Bubblesort im Volkstanz

Frau Rau wies mich freundlicherweise auf Bubblesort im Volkstanz bei den Scienceblogs hin.

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Wenn man dem Video zu Youtube folgt, findet man noch viele weitere getanzte Suchalgorithmen. Hier der Quicksort, nichtganz so intuitiv wie Bubblesort:

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Ich denke mir natürlich sofort dabei, dass ich das Schülern zeigen muss. Wieviel man davon profitiert, wenn man die Algorithmen noch nicht kennt, weiß ich nicht. Bubblesort geht auf jeden Fall, Quicksort muss ich erst ausprobieren lassen.

Letzter Schultag 2010/11

Am Vorabend direkt von der Fortbildung in die Schule: dort veranstalteten die Lehrer der Nachbarschule (im selben Gebäudekomplex) ein Grillfest. Es waren nur wenig Lehrer meiner Schule da, gemischt wurde auch nicht viel, aber es war ein Anfang. Und die Bauweise des Gebäudes ermöglicht ein ausgezeichnetes Rückzugsgebiet bei Regen, nämlich unter einem überhängenden ersten Stockwerk. Danach musste ich in unserem Lehrerzimmer die Zeugnisetiketten ausdrucken. Liebevoll gestalten ja die Lehrer die Bemerkungen auf ihren Zeugnissen; die werden daraufhin auf selbstklebende Etiketten ausgedruckt und auf den Notenbogen geklebt. Der ist dann das offizielle Dokument, aus dem man Jahre später ein Zeugnis rekonstruieren kann.

Leider ist das Zeugnisprogramm Teil einer – immerhinque – vom Kultusministerium zur Verfügung gestellten Suite, die so ihre Macken hat. Sinnvoll formatierte Etiketten kriege ich nur da heraus, indem ich die Etiketten einspaltig als pdf drucke, dann nach Libre Office kopiere, mit regulären Ausdrücken diversen Zierrat suche und ersetze und dann die Serienbrief/Etikettenfunktion des Textverarbeitungsprogramms nutze.

Am Freitag dann Schüler verabschiedet. Wie ich mir das letztes Jahr vom Kollegen R. abgeschaut habe, kriegte jeder Schüler mit dem Zeugnis auch einen festen Händedruck, auch in der 7. Klasse. Danach Konferenz, Verabschiedung, Feierlichkeiten. Drei Kollegen gingen in den Ruhestand, viele Referendare gingen in eine ungewisse Zukunft.

(Dafür kommen neue. Der Anteil von Referendaren im Gymnasium dürfte dann etwa 10% betragen. Und das ist ein Problem: Je mehr Referendare unterrichten, desto weniger Lehrer muss man fest einstellen, desto weniger Referendare muss man also einstellen. Leider kenne ich keine Zahlen über den Anteil von Referendaren am Unterrricht. Ich denke, die Tendenz ist steigend, auch weil die Referendare immer mehr Stunden halten müssen – im dritten Ausbildungsabschnitt auch eigenverantwortlich, also anders als zu meiner eigenen Zeit so, dass man einen ausgebildeten lehrer ersetzt und nicht ergänzt.)

– Google Maps kennen wohl die meisten. Dort kann man einfach Orte einrichten und teilen. Google Places ist darüber hinaus eine Art Branchenverzeichnis. Da wird man auch auf Google Maps angezeigt, hat aber als bestätigter Besitzer der Institution (des Geschäfts) mehr Möglichkeiten und Rechte. Es gibt unsere Schule nämlich viermal bei Google Maps: einmal am alten Standort, dreimal am neuen. Die Doppelung muss nicht sein, deshalb lasse ich mich gerade als quasi Ladeninhaber bestätigen. Man kriegt dabei über Telefon, Handy oder Postkarte eine PIN von Google. Ich per Postkarte an die Schuladresse:

Damit will ich nach und nach die verschiedenen Schuladressen unter Google Maps zusammenfügen. Dann kann man endlich auch unter Google Latitude/Google+ in der Schule einchecken. Beim Recherchieren habe ich auch gesehen, dass es seit ein paar Wochen einen Wikipedia-Eintrag für meine Schule gibt. Mal schauen, was daraus wird.

Fortbildung, dieser Tage

Bin gerade auf Fortbildung an diesem idyllischen Ort:

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Ach, das mit den Fortbildungen. Ich war dieses Jahr auf vielen, habe welche gegeben und genommen. Mit reut halt der Unterricht, der dadurch ausfällt. Nicht der Stoff, das ist kein so großes Problem, weil ich nicht krank werde, weil ich zügig arbeite und weil ich, uh, Schwerpunkte setze. Aber zugegeben: Übungsphasen kann es nicht genug geben. Das tatsächliche Problem bei Fortbildungen ist meiner Meinung nach, dass die Routine des Schultags unterbrochen wird. Und Routine gibt es ohnehin viel zu wenig im Schulalltag.

Allerdings wird an solchen mehrtägigen Fortbildungen tatsächlich viel gearbeitet. Meist gibt es auch nach dem Abendessen immer noch eine kleine Arbeitsrunde, bevor man dann endlich Feierabend macht.

Und eben apropos Feierabend: Wir waren dann also geo-cachen. Eine erfahrene Cacherin als Anführerin, der Rest trottete hinterher, Caching-Apps frisch auf Telefonen und iPads installiert. Deswegen auch viel herumstehen und beraten.

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Örtliche Fauna auf dem Weg, im Cache-Begleittext explizit erwähnt.

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Die erste Station des Cache haben wir gefunden. Man beachte die Vielzahl an digitalen Geräten, im Dunkel vielleicht nicht gut zu sehen.

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Ja, und weil es so dunkel wurde, gibt es keine weiteren Bilder. Und fertig geworden sind wir auch nicht. Aber immerhin: die App zeigt in München im Umkreis von wenigen hundert Metern um meine Wohnung eine Vielzahl an Caches. Irgendwann schaue ich die mir vielleicht an.

Ansonsten erinnert mich das Cachen sehr an meine analoge Schnitzeljagd damals.

Schultag heute

Sehr langer Tag. Zuerst zwei Studenten vom Artigo-Projekt im Haus. An sich schöne Sache, interessierte Klasse, aber Server-Probleme. Vielleicht noch einmal im Herbst, wenn der Server stabiler läuft.
Dann eine Stunde Pause für jahreszeitlich übliche Verwaltungsaufgaben, danach Abistreich. (Hatte zu arbeiten und keine Lust, kann also nicht mal sagen, wie gut er war.)

Mittags zwei Pizzas im Party-Format ins Lehrerzimmer kommen lassen und mit ein paar Leuten gespeist. Außerhalb des Lehrerzimmers allerdings – ich mag es selber nicht, wenn Kollegen im Lehrerzimmer Essensgerüche verbreiten. Wir haben zwar eine Theke, an der wir essen dürfen (laut den Regeln, die wir uns selbst gegeben haben), aber dürfen heißt ja nicht müssen. An den anderen Tischen soll gar nicht gegessen werden, aber das sehen nicht alle Kollegen eng.

Danach hatten die scheidenden Referendare Unmengen von Kuchen und Muffins aufgebaut. Wir haben eine Menge hungriger Lehrer an unserer Schule, um die hundert, und alle wurden von den Referendaren gefüttert. Die waren auch alle besonders nett diesmal, und viele, und haben besonders gut zusammengehalten. Kein Wunder, sie stehen bei der aktuellen Einstellungspolitik auch alle gemeinsam vor dem Nichts.

(Wieviel Prozent des bayerischen Gymnasialunterrichts wird durch Referendare abgedeckt? Acht Prozent, zehn Prozent? Tendenz steigend? Für den Arbeitgeber ist das eine kostengünstige Art von Zeitarbeit.)

Danach lange Konferenz, teilweise spannend. Dann Sekt und Kuchen. Auf der Heimfahrt einen ehemaligen Schüler getroffen, der sich als ein Drittel eines Blogs herausgestellt hat, dessen andere Drittel auch ehemalige Schüler sind.

Krimis schreiben, Fabel und Diskurs

Und noch ein Rest von der Fortbildung in der letzten Woche: Für ein Projekt musste schnell eine einfache Krimi-Handlung her. Der Ausgangspunkt: Jemand wacht im Hotel neben einer Leiche auf, blutige Hände und so weiter, ein Messer neben sich – wie geht es weiter? Was ist passiert?

Da hätte ich mir meine Schüler aus der 7. Klasse gewünscht. Mit denen habe ich ja Krimis gelesen. Zum Abschluss und nach dem Erarbeiten eines Kriterienkatalogs stellten die Schüler einen Edgar-Wallace-Thriller beziehungsweise einen Jugendkrimi vor, der gut in die Reihe Arena Thriller gepasst hätte. Zu den Kriterien gehört bei letzten zum Beispiel das Personal (Heldin weiblich, 15–17 Jahr) oder der Titel (zusammengesetztes Substantiv mit jeweils einem positiven und einem negativen Bestandteil). Das haben die Schüler sehr gut gemacht. Hier eine leider nur stichpunktartige Zusammenfassung, die ich mir nach der Präsentation schicken ließ.

Titel: Veilchenblut

Vorgeschichte:

  • 17-jähriges Mädchen namens Monica
  • als 4‑jährige entführt
  • konnte im Gegensatz zu anderen, umgebrachten Kindern entfliehen
  • jedem Kind wurde vor dem Mord ein Veilchen auf das Handgelenk tätowiert
  • die Mörderin wurde beinahe gefasst, doch als sie davon erfuhr, brachte sie sich um

Grund wieso [die verrückte Entführerin] jedem Kind ein Veilchen auf die Hand tätowiert hat:

  • ihre damals 4‑jährige Tochter an Krebs gestorben
  • sie fand es ungerecht, wieso “alle” Kinder leben dürfen außer ihres
  • [das] hat sie verrückt gemacht

Inhalt:

  • Freund von Monica fehlt in der Schule
  • wird tot am Ufer eines Flusses aufgefunden
  • mit einer Tätowierung, die neu ist, am Handgelenk: ein Veilchen
  • das gleiche hat Monica auch
  • Schwester wird entführt, nicht gefunden
  • Zusammenhang, aber die Mörderin ist tot – Mittäter?
  • Monica ermittelt

Auflösung:

  • Monica findet Fotos von ihrem Vater und Mörderin – küssend!
  • Vater ist Liebhaber von Mörderin + Vater von an Krebs gestorbenen 4‑jährigen Kind
  • er hat nie Mutter von Monica geliebt
  • Mutter hat Vater nicht gehen lassen
  • sie hat gedroht alles zu sagen
  • sie weiß, dass er der Mittäter ist
  • die Wut auf die Mutter hat er an den Kindern ausgelassen
  • er rächt sich für die Mörderin
  • deshalb Freund und eine Tochter entführt
  • Monica ist als Kind nicht entkommen, Vater konnte damals sein Kind nicht umbringen

Hm, ausformuliert wäre dem vielleicht noch leichter zu folgen. Beim nächsten Mal. Wenn ich noch weitere Plots zur Veröffentlichung kriege, hänge ich die unten an.

– Jedenfalls konnte ich mich bei der Fortbildung plötzlich in die Situation eines Film- oder eher Fernsehproduzenten versetzen, der mal eben rasch einen groben Plot braucht und bereit ist, für diese Leistung zu zahlen. Ohne Schülerhilfe musste ich mich selber daran machen, eine Geschichte zu entwerfen.

Der Krimi und die Inhaltsangabe

Angefangen habe ich so:

  • Held wacht neben Leiche auf
  • durchsucht Leiche
  • findet Zimmerschlüssel und einen Schließfachschlüssel
  • geht in das Zimmer des Toten
  • findet dort…

Schon bald war ich aber verwirrt und musste in meiner Skizze Sachen ergänzen, durchstreichen, umschreiben. Es wurde unübersichtlich. Deshalb entschied ich mich für eine zweite Fassung, die nicht mit dem Beginn des Krimis ansetzt, sondern eher sogar damit aufhört:

Der Schlagerstar B. ist heimlich verheiratet und hat drei Kinder, will aber nicht, dass das öffentlich wird. Der Gangster M. lässt sich vom Gangster W. eine Kopie der Heiratsurkunde schicken, um B. zu erpressen. M. verspricht W. dafür einen Teil des Geldes. M. versteckt die Urkunde in einer mit einem Geheimcode gesicherten Kassette in einem Schließfach im Hotel. Den Code hat er auf einen Zettel notiert. Dann geht M. zu B…

Die erste Fassung gibt die Reihenfolge wieder, in der der Leser oder Spieler das Geschehen erfährt. Die zweite Fassung gibt die chronologische Reihenfolge des Geschehens wieder (und stellt auch kausale Zusammenhänge her). Leider ist die Termionologie für diesen sehr wichtigen Unterschied nicht einheitlich, die frühe Unterscheidung in story und plot (durch E.M. Forster) reicht da nicht. Die Strukturalisten unterscheiden story und discourse, dabei ist story die chronologische Zusammenfassung und discourse bezieht sich auf die Art und Weise, wie die Geschichte präsentiert wird – also in welcher zeitlichen Folge, aber auch in welcher Erzählweise und mit welchen weiteren Formen der Leserlenkung.

Auf Deutsch heißt das “Handlung” oder “Fabel”, aber die Trennung zwischen diesen und einem Diskurs ist mir in meinem lange zurückliegenden Germanistikstudium nicht begegnet. Jedenfalls vermisse ich einen geeigneten Ausdruck, der für die Textsorte Inhaltsangabe am Gymnasium hilfreich wäre. Ich will bei der Inhaltsangabe definitiv nicht, dass diese sich an der Erzählreihenfolge orientiert. Aber immer wieder zu sagen: “Fasse chronologisch zusammen statt in der Erzählreihenfolge” ist umständlich, hier hätte ich gerne einen Fachausdruck.

Warum möchte ich keine Zusammenfassung in Erzählreihenfolge? Erstens, weil dadurch Nacherzählungen herauskommen. Zweitens, weil das zu leicht ist und keine Reorganisation des Textes erfordert. Drittens, weil das eine nützliche Fähigkeit ist, etwa wenn man einen Krimi erklären will. Wenn man da die Handlung in der Erzählreihenfolge wiedergeben will, verheddert man sich in “stellt sich heraus, dass das doch gar nicht so” und “hat zuvor heimlich” und “Moment, ich habe vergessen, er hat dabei auch noch vorher”.

Deswegen sollte man ab der 8. Klasse den Schülern Texte vorlegen, in denen eben nicht chronologisch eine Handlung wiedergegeben wird. Bei pointierten Geschichten stellt sich oft am Schluss etwas heraus, dass chronologisch an den Anfang gehört; bei Krimis ist dieser analytische Aufbau sogar ganz typisch fürs Genre.

(Natürlich braucht man auch andere Arten der Inhaltszusammenfassung, für Buchvorstellungen und Rezensionen und Klappentexte und so weiter. Da soll man den Schluss ruhig weglassen.)

Ein bayerisches Gymnasium in Hamburg – oder umgekehrt

Auf der Fortbildung neulich waren recht viele Leute, die mit Computern umgehen können, und die auch digitale Medien ausgiebig nutzen. Aber es waren keine Contentersteller. Das heißt: Inhalte für die Schüler und den Unterricht natürlich schon, da sind Lehrer ja echte Hochleistunginhalteersteller. Aber wenig Produktion im Web, wenig Kommunikation mit Unbekannten – über Blogs oder auch nur Twitter. Einige Mal habe ich versucht, den Reiz von Twitter zu erklären, obwohl ich selber ja nur ein mäßig häufiger Twitterer bin. Am letzten Tag beim Mittagessen gab es ein schönes Beispiel: Kollege Daniel machte eine Bemerkung, die kurz, witzig, kreativ war und Möglichkeiten eröffnete – also habe ich daraus mit seiner Erlaubnis einen Tweet gemacht:

So wie es Deutsche Schulen im Ausland gibt – warum nicht auch, sagen wir, ein bayerisches Gymnasium in Hamburg?

Da steckt eigentlich schon alles drin, aber weil Tweets flüchtig sind und ich den Gedanken festhalten möchte, formuliere ich mir das auch noch einmal fürs Blog aus.

Man könnte doch in Hamburg ein bayerisches Gymnasium eröffnen, mit bayerischem Lehrplan und bayerischen Regelungen, und bayerischen Lehrkräften. Klar würde man auch spielen damit, Weißwurstfrühstücke und Brezen organisieren. Als Abschluss dieser staatlich anerkannten Schule gibt es dann das bayerische Abitur. Anerkannt wird das ja auch in Hamburg, wie ja die Abiture der Länder gegenseitig anerkannt werden. Das einzige Problem, das ich dabei sehe, besteht darin, dass der Schulwechsel erschwert wird, weil es vielleicht nur wenige bayerische Gymnasien in Hamburg gibt. Überdenken müsste man allerdings die Übertrittsbedingungen zwischen Grundschule und Gymnasium.

Und natürlich gilt das auch andersherum. Hamburg habe ich genommen, weil das so weit weg von Bayern ist – es kann in Bayern ja dann auch Hamburger Schulen geben, und Hessische und und Thüringische. Dann können die Eltern entscheiden, was sie wollen.

Gefahren durch Handys

In der Süddeutschen heute morgen gelesen: Daten zu Handygefahr unter Verdacht. Ein typisches Beispiel dafür, dass man der traditionellen Schulwissenschaft nicht trauen kann! Ein möglicher Fälschungsskandal, in einer Dissertation mit renommiertem Doktorvater. Die tricksen doch alle, diese Schulwissenschaftler!

(Der eigentliche Inhalt ist mir im Moment gar nicht so wichtig, mehr dazu bei Esowatch.)

Nein, interessant ist natürlich auch (neben der Rolle der Zigarettenindustrie), dass und wie solche Fälschungen – oder von mir aus auch Fehleinschätzungen und Irrtümer – aufgedeckt werden. Ergebnisse sind “bis heute nicht in einem Fachjournal publiziert” und konnten “so allerdings nie von anderen Labors reproduziert werden”. Kurz gesagt: wenn da etwas nicht stimmt, findet man das heraus. Und somit ist dieser Fall eben kein Argument dafür, dass in der Wissenschaft alle gekauft sind, und dass die auch nicht zuverlässiger sind als Pseudowissenschaften. Es gibt Methoden, herauszufinden, ob etwas funktioniert oder nicht.

Hat es das schon jemals in der Pseudowissenschaft gegeben? Hat sich da mal herausgestellt, dass Rosenquarz doch nicht vor Erdstrahlen schützt? Dass homöopathische Phosphor D30 doch nicht gegen Ausbleiben der Menstruation wirkt? Irgendeinen Irrtum, einen Rückzieher? Gibt es überhaupt irgendwelche Strukturen, die das bewirken könnten?

(Auch lesen: was bei Herrn Banana zur Kraft der Edelsteine steht, und warum sich da keiner Sorgen macht. Und warum gibt es eigentlich nur das Gegensatzpaar Schulmedizin und alternative Medizin, und nicht alternative und Schulphysik, alternative und Schulbiologie, alternative und Schulmathematik? Zugegeben, Medizin ist viel weniger exakt als der Rest.)

Die Gymnasiallehrer und die anderen, und das Akademische

Der Verband Bildung und Erziehung startet eine Initiative gegen soziales Ranking im Lehrerberuf. Ranking ist ja immer schlecht, gerade in der Bildung, und wenn es dann auch noch sozial ist, muss das besonders schlimm sein. Es geht darum: die Lehrer mancher anderer Schularten sollen nicht länger weniger verdienen als Lehrer am Gymnasium. Die Sinnhaftigkeit des ganzen bestätigt ein Gutachten, das eben dieser VBE in Auftrag gegeben hat. (Der VBE organisiert vor allem Lehrer dieser anderen Schularten.)

Diese Pressemitteilung des VBE werde ich vielleicht mal im Unterricht Schülern vorsetzen, weil die sprachliche Manipulation darin so interessant ist. Das beginnt mit dem irreführenden Titel und setzt sich gleich fort mit dem Vergleich mit dem Kaiserreich und der anschaulichen Reduktion der Unterschiede zwischen Schülern der verschiedenen Schularten auf die Schuhgröße. Dazu der knackige Slogan: “Lehrerarbeit in den unterschiedlichen Schulstufen ist nicht gleichartig, aber gleichwertig.”

Das ist ein heikles Thema, das auch in dem Lehrerforum, in dem ich mich herumtreibe, stets zu heftigen Diskussionen führt, wenn es denn mal angeschnitten wird. Meine prinzipielle Meinung: Ich habe nichts gegen eine differenzierte Bezahlung für Lehrer. Fragt sich nur, nach welchen Kriterien differenziert wird – neben Schularten gibt es ja noch mehr Möglichkeiten – und ob das in einem Beamtenapparat sinnvoll möglich ist.

Was soll das erst einmal heißen, dass eine Arbeit “gleichwertig” ist? Wann ist eine Arbeit gleichwertig? In unserem System wird sicher nicht danach bezahlt, wie schwer eine Arbeit ist. Viele Leute arbeiten hart und verdienen wenig Geld. Stattdessen zählen zum einen Angebot und Nachfrage. Es gibt mehr Grundschullehramtsstudenten und ‑innen, allerdings auch mehr Grundschulstellen als bei Gymnasiallehrern. Wovon gibt es denn anteilig jeweils mehr? Die zentrale Steuerung durch die Ministerien verhindert allerdings, dass Angebot und Nachfrage wirklich zum Tragen kommen.
Zum anderen spielt die Ausbildung eine Rolle bei der künftigen Bezahlung. Wie schwer ist die Ausbildung und wie lange dauert sie? Die Mindestausbildungszeit unterscheidet sich bei den verschiedenen Schularten um bis zu 25%. Zugegeben, ich weiß nicht, wie realistisch diese Semesterzahl ist – ich habe deutlich länger studiert, andere sicher auch. (Bei Sprachenlehrern waren zwei zusätzliche Semester Auslandsaufenthalt ohnehin üblich.)
Und zuletzt, aber das halte ich für kein überzeugendes Argument, wird nach Verantwortung bezahlt: Gymnasiallehrer gewähren den allgemeinen Hochschulzugang. Dann könnte man auch sagen: noch mehr Verantwortung gibt es in den ersten, prägenden Schuljahren.

Tatsächlich ist es ja bereits so, dass sich die Bezahlung der Lehrämter gerade in einem Prozess der Anpassung befindet. Früher wurden Gymnasiallehrer zwischen A13 und A15 bezahlt, jetzt ist es zwischen A12 und A14, spätestens nach der Diensrechtsreform. Aber wenigstens verdienen wir dann alle gleich wenig. Denn darum geht es ja. Gymnasiallehrer und Grundschullehrer werden beide nicht schlecht bezahlt, Referendare ausgenommen. Aber die einen kriegen mehr und bilden sich etwas auf sich ein (möglichweise auch deshalb), und die anderen kriegen weniger und fühlen sich zurückgesetzt.

Ich weiß jedenfalls, warum ich viel Gehalt verdiene: weil ich zwei Jobs mache. Zwei für den Preis von, sagen wir, anderthalb: Ich sehe mich als Akademiker und als Pädagoge. Da kommen meine Ansprüche her. (Nicht dass meine Ansprüche irgendjemand interessieren, aber sie erklären die Frechheit, mit der ich mich hier präsentiere.)

Natürlich habe ich keinen Doktor und treibe keine Forschung. Und ich bin Deutschlehrer und nicht Germanist. Aber ich war ein guter Student, ich bilde mich weiter, ich interessiere mich immer noch für meine Studieninhalte, und ich kenne die Methodik meines Faches.
Deshalb stört es mich sehr, wenn ich – gelegentlich – mitkriege, dass Kollegen kein Interesse an fachlichen Inhalten haben. Oder wenn ich als Begründung höre: “Das steht so im Buch” oder auch: “Das steht so im Duden” – das stört mich, weil ich weiß, wie solche Dinge in das Schulbuch oder in den Duden kommen, und dass es meist mehrere Möglichkeiten gegeben hätte, etwas ins Buch zu tun, und dass es prinzipiell Leute wie ich sind, die solche Bücher schreiben. Und ich bin ja auch nicht fehlerfrei. Natürlich bin ich kein Lexikograph, bin absolutes Juniormitglied jeglicher akademischer Welt. Aber ich kenne verschiedene Grammatikmodelle, weiß, warum es wichtig ist, zwischen “Vergangenheit” und “Präteritum” zu unterscheiden, kenne den Unterschied zwischen tense und aspect und versuche gelegentlich, Schülern diesen zu vermitteln. (Das machen Schulbücher nie, warum eigentlich nicht?) Ich weiß, dass didaktische Reduktion notwendig ist, halte es aber trotzdem für einen Fehler, wenn mein Deutschbuch von Infinitivsätzen spricht. Ich halte mich andererseits auch nicht an gymnasiale Deutschlehrerregeln wie die, dass man Farbadjektive nicht steigern kann. Es schüttelt mich, wenn ich Kettenrechnungen wie diese sehe: 92–8=?-23=?-11=?-30=? oder wenn eine Aufgabe lautet, alle Rechtecke anzumalen, Quadrate aber nicht dazu gerechnet werden. Ich kann wissenschaftliche Arbeiten verfassen und darin Neues sagen. (Zumindest als Literaturwissenschaftler. Als Sprachwissenschaft, der ich doch stets eher war: nein. Mathematiker und Naturwissenschaftler haben es da noch schwerer, denke ich.)

Ich weiß, das ist alles ziemlicher Kleinkram. Und nichts Besonderes. Vielleicht bleibt nur das Hinterfragen von Methoden und eben auch Inhalten auf Basis gesunden Fachwissens als Kriterium übrig. Aber ich halte es aus mehreren Gründen für sinnvoll, Lehrer einen akademischen Beruf sein zu lassen. Egal in welche Schulart.

Vielleicht ist das auch Generationensache. Hatten die Lehrer in der Generation vor meiner auch einen akademischen Anspruch in irgendeiner Form, oder hat es da für das Selbstbild noch gereicht, Ober‑, Oberst‑, oder normaler Studienrat zu sein? Wie sieht die Generation nach meiner das – wollen die Akademiker sein oder nicht? Oder wollten das Lehrer noch nie, und es ist bloß wieder meine unrepräsentative Sicht?

Heute Fortbildung, und Krimi-Lektüre, und Schullektüre, und überhaupt kam dann noch alles mögliche dazu

Erstens.

Heute in der 7. Klasse, Deutsch, weiter die Lektüre besprochen. Die Klasse hat schon ein Buch gelesen, wollte aber ein weiteres gemeinsam lesen. Also entschieden wir uns für… ich weiß auch nicht, wie das genau geschah, es war mitten im Doppelabitur, ich war sehr im Stress… für ein Buch, das mir dann nicht so gut gefallen hat. Mehr ein Jugendbuch, das tatsächlich nur für die Jugend ist. Es gibt ja genug Jugendbücher, die auch Erwachsene noch lesen können. Und das Buch war vielleicht mehr für die ohnehin dominanten Mädchen als für die Jungs. Also gut: die Schüler wollten einen Arena Thriller lesen, Sommernachtsschrei von Manuela Martini.
Dann wollte ich aber doch, dass die Jungs die Wahl haben sollten, etwas anderes zu lesen. Und sie wollten Edgar Wallace. Der Hexer. Okay. Kein Jugendbuch, sondern für Erwachsene geschrieben. Vor 85 Jahren. Hat sich nicht so gut gehalten.

Dann habe ich mich aber doch mit den Büchern versöhnen können, weil die Schüler etwas damit anfangen konnten. (Es war auch keiner überfordert von der Lektüre.) Zum einen: Figurenkonstellation und Inhaltsangabe, und zwar so, dass die andere Hälfte der Klasse bei dem Buch mitreden kann, das sie nicht gelesen hat. Und die Inhaltsangabe eben nicht chronologisch und unter sofortigem Verraten aller Geheimnisse – die ja bei Krimis, und beides sind tatsächlich weitgehend Krimis, ja besonders wichtig sind. Außerdem gab es schon vor dem Austeilen der Lektüre einen Arbeitsauftrag, nämlich die nur leicht veralteten “Twenty Rules for writing detective stories” von S. S. van Dine (1928), auf Deutsch natürlich. Regel 1 etwa:

The reader must have equal opportunity with the detective for solving the mystery. All clues must be plainly stated and described.

Und Regel 16 beginnt:

A detective novel should contain no long descriptive passages, no literary dallying with side-issues, no subtly worked-out character analyses, no “atmospheric” preoccupations.

Nach der Lektüre wurde dann diskutiert, welches Buch sich an welche Regeln hält und damit Kriminalroman oder Detektivgeschichte genannt werden kann. Beide eher ja, der Sommernachtsschrei sogar noch eher. Aber diese Regeln bieten auf jeden Fall eine schöne Möglichkeit, Bücher zu analysieren, statt eben nur den Inhalt wiederzugeben.
Beim Vergleich der Bücher stellte sich auch heraus, dass der Hexer eher nach wie ein Thriller nach vorwärts gewandt erzählt wird, während der Sommernachtsschrei analytisch aufgebaut ist: da geht es darum, typisch für den Detektivroman, herauszufinden, was eigentlich alles vor dem eigentlichen Einsetzen der Handlung geschehen ist. Das ist ein Muster, das die Schüler später vielleicht bei König Ödipus und Nathan wiederfinden. Und ja, Wörter wie “analytisch” nimmt eine 7. Klasse gerne bereits an.

Überhaupt, an Krimis könnte man sehr viel Erzähltheorie üben. Siehe auch den Vortrag/Essay “Aristotle on Detective Fiction” von Dorothy L. Sayers, ich finde leider keine Quelle im Web, lesenswert, oder W.H. Auden, “The Guilty Vicarage”.


Zweitens.

Dann mit der 7. Klasse in den Computerraum, zum Schluss des Schuljahres ein bisschen spielen – nach strukturiertem Vorgehen mit Kontrollstrukturen und Algorithmik bei Robot Karol sollen sie jetzt einfach mit Scratch herumspielen. Scratch ist eine objektorientierte grafische Programmierumgebung, die man schon in der Grundschule einsetzen könnte. Grafisch heißt: man schreibt keinen Programmcode, sondern schubst mit der Maus grafische Elemente herum. Tippfehler gibt es also keine. (Klassen kennt das Programm allerdings nicht, soweit ich weiß.) Durch das Herumspielen mit demn Programm lernt man viel, wenn man will.
Überhaupt frage ich mich nach geeigneten Zugängen zur Informatik. Informatik ist viel mehr als Programmieren, und man könnte das Fach wohl auch ohne dieses unterrichten. Aber irgendwie ist das in der Praxis halt doch die Grundlage, ohne die es nicht geht. Ich habe nie viel programmiert, und hole das gerade nach. (Ich laufe gerade mit einer MVC-Brille durch die Welt und teile alles, was ich sehe, in Model, View oder Controller ein. Irgendwann wird ein Blogeintrag daraus.)
In der 10. Klasse sollen die Schüler Programmieren lernen und Informatik lernen, parallel. Ja, ich versteh schon, ist schon sinnvoll. Aber ich frage mich, ob die Schüler nicht zuerst programmieren lernen sollten und danach Informatik. Obwohl… streicht das. Das hatten wir doch schon. Ein halbes Jahr Pascal im Matheunterricht


Drittens.

Apropos herumspielen: Google+ gefällt mir sehr gut, sollte Ende des Monats für alle starten. Wenn die Erwachsenen dann bitte alle von Facebook dorthin umziehen würden?


Viertens.

Mit der 9. Klasse lese ich gerade Shakespeare, Romeo und Julia, auf Deutsch. Und nicht Andorra. Weil wir da die Baz-Luhrmann-Verfilmung anschauen können, weil die Schüler davor noch nicht mal wussten, was Akte sind, und vor allem: weil sie sich schon mal auf harmlose Weise an die Sprache des späteren 18. und frühren 19. Jahrhunderts gewöhnen sollen. Damit der Nathan in der 10. und der Faust in der 11. dann nicht so schwer fallen, denn das tun sie. Grob klappt das mit dem Verstehen auch, aber wenn man nachhakt, wie viele der Informationen, die tatsächlich in zwei, drei, vier Versen gepackt sein können, tatsächlich ankommen – dann muss ich morgen wirklich mal eine Seite ganz gründlich gemeinsam Vers für Verse auseinandernehmen.


Fünftens.

Heute wieder Moodle-Fortbildung, schulintern. Lief gut. Zum Einstieg kam wieder meine Folie mit dem Hype-Zyklus, inzwischen auch unter CC-BY-SA-Lizenz zum Herunterladen. Außerdem ein Papier mit den wichtigsten Tipps und Informationen (Download.)

Und natürlich hat jeder Anwesende – darunter einige Referendare – eine Teilnahmebestätigung gekriegt, liebevoll selbst gestaltet mit Schullogo und “2. Ausfertigung für die Lehrkraft” und allem. So wie Philip Marlowe zwei Arten von Visitenkarten hat, die mit der Pistole mit Eck und die ohne – je nach Art des zu beeindruckenden Klienten -, habe ich zwei Versionen gemacht: eine mit Kinder-Foto von mir in der Ecke und eines ohne. Ich habe dann doch nur die ohne Foto herausgerückt, weil ich das ja auch tatsächlich eine ernsthafte und sinvolle Fortbildung war. Aber ein kleines “etc.” habe ich mir bei der Unterschrift gegönnt: