Gottfried August Bürger, Der Bauer an seinen durchlauchtigen Tyrannen

Wer bist du, Fürst, dass ohne Scheu Zerrollen mich dein Wagenrad, Zerschlagen darf dein Ross? Wer bist du, Fürst, dass in mein Fleisch Dein Freund, dein Jagdhund, ungebleut Darf Klau und Rachen haun? Wer bist du, dass durch Saat und Forst Das Hurra deiner Jagd mich treibt, Entatmet wie das Wild? – Die Saat, so deine Jagd zertritt, Was Ross und Hund und du verschlingst, Das Brot, du Fürst, ist mein. Du Fürst hast nicht bei Egg und Pflug, Hast nicht den Erntetag durchschwitzt. Mein, mein ist Fleiß und Brot! – Ha! du wärst Obrigkeit von Gott? Gott spendet Segen …

Franz Kafka, Auf der Galerie

Sehr schöner Schultag heute. Vier Stunden, drei Klassen, alle haben mir Spaß gemacht, bei allen glaube ich, dass die Schüler etwas gelernt haben (aber das glaubt man ohnehin zu oft) – und zu jeder Stunde will ich etwas bloggen. Habe aber keine Zeit vor lauter Zeug, das ich machen will. Deshalb nur kurz noch etwas von letzter Woche. Deutsch, 9. Klasse, zum Anwärmen und Kennenlernen: Wiederholung von Wortarten und Satzgliedern an folgender Kafka-Parabel als Beispiel. Auf der Galerie Wenn irgendeine hinfällige, lungensüchtige Kunstreiterin in der Manege auf schwankendem Pferd vor einem unermüdlichen Publikum vom peitschenschwingenden erbarmungslosen Chef monatelang ohne Unterbrechung …

Noch ein paar Sagen

Interessant an folgender Sage finde ich die Logik: Wenn man im Himmel stirbt, wird man auf der Erde wiedergeboren. (Alle Fehler unkorrigiert. Vor allem Kommas fehlen.) Warum der H. so viel spricht! Jeder Schüler des Graf-Rasso-Gymnasium kennt den Herrn H. und jeder weiß dass er im Unterrricht spricht wie ein Wasserfall. Doch das war nicht immer so. Denn in seinem früheren Leben… Der Herr H. war in seinem früheren Leben nämlich Lehrer im Himmel. Er hat in seinem Unterricht so viel geredet dass die Worte die Schüler förmlich zu zerdrücken schienen. Eines Tages beschwerte sich ein Schüler darüber, dass der …

Wieso Herr Rau seinen Bart abrasierte

Beim Aufräumen bin ich auf eine Mappe mit Schülertexten gestoßen – Mindmaps, Zeichnungen, und vor allem eine ganze Reihe der Sagen, die Ende 1999 eine 6. Klasse geschrieben hatte. (Beispiele hier und hier.) Eine dieser Erklärungssagen ist vielleicht von besonderem Interesse, weil sie zeigt, wie Schüler sich das Privatleben eines Lehrers vorstellten. Der Text ist nicht korrigiert, war mit dem Computer geschrieben. Der Bart ist ab Wie ihr alle wißt, hatte Herr Rau vor ein paar Monaten einen kleinen Bart. Doch dann war er auf einmal verschwunden: Und das kam so: Herr Rau saß mit seinen drei Freunden, an einem …

Moderne Sagen III

Die Geschichte der verbotenen Mützen Vor vielen Jahren war das Tragen von Mützen in der Schule noch nicht verboten. Fast alle trugen Mützen. Doch von einem Tag auf den anderen sollte sich das ändern: Wie immer kamen die Kinder mit den Mützen in die Schule, wie immer grüßten sie den Lehrer. In der ersten Stunde war Englisch angesagt. Das war zwar schwer, der Unterschied zwischen Adjektiven und Adverben, aber die Schüler überstanden es. In der zweiten Stunde war Mathe, was noch schwerer war, dritte Stunde Bio, auf einmal fingen die Köpfe der Schüler an zu rauchen, nur ein kleines bisschen, …

Kontaktfreudige Grundschüler

(Ein Gastbeitrag aus der 9. Klasse, um zukünftige Blogger heranzuziehen. Ich habe gefragt, ob ich den Text hier noch einmal veröffentlichen darf.) Manchmal wundere ich mich, wie viele eigenartige Leute doch hier in Fürstenfeldbruck frei herumlaufen. Heute habe ich eine sehr interessante Zweitklässlerin getroffen. Für gewöhnlich haben sie meisten Grundschüler, die mich nicht kennen, Respekt vor mir, so wie ich in der Grundschule auch Respekt vor den „Großen“ hatte. Man wusste ja nie, wozu die fähig waren und wenn sich 14-jährige auf einer Schaukel langweilen, dann machte man einen Bogen um darum. Wenn man Glück hatte, hat eine aufpassende Mutter …

Where I see myself in 12 years

Where do you see yourself in 12 years (if everything goes well)? Don’t just write what you want to be, but describe your place of work, what you are doing, whether you have a computer or a secretary, a cup of coffee on your desk, and so on. I see myself sitting in a huge room with big windows. You have a beautiful view above Manhattan. On the walls there are several pictures of celebrities who support my foundation. On my desk, there are hundreds of letters from people who want to apply. The majority is between 16 and 24, …

Über den Tod

Es war zwar schon im Deutsch-LK-Blog, aber weil’s so schön ist, hier gleich nochmal: Protokoll zum Deutsch-LK im Stil der Lektüre (Wolf Haas, Komm, süßer Tod) [-von einer Schülerin-] Jetzt ham sie doch glatt erst die zweite Unterrichtsstunde zum Wolf Haas und seinem SÜSSEN TOD, und gleich wieder eine echt riesige Diskussion gehabt. Über den Erzähler vom TOD und wie der sich so macht und und und. Aber nicht dass du jetzt denkst, das ist alles so einfach, das mit dem Erzähler. Einfach wärs ja, wenn der Erzähler, der uns im Buch über all die Morde auf dem Laufenden hält, …

Pubertät aus Schülersicht (8. Klasse)

Folgendes hat eine Schülerin aus meiner 8. Klasse für ein laufendes Projekt geschrieben (mehr dazu wohl erst nach Weihnachten); ich habe den Text zwar schon auf unserer Schul-Homepage veröffentlicht, aber hier sehen ihn vielleicht dann doch noch andere Leute. Ein normales Gespräch unter Müttern: “Und, wie läuft’s bei euch so?” “Ach, meine Tochter hat mal wieder randaliert, sie sind ja so aggressiv in dem Alter, immer passt ihnen was nicht.” “Sie sind halt in der Pubertät. Das geht vorbei. So ab 19 werden sie wieder zahm.” So manch ein Teenie fragt sich bei diesen Worten: “Aggressiv? Pubertät?” Es kommt nicht …

A Christmas Story – 9. Klasse (Fortsetzung)

Die Schülerin (9. Klasse), die neulich folgende Geschichte als Hausaufgabe geschrieben hat, war so freundlich, den Text noch einmal abzutippen. (Danke schön.) Dabei hat sie auch einige Fehler verbessert. Hier ist jetzt die lesefreundliche Fassung: “Dear Santa, You know I wrote you several letters in the last years anyway, I think they didn’t reach you. Perhaps you only think I’m too old to believe in you, but I totally do. OK, I don’t. But I’m 16 now and… I hope you understand. Well, I’m only writing to you because I really want to have a pet. You know, they always …