Links zu Bildungsthemen, statt viel Kommentar, weil wegen Zeit und so

Im Spiegel wird eine internationale Studie vorgestellt, laut der Lehrer in Deutschland besonders wenig respektiert werden. Methodisch unsauber, aber der Gedanke ist gar nicht so blöd: Eine – nicht repräsentative – Gruppe von Freiwilligen wurde gefragt, ob sie glauben, dass die Schüler im Land die Lehrer respektieren. Nein, kommt da bei Deutschland heraus. Daraus kann man vielleicht sogar etwas schließen, aber natürlich nicht, ob Schüler Lehrer respektieren oder nicht. In Bayern am Gymnasium fühle ich mich respektiert. Nicht unbedingt ernst genommen, nicht unbedingt effektiv, aber das ist eine andere Geschichte.
Grauslich allerdings die Kommentare unter dem Beitrag.

Die 600.000 Schüler des Schuldistrikts Los Angeles haben alle einen iPad gekriegt. Für eine Milliarde Dollar. Nur für schulische Zwecke und dementsprechend gesichert. Aber wohl nur sehr oberflächlich gesichert, weil Schüler das gleich umgangen haben. Und überhaupt gibt’s noch kein Konzept dahinter. Oh Mann, ich muss wirklich Little Brother mit den Schülern lesen.

Ein ganz wunderbares Interview von Jens Wernicke mit dem Didaktiker Jochen Krautz bei Telepolis. Es geht um die ökonomischen Interessen hinter PISA und der Testerei, und vor allem um die Reformerei unter den Schlagwörtern “selbstgesteuertes Lernen”, “Selbstorganisation”, “offener Unterricht”, “Lernlandschaften”, “Individualisierung”, “gehirngerechtes Lernen” und so weiter. (Siehe auch: “Fratton-Schule: ‘Selbstgesteuert’ fallen 40 Prozent durchs Abitur”.) Der selbstgesteuerte, eigenverantwortliche Schüler wird als parallele zur selbstgesteuerten, eigenverantwortlichen Ich-AG aus der Wirtschaft gesehen. Die Realität der Lernbegleitung sieht für Krautz so aus: “Herrschaft verschwindet also nicht, sondern wird vielmehr unsichtbar gemacht.” Mein Lieblingssatz: “Freiheit ist das Ziel von Bildung, nicht ihr Ausgangspunkt.”

Aber bis sich das herumgesprochen hat, kriegen wir erst mal unseren neuen output-orientierten kompetenzsteigernden Lehrplan. Hat man gerade so, da muss selbst Bayern mitmachen.

Kurze Antwort: Warum dürfen Lehrer ihre Fahrtkosten nicht selber bezahlen?

Zu Anfang meiner Zeit als Lehrer war es gängige Praxis, dass man bei Fahrten (Schullandheim, Ausland) nur die Hälfte der Kosten für Reise und Übernachtung erstattet bekam. Nachdem ein Lehrer auf die Zahlung von 16,32 Euro geklagt hatte, entschied dann 2007 der Bayerische Verwaltungsgerichtshof, dass diese Praxis grundsätzlich rechtswidrig ist. Alter Blogeintrag dazu.

“Grundsätzlich” heißt, dass es Ausnahmen geben darf; ich finde leider das KMS nicht, in dem festgehalten ist, was es für Ausnahmen gibt. Es sind wenige und nur unter bestimmten Bedingungen. Trotzdem sollten Lehrer überhaupt keine Ausnahmen machen. Im Moment ist zum Beispiel ein Höhepunkt des Beurteilungszeitraums, in dem die meisten Lehrer sozusagen eine Note von der Schulleitung und ein Zeugnis von der Schulleitung kriegen. Das steht dann zum Beispiel lobend drin, dass man sich engagiert – eine Voraussetzung für eine gute Bewertung – und auf die eine oder andere Fahrten geht. Wenn diese Fahrten auch nur zum Teil selbst finanziert wären, hieße das, dass man selber finanzielle Mittel aufwendet, um eine gute Beurteilung zu kriegen. Deshalb dürfen Lehrer ihre Fahrtkosten nicht selber bezahlen.

Kurze Antwort: Warum finden Sitzungen immer an meinem freien Tag statt?

Sitzungen finden dann statt, wenn am wenigsten (Nachmittags-)Unterricht ausfällt. Das ist wahrscheinlich dann, wenn am meisten Leute ihren freien Tag haben.

Bei einer – nicht gegebenen – Gleichverteilung aller freien Tage über die Woche würde es ohnehin bei jedem Nachmittag 20% aller Kollegen mit freien Tagen treffen.

Einen Gedanken auf mehrere Sätze verteilen

Im Laufe der Mittelstufe werden die Gedanken der Schüler in Aufsätzen immer komplexer. (Behaupte ich mal so.) Und es gibt möglicherweise den Drang, solch einen – wenn auch komplexen – Gedanken auch in einer einzigen – dann halt recht langen – Periode auszudrücken. So erkläre ich mir Perioden wie diese in Deutschaufsätzen:

Ebenfalls nicht zu vernachlässigen ist der Punkt, dass durch die niedrigere Arbeitsbelastung während der Ausbildungsjahre und de[n] deutlich weniger anfallenden zu lernende[n] Stoff [die Schule dem Schüler] viel mehr Freizeit lässt, in der man sich beispielsweise wie mein großer Bruder in diversen Vereinen beteiligen kann, was das Knüpfen von sozialen Kontakten begünstigt und zu einer besseren Verflechtung der Gesellschaft führt.

Problematisch ist das mit den langen Sätzen, weil man sich gerne verheddert und der Satzbau nicht mehr stimmt, wie es im Beispiel ursprünglich der Fall war. Problematisch ist es vor allem auch, weil die Sätze dann schwerer zu verstehen sind. Der eine Hauptsatz enthält nur eine Floskel, alle Information steckt in Nebensätzen. Verständlicher wird der Gedanke, wenn man ihn auf mehrere Sätze verteilt:

Die Arbeitsbelastung ist während der Ausbildungsjahre deutlich niedriger. Denn man muss weniger Stoff lernen und hat deshalb mehr Freizeit. In dieser Freizeit kann man sich in Vereinen beteiligen. Dabei knüpft man soziale Kontakte.…

Wenn man einen komplexen Gedanken nur in einen einzigen Satz packen kann, dann wird die Komplexität der Gedanken, die man auf herkömmliche Weise schriftlich festhalten kann, begrenzt durch die Länge der Sätze, die man verständlich zu schreiben in der Lage ist. Der Gedanke tritt dann eher auf der Stelle, statt dass er im Gedankengang von Satzschlusszeichen zu Satzschlusszeichen hüpft.

Das mit der herkömmlichen Weise habe ich geschrieben, weil es ja auch noch die Poesie gibt. Andere Baustelle. Und ich habe nicht prinzipiell etwas gegen umständliche Sätze. Einer meiner liebsten, vor neun Jahren zum letzten Mal zitiert, so dass ich mal wieder darf, ist der erste Satz von Heinrich von Kleists “Der Zweikampf”:

Herzog Wilhelm von Breysach, der, seit seiner heimlichen Verbindung mit einer Gräfin, namens Katharina von Heersbruck, aus dem Hause Alt-Hüningen, die unter seinem Range zu sein schien, mit seinem Halbbruder, dem Grafen Jakob dem Rotbart, in Feindschaft lebte, kam gegen Ende des vierzehnten Jahrhunderts, da die Nacht des heiligen Remigius zu dämmern begann, von einer in Worms mit dem deutschen Kaiser abgehaltenen Zusammenkunft zurück, worin er sich von diesem Herrn, in Ermangelung ehelicher Kinder, die ihm gestorben waren, die Legitimation eines, mit seiner Gemahlin vor der Ehe erzeugten, natürlichen Sohnes, des Grafen Philipp von Hüningen, ausgewirkt hatte.

Der Satz kommt mir vor wie ein Stück Holz, aus dem ein geschickter Schnitzkünstler mit präzisen kleinen Axthieben nach und nach eine Figur heraushackt.

– Aus der Unterstufe beim Erzählen habe ich mir keine Schüler-Beispiele notiert. Vielleicht sind sie mir da weniger aufgefallen. Vielleicht – wahrscheinlich – können da die Schüler noch nicht genug Nebensätze.
Oder kann es sein, dass beim Erzählen leichter ist, zusammenhängend zu schreiben, auch wenn der Zusammenhang über mehrere Sätze geht? Es ist vielleicht der rote Faden der Handlung, der diesen Zusammenhalt der Sätze ermöglicht – ein roter Faden, den Schüler beim Erörtern nicht lernen. Da heißt es meist: Drei Argumente für jede Seite, aber am Ende bleibt jedes davon für sich. Und dazwischen gibt es furchtbar künstliche Überleitungen, die wir alle kennen: “Noch wichtiger aber ist… Es darf nicht übersehen werden…” Ich habe selber als Referendar Arbeitsblätter mit solchen Floskeln verteilt. Inzwischen glaube ich, dass das nichts bringt, eher sogar schädlich ist. Das mit dem roten Faden, das wäre wichtiger, ist aber vielleicht zu schwer.


Als Anhang noch zwei Beispiele für solche komplexen Sätze, auch aus Schüleraufsätzen:

Noch bedeutsamer aber ist, dass die Schüler [dadurch erfahren], dass das Fleisch, das sie normalerweise essen, schlimmsten Umständen ausgesetzt war, weil das Fleisch, das sie daheim aufgetischt bekommen, meistens aus dem Billig-Discounter stammt, und dass beispielsweise Truthahn stark auf die Brust gezüchtet wird, sodass die Tiere oftmals nicht einmal mehr stehen können, weil die Brust so schwer ist.

Die Schulleitung will außerdem darauf hinweisen, dass die Eltern sich um einiges früher hätten zu Wort melden sollen, als die Kinder eine Unterschriftaktion starteten, da dann die Möglichkeit bestanden hätte, dass das Projekt Steinzeit anders verwirklicht worden wäre, wenn sich die Eltern gemeldet hätten, und beispielsweise darauf hinweisen können, dass sie als Erziehungsberechtigte das nicht dulden können.

In der 6. Szene des 1. Aktes des Dramas “Die Soldaten” von Jakob Michael Reinhold Lenz, der von 1752 bis 1792 lebte, geht es um einen Dialog zwischen Marie und Wesener, ihrem Vater, nachdem dieser sie wegen einem Treffen zwischen ihr und dem Offizier Desportes, das er verboten hatte, in ihr Zimmer geschickt hat, in dem über die Liebe zwischen Marie und Desportes diskutiert wird.

Exkursion, sozusagen

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Na ja, Wandertag halt… :-) Die Schüler hatten einen Auftrag vom Klassleiter und ich hatte einen Preis für das beste Foto ausgeschrieben. Die Bilder kommen hinten ans Klassenzimmer, dann wird eines ausgesucht.

Die Pinguine haben etwas von Musical-Straßengang. Ansonsten: Warmer Tag, viele Tiere lagen recht ruhig herum. Die Elefanten, auch der junge, genossen das neu hergerichtete Bad.

Abimottos – die Dialektik der Originalität

Was ist ein Abimotto? Das Abimotto ist ein doppeldeutiger Wortwitz, eine Wortspielerei in der sich möglichst die Buchstaben ABI wiederfinden sollten. Der Leitspruch ist unverwechselbares Merkmal eures Abi-Jahrgangs. Perfekt umgesetzt ist es, wenn die Schüler der gesamten Schule genau wissen, welche Jahrgangsstufe gemeint ist, sobald das Motto auch nur erwähnt wird.
http://www.abiball-planer.de/abimotto/

Sagen wir mal so: perfekte Abimottos in diesem Sinn gibt es wenig. Zumindest weiß schon ein Jahr danach kaum einer mehr, welches Motto zu welchem Jahrgang gehörte. Die Mottos sind aber auch völlig austauschbar. Nur dass 2007 irgendwas mit James Bond war, das wusste man noch – wie an Dutzenden von anderen Schulen in jenem Jahr ebenso.
Mit Recherche im Web und freundlicher Hilfe von Ehemaligen habe ich dann doch noch folgende Liste zusammengekriegt:

  • 2020 The golden 20s (Nachtrag)
  • 2019 Westminster Abi – der Adel dankt ab (Nachtrag)
  • 2018 Abi rouge (Nachtrag)
  • 2017 Habi Potter – Vom Stein zum Weisen (Nachtrag)
  • 2016 12 Jahre Druck – endlich Diamanten(Nachtrag)
  • 2015 Abi-lymp – Auch Götter müssen einmal gehen (Nachtrag)
  • 2014 LABIrinth – 12 Jahre Verwirrung und trotzdem am Ziel (Nachtrag)
  • 2013 Abi heute – Captain Morgen
  • 2012 Ab(i)wesend – für immer entschuldigt
  • 2011 Rasso’s Eleven – Time for Another Job (G8)
    2011 GRG 9 – der letzte Einsatz (G9)
  • 2010 Strebergarten – endlich weg vom Tulpenfeld
  • 2009 Abistokratie – der Adel geht, der Pöbel bleibt
  • 2008 Germany’s Next Top Student
  • 2007 Abi007 – die Abigenten – Der Jahrgang der ihn liebte
  • 2006 Abiglam
  • 2005 Abikalypse – das Ende aller Plage
  • 2004 GlABIator
  • 2002 Das Wars – vergessen du musst was jemals du gelernt
  • 2001 Abimeister
  • 2000 Keines! Nach Auskunft eines Teilnehmers bisher. Toll!

Gut finde ich eines davon, brauchbar ein zweites.

Was sein muss: ein Wortspiel und ein nachgeschobener Slogan als Ergänzung. Die Mottos oben reihen sich nahtlos ein in folgende Listen von Abimottos – hunderte, aus denen man auswählen kann, alle ununterscheidbar in ihrer Suche nach Einzigartigkeit:

http://www.abi-stoff.de/abimotto-abschlussmotto/
http://abitipps.de/organisation/abimottos/abimotto-vorschlaege
http://www.abiball-planer.de/abimotto/
http://www.abital.de/abimotto.htm

(Zur Originalität: Ein Original ist, was kopiert wird. So wie gute Lieder gecovert werden.)

Ich weiß nicht, wie Abimottos entstehen; es würde mich interessieren. Ich nehme mal an, dass Listen aushängen, wer für was zuständig ist. Bestimmte Schüler gehen in den Arbeitskreis “Abizeitung”, andere in den Arbeitskreis “Abimotto”. Dann blättern manche davon im Web die Abimottolisten durch und schreiben sich die Mottos heraus, die ihnen gefallen; dazu kommen ein paar eigene Ideen. In der Abimotto-Gruppe setzen sich dann zwei oder drei Vorschläge durch (auf welcher Basis?), über die dann alle im Jahrgang abstimmen, die bei der Abstimmung mitmachen. Nach welchen Kriterien entscheiden die? Spielen die Personen der Leute, die das Motto vorschlagen, eine Rolle? Vermutlich ist es tatsächlich nur das Ausmaß, in dem das Motto als unverwechselbar witzig empfunden wird.

Die Option, auf ein Motto zu verzichten, oder ein ernsthaftes Motto zu wählen, gibt es nicht. Das hieße zu viel Originalität wagen.

Erste Schulwoche 2013

So richtig gewöhnt habe ich mich an die Schule noch nicht, abends bin ich jedesmal immer rechtschaffen müde. (Rechtschaffen müde, da muss ich immer an D&D denken.) Viel Unterricht habe ich nicht, aber viele Stunden an der Schule; mit meinem Stundenplan bin ich sehr zufrieden, ich bin aber auch sehr leicht zufrieden zu stellen. Und die Planer an unserer Schule (ich war ja früher selber einer) geben sich wirklich viel Mühe.

Viel Deutsch dieses Jahr, kaum Informatik, kein Englisch. Mit der 10. Klasse Stilistik geübt (gewünscht: verständliche Sätze), dann zur Erörterung. Die digitalen Themen liegen ja quasi auf der Straße. Mit der 8. Klasse Satzbau geübt anhand der Inhaltsangabe zu Little Brother aus Wikipedia, bei der ich alle Nebensätze in Hauptsätze umgewandelt habe – soweit möglich: von den 13 ursprünglichen Nebensätzen habe ich zwei nicht herausgebracht. Gerade Konditionalsätze lassen sich wohl gar nicht ersetzen. – Natürlich ging es mir nicht nur um Nebensätze, sondern auch um sehen, ob sich das Buch nicht doch schon in der 8. als Lektüre eignet… immerhin, eine Schülerin hatte es schon gelesen. Und der Lehrplananhang empfiehlt Moby Dick als Lektüre – ein tolles Buch, aber für die 8. Klasse nur in einer unzumutbaren Kinderbuchfassung denkbar.

An der Uni neuen Kollegen begrüßt. Schönen Regenschirm zu Geburtstag gekriegt, damit ich mich von zwei alten, kaputten trenne. Morgen Rosa-Glitzer-EInkaufstour für den Geburtstag der Nichte. Jetzt erst mal wieder müde-

Unbezahlt und unbeworben

Ich kriege nicht oft, aber doch regelmäßig Anfragen, ob ich nicht einen Artikel in meinem Blog platzieren möchte. Auf die meisten reagiere ich überhaupt nicht. Linktausch, und Material, das mir angeboten wird, oder fertige Texte, insgesamt lauter halbschariges Zeug. Aber vor ein paar Tagen kam eine erfrischend offene und freundliche Mail mit der Frage, ob ich nicht einen gesponserten Artikel schreiben würde. Für Geld, so richtig!

Das mache ich nicht, aber der Image-Film, den ich bewerben hätte sollen, war schön und interessant und hätte thematisch gepasst, so dass ich das unbezahlt und freiwillig machen wollte – zu meinen Bedingungen. Ich hatte schon einen – sehr kurzen – Blogeintrag dazu fertig. Aber nein, das bringe der Agentur gar nichts, ich müsse schon den agentureigenen Player verwenden, statt den Film von Youtube her zu verlinken. Nur dann könne man mir Geld… ICH WILL KEIN GELD!

Wenn ich nämlich nicht den agentureigenen Player verwende, weiß der Kunde nicht, dass ich über die Agentur angeworben wurde. Dann also nicht.

– Aus gegebenem Anlass des Schuljahresanfangs erinnere ich die bayerischen Kolleginnen und Kollegen im Übrigen daran, kein Foto der Klasse für den Sitzplan zu machen, zumindest nicht ohne schriftliche Einwilligung der Erziehungsberechtigten. Soll keiner sagen, dass Datenschutz hierzulande nicht ernst genommen wird.

Aufsätze lesen

Ich habe das hier, glaube ich, noch nie laut gesagt, aber ich werde im Wintersemester eine Vorlesung zu Fachdidaktik Informatik halten. Jetzt nicht zu viel vorstellen, ich rechne mit etwa fünfzehn Leuten in einem kleinen Zimmerchen. Trotzdem bin ich natürlich aufgeregt und frische schon das letze halbe Jahr über meine Kenntnisse der allgemeinen Didaktik auf. Lernzieltaxonomien und Berliner Modell und solche Sachen… meine eigenen Unterlagen aus dem Anglistik/Germanistik-Studium finde ich nicht mehr. Kinder, man weiß nie, wann man etwas doch noch mal brauchen wird! (Brauchen ist zu viel, ich hätte nur gerne mal reingeschaut und verglichen.) Die Sommerferien habe ich mit weiterer Lektüre verbracht. Bevor ich daran gehe, zu überlegen, wie ich den Stoff präsentiere, muss ich erst mal den Stoff kennen. Auch deshalb blogge ich hier nicht mehr so viel – das kostet alles Zeit und Nerven.

Laut LPO I und der Verwaltungsvorschrift dazu gehören zur Fachdidaktik-Ausbildung eines Informatiklehres (Gymnasium wie Realschule) folgende Inhalte:

Inhalte der fachdidaktischen Ausbildung (alle)

(Die rechte Hälfte gilt für alle Fächer, die linke ist speziell für Informatik.)

Diese Inhalte werden an der LMU in vier Veranstaltungen zu je 3 ECTS erworben. Meine ist eine davon, die in der Regel erste und theorielastigste. Ziel der gesamten fachdidaktischen Ausbildung ist aus allgemeiner Sicht, dass gut vorbereitete Lehrer ins Referendariat geschickt werden, und aus einer etwas eingeschränkteren Sicht, dass die Studierenden die Staatsexamensklausur schreiben können. Bis vor ein paar Semester gab es für Lehramt Gymnasium eine mündliche Prüfung zur Fachdidaktik, also nicht zentral; seit einiger Zeit gibt es jedoch wie bei der Realschule eine Klausur von drei Stunden. Die sieht etwa so aus:

fachdidaktik_realschule_2013-fruehjahr
(Staatsexamen Fachdidaktik Realschule Frühjahr 2013, Thema 1)

Im Zuge der Vorbereitung lese ich Aufsätze, wo sie mir begegnen, auch wenn sie nur am Rande etwas mit den wahrscheinlichen Didaktikinhalten zu tun haben. Via Twitter bin ich gestoßen auf “Do Learners Really Know Best? Urban Legends in Education” von Paul A. Kirschner und Jeroen J. G. van Merriënboer (Educational Psychologist Vol. 48, Issue 3, 2013). Darin werden drei Vorstellungen als Legenden vorgestellt, für die es keine ausreichenden Belege gibt: 1. dass es eine Generation von digital natives gibt, die irgendwie anders ist, 2. dass es Lernstile und Lerntypen gibt (visuell, verbal…), die in der Praxis einen Unterschied machen und 3. dass selbstgesteuertes Lernen (wo Lernende entscheiden, was sie wann lernen) besonders gut funktioniert. Der Aufsatz ist nicht mehr kostenlos im Web, hier eine Besprechung. Mit Genuss und Belehrung gelesen, den Aufsatz, sehr empfehlenswert.

Das Schöne an solchen Aufsätzen ist, dass immer einer zum nächsten führt. Also müsste ich eigentlich lesen Stanley Cohen, Folk Devils and Moral Panics aus den 1970er Jahren. Cohen hat darin den Begriff Moral Panic bekannt gemacht (Wikipedia) – Kinder, die Welt geht unter wegen Drogen. Oder Popmusik. Oder Dungeons & Dragons. Oder Computerspielen. Oder Computern. Oder wegen was auch immer. Bis ich wieder an der Uni bin, muss die Lektüre von “The ‘digital natives’ debate: A critical review of the evidence” von Bennett/Maton/Kervin warten. (British Journal of Educational Technology 39, p. 775–786, 2008). Dort wird das Konzept der moral panic aufgegriffen und mit dem Bohei um eine Generation von Digital Natives verglichen:

Arguments are often couched in dramatic language, proclaim a profound change in the world, and pronounce stark generational differences […] Such claims coupled with appeals to common sense and recognizable anecdotes are used to declare an emergency situation, and call for urgent and fundamental change.
Another feature of this “academic moral panic” is its structure as a series of strongly bounded divides: between a new generation and all previous generations; between the technically adept and those who are not; and between learners and teachers.

Kommt mir alles bekannt vor.

Dann habe ich noch einen spannenden Aufsatz gefunden darüber, wie Gerüchte und Legenden entstehen und sich verbreiten, aber das führt dann wirklich zu weit weg vom Thema.

Bei “Beyond the ‘digital natives’ debate: towards a more nuanced understanding of students’ technology experiences” von Bennett/Maton bin ich noch am Anfang, bin da aber auf ein Buch aus dem Jahr 1986 gestoßen, das von 1950 bis 1985 immerhin 75 Bezeichnungen die jeweils neue, durch grundlegenden gesellschaftlichen Wandel entstehende Zeit zusammenstellt. Jetzt, mit dem Ende des Gutenbergzeitalters, gilt es aber wirklich! Ehrlich.

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Neuer Rechner (2013)

Meinen Rechner hatte ich mir 2008 gekauft. Klein, nicht teuer, ausreichend leistungsfähig, mäßige Grafikkarte. Brauchbar für alles außer Spiele, sobald ich das Windows Vista runtergemacht hatte. Diese Sommerferien wollte ich einen neuen Rechner, einen leistungsfähigen. Zusammenbauen habe ich ihn mir von einer Münchner Firma lassen. Und ich bin sehr zufrieden.

Mein neuer Rechner ist ein Laptop, und diesmal ein richtig ordentlicher. Eine gute Grafikkarte, vier Prozessoren, mehr RAM als ich je brauchen werde. Eine mittelgroße SSD-Festplatte für Betriebsystem und Programme, eine terabytegroße herkömmliche Platte für alle meine Daten – Dateien, Bilder, Schulkram, Musik, Filme. Das ist die Platte, von der ich regelmäßig Backups mache. Bei Keyboard und Maus habe ich meine alten behalten, die per Funk an einem gemeinsamen USB-Knubbel hängen.

Der Klapprechner wird hauptsächlich stationär verwendet, aber ich kann ihn jederzeit transportieren. Mein alter großer Monitor hängt dran, und weil mein Vater noch einen kleineren übrig hatte, habe ich den auch noch angeschlossen. Man gewöhnt sich sehr schnell an das Arbeiten mit zwei Monitoren, vor allem wenn man die besten Windowskürzel aller Zeiten benutzt: Win-Taste + Pfeiltasten. (Wenn ein Monitor angesteckt ist, sendet der Laptop das Bild nur auf diesen, wenn keiner da ist, an den laptopeigenen Bildschirm. Und beim Zuklappen des Rechners bleibt er natürlich an.) Leise ist der Rechner auch, die Lüftung geht nur sehr gelegentlich an.

Ganz am Anfang habe ich das schnelle Booten ausgeschaltet, damit ich überhaupt ins BIOS komme. Das Secure Boot war gar nicht erst eingeschaltet – das ist das Feature, das zur Zeit ja noch deaktiviert werden kann, in Zukunft aber dafür sorgen kann, dass man kein Linux parallel installieren kann. Oder kein Libre Office.
Dann habe ich mit ClassicShellBackup die dämliche Windows 8‑Oberfläche umgangen, später VMware installiert und ein virtualisiertes Ubuntu aufgespielt. Das kann wunderbar parallel auf dem zweiten Monitor laufen, Geschwindigkeit kein Problem.

Auf die Idee mit dem Laptop hat mich Frau Rau gebracht. Ich habe nicht viel Platz auf und unter dem Schreibtisch – Kisten voller Comics, wer’s wissen will – und brauche keinen superschnellen Rechner. L.A.Noire und Half Life 2 laufen jedenfalls gut. Das Arbeiten macht gleich viel mehr Spaß.

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