Die Normalverteilung, Teil 1

Aus Gründen, die ich in einem folgenden Blogeintrag erklären werde, habe ich mich neulich etwas mit der Normalverteilung beschäftigt. Die wird gerne mal von Lehrern und Eltern im Mund geführt. Ich entschuldige mich gleich vorab bei allen Statistik-Erstsemestern, für die das hier alles olle Kamellen sind. Und sicher habe ich auch einige Fehler in meinen Überlegungen; man darf mich gerne darauf hinweisen. Nehmen wir mal an, wir haben 300 Spieler. Jeder Spieler würfelt 10 mal mit einem Würfel und zählt zusammen, was herauskommt. Es wird wahrscheinlich kaum einen Spieler geben, bei dem das Minimum 10 herauskommt oder das Maximum 60, … Continue reading „Die Normalverteilung, Teil 1“

Die Wörter und die Dinge

Ich bin mit dem Deutsch-Leistungskurs an der Jahrhundertwende angelangt – Gegenströmungen zum Naturalismus, also Impressionismus und Symbolismus und fin de siècle und l’art pour l’art (statt: Kunst = Natur – X, wie wir im Deutschgeschäft sagen) und Stefan George und Rilke und Hofmannsthal. Eine Zeit, die ich mag. Ein Thema der Zeit: Abkehr von der realistisch-naturalistischen Wirklichkeitswiedergabe durch die Kunst: Die Kunst will jetzt aus dem Naturalismus fort und sucht Neues. Niemand weiß noch, was es werden möchte; der Drang ist ungestalt und wirr; er tastet ohne Rath nach vielen Dingen und findet sich nirgends. Nur fort, um je­den Preis … Continue reading „Die Wörter und die Dinge“

Schule 1.0 – Das Herbarium

Habe ich schnell beim Kollegen stibitzt: 6. Klasse Biologie, auch bekannt als Naturundtechnik. Die Schüler erhielten einen Auftrag, eine Anleitung und reichlich Zeit dazu, ein Herbarium anzulegen – eine Sammlung von Wiesenblumen mit deren Bestimmung. Eine Schülerin hat ihres letzte Woche schon vor dem Termin abgegeben, und da habe ich es mir ausgeliehen und darin geblättert. Ein dicker Hefter DIN A 4 mit Folien drin: Frau Rau zeigt mir ja tatsächlich ein- oder zweimal im Jahr eine Blumenwiese, und viele gelb blühenden Pflanzen kann ich auch bestimmen. Na ja, manche. Es interessiert mich jedenfalls. Wir haben beide im Buch geblättert … Continue reading „Schule 1.0 – Das Herbarium“

Aberglaube

Der Lehrerfreund bringt eine kurze Nachricht, dass die Skeptikervereinigung GWUP herausgefunden hat, dass auffällig viele Lehrer und Erzieher zu den Anhängern obskurer Theorien gehöen. Hat mich nicht überrascht. (Offenlegung: Ich kannte die GWUP schon und habe auch schon eines ihrer Bücher mit Genuss und Belehrung gelesen.) Siehe dazu auch bei den Science Blogs: Esoterik im Biomarkt. Der Autor stellt dort nur fest, dass es so ist und bringt viele Beispiele. Warum das so ist, wird in den Kommentaren diskutiert.

Charles Darwin zum Geburtstag

Charles Darwin wird heute 200 Jahre alt. Vor ein paar Jahren habe ich sein The Origin of Species gelesen. Es hat mich überrascht, wie spannend, leicht nachzuvollziehen und wunderbar logisch und konsequent es aufgebaut war. Besonders spannend war es, Wissenschaft beim Entstehen zuzuschauen: Darwin gesteht freimütig ein, wenn er einen Zusammenhang noch nicht erklären kann, wenn es Lücken in seiner Argumentation gibt. Mit dem heutigen Wissen (etwa um Gene und Vererbung) ist es leicht, manche dieser Lücken zu schließen, und eben das lässt den Respekt vor Darwins Leistung wachsen. (Ähnlich ging es mir mit Leonard Eulers „Briefen an ein eine … Continue reading „Charles Darwin zum Geburtstag“

Life (der Zellautomat)

Es gibt eine Art Computerspiel namens Life, nach dem Erfinder auch Conway’s Game of Life genannt. Man spielt nicht selber mit, sondern man setzt ein paar Zellen in eine leere Welt und schaut zu, wie sie sich vermehren oder sterben. Das sieht zum Beispiel so aus: https://www.herr-rau.de/wordpress/archiv/life.flv Die Regeln für das Überleben, Fortpflanzen und Sterben lauten so: Fortplanzung: Hat eine unbesetzte Zelle genau drei lebende Nachbarn (in den acht umgebenden Feldern), dann entsteht in der nächsten Generation dort eine neue lebende Zelle. Leben oder Tod: Eine lebende Zelle mit genau 2 oder 3 Nachbarn überlebt in die nächste Generation. Bei … Continue reading „Life (der Zellautomat)“

Das Braess-Paradoxon

(Aus der Reihe: Alles muss raus. Angefangene Blogbeiträge des Jahrs 2008 aufräumen. Diesmal wohl nur für Mathematikfreunde.) Vieles zum Braess-Paradoxon steht in Wikipedia. Auch die Illustrationen in diesem Blogbeitrag habe ich daraus genommen (Autor AlterVista, CC-BY 3.0, Details hitner demLink). Eigentlich wollte ich das selber und anders zeichnen, aber ich komme wohl doch nicht dazu. Der Kern des scheinbaren Paradoxons ist der, dass eine Situation verschlechtert werden kann, wenn man eine weitere, optionale Alternative anbietet. Man baut zum Beispiel eine neue, zusätzliche Straße, und es gibt mehr Staus. Oder auch umgekehrt: man sperrt eine vorhandene Straße, und plötzlich kommen alle … Continue reading „Das Braess-Paradoxon“

Efronsche Würfel

(Auch wenn Wikipedia und weitere Fundstellen „Efrons Würfel“ dazu sagen: Zumindest in der Überschrift bleibe ich bei der Version, an die ich mich gewöhnt habe.) Ein bisschen Mathematik: Wenn Groucho älter ist als Chico, und Chico älter als Harpo, dann ist Groucho auch älter Harpo. So ist es in der wirklichen Welt, und in der Mathematik heißt das, dass „älter sein“ eine transitive Beziehung ist. Dass „älter sein“ transitiv ist, ist einleuchtend. Aber nicht alle Beziehungen sind transitiv, und das widerspricht manchmal der Intuition. So zum Beispiel „besser sein“, im Sinne von Fußballmannschaften oder Schülern. Wenn A eine bessere Mannschaft … Continue reading „Efronsche Würfel“

Kognitive Dissonanz

Ich lese gerade Mistakes were made (but not by me) von Carol Tavris und Elliot Aronson. Untertitel: „Why we justify foolish beliefs, bad decisions, and hurtful acts“. Ich bin erst am Anfang, will aber trotzdem jetzt schon ein paar Gedanken dazu loswerden. „Kognitive Dissonanz„, so Wikipedia, ist „eine Theorie, die erklärt, wie durch miteinander unvereinbare Kognitionen – Wahrnehmungen, Gedanken, Meinungen, Einstellungen, Wünsche oder Absichten – innere Konflikte entstehen, die Vermeidungsreaktionen oder andere zur Verminderung dieser Konflikte geeignete Handlungen hervorrufen.“ Solche unvereinbaren Beobachtungen sind zum Beispiel: a) ich bin ein ehrlicher Mensch und b) ich betrüge bei meiner Steuererklärung. Oder der … Continue reading „Kognitive Dissonanz“