Jens Soentgen, Selbstdenken! (Und Euler.)

Jens Soentgen Selbstdenken! 20 Praktiken der Philosophie Mit Illustrationen von Nadia Budde Peter Hammer Verlag 223 Seiten Amazon-Link Vor einem Jahr stieß ich in einem Blog, das es leider nicht mehr gibt, auf eine Besprechung dieses Buches. Es ist ein sehr gutes Buch. Mir fallen mindestens drei andere Einführungen in die Philosophie ein, die ich zuvor gelesen hatte. (Mir fehlt die Lust, mich gleich an die Originalwerke zu machen. Ich müsste auch erst herausfinden, wo ich am besten anfangen sollte zu lesen. Über meine umfangreiche, aber unsystematische Lektüre kriege ich allerdings immer wieder Anreize. Beonders viele solche Anreize erhoffe ich …

Roddy Doyle, Rover Saves Christmas

Ein skurilles Kinderbuch, bei dem ich viel lachen musste. Man trifft die Helden aus The Giggler Treatment wieder, allen voran Rover. Der hilft diesmal dem Weihnachtsmann, weil das wichtigste Rentier krank geworden ist. Aber das Wichtigste am Buch ist nicht um die Handlung – schließlich unterbricht sich der Erzähler selber oft genug mit Reklamespots für Zahnpasta, Reklamespots für das Konkurrenzprodukt, mit Wissenswertem über Finnland. Die Kapitelüberschriften lauten zum Beispiel: Chapter Four Chapter Five The Return of Chapter Four Chapter Five II Chapter Five’s Baby – Little Chapter Six Chapter Six – The Teenage Years (“I don’t want to be chapter …

William Golding, Lord of the Flies (und ein bisschen Madagaskar)

Herr der Fliegen war zu meiner Schulzeit eine häufige Klassenlektüre; ich kannte den Namen und den Inhalt, auch wenn ich das Buch nie gelesen hatte. Außerdem kannte ich “William Golding” aus den Regalen der Buchhandlungen, wo ich lange Zeit auf der Suche nach Büchern von William Goldman war. Golding kam direkt davor und noch häufiger ganz anstelle von Goldman. Und schließlich kannte ich das Buch noch aus Science-Fiction-Literaturgeschichten: Bei den Dystopien und Apokalypsen wird auch gerne mal Lord of the Flies aufgezählt. Immerhin spielt das Buch vor dem Hintergrund eines eben ausgebrochenen, möglicherweise atomaren Krieges. Ein Freund und Mitschüler war …

Über den Tod

Es war zwar schon im Deutsch-LK-Blog, aber weil’s so schön ist, hier gleich nochmal: Protokoll zum Deutsch-LK im Stil der Lektüre (Wolf Haas, Komm, süßer Tod) [-von einer Schülerin-] Jetzt ham sie doch glatt erst die zweite Unterrichtsstunde zum Wolf Haas und seinem SÜSSEN TOD, und gleich wieder eine echt riesige Diskussion gehabt. Über den Erzähler vom TOD und wie der sich so macht und und und. Aber nicht dass du jetzt denkst, das ist alles so einfach, das mit dem Erzähler. Einfach wärs ja, wenn der Erzähler, der uns im Buch über all die Morde auf dem Laufenden hält, …

Neil Gaiman: Coraline

Ich empfehle das Buch als Schülerlektüre ab der 9. Klasse oder späten 8. Klasse am Gymnasium. Ich habe nichts gegen für Sprachlerner bearbeitete Fassungen von Büchern und verwende sie selber auch häufig. Trotzdem suche ich ständig nach englischsprachigen Büchern, die ich in der Originalfassung verwenden kann. Dabei ist es schwer, ein Buch zu finden, das vom sprachlichen Schwierigkeitsgrad und vom Inhalt gleichzeitig passt. Das ist aber so eines. Coraline habe ich noch nicht mit einer Klasse gelesen, aber bereits fünf Schülern meiner aktuellen achten Klasse geliehen – starken und schwächeren, aber auf jeden Fall freiwilligen. Die Klasse ist sehr motiviert …

Roddy Doyle: The Giggler Treatment

Die Prämisse: Es gibt kleine Wesen, nicht unsichtbar, aber doch sehr gut im Tarnen und Verschwinden, die den Erwachsenen immer dann Streiche spielen, wenn diese ihre Kinder ungerecht behandelt haben. Mr Mack war garstig zu seinen Söhnen, und deshalb haben die Giggler unter Mitarbeit des Hundes der Familie ein schönes Hundehäufchen dort platziert, wo der Vater auf dem Weg in die Arbeit garantiert hintreten wird. Schon ist der arme Mann nur noch wenige Schritte davon entfernt. Da stellt sich die Kränkung als rasch bereutes Missverständnis und gar nicht so schlimm heraus. Wird es den Gigglern gelingen, den Mann vor dem …

Der Meister des jüngsten Tages

Nach der Lektüre von Effi Briest wollte ich meinem Grundkurs etwas leichtere Kost zumuten: Einen Roman von 1923, Der Meister des jüngsten Tages von Leo Perutz. (Irgendeinen Roman aus dieser Zeit muss man laut Lehrplan mehr oder weniger lesen.) Wie es sich gehört, beginnt der Roman mit einem Vorwort des Erzählers, der jene grauenhafte Ereignisse im Herbste 1909 niedergeschrieben hat und betont, die volle Wahrheit geschrieben zu haben. Das Nachwort wiederum identifiziert die vorhergegangenen Seiten als Papiere aus dem Nachlass des Erzählers, Freiherrn von Yosch: “Natürlich, eine alte Handschrift”, wie Eco sagt. Der Bericht sei eher ein Roman, einem verwirrten …