Bram Stoker, Dracula

Once again we went through that ghastly operation. I have not the heart to go through with the details. Ehrlich gesagt, das ging mir als Leser auch so. Lucy Westenra leidet an einer mysteriösen Blutarmut. Der hinzugezogene Professor van Helsing erkennt: da lässt sich allenfalls noch mit einer Bluttransfusion etwas machen, gefolgt von Knoblauch, Kruzifixen und ständiger Beaufsichtigung im Krankenzimmer. Aber irgendetwas geht immer schief mit diesen Vorsichtsmaßnahmen, so dass sich einige Zeit nach Lucys Verlobtem, Arthur Holmwood, auch noch Dr. Seward für eine Bluttransfusion zur Verfügung stellt, und einige Zeit danach van Helsing selber, und einige Zeit danach Quincey … Continue reading „Bram Stoker, Dracula“

Julie Schumacher, Dear Committee Members

1. Der Angelsachse weiß, wie man Kommittee wirklich schreibt, nämlich mit zwei von allem. Nur der Deutsche bildet sich die Extrawurst mit dem singulären „m“ ein, was mich maßlos verwirrt. Siehe neben committee auch: guerrilla, ditto, address. 2. In Romanen werden Geschichten erzählt. Im klassischen Briefromanen – Pamela, Werther – geschieht das in Form von Briefen, in denen der Schreiber der Briefe diese Geschichte erzählt, und zwar dem oder den Adressaten der Briefe. Das ist gar nicht so weit entfernt von einem regulären Ich-Erzähler mit geringer Erzähldistanz. Allerdings gibt es auch Briefromane, in denen der oder die Schreiber der Briefe … Continue reading „Julie Schumacher, Dear Committee Members“

Salman Rushdie, Haroun and the Sea of Stories

„Wo kommen eigentlich die Geschichten her?“, will Haroun von seinem Vater wissen, dem gefeierten Geschichtenerzähler Rashid. Das interessiert ihn auch deshalb, weil Rashid plötzlich verstummt ist und nichts mehr erzählen kann. (Gleichzeitig hat seine Frau, Harouns Mutter, die Familie verlassen.) Selbst sein Abonnement aus der Sea of Stories will Rashid kündigen, der Quelle aller Geschichten. Denn da kommen alle Geschichten der Welt her; sie vermischen sich, verändern sich. Allerdings ist dieser Ozean in Gefahr: Der finstere Khattam-Shud hat das Schweigen zu einem Kult erhoben und bedroht die anderen Bewohner von Kahani mit seiner Armee des fanatischen Schweigens. Kahani: Das ist … Continue reading „Salman Rushdie, Haroun and the Sea of Stories“

Cory Doctorow & Jen Wang, In Real Life

Graphic Novel, etwa 175 Seiten. Um die 13 Euro. Zugegeben: Wenn es mehr gute Geschichten um Gamer und mehr gute Geschichten mit Heldinnen gäbe, dann würden mir bei In Real Life mehr die Nachteile einfallen. Die Geschichte ist ein bisschen dünn und plakativ, aber hey, das sind viele Jugendromane auch. Weil es aber nicht viel vergleichbare Bücher gibt, kann ich das nur empfehlen als Geschichte um eine Gamerin, ihre Onlinefreunde, jugendliche Naivität. Erfreulich – aber nicht verwunderlich, wenn man Doctorow kennt – ist, dass das Buch ohne die Klischees auskommt, die einem hierzulande bei Onlinespielern einfallen: Schlechte Noten, Realitätsverlust, falsche … Continue reading „Cory Doctorow & Jen Wang, In Real Life“

Mark Twain, A Connecticut Yankee in King Arthur’s Court

Ich habe schon mal recht ausführlich darüber geschrieben, aber ich habe es wiedergelesen und mir ist Neues aufgefallen. — Inhalt — In der sehr kurzen Rahmenhandlung trifft Mark Twain als Tourist in einem englischen Schloss einen etwas verwirrt wirkenden Amerikaner, der ihm abends im Gasthof ein Manuskript mit seiner Geschichte in die Hand drückt: Hank Morgan wacht, nachdem er in einer ehrenhaften Schlägerei bewusstlos geschlagen wurde, im Mittelalter der legendären Artus-Zeit auf. Legendär: Das ist die Fassung des Artusstoffes, die zum Klassiker und Vorbild geworden ist, nämlich die von Thomas Malory, entstanden und vom ersten englischen Buchdrucker William Caxton gedruckt … Continue reading „Mark Twain, A Connecticut Yankee in King Arthur’s Court“

Bücher 2014

Meine gelesenen Bücher 2013 2014. Zu einigen habe ich etwas gebloggt. Die Bücher mit ° habe ich wiedergelesen, enttäuschend waren Bücher mit (-), besonders gut die mit (+). Digital gelesen um die zehn. Mehrfach im Jahr war mir der Lesestoff ausgegangen: Es stand nichts im Regal, auf das ich Lust hatte. Und so viel Bücher gar nicht erst zu Ende gelesen wie dieses Jahr habe ich auch noch nicht. Rudyard Kipling, How Shakespere came to write the Tempest Mark Twain, The Innocents Abroad° (+) Antoine Wilson, Panorama City William Shakespeare, The Tempest° Cracked, The De-Textbook (-) Da reichen mir die … Continue reading „Bücher 2014“

Joseph Maria Samulskie, Kopieranstalt

Ein Buch von Bertram Altekamp, einem Grundschullehrer aus Münster, veröffentlicht unter Pseudonym. Es geht darin um Benno Heinen, einen frustrierten Grundschullehrer, der seine böse Seite mal so richtig heraushängen lässt. (Und in der Fortsetzung dann auch in einer psychiatrischen Anstalt landet.) Das Buch ist so mittelgut geschrieben; der Autor scheut wie so viele das einfache Verb „sagen“ und lässt seine Figuren stattdessen alles mögliche tun, um ihre Äußerungen herauszubringen. Trotzdem habe ich es interessiert und mit Vergnügen gelesen. Dieser Benno Heinen, der dreht schon wirklich durch. Er rächt sich für echte oder eingebildete ungerechte Behandlung an Grundschülern, Kollegen, Schulleitung, das … Continue reading „Joseph Maria Samulskie, Kopieranstalt“

Richard Matheson, I Am Legend

Von Fredric Brown stammt diese berühmte Kürzestgeschichte: The last man on Earth sat alone in a room. There was a knock on the door… (Wikipedia hat mehr dazu, auch zu Browns Vorlage. Die Zeilen sind nur der Auftakt einer sich anschließenden Kurzgeschichte, die aber weit weniger bekannt ist als eben dieser Anfang. Hier eine Idee für den kreativen Umgang damit im Englischunterricht.) Ich kann nicht anders, als diese Kürzestgeschichte als Stammvater von Richard Mathesons I Am Legend zu betrachten. Das Buch kenne ich als Horror- und SF-Klassiker, 1954 erschienen, mehrfach verfilmt, aber ich hatte es nie gelesen – ich glaube, … Continue reading „Richard Matheson, I Am Legend“

Karl May, Am Stillen Ocean

Überraschendes Fundstück: Es ist unberechenbar, welche Störungen und Umwälzung die Einführung eines neuen Thieres in der ursprünglichen Thierwelt eines Ortes hervorbringen kann. So hat z.B. in Neu-Seeland der flügellose Kiwi der Uebersiedelung des europäischen Hundes nicht widerstehen können, und ebenso droht die dort eingeführte Katze dem Kakapo, einem dortigen Kukuk, der auf niederen Zweigen zu nisten pflegt, mit dem vollständigen Untergange. Nicht allein die wilden Völkerstämme sind es, die bei der Ankunft des weißen Mannes ihr Todesurtheil empfangen, auch die Hausthiere, welche ihn begleiten, bringen den freien thierischen Bewohnern der Wildniß Verderben und Vernichtung. („Der Kiang-lu“ 1880, später aufgenommen in … Continue reading „Karl May, Am Stillen Ocean“

Kochbücher lesen

Neulich in Berlin, in der Pension, stieß ich auf das: Mmmmh. Karl-May-Bände, und zwar die guten, exotischen. Mit Winnetou und Old Shatterhand konnte ich nicht gar so viel anfangen, auch wenn ich etliche der Wildwest-Romane mehrfach gelesen habe und mich dabei durchaus vergnügte. Aber die sechs Bände des Orient-Zyklus, die habe ich oft gelesen: Durch die Wüste, Durchs wilde Kurdistan, Von Bagdad nach Stambul, In den Schluchten des Balkan, Durch das Land der Skipetaren, Der Schut. Kurzer Test: „Hadschi Halef Omar ibn Hadschi Abul Abbas ibn Hadschi Dawud Als Gossarah“… na ja, fast: Wikipedia korrigiert einmal meine Rechtschreibung und ändert … Continue reading „Kochbücher lesen“