express haben wir zwar nie gespielt, aber die ersten vier Episoden des Spiels bestehen aus “The Auction”, einem Szenario aus The Asylum & Other Tales, und da wiederum war ich damals Spielleiter. (Meine Spieler kamen sofort darauf, wer der Schurke und verkappte Kultist war. Im Podcasts läuft das eleganter ab.)

Sicher nicht für jeden. Aber ich freue mich schon auf die letzte Woche begonnene Serie “Shadows by Gaslight”. Dabei wird eine der ersten und besten Kampagnen nachgespielt, “Shadows of Yog-Sothoth”, die bei uns damals ein großer Erfolg war. Auch weil sie noch kürzer und übersichtlicher ist als die späteren, weit umfangreicheren Masks of Nyarlathotep, Beyond the Mountains of Madness oder eben Orient Express. Allerdings spielt diese Version im späten 19. Jahrhundert, Gaslight eben. Bin gespannt, was das für einen Unterschied macht. Traditionell spielt man nämlich in den 20er Jahren, auch wenn es Versionen gibt für die 1950er Jahre, die Gegenwart, das antike Rom, und bestimmt noch weitere.

Nachtrag: Die erste Podcast-Episode von Shadows war noch nicht so besonders. Auch hier ist allerdings ein anderes Szenario zum Einstieg vorgeschaltet.

Natürlich möchte ich das irgendwann mal mit Schülern machen. Nicht die Audioaufnahme, aber ein kleines Call-of-Cthulhu-Spielchen, auf Englisch. Vielleicht geht mal was als Konversationsübung im Rahmen eines W‑Seminars. Das müsste doch ein Redeanlass sein, wenn es heißt: “There’s a knock at your door” oder: “The crazy cultist is running towards you, shouting words in a language that you don’t understand.” Pädagogisches Material dazu: flash cards mit den wichtigsten Vokabeln und Bildern dazu, also shotgun, rope, ancient tome, heathen idol und so weiter.

Wie ich einmal in einer Quizshow war

Nachdem Herr Klinge von seinen Fernsehquiz-Erfahrungen berichtet hat, muss ich auch mit meinen herausrücken. Eigentlich kann ich gar nichts dafür, und ich habe auch nur eine kleine Rolle dabei gespielt. Es war das Jahr 2000. Mein Freund U. guckte diese Quizshows im Fernsehen, ein relativ neues Format, das gerade boomte, und er bewarb sich für eine Sendung, Risiko, glaube ich. Dort konnten sie ihn nicht gebrauchen, aber er blieb in der Kartei, und als SAT1 ein neues Format namens Das Millionenquiz herausbrachte, kriegte er eine Einladung dazu.

Das Problem: er musste – kurzfristig – einen Mitspieler mitbringen. Frau Rau sagte für mich zu, da ich selber gerade im Schüleraustausch unterwegs war. Also flogen U. und ich wenig später nach Amsterdam zur Aufzeichnung.

Das Millionenquiz war ein ungeschicktes Format. Es gab vier verschiedene Runden, in der ersten wurde aus zweimal 6 Kandidaten jeweils ein 1 Gewinner ermittelt, und diese beiden spielten dann mit ihren Partnern die Runden zwei und drei gegeneinander, und die vierte Runde spielte dann nur ein Sieger allein mit dem Mitspieler als Joker. Unnötig kompliziert für die Zuschauer. Gut war aber folgende Idee: Man fing, sagen wir, mit einer Million Euro an. Bei den üblichen Multiple-Choice-Fragen konnte man diese Summe auf die verschiedenen Antworten aufteilen: 400.000 auf A, 600.000 auf B, weil man sich da nicht richtig entscheiden kann, nichts auf C und D, weil man sich da sicher ist, dass die Antworten nicht stimmen. Weitergespielt wird dann mit 600.000 Euro, wenn Antwort B richtig war. Für Chancenausrechner eine schöne Sache.

Die Auswahlrunde am Anfang dagegen war weniger durchdacht. 6 Spieler versuchten, schneller als die anderen eine Frage zu beantworten. Wer als erster die Antwort hatte, konnte einen der übrigen Mitspieler aus dem Spiel herausschmeißen. Beim ersten Mal war das noch Glück, danach wählt man dafür natürlich den, der die vorhergehende Frage richtig beantwortet hat. Der hat dadurch schließlich demonstriert, dass er als möglicher Konkurrent ernst zu nehmen ist. Für Spieltheoretiker eine schöne Sache.

Während der Vorbereitung der Show saßen die Kandidaten alle stundenlang zusammen. Natürlich überprüft man da, welcher der anderen wie gut ist. Wenn sich da zwei finden, die sich beide für gut halten, gehen sie dann vielleicht ein Gentlemen’s Agreement ein: schmeißt du mich nicht raus, schmeiß ich dich auch nicht raus. So schützt man sich davor, eventuell von den anderen – vielleicht schwächeren – herausgeworfen zu werden. Die Moderatorin hat dann auch bei manchen Entscheidungen in der ersten Runde sichtlich gestutzt. (=> Gefangenendilemma.)

Was ist noch erwähnenswert? Keine gemusterten Hemden anziehen, das gibt unschöne Moiré-Effekte im Fernsehen. “Lassen Sie die Zuschauer an Ihren Überlegungen teilhaben” – man soll also laut nachdenken und immer etwas reden dabei. “Was werden Sie mit Ihrem Gewinn anfangen?” – da soll man sich etwas Interessantes überlegen, auch wenn’s gar nicht stimmt.

Jedenfalls gewann U. die erste Runde, wir spielten gemeinsam die Runden zwei und drei, lagen vor dem anderen Team, so dass U. in der letzten Runde mit einem nicht gewaltigen, aber ansehnlichen Sümmchen nach Hause gehen konnte. Ich beschränkte mich auf einen kleinen Anteil, weil ich kein Geld brauchte und ohnehin nicht viel zu tun gehabt hatte. Ich weiß zwar wirklich eine ganze Menge Sachen, aber leider auf ähnlichen Gebieten wie U. selber, der auch eine ganze Menge Sachen weiß.

Beweisfoto:

Nachspiel:

Das Geld gab es laut Vertrag erst nach und auch nur im Falle der Ausstrahlung. Die kam dann auch, und kurz nach ihr der Zuhörerprotest. Eine Antwort von U. war als falsch bezeichnet worden, so dass mit der kleineren Summe weitergespielt wurde, die er auf eine alternative Antwort gesetzt hatte. Nun war die ursprüngliche Antwort aber doch die korrekte, so dass er eigentlich mit einer höheren Summe weiterspielen hätte können. Anrufe von Pressesprechern und Boulevardzeitung folgten, vor allem bei U., nur wenige bei mir. Das Ergebnis: U. und ich flogen noch einmal nach Amsterdam, um den Schluss ab der beanstandeten Stelle mit neuen Fragen weiterzuspielen. Sicher zugesagt war uns nicht nur der ursprüngliche Gewinn, sondern der, den wir gekriegt hätten, wenn die Antwort als richtig akzeptiert worden wäre – aber wir hatten die Chance, noch mehr zu gewinnen. Es braucht aber nicht viel spieltheoretisches Interesse, um in der gegebenen Situation festzustellen, dass man besser alles auf eine Karte setzt, statt die Summe auf verschiedene Antworten zu splitten und dadurch zu verkleinern. Und so verloren wir in der zweiten Runde dann auch alles – und begnügten uns mit dem zugesagten Gewinn.

(Mein einziger anderer großer TV-Auftritt ist in einer Episode einer Schulfernsehen-Reihe, in der ich kurz erkläre, wie WWW-Adressen aufgebaut sind.)