Bücherwürmer



Hungrige kleine Biester mit merkwürdigem Geschmack. (Bei aller Liebe zu Perry Mason: Dieses Titelbild…)
Ich weiß nicht mal, ob das Bücherwürmer waren, und was die genau sind. Jedenfalls war das Buch erst einmal wochenlang in Quarantäne, bevor es ins Regal kam, und es steht da immer noch in einer Plastikhülle. Man weiß ja nie.

Warum Mythbusters eine bessere Wissenschaftssendung ist als Galileo

Galileo (19.00–20.00 Uhr Pro 7)
Mythbusters (17.30–18.30 Uhr RTL2, oder über Pay-TV im Discovery Channel)

Galileo ist besser als nichts, und nennt sich ja auch Wissensmagazin und nicht Wissenschaftssendung. Immerhin schnappen meine Schüler da auch schon einiges an Wissen auf, auch wenn es oft lediglich oberflächliche Details sind. Mit Wissenschaft hat die Sendung wenig zu tun.
Ganz anders Mythbusters.

Die Idee: Zwei mehr oder weniger schnauzbärtige skurille Typen, unterstützt von einem Team, nehmen sich pro Sendung zwei urban myths vor, moderne Legenden, unüberprüfte Wahrheiten, die in den Köpfen der Menschen herumspuken. Zum Beispiel:

  • Man kann ein gesunkenes Schiff heben, indem man es mit Tischtennisbällen füllt.
  • Toast fällt meist mit der bebutterten Seite nach unten.
  • Wie kühlt man Bier am schnellsten?
  • Ein kleines Kind kann auf dem Jahrmarkt von genügend Helium-Ballons in die Luft gehoben werden.
  • Gähnen ist ansteckend.

(Manche weiteren Legenden sind USA-typisch und bei uns weniger bekannt. Ich habe hier jedenfalls noch nie gehört, dass Leute glauben, mit eingeschalteter Klimaanlage im Auto verbrauche man weniger Benzin als ohne.)

Die Mythbusters sind passionierte Bastler, sie schweißen und schrauben und sägen, und je umfangreicher eine Testmethode ist, desto besser. Für den Toast-Test konstruierten sie Maschinen, die Toast auf verschiedene Weise fallen ließen, machten Vergleichsläufe mit ungebuttertem Toast.
Dass die Probleme manchmal albern oder unwichtig sind, spielt keine Rolle. Wichtig ist das Vorgehen: “Schauen wir einfach mal, ob das stimmt.” Sie stellen die Natur im Experiment unter kontrollierten Bedingungen nach, diskutieren Versuchsanordnungen, formulieren Thesen und überprüfen sie. Das ist wissenschaftliches Vorgehen – ohne auch nur den Hauch von Schulfernsehen zu haben.

(Ich habe mir schon mal Buch und DVD aus den USA bestellt, vielleicht kann ich die mal in der Schule einsetzen.)

Enthusiastic Day

Der 21.1. scheint Enthusiastic Day zu sein. Ich wusste bislang noch nichts davon. Diesmal haben drei Schülerinnen sogar T‑Shirts dazu gemacht.
Der Anlass war wohl ein verhunzter Tafelkommentar von mir, und im Jahre 2004 (am 21.1., nehme ich an). Da waren diese Schülerinnen in meiner 8. Klasse. Aus welchen Gründen auch immer hatte ich die Lautschrift von enthusiastic an die Tafel geschrieben, und zwar falsch. (Vermutlich war ich in Eile, hatte hohes Fieber, und so weiter. Jedenfalls war das kein Wort, das gerade im Unterricht behandelt worden war. Und kurz vor Notenschluss. Und so weiter.)

Der nächste Lehrer im Klassenzimmer unterrichtete ebenfalls Englisch und korrigierte flugs meine Fehler.
Anscheinend hat man auch ein Foto davon gemacht:

Das weiße ist meine Schrift, die erkenne ich; das rote – die Korrektur des Kollegen? Oder war das ganze eine Korrektur von mir? Allerdings ist immer noch ein Fehler übersehen, und eine der Korrekturen ist falsch. Könnten also auch neue Fehler von mir sein.

Wir werden es nie erfahren. Hier sind jedenfalls die T‑Shirts von vor ein paar Tagen.

Ach, man sollte die Schüler und Schülerinnen doch immer auf Kameras untersuchen, wenn sie in der Schule sind.

(Gefunden auf dem Blog der Hauptverantwortlichen, die allerdings auch nicht erklärt, was es mit diesem Tag auf sich hat. Nachtrag: Ah, jetzt hast sie’s doch erklärt.)

Damit wir uns einem anderen Thema widmen können

So, die letzten zwei Stunden über wieder die jährliche Orangenmarmelade gemacht. Hat wunderbar geklappt, die Gläser haben gereicht, schmeckt wunderbar sonnig und süß.

Heute im Englischunterricht, 10. Klasse, habe ich Schülerinnen miteinander reden lassen. Die eine Hälfte der Klasse hatte ein Buch gelesen zu haben, die andere Hälfte sollte damit rechnen, anderen Fragen zu deren Lektüre zu stellen. Das Buch sollte allerdings nur der Redeanlass sein, auf Details kam es mir nicht an. Außerdem wussten die Schüler, in welcher Form ihr Gespräch stattfinden würde: Strangers on the train.

Aus jeder Hälfte kam eine zufällig ausgewählte Schülerin nach vorn, setzte sich auf einen Stuhl ihrer Partnerin gegenüber. Dann sollten sie ein Gespräch beginnen. “A nice day today, isn’t it” hatte ich ihnen in der Stunde zuvor als Eröffnungsphrase empfohlen.
Das Ergebnis: Die Schülerinnen haben sehr gut miteinander gesprochen. Kommunikation gar kein Problem, ein bisschen Rollenspiel, Gespräche über alles mögliche.

Sie können also reden, auch auf Englisch, trotz kleiner Aussprache- und Grammatikfehler. Was noch nicht so recht stimmt: Pausen in der Konversation können sie nicht ertragen, und vor allem fehlt der differenzierte Wortschatz. Good, bad, nice, boring, interesting – viel mehr ist nicht drin. Das hat aber gar nicht so viel mit der Fremdsprache zu tun, die gleiche Erscheinung gibt es auch im Deutschen.

Ganz anders ist das Reden der Schüler in der alltäglichen Unterrichtsgespräch. Alles muss man ihnen aus der Nase ziehen. Liegt das daran, dass sie sich vor mir oder den Mitschülern nicht blamieren wollen und deshalb lieber nichts sagen als etwas Falsches? Reine Faulheit? Oder sind unsere banalen Fragen nach den Inhalten von Texten, nach Metaphern und Hauptpersonen einfach zu schwer für Schüler?

Trennwände

Wir haben zwei Koffer mit Trennwänden im Lehrerzimmer, die man buchen und ins Klassenzimmer mitnehmen kann, wenn die Schüler eine Prüfung schreiben.

 
Damit die Schüler sich besser konzentrieren können.
 

Es gibt die Trennwände in grau und in gelb. Die grauen, habe ich gestern von Schülern erfahren, machen depressiv, die gelben aggressiv.
Ob man die vielleicht bemalen könnte, so im Kunstunterricht?
Graffiti im Kleinformat vielleicht.

Nachtrag: Die abgebildeten Trennwände werden nicht mehr geliefert, andere aus Pappe gibt es unter dem Stichwort “Sichtschutz” bei Timetex.

Und bei http://lele-gmbh.de/sichtblenden.html gibt es auch welche.

Wie im Deutschen

“Herr Rau, collection schreibt man einfach wie im Deutschen, oder?”

Fünfte Klasse. Ich hab ihm gesagt, er soll’s einfach mal probieren und schauen, was die Word-Rechtschreibkorrektur sagt. Er hat’s dann auch ganz richtig geschrieben.

Stühle schleppen

In einer Vertretungsstunde musste ich heute mit einer Klasse einige Stühle tragen und noch viel mehr Stühle sinnvoll aufstellen: Unser größter Raum (Aula gibt’s natürlich nicht) wurde für eine Veranstaltung vorbereitet. Die Schüler gehörten zu einer 9. Klasse.
Das Schöne: Das Aufstellen der Stühle war eine sichtlich befriedigende Arbeit. Die machten das gerne und stürzten sich in die Arbeit.

Meine Erklärungsversuche: Es war Abwechslung vom Schulalltag, es war körperliches Arbeiten und damit noch mehr Abwechslung; es war eine Arbeit, bei der man ein Ergebnis sah und ein Erfolgserlebnis hatte. (Und die Jungs in dem Alter demonstrieren vielleicht auch gerne mal, wieviel schwere Stühle sie schleppen können.)

Wäre schön, wenn diese Energie genutzt werden könnte für den üblichen Unterricht.

Jakob Arjouni, Hausaufgaben


In den Ferien gelesen: Schmaler Roman um einen Lehrer und seine privaten Probleme. Hat einige überaschenden Wendungen drin. Der Lehrer ist hoffentlich eine Karikatur und kein sehr angenehmer Kollege.

Lachen musste ich, als sich die Hauptperson an eine Weihnachtsfeier im Kollegium erinnert, an der es etwas zu toll herging. Die Schuld gibt er der von den Referendaren mit zu viel Rum gemixten Bowle.

Solche Weihnachtsfeiern und solche Referendare möchte ich mal erleben.

Andererseits: Bei Arjounis frühen Romanen um den Privatdetektiv Kemal Kayankaya (Happy Birthday, Türke!) hat mich das auch nie gestört, dass der Roman eine Überzeichnung von oder Hommage an Privatdeketivkrimis ist. Die ja selbst schon nicht realistisch sind. Aber vermutlich sitzen die echten Privatdetektive auch vor diesen Büchern und suchen sich Sachen wie solche Weihnachtsfeiern heraus.

Korrekturterminologie

Schön, wenn man sich als Lehrer bei der Korrektur von Deutsch-Übungsaufsätzen trauen kann, das Wort “impliziert” zu verwenden. Es ist ein nützliches Wort.

Erster Schultag nach den Weihnachtsferien

Schön: Das Programm läuft im Computerraum. Ich habe mich nämlich in den Weihnachtsferien nach Computerprogrammen umgesehen, mit denen Schüler nach dem Karteikastensystem Vokabeln lernen können. Es sollte kostenlos sein, im- und exportieren können, Ton unterstützen, praktisch zu bedienen sein und auf verschiedenen Plattformen laufen.
Das ideale Programm habe ich nicht gefunden. Ein an sich wunderbares Programm scheiterte daran, dass es die Daten (auch die Tondaten) in binärem Format speichert, das keinen Export erlaubt. Schade. Gelandet bin ich letztlich bei Teachmaster Läuft unter Windows. Meine Schüler hatten eh schon die Vokabeln der letzten beiden Units eingetippt, ich habe sie ins Mikro gesprochen und den Einträgen zugeordnet, und jetzt können die Schüler mit dem Vokabelprogramm arbeiten – und dabei ständig meine Stimme hören. Das muss ganz schön nerven, denke ich.
Jedenfalls probieren wir das Programm auch im Computerraum aus. (Jetzt haben wir ja endlich Ton, nachdem die Kollegen lange meinten, das sei bei einem Computerraum doch gar nicht nötig.) Das Programm läuft einfach so, wenn man das Verzeichnis mit allen Daten irgendwohin kopiert. Das ist Windows-untypisch, aber sehr praktisch, da ich natürlich keinerlei Administrationsrechte auf dem Rechner habe.

Ansonsten: Ein blauer Tag heute. Das ist der Fachausdruck für diese anarchischen Tage zum Schuljahres- oder Jahresanfang, an denen keiner so recht weiß, wer Tafeldienst hat, weil vermutlich noch gar keiner eingeteilt wurde. Auch der Kaffee- und Spüldienst im Lehrerzimmer funktioniert noch nicht, und an diesen Tagen hat keiner ein schlechtes Gewissen, wenn er seine benutzten Tassen kreuz und quer im Raum verteilt.

Ansonsten haben schon die Zeugnisvorbereitungen begonnen. Vom Ministerium gibt es ein neues Programm, mit dem die Lehrer die Zeugnisse selber erstellen und ausdrucken können, zu Hause oder in der Schule. Mal sehen, wie das an- und aufgenommen wird. Das gibt noch mal einen Extraeintrag, das mit den Zeugnissen.