Lesbarkeitsindizes

Synchronizität: Lese gerade im BildungsBlog von www.seittest.de. Dort kann man automatisiert Webseiten bewerten lassen. Für www.herr-rau.de/wordpress sieht die Zusammenfassung dann so aus:

Inhaltliche Prüfung (50%): gut (Die Inhalte sind sachlich und von guter Qualität.)
SPAM-Prüfung (25%): sehr gut (Kaum Werbung und keine Belästigung durch SPAM.)
Autorität (25%): ungenügend (Die Seite wird von nur sehr wenigen vorbildlichen Webpseiten [sic] empfohlen.)

Nu, wie sinnvoll das ist, darüber mache ich mir nicht viele Gedanken. Immerhin: Inhalte von guter Qualität. Interessanter sind die Details der Auswertung:

Sprach-Niveau: sehr hoch
Rechtschreibfehler: 0 (0%)

Für die wenigen Rechtschreibfehler kriege ich immerhin 3 von 3 Punkten. Am interessanten ist für mich aber der Lesbarkeitsindex der Seite:

Lesbarkeit (FRE): 87

Bei Wikipedia kann man sich über Lesbarkeitsindizes informieren. (Ist das der korrekte Plural?) Auch der BildungsBlog-Eintrag oben schreibt etwas dazu. FRE steht für Flesch Reading Ease, ein “numerischer Wert für die Lesbarkeit, der aus einem Text berechnet werden kann. Je höher ihr Wert ist, desto leichter verständlich ist der Text. Gut verständliche Texte weisen einen Wert von etwa 60 bis 70 auf.” Da liege ich mit meinen 87 ja recht gut.

Allerdings ist die Formel für FREdeutsch eine andere, und ich weiß auch nicht, ob von www.seittest.de das Menü oder die Tag-Wolke mitgezählt werden. Und wie zuverlässig der FRE-Wert ist, weiß ich ebenfalls nicht. Alternativ gibt es auch noch die Wiener Sachtextformel, ebenfalls bei Wikipedia nachzulesen.

Ich habe in den letzten Tagen ein Arbeitsblatt für meine Schüler gemacht, ausgehend von folgendem keinesfalls untypischen Satz in einem Übungsaufsatz (es geht um Sophokles’ König Ödipus):

Im Gegensatz dazu steht seine Frau Jokaste, die erst erfreut über die Meldung des Boten, dass Polybos, der Ziehvater von Ödipus, verstorben sei und somit die Angst ihres Mannes, den eigenen Vater zu töten, unbegründet ist, ist, dann jedoch durch die Schilderung des Boten über seine Bekanntschaft mit Ödipus bemerkt, dass sie durchaus eine weit engere Beziehung zu ihrem Mann haben könnte, als sie es zunächst vermutet hatte.

Das Arbeitsblatt kann man hier herunterladen, aus ideologischen Gründen als OpenDocument-Dokument (das heißt: Open Office). Sein Inhalt: Nach einem Überblick über durchschnittliche Satzlängen in verschiedenen Quellen sollen die Schüler die durchschnittliche Satzlänge ihres Übungsaufsatzes errechnen, sollen danach zwei Bandwurmsätze sortieren und schließlich mit der Wiener Sachtextformel den Lesbarkeitsindex für ihren Text ermitteln.
Ich weiß nicht mehr darüber, als bei Wikipedia steht; die Formel gibt in etwa aus, wieviele Schuljahre man haben muss, um den Text zu verstehen.

Sehr gerne würde ich eine Facharbeit dazu vergeben, den LK dazu habe ich auch. Aber Schüler scheuen im weitesten Sinn sprachwissenschaftliche Themen, fürchte ich, vielleicht kann ich es aber doch schmackhaft machen. Das biete sich doch an: Ein kurzer Überblick über konkurrierende Indizes, über deren theoretische Begründung, und ein praktischer Teil mit Anwendung auf einen sehr kleinen Korpus einer zu wählenden Textsorte (gerne Obertstufenaufsätze). Am Schluss Bewertung der Resultate anhand eigener Einschätzung oder vielleicht auch einer Befragung.

Nachtrag: Antikörperchen, Autor des BildungsBlog-Beitrags, führt eine tolle Gedicht- und Interpretationssammlung (hier schon irgendwann mal verlinkt, glaube ich) mit Kommentaren, Bewertung und Lesbarkeitsindex dazu: http://lyrik.antikoerperchen.de/uebersicht.html. Sehr spannend.

Reden (und Interviews)

In der 9. Klasse Deutsch wird dieses Jahr die erste Schulaufgabe eine Rede sein – eine verkappte Erörterung eigentlich, aber halt eine mit einem Adressaten, eingebettet in eine Situation, wenn auch beides nur fiktiv. Argumentieren müssen die Schüler in einer Rede schließlich auch, und das ist das Wichtigste, das sie bei der Erörterung lernen.

Das Schulbuch unterscheidet zwischen Reden mit Informations- und Appellcharakter sowie Reden zu einem gegeben feierlichen Anlass. Ein Beispiel darin ist eine Scherzrede von Loriot zum Thema “Spenden für notleidende Vampire”.

Nach diesem Vorbild sollten die Schüler erst einmal eine ähnliche Rede schreiben – mit dem Computer zu Hause. Im Computerraum habe ich den Schülern danach das Formatieren auf Zeilenabstand 1 1/2, Schriftgröße 12 pt gezeigt und auf die Vor- und Nachteile der automatischen Rechtschreibkorrektur hingewiesen. Dort mussten die Schüler Klimax, Parallelismus, Anapher einbauen und in den Tagen danach wurden die ersten Reden im Klassenzimmer vorgetragen. Das hörte sich dann so an wie bei dieser Rede zum Schutz der Backwaren:

Schön finde ich vor allem die Neologismen. “Erdmarzipänchen” ist wirklich neu, im Web habe ich es jedenfalls noch nicht gefunden. Üben müssen wir noch die Vortragsweise. Der Schüler hatte aber eben auch kein Manuskript mit Zeilenabstand 1 1/2 vor sich.

– Fußnote, weil auch im Schul-Podcast: Letztes Jahr studierte ein Schüler unserer Schule an der Uni ein schon bisschen Informatik. Die TU München bietet nämlich ein Informatik-Frühstudium für begabte Schülerinnen und Schüler an, damit die schon ein bisschen Universitätsluft schnuppern können: An zwei Nachmittagen in der Woche gibt es reguläre Vorlesungen und Praktika, dazu viel webbasiertes Arbeiten. Die Schüler schreiben Klausuren und sammeln dadurch – falls sie später mal an der TU Informatik studieren wollen – bereits Credits für das Bachelor-Studium. Aber natürlich ist das auch interessant, wenn man später etwas anderes studiert. Informatik-Grundkenntnisse kann man immer brauchen

Zwei Neuntklässler haben letztes Jahr ein Interview mit diesem Schüler geführt und ihn zu seinen Erfahrungen befragt:

Ich hätte mich über eine positivere Rückmeldung gefreut, aber man kann nun mal nicht alles haben. Das Interview ist jedenfalls gelungen, finde ich.

Testerei

VERA 8

Im März finden Vergleichsarbeiten in der 8. Klasse in Deutsch, Englisch und Mathematik statt: VERA 8. Fast alle Bundesländer beteiligen sich daran. Die Tests werden vom IQB in Berlin (an der Humbolt-Universität) erstellt; auf deren Seite dazu gibt es erste Beispielaufgaben. Die Tests orientieren sich an den von der KMK beschlossenen Bildungsstandards. Deswegen dürfen die Tests zumindest in Bayern nicht benotet werden: Da die gleichen Aufgaben für verschiedene Bundesländer genommen werden, kann man nicht garantieren, dass zu diesem Zeitpunkt jeweils schon alles im Lehrplan vorkam. (Schleswig-Holstein geht den interessanten Weg, dass wegen des erhöhten Arbeitsaufwands VERA 8 eine Schulaufgabe ersetzt – das heißt, der Test wird auch nicht benotet, aber dafür gibt’s eine Schulaufgabe weniger.)

Für Bayern gibt es bei der QA eine Informationsseite. Noch steht da nicht viel, aber das wird sich hoffentlich mal ändern.

Ich erwähne das deshalb, weil ich in einem Arbeitskreis sitze, der in gewissem Umfang zur Vermittlung von VERA 8 in Bayern beitragen soll. Meine dadurch entstandene kognitive Dissonanz ist erfolgreich reduziert, so dass ich jetzt den Tests viel Gutes abgewinnen kann – neben einigen Punkten, die mich noch nicht überzeugen. Wir sammeln gerade Material für ein FAQ, ich würde mich also freuen, wenn ich jetzt schon Fragen dazu kriegen würde. Antworten kann ich aber nur insoweit geben, als es öffentlich zugängliches Material im Web betrifft, ich bin schließlich nicht der Sprecher des Arbeitskreises.

Das IQB ist das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen, länderfinanziert, in Berlin. Das ISB ist eine dem bayerischen Kultusministerium nachgeordnete Behörde, sozusagen dessen pädagogischer Arm. Entscheidungen werden allerdings von den Politikern getroffen. Die QA (Qualitätsagentur) in Bayern ist so etwas ähnliches wie das IQB auf Landesebene.

Jahrgangsstufentest Englisch

Vor gut zwei Wochen sind die diesjährigen Jahrgangsstufentests in Bayern geschrieben worden. Englisch interessiert mich dabei besonders, weil ich an der Entwicklung beteiligt war. (ISB-Seite zu Englisch, mit Material und Informationen zu den Tests.)

Über den Zehntklasstest habe ich nicht viel gehört im Lehrerzimmer: der Leseverstehensteil sei zu leicht gewesen, das Hörverstehen angemessen, gut die Übung im sprachpraktischen Teil, bei der man kurze Passagen den korrekten Stellen im Text zuordnen musste.

Über den Sechstklasstest hieß es: Grammatik viel, viel zu leicht (“im Vergleich zum letzten Jahr”); beim Hörverstehen beklagte ein Kollege, dass eine Multiple-Choice-Antwort mehrdeutig sei; die Mediation erfordere zu hohen Korrekturaufwand und sei zu schwer zu korrigieren. Außerdem störten die Zwischenüberschriften, die den Schülertext strukturieren sollten. Kernproblem: Die Leistungen zweier Schüler seien schwer zu vergleichen, wenn der eine versucht hat, eine Information mitzuteilen, dabei aber viele Fehler gemacht hat; der andere sich auf weniger Informationen beschränkt, dafür auch weniger Fehler hat.

Lösungsvorschläge: Schwerere Grammatik, und Grammatik mehr gewichten. Mediation kürzer mit eindeutigeren Vorgaben, was da sein muss und was weggelassen werden darf. Oder einfach strengerer Punkteschritt. (Allerdings sieht jede Veränderung dort gleich nach Manipulation hinsichtlich gewünschter Ergebnisse aus.)

Wie gesagt, das sind nur die Meinungen aus dem Lehrerzimmer meiner Schule. Bei der zuständigen Fachrefrentin am ISB werden sicher mehr Rückmeldungen eingehen. Sobald die Daten zu den einzelnen Aufgaben eingehen, macht irgendjemand eine Auswertung, welche Aufgabe bayernweit zu wieviel Prozent gelöst wurde; diese Rückmeldung geht dann ins Web und an die Schulen, auf dass die Fachlehrer sich Gedanken über ungewöhnliche Abweichungen machen.

Doppelter Abiturjahrgang 2011

Bei den aktuellen 11. Klassen des G9 wird die 13. Jahrgangsstufe noch kürzer ausfallen als üblich, da das Abitur zwei Monate früher, nämlich im März und April 2011 stattfindet – damit die aktuellen 10. Klassen des G8 im Mai und Juni das ihre schreiben können. (Über die Mehrbelastung vor allem der Deutschlehrer sollten sich Kultusministerium und Schulleiter eigentlich schon mal Gedanken machen.) Musteraufgaben fürs G8 gibt’s hier, neu ist die Liste der Kürzungen fürs G9:

Englisch
Folgende bereits in den Jahrgangsstufen 10 bzw. 11 angesprochene Themenkomplexe werden nicht Schwerpunkt der Abiturprüfung 2011, Grundwissen aus den vorhergehenden Jahrgangsstufen ist jedoch erforderlich.
Grundkurs
Jahrgangsstufe 12: Beziehungen zwischen dem UK bzw. den USA und Europa
Jahrgangsstufe 13: Natur und Umwelt
Leistungskurs
Jahrgangsstufe 13: Erziehung; ein weiteres wichtiges Land der englischsprachigen Welt

Im Fach Deutsch sieht die Liste wesentlich länger aus, aber die Realität der Lehrplanumsetzung ist ohnehin eine andere.

LdL und Vernetzung im Web

Wer’s noch nicht gesehen hat: Christian Spannagel beschreibt in einem Blog-Eintrag, wie sich auf beeindruckende Weise in einem Seminar zur Didaktik der Informatik LdL (Lernen durch Lehren) und Web (Twitter, Wiki, Forum, Blog), Universitätsseminar und Schulklassen, Lehrer und Schüler mischen und ergänzen.

Dafür braucht man: Plattformen zum Austauschen, Kontakte, und die Fähigkeit, mit den Werkzeugen des Web umzugehen. (Und Inhalte, die man außerhalb des Webs erwirbt. Aber als Ort und Möglichkeit des Austausches ist das Web einzigartig.)

Siezen

Ich könnte heute die ganze Welt siezen. Bisher mache ich das nur mit dem LK, aber bei meiner 9. ist mir das in einer Stunde danach auch schon herausgerutscht. Fühlte sich richtig an.

(Das war früher anders, da wollten die LKs nie. Diesmal habe ich es vorgeschlagen und sie waren auch dafür, und das läuft gut so.)

Fortbildung: Informatik-Pool

Ich unterrichte gerade eine 10. Klasse in Informatik. Der Stoff macht Spaß, ist anspruchsvoll und doch greifbar für die Schüler, hoffe ich. Das Fach wird in Bayern zum ersten Mal regulär in diesem Jahrgang unterrichtet, und Ende des letzten Schuljahrs war ich dazu an zwei Tagen auf einer Fortbildung.

Diese Fortbildung nutzt mir im Alltag sehr. Veranstaltet wurde sie von der Uni München, sie war zwar lehrwerksunabhängig, aber doch an einem Lehrwerk und dem Konzept dahinter orientiert – Kunststück, das Lehrwerk wurde an dieser Uni erstellt, und natürlich halten die ihr Konzept für ein gutes. Ich finde das legitim, aber es gab wohl auch Beschwerden deswegen.

Hauptsächlich bestand die Fortbildung darin, dass die Teilnehmer kleine Gruppen bildeten, sich jeweils ein Kapitel des Lehrwerks vornahmen und: Musterlösungen zu Aufgaben erstellten, didaktische Konzepte zur Umsetzung formulierten, zusätzliche Aufgaben bastelten oder Probleme aufzeigten – die Art unserer Ergebnisse war frei. Jedes Kapitel wurde dabei unabhängig voneinander von mehreren Gruppen bearbeitet.

Das fand alles in einem Computerraum statt. Die Gruppen mussten ihre Ergebnisse festhalten – als Grafik- oder Textdokument, als Diagramm oder ausführbarer Code. Die gängige Software dazu war vorhanden, ebenso die Standardwerkzeuge im Informatik-Unterricht. Auch die Lehrer, die noch nicht mit den Programmen vertraut waren, kamen schnell zurecht. (Es ist so schön, wenn man keine Scheu vor Werkzeugen hat.)

Diese Ergebnisse wurden alle ins Internet hochgeladen. (In eine Moodleinstallation, bei der wir uns vor Beginn der Fortbildung angemeldet hatten. Hätte aber auch ein Wiki oder irgendetwas anderes sein können. Für die Zukunft: Konventionen für die Dateinamen vorschlagen.)
Manche davon sind uninteressant, manche bringen mir gar nichts, manche sind ausgezeichnet. Sachen, auf die ich nie gekommen wäre. Ich habe das erst vor wenigen Wochen gemerkt, als ich diesen Pool durchgegangen bin. Und mir nutzen die vielen festgehaltenen Gedanken sehr. Es ist eine Fülle an Material.

Vielleicht ist dann ein gutes Konzept für einen Material- und Ideenpool: Die Teilnehmer in einen Raum stecken und Ergebnisse in weiterreichbarer Form verlangen. Wenn man muss, dann kann man auch, und am Schluss gibt es einen großen Vorrat an Material, von dem man nicht vorher sagen kann oder muss, was genau man brauchen kann und was nicht.

Eine Orientierung an einem Lehrwerk oder an einem Thema muss dabei wohl sein. Das kann aber auch “Romantik” heißen oder “Satzbau” oder “Iphigenie”.

Panoramabilder 2

(Fortsetzung von gestern.) Ein kleiner Exkurs zur Geometrie des Panoramas. Grundsätzlich gibt es nämlich das Problem, dass man so ein zusammengesetztes Bild, das von einem einzigen Standpunkt aus aufgenommen wurde, nicht verzerrungsfrei zusammensetzen kann. Ein Beispiel aus drei Bildern, der linken, mittleren und rechten Seite einer vollen Aula:

  

Man beachte die unterschiedliche Neigung jeweils der Bühnenkante. Wenn man diese Bilder aneinanderklebt und auf eine Fläche legt, gibt es Verzerrungen. Entweder, man lässt alle geraden Linien (Bühnenkante, Plakate rechts) gerade bleiben, dann werden die Flächen verzerrt. Das sieht dann so aus:

Die Flächen an der Seite werden dabei verzerrt. Oder man lässt die Flächen einigermaßen gleich, dann werden die Linien an den Rändern krumm:

Von diesen Projektionsweisen gibt es viele Varianten. Wer wie ich früher die letzten Seiten im Schulatlas spannend fand, der kennt das: Mercator-Projektion und so weiter.

Der Extremfall unter den Panoramen ist das 360-Grad-Bild. Mit einem Fischauge-Objektiv reicht dafür eine Aufnahme jeweils von Nord, Ost, Süd, West; mit meinem Weitwinkel brauche ich acht Bilder (jeweils um 45 Grad gedreht); mit einem anderen Objektiv braucht man vielleicht sechs oder zehn Aufnahmen. Wenn man die hat, kann man sie von Hugin zusammensetzen lassen. Häufig nimmt man dazu die zylindrische Projektion. Dabei werden die Bilder quasi nebeneinander auf die Innenseite eines Zylinders geklebt. Ausgeschnitten und flachgedrückt sieht das dann so aus:

Das Bild stammt vom Königsplatz in München, letzte Woche aufgenommen. Die Gebäude (Antikensammlung, Propyläen, Glyptothek) befinden sich jeweils etwa im Norden, Westen und Süden; im Osten geht die Straße weiter.
Man beachte die nach oben und unten gewölbten Begrenzungen, die typisch für diese Projektion sind. Wenn man sich diese Bilder vom Mittelpunkt des Zylinders aus betrachtet vorstellt, verschwinden diese Wölbungen. Mit verschiedenen Plugins kann man solche 360-Grad-Aufnahmen dann darstellen, sich darin bewegen, manchmal auch hinein-und herauszoomen. Hier ist die obige Projektion umgeformt in einen QuicktimeVR-Film. Man ist jetzt quasi in der Mitte des Zylinders und schaut auf die Innenwände:

Nachtrag: Funktioniert nicht mehr, hier wäre die Datei:
https://www.herr-rau.de/wordpress/archiv/pano_koenigsplatz_klein.mov
– die sich aber nicht so einfach darstellen lässt.

Es geht aber noch besser. Man kann bei den Rundumaufnahmen auch das Oben und Unten noch dazu nehmen und das entstandene zusammengesetzte Bild dann auf die Innenfläche einer Kugel (statt eines Zylinders) projizieren.

Wieder der Königsplatz: Acht Fotos in der Horizontalen, keine in der oberen Hemisphäre und fünf für die untere Hemisphäre – auch da wären es besser acht gewesen.

An einer Stelle sieht man, dass Hugin die Bilder nicht genau aneinander fügen konnte. Da hätte ich nacharbeiten müssen. Außerdem sieht man meine Schuhspitzen – ein unvermeidbarer Effekt, irgendwo muss ich schließlich stehen. Die kann man natürlich auch löschen.
In der horizontalen Mitte des Bildes sieht man wieder die bekannte 360-Grad-Aufnahme vom Königsplatz. Ich stehe am Straßenrand, schöner wäre das Bild, hätte ich mich mitten auf die Straße gestellt. Aber das wusste ich damals noch nicht.

Man sieht es nicht gleich, aber der linke und der rechte Rand des Bildes passen genau in einander, und vor allem: der untere Rand passt zu sich. (Der obere auch, klar, im Moment ist er schwarz.) Wenn das Bild aus Gummi wäre, dann könnte man die Innen- oder Außenfläche einer Kugel damit tapezieren und alles würde nahtlos passen.

Woher das viele Schwarz? Entschuldigung, das ist meine Schuld, aber didaktisch vielleicht gar nicht blöd. Das obere Drittel ist schwarz, weil ich darauf verzichtet habe, den Himmel zu fotographieren – die obere Hemisphäre, um genau zu sein. Dort müssten eigentlich Wolken zu sehen sein, die nach oben hin immer verzerrter aussehen. Vom Boden, also der unteren Halbkugel, habe ich Bilder gemacht – aber zu wenige, nur von der einen Achse und nicht von der anderen. Darum gibt es Lücken im Boden, das sind die zwei schwarzen Flächen darin.

Was kann man mit dieser sphärischen Projektion jetzt anfangen? Man könnte wieder so eine Art Videofilm erstellen, nur dass man jetzt in der Mitte der Kugel wäre und nicht mehr im Zylinder. Oder man kann einen kleinen Planeten erschaffen:

Und das geht so: Mit dem kostenlosen Gimp oder mit Photoshop rechnet man das Bild um, und zwar unter dem Menüpunkt Filter/Verzerren/Polarkoordinaten. Wenn eine Kugel daraus werden soll und kein Ei, dann muss man das Bild erst auf eine quadratische Grundfläche verzerren und, aus technischen Gründen, um 180 Grad drehen.
Der Filter rechnet das Bild dann derart um, dass die gesamte untere Kante des ursprünglichen quadratischen Bildes zum Zentrum des neuen Bildes wird (zum Zentrum des Kreises), und die gesamte obere Kante des ursprünglichen Bildes zum Umfang des neuen Bildes (also alle vier Seiten).

(Das geht auch mit einem schlichten 360-Grad-Panorama ohne Zenith und Nadir, aber dann wird die Mitte hässlich verzerrt.)

Wer wissen, will, wie man das richtig gut einsetzt, schaut sich zum Beispiel diesen Alice-Planeten an:

(Hamburger Jung, CC-Lizenz BY-NC-SA, Details siehe Link)

Da passt die Technik auch gut zum Motiv. Die sozusagen flache Version, ebenfalls sehr sehenswert, gibt es hier.

Vom gleichen Fotographen gibt es auch noch weitere Planeten, zum Beispiel den:

(Hamburger Jung, CC-Lizenz BY-NC-SA, Details siehe Link)

Toll gemacht. Irgendwann, wenn ich Zeit habe… ein paar Mathe-Facharbeiten könnten auch rausspringen. Oder ein Kunst-Mathe-P-Seminar: Theorie und Praxis der sphärischen Projektion, gekrönt von einer Ausstellung.


Mehr zu sehen gibt es bei Pan-O-Rama.

Bessere Anleitungen als dieser kurze Überblick: gibt es vielerorts, für mich sehr gut war dieses. Dort kann man auch die Beispielbilder herunterladen, zum Beispiel sechs Fischaugebilder, die man in Hugin zusammensetzt. Dann in Gimp a) zu einer quadratischen Fläche verzerren, b) um 180 Grad drehen und c) Filter/Verzerren/Polarkoordinaten anwenden. Es funktioniert tatsächlich.

Panoramabilder 1

Ein sehr gutes Programm zum Erstellen von Panoramabildern ist Hugin. (Genau genommen ist es eine grafische Schnittstelle zu einigen anderen, selbstständigen Programmen zum Zusammensetzen, zum Finden identischer Punkte in den Bildern, zum Verbiegen und Belichten und Überblenden.) Hugin macht vieles automatisch, man kann außerdem manuell eingreifen. Aber auch ohne Hilfe kann Hugin sechs Urlaubsbilder zu folgendem Panoramabild zusammensetzen:

Leider merkt man so gleich, dass ich an einer Stelle eine Lücke gelassen habe: der schwarze Spalt in der Mitte unten. Den könnte ich vielleicht nachbessern, aber eigentlich muss man schon alles fotographieren, was man auf dem Bild haben möchte. Erfinden sollte Hugin nichts müssen.

Bei diesem meinem Glaspavillon frage ich mich: Warum tritt man nicht gleich ein paar Meter zurück oder benutzt ein Superweitwinkel- oder ein Fischauge-Objektiv? Erstens, weil ich das nicht habe, zweitens, weil da manchmal kein Platz ist zum Zurücktreten. Das Bild oben sieht ja auch nicht sehr nach Panorama aus – anders ist es bei folgenden Bildern, beide fürs Blog stark verkleinert:

- So schön diese Panoramen sein können (und es gibt viele schöne, zu sehen unter anderem in diesem Blog, auf das ich im nächsten Eintrag zurückkommen möchte), so schön sind aber auch unvollständig zusammengesetzte Bilder. Manchmal sind sie sogar noch schöner. Der britische Künstler David Hockney hat in den 80ern aus einzelnen Fotos ganz tolle Bilder zusammengesetzt: hier und hier. Beide Beispiele zählen nicht zu meinen Lieblingscollagen von Hockney, da gibt es viel bessere, einige auf Hockneys offizieller Seite: Es gibt eine ganze Reihe von Ganzkörperportraits, zusammengesetzt aus Polaroidbildern – durch das quadratische Format der Bilder und die weißen Ränder gibt es einen interessanten flirrenden Effekt. Sieht im Bildband allerdings weit besser aus als online.

Mein Favorit ist nicht dabei: “Billy Wilder lighting his Cigar” (kleines Bild), eine Collage aus sechs Bildern. Es ist vielleicht nicht nachvollziehbar, ist schon für mich fast nur noch Erinnerung: als ich vor fünfzehn Jahren beim Stöbern in einem Hockney-Bildband unvermittelt auf dieses Bild stieß, hatte ich – na ja, vielleicht keine Epiphanie, weil mir schließlich nichts klar geworden ist, aber doch einen intensiven Moment. Die Franzosen haben bestimmt ein Wort dafür. Das Besondere an dem Bild, damals, für mich, war, wie in wenigen Bildern eine ganze Bewegung festgehalten war. Wie ein Film, den man auf einen Blick sieht. Eben weil das Bild kein Panorama zeigt, sondern Facetten. (Wie ja überhaupt die Hockney-Collagen nahe am Kubismus sind, so wie ich ihn laienhaft verstehe.)

Einen ähnlichen Momente hatte ich einmal beim Lesen eines Haikus. Das war in England, auch vor fünfzehn Jahren. (Das bedeutet vermutlich was.) Den Zusammenhang weiß ich nicht mehr, es ging nicht um japanische Lyrik als solche, aber vielleicht um Lyrik des Imagismus. Es war jedenfalls in einem literatur- oder vielleicht auch kognitionstheoretischen Buch, in dem ich auf folgende Übersetzung eines Haiku stieß:

The fallen blossom flies back to the branch:
                            A butterfly.
Moritake

Der Autor ist Arakida Moritake, der Haiku berühmt und in vielen Versionen übersetzt. Auch hier war es für mich eine Offenbarung, wie ich die in aufeinanderfolgenden Zeilen geschilderte Bewegung scheinbar auf einmal wahrnahm.

(Einen ähnlichen, aber nicht unmittelbaren, Moment der Offenbarung, was die Darstellung von zeitlicher Folge betrifft, kenne ich noch aus einem Gary-Larson-Cartoon: Engel und Teufel auf gegenüberliegenden Rolltreppen, der Engel mit einem Kuchen im Gesicht. Man liest den Cartoon natürlich von links nach rechts, aber um sich den Kuchen im Gesicht zu erklären, muss man ein paar Sekunden zurück in die Vergangenheit, als Engel und Teufel noch jeweils in der anderen Bildhälfte waren.)

Sperrvermerk

Heute erst kurz vor 22 Uhr nach Hause gekommen, den ganzen Tag in der Schule verbracht, danach Klassenelternabend. In der Schule nur mageres Internet – manches funktioniert noch nicht, um so besser der Webfilter, der mich an so gut wie nichts heranlässt. (Wird irgendwann mal abgestellt. Noch ist aber nichts mit Twitter oder Flickr oder Antville.)

Deswegen jetzt erst Feedreader. Mich schreit eine Überschrift des KuMi an:

BITTE NOCH NICHT VERWENDENAKTUALISIERTE VERSION WIRD AM FREITAG, 17.10.2008, 10:00 UHR HERAUSGEGEBEN

Ist aber nichts Aufregendes. Die aktualisierte Fassung ist parallel online.

Bilder vom ersten Wahltag

Ein Fotograf im Wahllokal, das sollte eigentlich nicht gehen. Ist mir aber erst danach aufgefallen, als ich gemerkt habe, wie, hm, wenig gründlich manche Schüler ihren Wahlzettel gefaltet haben.

(Weitere Pressemanipulation: Die Tafel habe ich noch rechtzeitig vor dem Fotographieren von dem üblichen anatomisch korrekten Zierat befreit. Der Raum ist sonst ein Aufenthaltsraum für Fahrschüler.)

Aber für den Anfang ist das schon in Ordnung so, finde ich.