Bücher 2020

Meine gelesenen Bücher 2020, viele davon in den ersten Monaten des Jahres. Danach habe ich immer wieder wochenlang kein Buch gelesen, und dann auch nur eher dünne Pflichtsachen. So wenig wie vielleicht nie in meinem Leben? (In den letzten 20 Jahren habe ich nur 2015 weniger Bücher gelesen.) Deshalb gibt es auch weniger Blogeinträge dazu als in den letzten Jahren. Ein paar Podcasts gemacht, aber auch nicht viele. Nur eine Ukulelenrunde.

8 Bücher von Frauen, 31 von Männern, Rest gemischt. Die Bücher mit ° habe ich wiedergelesen.

  1. Nat Love, The Life and Adventures of Nat Love, Better Known in the Cattle Country as “Deadwood Dick” by Himself
  2. Charles E. Funk, A Hog on Ice
  3. Jean Rhys, Wide Sargasso Sea
  4. Ali Smith, Autumn
  5. Wilhelm Hauff, Das Wirtshaus im Spessart°
  6. Richard von Volkmann-Leander, Träumereien an französischen Kaminen
  7. Wilhelm Hauff, Märchen-Almanach auf das Jahr 1826 für Söhne und Töchter gebildeter Stände (Die Karawane
  8. Eduard Mörike, Das Stuttgarter Hutzelmännlein
  9. Wolfgang Herrndorf, Tschick°
  10. Slightly Foxed No. 65
  11. Neil Gaiman, Coraline°
  12. Hugh Walker, Schwerter, Schemen und Schamanen°
  13. Hugh Walker, Stadt der Götter
  14. Conway/Guy, The Book of Numbers
  15. Kathrin Passig/Aleks Scholz, Handbuch für Zeitreisende
  16. Thomas Burnett Swann, Der letzte Minotaur°
  17. Slightly Foxed No. 66
  18. Matt Ruff, 88 Names
  19. Josephine Tey, The Daughter of Time
  20. Abraham Merritt, Schiff der Ischtar°
  21. Abraham Merritt, König der zwei Tode°
  22. Ben H. Winters, The Last Policeman
  23. Blake Snyder, Save the Cat!
  24. Lester Dent, Lady So Silent
  25. Spicy Mystery Stories February 1937
  26. The Black Mask May 1920
  27. Jane Austen, Emma°
  28. Shirley Jackson, Life Among the Savages
  29. Isak Dinesen, Last Tales
  30. J.L. Carr, How Steeple Sinderby Wanderers Won the F.A. Cup
  31. Jack London, The Scarlet Plague
  32. G. K. Chesterton, The Return of Don Quixote
  33. Sarah Caudwell, Thus Was Adonis Murdered
  34. G. K. Chesterton, Manalive
  35. Charles Portis, The Masters of Atlantis
  36. Robert E. Howard, Horde aus dem Morgenland°
  37. G. K. Chesterton, Magic
  38. J. G. Farrell, The Siege of Krishnapur
  39. Slightly Foxed No. 67
  40. Alina Bronsky, Der Zopf meiner Großmutter
  41. Slightly Foxed No. 68
  42. John Jakes, Tolle Tage in Atlantis°
  43. Clemens J. Setz, Die Bienen und das Unsichtbare
  44. Éric Vuillard, Die Tagesordnung

Jahresrückblick 2020

Gleich am ersten Tag des Jahres fuhr ich mit Frau Rau mit dem Zug nach Venedig. Das war sehr schön. Unbeschwert, wie oft und vieles. Frau Rau konnte zwar schon keine Tageswanderungen mehr unternehmen, und joggen auch nicht, aber das Spazierengehen mit gelegentlichem Vaporetto ging noch sehr gut.

In Venedig entstand die Idee, dass ich doch mal ein Sabbatjahr einlegen konnte. Es schien rückblickend offensichtlich, aber tatsächlich hatte ich das nie in Erwägung gezogen. Zuhause erkundigte ich mich und beantragte und dann wurde das genehmigt.

Ende Januar gab es eine neue Diagnose für die Hüftschmerzen von Frau Rau, und im März entschied sie sich zu einer Operation. Mit Warteliste und Vorstellungsterminen dauerte es bis Ende Oktober, bis das künstliche Hüftgelenk eingesetzt war. Soweit läuft alles gut ab.

Nicht ganz so gut sieht es mit meinem Vater aus. Oberschenkelhalsbruch, letztes Jahr, und nach einer nicht sehr gelungen Erstoperation gab es eine zweite Operation, die ebenfalls nicht sehr sauber ausgeführt wurde. (Das Krankenhaus machte auch insgesamt einen schlechten Eindruck, obwohl das nichts über die Qualität der Operationen aussagen muss.) Aktuell liegt mein Vater nach der dritten Operation in der Rehaklinik, unbesuchbar wegen Corona; und wenn alles gut geht, ist er nach einer vierten Operation dann wieder auf den Beinen. Ich weiß nicht, wie es ihm wirklich geht, und mache mir große Sorgen. Die meiste Zeit meines Lebens habe ich meine Eltern, die beide noch leben und beide alt sind, als selbstverständlich und gegeben hingenommen. Erst als meine Mutter vor vierzehn Jahren an Krebs erkrankte, verstand ich, dass das nicht immer so weitergehen würde. Meine Eltern sind deutlich über achtzig Jahre als und beide so großartig, dass ich das einmal in einem eigenen Blogeintrag ausführlich erklären muss.

Währenddessen Corona, und Schule zu Hause. Alles schrecklich, aber auch aufregend. Es war spannend, ernüchternd, frustrierend und gelegentlich erfreulich, was da im Schulsystem geschah.

Richtig frustrierend wurde es erst im Spätsommer. Die Schule begann regulär, und die Regelungen der Regierung sahen vor, dass ab einem 7‑Tage-Inzidenzwert Maskenpflicht im Unterricht gelten würde, und strengere Maßnahmen bei noch höheren Werten. Ach, was haben wir gelacht. Bei uns haben etliche Lehrer und Lehrerinnen, aber nicht alle, ab dem 50er-Wert auf Masken bestanden auch ohne dass eine offizielle Ansage kam. Die kam dann auch nicht, “wird schon gut gehen” hieß es bei den Schulen, und wenn die einst getroffenen Regeln anderswo ebenso schnell ignoriert wurden, ist es kein Wunder, dass die zweite Welle in den ersten Oktobertagen begann und es lange dauerte, bevor die ersten Maßnahmen ergriffen wurden. Hätte man mal früher.

(Dazwischen, in den Sommerferien. mit dem Zug nach Frankfurt und Bremen, Urlaub machen und Menschen besuchen. Zum letzten Mal geflogen März 2019.)

Mir geht es gut, Frau Rau auch, und uns beiden zusammen geht es auch gut. Wir haben einander und sind vom Temperament her so gut vorbereitet auf ein Leben in der Wohnung, wie es eben geht. Aber ich neige dazu, mich noch mehr zu verkriechen als sonst.

Dabei ist meine Welt voller guter Menschen. Die Freunde aus meiner Schulzeit, die außerschulischen Freunde meiner Teenagerjahre, die Freunde aus meinen frühen Zwanzigern, die Freunde aus meinen späten Zwanzigern – zu den meisten habe ich keinen Kontakt gehalten. Ich habe wirklich ganz bezaubernde Neffen und Nichten (und Brüder und Schwiegerfamilie), und – weiter entfernt lebend – etliche Cousins und Cousinen. Und melde mich sehr wenig bei ihnen. Ich denke viel an sie (und an andere), das reicht mir eigentlich, aber wenn ich diese Kontakt auf Dauer aufrechterhalten möchte, muss ich mich vielleicht mehr anstrengen.

Wie ich Mebis nutze, Beispiel

(Als Nachtrag zum gestrigen Eintrag.)

Das ist ein Beispiele dafür, wie manche meiner Mebiskurse aussehen:

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Ich habe solche Kurse für etliche Fächer/Jahrgangsstufen, aber noch nicht alle. Für die Oberstufe habe ich schon je Fach 1 Kurs, den ich Jahr für Jahr wiederverwende und verbessere. Böse betrachtet sind das Materialdumps, positiver: Schulbuch-Ergänzungen. Ich nehme auch nicht jedes Jahr alles Material aus dem Kurs her, sondern wähle aus.

Für die anderen Jahrgangsstufen… im Moment haben wir Klassenkurse, so dass ich mich in meinem Klassenkurs in meinem Abschnitt mit drei, vier Unterabschnitten ausbreite. Mittelfristig hätte ich gerne, sagen wir, einen Englischkurs für meine Unter- und Mittelstufe, mit geteiltem Material, das von der konkreten Jahrgangsstufe unabhängig ist. Sonst müsste ich ja ständig doppeln. Das wird dann urheberrechtlich ein bisschen knifflig, weil ich geschütztes Material ja immer nur mit einer Klasse teilen darf – dreimal in drei Kursen hochladen wäre kein Problem; einmal in einem Kurs mit drei Klassen drin am Ende vielleicht schon, aber das ist keine aktuelle Sorge.

Könnte ich mir das lehrkräfteübergreifend vorstellen, also einen gemeinsamen Englisch-Kurs für Lehrkräfte und Schüler und Schülerinnen einer Schule? Nur in ferner Zukunft. Zumindest an meiner Schule sind die Ansprüche an Material zu unterschiedlich; ob das gut oder schlecht ist, kann man diskutieren. Manche von den Kollegen und Kolleginnen benutzen zum Beispiel Arbeitsblätter mit unterstrichenen Überschriften, was mit mir schon einmal gar nicht geht.

Eine andere Art, Mebis zu nutzen, sind Selbstlernkurse. Da nutze ich einen für das Fach Deutsch, das ist quasi meine Ablage für interaktive Übungen – extern eingebunden von learningapps.org, mit H5P, mit moodleeigenen Tests. Umfangreich, sortiert, aber nicht wirklich gewartet. Außerdem habe ich einen Tastschreib-Selbstlernkurs aus dem Pool an geteilten Mebiskursen importiert, da können Schüler und Schülerinnen relativ selbstständig arbeiten. Solche Kurse hätte ich gerne noch weitere, als Reserve und Zusatzmaterial, aber sie wären immer nur Ergänzung, nie mein Schwerpunkt.

Andere Lehrer und Lehrerinnen nutzen Mebis anders, oder werden Mebis anders nutzen, klar.

(Neben Mebis nutze ich noch unsere Schulcloud mit Office-Suite und BigBlueButton. Der Chat in unserer Cloud funktioniert, ist aber noch nicht freigegeben und wohl auch nicht nötig. Zur Not mache ich auch bei Discord mit, aber nichts Unterrichtliches. E‑Mail nutze ich sowieso, Jitsi ist Reserve.)

Mebis und Teams, Hin und Her, Unterricht und Lernen

Distanzunterricht und Distanzlernen

Am Wochenende verkündete die bayerische Regierung, am Mittwoch, Donnerstag und Freitag würde kein Unterricht in der Schule mehr stattfinden. Das kam nicht überraschend, so hatte ich das meinen Klassen in der Vorwoche angekündigt.

Dann führte – war es Montag? – der bayerische Kultusminister Piazolo in einer Pressekonferenz die de facto neu geschaffenen Begriffe Distanzunterricht und Distanzlernen ein, brachte sie aber selbst etwas durcheinander. Im Lehrerzimmer – es war die Mittagspause – sahen wir uns einen Teil davon live an und hatten wenig Respekt vor unserem Minister, aber vor welchem hatten wir das schon? (Gab es mal einen fähigen Kultusminister oder eine Kultusministerin? Oder ist das wie im Verkehrsministerium?) Gemeint war wohl: Abschlussklassen sollen eng betreut werden, prototypisch mit Videokonferenzen, Anwesenheitspflicht, neuem Stoff, Hausaufgaben, der Möglichkeit von Noten – das sollte fürderhin Distanzunterricht genannt werden. Die anderen Jahrgangsstufen sollten weniger eng betreut werden, zumindest in irgendeiner Form vage betreut und nicht allein gelassen genannt werden dürfen. Ohne neuen Stoff, ohne Anwesenheitspflicht, ohne Hausaufgaben, Noten – prototypisch mit Arbeitsblättern oder Aufgaben im Buch und der Gelegenheit für rasch beantwortete Rückfragen an die Lehrkraft.

Das sorgte für Irritationen bei den Schulen. Viele Lehrkräfte an weiterführenden Schulen hatten bereits Pläne, wie diese letzten drei Schultage in Distanzform sinnvoll gefüllt werden können, und fühlten diese durch Piazolo torpediert. Der Münchner Merkur titelte, nicht unberechtigt, “Piazolo verbietet Distanzunterricht”.

Am nächsten Tag hieß es, das sei ein Missverständnis und doch eigentlich eindeutig formuliert gewesen: verbindlichen Distanzunterricht solle es nicht geben für die anderen Jahrgangsstufen. Aber das war ungeschickt an die Eltern kommuniziert worden, kurzum: viele Pläne lösten sich in Luft auf.

Warum diese Unterscheidung? Vermutlich ging es darum, dass die meisten Jahrgangsstufen zu nichts gezwungen werden sollten, weil… die Lehrkräfte das nicht stemmen würden? Die Software zusammenbrechen würde? Die Eltern keinen Unterricht wollen würden? Ich weiß es nicht. Tatsache war wohl, dass viele Eltern und Schulen reagierten, dass sie sehr wohl noch gerne sinnvoll arbeiten würden in diesen drei Tagen.

Technische Probleme

Also ging es am Mittwoch los mit einem Durcheinander aus Anweisungen und Unklarheit. Mir machte das wenig aus, ich bin gewohnt, Anweisungen zu interpretieren und herauszufinden, welche ernst gemeint sind und welche nicht. (Ein Tipp für KMS etwa: Die Wörter “Tastschreiben” oder “Verkehrserziehung” sind Code für “bitte ignorieren”; so wie “Wie Sie alle wissen” Code ist ist für: “Ich weiß, das kommt jetzt etwas kurzfristig.”) Im Englischunterricht der Unter- und Mittelstufe werden so oder so Vokabeln gelernt – ob das als neuer Stoff zu deklarieren ist oder nicht, ist egal; das machen die Schüler und Schülerinnen ohnehin weitgehend selbstständig.

Und dann brach Mebis zusammen, die bayernweite Lernplattform. Anscheind – ich selber hatte meinen Unterricht so organisiert, dass ich nicht zu Mebis musste und am Vormittag auch nicht bei Mebis war. Ich nutze Mebis selten für synchrones Arbeiten, also Arbeiten, wo ich den Zeitpunkt festlege, der für alle gleich ist. Manche machen das aber anders, insbesondere diejenigen, die die Idee des Kultusministeriums wörtlich nehmen, eine Art “Weckruf” zu veranstalten – wo sich die Schüler und Schülerinnen persönlich aktiv zeigen, via E‑Mail, Telefonanruf, oder eben Häkchensetzen bei Mebis. Bei manchen Schularten ist das wahrscheinlich auch nötig. Bei meiner Schule nicht. (Das war sicher eine gut gemeinte Idee der Elternverbände, die ihre Kinder nicht aus dem Bett kriegen. Das Kultusministerium sah sich in der Position, die Idee aufgreifen zu müssen, gab sie mit möglichst viel Spielraum weiter, und der wird dann nicht genutzt.)

Jedenfalls: Enorm großer Unmut bei manchen enorm lauten Lehrkräften – anhand der üblichen Bruchstellen was Einstellung und Schulart und Lieblingssoftware betrifft. Zornige Beiträge im Forum der Mebis-Kontaktlehrkräfte. (Von den gleichen, die das auch im März schon so geschrieben haben, allerdings.) Und ein Kultusminister, von dem man schweigen möchte.

Mebis v. Teams

Die Hauptbruchlinie verläuft hier zwischen Mebis und Teams. Vernünftige Leute hätten gerne beides, oder die Möglichkeiten, die beides bietet. Mebis gibt es vom Kultusministerium, ist sehr mächtig (da ein Baukasten für interaktive Webseiten) und sehr umständlich, gut für langfristiges udn selbstständiges Arbeiten; Teams gibt es von Microsoft und gut für unmittelbares Arbeiten, das herkömmlichen Unterricht am besten abbildet.

So kann das nicht weitergehen!

Doch, kann es schon. Ob Mebis heute, gestern oder morgen zusammenbricht, ist egal. Ich habe, selbst wenn ich diese drei Tage voll den Weihnachtsferien zurechne, dieses Jahr alles in allem 1 Woche an Unterrichtstagen verloren. (Ein Jahr hat de facto 33 Schulwochen.) Das ist sehr viel weniger als in anderen Jahren. Ganz erstaunlich, wie viel geht ohne, ahem, Gruppenarbeit, Adventsfeier, Sportwoche. Klar geht viel verloren und ich möchte das nicht dauerhaft so haben – aber eine Weile halten wir schon noch aus. Dass wir immer noch nicht weiter sind, insgesamt, ist aber ein Vorwurf, dem sich das Kultusministerium stellen muss.

Strategie und Taktik

Zu denken: “Ich brauche XXX für meinen Unterricht, und zwar sofort” liegt mir fern. Zugegeben, ich tue mich leicht, finde schnell Auswege und improvisierte Lösungen und arbeite mit relativ selbstständigen Gymnasiast:innen. An anderen Schularten oder mit weniger Erfahrung mögen die akuten Probleme drängender sein – obwohl ich mir schon bei manchen Beiträgen auf Twitter oder im Forum denke, dass sich einige schon arg umständlich anstellen. Dezemberstress; ich litt jedenfalls darunter.

Den Wunsch nach einer sofortigen maximalen Lösung für mein Kind verstehe ich aus Elternsicht. Und damit muss die Schule und das Kultusministerium umgehen, das berücksichtigen. Mein eigener Wunsch aus Sicht als Lehrkraft ist der nach einer langfristigen Lösung. Und da habe ich noch genug Atem zu warten.

Wie ich mir Unterricht vorstelle

Was hätte ich denn gerne an langfristiger Lösung? Ah, das ist der Knackpunkt. Ich weiß es selber nicht sicher. Ich möchte nicht zurück zum herkömmlichen Unterricht – so toll war der bayernweit auch nicht. Er war und ist okay, die Schüler:innen haben es warm, haben das wichtigste, Kontakt zu Gleichaltrigen, ab und an fordernden Input, und sie lernen schon auch was. Aber so richtig effektiv genutzt ist die Zeit an der Schule auch nicht immer. Wie gesagt, okay.

Ich möchte deshalb auch nicht den bisherigen Unterricht möglichst genau auf Distanzunterricht abbilden. Ich hätte gerne für meine Schüler und Schülerinnen mehr Phasen der Selbstständigkeit und der Eigenverantwortung. Davon redet man gerne, aber praktisch und formal gibt es das kaum. Mit abwechselnd 1 Woche Arbeit zuhause und 1 Woche in der Schule könnte ich mir besseren Unterricht vorstellen – für viele meiner Schüler und Schülerinnen. Aber es ist ja nicht einmal Freiarbeit vorgesehen im System.

(Zuvor hätte ich gerne gesellschaftlichen Konsens darüber, wie viel Kinder zu Hause arbeiten sollen- wenn Ganztagschule, dann nicht; wenn Halbtagsschule, dann schon. Die Halbtagsschule bevorteilt die Schüler:innen mit guter Arbeitssituation – ein eigenes Zimmer, eigener Computer, schnelles Internet, Bücher zuhause und Leute, die man fragen kann.)

Meine Lieblingsstunde war einmal so, dass ich in den Computerraum kam, wo jemand ausnahmsweise den Schülern und Schülerinnen bereits aufgesperrt hatte, so dass sie bereits vor den Rechner saßen. Einer von ihnen wollte etwas von mir, ich klärte das, und nach einiger Zeit erst holte ich das tatsächlich vergessene “Guten Morgen zusammen” nach, worauf wieder alle vor sich hin arbeiteten. Sie brauchten mich nicht. Da will ich hin. Ob das mit gleichem Lehrplan für alle geschieht (und demnach der Vorgabe etwas zu lernen, auf das man im Moment keine Lust hat) oder nicht: zu klären.

(Heute lief Mebis problemlos bei mir, aber ich brauchte es auch nicht viel. Hauptsächlich Videotreffen mit der 10., also Distanzlernen mit Videounterstützung.)

Lesen dazu:

Schon wieder Wochenende, und über die Aktualität mancher Inhalte des Deutschunterrichts

Die Tage vergehen einer um den anderen und sie sind kaum unterscheidbar vor lauter Neuigkeiten; jeder Tag ist ein neuer Tag, an dem ich murmeltierig mit müden Augen aufstehe, einen Milchkaffee kriege (ganz schlimm ist ja nicht alles), in die Schule tappse, Unterricht halte, nach Hause fahre, korrigiere und vorbereite und Nachrichten lese, koche und esse, einschlafe. Nur die Wochenenden sind a bissel anders, aber weniger als man meint. Ich habe mir zu viel vorgenommen dieses Halbjahr – Praktikum betreuen, Vorlesung halten, anderer Kram, aber eben auch noch Corona und Hilfe im Kollegium. Heute habe ich etwas vergessen (aber sechs Stunden Unterricht am Stück sind auch nicht förderlich), wodurch ich einem Kollegen zusätzliche Arbeit mache. Das ärgert mich.

Am Sonntag und Montag entnahmen wir der Presse, dass es ab Mittwoch ab der 8. Jahrgangsstufe mit Ausnahme zumindest der 12. Jahrgangsstufen geteilten Unterricht geben muss. Ob damit auch die 11. Klassen gemeint sein würden – Grund zur Unklarheit war gegeben -, erfuhren wir erst am Dienstag. (Ja.) Auch erst am Dienstag erfuhren wir, dass in diesen geteilten Jahrgangsstufen keine schriftlichen Leistungserhebungen mehr stattfinden dürfen. Wildes Herumklären, ob das auch für Nachholprüfungen einzelner Schüler oder Schülerinnen gelten würde. Keine Klärung, deshalb entschied das wohl jede Schule anders. Nach Anfragen beim Hauptpersonalrat, der das Problem zuerst anscheinend nicht begriffen hatte, hieß es dann: Ja, ne, das ginge schon, ein KMS dazu würde wohl nicht mehr kommen, aber das würde sich ja herumsprechen. Ein bisschen spät.

Im Moment warten wir, ob am Montag Unterricht in der Schule sein wird oder nicht. Mit der heutigen Hälfte meiner 8. Klasse bin ich so verblieben: Also, wenn die andere Hälfte am Montag da ist, macht ihr folgende Aufgabe stattdessen; wenn alle zuhause bleiben, treffen wir uns zur Videostunde. Wir bleiben flexibel, und es geht schon irgendwie, aber es wäre schöner, das vorher zu wissen. (Die so schön gesunkenen Landkreiszahlen gehen wieder herauf, gerade kam die Meldung, dass wir wieder über 200 sind, was gestern noch Distanzunterricht bedeutete – wir schauen, was das Wochenende bringt.)

In meinem Deutschkurs ist die Flitterwochenzeit vorbei: Es gab die Klausurnote, und da werden immer wieder Erwartungen enttäuscht. Danach haben wir den Osterspaziergang aus Faust zu Ende gelesen; darin wird Fausts Vorgeschichte erzählt: als junger Mann half er seinem Vater, ein Mittel gegen die grassierende Pest zu finden, experimentierte ruhelos mit Arzneien und wird dafür heute noch vom Volk als Held und Helfer verehrt. Faust selbst zeichnet ein Bild von zügellosen Experimenten an Menschen – manche lebten, manche starben; er denkt ungern daran zurück und will sich nicht rühmen lassen dafür. Vermutlich zeichnet er ein zu düsteres Bild von sich. – Murnaus Verfilmung des Faust-Stoffes aus dem Jahr 1926 verschmilzt diese Vorgeschichte mit der späteren Handlung: Der Teufel bringt die Pest über die Stadt; die Menschen wenden sich hilfesuchend an Faust, der sich – selber völlig hilflos – von Wissenschaft und Religion abwendet und seine Bücher verbrennt. Da bekommt das “und weiß, das wir nichts wissen können” einen weit dramatischeren Anstrich. Das Buch der Magie, das ihm in die Hände fällt, verbrennt er nicht; er versucht es mit Geistebeschwörung. Allerdings nimmt er nicht den Umweg über den Erdgeist, sondern gerät gleich an Mephistopheles, vor dem er aber erst einmal ähnlich zurückschreckt wie vor ersterem bei Goethe.

Diese zehn Minuten habe ich dem Kurs dann gezeigt, und das hat mich deprimiert. Mit der Pest in der Stadt werfen sich die einen Bürger auf die Religion, die anderen feiern wilde Feste in den Straßen, ein barockes Endzeitmotiv aufgreifend – und Faust verabreicht einer Patientin ein Medikament, das dann doch nicht vor dem Tod bewahrt, ihn vielleicht sogar beschleunigt.

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Da war ich natürlich gleich bei Corona, Corona-Parties, Impfstoffen. Das war richtig aktuell, und gut gemacht obendrein, ist ja auch ein Stummfilmklassiker.

Den “Schimmelreiter” könnte man auch mal wieder lesen: Ein Ingenieur vertraut auf die Wissenschaft, um Menschen vor der stets drohenden Überflutungskatastrophe zu schützen, scheitert aber am Irr- und Aberglauben der Umwelt. Schon wieder Corona, überall: Drosten als Deichgraf.

Am Mittwoch Angela Merkel auf einen Zwischenruf:

“Ich glaube an die Kraft der Aufklärung. Dass Europa heute dort steht, wo es steht, hat es der Aufklärung zu verdanken, dem Glauben daran, dass es wissenschaftliche Erkenntnisse gibt, die real sind und an die man sich besser halten sollte.” Sie habe Physik studiert, weil sie “ganz sicher war, dass man vieles außer Kraft setzen kann, aber die Schwerkraft nicht, die Lichtgeschwindigkeit nicht.”

Weiß schon, Dialektik der Aufklärung und so, aber sie spricht mir aus der Seele. Deswegen kann ich mit dem radikalen Konstruktivismus, der mir aus der eher philologisch denn naturwissenschaftlich geprägten Twitter-Avantgarde gelegentlich entgegenschwappt, wenig anfangen.

Coronazahlen im Landkreis

Ich schreibe die vom Landkreis-Gesundheitsamt gemeldeten 7‑Tage-Inzidenzwerte brav mit (irgendetwas muss man ja tun). Die Zahlen unterscheiden sich immer etwas von den RKI-Zahlen, deshalb sind sie nicht unmittelbar vergleichbar. Im Moment sehen sie so aus:

Die erste farbige Markierung gibt an, ab wann wir nur halbe Klassenstärke hatten. Das war zwei Wochen vor den Herbstferien, und galt auch nur für diese zwei Wochen. Erst ab da waren Masken verpflichtend, wir trugen sie schon schulweit zwei Wochen zuvor, als die Werte über 50 lagen – so hieß damals die Regel, auch wenn das damals schon ignoriert flexibel ausgelegt wurde. Da waren wir schon besorgt.

Die zweite farbige Markierung gibt die ersten formalen Einschränkungen an. (Schulen de facto unbetroffen, ab und zu ein Fall und Quarantäne, keine Teilungen, Masken weiterhin.) So deutlich, wie ich es gerne hätte, gehen die Zahlen nicht herunter, aber immerhin.

(Korrelation, Kausalität, Testhäufigkeit, weiß schon.)

Distichen in der Q11

Das Distichon ist eine Versform, die aus einem Hexameter und einem Pentameter besteht. Ein Hexameter besteht im Deutschen aus sechs Daktylen, wobei die ersten vier davon auch um eine unbetonte Silbe verkürzt sein können, sie können also durch Trochäen ersetzt werden. Ein Pentameter ist ebenfalls sechshebig, dem Namen zu trotz, er besteht aus zwei Daktylen, dann einem arg verkürzten Daktylus, nämlich einer einzigen betonten Silbe, gefolgt von drei Daktylen.

Goethe hat in den römischen Elegien Distichen geschrieben, hier ein Auszug:

Ich befolge den Rat, durchblättre die Werke der Alten
Mit geschäftiger Hand täglich mit neuem Genuss.
Aber die Nächte hindurch hält Amor mich anders beschäftigt;
Werd ich auch halb nur gelehrt, bin ich doch doppelt vergnügt.
Und belehr ich mich nicht? wenn ich des lieblichen Busens
Formen spähe, die Hand leite die Hüften hinab.
Dann versteh ich erst recht den Marmor, ich denk’ und vergleiche,
Sehe mit fühlendem Aug’, fühle mit sehender Hand.

Oder:

Lass dich, Geliebte, nicht reun, dass du mir so schnell dich ergeben!
Glaub es, ich denke nicht frech, denke nicht niedrig von dir.
Vielfach wirken die Pfeile des Amors: einige ritzen,
Und vom schleichenden Gift kranket auf Jahre das Herz.
Aber mächtig befiedert, mit frisch geschliffener Schärfe
Dringen die andern ins Mark, zünden behende das Blut.

Nun ja, Goethe. Man sieht im gedanklichen Aufbau der Verse auch die grundsätzliche Zweiversigkeit. – Die Form führt dazu, dass der erste Vers des Distichons einen flotten daktylischen Rhythmus hat und der zweite Vers in der Mitte dramatisch pausiert, weil zwei betonte Silben direkt aufeinander folgen. Goethe und Schiller beschreiben das in einem Distichon so:

Im Hexameter steigt des Springquells silberne Säule,
Im Pentameter drauf fällt sie melodisch herab.

Parodiert von Matthias Claudius:

Im Hexameter zieht der ästhetische Dudelsack Wind ein;
Im Pentameter drauf lässt er ihn wieder heraus.

Distichen werden gerne für kluge Sprüche verwendet. Hier zwei von mir, das Verhältnis von Sturm und Drang und Klassik illustrierend:

Stürmische drängende Haare, sie tun stets nur das, was sie wollen.
Nur die Fönfrisur drauf hält sie gewaltsam in Form.

Klassisch geschnittene Haare jedoch, sie fallen und liegen
Anmutig würdevoll da, schüttelt das Haupt man im Schwunge.

Einmal habe ich unvorsichtigen Gastgebern das Gästebuch mit einem dutzend holpriger Distichen vollgemacht, nun ja. Wann hat man schon Gelegenheit dazu?

Und so musste auch meine Q11 Distichen verfassen:

Zweitausendzwanzig, ein Jahr, das bisher noch nicht ganz so gut laufet,
hat uns Corona und auch, alle durch’nander gebracht.

Eine große Entscheidung wird der November uns bringen –
Wird Präsident denn der Trump, dann sind wir alle verdammt.

Dieses feine Homeoffice, bringt uns die Bildung nach Bayern;
Feiern die Drucker ihr Fest, geben der Tinte den Rest.

Mathe in der letzten Stunde soll Schüler noch sinnvoll belehren
Regeln wie diese verfasst bringen am Ende nur Last.

Werke verfassend warn Goethe und Schiller begnadete Köpfe
Könnt ich sie heut nur verstehn Xenien wärn gar kein Problem.

Helfend beim Kochen ist doch des Gerichtes gute Rezepte;
Schmecken wird freilich das Mahl, fühlt doch auch keiner die Qual.

Corona wütet in unserer Welt und wir Menschen sind panisch
Masken schützen uns nur, wenn wir sie richtig tragen

Der goldene Oktober, der schönste Monat des Jahres
Zugvögel fliegen nun fort, die Blätter färben sich rot.

Viele schwere Lasten sind uns dank Covid bescheret
Ist es denn wirklich so schwer, lernen wir dadurch nichts mehr?

Lasts uns von der Nordhalbkugel ins Warme jetzt fliehn;
Hier ist es kalt und nass, holt von daheim euch den Pass.

Die mutige Nachtwache sagte die weißen Wanderer sind da
Aber der Süden schaut weg und schlägt sich nur den Bauch voll.

Die Videokonferenzen dieser Woche

Informatik Q12

Ich halte es für schlecht, den gesamten Unterricht auf Video abbilden zu wollen: Ich halte es für unzumutbar, so viele Stunden vor dem Bildschirm sitzen zu müssen; und pädagogisch möchte ich, dass meine Schüler und Schülerinnen selbstständiger werden und ohne unmittelbare Kontrolle und Führung zu arbeiten lernen. (Die gleichzeitige Übertragung von Unterricht aus der Schule, vor der einen Klassenhälfte, für eine andere Klassenhälfte zuhause, geht regelmäßig schon gleich gar nicht, auch wenn das oft gewünscht wird – aus oft wiederholten Gründen, auf Nachfrage gerne noch einmal.)

Aber zwischendurch selbstverständlich, und als Werkzeug unbedingt, und so habe ich die Gelegenheit genutzt, mit einem Informatik-Oberstufenkurs in Quarantäne am Mittwoch eine knappe Doppelstunde Videounterricht zu halten. Ich fand das produktiv. Das war weitgehend Frontalunterricht, fast schon Vorlesungscharakter, aber das bot sich inhaltlich auch an – Einstieg in ein neues Thema mit wenig Anbindung an das vorhergehende, nämliche parallele Prozesse. Hier die Präsentation:

Dazwischen gab es geteilten Bildschirm von mir, in dem ich Programme laufen ließ; Gelegenheit für Rückfragen; und am Ende einen Programmierauftrag, dessen Ergebnis dann ein Schüler über geteilten Bildschirm zeigt. Die Rückfragen kamen auch per Mikro, meist parallel im Chat; es waren nicht sehr viele. Die Präsentation hätte ich ebenso gut als Video machen können, und hätte das auch getan, wenn ich Zeit gehabt hätte.

Im herkömmlichen Unterricht ist es mir nicht egal, wenn Schüler oder Schülerinnen nicht zuhören. Dann warte ich auf Aufmerksamkeit, oder ermahne einzelne dazu. Im Videounterricht geht das nicht – wer da nicht aufpasst, hat Pech gehabt. Ist das am Ende ein Vorteil? Vermutlich sollte ich auch im herkömmlichen Unterricht niemanden zur Aufmerksamkeit anhalten – ich glaube, Schüler und Schülerinnen verlassen sich darauf, dass irgendetwas Wichtiges schon oft und laut genug wiederholt werden wird.

Ich war der einzige mit Bild. Das störte mich gar nicht, ist aber gerade häufig Diskussionsthema im Kollegium.

Vorlesung

Mittwochnachmittag dann Vorlesung, es sind aber nur 14 Studierende. Auch hier fast der einzige mit Bild, auch hier habe ich mich ganz daran gewöhnt. Ich muss dann halt mit weniger Feedback arbeiten, auch gut.

Elternsprechabend

Am Donnerstag Elternsprechtag. Heftige Diskussionen im Kollegium dazu; das andere Gymnasium am Ort lässt ihn einfach ausfallen. Bei uns gab es die Möglichkeit, dass Lehrkräfte entweder per Telefon erreichbar sind (und dann die angemeldeten Erziehungsberechtigten unter einer angegebenen Telefonnummer zum vereinbarten Zeitpunkt anrufen), oder dass Lehrkräfte per Videokonferenz erreichbar sind (dann müssen die angemeldeten Erziehungsberechtigten zum vereinbarten Zeitpunkt selbstständig der Konferenz beitreten).

Ich fand diese Doppelung ungeschickt, und tatsächlich sorgte sie auch für unnötige Verwirrung. Die Eltern sind fit genug für Videokonferenzen, und die Lehrkräfte werden schon nachziehen. :-) Manche Kollegen schwören auf Telefon, soll mir auch recht sein. Ich fand es aber schön, die Eltern zu sehen, und die sagten auch, sie freuten sich über diese Gespräche – aber gut, ich hatte ja nur die, die sich dafür entschieden hatten, per Video zu kommunizieren.

Diskussionspunkte im Kollegium: Virtueller Sprechabend zuhause (Privatgeräte nutzen, Bekanntgabe von Privattelefonnummern riskieren, Kosten für Telefonate in fremde Netze, eigene Familie lässt einem keine Ruhe im Arbeitszimmer, fremde Eltern sehen Arbeitsplatzhintergrund) gegenüber in der Schule (viele technische Probleme bei Hard- und Software). Ich war eher auf der Seite derjenigen, die nach Lösungen suchen, weniger auf der Seite derjenigen mit den Prinzipien. Aber ich finde es zuhause auch viel bequemer als im Schulgebäude.

Heftiges Thema auch hier das mit dem Bild oder Nichtbild. In der Realität dann völlig harmlos. Lauter Menschen überall, und ich meine das nicht als Kompliment.

Deutsch

Am Freitag dann noch eine kurze Doppelstunde mit einer Klasse, auch in Quarantäne. Da ging es schon auch um Deutsch, aber mir vor allem um das Erkunden der Konferenzsoftware, BigBlueButton. Die Schüler und Schülerinnen hatten schon etliche Videokonferenzen hinter sich diese Woche, aber niemand war je zum Präsentator befördert worden, um den anderen eigene Dateien zu zeigen. Also probierten wir das anlässlich der Hausaufgabe beziehungsweise der selbstständig erledigten Arbeit. Außerdem gab es Umfragen zwischendurch, und wir testeten die Gruppenarbeitsfunktion. (Ich kann als Moderator Gruppen manuell einteilen, oder zufällig verteilen, oder den Konferenzteilnehmenden erlauben, sich selbst in Gruppen einzutragen – in diesem Fall gibt es aber keine Obergrenzen für die Anzahl der Personen in einer Gruppe.) Nächste Woche dann wieder in Präsenz.

Fachsitzungen, literarische Detektivarbeit, Online-Vorlesen

Mittwoch: Fachsitzungen

Am Mittwoch ist Buß und Bettag, ein Feiertag, der gestrichen wurde, aber schulfrei bleibt, so dass die Lehrer und Lehrerinnen den irgendwie reinarbeiten müssen. Ich dachte, das hätten wir für dieses Jahr schon zu Genüge getan, aber sei’s drum, schon okay. Jedenfalls hatte ich drei Fachsitzungen am Vormittag, jeweils per Videokonferenz. Unerwartet zwei Phänomen:

  1. Man ist gezwungen, einander ausreden zu lassen und kann einander schlechter ins Wort fallen, weil Konferenzsoftware damit nicht gut umgehen kann.
  2. Der parallele öffentliche Chat eröffnet ganz neue Diskussionsformen. Kurz Fragen klären, nachhaken, kommentieren – und das alles am Protokoll vorbei, vermute ich. Oder sind solche Backchannel-Chatverläufe protokollwürdige Teile von Sitzungen? (Und ja, nicht alle Kollegen und Kolleginnen können gleich gut gleichzeitig Videokonferenz und Chatstream im Auge behalten. Gelegentlich wurde der Wunsch nach Regelung leise laut.)

Am Nachmittag dann noch Vorlesungsvideokonferenz, dann war aber auch mal gut. Frau Rau erschrak über mein schwarzgefärbtes fusseliges Ohr, grusliger noch als bei Rudy Giuliani – der aus einer Kiste herausgekramte Kopfhörer hatte sich unbemerkt am und ums Ohr herum aufgelöst.

Donnerstag: Schau genau! (Detektivarbeit)

Manche Klassen in Deutsch lassen sich etwas zu sehr von außertextlichen Hinweisen auf Interpretationspfade locken, oder geraten von selbst darauf. Ähnlich wie es im Internet Godwin’s Law gibt (im Verlauf längerer Diskussionen nähert sich mit zunehmender Länge die Wahrscheinlichkeit, dass jemand einen Nazi-Vergleich einbringt, dem Wert Eins an), gibt es bei Gedichtinterpretationen die Regel, dass früher oder später das Gedicht als Warnung oder Nachwirkung des Nationalsozialismus verstanden wird. Ich warne explizit davor, aber manche sehen das vielleicht als Herausforderung, aus dem schlichten Blümchengedicht doch noch etwas mit Hitler zu ziehen.

Das war auch beim Werther-Ausschnitt im Schulbuch so. Die Schüler und Schülerinnen wissen, dass es eine Lotte gibt, und zack! wird der Text auf das Verliebtsein von Werther hin interpretiert. Dabei liegt der erst mal nur faul im Gras, von einer Frau oder Liebe ist da null die Rede.

Zu diesem Behufe, oder zum Üben dieses Behufes, oder zum Beheben dieses Behufes, habe ich am Donnerstag Detektiv spielen lassen. Die Schüler und Schülerinnen waren Profiler, die der Polizei helfen sollten bei der Suche nach einer bestimmten Person. Basis: Ein Textauszug, Fragment eines längeren Textes. Was können die Profiler über die Person sagen? Zu wenig ist schlecht, weil das der Polizei nicht viel hilft; übers Ziel hinausgeschossen ist schlecht, weil das die Polizei auf die falsche Fährte lockt. (Hitler?) So ist es ja bei jeder Analyse: Man muss schon schauen, was man zwischen den Zeilen erkennen kann, aber da nicht einfach irgendetwas herauslesen, was da nicht steht. Den Text vorzubereiten war Hausaufgabe, ich selber führte Protokoll beim Austausch darüber:

Protokoll
Profiler-Expertengremium
19.11.1820

Betreff: Gesuchte Person
Hinweise an die Polizei

Eigenschaften, Merkmale, Hinweise:

  • Wiederholungstäter (Diebstähle)
  • hat Deutsch gelernt von Gastgebern (?)
  • ist fremd hier, geflohen, untergeschlupft
  • ungebunden; hat keine Verwandten
  • zumindest manchmal egoistisch und gierig
  • Einzelgänger
  • entschlussfreudig, vllt???
  • Kind im Waisenhaus?
  • Selbstzweifel, weiß nicht, woher er kommt, keine Zukunft?
  • Alter: eher jung
  • Älteres Kind??
  • Junger Erwachsener oder älter?
  • Student?
  • sehr groß
  • scharfer Verstand
  • gebildet, liest gerne, studiert Texte [Plutarch, Werther]
  • schaut irgendwie komisch aus, hässlich
  • gegenwärtig nicht in fester Anstellung, kein fester Wohnsitz
  • hat Freunde
  • Jude?

(Im Originalprotokoll waren noch Zeilenangaben, weil ja alles belegt sein will, aber die bringen hier nichts.)

Gar nicht so schlecht. Manche Sachen sind unklar oder widersprüchlich, aber das passt schon auch gut zum Text.

Die Textvorlage – es geht darin um jemanden, der Goethes Werther für sich entdeckt und sich darin wiederfindet, das war der inhaltliche Anknüpfungspunkt – kann ich leider nicht abdrucken. In der gemeinfreien deutschen Übersetzung bei Gutenberg fehlt dieser Abschnitt nämlich, das 15. Kapitel ist einfach um ein, zwei Seiten kürzer. (Vermutlich ist es die Übersetzung der verbreiteten Ausgabe von 1831 und nicht der älteren, wenn auch nicht ursprünglichen, von 1818, was aber mit dieser Stelle nichts zu tun haben dürfte.) Kenner und Kennerinnen können den Text vielleicht so schon bereits identifizieren, ich schrieb auch schon mal davon.

Freitag: Vorlesetag

Heute war dann der bundesweite Vorlesetag. Da kommen bei uns sonst immer Externe an die Schule, ehemalige Lehrer und Lehrerinnen auch, und lesen vor. Diesmal ging das nicht. (Zumindest von Klett gab es Online-Vorgelesenes zum Download, nach Anmeldung.) Leider habe ich gar nicht daran gedacht, welche Möglichkeiten wir dank Videokonferenzlösung jetzt haben, und erst Frau Rau machte mich am Vortag darauf aufmerksam. Also am Donnerstag bei Twitter in die Runde gefragt, und schon bot eine waschechte Literaturwissenschaftlerin an, vorzulesen, und tat das auch, über Video, und beantwortete Fragen zu den Texten und zu Studium und Literaturwissenschaft und zu Uni und zu Doktorarbeiten, was halt so aus der Klasse kam. Das war schön. Eine Schülerin, die zu Hause geblieben war, sah von dort aus zu.

(Selber las ich kurz bei meiner 12. Klasse, aber das zog nicht so recht. Sehr erfolgreich dagegen in meiner 8. Klasse, in und auf Englisch, wo ich die Anfänge von Roddy Doyle, The Giggler Treatment und Neil Gaiman, Coraline präsentierte. Den Doyle vorzulesen macht wirklich selber sehr großes Vergnügen.)

Mildes Butter Chicken Curry

Das ist ein einfaches Curry, eher mild, aromatisch. Dauert länger zu machen, als man denkt, ist aber gar nicht kompliziert.

In einer Plastikschüssel mit Deckel:

  • 150 g griechischer Joghurt (10% Fett)
  • 1 EL Zitronensaft
  • 1 EL Garam Masala
  • 1 EL Kurkuma
  • 1 EL Kreuzkümmel gemahlen
  • 2 Hühnerbrüste, in nicht zu kleine Stücke geschnitten

einige Stunden im Kühlschrank marinieren. Dann:

  • 2 Zwiebeln hacken und in
  • 3 EL Butterschmalz lange bei milder Hitze braten, so 15 Minuten lang
  • 2–3 Knochblauchzehen,
  • 2–3 EL fein gehackter Ingwer
  • 1 EL ganze Kreuzkümmelsamen,
  • 1 ganze Chilischote dazu und alles noch für 5 Minuten dabei lassen; soll aber nicht zu sehr anbraten, die Zwiebeln sollten hellbraun sein.

  • 1 Zimtstange,
  • 1 TL Salz
  • 2–3 Tomaten ohne Haut dazu geben (Tipp: einfach mit einer Reibe reiben, bis nur noch die Haut übrig ist, geht ganz einfach) und 15 Minuten sanft einköcheln lassen. Kurz vor Ende
  • 1 TL Zucker und
  • 1 TL Tomatenmark dazu:

Dann hinzugeben die Hühnerwürfel und die übrige Joghurtmarinade. Knapp 10 Minuten anbraten, dabei oft umrühren. Warum? Ich weiß es nicht. Ich habe das Rezept aus verschiedenen anderen zusammengebastelt und bin mir nicht bei allen Schritten sicher, ob die wichtig sind. (Salz zu anderem Zeitpunkt hinzufügen? Huhn gar nicht anbraten?)

  • 200 ml Hühnerbrühe dazu (etwa zwei Schöpflöffel)

und nicht ganz zugedeckt 30 Minuten sanft köcheln lassen. Am Ende ja nach Belieben ein oder zwei Esslöffel gemahlene Mandeln hinzu (mache ich nicht mehr) und 1/2 Becher Sahne. Eventuell auch ein ganzer, aber der Rest vielleicht erst am nächsten Tag beim Aufwärmen?

Mit Reis und gehacktem Koriandergrün servieren.