Magic 8 Ball

Ah, Amerika! In den USA ist er liebe Erinnerung an frühe Teenagerjahre, hierzulande kennt man ihn allenfalls aus einzelnen Episoden amerikanischer Fernsehserien: den Magic 8 Ball.

Beim Billardspiel ist die 8er-Kugel schwarz, und kann zu einem frühen Spielende führen, wenn sie einem in die Quere kommt. Manchmal scheint sie den Spieler teuflisch zu verfolgen, kein Wunder, steckt sie doch voller Magie.
Die noch magischere Version davon ist ein beliebtes Kinderspiel aus Plastik, etwa doppelt so groß wie eine echte Billardkugel. Dafür hat der Magic 8 Ball aber auch auf der Unterseite ein Fenster, in dem die Kugel wie von Geisterhand Antworten auf die Fragen des Benutzers gibt. Die Antworten reichen von “Yes” und “It is certain” und “It is decidedly so” bis zu “My sources say no” und “Don’t count on it”. Selbst die magische schwarze Kugel ist nicht allwissend, sie gibt das aber auch zu: “Ask again later” und “Reply hazy, try again”.
Auf alle Lebensfragen, wenn sie denn in Ja-Nein-Form gestellt sind, gibt die magische Kugel Antwort.
(Die Fragen drehen sich meistens darum, ob man in dem und dem Alter schon verheiratet ist, und ob man Kinder haben wird. Auch noch bei Elftklässlerinnen, ich hab’s mit eigenen Augen gesehen. Nicht: Werde ich Erfolg im Beruf haben und den Nobelpreis gewinnen?)

Sicherheitshalber steht auf der Verpackung der Hinweis, es handle sich bei dem Magic 8 Ball um ein Spielzeug, das keinesfalls wirklich die Zukunft voraussagen könne.

Auf der Seite Secrets of the Magic 8 Ball revealed! hat ein Freund der Kugel den Traum jeden Besitzers erfüllt und das Ding auseinandergenommen und erklärt, wie es funktioniert. Na ja, wie es funktioniert hat – nach dem Auseinandernehmen ist das Teil nämlich kaputt.

The Public 8 Ball ist was für Geeks: Dort ist eine Webcam auf einen Ball gerichtet, der in einem Lego-Gerüst steckt; man kann Fragen hinschicken, der Linux-Rechner sendet Signale per Infrarot an die Lego-Teile, die den Ball drehen, und das Ergebnis zurückschicken.… Ausführlich wird die Technik erklärt, aber leider funktioniert das Teil zur Zeit leider nicht. Vielleicht hat ja mal jemand später Glück damit.

Bei Amazon – selbst in Deutschland – kann man ein Exemplar kaufen. In den USA sind sie billiger, aber das ist trotzdem ein nettes Geschenk für USA-Freunde.

Und in der Schule kann man damit prima Ja-Nein-Fragen wiederholen.

Das Ende der Welt ist nah!

McSweeney’s Mammoth Treasury of Thrilling Tales enthält neu geschriebene Geschichten im Stil der alten Pulp-Erzählungen. Das Inhaltsverzeichnis passt im Stil dazu, und jede Geschichte wird von einer passend altmodisch-auftregenden Illustration eröffnet.

Eine der Geschichten ist mir besonders im Gedächtnis geblieben: “Otherwise Pandemonium” von Nick Hornby. Ein männlicher Teenager kommt an einen gebrauchten Videorecorder. Durch Zufall stellt er fest, dass der Recorder auch funktioniert, wenn keine Kassette eingelegt ist – dass er das aktuelle Fernsehprogramm zeigt, aber mit der Möglichkeit, durch Vorspulen in die Zukunft zu schauen.
Und so schaut sich der Held die Zukunft an. David Letterman, das Wetter, Verkehrsunfälle, Sportveranstaltungen. Er kommt selbst darauf, dass ihm das auch nicht dabei hilft, mit seinen Mitschülern etwa cool und lässig über Sport zu reden. Also himmelt er weiter still eine Mitschülerin an und schaut alleine weiter in die Zukunft. Schaut sich die Episode an, in der Joey und Phoebe heiraten, aber meistens spult er einfach vorwärts: ständig den Daumen auf dem Knopf der Fernsteuerung. Irgendwann fällt ihm auf, dass die Nachrichtensendungen immer länger werden. Und irgendwann kommen nur noch Nachrichten. Und irgendwann dann nur noch Rauschen. Static. Kein Bilder mehr. Nur noch Rauschen. Er spult zurück, schaut sich die Nachrichtensendungen noch einmal genauer an.

Er erzählt der Mitschülerin davon, zeigt ihr den Recorder und das Programm, und die beiden beschließen, ihre noch verbleibende Zeit zu nutzen.

- Mich hat diese Geschichte an eine andere erinnert, die ich vor über zwanzig Jahren gelesen haben muss, und die ich versuche wiederzufinden. Sie war möglicherweise in einem alten Heyne-SF-Taschenbuch abgedruckt. Es geht darin um ein Medium, das in die Zukunft schauen kann, oder das vielleicht auch nur behauptet, so genau weiß ich das nicht mehr. Tatsächlich kann diese Person aber sehen, wenn jemand in Kürze, also ein paar Monaten, stirbt: dann erkennt sie in der Handfläche der jeweiligen Person einen großen schwarzen Punkt.
Und irgendwann sieht sie immer mehr schwarze Punkte an immer mehr Menschen, und irgendwann sieht sie dann an jedem schwarze Punkte, ohne genau zu wissen, was es ist, dass da kommen wird.

Wenn mir irgend jemand mit Details zu dieser Geschichte aushelfen könnte, wäre ich sehr verbunden.

Wie man fürs Shakespeare-Jahrbuch schreibt

Gelegentlich bilde ich mich ja an der Uni weiter. So war das auch im Frühling letztes Jahr. Es ging um Shakespeare in der Schule – so ließ es der Titel der Ringvorlesung zumindest vermuten. Tatsächlich ging es dann nur um verschiedene Interpretationsansätze zu Coriolanus, und wie man die in der Schule verwenden kann. Aber wenn ich im Englischunterricht nur ein Shakespeare-Drama in der Schule lese, dann wird das sicher nicht Coriolanus sein.

Trotzdem konnte ich der Vorlesung Interessantes abgewinnen. Die Diskussion im Anschluss daran war lebhaft; Besucher der Ringvorlesung waren vor allem Lehrer und Lehramtsstudenten, also Praktiker. Der Lehrplan sieht die Lektüre eines Shakespeare-Dramas im Englisch-Leistungskurs vor. Die Schüler tun sich schwer mit der Sprache, aber dennoch ist das so etwas wie das Meisterstück eines Englischschülers. Ausgeklammert wurde die Frage, wie sinnvoll es überhaupt ist, Shakespeare zu lesen, solange die Schüler noch nicht mal hinreichend in der Fremdsprache kommunizieren können. Ich habe da meine Zweifel, bin aber dennoch froh, zu Shakespeare gezwungen zu sein – der macht mir nämlich sehr viel Spaß, und das kann ich den Schülern vielleicht auch vermitteln.

Jedenfalls saß ich ganz vorne und redete fleißig mit, immer nach einem kurzen Rundblick, ob ich die anderen auch zu Wort kommen lasse.

Und da saß dann eine selbstbewusst gekleidete Dame im Publikum, die ebenfalls mitredete, und danach für ein Jahrbuch oder so Beiträger suchte. Ich fühlte mich nicht angesprochen, ich habe ja auch nicht in München studiert und kenne da niemanden, und bin ohnehin eher Sprach- als Literaturwissenschaftler.
Aber danach kam die Dame noch einmal zu mir und fragte, ob ich nicht doch etwas für das Shakespeare-Jahrbuch schreiben würde. Sie wirkte ein kleines bisschen überrascht, dass ich sie nicht kannte (ich musste fragen, wie ich Kontakt zu ihr aufnehmen sollte).

Zu Hause hat mich dann meine Frau daran erinnert, dass Ina Schabert eine der Shakespeare-Königinnen Deutschlands ist. Und so stehe ich also mit folgendem Aufsatz im Shakespeare-Jahrbuch 2004.

Natürlich ist das keine Riesenleistung; man könnte viel öfter an den verschiedensten Zeitschriften mitarbeiten, angefangen mit den für den eigenen Beruf relevanten (wie Praxis Deutsch oder Der fremdsprachliche Unterricht oder so). Aber es ist mein erster Aufsatz seit der Uni. Ich musste wieder mal Korrekturabzüge lesen, nur diesmal nicht für den Prof, sondern für mich selber. Dann musste ich monierte Schwachstellen verbessern, und nicht monierte Schwachstellen ignorieren – inzwischen studierte ich Informatik und hatte nicht mehr viel Zeit.
Trotzdem habe ich mir gewiss Mühe gegeben mit dem Aufsatz, und er war mir auch ein Anliegen. Schließlich mag ich Shakespeare, und lese ihn gerne, und will meinen Schülern vermitteln, wie vergnüglich Shakespeare ist.

Für die alte Rechtschreibung kann ich nichts.

Pokale für Lehrer

Es ist ein Gerücht, dass es einen Wanderpokal für die erste gehaltene Ex im Schuljahr gibt: Aber dieses Jahr haben gleich zwei Kollegen Schüler und Schülerinnen verwirrt, indem sie in der jeweils dritten gehaltenen Stunde in ihrer Klasse eine Ex geschrieben haben.

Andere Pokale wären: Die am knappsten vor dem Notenschluss geschriebene Schulaufgabe (der sogenannte Mitternachtskorrekturpreis).

TU München

Zahnpflege für Mammutstoßzähne?



Die Wahrheit ist noch unglaublicher: Im Mathematik- und Informatikgebäude der TU München in Garching gibt es einen großen überdachten Lichthof, um den wie in einer Galerie die einzelnen Hörsäle und Büros angeordnet sind. Unten lümmeln sich dann die Studenten an Tischen und Bänken, trinken Kaffee und krümeln Donuts in ihre Laptops.
Und von oben bis unten gibt es diese langen, gekrümmten, schwarzen Röhren, die vage nach Kunst aussehen, tatsächlich aber: Rutschen sind. Man setzt sich auf ein bereitgestelltes kleines Stück Teppich und rutscht hindurch und herunter.
Vielleicht traue ich mich nächstes mal ja. Wenn dann nicht wieder geputzt wird.

Nachtrag: Hier eine Videoaufnahme vom Durchrutschen.

Vorerst, weil ich so stolz bin, mein erstes Assemblerprogramm. Das lernen wir nämlich gerade in Informatik.

	SEG
init:
	MOVE W I 1, R0
	MOVE W I 1, R1
	MOVE W I 5, R2
	MOVE W I 2, R3
rechnen:
	SUB W R3, R2, R4
	CMP W R3, R4	
	JLT start
	MOVE W R4, R3
start:
	JUMP test
for:	
	SUB W R0, R2, R4
	ADD W I 1, R4
	MULT W R1, R4
	DIV W R0, R4, R1
step:
	ADD W I 1, R0
test:
	CMP W R0, R3
	JLE for
end:
	HALT
	END

Deswegen komme ich gerade auch so wenig zum Posten.

Ray Bradbury, Löwenzahnwein (mit Rezept)

Bradbury ist einer der ganz, ganz Guten.
Dandelion Wine (dt. Löwenzahnwein) ist wie viele der Romane von Bradbury eigentlich eine thematisch verbundene Sammlung von Kurzgeschichten. Die Verbindung ist diesmal Douglas Spaulding, zwölf Jahre alt, und der Sommer, den er Anfang der 30er Jahre in Bradburys fiktiver Kleinstadt Green Town, Illinois erlebt. Er führt eine Liste, was er in diesem jahr, in diesem Sommer, alles zum erstenmal gemacht hat. Amazon.de drückt es gut aus:

“Es ist ein Sommer voller Schrecken und Wunder, den der zwölfjährige Douglas Spaulding in Green Town, Illinois, erlebt. Es kommen vor: ein Trödler, der Leben rettet; ein Paar Turnschuhe, in denen man schnell wie eine Gazelle laufen kann; eine menschliche Zeitmaschine; eine Hexe aus Wachs, die wirklich die Wahrheit sagt; ein Mann, der beinahe alles Glück zerstört, indem er eine Glücksmaschine baut. […]
Im Laufe dieses Sommers wird Douglas bewusst, dass auch er eines Tages sterben wird, und gerade deswegen spürt er um so intensiver, was es heißt, zu leben.”

Die Geschichten sind sentimental, gruslig, lustig, phantastisch. Sie spielen etwa zeitgleich mit der Fernsehserie “Die Waltons”, also Anfang der 30er Jahre. Es geht ums Älterwerden, um Abschiednehmen. Symbolisch für den Sommer und die gesammelten Erinnerungen stehen die Flaschen voll flüssigen Sommers im Keller: Löwenzahnwein (ein tatsächlich während der armen Depressionszeit häufig gebrautes Getränk). “Dandelion wine. The words were summer on the tongue. The wine was summer caught and stoppered.”

Gerade jetzt im Herbst ist man froh, wenn man noch ein Fläschchen im Keller hat.

 


(Aus: William F . Nolan, The Ray Bradbury Companion. A Life and Career History, Photolog, and Comprehensive Checklist of Writings With Facsimiles From Ray Bradbury’s Unpublished and Uncollected Work in all Media. Detroit: Gale 1975.


Ein Rezept für Löwenzahnwein.

Vor über zehn Jahren hatte ich mühsam Rezepte gesucht, und drei ausprobiert; das hier lieferte das beste Ergebnis. Das war vor dem WWW, heute könnte man vielleicht noch bessere Rezepte finden – oder ursprünglichere, denn meines stammt, ähem, aus Frankreich.

Drei Liter Löwenzahnblüten (früh im Sommer gepflückt, so daß noch viel Nektar darin enthalten ist) mit 4 l kochendem Wasser übergießen und 24 h ziehen lassen. Danach die Blüten herausnehmen, und 500 g Rosinen, 3 Orangen und 3 Zitronen (jeweils in Stücken) dazutun. Außerdem kommen noch 3 ½ Pfund Zucker hinein.
Das ganze 21 Tage lang stehen lassen und jeden Tag einmal umrühren (mit Liebe umrühren, darauf legte meine Quelle besonderen Wert).
Danach filtern und in Flaschen füllen, die nicht luftdicht verschlossen sein sollten. Jetzt noch 6–8 Wochen stehen lassen. (Besser noch ein halbes Jahr; das war jedenfalls meine Erfahrung.)

Li’l Elder Williams

Wenn man an Comics denkt, denkt man an Zeichnungen. Es geht aber auch ohne.

Viele kennen vielleicht die Simpson-Episode, in der Bart an ein Funkgerät kommt, das in einen alten Brunnenschacht fällt. Passanten hören die Stimme Barts aus dem Brunnen, und Bart tut so, als wäre er ein Junge, der in den Brunnen gefallen ist, worauf sich eine große Hilfsaktion entwickelt.
Das Kind, das in den Brunnen fällt, ist ein alter amerikanischer Topos, glaube ich.

Shane Simmons ist ein kanadischer Autor von, unter anderem, Comics. Ich habe schon über seine Longshot Comics geschrieben. Er hat sich in Li’l Elder Williams des Kindes im Brunnen angenommen. Auf der Titelseite des nur etwa postkartengroßen Heftchens sieht man gerade noch, wie Li’l Elder Williams mit einem “Whoops!” in den Brunnen fällt; darauf folgen 16 kurze Geschichten über das Kind am Boden des Brunnenschachts. Jede Geschichte besteht aus einer Titelzeile (mit jeweils einem wechselnden Ausspruch des Knaben) und aus neun einzelnen, jeweils gleich angeordneten Panels: Alles ist schwarz, man sieht nur weit oben das Ende des Brunnens, und unten die im Dunkeln leuchtenden Augen des Jungen, dazu die Sprechblasen. Anders gesagt, das Comic enthält keine Zeichnungen. Aber die braucht es auch gar nicht. Hier ein Beispiel:

Shane Simmons verzichtet bei Li’l Elder Williams auf bestimmte Elemente der Comic-Sprache: Auf Zeichnungen, aber auch auf Anzahl, Form, Anordnung und Rahmenform der einzelnen Panels. Man sollte meinen, es bliebe nicht genug übrig, um noch ein interessantes Comic produzieren zu können. Stattdessen sieht man aber deutlicher, welche anderen Elemente der Comicsprache es noch gibt: der Text natürlich, aber auch die Form der Sprechblasen (1. Panel), die geschlossenen Augen des Jungen durch einfaches Weglassen (1. Panel), Soundwörter und wie sie geschrieben sind (7. Panel). In anderen Episoden wird der regelmäßige Takt durch die regelmäßige Anordnung der Panels deutlich; einzelne Panels ohne Sprechblasen markieren Pausen.

Li’l Elder Williams kann man neben anderen Minicomics für einen Dollar kaufen bei Shane Simmons.

Sobald mir etwas einfällt, wie ich diese Idee klauen kann, will ich solche Comics auch mal mit Schülern entwerfen. Wo ist es denn noch so dunkel, dass man fast nichts sieht? Oder so hell, dass alles weiß ist? Nachts ist es überall dunkel, okay. Aber ein weiterer Vorteil des Brunnenschachts ist, dass die Form der Panels auch der Form, der Enge des Brunnenschachts entspricht. Bei einer Serie “Nachts auf dem Schulgelände” wären die Grenzen der Panels willkürlicher gesetzt. Außerdem enthält die Idee mit dem Brunnen natürlich – siehe Simpson-Episode – auch ein dramatisches Moment, mit dem man arbeiten kann. Statt Brunnenschacht vielleicht Gespräche in einem Aufzug, die Sprechblasen durch die geschlossene Aufzugtür gehört? Aber Sprechblasen vor einer gezeichneten Tür sind etwas schwieriger zu positionieren als Sprechblasen vor schwarzer Fläche.
Vielleicht fällt mir ja noch etwas ein.

Englisch-Vergleich: 8. Klasse und Grundkurs

Schüler der 8. Klasse und des Englisch-Grundkurses der 12. Klasse bekamen die gleiche Aufgabe gestellt: Einen Text zu gegebenen Stichwörtern zu produzieren. Kann man herausfinden, welches Ergebnis zu welcher Jahrgangsstufe gehört?
Ich wäre meinen Lesern sehr verbunden, wenn sie die Ergebnisse bewerten würden:

  • Sie können versuchen herauszufinden, zu welcher Jahrgangsstufe ein gegebener Text gehört
  • Sie können den Texten aber auch unabhängig davon Noten geben
  • Oder Sie nennen einfach die Nummern der drei oder vier besten Texte

Sobald zumindest ein paar Kommentare abgegeben wurden, werde ich die Zuordnung der Texte zu den Jahrgangsstufen an dieser Stelle veröffentlichen. Ich bin mir selbst nicht im Klaren, wie offensichtlich die Zuordnung ist (zu der natürlich auch andere, nicht-sprachliche Kriterien beitragen).

Die Aufgabe:

The day Sandra’’s life changed.
Everything was fine when Sandra woke up on her 16th birthday.
… Continue this story (in the past tense).
Use these words (you need not use them in this order):
cake – Rita – school – bicycle – astronaut – aquarium – airport
Write about 8 to 10 lines, or more.

(Time: 15 minutes)

Die Teilnehmer:
Schüler einer 8. Klasse zum Ende des Schuljahrs, Schüler eines Englisch-Grundkurses zum Ende von K12, Englisch jeweils seit der 5. Klasse; zwei verschiedene Englisch-Lehrkräfte im aktuellen Schuljahr, daher natürlich auch unterschiedliche Vorbereitung.
Die Schüler wussten nicht, dass ihre Texte miteinander verglichen werden sollten; nicht alle Schüler waren anwesend (wie das zum Schuljahresende oft ist).

Die Auswahl:
Von den Schülern der 8. Klasse habe ich 7 gute Texte gewählt; von den Grundkursschülern habe ich 7 gute und weniger gute gewählt, einen Querschnitt also. Die Texte sind unkorrigiert, deshalb vorsorglich rot; manche enthalten mehr Fehler, andere weniger. Einige Fehler sind offensichtlich beim Durchstreichen und Verbessern der eigenen Texte entstanden – wenn etwa der ursprüngliche Satzbau übersehen wurde, oder einfach nicht alles oder zuviel durchgestrichen wurde. Ich habe alles unkommentiert übernommen, auch wenn die Genesis mancher Fehler in dieser gebloggten Form leider nicht mehr erkennbar (und dadurch verständlich) ist.
Die Texte sind alphabetisch nach den ersten Wörtern sortiert.

Darum:
Mir ist aufgefallen, dass ich mit den Englischleistungen der Schüler in den Klassen 5–9 meist zufriedener bin als mit denen von Schülern ab der 11. Klasse. Verbessern sich viele Schüler wirklich so wenig? Warum ist das so? Oder täusche ich mich? Werden einfach nicht miteinander vergleichbare Fähigkeiten geübt?
Mit dem Experiment, zwei Schülergruppen aus der 8. Klasse und der Kollegstufe die gleiche Aufgabe zu stellen, wollte ich erst mal vergleichbares Material bekommen. Wissenschaftlich ist das natürlich nicht haltbar: Zu wenig Probanden, Versuchsanordnung zu wenig kontrolliert. Aber einen Einblick sollte es doch geben.

Text 1:

After school Sandra went home to prepare her birthday party. All her friends came and ate her birthday day which she has made for this day. Rita her best friend had a special present for her. She gave her a ticket to fly to the moon with another person she wanted. Sandra said Rita had to fly with her because she is her best friend and the present was from her. Rita said: “Yes.” After the party on the next day the two friends took their bicycles and rode after school with the tickets to the airport. Of course the air port was the place where moon-planes started and landed. One hour later they were in the plane on their flight to the moon. The flight took five hours and then Sandra and Rita were on the moon. On the moon they searched for any life there and after a few minutes searching they found life. They found Steve, an alien which thought it was an astronaut from the earth. The friends couldn’t believe their ears but Steve told them he was a real human from the earth. He did experiments for the earth, he told them. “I look if fishes can live on the moon in an aquarium”, He said. The friends couldn’t understand this because they couldn’t see any aquariums and so they fly back to the earth with a beautiful rembering on the moon. No friends believed in this story and said they were crazy.

Text 2:

But when she entered the kitchen noone was there.
Sandra reached for a cake but there wasn’t one. She thought, that every one had forgotten her birthday and moved very sad to the garage.
When she opened the door, she was very surprised, because her family and all her friends was waiting for her with a huge cake. Rita her best friend gave her a beautiful present. She opened it. It was an aquarium with a little astronaut in it. S. was very lucky and thanked Rita a thousand times. But the two girls had to leave and so they took their bikes and went to school. When they passted the airport S told R. her biggest dream: She’d like to go by plane.
Rita looked at her with a smile on her lips and said: Just wait until next year… Sandra was confused, she had never been looking forward her birthdays, but now everything changed. She couldn’t wait until next year. When she’ll get a flight to her next birthday.

Text 3:

Everything was fine when Sandra woke up on her 16th birthday but then she had to realize that she had slept too long and was late.
She wondered where her parents were, because she only found her Birthday cake.
She took the cake and rode to School on her bicycle.
At school her best friend Rita wasn’t there, too. Now Sandra was worried, because Rita wasn’t very clever and she was frightened that she could have been kidnapped, because of her rich parents.
On her way home she suddenly heard a strange sound and felt as if she had to follow it.
The next thing she saw was a huge aquarium with many unusual, strange and expensive looking fishes and other animals, Sandra has never seen.
Suddenly a man looked inher face. He was dressed as an astronaut and so Sandra thought he were a monster and screamed. But when she tried to stand up she had to realize that she could not move. She looked around and saw that she was alone with the astronaut in a huge hall that looked like an airport and she saw a rocket, ready to start.
Let’s go, the astronaut said.

Text 4:

Everything was fine when Sandra woke up on her 16th birthday. For breakfast she got a huge cake from the hole family. After the breakfast she fetched her best friend Rita at home. Then they both went to school. The day in school was quite boring and Sandra and Rita decided to got o the airport after school. There the two friends bought two ticket to Hawai. But during the flight something strange happened. Three astronauts on their bicylcles highjagged the plane. At the end the astronauts lost the control of the plane and it crashed into an aquarium. Everybody died in the plane that day but the goldfish in the aquarium survieved.

Text 5:

Everything was fine when Sandra woke up on her 16th birthday. She knew that on this day she could drink so much beer until she is puking. But first her girl-friend brought a great cake into her bed. And both ate the whole cake. For Rita, so is Sandras girlfriend called, wasn’t it a problem, because she is so fat and can really eat everything. After their own breakfast, they took Sandras bike and drove to school, where they had a normal boring school day. Sandra mentioned that nobody has to got o school on his birthday. Just arriving at home, they were allone, both parents were working, she took the first beer on this day. Of course Rita wanted one too. After having five beers, they couldn’t move any more and were just laughing and talking what they will do when they are old. Sandra said, she will become an astronaut and they decided to drive to the Kennedy space center in Florida. They called a taxi and told the driver to bring them from England to Florida. The driver realized that they were drunken, so he stole their money and threw them out at the airport. Sandra and Rita slept between the lost luggage. Nothing was fine when she woke up. both had a really bad stomach ache, so they decide never to drink alcohol again. One month later Rita had her birthday and the saw at each other that they had a bigger stomach. They went to their doktor, which said that both are pregnant. Their life was really changed, because they always wanted a child and now they get 2 children.

Text 6:

Everything was fine when Sandra woke up on her 16th birthday. She came downstairs where the birthdaytable was. When she goes down she thought about what she has dreamed last night: Sandra was an astronaut and she had the mission to fly to Mars. But she couldn’t fly because her parents didn’t allowed her to fly to Mars because Sandra has destroyed the aquarium last Sunday Sandra went away from home. Then she wakes up. Sandra thought it was a quiet strange dream because she is afraid of flying She gets a panic even when she hears the word „airport”. But she couldn’t think about that any longer because the smell of her birthdaycake was so fantastic. When she came into the dinning room she saw her friend Rita. Everybody congretulates her and than she saw it. Her new bike! She was looking for this bike since she was 14 years and now she’s got it. Sandra was very happy. Sandra, her family and Rita started to eat the cake and than the two girls ride to school by bike. Sandra with her new one. This was the first time that she went to school by bike because before she had to go to school by bus. Now she has more liberty and she needn’t have to sit in the strange smelling bus after school.

Text 7:

Everything was fine when Sandra woke up on her 16th birthday. She was looking forward to the day. She got up and went to the kitchen. Her mum waited for her with a cake. On the cake there were 16 candels. After breakfast she went to Rita, her very best friend. They drove to school by bicycle. Everybody was very nice to her. At this day they went on a trip to the airport. There they had a view over the town and they were allowed to have a little flight over the town. with Rita. As they arrived at the airport an astronaut told a story about flying to the moon. After that they went back home again. Sandras mum waited for her with a present she wanted to have for years. A aquarium. Since she was a little girl she wanted to have a pet. but her dad was against that idea. But now she got a aquarium with beautiful fishes. From that day, she wasn’t alone. She got what she always wanted to have.

Text 8:

Everything was fine when Sandra woke up on her 16th birthday. She felt great, because she would go out with her friends this evening to a pub and celebrate her birthday. Finally she could go out with them; they were all older than she was. Still tired she went to the bathroom and had a short shower. When she got dressed her Mum came to her and wished a happy birthday, she should come downstairs to have breakfast. Sandra lived alone with her Mum Rita outside of Guildford near London and she had to get the bus to school every morning. She didn’t know who her father was.
When Sandra went downstairs she saw that her Mum made a beautiful chocolate cake for her birthday, her favourite. She was feeling really good while she sat there talking with her Mum. They sat there really long and suddenly Sandra realized she was too late to get the bus. But her Mum had to work so she couldn’t give her a lift. Sandra jumped up the stairs to her room and took her schoolbag out of her wardrobe and ran out of the house to her bike.
After a few minutes she almost fell of her bicycle. She had driven over a glass bottle and now had a puncture. Perfect, she thought, now I’ll be too late to school.
After school her Mum was standing outside of the school with a man Sandra didn’t know. When she went to them he smiled and gave her a hug. Sandra was really surprised. But then her Mum told her who he was: he was his father, an astronaut and he had come today to her birthday. He had to work in the USA for years and finally he was back. They would go to the aquarium together later.

Text 9:

Everything was fine when Sandra woke up on her 16th birthday. She saw her mother carrying a huuuuuuuuge cake. It was pink and there were big white letters on it, saying “Happy Birthday”. Sandra looked at the cake and became sick. She can’t eat sweet things in the morning. So she said to her mother she could give the cake to Rita, the neighbour’s very ugly dog, it eats everything it can get. So Sandra stand up, went into the bathroom and there she saw some candles, which her sister had put there last night. She took some of the candles and throw them out of the window. They landed on the wet street. Her little sister entered the bathroom. “Stupid Birthday”, Sandra said “Why is it stupid?” her little sister answered “nothing about is stupid. Why aren’t you happy today? I mean, it’s your birthday”. Sandra turned around and left the bathroom “Shut up. You don’t know anything. Go back to your dolls, little miss”,. So Sandra took her bike and rode to school. Without her breakfast.

Text 10:

Everything was fine when Sandra woke up on her 16th Birthday. She stood up, walked down the stairs; saw her birthday presents and the cake. “Happy Birthday!” everyone shouted, w hen they saw her coming down. After the breakfast she took her bicycle and fetched her friend Rita, to drive to school. On their way to school they saw something was going on at the airport. Something huge and really cool must have been arrived there. It couldn’t be just a normal airplane, because everyone was shouting and screaming. They decided that they should go and look what was so exciting over there, so they drove to the airport.
When they arrived there, they saw a huge aquarium which was brought into an even bigger Rocket. Now they knew why everyone was so excited! They asked an astronaut what was going on but he didn’t answer.

Text 11:

She felt like an Astronaut in space flying through universe. There was a light smell of good self-made cake Rita would fetch her in some minutes but there still was time enough to eat some cake. After breakfast she drove with Rita to the airport to fly to Sea World to see the hugest aquarium of the word. When they sat in the airplane Sandra thought: „No school, No rules, no adults,: …funny”. Sandra and Rita rented a bycicle after they landed in Florida. This was the first day of a period that changed Sandras’ life. The following three days were the most dramatic of her life.

Text 12:

She got up and realized it was her birthday. She felt very happy about. When she went downstairs there wasn’t anybody there, but a cake and a post card from her aunt Rita. Then she ate whole the cake because she was very hungry and the cake was really, really fine. Then she cleaned her teeth and put her clothes on. When she was ready to go, she went out of the house and saw a nice-looking bicycle right in front of her. There was a notice on it: we hope you’re happy about this present. Love, your family. She smiled and was very happy and then she took it to ride to school. On her way to school she passed by an airport, where a man shouted at her: „Hey, you’re the right person to do the mission. Follow me!’’ Then she was told by some men to get in the, flying object behind her. There was a aquarium with many kinds of ship. The men said they wanted to see the reactions of the fishes to living in the cosmos and they told her as well she’ll get famous as Neill Armstrong. She did the mission and got famous.

Text 13:

The day Sandra’s life changed

Everything was fine when Sandra woke up on her 16th birthday. Her mother baked some cake and their parent’s present was a aquarium. After having breakfast Sandra rode to school by bicycle. The morning was quite boring until her sister Rita picked her up after school. Rita was working at a space center and her gift for Sandra was a astronauttraining. They drove to the airport, because the space center was near the airport and Sandra was so afraid because of all the gravity machines She would prefer not to spent the day in the space center but she tougt that she had to because her sister has spent so much time planig this day But then the trainig was fun and she lost her fear and also her fear to to fly she had before.

Text 14:

The day Sandra’s life changed

The first thing she saw, when she woke up, was a great cake. Her mother had made it. – nicer than the cake she had made the year before.
At 9 o’clock, Sandra’s friend Rita arrived. She wanted to go to the school with her friend.
When they had ridden their bikes for 10 minutes, suddenly an astronaut jumped on the street and forced them to stop.
He said that he was the last astronaut who had survived an attack by not human creatures.
The only thing he could save was his fish, Sayon. He also said that he had heard a scream at the space centre near the airport and the he knew that aliens wanted to invade the world. So he had run away and he had hidden this place until he had seen the two girls.
Sandra was shocked, but Rita knew that this man was crazy.
So she said that they would try to save other lives.
The astronaut said that they were nice girls and run space centre.
Rita told Sandra not to worry. She said that she knew that this man is crazy and lived near the space centre.
After this they went to school, where Sandra’s friends had organized a birthday-party for her.
When Sandra came home after school, she saw a green creature sitting on a bank in the park. She was shocked. – was the astronaut right?
From this day she never believed in people say that there are no other creatures in the space.

Nun?

Sir James Frazer, The Golden Bough

Folgenden Text habe ich wohl 1988 geschrieben; ich stelle ihn unverbessert hierher. Mehr als überflogen habe ich ihn nicht, das wäre mir zu arg.


“Abschnitte in solchen mythologischen und anthropologischen Quellenwerken wie Frazers Goldener Zweig
H.P. Lovecraft, “Chulhus Ruf”

Sir James George Frazer
The Golden Bough
A Study in Magic and Religion

Papermac/Macmillan Press Ltd 1987
£ 7,95 / DM 37,80
756 Seiten

Mit dem Necronomicon des wahnsinnigen Arabers Abdul Alhazred ist sicher jeder Lovecraft-Leser bestens vertraut, und von Junzts Unaussprechlichen Kulten vergißt er ebensowenig wie das De Vermiis Mysteriis von Ludvig Prinn. Weniger bekannt ist dagegen Der Goldene Zweig von J. G. Frazer, und das ist bedauerlich – denn dies ist eines der wenigen Bücher aus Lovecrafts Listen, das tatsächlich existiert und, mehr noch, jedem Interessierten mit einem Minimum an Aufwand zugänglich ist. Wer ein finsteres Grimoire aus dem Mittelalter erwartet, wird jedoch enttäuscht werden. Genauso wenig handelt es sich dabei aber auch um eines der zahllosen Necronomicon-Fragmente, die von ihren Herausgebern auf staubigen Dachböden in Neuengland – ersatzweise in unheimlichen Ruinenstädten im Orient – entdeckt worden und eindeutig als Hoax gedacht sind.

James George Frazer wurde am ersten Tag des Jahres 1854 in Glasgow geboren und starb als einer der bedeutendsten Ethnologen Englands im Alter von 87 Jahren in Cambridge. Er sammelte akademische Grade und veröffentlichte eine ganze Reihe von Büchern, deren bekanntestes wohl The Golden Bough ist.

Dessen Ausgangspunkt ist ein ungewöhnlicher Brauch, der noch in der klassischen Antike ausgeübt wurde. Am Lago di Nemi in den Albaner Bergen, ein Stückchen südlich von Rom, in wildromantischer schöner Lage und einst beliebter Zufluchtsort für römische Senatoren während der heißen Sommermonate, lag eine der ältesten Städte Latiums, Ariccia. In deren Nähe gab es einen heiligen Hain der Diana Nemorensis, der Diana des Waldes. Dieser Hain, und speziell ein besonderer Baum darin, wurde von dem Priester des Hains und “König des Waldes” (Rex Nemorensis) mit seinem Leben bewacht. Jederzeit hatte ein flüchtiger Sklave das Recht, einen Zweig von diesem Baum zu brechen (wenn der “König” das nicht zu verhindern wußte) und den “König” zum Kampf auf Leben und Tod herauszufordern. Der Überlebende dieses Duells bekam den Titel des Rex Nemorensis und das Priesteramt, bis auch er schließlich einem stärkeren Herausforderer weichen mußte. Dieser blutige Brauch, für den es keine Parallelen gab, hielt sich bis mindestens ins erste Jahrhundert unserer Zeitrechnung hinein.

Um nun diese Sitte zu erklären, muß Frazer etwas weiter ausholen. Im Jahr 1890 erscheint The Golden Bough als zweibändige Ausgabe, bis zum Jahre 1922 ist es mehrmals überarbeitet worden, um schließlich in der endgültigen zwölfbändigen Fassung vorzuliegen. Im selben Jahr erscheint auch die von Frazer selbst vorgenommene Zusammenfassung zu einem Band, dem Band, dem meine Besprechung gilt.

Bei der Lektüre wird der Leser auf eine tour de force durch die Weltgeschichte mitgenommen. Frazer beginnt mit den ältesten beziehungsweise ursprünglichsten Kulturen, wie den australischen Aborigines, und untersucht ihr Weltbild. Er zeigt, daß vor der Religion die Magie das Leben beherrscht hat, die der wissenschaftlichen Weltauffassung gar nicht so unähnlich ist. Es gab die “Naturgesetze”, daß Dinge, die einmal in Kontakt miteinander waren, immer in Kontakt bleiben (deshalb braucht man für viele Beschwörungen zum Beispiel einige Haare oder Kleidungsstücke des Opfers), und daß Gleichartiges Gleichartiges erzeugt (einer der ältesten Regenzauber ist einfach, Wasser auf dem Boden zu verspritzen). Erst später, als man erkannt hatte, daß das so einfach nun doch nicht ging, wurden die Götter ins Spiel gebracht, um einen Grund für die mißlungenen Zauber zu liefern. Und so geht die Geschichte weiter, über Götter in Menschenform als Könige, über Götter in Tier- und Pflanzenform, über Opfer, Bräuche, Tabus und Fruchtbarkeitsrituale – sie liefert ein zusammenhängendes, logisches Bild von Magie, Religion und Aberglauben durch alle Kulturen.

Da wird endlich das Geheimnis um die heidnische Bedeutung des Weihnachtsbaumes gelüftet und darauf hingewiesen, daß die meisten christlichen Feste Weihnachten und Ostern eingeschlossen unter anderen Namen am selben Datum vor dem Christentum existierten. Da wird erklärt, weshalb Miraculix denn ausgerechnet Mistelzweige für seinen Zaubertrank braucht und welchen Sinn ein Tabu hat. Wenn man sich über die Ursprünge des Maibaumes oder von Hallowe’en informieren, oder über die Parallellen zwischen dem germanischen Balder, dem ägyptischen Osiris, dem Tammuz der Babylonier, dem griechischen Adonis und dem phrygischen Attis staunen will – dann ist dieses Buch nur zu empfehlen.

Und wozu das Ganze? Frazer führt den Leser manchmal scheinbar zusammenhanglos durch seine Wunderwelt – bis, ja, bis sich der bunte Reigen am Schluß zum großen Finale vereinigt, sich die Details zu einem Gesamtbild formen, das Personal sich am sonnigen Ufer des Lago di Nemi versammelt, um – man hat schon fast nicht mehr daran gedacht – eine umfassende und glaubwürdige Erklärung für den ungewöhnlichen Nachfolgebrauch im Hain der Diana Nemorensis zu bieten.

Die zwölfbändige Ausgabe von The Golden Bough ist auch auf Deutsch erschienen, wird aber nur in größeren Bibliotheken vorhanden sein. Das Englisch der zusammengefaßten Paperback-Ausgabe ist nicht allzu schwierig, wenn auch die 756 großformatigen Seiten mit ihren knappen zwei Pfund Gewicht schon eine gewisse Herausforderung darstellen. Trotz dieser Größe kann man den Band allerdings bequem lesen, ohne befürchten zu müssen, daß die Seiten aus dem Leim gehen. Wenn es auch nicht besonders lesefreundlich gesetzt ist, so strapaziert es die Augen doch nicht über Gebühr. Im Gegensatz zur kompletten Ausgabe fehlen aus Platzgründen leider sämtliche Belegstellen sowie die Bibliographie. Beides wäre für jemanden, der sich weiter in die Materie vertiefen will, sicher von großem Interesse. Natürlich ist der Inhalt auch nur eine Auswahl aus den zwölf Bänden, der jedoch repräsentativ genug ist und für die Argumentation des Autors ausreicht. Ich hatte jedenfalls an keiner Stelle das Gefühl, nur Fragmente vor mir zu haben. Aufgrund des doch relativ hohen Alters des Buches haben sich wohl sicher einige Fehler eingeschlichen, die jedoch nur für den ernsthaften Wissenschaftler von Bedeutung sind. Durch den lockeren und in seinen Landschaftsbeschreibungen oft poetischen Stil Frazers, gepaart mit trockenem schottischen Humor, und den gezielten Aufbau auf das Finale hin wirkt das Buch manchmal direkt romanhaft und läßt sich auf jeden Fall spannend lesen. Sicher trägt auch das Flair dieses alten Wälzers (die Respektlosigkeit mag mir verziehen sein) dazu bei.

Jedem, der sich für das Thema interessiert und keine Zuflucht zu trockenen modernen Sachbüchern suchen will, und der vor dem Umfang der Aufgabe nicht verzweifelt, kann ich The Golden Bough nur empfehlen. Über den deutschen Buchhandel ist es problemlos innerhalb von etwa zwei Wochen zu bestellen.


Wer “keine Zuflucht zu trockenen modernen Sachbüchern suchen will” – heute würde ich weit eher die trockenen modernen Sachbücher empfehlen, von denen ich ja auch damals nicht die geringste Ahnung hatte.

Ferienende III

Der fertige Stundenplan:

Sieht nicht nach viel Arbeit aus, ist aber welche. Danach ist Unterricht wie Erholung.