Charlotte Lennox, The Female Quixote (1752)

Titelbild The Female Quixote

Arabella wächst fernab von London in der Abgeschiedenheit des Anwesens ihres Vaters auf. Sie sie hat als Kind und Heranwachsende vor allem romances gelesen und nimmt deren Ereignisse für bare Münze, für Geschichtsschreibung. Alles, was ihr als junger Frau passiert, interpretiert sie vor diesem Hintergrund: Ein Gartenarbeiter, der ein wenig komisch schaut, ist für sie gleich ein verkleidetet Adliger, der sich unrettbar in sie verliebt hat und in die Bedienstetenrolle schlüpft, um heimlich in ihrer Nähe zu sein. (Als er beim Karpfenstehlen entdeckt wird, gelingt es ihr mit nur wenig Mühe, auch das in ihr Weltbild einzubauen.) Und fremde Berittene … Continue reading „Charlotte Lennox, The Female Quixote (1752)“

Bücher 2016

Meine gelesenen Bücher 2016. Zu einigen habe ich etwas gebloggt, zu anderen einen Podcast gemacht. Die Bücher mit ° habe ich wiedergelesen. Ingesamt wieder nicht so viele Bücher wie früher. Am ergötzlichsten: Evelina und Jane Eyre. Salman Rushdie, Two Years Eight Months and Twenty-Eight Nights John Jakes, Schiff der Seelen (Podcast dazu) Andre Norton, Gefangene der Dämonen° (Podcast dazu) Robert E. Howard, Herrscher der Nacht° (Podcast dazu) J. J. Abrams, Doug Dorst, S. Freeman/Robson, Head First Design Patterns Slightly Foxed No. 49 John Jakes, Tochter der Hölle (Podcast dazu) Umberto Eco, Der Name der Rose° Andrew Crumey, Mr Mee Tim … Continue reading „Bücher 2016“

Man kennt das ja: Die Juwelen stecken immer im letzten Stuhl.

Gelesen: Ilja Ilf, Jewgeni Petrow, Zwölf Stühle Als Kind hatte ich irgendwann mal Dreizehn Stühle gesehen, schwarzweiß, mit Heinz Rühmann: Im Zuge einer Erbschaft erfährt der Held, dass in einem von dreizehn gutbürgerlichen Polsterstühlen wertvolle Juwelen versteckt sind. Die Stühle sind aber längst in alle Winde zerstreut, und natürlich ist unbekannt, in welchem Stuhl der Schmuck steckt. Auf der Jagd nach den Juwelen, von Stuhl zu Stuhl, erleben Held und Sidekick diverse Abenteuer. In einer Anthologie mit Schachgeschichten stieß ich dann zum ersten Mal auf die Originalfassung: Zwölf Stühle von Ilja Ilf und Jewgeni Petrow, 1928 als Fortsetzungsroman in der … Continue reading „Man kennt das ja: Die Juwelen stecken immer im letzten Stuhl.“

Marco Polo, Die Reisen des Marco Polo

Affekopf, geschrumpft

Seit mehr als fünfundzwanzig Jahren steht eine schöne englische Marco-Polo-Übersetzung bei mir im Regal, und jetzt habe ich sie endlich gelesen. Die erste Überraschung: Das Buch ist alles andere als ein Reisebericht; es ist nicht einmal besonders spannend. In einigermaßen geographischer Folge stellt Marco Polo die Reiche und Städte vor, die er gesehen hat. Ganz knapp steht da oft nur: welche Religion es gibt (Christen, Muslime, Götzenanbeter=Buddhisten), welche Bestattungsarten, welche Sprache, wem das Reich tributpflichtig ist, womit die Bewohner ihren Lebensunterhalt verdienen (Jagd, Ackerbau, Handwerk, Handel). Aber die Details sind dann doch interessant. Marco Polo berichtet von dem Rohstoff, der … Continue reading „Marco Polo, Die Reisen des Marco Polo“

Fanny Burney, Evelina

Evelina in Vauxhall Gardens

Enttäuscht von den zuletzt gelesenen Werken des 21. Jahrhunderts und angeregt durch einen Besuch im Jane-Austen-Museum in Bath wandte ich mich kürzlich endlich Evelina von Fanny Burney zu. Burney ist noch mehr mit Bath verbunden als Jane Austen, die die Romane ihrer Vorgängerin sehr schätzte. Evelina (1778) ist Burneys erster und bekanntester Roman, vielleicht weil von moderaterem Umfang als ihre späteren Werke; er wurde bereits 1779 ins Deutsche übersetzt und ist als Scan online da und dort zu lesen – weitere Übersetzungen kenne ich nicht. Anglisten haben sicher zumindest von Fanny Burney gehört; in Deutschland kann sie mangels Übersetzung kaum … Continue reading „Fanny Burney, Evelina“

J. J. Abrams, Doug Dorst: S.

Das Buch, das ich gelesen habe, heißt S. und ist von Doug Dorst und J. J. Abrams, der wohl die Idee dazu hatte. Es kommt in einem Schuber mit Banderole dran, und in diesem Schuber ist ein Objekt, nämlich ein Buch namens Ship of Theseus, Autor: V. M. Straka, und unter diesem Namen dürfte S. bekannter sein als unter dem technisch korrekten Titel. Das ist verwirrend, aber wenn man das physische Buch-Objekt erst einmal in der Hand hat, wird alles etwas verständlicher. Das Buch ist die Reproduktion eines nicht existierenden Buchs… nein, doch anders: Das Buch sieht aus wie ein … Continue reading „J. J. Abrams, Doug Dorst: S.“

Bücher 2015

Meine gelesenen Bücher 2015. Zu einigen habe ich etwas gebloggt. Die Bücher mit ° habe ich wiedergelesen. Es sind insgesamt sehr wenige Bücher dieses Jahr: Im ersten Halbjahr habe ich mehr programmiert, im zweiten Halbjahr viel gearbeitet. Und erst in den letzten Monaten hat sich das Regal wieder mit Büchern gefüllt, auf die zu lesen ich Lust habe. Mark Twain, A Connecticut Yankee in King Arthur’s Courtº Cory Doctorow/Jen Wang, In Real Life George Jean Nathan, The Bachelor Life Kim Newman, Anno Dracula Salman Rushdie, Haroun and the Sea of Storiesº Julie Schumacher, Dear Committee Members Wolfgang Herrndorf, Arbeit und … Continue reading „Bücher 2015“

Friedrich Schiller, Der Geisterseher

„Einer der besten Krimis aller Zeiten“ hieß es vor drei Wochen in der Süddeutschen Zeitung (online) über Schillers Romanfragment Der Geisterseher, das in fünf Teilen in Heft 4-8 (1787-1789) der Zeitschrift Thalia erschien und danach für die erweiterte Buchausgaben noch etwas umgestaltet wurde. Das ist Unsinn. Das Buch ist meinethalben seiner Zeit voraus, genreprägend, stilbildend, vielleicht sogar ein Krimi, sicher Schillers größter Publikumserfolg – aber ein planloses Durcheinander, was Erzählweise und Plot betrifft. Der Graf von O. erzählt uns im Buch, was er selbst miterlebt hat: Die Geschichte vom Niedergang des Prinzen von **. Der ist ein deutscher Prinz, gut … Continue reading „Friedrich Schiller, Der Geisterseher“

Ignaz Ferdinand Arnold, Der Schwarze Jonas

Der Schwarze Jonas, Kapuziner, Räuber und Mordbrenner. Ein Blutgemälde aus der furchtbaren Genossenschaft des berüchtigten Schinderhannes. Aus einem Inquisitions-Protokoll gezogen ist ein – darf ich sagen berüchtigter? dabei wenig bekannter? – Räuberroman von 1805. Ich habe ihn in einer Ausgabe aus dem Jahr 2000 gelesen, print on demand, aber trotzdem ansprechend gemacht, leider mit einigen Tippfehlern, aber dafür in der Reihe „ExcentricClub“ erschienen – das macht Vieles wett. In dem dtv-Band Lieblingsbücher von dazumal. Eine Blütenlese aus den erfolgreichsten Büchern von 1750-1860 (Hrsg. Horst Kunze), den ich nie ganz gelesen habe, weil mich der Satzspiegel abschreckt, taucht Arnold nur kurz … Continue reading „Ignaz Ferdinand Arnold, Der Schwarze Jonas“