Schuljahresendrituale III (Feiern)

Eine besonders schöne Sache an der Schule ist die Taktung des Jahres. Es gibt jedes Jahr im Sommer eine große Pause, in der man tief Luft holen kann und nach der man mit aufgeräumtem Schreibtisch und Gemüt wieder anfangen kann. Das wird an allen Schulen, die ich kenne, auch mehr oder weniger gefeiert. Da sind die alljährlichen Projekttagen, jene abgewrackte und heruntergekommene Form des Projektunterrichts aus der Reformpädagogik, und da gibt es die Lehrerfeier. Bei einer Kollegin an einer anderen Schulen ist das als abendliche Grillparty angelegt, bei der der Hausmeister grillt und viele bis spät in die Nacht sind. Ganz so ausgelassen geht es bei uns nicht zu, aber es gibt zu essen und zu trinken und viele Ehemalige sind da.

lehrerfeiern_schulabschied

Bei einem Kollegium von 100 Lehrern mit etwa 10% Referendaren wechseln jedes Schuljahresende 5–6 Referendare die Schule und gehen 1–2 Kollegen in den Ruhestand. Das kommt auch in anderen Berufen vor, aber an der Schule ist das nicht über das Jahr verteilt, sondern konzentriert auf das Schuljahresende. Deswegen gehören zu diesen Feiern auch Abschiedsreden und ‑gesänge, lustige Nummern und Diashows und Geschenke. Das organisieren die Kollegen aus der jeweiligen Fachschaft.

Ich bin ja nicht so der große Feierer. Und am Schuljahresende auch einigermaßen erschöpft. Aber für das Schulleben spielen solche Feiern sicher eine große Rolle.

Schuljahresendrituale II (Taschen und Fächer ausleeren)

schuljahresende2015

In amerikanischen Fernsehserien sehe ich gelegentlich, dass Menschen, die ihren Arbeitsplatz wechseln, mit großen Kartons voller Arbeitsmaterial das Gebäude verlassen. Nun wechseln Lehrer ihre Arbeitsstelle eher selten, und einen Arbeitsplatz an der Schule haben auch nicht alle. Aber man muss doch jedes Jahr seinen Kram aufsammeln, das kleine Fach leeren, das jeder Lehrkraft eigen ist, und das Zeug mit nach Hause nehmen – um es nach den Sommerferien wieder zurück zu tragen.

Bei mir sind das meist mehrere Tage, an denen ich die Schultasche vollmache mit Zeug. Oben abgebildet ist die Fuhre des letzten Tages, ausgekippt auf meinem erweiterten Schreibtisch, also dem Fußboden. Da wird das dann aufgeräumt, zusammen mit dem restlichen Schreibtisch. Ein kleiner WLAN-Router, Kabel, Adapter, Taschen, Papier, Abschiedsgeschenke.

Filme am Ende

Ja, auch ich schaue am Ende des Schuljahres Filme. Zuerst haben wir uns die Strandszene aus Jaws angeschaut, knapp 5 Minuten, findet man schnell im Web. Dann haben die Schülerinnen und Schülern gesammelt, was ihnen aufgefallen ist. Im Deutschunterricht sollen die Schüler ja das genaue Hinschauen üben, das Abstrahieren von Einzelbeobachtungen, und das Deutung ganzer Texte – ob es sich um Gedichte, Verträge, Gesetze, Kurzgeschichten oder Filme handelt. Und jetzt eben mit Jaws.

Danach sahen wir uns diese Analyse zur Strandszene an:

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Und danach wiederum verglichen wir die Positionierung der Elemente im Bild beim schnell geschnittenenen Mad Max: Fury Road

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mit anderen Möglichkeiten, hier wieder im Videoessay:

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Was sich da eigentlich hätte anschließen müssen: Ein Arbeitsauftrag, Fotos zu machen zu einer gegebenen kurzen Geschichte unter Verwendung dieser Quadrant-Methode. Aber nicht zum Ende des Schuljahrs.

Und dann gab es

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Die 100 ikonistischen Einstellungen aller Zeit. Nu, über die Hyperbel mag man streiten, und über die konkrete Auswahl und die auswählende Institution auch – aber Tatsache ist, dass ich als enkulturierter Filmeschauer einen Großteil dieser Einstellungen kenne. Zum Teil, weil ich die Filme gesehen habe, zum Teil, weil die so berühmt sind, dass man sie auch kennt, ohne den Film gesehen zu haben: Sie sind kanonisch. (Aus Panzerkreuzer Potemkin fehlt allerdings die Treppenszene, dafür gibt es einen anderen Ausschnitt).

Meine Schülerinnen und Schüler… einen Großteil der Filme und Einstellungen kannten sie wohl nicht. Aber eine halbe Sekunde 2001: A Space Odyssey hat gereicht, dass ein Schüler das erkannt hat, und wir reden hier nicht von einem fliegenden Knochen oder einer Raumstation. Das beweist, dass eine einzelne Einstellung ikonisch sein kann. Ein anderer Schüler hat Easy Rider erkannt, und das im Jahr 2015. Bei The Sound of Music musste ich dann kurz anhalten und Erklärungen abgeben, wie ich auch sonst immer wieder mal pausiert und die angeforderten Zwischenrufe eingeholt habe. Ein oder zweimal haben die Schülerinnen auch mehr gewusst als ich.

Zum Schluss sahen wir uns die 100 Einstellungen noch einmal an, diesmal mit eingeblendeten Titeln.

Ist dieses Filmwissen nutzloses Wissen? Nein. Nutzlos wäre es, wenn man jeweils nur den Film benennen könnte. Aber ein Filmfreund weiß auch, warum diese Einstellung ikonisch wurde, warum der Film in diese Liste aufgenommen wurde.

Gibt es eine Liste der hundert (oder zehn) ikonischsten Anfänge von Romanen, oder Schlusssätze? Sicher. Freuen würde ich mich über die zehn wichtigsten Metaphern der Literaturgeschichte. Oder Symbole. (Höre ich da “Chiasmen”? Es gibt keine wichtigen Chiasmen.)

(Weitere Filmideen hier.)

Informatik: Abschluss des Programmierprojekts in der 11. Klasse

club_mate_computerraum

Zum Abschluss der letzten Wochen Programmierarbeit habe ich eine Kiste Club Mate spendiert. (Der Kollege mit Auto war so nett, sie für michmitzubringen.) Club Mate ist eine alkoholfreie kohensäurehaltige Limonade auf Basis der Mate-Pflanze. Sie enthält halb so viel Zucker wie Cola und doppelt so viel Koffein. In manchen Kreisen ist sie als “Hackerbrause” bekannt und hat den Ruf, unter Programmieren recht beliebt zu sein. Ob das stimmt, weiß ich natürlich nicht, aber auf dem einen Usergroup-Meeting, auf dem ich war, gab’s das jedenfalls.

Und weil die Schülerinnen und Schüler in den letzten zwei Monaten viel programmiert haben – am Ende der Q11 steht ein Programmierprojekt auf dem Lehrplan, bei Gelegenheit stelle ich mal die Ergebnisse vor – gab es eine Kiste zum Ausprobieren.

Zockstöckchen

Jan-Martin Klinge hat mir Fragen gestellt, die seinerseits ihm gestellt wurden. Diesmal geht es um Computerspiele. (Als ich ein Kind war, war “zocken” nur mit Glücksspiel assoziiert. Heute bedeutet es “Computerspiele spielen”. Sprachwandel in action.

Was war dein allererstes Computerspiel (Konsole o.ä. zählt auch)?

Das dürfte so 1973, 1974 gewesen sein. “Table tennis” auf der ersten kommerziellen Spielekonsole, der Magnavox Odyssey, die mein Vater ins Haus gebracht hatte. Schwarzweiß, auch auf einem Farbfernseher. Um die Spiele bunter zu machen, gab es für jedes Spiel selbsthaftende Folien, die man auf dem Bildschirm anbrachte, und die mit dem Spiel eigentlich nichts zu tun hat. Bei der Pong-Variante spielten zwei Spieler das bekannte Spiel gegeneinander, aber noch ganz rudimentär: Jeder Schläger konnte quer über das ganze Spielfeld bewegt werden (auch in die gegnerische Hälfte), und wenn der Ball ins Aus flog, kam einfach ein neuer Ball. Eine Punktezählung gab es nicht.
Danach kamen simple Spiele auf alten Commodore-Rechnern, Zahlenraten (eine Standard-Programmierübung), oder eine Art Autorennen in Ascii-Art:

        |       |
       /       /
      /       /
     /       /
     \       \
      \       \
       \   o   \

Die Straße scrollt von oben nach unten, und man muss innerhalb der Linien bleiben. So ähnlich wie hier im Youtube-Video.
Space Invaders, Startrek, Lunar lander, das waren weitere Spiele auf dem dem PET.

Mein erstes Spiel in Farbe, das man als Spiel heute wiedererkennen würde, war 1981 auf der Intellivision-Konsole, und da das Spiel Astro Smash. Läuft bei mir im Emulator und auf dem Tablet, ich spiele es ab und zu immer noch.

DSA oder D&D
DSA. (Wir wollen es bei den schönen kryptischen Abkürzungen belassen. D&D natürlich auch, aber die schöneren Erfahrungen gab’s bei DSA.)

Pen&Paper oder MMORPG?
Pen&Paper, eindeutig. Ich mach ja nicht mal LARP. “It runs on the world’s most powerful graphics chip, imagination.” Interessant ist das mit den MMORPG und emergent behaviour aber schon auch.

Welches Spiel hat dich vor allem durch den fantastischen Soundtrack auf ewig verzaubert?
Puh. Möglicherweise The Martian Chronicles, Byron Preiss 1995 oder so. Als Spiel seiner Zeit hinterher, aber tolle Atmosphäre, und vielleicht lag das auch am Soundtrack. Sonst ällt mir jedenfalls keines ein.

Dein liebstes Computerspiel ever?
Also nicht das, das ich für das beste halte, sondern das, das mir zu einer Phase so lieb war wie danach und davor keines mehr? Oder eines, das ich heute noch manchmal spiele? Alles schwere Fragen. Brettspiele wären leichter. Eines, das mich nicht loslässt: PSI‑5 Trading Station auf dem Commodore 64, obwohl ich es nie viel gespielt habe. Oder DOOM. Odere Freedom Force, ein wenig bekanntes rundenbasiertes Superheldenspiel aus den frühen 2000er Jahren. Nein, ich habe vermutlich kein liebstes Computerspiel. Beeindruckende Spiele kenne ich viele.

Das größte Mysterium für dich in einem Spiel?
Soll das heißen, ein Rätsel, an dem ich lange herumgerätselt habe? Fällt mir keines ein, das Spuren hinterlassen hat. Ansonsten: Was die Programmier aus dem Commodore 64 alles herausholten.

So schwer, dass ich’s nie geschafft habe und kurz davor war meine Konsole/meinen Rechner anzuzünden…
Vermutlich das Jump-and-Run meiner Schüler. Ich habe es nie zu Ende gespielt. Ansonsten haben zu schwere Spiele keine Chance bei mir, dann verzichte ich lieber. (Anders als Denksportaufgaben, da gebe ich jahrelang nicht auf.)

Welcher Spielecharakter hat dich am meisten überzeugt?
Auch hier fällt mir erst mal niemand ein. Ich mag die eher gestaltlosen, mit denen ich mich leichter identifizieren kann. Ansonsten vielleicht Grunk, der Orc, der im Textadventure Lost Pig nach seinem verlorenen Schwein sucht. Aber auch das ist nur eine vorläufige Antwort.

Zocke ich gerade?
Nein. Ich komme meist nur in den Ferien dazu. Vor zwei Wochen habe ich Her Story gespielt, ein kurzes Spiel, bei dem man aus Interviewschnipseln, die man selber in unterschiedlicher Reihenfolge auswählt, die Geschichte dahinter ermitteln muss. Etwas enttäuschend, einmal wegen der Geschichte, und dann wegen der fehlenden Gewinnbedingung oder sonstiger Markierung eines Endes. Aber gute Idee.

Bevorzugte “Sparte” (Action, Adventure, Sport, Strategie, usw.?)
Adventure.

Zockt ihr auf dem smarten Phone/Tablet – wenn ja, was?
Eigentlich nichts. Ich habe Interpreter für Textadventures und Emulatoren für alte Geräte, aber alle halben Jahre ein casual game, das war’s. Nie eines der bekannten.

Blogparade: Lehrer von morgen heute denken

Als Schüler im Englisch-Leistungskurs beklagte sich der von allen sehr geschätzte Lehrer ein bisschen über die Lehrerausbildung. Den Anlass weiß ich nicht mehr, er erzählte überhaupt immer wieder kleine Geschichten, und das schätzten wir, weil es interessante Geschichten waren, und auf diesem Weg habe ich von ihm viel gelernt – Spike Milligan habe ich über ihn kennen gelernt, Evelyn Waugh, englische Kreuzworträtsel, Private Eye, Haggis. Ob ich Englisch gelernt habe, das weiß ich nicht, das konnte ich ja schon davor recht gut.

Jedenfalls erzählte Herr G. von einem Kommilitonen, der eine Art Sprechbehinderung gehabt habe. Ich glaube mich an das Wort “Hasenscharte” zu erinnern, aber vielleicht erinnere ich mich falsch, oder vielleicht haben die Details der erzählten Geschichte auch gar nicht gestimmt. Jedenfalls sei der Kommilitone dann nicht als Lehrer zugelassen worden, und Herr G. war empört darüber, dass während des ganzen Studiums niemand Institutionelles es für nötig befunden habe, dies dem Kommilitionen mitzuteilen.

Ob die Details so stimmen, bezweifle ich, aber das ist nicht wichtig. Es geht mir eher um die Frage, wer wann einem Lehramtsstudierenden sagen soll oder kann, dass er oder sie fürs den Beruf nicht besonders geeignet ist. Ich glaube nämlich, dass es einen Zeitpunkt gibt, ab dem man das sagen kann – selbst wenn man tatsächlich durch Ausbildung und Erfahrung auch später noch viel lernen kann. Irgendwann kann man darauf hinweisen, dass der Aufwand groß sein wird.

An der Uni sagt man es den Studierenden nicht. Wer sollte das auch tun? In Bayern findet das Lehramtsstudium an regulären Universitäten statt; die Studierenden besuchen die gleichen fachwissenschaftlichen Veranstaltungen wie die Bachelor- oder Masterstudierenden, und zusammen mit ihnen. Die Fachwissenschaftler können kaum beurteilen, was man fürs Lehrersein braucht. Die Fachdidaktiker an der Uni haben da – vielleicht – mehr Einblick. Aber beide werden sich wohl hüten, jemandem das zu sagen – kaum besteht die Studierende die nächste Klausur nicht, ist man schuld, weil man sie durcheinander gebracht hat.

Im Referendariat sagt einem das auch keiner. Also, nur durch die Blume, vermute ich – in Form von Noten.

In anderen Bundesländern gibt es Pädagogische Hochschulen, wo, soweit ich weiß, die Lehramtsstudierenden unter sich sind; sie kriegen eigene Veranstaltungen ohne Kontakt zu regulären fachwissenschaftlichen Studierenden. Das gefällt mir nicht so gut, ist aber vielleicht nur ein Vorurteil. Wird man da besser beraten? Oder legt man sich im Gegensatz sogar noch früher aufs Lehramt fest? Immerhin gibt es an den Unis regelmäßig Studierende, und gute Leute dabei, die während des Studiums erkannt haben, dass sie doch nicht Lehrer werden möchten, und die dann doch etwas anderes machen. Spielt es eine Rolle, dass sie mehr Kontakt zu anderen Studenten hatten?

Vermutlich macht das alles nichts aus und ist ganz normal so. Das Problem ist dann eher, dass man, wenn man einmal Lehrer ist, dann auch Lehrer bleibt. Zu verlockend die Sicherheit, zu schwer die eventuelle Rückkehr in den Lehrerberuf. Und vielleicht stimmt die Prämisse auch nicht, und aus jedem kann zu jeder Zeit noch ein zufriedener Lehrer werden.

– Zufällig passen meine Gedanken in eine Blogparade zum Thema Lehrerausbildung. Tom Mittelbach wünscht sich, dass Lehrer professioneller an der Beziehung zu Schülern arbeiten (so wie er), Dejan Mihajlovic möchte, dass Lehrer mehr digital arbeiten (so wie er), Herr Berstein zweifelt an den Gründen, die manche Leute sich für das Lehramt entscheiden lassen.

Erfahrungen beim Programmieren

Beim Programmieren kann man viele schöne Erfahrungen machen, zum Beispiel mit Fehlern. Fehler sind dabei nämlich etwas Alltägliches. Anders als beim Fehler im Deutschaufsatz merkt man aber gleich, dass etwas falsch ist, und das ganz ohne den Hinweis eines Lehrers: Der Computer weigert sich zum Beispiel, einen Programmtext zu akzeptieren, weil man irgendeinen syntaktischen (=grammatischen) Fehler gemacht hat. Den muss man dann suchen und verbessern, sonst geht es nicht weiter. Das halte ich für eine lehrreiche Erfahrung.

Noch spannender sind die semantischen Fehler: Das Programm läuft zwar, aber es tut einfach nicht das, was es soll. Das ärgert einen. Die unmittelbare Reaktion ist: der Computer hat einen Fehler gemacht, Tatsächlich muss man aber akzeptieren, dass – in den in der Schule auftretenden Fällen jedenfalls – das Programm genau das macht, was man ihm gesagt hat. Nur hat man ihm einfach das Falsche gesagt; es ist ein Fehler des Programmierers und nicht des Computers.

Erst neulich: Da war so eine Stelle, eingebettet in viele ähnliche Stellen, da hieß es quasi

wenn (a<0 oder b>0) dann:
    tue Folgendes

Das Programm hat jenes eher komplizierte Folgende aber nicht. Erster Schritt: Überprüfen, ob die beiden Bedingungen tatsächlich erfüllt sind. “Doch, sind sie,” versicherte der Schüler. “Kann gar nicht anders sein. Das muss so sein, weil sonst hätte ja gar nicht…” Der Erklärung habe ich gar nicht zugehört. Warum das logisch gar nicht sein kann, dass die Bedingungen nicht erfüllt sind, ist mir egal, solange sich einfach überprüfen lässt, welchen Wert a und b zu diesem Zeitpunkt im Programmablauf haben, also in welchem Zustand sich das Programm zu diesem Zeitpunkt befinden. Manche Entwicklungsumgebungen bringen dazu ein Debugger genanntes Werkzeug mit, aber man kann sich auch einfach den Wert vona und b ausdrucken lassen, kurz bevor sie abgefragt werden.

Und was nicht sein konnte, war dann doch so. Jetzt muss man weiter suchen, wieso a oder b den Wert haben, den sie nicht haben sollen. Hypothesen aufstellen, überprüfen, ausbessern.

Schuljahresendsternsinger

Gerade war ich im sich gentrifizierenden Münchner Stadtviertel südlich von da, wo ich wohne, spazieren, unsere wöchentliche Kartoffelkiste vom Verteilerpunkt abholen. Da sprechen mich drei Grundschulkinderinnen von der Seite an. “Pssst! Psst! Hallo.” (Das mit dem “Psst” habe ich erfunden.) Ob sie auf etwas warteten. (Sie sahen so aus.) Nein, aber sie würden gerne singen. (Na gut, ich stellte meine leere Kiste ab und setzte mich erwartungsvoll drauf.) Dann sangen die drei ein in der Grundschule erprobtes Lied, den Refrain etwas kräftiger als die drei Strophen, darüber, wie schön doch das Schuljahr war, dass sie sich in den Ferien erholen wollen und sich schon darauf freuen, sich alle im neuen Schuljahr wieder zu treffen.
Was es alles gibt.

Ich habe ihnen dann auch ganz großväterlich einen Euro dagelassen, für Eis. Es war ein langes Lied. Bei Junggesellinnenabschieden – die sind seltener geworden, oder? – partizipiere ich nie an der Fröhlichkeit und kaufe den jungen Frauen ein Gimmick ab, aber da musste ich wohl. Und gern.

Ungerecht ist es natürlich schon. Die Bettler kriegen meist nichts von mir.

Bachmannpreisgucken in der Oberstufe

Anfang Juli finden jedes Jahr die Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt statt, in deren Rahmen vor allem der Bachmann-Preis verliehen wird. Sieben Juroren schlagen dazu jeweils zwei Autorinnen oder Autoren vor, die eine unveröffentlichte Geschichte oder einen Romananfang mitbringen und dort vor den Jurorinnen und dem Publikum vorlesen. Nach jeder Lesung reden die Juroren dann kurz über das Werk. Und das alles live, vor Publikum, und im Fernsehen übertragen.

Drumherum gibt es ein wenig Folklore für die Schlachtenbummler des Bachmannpreises (Bachmannpreisschwimmen und Bachmann Song Contest) und die Automatische Literaturkritik (Startpunkt für Recherche). Eine Doppelstunde für die Schule ist da immer drin. Diesmal habe ich den Gewinnerbeitrag gezeigt, Nora Gomringer mit “Recherche”: Auf der ORF-Seite dazu gibt es den Vorstellungsfilm der Autorin, ihre Lesung, und die Jurydiskussion danach.

Für ein großes Public Viewing in der Schulaula gibt es vielleicht nicht genug Interessenten, aber so zum Schuljahresende ist das für Schülerinnen und Schüler sicher eine schöne Abwechslung selbst von meinem Unterricht. Aber sie sehen da auch, wie man über Literatur reden kann.