Rollenspielen 2011

Seit 2007 bin ich ja wieder aktiver Rollenspieler, wenn auch nur genau einmal im Jahr, immer zu Allerheiligen. Auch dieses Jahr wurde die Vorjahresrunde Call of Cthulhu fortgesetzt. Ich spiele dabei Nick Douglas, einen ehemaligen Stummfilmschauspieler, der den Sprung in den Tonfilm nicht geschafft hat und sich jetzt mit seinen bescheidenen Ersparnissen durchschlägt. Wir begannen 1932, schlugen uns mit Nazis und Hypnotiseuren herum; trieben 1933 unser Unwesen in Mandschuko auf den Spuren Dschingis Khans; und dieses Mal – 1934 – war der Südwesten der USA unser Schauplatz. Ein Todesfall in Kansas schickte uns – über das Kansas State Insane Asylum – nach New Mexico in den Gila National Forest, von dort nach Boulder City, Nevada. Diese Stadt wurde 1931 aus dem Boden gestampft, um die Arbeiter am nahegelegenen Boulder Dam unterzubringen. (Zugang nur mit Erlaubnisschein, kein Alkohol bis 1969, Glücksspiel bis heute nicht.) Stadt wie Damm waren ein Regierungsprojekt. Heute heißt der Damm Hoover Dam, und ich hätte gerne eine Foto gepostet, wie ich mit 17 Jahren darauf stehe – aber mein Abum ist leider zur Zeit bei meinen Eltern.

Uhm… Schulbezug und so…uhm… Live-Rollenspiel in der Schule?

2007 – nur eine Zeile nebenbei.
2008 – etwas ausführlicher, mit Bild.
2009 – nur eine Zeile nebenbei.
2010 – einigermaßen ausführlich.

Schulschnüffelschoftware

Angefangen hat das gestern bei netzpolitik.org: Alle Bundesländer haben mit Schulbuchverlagen und Verwertungsgesellschaften vertraglich beschlossen, dass stichprobenartig an Schulen Schnüffelsoftware installiert wird, die die Schulrechner nach urheberrechtsbrechendem Material durchsuchen und Fundsachen nach Hause funken. Das ist aus Datenschutz- und technischen Gründen dämlich, siehe Link.

Das ist kein Trojaner, darauf weist heise online hin, da das Programm ja mit Wissen und Hilfe des Kultusministeriums installiert wird. Das ist eher Arbeitsplatzüberwachung wie mit Videokameras an der Supermarktkasse. Trotzdem etabliert sich das Wort Schultrojaner dafür, auch wenn das verwässert den halbverstandenen Begriff des Trojaners verwässert.

Erlaubt ist das vermutlich aus mehreren Gründen nicht. Eine notwendige Voraussetzung dafür ist, dass Lehrer und Schüler die Schulrechner nicht privat nutzen. Weltfremd. Wenn meine Schüler sich Dateien nach Hause schicken, geht das über Facebook. Tatsächlich erklären wir unseren Schüler jetzt schon, dass sie die Schulrechner nicht privat nutzen dürfen; nur deshalb dürfen wir als Lehrer oder Systembetreuer ja auch Zugang zu deren Dateien haben und ihr Internetverhalten protokollieren. Aber dann müsste man das wohl endgültig durchsetzen – oder noch weiter mit frommen Lügen leben, zu denen uns Datenschutz und Urheberrecht zwingen. Wir lernen heucheln.

Netzpolitik legt mit weiteren Informationen und verfolgenswerten Links nach.

Die Verlage selber sehen verständlicherweise gar kein Problem: Stellungnahme des VdS Bildungsmedien zur Meldung auf netzpolitik.org: “Der Schultrojaner – Eine neue Innovation der Verlage”.

Und sie haben nicht völlig unrecht damit: Ich glaube selber, dass auf Schulrechnern – hundert Leute nutzen eine gemneinsame Festplatte zum Speichern von Material – viel liegt, das dort nicht liegen darf, darunter jahrealtes Zeug, von dem keiner mehr weiß, was es ist und wer es dorthin getan hat.

Bei den Lehrerbloggern hat das viele Reaktionen hervorgerufen. Lesenswert ein offener Brief von Herrn Larbig und vor allem Martin Kurz im Widerspiegel.

Mein Senf:

Was geschehen ist: die Exekutive hat wieder mal etwas unterschrieben, von dem sie keine Ahnung hat. Was mit Internetdings und so.

Was geschehen wird: die KMK wird zurückrudern, war alles nicht so gemeint, und am Schluss kommt irgendetwas heraus, das dafür sorgt, dass keiner sein Gesicht verlieren wird und jeder weiterwurschteln darf. Eventuell ein paar Extrakröten an die Verwertungsgesellschaften, so wie damals, als die – völlig zurecht – Kindergärten fürs Liedersingen abkassiert haben. So ist zwar das Recht, aber das soll niemandem so richtig bewusst werden.

Was geschehen müsste: Endlich eine Änderung des Urheberrechts, zefix! Oder zumindest eine Einsicht, dass die nötig ist. Das Urheberrecht ist so einschränkend, dass es die Entwicklung kultureller Güter und die aktive Teilnahme daran hemmt. (Gegenargument: dann müssen alle Künstler verhungern und wir haben gar keine Kultur mehr. Kann man diskutieren. Und das muss endlich mal diskutiert statt diktiert werden.) Außerdem ist es so undurchsichtig, dass Bürger nicht durchblicken und Politiker nicht und nicht der Börsenverein des deutschen Buchhandels.

Was außerdem geschehen müsste: Das, was Martin Kurz oben unter dem Link geschrieben hat. Freies, selbst erstelltes Bildungsmaterial. So wie bei OER Commons. (Die habe ich per RSS abonniert und kriege immer Bescheid, wenn neues Material dort steht. Ist halt alles auf Englisch und trifft häufig auch nicht meine Fächer.) Oder auch gemeinsam erstellte offene Schulbücher. Ich glaube, was man dazu bräuchte, wäre ein gemeinsames Format für Unterrichtsmaterialien, wohl als XML-Format. Dann kann man das Material zentral anbieten oder vereinzelt, dann gäbe es ein Youtube für Unterrichtsmaterial. Für meine Fächer ist das jedenfalls gut möglich.

Ein Blog, das noch fehlt: Neuerscheinungen beim ISB kommentieren

Ich glaube, es gibt eine schöne Nische für ein Blog, das bestimmt einige gerne lesen würden. Nämlich: Das Kultusministerium hat eine Webseite, deren Pressemitteilungen man mit einem Feedreader abonnieren kann. Sind aber aus Gründen nicht wirklich spannend. Interessanter sind da die Beiträge vom ISB. Das ISB ist eine dem KM nachgeordnete Behörde, sozusagen der pädagogische Zweig des Ministeriums. Da gibt es Abteilungen für die verschiedenen Fächer und Schularten, dort werden Abiture erstellt und Handreichungen geschrieben und zentrale Prüfungen erstellt – im Großen und Ganzen sinnvolle Sachen. Die Entscheidungen trifft dann aber die Politik, also das KM.

Leider bieten die Seiten des ISB keinen Feed an. Man kriegt also nicht mit, wenn da etwas Neues erscheint. Dabei gibt es da regelmäßig Neues. Für meine Fächer (Deutsch, Englisch, Informatik am Gymnasium) gibt es zum Beispiel einen Kontaktbrief, der gegen Ende des Schuljahrs in kurzer Form und Anfang des Schuljahrs als Kontaktbriefplus – wir sprachen schon darüber – erscheint. Da stehen manchmal interessante Sachen drin. Theoretisch erfährt man als Fachbetreuer irgendwann über die Schulleitung, dass ein neuer Kontaktbrief draußen ist, und gibt das dann an die Fachlehrer weiter. Zum einen dauert das immer sehr lange, zum anderen ist dieser Weg nicht immer und völlig zuverlässig. Wer wirklich informiert sein will, muss regelmäßig zum ISB pilgern und nachschauen. Lästig.

Neulich habe ich auf einem Papierweg von einer neuen Publikation erfahren, die man bei ISB herunterladen kann. Habe das getan, mich damit beschäftigt, und dringend würde ich Wörter darüber loswerden: was mir daran gefallen hat und was nicht. Eine kritische Würdigung eben. Geht aber schlecht, weil ich zu viel um die Entstehungsgeschichte weiß.

Aber ich stelle mir ein neues Blog vor: die Betreiber schauen regelmäßig beim ISB vorbei und veröffentlichen in ihrem Blog eine Meldung über die Neuerscheinung. Gerne mit kritischer Begutachtung des Materials, also wie die Tomaten bei rotten tomatoes – so weiß man nicht nur, dass es etwas Neues gibt (denn das Blog wiederum kann man natürlich abonnieren), sondern man erfährt gleich, ob es sich lohnt, sich das Material überhaupt anzuschauen. Falls das jemand aufziehen möchte (bei wordpress.com, anonym, zum Beispiel), ich würde für eins meiner Fächer mitarbeiten.

Alltag, Ende Oktober

So richtig drin im neuen Schuljahr fühle ich mich nicht. Das liegt auch daran, dass ich nur drei Tage in der Woche in der Schule bin. Ich bleibe dann auch immer extra lange dort, um ansprechbar zu sein und um überhaupt mitzukriegen, was so alles läuft. Am Donnerstagnachmittag habe ich dann ein Repetitorium an der Uni und gehe mit Studenten in höheren Semestern alte Informatik-Staatsexamensaufgaben durch. Den Dienstag nutze ich dann meist zu dessen Vorbereitung: man vergisst in Informatik nämlich ziemlich viel, das wird ähnlich wie bei Mathematik sein. Bei der Anglistik und vor allem Germanistik, glaube ich, gewinnt man während eines aktiven Lehrerdaseins eher noch an nützlicher Erfahrung dazu, sicher in der Literaturwissenschaft, aber auch die Sprachwissenschaft kramt man ab und zu noch hoch.

Bisher habe ich mich nur mit den Aufgaben zu Theoretischer Informatik beschäftigt, meinem Lieblingsgebiet. Die leichten Sachen waren recht schnell wieder da, die mittleren dauern noch, und was mir damals schon Schwierigkeiten gemacht hat (primitiv-rekursive und μ‑rekursive Funktionen), das bereitet mir heute immer noch welche. Aber langsam bin ich geworden, tse. Kommt mit der Übung wieder.

Eine Vertretungsstunde habe ich heute sinnvoll genutzt, um mit den Schüler das Screen-Capture-Programm zu testen, das der Admin auf meinen Wunsch installiert hat (CamStudio). Und es funktioniert! Jetzt können die Schüler, wenn ihnen das Programm freigeschaltet worden ist, Bildschirmaktivitäten aufnehmen und eigenen Ton mit dem Mikrofon dazu aufnehmen. Wir haben eine große Kiste mit Headsets, also Kopfhörer mit Mikrofon, im Computerraum. Nicht funktioniert hat bisher lediglich die Aufnahme des Computer-Tons, also etwa, wenn man nicht nur das Bild, sondern den Ton eines Spiels aufnehmen will. Aber mir geht es ja ohnehin darum, dass Schüler auf diese Weise einen kurzen Videofilm drehen und mit eigenem Ton etwas erklären. Aufgabe: Erkläre das Prinzip von absoluten und relativen Zellbezügen in Tabellenkalkulationsprogrammen in einem kurzen Film.

(Kleiner Haken: die von CamStudio erzeugten Videodateien entsprechen je nach verwendetem Codec und Einstellung nicht unbedingt allen Standards, so dass die Weiterverarbeitung mit anderen Videoprogrammen manchmal Schwierigkeiten macht.)

– Mit Onlineversionen solcher Programme habe ich nie gearbeitet, es gibt sie aber, etwa: http://www.screencast-o-matic.com/.

Wo die kleinen Objekte herkommen

Natur und Technik in der 10. Klasse. Eine Stunde habe ich neulich im weißen Labor-/Arztkittel begonnen. Das Thema war Informatik, Wo die kleinen Objekte herkommen. Ich habe das mit einer Analogie einzuführen versucht. Hier die Folien meiner Präsentation.

Eine gängige Theorie der Herkunft wird gleich zu Anfang verworfen:

Wie die Kinder entstehen, das wüssten die Schüler ja bereits:

Wie sie auf die Welt kommen, hoffentlich auch:

(Tatsächlich habe ich andere Bilder genommen. Je nachdem, was die Schüler der Klasse so vertragen.)

In der Informatik geht es aber nicht um kleine Kinder, sondern – beim objektorientierten Programmieren – um Objekte. Die kennen die Schüler schon. Sie kennen vor allem schon Klassen. Klassen sind die Vorlagen für später entstehende Objekte, so wie das DNA-Molekül (in seinen verschiedenen Formen) die Vorlage für spätere (verschiedene) Kinder ist.

Und demnach entspricht ein Objekt dann auch dem tatsächlich existierenden Kind:

Und die Frage für Schüler ist nun: Was entspricht beim objektorientierten Programmieren dem Geburtsvorgang? Wie kommt man von der Vorlage zum Objekt?

Die Antwort heißt: mit dem Konstruktor, und um dessen Einführung ging es in der Stunde. Irgendwann mündet das dann in Übungsphase und Hefteintrag, für Java:

(Herunterladen der Präsentation, falls jemand das brauchen kann – andere Bilder kann man natürlich auch nehmen.)

Und das alles natürlich nur, weil diese weißen Laborkittel so kleidsam sind.

Volle oder leere Tische? Ein Kompromiss.

Ein Kompromiss

Zwei Jungen fanden einmal einen Kuchen. Einer sagte: “Toll, den werde ich essen!” Der andere sagte: “Nein, das ist nicht gerecht! Wir haben den Kuchen zusammen gefunden und müssen ihn deshalb teilen, für jeden eine Hälfte.” Der erste Junge sagte: “Nein, ich will den ganzen Kuchen!” Der zweite sagte: “Nein, wir teilen ihn zu gleichen Stücken, jeder bekommt eine Hälfte.” Der erste sagte: “Nein, ich will den ganzen Kuchen.” Der zweite sagte: “Nein, wir teilen ihn halbe halbe.” Ein Erwachsener, der das Gespräch gehört hatte, kam herbei und sagte: “Ihr solltet euch darum nicht streiten, schließt doch einen Kompromiss: gib ihm drei Viertel des Kuchens.”

Raymond Smullyan, Buch ohne Titel. Braunschweig 1983

Wie mit den Kuchen, so ist das auch in den Lehrerzimmern. Es gibt in vielen davon nicht genug Tischfläche, als dass jeder Lehrer ein sinnvoll großes Stück für sich beanspruchen könnte. Für dieses Problem – verschuldet durch die Politik, keine Frage – gibt es zwei verschiedene unmittelbare Lösungen: die des vollen Tischs und die des leeren Tischs.

Vertreter des vollen Tisches sagen: Jeder sucht sich einige freie Quadratdezimeter und lässt dort seine Sachen liegen. Weil, sonst müsste man die herumtragen. Vertreter des leeren Tisches sagen: Tische sollten möglichst frei sein, die Bücher bewahrt man im vorhandenen Schrankfach auf, Schulaufgaben im Respizienzschrank, Mineralwasserflaschen braucht man gar nicht, am besten wird jeden Freitag alles abgeräumt.

Schließlich schließt man einen – unausgesprochenen – Kompromiss: die einen stapeln Bücher, Hefte, Kram auf ihrem Tisch, und setzen sich dafür zum Ratschen und Arbeiten an die Tische, die die anderen Lehrer unbenutzt lassen.

(sagen wir mal: Symbolfoto)

Architektur und Schule

Vor ein paar Tagen habe ich eine E‑Mail erhalten, in der mich eine Innenarchitektin um Rat aus der Praxis bittet. Es geht darum, dass sie gerade – oder bald – bei der Gestaltung eines Gymnasiums beteiligt sein wird. In Indien habe sie Folgendes beeindruckt:

dort haben viele (grund-)schulen einfache, meist mathematische oder geographische themen mit der innen-/ architektur erklärt. z.b. stand auf jeder treppenstufe eine zahl (oft zus. in hindi und
englischer schrift) – nebenan eine funktion mit der steigung der treppe.
[…] nun ist meine bitte / frage, ob dir nicht ein paar sachen zu diesem thema (‘lernen mit architektur’) einfallen…

Statt zu antworten – viel wäre mir spontan eh nicht eingefallen – habe ich angeboten, die Frage in mein Blog zu stellen. Vielleicht findet sich ja jemand, der weitere Ideen hat. Ich vermittle auch gern einen E‑Mail-Kontakt. Hier im Blog sieht das dann ganz vielleicht auch die Konkurrenz, die das ja auch brauchen kann.

Meine Anmerkungen, zum Teil hier schon mal im Blog erwähnt:

  • Namen für die Klassenzimmer und Flure. So wie Straßennamen beim Christkindlesmarkt. Ein Name für den Physiktrakt, einer für Chemie.
  • Na gut: dann wenigstens Namen für die Räume. Wissenschaftler, Künstler, Schriftsteller.
  • Oder zumindest Zeichungen auf den Türen: ein Periodensystem der Elemente, Atommodelle, Dichterköpfe, eine Druckerpresse, Stammbäume. Silhouetten berühmter Bauwerke.
  • Schränke in jedem Zimmer.
  • Höhenverstellbare Lesepulte. Wichtiger als jede Deko.
  • Zeitstrahl in der Treppe – Erdzeitalter oder Geschichte.
  • Etwas bieder: die Position und Größe der Planeten des Sonnensystems, verkleinert, aber im richtigen Verhältnis. Uranus irgendwo bei den Sporthallen weit draußen.
  • Poster an den Wänden. Da habe ich als Schüler viel gelernt, auch wenn das uralte Poster waren, die nie aktiv eingesetzt wurden. Aber sie waren da. Zumindest: die Möglichkeit, Poster aufzuhängen. Mit Nägeln. Magnete halten nur für leichte Poster – man muss kleben und reißzwecken dürfen.
  • Wenn nicht Teppichboden: turnhallenartige Fußbodenbeklebung, ein paar Kegelschnitte vielleicht.
  • In München unweit des Jakobsplatzes gibt es in einer Gasse, in den Boden eingelassen, fünf kleine Metallplatten, und wenn man auf eine Tritt, ertönt ein Klang. Die fünf Platten entsprechen vermutlich einer pentatonischen Tonleiter. Irgendwo auf dem Pausenhof wäre das auch schön.
  • Eine Parabelrutsche wie an der TU München kann es leider nicht überall geben. Wäre eh verboten. Aber schön.
  • Ein riesiger Abakus als Klettergerüst? Ginge vermutlich kaputt.
  • Schaukästen.
  • Innenarchitektonisch soll es sein – sonst würde ich sagen: Aula, mit Bühne; draußen ein Theatron, ordentliche Bibliothek, Schließfächer für Schüler. Schöne Ecken und Nischen zum Schüleraufenthalt sind gut, aber wenn die Lehrer immer Aufsicht führen müssen (und das ist an den meisten Schulen so), muss alles gut einsehbar sein.
  • Jetzt fällt mir nichts mehr ein. Hat jemand weitere Ideen?

Alles über: Anrechnungsstunden

Anrechnungsstunden sind eine heimliche Währung der Schule. Es gibt sie auch außerhalb Bayerns, dort heißen sie so ähnlich.* Wenn ein Lehrer eine Anrechnungssstunde hat, muss er dafür eine Unterrichtsstunde weniger geben – und hat dafür eben eine andere Aufgabe gekriegt.

Der Schulleitung – zumindest am Gymnasium, die Spielräume an anderen Schularten sind kleiner – steht eine bestimmte Anzahl von Anrechnungsstunden zur Verfügung, abhängig von der Schülerzahl. Genaue Daten sind schwer zu bekommen. Diese Stunden kann sie an Lehrer verteilen. Von den Stunden sind einige verbindlich festgelegt. Die Schulleitung hat zum Beispiel feste Anrechungsstunden, so dass sie – abhängig von der Schulgröße – nur noch vier oder nur zwei Unterrichtsstunden halten muss. Weiterhin gibt es eine feste Anzahl von Stunden – wiederum abhängig von der Schulgröße – gemeinsam für die Mitarbeiter der Schulleitung (darunter den Stellvertreter) und die Oberstufenbetreuer. Das sind, sagen wir mal, um die 40 Anrechungsstunden, aber wie die auf die beteiligten Personen verteilt werden, liegt im Ermessen der Schulleitung. Auch für die Personalräte gibt es zusammen eine bestimmte Anzahl von Anrechungsstunden, ebenso für die Verbindungslehrer. Feste Stunden gibt es auch für Seminarlehrer, Praktikumslehrer, Beratungslehrer, wohl auch Schulpsychologen. Wer sonst ein explizites Anrecht auf Anrechnungsstunden hat, weiß ich nicht – diese Informationen sind in jahrzehntealten KMBeks vergraben.

Übliche Verdächtige für weitere Anrechungsstunden sind: Mitarbeiter beim Jahresbericht oder bei der Homepage, Suchtbeauftragte, Medienwart, Fachbetreuer, Systembetreuer, Bibliotheksbetreuer, Sammlungsleiter, Stundenplanersteller, Unter- und Mittelstufenbetreuer, Vertretungsplaner. Das kann man im Prinzip für jede Art Aufgabe verteilen, die so anfällt. Man kann manche dieser Arbeiten auch unhonoriert lassen, dann werden sie natürlich weniger fröhlich oder gar nicht erledigt.
Welche Aufgabe mit wieviel Anrechungsstunden honoriert wird, ist von Schule zu Schule teilweise sehr verschieden. Ein Grund ist sicher die jeweils unterschiedliche Situation vor Ort, aber auch die Tradition spielt eine gewisse Rolle. Klar ist natürlich, dass keine Anrechungsstunden für Aufgaben verteilt werden, die originär zur Schulleitung und deren Mitarbeitern gehören, denn die sind ja schon mit dem festen Pool abgegolten.

(Es gibt dazu gelegentlich noch Anrechungsstunden, die aus einem anderen Pool als dem der Schule stammen. Zum Beispiel haben die Ministerialbeauftragten in ihrem Etat auch eine Anzahl davon, die sie Mitarbeitern an den Schulen zukommen lassen.)

Allen Schulen gemein ist der begrenzte Vorrat an Stunden. Allen Lehrern gemein ist die Überzeugung, mehr zu arbeiten als man eigentlich sollte. Tatsächlich ist auch die Mehrarbeit, die man mit manchen Jobs hat, durch die dafür gewährten Anrechungsstunden nicht ausgeglichen. Das bringt mich – als wäre es zufällig – zu meiner eigentlichen Frage: Wieviel muss ich eigentlich arbeiten für so eine Anrechungsstunde? Wieviel Arbeit macht, so rein zeitlich, eine 45-Minuten-Unterrichtsstunde eigentlich im Jahresschnitt, deren Äquivalent die Anrechnungssstunde doch ist?
In meinem Referendariat war ich in einer Schule mit angeschlossenem Internat. Dort galten 120 Minuten Hausaufgabenaufsicht als Entsprechung einer Unterrichtsstunde. Sagen wir mal, 110 Minuten Arbeit pro Woche sollten schon drin sein. Das wären dann bei einem Lehrer, der nur Anrechungsstunden hat, 44 Stunden Arbeitszeit pro Woche – das gilt größenordnungsmäßig auch für einen Lehrer, der gar keine Anrechungsstunden hat. In den Ferien ist dann ja weniger.

Aber so einfach rechnen kann man vielleicht nicht immer. Ich kriege zum Beispiel eine Anrechungsstunde dafür, dass ich in diesem Jahr Fortbildungen gebe, sagen wir acht Stück davon, ganztägig, diese vorbereite und die Teilnehmer im Blended-Learning-Verfahren online betreue. Außerdem fahre ich dafür selber auf Fortbildungen. Wieviel Arbeits-/Anrechungsstunden entspricht das? Hängt das davon ab, ob die Fortbildungen an einem ansonst freien Tag sind oder ob meine regulärer Unterricht ausfällt, was man ja bei der Planung noch nicht wissen kann?
Und zuletzt kann mit Anrechungsstunden theoretisch auch besondere Qualifizierung honoriert werden – da greift in ganz kleinem Rahmen die Marktwirtschaft: wenn nur einer an der Schule sich mit einem Arbeitsgebiet auskennte, könnte der den Preis dafür in Anrechungsstunden in gewissen Grenzen aushandeln.

* Zum Beispiel Abminderungsstunden. Oder in Österreich: Dort wird wohl allgemein mit “Werteinheiten” gerechnet. Interessant, wusste ich noch nicht. Ein Lehrer muss, glaube ich, zwanzig Werteinheiten pro Woche leisten, dabei entspricht eine Stunde Deutsch oder Englisch 1,167 WE und eine Stunde Chemie 1,050 WE. Sport ist 0,955 WE und und Bühnenspiel und Chorgesang nur 0,875 WE. Warum erfahre ich das erst jetzt? Das ist differenzierter als in Bayern, wo man im Aufwand nur zwischen Unter-/Mittelstufen-Sport, ‑Musik, ‑Kunst auf der einen und allen anderen Fächern und Wahlunterrichten auf der anderen Seite unterscheidet. In anderen Bundesländern (und dem von mir frequentierten Lehrerforum) gilt sogar: Du Sollst Alle Fächer Gleich Behandeln.

Big Rock Candy Mountain, zweites öffentliches Üben, und Hemingway

Inhaltsverzeichnis:

  1. Musikalische Versuche
  2. Das Lied und sein Hintergrund
  3. Hobo Stories
  4. Hemingway
  5. Seminar-Idee

1. Musikalische Versuche

Okay, Zeit für das zweite öffentliche Üben:

Nachtrag: drittes und letztes öffentliches Üben.

Hier der Anfang meiner aktuellen Tabulatur für die Clawhammer Ukulele:

Gibt’s auch als pdf, als midi und als tux – das ist die Quelldatei für für den TuxGuitar tab editor (Java), mit dem ich midi und pdf erzeugt habe. Den finde ich für meine Zwecke praktischer als das verbreitetere PowerTab. Die midi-Datei kann man übrigens auch in andere Tabulaturprogramme importieren und erhält so die Noten.

Ukulele geht schon besser, beim Singen aber keine Fortschritte. Frau Rau sagt betont immer nichts, wenn ich singe. Ein Problem ist, dass im ersten Teil des Liedes etliche Noten sind, die unterhalb des nicht allzu großen Tonumfangs der Ukulele liegen. Ich weiß noch nicht, wie ich die am besten begleite und beim Singen treffe.

2. Das Lied und sein Hintergrund

Zum Lied selber (Wikipedia): In neueren Versionen für die Grundschule gibt es das als heiteres Kinderlied mit abgewandeltem Text. Das Original gewinnt aber viel Witz dadurch, dass das Schlaraffenland, das darin beschrieben ist, ein Schlaraffenland für hoboes ist, für Landstreicher der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. The boxcars are all empty, das sind die Güterwaggons, in die man sich verbotenerweise geschlichen hat, the railways bulls are blind, das sind die Bahnpolizisten, die die Landstreicher gerne mal aus dem fahrenden Zug werfen, und träumen kann man nur von Polizisten mit Holzbeinen (sie können einen also nicht verfolgen) und von Bäumen, auf denen die abgelegte Kleidung (“handouts”) ebenso wächst wie Zigaretten.

Hinter dieser Ebene des Liedes steckt aber noch eine weitere. Das Lied beginnt ja mit einem hobo, der in ein Landstreichercamp (“hobo jungle”) kommt und dort von diesem Hobo-Paradies zu erzählen beginnt, und das mit der Aufforderung, mit ihm zu kommen. Darauf schließen sich drei oder vier (melodisch davon verschiedene) Strophen an, die die Vorzüge dieses Schlaraffenlands preisen und die den Hauptteil des Lieds ausmachen.
Harry McClintock sang das Lied bereits in den 1890er Jahren, dreißig Jahre vor der ersten Aufnahme, und diese ursprüngliche Form enthielt eine abschließende Strophe, die in der Aufnahme ausgelassen wurde:

The punk rolled up his big blue eyes
And said to the jocker, “Sandy,
I’ve hiked and hiked and wandered too,
But I ain’t seen any candy.
I’ve hiked and hiked till my feet are sore
And I’ll be damned if I hike any more
To be buggered sore like a hobo’s whore
In the Big Rock Candy Mountains.”

Ein “punk” ist ein jugendlicher Streuner (oder allgemeiner: abwertend für einen Jugendlichen), der “jocker” ist die Figur der Rahmenhandlung, die den Leuten im hobo jungle die Geschichte erzählt und den Jungen zum Mitkommen überreden will – um ihn sexuell auszubeuten oder eine sexuelle Partnerschaft einzugehen. Klingt weit hergeholt? Solche homosexuellen – daneben auch rein pragmatische – Hobo-Partnerschaften gab es regelmäßig. Der ältere Partner heißt jocker oder wolf und lässt den jungen für sich betteln. Der junge heißt lamb oder gonzel/ganzel (Quelle).

Fußnote: Dashiell Hammett nennt in The Maltese Falcon den jungen Ganoven Wilmer gunsel. Rezipiert wurde das als Slangausdruck für “Gangster” (immerhin steckt “gun” drin) und wanderte von dort aus wohl tatsächlich auch in Slang-Wörterbücher in dieser Bedeutung. Wie das Hammett gemeint hat, weiß ich nicht. Aber Wilmer ist der jüngere Begleiter des älteren Gutman, und Joel Cairo scheint zumindest einmal den Versuch gemacht zu haben, bei ihm zu landen.

Begegnet bin ich diesem Konzept in einer Kurzgeschichte, in der der jugendliche (glaube ich) Held vor einem wolf gewarnt wird, und dass damit eben nicht einfach ein Mann gemeint sei, der Frauen hinterherpfeift. (Ich dachte, das sei eine Hemingway-Geschichte gewesen, Recherche – siehe weiter unten – sagt, dass wohl doch nicht.) Als solcher ist der Begriff ja viel weiter verbreitet, auch mit dem dazu gehörenden wolf whistle, verewigt etwa in Tex-Avery-Cartoons. Tatsächlich ist das Wort in der Bedeutung “seducer” seit 1847 belegt, seit 1917 auch für einen aktiven, dominierenden Homosexuellen (Historical Thesaurus of the OED). Ein Gay Slang Dictionary nennt als Ursprung: “prison early 1900’s”. Mehr dazu auch in diesem Glossar zur Hobo-Terminologie. Da heißt oder hieß ein unerfahrener jugendlicher hobo “preshun” oder “possesh”, der in die Lehre zu einem “profesh” geht. Jack London betont in seinem autobiographischen The Road (Gutenberg):

A boy on The Road, on the other hand, no matter how green he is, is never a gay-cat; he is a road-kid or a “punk,” and if he travels with a “profesh,” he is known possessively as a “prushun.” I was never a prushun, for I did not take kindly to possession. I was first a road-kid and then a profesh.

Die Auszüge aus dem Buch klingen ziemlich interessant, ich werde es bald mal lesen. James L. Haleys Wolf: The Lives of Jack London verdanke ich den Hinweis auf den Aufsatz “Homosexuality among Tramps” in Havelock Ellis’ Studies in the Psychology of Sex. Habe ich noch nicht reingeschaut, kann für nichts garantieren.

3. Hobo Stories

Das Wort “hobo” kenne ich schon lange. Der “hobo jungle” taucht in Tom Waits wunderbarem “Kentucky Avenue” auf, wo zwei Jungen auch die Flucht von zu Hause planen, oder davon träumen, oder zumindest einer von ihnen. (“Church key” für “Flaschenöffner” habe ich auch aus diesem Lied.)
Bei Stephen King bin ich dem hobo jungle sicher auch begegnet.
Vielleicht in Jack-London-Geschichten?
Und dann natürlich Ernest Hemingway, zum Beispiel “The Battler”. Dort ist der jugendliche – oder doch schon später Teenager? – Nick Adams, Held einer Reihe von Hemingway-Geschichten, gerade von einem Bahnpolizisten aus dem fahrenden Zug geworfen worden. Er wird von einem Lagerfeuer angelockt und trifft dort ein paar hoboes, einer davon ein ehemals berühmter Boxer, und sie teilen ihre Lebensmittel. Die Situation wird tatsächlich ein bisschen brenzlig für Nick, aber Sexualität ist kein Thema in dieser Geschichte.

4. Hemingway

Beim Blättern im Hemingwayband bin ich auf zwei schöne Geschichten gestoßen, an die ich lange nicht mehr gedacht habe. “A Natural History of the Dead”, eine ganz untypische Geschichte. In durchaus poetischem Naturkundefilm-Tonfall (wie man ihn heute aus Fernsehsendungen über Eisbären oder die Tierwelt der Alpen kennt) beginnt der Bericht über einen Kriegsschauplatz:

It has always seemed to me that the war has been omitted as a field for the observations of the naturalist. We have charming and sound accounts of the flora and fauna of Patagonia […] Can we not hope to furnish the reader with a few rational and interesting facts about the dead?

Until the dead are buried they change somewhat in appearance each day. The color change in Caucasian races is from white to yellow, to yellow-green, to black. If left long enough in the heat, the flesh comes to resemble coal-tar, especially where it has been broken and torn, and it has quite a visible and tarlike iridescence.

Bitter. Hätte ich eher von Ambrose Bierce erwartet, so etwas.
Typischer ist “The Three-Day Blow”. Nick Adams besucht seinen Freund Bill, dessen Vater nicht zu Hause ist, in deren doch eher einfachen Behausung. Draußen stürmt es. Die beiden unterhalten sich erst mal über Sport und trinken Whiskey (und fragen sich, was Torf eigentlich ist) – und dann sprechen sie über die Bücher, die sie gerade lesen. Richard Feverel von George Meredith (“It’s all right”), The Forest Lovers von Maurice Henry Hewlett (“That’s the one where they go to bed every night with the naked sword between them”), Fortitude und The Dark Forest von Hugh Walpole (“I’d like to meet him”) und – hooray! – G. K. Chesterton.

“ ‘He must be the best guy there is. Do you remember the Flying Inn?”

(Falls nicht erinnerlich: ich liebe Chesterton.) Nach einer kurzen Diskussion, wer besser ist, Chesterton oder Walpole, wollen sie beide zum Fischen mitnehmen. Danach geht das ernsthafte Whiskeyrtrinken los, sie bekennen sich zum Fischen und widersagen Baseball, erheben Trinksprüche auf Walpole und Chesterton, und im Hintergrund steht die ganze Zeit über Nicks Trennung von seiner Freundin/zukünftigen Braut Marjorie.

5. Seminar-Idee

Falls ich noch Englisch unterrichten würde, könnte ich mir gut ein Seminar “Landeskunde durch Lieder” vorstellen – als W- oder P‑Seminar. Die Leistung im W‑Seminar wäre jeweils eine ausführliche Arbeit über ein einzelnes Lied, im P‑Seminar könnte man die Lieder aufführen oder aufnehmen oder in die heutige Zeit übertragen, gerne auf Deutsch. Man müsste sich halt um die Rechte kümmern. Filme dazu: Dieses Land ist mein Land (Biographie von Woody Guthrie, 1976, mit David Carradine). Am Rande erwähnenswert: Boxcar Bertha (1972), nicht über Musik, aber mit Zügen in den 1930ern, etwas zu brutal für mich, aber auch mit David Carradine und eine ganz frühe Scorsese-Regie – in einer Rogar-Corman-Produktion, da schau her.

Lieder für das Seminar, ganz spontan:

  • Strange Fruit (Billie Holliday) (Wikipedia)
  • Brother, Can You Spare A Dime (Rudy Vallee und viele viele andere) (Youtube: The Weavers, Youtube: Al Jolson)
  • Sacco and Vanzetti (Woody Guthrie)
  • Sixteen Tons (Merle Travis u.a.) (Wikipedia)
  • Fairytale of New York (Pogues)
  • Vive la Quinta Brigada (Christy Moore) (Youtube)
  • The Ludlow Massacre (Woody Guthrie)
  • Lousiana 1927 (Randy Newman)
  • Poverty Knock (trad., Chumbawamba) (Blogeintrag)
  • Tom Joad (eine Grapes-of-Wrath-Interpretation von Woody Guthrie)
  • The Biggest Ballof Twine in Minnesota (Weird Al Yankovic) (Youtube, aber kein Vergleich zur Studioversion)
  • Ten Cents A Dance (Version 1, Version 2, Version 3, weil die beste Version – die von Doris Day – in unserem Land bei Youtube nicht angeschaut werden kann)
  • Von mir aus auch “I don’t like Mondays” und “Sunday, Bloody Sunday”, jede Menge irische politische Lieder, die 1930er sowieso.

Erstsemester begrüßen

Letzten Mittwoch war ich an der LMU und habe einigen zukünftigen Informatik-Lehramtsstudenten, die dort zu verschiedenen Einführungsveranstaltungen erschienen waren, etwas über das Informatiklehrersein gesagt. Dass man ein großes Drittel seine Zeit mit Schülern verbringt, ein kleines Drittel mit Arbeiten zu Hause (solange es noch keine Arbeitsmöglichkeiten an Schulen gibt) und ein weiteres kleines Drittel in Zusammenarbeit mit Kollegen – beim Kaffeetrinken, bei Konferenzen, bei Absprachen.
Das Herz hat mir geblutet, aber ich habe behauptet, dass Informatiklehrer so gar nicht sind, wie man sich einen Computermenschen vorstellt – im Keller sitzend, verschroben, mit lustigem T‑Shirt, merkwürdigen Hobbys und ungeübt Umgang mit anderen Menschen. Wie die IT-Crowd halt. Ich hoffe, man hat mir ein leises Bedauern darüber angemerkt.

(Immerhin habe ich mir letzte Woche schon mal ein paar T‑Shirts bestellt. “There’s no place like 127.0.0.1” und so weiter. Aus den USA noch mehr davon.)

Dann hat der für den Lehramtsstudiengang zuständige Professor etwas über das Informatikstudium an der LMU erzählt. Sehr interessant. Man schreibt – und das ist wohl bei Mathematik ähnlich, vermutlich auch bei den Naturwissenschaften – eine einzige Seminararbeit während des ganzen Studiums, in dem einen Seminar, das man besuchen muss, und dann am Ende die Zulassungsarbeit. Mehr nicht. Gelernt wird hauptsächlich in Vorlesungen (mit Tutorien dazu), geprüft in Klausuren im Anschluss daran. Praktika gibt es allerdings auch.
Und das ist so ganz anders als in den Geisteswissenschaften zumindest zu meiner Zeit. Das erklärt vielleicht manche Missverständnisse zwischen natur- und geisteswissenschaftlichen Lehrern. Auch bei uns gab es Vorlesungen, das ist man rein oder nicht (ich eher nicht so oft), Klausuren gab es danach nicht. Gelernt habe ich in Übungen und Seminaren, und Arbeiten geschrieben habe ich viele. Schnell mal gezählt: mir fallen insgesamt nur fünf ein in beiden Fächern, gefühlt waren es aber mehr. Und in England wöchentliche Essays.

Immerhin: schon der Professor hat darauf hingewiesen, dass die Note des 1. Staatsexamens nicht nur für die Einstellung wichtig ist, sondern dann auch viel später noch einmal herausgekramt wird, wenn es darum geht, irgendwelche Funktionsstellen oder andere interessante Stellen zu besetzen. Nicht dass es dann wieder heißt, dass hätte einem keiner gesagt.