Telefonspiele in der Oberstufe

Zwei Themen behandle ich gerade im Englischunterricht der elften Klasse – erstens Indien: Vorgabe war ein englischsprachiges Land außer UK/US; ich hatte auch noch Irland angeboten, die Schüler Südafrika, Australien oder Neuseeland, aber bei der Abstimmung kam dann doch Indien heraus. Was weiß ich über Indien? Nicht viel. Salman Rushdie, Rohinton Mistry (aber da ist das meiste vergessen), Slumdog Millionaire, viel Kipling, ein Sachbuch, also nichts. Und ich lese, vielleicht meine beste Quelle, was Mademoiselle Readon auf Read on my Dear, read on. über Indien schreibt, etwa Eine Banane – ich muss mal die älteren, englischsprachigen Texte durchgehen, ob da etwas für meine Schüler und Schülerinnen dabei ist.

Im Buch gibt es etliche Texte und vor allem auch Hörverstehenstexte dazu, bei mindestens zwei davon geht es um call centers.

Das zweite große Thema ist die mündliche Schulaufgabe, die irgendwann nach den Pfingstferien ansteht. Habe ich noch nie gemacht, ich weiß nur, dass es eine Aufwärmphase, einen kurzen Einzelvortrag und dann vor allem einen Dialog zwischen den beiden gleichzeitig Getesteten gibt.

Da bietet es sich doch an, auch hier ein bisschen Telefonieren zu spielen. Die Schülerinnen und Schüler kriegten einen Dialog und ein paar Telefonfloskeln und sollten dann eigene Dialoge schreiben, etwa ein Kundengespräch bei Erwerb und Ausstattung einer geheimen Superschurken-Festung oder beim Inselkauf (für eben jene geheime Festung) – siehe Punkt 4 unter 6 Companies That Are Clearly Catering to Supervillains. Aber natürlich konnte es auch einfach nur ums Pizzabestellen gehen – obwohl das keiner mehr am Telefon macht.

— Nachdem in der Folgestunde die meisten Schüler und Schülerinnen ihre Dialoge vorgelesen hatten, wurden wir immer wieder durch Telefonanrufe unterbrochen. Und das kam so: An meiner Schule gibt es in jedem Klassenzimmer ein Telefon – man kann von diesen zwar nicht andere Klassenzimmer anrufen, wohl aber etwa von der Bibliothek aus angerufen werden. Und da hatte ich eine sehr gut sprechende Schülerin hingesetzt, unbemerkt von den anderen; es war die erste Stunde des Tages, da ging das gut.

Vor ein paar Jahren habe ich das schon mit einer 6. Klasse gemacht und darüber gebloggt… kurz nachgeschlagen: 2009 war das, schon länger her, aber seit damals hatte ich nun mal fast kein Englisch mehr. Für die 11. Klasse musste ich das nur wenig abwandeln. Die Vorgehensweise:

  • Die Schülerin erhielt eine Klassenliste.
  • Und ein Blatt mit allgemeinen Anweisungen: Alle drei Minuten oder so anrufen, ein Schüler geht ans Telefon, Namen erfragen, ausrichten lassen, dass man eine andere, jeweils vorher ausgewählte Schülerin sprechen will, dieser dann einen Auftrag geben. (Im Klassenzimmer wird dann dieser Auftrag den Mitschülen wiedergegeben und dann ausgeführt.)
  • Dazu ein Blatt mit kurzen Aufträgen, darauf in Stichpunkten die jeweils nötigen Informationen:
    • Name des Anrufer/der Anruferin: z.B. Robert Johnson/Elizabeth Perkins (je nach Geschlecht)
    • Der Auftrag: z.B. Nachfragen, ob genug Kreide da ist; Kreide holen lassen aus dem Lehrerzimmer. Oder: Nachschauen, ob es für die Q11 heute Stundenplanänderung gibt. Oder: Nachschauen, was es zum Mittagessen in der Mensa gibt. Oder: Versuchen Sie, die Teilnahme an einem Trainingsseminar für Vorstellungsgespräche zu verkaufen, Uhrzeit usw. angegeben.

(Wie diese Aufgaben konkret aussehen, sieht man auch in dem Blogeintrag von 2009.)

Hat alles funktioniert und war sehr lustig, zumindest für mich, und hoffentlich auch für die anderen. Diese Telefone werden sonst nämlich fast nie benutzt; wir möchten auch nur ungern wegen Nichtigkeiten im Unterricht gestört werden. (Will heißen, einen Nichtigkeitentelefonierer gibt es demnach schon.)

Was Schüler und Schülerinnen übrigens gar nicht gut können: sich den Namen des Anrufers geben lassen, ihn sich eventuell buchstabieren lassen und ihn aufschreiben. Selbst beim vierten oder fünften Anruf haben es nicht alle geschafft, dem Namen des Anrufers zu erfragen. Dabei ist das das erste, was man im Büro beim Telefondienst eingetrichtert bekommt. (Oder kenne ich das aus amerikanischen Familienserien?)

Nächster Schritt: Einige zusätzliche Telefonnummern zuteilen lassen (geht problem- und kostenlos bei meinem VoIP-Anbieter), mit Aufgaben besprechen, und dann den Schülern und Schülerinnen die Nummer geben, wenn ich individuell und spontan eine Hörverstehensaufgabe stellen möchte.

Ray Bradbury, Fahrenheit 451 (2018)

Vieles an dem Buch hat sich sehr gut gehalten, manches ist erstaunlich gut extrapoliert. Zugegeben: Die Männer gehen arbeiten und die Frauen bleiben zu Hause, und als der emotional mitgenommene Guy Montag sich im Wohnzimmer erbricht, ist es seine Frau Mildred, die sofort den Wischmopp zum Saubermachen holt.

Aber das betrifft kein zentrales Thema des Buchs. Anders ist es bei Folgendem: In der Welt von Fahrenheit 451 sind Bücher verboten. Das Medium Buch wird dabei keineswegs anderen Medien gegenüber als etwas prinzipiell Besseres dargestellt; Faber erklärt, dass die wichtigen Dinge, wegen derer Bücher nach und nach verboten wurden, sich genau so gut in Hörspielen oder Fernsehsendungen mitteilen lassen. Um die Inhalte geht es, nicht um die Form. Weiterhin sind zwar Bücher verboten, und es gibt einen autoritären, vielleicht totalitäten Staat, der über Medien die Gesellschaft belügt und ruhig hält – aber es war nicht der Staat, der die Bücher abgeschafft hat, sondern die Gesaellschaft selber. Die Gesellschaft hat beschlossen, nicht mehr Originale zu lesen, sondern nur Wikipedia-Fassungen davon; die Gesellschaft hat beschlossen, dass Gedanken, die Unwohlsein auslösen können, nicht mehr veröffentlicht werden. Bücher enthalten kritische und unliebsame Inhalte, das führt zu Unfrieden, deshalb verzichtet man auf sie.

So weit, so gut. Das sehen meine Schüler und Schülerinnen sofort ein. Zensur nicht gut – aber um Zensur, das habe ich betont, geht es ja gar nicht, allenfalls um Selbstzensur. Es ist ja eben nicht der Staat, der das eingreift. Sondern: Die Minderheiten. Je größer die Gesellschaft, desto mehr Minderheiten, so erklärt es im Buch der Feuerwehrmann Beatty, der allerdings zu den Bösen gehört. Niemandem darf man in solch einer großen Gesellschaft auf den Schlips treten – zu empfindlich sind „the dog-lovers, the cat-lovers, doctors, lawyers, merchants, chiefs, Mormons, Baptists, Unitarians, second-generation Chinese, Swedes, Italians, Germans, Texans, Brooklynites, Irishmen, people from Oregon or Mexico.“ Der Markt sorgt dafür, dass man niemanden verschreckt (diesen Effekte halte ich für realistisch). „Colored people don’t like Little Black Sambo. Burn it. White people don’t feel good about Uncle Tom’s Cabin. Burn it. Someone’s written a book on tobacco and cancer of the lungs? The cigarette people are weeping? Burn the book.“ Alles um des lieben Friedens willen.

Vor dem Hintergrund der Kommunistenhatz der frühen 1950er Jahre in den USA ist das verständlich. Und doch: Liest sich das nicht wie eine Verteidigung gegen die damals noch gar nicht so existierende political correctness? Können die Minderheiten nicht einfach zufrieden sein mit dem, was für die Mehrheit gut genug ist? Der Negerkönig von Takatukaland soll nicht mehr so heißen, ist das schon der erste Weg Richtung Fahrenheit 451? Mir fehlt ein wenig das Verständnis dafür, dass die Minderheiten vielleicht mit manchen Vorwürfen Recht haben könnten. Wie man dann mit diesen Problemen umgeht, ist eine andere Frage, aber man sollte die Vorwürfe als legitim anerkennen. Da macht es sich Bradbury zu leicht, finde ich.

Die Schüler und Schülerinnen konnte ich nicht überzeugen. Hier geht es um Verbrennung von alten Pipi-Langstrumpf-Ausgaben, da um eine Petition, ein Bild eines jungen Mädchens aus dem Museum zu nehmen – ein Bild, das übrigens für das Titelbild der Ausgabe von Nabokovs Lolita gewählt wurde, das sich im Hause Rau befindet. Würde man heute auch nicht mehr machen, und ist das auch schon ein Schritt Richtung Fahrenheit 451?

Vom Gendern halten die beiden Klassen, die ich heute dazu gefragt habe, übrigens auch nichts. Als Anrede für eine einzelne Frau ist die weibliche Form schon begrüßenswert (Bundeskanzlerin, Studiendirektorin, Schülerin), aber das generische Maskulinum ist voll akzeptiert.

Gedichterunde im Englischunterricht

In den letzten zwei Wochen habe ich in der Oberstufe ein paar Gedichte präsentiert. Erst mein üblicher Dreischritt von – im weitesten Sinn – Liebesgedichten, in denen es um die Beschreibung von Frauen geht, und um Bildersprache. Im Sonett 15 aus dem Amoretti-Zyklus von Edmund Spenser (Link zum Text) wird eine Frau gepriesen, in dem ihre Eigenschaften mit den Kostbarkeiten verglichen werden, die Händler aus Ost- udn Westindien zurückbringen – Haare wie Gold, Augen wie Saphire, Lippen wie Rubine. Die Seele der Frau ist natürlich noch besser, wird aber im Vergleich zum Rest nur kurz, wenn auch als Schlusspointe, abgehandelt.

Danach folgt Shakespeares Antwort darauf, sozusagen: das Sonett 130 (Link zum Text), „My mistress‘ eyes are nothing like the sun“, wo er die Geliebte geradezu herutnermacht: Musik klingt schöner, Parfum riecht besser, Koralle ist roter als ihr Mund – und doch ist sie mindestens so gut wie all die anderen Frauen, die man mit übertriebenen vergleichen überhäuft.

Als drittes „Reported Missing“ von Barry Cole (Text, Audio): Jemand, ein Mann, meldet einem Polizisten eine geliebte Frau als vermisst – in blumigen Vergleichen, wären der Polizist gerne konkrete Angaben hätte, also wenigstens Augenfarbe, Haarfarbe, aber kriegt nur blumige Bilder. Mit dem Gedicht lässt sich auch gut das Vorlesen üben, weil man eigentlich bis zu drei verschiedene Tonfälle dafür braucht

(Die Kombination der Gedichte ist nicht originell, die ersten beiden macht man sicher irgenwann im Studium, den Barry Cole dazu habe ich aus einem Schulbuch.)

Bei den Gedichten geht es mir einmal um das Verhältnis zwischen dem Mann und seiner Geliebten, zum anderen um Metaphorik. „My love is like a red, red rose“, eine Zeile von Robert Burns, nehme ich gerne als Einstieg: Was hat die Geliebte, oder der, mit einer Rose gemein? Nach der theoretischen Diskussion plus Tafelbild kommt man das folgende Gedicht von Edmund Waller (17. Jahrhundert), wieder eine Rose, wieder als Teil eines Vergleichs, aber hier ist der Sprecher so nett, den Vergleich für den Adressaten oder die Adressatin zu erklären:

Go, lovely Rose –
Tell her that wastes her time and me,
That now she knows,
When I resemble her to thee,
How sweet and fair she seems to be.

Tell her that’s young,
And shuns to have her graces spied,
That hadst thou sprung
In deserts where no men abide,
Thou must have uncommended died.

Small is the worth
Of beauty from the light retired:
Bid her come forth,
Suffer herself to be desired,
And not blush so to be admired.

Then die – that she
The common fate of all things rare
May read in thee;
How small a part of time they share
That are so wondrous sweet and fair!

Aber es stimmt schon, jüngere Gedichte kommen besser an bei Schülerinnen und Schülern. Deshalb habe ich die Sequenz beendet mit zwei Gedichten des von mir sehr geschätzten e.e.cummings (experimentell und zugänglich, also irgendwie safe), beide wieder mit viel Symbolik.

„o by the by“ ist ein kleines, heiteres Gedicht, das nur auf den ersten Blick kryptisch wirkt. (Hier ist der Text.) Wenn man sich ein Bild von der Situation im Gedicht mal, unten ein grüner Hügel, darauf eine Person oder zwei („little you-i“), darüer blauer Himmel… wenn man nur wüsste, was mit „threw/his wish at blue“ gemeint ist… aber auch das ist doch eigentlich klar, finde ich. Bilder zu diesem Wunsch am Himmel haben wir hier:

(it dived like a fish
but it climbed like a dream)
throbbing like a heart
singing like a flame

Singing like a flame? Sind das die Gasflammen früher, die ein kleines Geräusch gemacht haben? Aber vor allem klingt das Gedicht auch einfach schön, besonders in den letzten Versen.

Das Gedicht kam gut an, aber noch mehr eines von Cummings‘ bekanntesten Gedichten: „Somewhere I have never travelled“ (Text hier). Auch das ist voller Bilder, wieder geht es auch um eine Blume, aber diesmal sind die Bilder nicht so leicht zu fassen, nicht so leicht zu analysieren.

Gelernt habe ich dabei auch etwas. Ich hatte das Gedicht immer für ein Liebesgedicht gehalten, weil… na ja, man ist so geprägt. Ein Gedicht, von jemandem (also einem Mann) an jemand anderen (eine Frau), und es geht klar um Liebe und Gefühl. Und vielleicht ist das Gedicht auch so entstanden; ich weiß es nicht. Aber viel besser finde ich: In diesem Gedicht spricht eine Vater, oder eine Mutter, an das noch ganz kleine Kind. Das erklärt auch „in your most frail gesture“, „the power of your intense fragility“ und den feinen letzten Vers: „nobody,not even the rain,has such small hands“. Das Öffnen und Schließen in den Strophen 2 und 3 weckt auch Assoziationen mit einem kindlichen Versteckspiel.

In dem Gedicht spricht nur einer, er spricht über eine andere Person, und ein bisschen zu ihr, aber sicher nicht mit ihr; die andere Person übt eine zauberhafte Macht auf ihn aus, ohne tatsächlich selbst wirklich aktiv zu sein. Ja, das ist eher ein Kleinkind; keine Partnerin.

Lebenszeichen: Griechische Sagen, Who’s on First, Oscar Wilde, schnell mal das meiste notiert, was los war

Ich schmettere derzeit jedem Kollegen, der über zuviel Vertretung oder fehlendes Wissen bei den Schülerinnen und Schülern klagt, ein frohes: „Schule muss mehr sein als Unterricht!“ entgegen. Meine Hoffnung, dass die Kollegen dabei einen Zusammenhang herstellen (oder mir wenigstens widersprechen), wurde bisher noch nicht durch eine eindeutige Reaktion als eine begründete bestätigt.

Das mit dem „mehr als Unterricht“ höre ich etwas zu oft im Moment.

***

Griechische Sagen: Kommen sehr gut bei der 6. Klasse an, aber die wollen wirklich sehr viel wissen, da reicht mein sehr solides Halbwissen nicht ganz aus. Hier meine Diagramme dazu:

theogonie1

theogonie2

Aber natürlich fehlt immer noch was: Was war mit der Mutter von Prometheus? — Mir kommt es dabei vor allem darauf an, dass die Schülerinnen und Schüler das als ein gewachsenes Flickwerk verstehen, dass nie unbedingt jemand an all das gleichzeitig geglaubt hat. Dass Aphrodite nicht die Tochter von Zeus ist, oder doch schon, auch, dass es jedenfalls mindestens zwei Mythen gibt, die sich widersprechen, und dass Aphrodite nach dem anderen Mythos aus dem Geschlechtsteil des Uranos stammt, als das ins Meer fiel, nachdem Kronos es abgeschnitten hatte.

Ich zeigte diesmal gleich am Anfang das Kamishibai, und die Schüler und Schülerinnen spielten mit meinem Bildern zum Urteil des Paris (ganz unten hier) gleich etwas, das fast schon ein bisschen Powerpoint-Karaoke ist, erzählten also die gerade gelesene und gesehene Geschichte unvorbereitet mit den Bildern nach. Ging gut.

***

The Importance of Being Earnest: Mit der Q11 gelesen. Oll, aber gut. Mit Psychologietests Persönlichkeitsprofile der Charaktere festgestellt und spätestens da festgestellt, dass die eigentlich alle eher keine netten Menschen sind. Danach kurz Inszenierungsmöglichkeiten verglichen – eigentlich wollte ich nur Ausschnitte aus dem Film von 2002 zeigen, aber der war dann so interessant, dass wir den ganz ansagen. Die Inszenierung erinnert mich sehr an die Jeeves-und-Wooster-Serie mit Stephen Fry und Hugh Laurie, ist nur etwas besser. Firth ist solide, Rupert Everett vor allem in der ersten Hälfte brillant, Judi Dench ist Judi Dench, und Frances O’Connor als Gwendolyn ist sa-gen-haft mit hingehauchter Verführung. Hier eine Fassung von 1986 zum Vergleich, man achte auf das „That makes me so nervous“:

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Und hier 2002:

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(Später lässt sich Gwendolyn den Namen „Ernest“ auf ihren Po tätowieren.)

***

Früher waren vielleicht die Lehrer cool, die mit der Zigarette ins Klassenzimmer kamen, was schon zu meiner Schulzeit extrem selten vorkam, selber gehe ich wenigstens ab und zu mit der vollen Kaffeetasse in den Unterricht. (Essen und Trinken – außer Wasser – ist Schülern und Schülerinnen im Unterricht verboten.) Aber die Teetasse mit Teebeutel drin, die ich beim Kollegen sah, ist noch cooler.

***

Später dann mal in der Q11 die ersten paar Takte des Klassikers „Who’s on First“ (Youtube) gezeigt, dann ausgeteilt und eine Audioversion dazu hören lassen. Dass das ein immer noch sehr lebendiges amerikanisches Kulturgut ist, sieht man auch an der Fassung von Jimmy Fallon mit Billy Crystal und Jerry Seinfeld. Immerhin kennen ein paar Schüler Jimmy Fallon, die anderen, na ja, nicht mehr so.

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Danach probierten die Schülerinnen und Schüler den paarweisen Vortrag in Ausschnitten. Ein Klassenzimmer voller Leute, die gleichzeitig und durcheinander „Who’s on First“ üben, das ist schön.

Euromyths, Offline-Kommunikationssystem, Bilder von oben, Schulmöbel (Schulwoche)

Sideboard

Für den Englischunterricht, Q11: Alle Schüler und Schülerinnen kriegen einen Buchstaben A-Z zugewiesen und suchen sich aus dieser Liste von Europa-Mythen aus der britischen Presse eines aus und präsentieren das den Mitschülern: http://blogs.ec.europa.eu/ECintheUK/euromyths-a-z-index/

Meine Favoriten: Erstens P wie „Pets, dead“: Haustiere müssen laut einer Europa-Regelung vor der Beerdigung in einem pressure cooker gekocht werden. (Stimmt nicht: Es gab vergleichbare Regelungen für BSE-Fälle.) Zweitens R wie „Recycling“: Laut einem EU-Gesetz müssen Frauen ihr gebrauchtes Sexspielzeug zum Recyclen abgeben bevor sie neues kaufen können. (Stimmt nicht. Aber man kann laut EU Elektrogeräte natürlich beim Verkäufer zur Entsorgung abgeben.) Stand alles so in englischen Zeitungen.

Mit der sechsten Klasse haben wir heute für ein Projekt Klassenaufnahmen von oben gemacht, ein Schüler hatte seinen Quadrocopter dabei, Handy drangemacht, trotz Wind gab es ordentliche Aunahmen. Leider haben wir es trotz Bluetooth noch nicht geschafft, die Filme auf einen anderen Rechner (also meinen) zu kriegen, das kommt dann noch.

Wir haben ja das Lehrerraumprinzip an meiner Schule. Schüler wandern, die Lehrer haben feste Klassenzimmer, jedenfalls die meisten – ich zum ersten Mal, da ich sonst viel im Computerraum bin. Nachdem es eine Weile gedauert hat, bis ich mein Sideboard hatte, arbeite ich noch an der Ausstattung. Hier habe ich schon mal Magic Eight-Ball und Kamishibai deponiert:

Sideboard

Das ist mein Offline-Whatsapp-Ersatz-Kommunikationssystem für die Unterstufe:

Drehregeal für Grußkarten

Hier habe ich wieder mal eine Unterstufe gefragt, diesmal am Anfang des Schuljahrs, wie gut sie den Computer schon beherrschen, und wie sehr sie das möchten. Ein o für die Mädchen x für die Jungs. Und ja, die Jungs trauen sich schon enorm viel zu, abe auch die Mädchen wollen größtenteils den Rechner beherrschen. Ich sehe das als Auftrag und bin gespannt auf die Haltungen am Schuljahresende:

Tafel

— Reste vom Wandertag der Lehrer, a.k.a. Personalausflug. Ja, wir waren unter anderem in einer Käserei:

Stuhl im Käselöcherdesign

Und das war der Wandertag mit den Schülern:

leeres Ortsausgangsschild

(Mir ist tatsächlich mein Mitteilungsbedürfnis abhanden bekommen, ich weiß auch nicht wie, sonst hätte ich das alles zwischendrin mal gepostet.)

Kontextualisierungen

Im Englischunterricht soll gerade brav alles kontextualisiert werden. Das führt zu – bewusst albernen? – Aufgabenstellungen wie im letzten Abitur:

Describe the way a conflict with far-reaching consequences is dealt with in a literary work by an English-speaking author.
Write a review for an English edition of your school magazine.

Damit es ja einen Kontext für die Aufgabe gibt, muss man für die englische Ausgabe der Schülerzeitung schreiben. Das ist immer der Standardkontext; ich musste mal in einem Arbeitskreis ähnliche Aufgaben stellen, und schon da lief auch alles immer auf Schülerzeitungen heraus.

Alternativ könnte man doch Vokabeln so abfragen:

Du bist mit deinen Eltern zu Besuch bei deiner Tante in England. Deine Mutter schreibt einen Einkaufszettel auf Deutsch. Hilf deiner nicht deutsch sprechenden Tante, mit diesem Einkaufszettel zurecht zu kommen. Auf dem Zettel stehen:

  • „Buntstifte“
  • „Wachsmalkreide“
  • „die Adresse des englischen Oberhauses“
  • „die Adresse des englischen Unterhauses“
  • „ein Kuchen mit der Aufschrift ‚Alles Gute zur konstitutionellen Monarchie'“

Man kann auch eine Liste von Suchaufträgen daraus machen im Web, bei denen man der Tante helfen soll, und schon hat man wieder einen Kontext! Oder, um noch ein letztes Mal zum Spiel „Keep Talking and Nobody Explodes“ zu kommen, man findet einen Bombenkoffer, den man entschärfen muss, und eine Anleitung dazu, und in der Anleitung steht, dass man bestimmte Wörter buchstabieren muss und so weiter. Da hat sich auch keine Schülerin über fehlenden Kontext beklagt. „Ein verrückter Milliardär bietet dir eine Million, wenn du ihm sagen kannst…“ Yay, noch ein Kontext! Da muss man sich doch nicht immer mit der Schülerzeitung begnügen.

Bundeskanzlerin werden

Am Vorlesewettbewerb des deutschen Buchhandels nehmen viele Schulen teil, auch wir machen das regelmäßig. (Schon oft darüber gebloggt, wie über alles.) Dabei ermitteln wir für jede 6. Klasse einen Klassensieger oder eine Siegerin, und alle diese lesen dann in der Aula gemeinsam vor den versammelten 6. Klassen vor, um einen Schulsieger zu ermitteln – und danach geht es weiter zum Landkreiswettbewerb und so weiter.

Manche Schülerinnen und Schüler haben nichts gegen den Wettbewerb, aber scheuen es, eventuell in der Aula vor größerem Publikum lesen zu müssen. Das verstehe ich völlig. Aber sie sollen ja auch vorlesen lernen, und sie sollen lernen, vor Publikum zu stehen. (Wieviel man das lernen kann und wieviel einfach Übung oder Machen ist: andere Frage.) Ich erkläre das so, dass wir ja hoffen, dass irgendwer aus den 6. Klassen mal später Bundeskanzlerin werden wird. (Das kann auch ein Junge sein.) Und als Bundeskanzlerin muss man ja auch vor vielen Leuten stehen und reden, immer wieder. Eine schwierige Arbeit, aber wir brauchen gute Leute, die sie machen können.

Nebenbei: Nicht jeder muss Bundeskanzlerin werden, das habe ich versichert. Aber trotzdem: Ich mache auch jedes Jahr vier Dinge, vor denen mir graut, weil ich sie zum ersten Mal mache, und eigentlich machen will, aber ich dazu aus meiner Komfortzone heraus muss. Zugegeben, mir graut schnell. Danach bin ich aber froh, und im nächsten Jahr graut mir dann weniger, wenn ich das noch einmal machen muss.

– Ansonsten: Heute in Englisch, 11. Klasse, „Keep Talking And Nobody Explodes“ gespielt. (Hier schon mal kurz vorgestellt.) Mit Warnung vorher, und Erklärung, und Kontext – immerhin geht es um das Entschärfen einer Bombe, und wer das nicht sehen will, darf natürlich das Klassenzimmer verlassen. Zwei Schüler hatten sich vorbereitet und stellten das Spiel den anderen vor, die alle auf Handy oder Papier das Bombenentschärfer-Handbuch vor sich hatten. Mit dem Erklären von Dingen ist es so eine Sache, oft erklärt man Dinge, die gar nicht hilfreich oder nötig sind; kann man gar nicht genug üben.

Bei dem Spiel geht es darum, dass ein Spieler eine Bombe mit verschiedenen zu entschärfenden Modulen vor sich sieht, und die anderen haben das Handbuch, sehen aber die Bombe nicht; und der eine Spieler muss beschreiben, was er sieht (mit korrekter Aussprache, da sonst Missverständnisse), und die anderen müssen das Handbuch schnell nach den nötigen Informationen durchsuchen („scanning“) und diese dem ersten Spieler mitteilen (präzise, korrekte Aussprache). Welche Drähte müssen durchgeschnitten, welches Passwort muss eingegeben, eventuell buchstabiert, werden?

Technisch läuft das Spiel ohne Adminrechte und Installation, man muss es nur kaufen (15 Euro oder so) und starten – dabei nicht über Steam kaufen, sondern als direten Download, klar, weil man sich sonst immer erst bei Steam einloggen und das vor allem installieren müsste. Die Schülerinnen und Schüler kapieren das Spiel unterschiedlich schnell, die besten sind dabei weit, weit schneller als ich es bin. Bin halt träge geworden und auch nicht so gut beim räumlichen Vorstellungsvermögen. Mann, waren die fit.

Aktuelle Hörverstehensübungen für den Englischunterricht – und man lernt dabei so viel Schönes über Europa

Holland hat damit angefangen, sich für den 2. Platz nach den USA zu bewerben: „America First – The Netherlands Second“, und dafür einen Werbevideo für Holland gedreht:

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Und jetzt ziehen nach und nach die anderen Länder nach, Deutschland etwa:

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Unter everysecondcounts.eu kann man sehen, für welche Länder bereits Videos veröffentlicht worden. (Leider mit Flash.) Eine tolle Idee! Kann man auch wunderbar im Englischunterricht einsetzen, als Hörverstehensübung – und man lernt so viel, über Litauen zum Beispiel.

Fernwandern in England: Der Cotswold Way, südliche Hälfte

Coaley Peak

Der Cotswold Way ist ein relativ junger englischer Fernwanderweg, der – anders etwa als der South Downs Way, dessen Teilstrecken seit Jahrtausenden genutzt werden – nicht auf alte Reisestrecken zurückgeht, auch wenn er natürlich alte Wege nutzt. Er verläuft an der Grenze von England zu Wales von Chipping Campden im Norden nach Bath im Südwesten. Insgesamt ist der 164 km lang, wir liefen diesen Mai in 5 Tagen die südliche Hälfte davon.

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Vorbereitung

Gute Wanderstiefel hatten wir bereits. Neu waren leichte Wanderhosen; die Regenjacken wurden imprägniert. Das Wanderführer-Büchlein empfahl leichtes Verbandszeug und eine Trillerpfeife zum Mitnehmen, auf beides verzichteten wir, Frau Rau leichten Herzens. Taschenmesser hatten wir dabei, kam aber nicht zum Einsatz.
Wir hatten vor, jeden Tag 20-25 Kilometer zu laufen, solche Entfernungen sind wir von Wanderungen um München herum gewöhnt, wenn auch in flacherem Gelände als in den Cotswolds. Als auch eine probeweise 35-Kilometer-Wanderung problemlos ging, fühlten wir uns auf fünf Tage einigermaßen vorbereitet. – Tatsächlich waren wir an jedem Morgen frisch und munter, keinerlei Muskelkater, keinerlei Blasen oder Druckstellen; aber zumindest mein Fußbett freute sich danach über etwas Wanderpause. Vielleicht sollte ich mal doch Einlagen ausprobieren?
Bed & Breakfast hatten wir vorher gebucht, beziehungsweise eine Agentur für uns, die auch den Transport unserer Koffer – wir waren ja nicht nur zum Wandern in England – von Unterkunft zu Unterkunft organisierte.

Mitgenommen außerdem: Eben jenes Wanderführer-Büchlein mit sehr detaillierten gezeichneten Karten, die viel übersichtlicher waren als die echte Karte, die wir natürlich auch dabei hatten. Und eine App mit GPS und Offline-Kartenmaterial, klar.

Fazit: Wunderschön. Die fünf Tage vergingen wie im Flug und waren viel zu kurz. In Zukunft dann lieber acht Tage wandern, mit zwei Tagen Pause in der Mitte dazu.

Landschaft

Coaley Peak
Aussicht von Coaley Peak
Coaley Peak, mit Toposcope
Coaley Peak, mit Toposcope
Cold Ashton, Aussicht vom B&B
Cold Ashton, Aussicht vom B&B
Kelston Round Hill
Aussicht auf Kelston Round Hill, wo wir später schnurstracks mittendrüber liefen
Typische Lynchets ("Ackerterrassen"), eine Erscheinung beim Pflügen von Hängen über lange Zeiträume
Typische Lynchets („Ackerterrassen“), ein Nebeneffekt beim Pflügen von Hängen über lange Zeiträume. So wie man faltige Haut kriegt beim Baden?
Hilltop Monument, Nähe Wotton
Hilltop Monument, Nähe Wotton (Bild: Frau Rau)

Das letzte ist schon nicht mehr nur Landschaft, sondern Denkmal. Leuchtfeuer gibt es dort seit mindestens 1588, die Pinien wurden zum Sieg bei Waterloo 1815 gepflanzt, und – wenn ich das richtig verstanden haben – immer wieder mal zu einem feierlichen Anlass abgebrannt und dann neu gepflanzt.

Wege

Collage von Wegabschnitten auf dem Cotswold Way
Collage von Wegabschnitten auf dem Cotswold Way (Bilder von Herrn und Frau Rau)

Der Cotswold Way wurde bewusst so angelegt, dass er die schönsten Stellen der Cotswolds – eine AONB (Area of Oustanding Natural Beauty) – mitnimmt, er zieht deshalb schon eher viele Schleifen. Aber die Teilstücke sind sehr oft alte Wege, und diese Wege sind gerne mal sehr gerade. Das stört beim Wandern überhaupt nicht, die geraden Strecken sind kurz und fallen nur deshalb auf, weil sie wirklich gerade sind, auch mitten durch Felder und Äcker, mitten über Hügel, mitten durch Weiden. Das liegt vielleicht auch am englischen Wegerecht.

In Deutschland gibt es ein Betretungsrecht. Kurz gesagt: Ich darf grundsätzlich jeden Waldweg benutzen, auch wenn er mir nicht gehört. In England (nicht: Schottland) ist das anders: Da darf man nur Wege, die als öffentlich zugänglich markiert sind, benutzen. Eine wichtige Kategorie dieser Wege ist der public footpath. Das sind Strecken, auf denen ein teilweise Jahrhunderte altes Wegerecht liegt, auch wenn sie im Privatbesitz sein mögen. Der Besitzer ist verpflichtet, den Weg einigermaßen begehbar zu halten, und macht ansonsten mit dem Grund um den Weg herum, was er will. Und so kommt es eben, dass Wege direkt über Felder und Weiden führen können, voller Schafe oder Kühe. Der Besitzer der Tiere ist verantwortlich, wenn jemand zu Schaden kommt; die meisten Stiere (außer: Jungtiere) dürfen gar nicht erst auf Weiden gehalten werden, durch die ein solcher Weg führt. (Auf einem public bridleway darf man auch radfahren, der Weg muss aber keinesfalls fahrradtauglich gehalten werden. Ein permissive path ist ein Weg in Privatbesitzer, bei dem der Eigentümer die Benutzung freiwillig erlaubt, ohne durch Wegerecht dazu gezwungen zu sein.)

England versucht seit 1949 Ordnung in das Wegerechtssystem zu kriegen und erstellt eine Definitive Map, die diese Wege verzeichnet. Im Jahr 2000 fehlten lauten Schätzungen mehr als 10% aller public foothpaths in diesem Verzeichnis, bis zum 1.1.2026 läuft eine Frist – alle Wege, die bis dahin nicht verzeichnet sind, verlieren ihren Status als öffentlicher Weg. Die Ramblers‘ Association kämpft darum, dass diese Wege eingetragen werden und dass die Rechte der bestehenden Wege nicht beschnitten werde, was von Landbesitzern immer wieder mal versucht wird.

„Zaunübertritte“

Wenn diese Wege über Weiden führen, gibt es um diese herum natürlich Zäune. Damit in die Weiden kommt, gibt es Gatter. Eine Alternative zu Gattern sind stiles, Zaunübertritte. Die muss man nicht eigens wieder schließen, es gibt sie in vielen Varianten. Abgebildert: ein hölzernes kissing gate und eines aus Metall, zwei squeeze stiles (die mochte ich nicht, mit Rucksack und dem Ballast eines erfüllten Genießerlebens muss man sich ganz schön dünn machen). Viele Versionen mit Treppenstufen, auch mit kleinem Hundedurchgang daneben.

Collage verschiedener Zaunübertritte

Mauern

Am Rand der Wege gibt es ab und zu Mauern, lokal gerühmt sind vor allem die alten dry stone walls.

Dry stone wall, alt
Dry stone wall, alt
Dry stone wall
Dry stone wall
Ausbesserungsarbeiten an dry stone wall
Ausbesserungsarbeiten an dry stone wall

Die Cotswold Voluntary Wardens kümmern sich darum, dass die Wege ausgeschildert bleiben und inspizieren und bessern regelmäßig die Mauern aus. Auf einen Trupp davon stießen wir, einer lief uns gleich mit der kleinen Zeitung Cotswold Lion nach und wir plauderten und bedankten uns bei den Leuten für den schönen Weg.

Tiere

Hervorzuheben ein „Cotswold Lion“, eine Schafrasse aus den Cotswolds, und eine von zwei piggeries, an denen wir vorbeikamen, jeweils im Wald, jeweils leer.
Rehe sahen wir einige im Wald, Fasane sehr viele. (Gehört noch viel mehr.) Die Rehherde war auf dem Grund eines großen Anwesens.

Collage mit Tieren auf dem Cotswold Way

Pflanzen

Blumen gab es viele, die habe ich aber nicht fotografiert. Was es vor allem gab: Wälder voller bluebells, die auf Deutsch – stellt sich heraus – „Atlantisches Hasenglöckchen“ heißen, Massen von Bärlauch allüberall, und Hirschzungenfarn, die einzige europäische Farnart mit ganzrandigem Blattwedel (Quelle: Internet).

Bluebells, Hirschzungenfarn, Bärlauch

Essen

Das wären eh nur Bilder von Eiern, Speck, Würsten, Tomaten, Pilzen. Jedenfalls war das immer mein Frühstück. Fürs Mittagessen bekamen wir im Bed & Breakfast ein Lunchpaket, einmal sogar mit Caprisonne. Wenn wir mittags einen Pub fanden, und das war an den meisten Tagen der Fall, aßen wir dort, und das Lunchpaket wurde dann das Abendessen. Einmal aßen wir Abends mit der Familie Fasan, am letzten Abend – Hill Farm bei Cold Ashton – gab es für uns vorbereiteten Salat, Fish Pie und – außerordentlich lecker – Sticky Toffee Pudding, über den mehr zu schreiben dereinst noch Gelegenheit zu suchen wird.

Gebäude am Wegesrand

Woodchester Mansion
Woodchester Mansion

Woodchester Mansion wurde Ende des 19. Jahrhunderts gebaut, aber nie bewohnt. Der Familie ist das Geld ausgegangen, oder eine Spukgeschichte, ich habe Widersprüchliches in Erinnerung. Jedenfalls ist innen nichts, außer einigen wenigen Räumen und fünf verschiedenen Fledermausarten. Die konnten wir nicht sehen, weil an diesem Tag geschlossen ware – dennoch lohnte sich der Abstecher hierher, anderthalb Stunden abseits vom Way, wie wir – da Frau Rau eine kluge Frau ist – überhaupt jeden (Frau Rau) oder fast jeden (Herr Rau) zusätzlichen Exkurs unternahmen, den unser Büchlein vorschlug.

St. Mary's, Wotton-under-Edge
St. Mary’s, Wotton-under-Edge

Eine der vielen Steinkirchen, und zwar die mit den meisten Kissen (siehe unten).

Haus bei Lower Kilcott
Haus bei Lower Kilcott
Fischteich bei Lower Kilcott
Fischteich bei Lower Kilcott

Kein Wunder, dass das hier das Vorbild für Tolkiens Auenland war. Man sieht die Hobbits geradezu schmauchend angeln. Das ist dann auch genau das verklärte England hier, zu dem viele zurückwollen. (In einem Artikel mal gelesen, dass die rechtsextreme englische Partei Britain First auf ihrem Parteitag das Auenland-Thema aus der Herr-der-Ringe-Verfilmung laufen ließ, komplett unironisch.)

Dyrham Park
Dyrham Park

In Dyrham Park wurden die Außenaufnahmen für The Remains of the Day gedreht. Auch hier war innen zu, aber wir sahen uns Park, Kirche, Friedhof an und nahmen erfrischenden Tee zu uns – keinen feinen Tee, sondern ordentlichen. Im Park gab es auch die Rehherde, die man oben mal sehen kann.

Hill Farm, bei Cold Ashton
Hill Farm, bei Cold Ashton

Das war der Hof, auf dem wir unsere letzte Nacht vor Bath verbrachten.

Bonus

Es gab sehr viele alte Steinkirchen auf dem Weg. In einer davon, St Mary’s in Wotton-under-Edge („Wotton“ mit kurzem „u“ vorne aussprechen), sahen wir viele bestickte Kissen für die Kirchenbänke, sogenannte kneelers. Die hat man da gerne mal.

Bestickte Kirchen-Sitzkissen
Bilder: Frau Rau

The Good Old Days

Ich bin ja gerade in England und habe fünf volle Tage schönsten Wanderns in den Cotswolds hinter mir. Zuerst wollte ich regelmäßig davon bloggen, aber das machte Frau Rau viel besser als ich; und ich hatte mehr Vergnügen daran, abends dazusitzen, aus den Fenstern zu schauen, zu lesen – keinesfalls erschöpft, aber ein bisschen überwältigt. Einen bebilderten Blogeintrag dazu hole ich nach, wenn ich wieder in Deutschland bin.

(Danach beginnt gleich die Kolloquiumswoche; einen Großteil der Abiturkorrekturen habe ich mit ziemlichem Aufwand vorher korrigieren können, aber ein bisschen was steht noch aus.)

Beim abendlichen Fernsehen hier entdeckte ich eine Sendung, die mich um Fassung ringen ließ; ich dachte alle wichtigen Sendungen und Serien zumindest dem Namen nach zu kennen, aber das war und ist wohl nicht so.

„The Good Old Days“ ist eine britische Serie, die von 1953 bis 1983 im Fernsehen lief, ich sah – ohne jegliche Vorwarnung – eine Folge von 1973:

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Was war denn das? Ein aus der Zeit gefallenes Kabarett mit alten Nummern, leicht angestaubt wie bei der Muppet-Show. Ein marktschreierischer Master of Ceremonies mit schlechten Witzen, ganz Kermit. Kostüme wie beim Königlich Bayerischen Amtsgericht – und ja, das Publikum ist echtes Publikum; man kam edwardianisch kostümiert zu den Aufführungen. Und das Publikum amüsiert sich wie bei Heinz Schenk im Blauen Bock. Dazu zeitgenössische Künstler, etwa Sandie Shaw („Puppet on a String“), die alte Balladen singen, und Artisten. WTF?

Stellt sich heraus, dass „The Good Old Days“ eine Sendung war, die das englische Kabarett des frühen 20. Jahrhunderts nachahmte. Moderne Künstler natürlich, aber Akrobatik im Stil von damals, sentimentale Balladen und frivole Music-Hall-Lieder, wie ich sie sonst nur aus Geschichten von P.G. Wodehouse kenne.

Geht das in Deutschland, heute? Die Sänger müsste hinter den Liedern zurücktreten, sich verkleiden, nicht aus der Rolle fallen; das fällt sicher schwer. Außerdem gibt es in Deutschland keinen gleichartigen Fundus an wirklich alten Liedern, die das Publikum wie in England, früher zumindest, mitsingen könnte. Die Lieder der 30er und 40er Jahre sind durch den Nationalsozialismus verbrannt. Vielleicht eine einmalige 1970er-Jahre-Show stattdessen? Disco noch einmal nachspielen?