Abschied von den Abiturienten

Gestern war die Abifeier. Ich war nur kurz dort, da ich keine Buffet-Karte hatte und deshalb nicht groß mit den Schülern plaudern konnte… ich habe den Jahrgang ja auch nicht unterrichtet in den letzten zwei Jahren. Ehrlich gesagt, ich hätte ich mich sicher irgendwie reinschleichen können. Aber, um ein Zitat abzuwandeln, das mir neulich begegnet ist:

I certainly have not the talent which some people possess of conversing easily with those I have never seen before I have not seen for some time (and will not see again for even longer).

Ich bin überhaupt ganz schlecht im Verabschieden. Auch im Kennenlernen. ich bin dann verdruckst und stehe in einer Ecke und nehme die Farbe der Tapete an. (It’s a gift.) Wenn ich dann mal Vertrauen und Mut gefasst habe, haue ich ähnlich auf die Pauke wie in meinem Blog, aber wer mich zum ersten Mal trifft, der muss verwundert sein ob meiner Unauffälligkeit.

Vom aktuellen Abiturientenjahrgang kannte ich nur wenige. Vor allem eine Klasse, die ich in der 7. in Deutsch unterrichtete, in der 8. und 9. in Englisch und in der 11. dann wieder in Deutsch. Immer auf Wunsch. Schulversuchszweig Europäisches Gymnasium, daher eine sehr kleine Klasse. Ein Kollege bezeichnete die Klasse gerne als Rau-Elite-Klasse. Scherzhaft natürlich, ganz scherzhaft. In den letzten zwei Jahren habe ich sie dann aus den Augen verloren, kannte sie nur noch aus Erzählungen, aber zum Abschied wollte ich sie mir eben noch ansehen. Sind schon sehenswerte junge Menschen, denen ich alles Gute wünsche und die ich in ein paar Jahren wiedersehen möchte.

Ich war gerührt, dass ich in der Abizeitung auch einige Male kurz vorkomme. Ich denke immer, ich bin gleich vergessen. Ein Schülerjahr sind ja wie sieben Menschenjahre Erwachsenenjahre, oder so ähnlich.

— Fußnote: Die Schülerzeitung kostet 5 Euro, hat viele gute Ideen und Telefonbuchformat. Jeder Schüler kriegt zwei Seiten, davon eine mit einem Fragebogen. Interessante Fragen: Note des Übertrittszeugnisses, peinlichstes Erlebnis in der der Schullaufbahn und die Lieblingsschullektüre. Beim ersten fühlt man sich manchmal bestätigt und manchmal verwundert; die anderen beiden sind als Evaluation tatsächlich praktisch. Das könnte es jährlich geben. Einige haben als Lieblingsschullektüre tatsächlich Salingers „Der Fänger im Roggen“ angegeben. Das hat eben jene Klasse in der 7. Klasse in Deutsch gelesen. Und ich erinnere mich natürlich, das ging gut. Ich halte das Buch immer noch für ein Meisterwerk. Man kann es als Erwachsener lesen oder als Schüler, aber dann auf Deutsch und viele Jahre vor dem etablierten Lesezeitpunkt. In der 11. oder 10. Klasse ist das zu spät. —

Mit dem Abitur verlässt uns auch unsere nichtoffizielle Schulbloggerin. Nicht das einzige Blog aus unserer Schüler, aber das aktivste. Im letzten Jahr hat es immer mehr Leser unter den Lehrern gefunden. Nach und nach erfahren nämlich immer mehr, dass es so etwas wie Blogs überhaupt gibt, und dass eines aus unserer Schule kommt. Mir fallen mindestens sechs Lehrer ein, die regelmäßig mitlesen, und weitere bekommen das erzählt. „Wo steht denn das?“, heißt es im Lehrerzimmer immer wieder mal, und die Antwort wandelt sich langsam von: „Im Internet. Bei Nina im Blog“ (vom Bekannten zum Unbekannten) zu: „Bei Nina im Blog“, mit dem Nachsatz „Im Internet“ erst, wenn die erste Antwort unverstanden bleibt.

Wie sehr ich dieses Blog vermissen werde, fällt mir erst jetzt langsam auf. Ich behaupte: Es tut einer Schule gut, wenn ein analytischer, sprachlich geschickter Schüler (oder eben eine Schülerin) mit Fingerspitzengefühl aus dem Schulleben bloggt. Das ist ein Rückmeldungskanal, wie es ihn sonst nicht gibt – Schülerzeitung erscheinen seltener und sind weniger aktuell. Öffentlich die Meinung zu sagen und sich Kommentaren auszusetzen ist etwas, das Schüler sonst nicht tun, das geschieht sonst unter der Hand oder in abgeschlossenen Foren, oder in Form der Abizeitung, die allerdings eben keine Diskursmöglichkeit bietet und nicht mitten im laufenden Betrieb steht.

Das Gefangenenparadoxon (Abistreich-Version)

Nein, nicht das Gefangenendilemma, sondern das Gefangenenparadoxon bzw. das der unerwarteten Hinrichtung: Ein Gefangener soll hingerichtet werden, und zwar spätestens am Sonntag in einer Woche. Aber, so sagt ihm der Gefängnisdirektor, er werde nicht wissen, welcher Tag es sei.

Aha, denkt sich der Gefangene, dann kann es schon mal nicht am Sonntag sein. Denn wenn der gekommen ist, weiß der Gefangene ja, dass er an diesem Tag sterben wird. Der Tag scheidet also aus. Damit fällt auch der Samstag davor flach: Wenn der gekommen ist, weiß der Gefangene, dass es sein Todestag sein wird – denn der Sonntag kann es ja nicht sein. Also kann es auch nicht der Samstag sein. Bleiben noch Montag bis Freitag. Aber auch der Freitag kann es nicht sein, denn da das Wochenende ausscheidet, ist Freitag der letztmögliche Termin für die Hinrichtung. Also weiß der Gefangene am Freitagmorgen, dass er an diesem Tag sterben wird – was aber nicht sein kann, da ihm ja vesprochen wurde, er würde den Tag nicht wissen. Also kann er auch nicht am Freitag hingerichtet werden.

Und mit der gleichen Begründung scheiden auch die anderen Tage aus. Also legt sich der Gefangene bequem auf seine Pritsche und fällt aus allen Wolken, als sie ihn am Mittwoch zur Hinrichtung führen.

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Am Freitag ist Abitur-Abschlussball. Da kann der Abistreich also nicht sein… bleiben noch Donnerstag und Mittwoch…

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Wenn es regnet, erwarte ich Sackhüpfen in der Aula oder etwas ähnlich Erbärmliches. Besserer Vorschlag: Man bestuhlt die Aula für etwa sechs Klassen, sucht sich dann Klassen aus, auf deren Vertretungs-Stundenplan dann als Raum-Vertretung „Aula“ steht. Und die sechs Lehrer müssen dann versuchen, ihren regulären Unterricht parallel mit den anderen in der Aula abzuhalten. Andere Schüler dürfen von der Galerie aus zusehen. Zwei Durchgänge sollten zu machen sein.

Abituraufgaben LK Deutsch 2009

Das Web 2.0 hat das bayrische Abitur erreicht, auch wenn der Goethe vorne dran etwas konstruiert ist:

„Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein!“
(Johann Wolfgang von Goethe, Faust I, Osterspaziergang)

Privatheit und Öffentlichkeit galten lange Zeit als klar voneinander zu unterscheidende Bereiche. Zeigen Sie, ausgehend von einer präzisen Begriffsklärung und unter Berücksichtigung eigener Erfahrungen, inwiefern sich das Verhältnis von Privatheit und Öffentlichkeit in einer von den neuen Medien geprägten Gesellschaft ändert und diskutieren Sie, welche Folgen sich daraus ergeben!

Wer sich damit schon mal befasst hat, für den müsste das ein tolles Thema sein. Für mich wäre es das, anders als manche der anderen Aufgaben.

Alle Aufgaben:

  1. Gedichtvergleich zweier moderner Gedichte von Durs Grünbein, dazu: Darstellung von „Macht in einem literarischen Werk einer anderen Epoche“. Woyzeck, Ödipus, Dreigroschenoper, auch Faust, da findet sich immer etwas.
  2. Dramatischer Text aus dem Expressionismus, dazu: „Zusammenbruch einer bestehenden Ordnung in einem anderen dramatischen Werk“. Ödipus? Woyzeck? Vielleicht mal Räuber in der 11. Klasse?
  3. Epischer Text aus dem 18. Jahrhundert. Aus Anton Reiser. Lang. Dazu Vergleichstext. Dazu „[Möglichkeiten der Leserlenkung] anhand zweier Erzähltexte aus verschiedenen Epochen“. Umfangreich.
  4. Literarische Erörterung der Frage, warum die deutsche Literatur so langweilig ist. (Umformulierung des Themas von mir. Aufgehängt an Erich Kästner: „Die deutsche Literatur ist einäugig. Das lachende Auge fehlt.“)
  5. Erörterung zu privat/öffentlich, siehe oben.
  6. Sachtextanalyse dieses Artikels von Bodo Kirchhoff (leicht gekürzt) und eine Erörterung zu den Rahmenbedingungen der Literaturproduktion. Letztlich geht es um die Frage, wie und warum Schriftsteller von ihrem Beruf leben können sollen. Geht mir auch privat im Kopf herum, habe noch keine abgeschlossene Meinung dazu.

Insgesamt: Leider gar kein 19. Jahrhundert. Lauter sehr unvertraute Texte. Mehr schreibe ich erst einmal nicht, ich bin Zweitkorrektor des aktuellen Leistungskurses, da will ich keine Hoffnungen wecken oder Ängste fördern.

Werben für den Abistreich? Oder dagegen?

Ich sage es nicht gerne, aber die Abistreiche der letzten Jahre – eigentlich fast jeder, den ich an dieser Schule erlebt habe – waren lieblos und schlecht organisiert. Die Gastgeber haben sich jeweils mehr oder weniger amüsiert, der Rest nicht. Die meisten Jahrgänge lassen verlauten, dass es bei Ihnen ganz anders sein würde, aber irgendwie kommt es nie dazu. Es scheinen da eherne Gesetze zu gelten. Die Schüler einigen sich stets auf: Machen wir es diesmal doch noch so wie die letzten Jahre, weil im Prinzip ja richtig, aber anders als sonst machen wir es diesmal wirklich gut und sauber organisiert. Und zur Überraschung aller…

Ich überlege gerade, dieses Jahr rechtzeitig eine Reihe von Buttons zu machen. In drei verschiedenen Farben, jeweils mit einer Aufschrift, die signalisiert: „Abistreich: Mache ich eh nie mit“, „Abistreich: Selbstverständlich“ und „Abistreich: Bitte mal besser.“ Kartons davon würde ich ins Lehrerzimmer stellen, und jeder Lehrer, dem das nicht zu blöd ist, würde sich einen Button aussuchen und eine Zeit lang tragen. Als Aufforderung an die oder Bestätigung der Schüler.

Offene Fragen dabei:

1. Würden mehr als zehn Lehrer mitmachen?
2. Welche Formulierung sollten die Buttons haben – vor allem der zentrale mit dem Wunsch nach nicht dem Ewiggleichen?

Und vor allem:

3. Will ich eine Kommunikation über Buttons? Laufen dann Schüler herum mit dem Button „Hausaufgaben – nein danke“? Ist es unhöflich, mit Buttons zu kommunizieren, wo es doch andere Kanäle gibt? Gibt es die?

Die Schüler setzen mir ja auch ihre T-Shirts vor die Nase. (Lehrer-T-Shirts haben sich noch nicht so durchgesetzt, gibt’s natürlich auch.)

Testerei

VERA 8

Im März finden Vergleichsarbeiten in der 8. Klasse in Deutsch, Englisch und Mathematik statt: VERA 8. Fast alle Bundesländer beteiligen sich daran. Die Tests werden vom IQB in Berlin (an der Humbolt-Universität) erstellt; auf deren Seite dazu gibt es erste Beispielaufgaben. Die Tests orientieren sich an den von der KMK beschlossenen Bildungsstandards. Deswegen dürfen die Tests zumindest in Bayern nicht benotet werden: Da die gleichen Aufgaben für verschiedene Bundesländer genommen werden, kann man nicht garantieren, dass zu diesem Zeitpunkt jeweils schon alles im Lehrplan vorkam. (Schleswig-Holstein geht den interessanten Weg, dass wegen des erhöhten Arbeitsaufwands VERA 8 eine Schulaufgabe ersetzt – das heißt, der Test wird auch nicht benotet, aber dafür gibt’s eine Schulaufgabe weniger.)

Für Bayern gibt es bei der QA eine Informationsseite. Noch steht da nicht viel, aber das wird sich hoffentlich mal ändern.

Ich erwähne das deshalb, weil ich in einem Arbeitskreis sitze, der in gewissem Umfang zur Vermittlung von VERA 8 in Bayern beitragen soll. Meine dadurch entstandene kognitive Dissonanz ist erfolgreich reduziert, so dass ich jetzt den Tests viel Gutes abgewinnen kann – neben einigen Punkten, die mich noch nicht überzeugen. Wir sammeln gerade Material für ein FAQ, ich würde mich also freuen, wenn ich jetzt schon Fragen dazu kriegen würde. Antworten kann ich aber nur insoweit geben, als es öffentlich zugängliches Material im Web betrifft, ich bin schließlich nicht der Sprecher des Arbeitskreises.

Das IQB ist das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen, länderfinanziert, in Berlin. Das ISB ist eine dem bayerischen Kultusministerium nachgeordnete Behörde, sozusagen dessen pädagogischer Arm. Entscheidungen werden allerdings von den Politikern getroffen. Die QA (Qualitätsagentur) in Bayern ist so etwas ähnliches wie das IQB auf Landesebene.

Jahrgangsstufentest Englisch

Vor gut zwei Wochen sind die diesjährigen Jahrgangsstufentests in Bayern geschrieben worden. Englisch interessiert mich dabei besonders, weil ich an der Entwicklung beteiligt war. (ISB-Seite zu Englisch, mit Material und Informationen zu den Tests.)

Über den Zehntklasstest habe ich nicht viel gehört im Lehrerzimmer: der Leseverstehensteil sei zu leicht gewesen, das Hörverstehen angemessen, gut die Übung im sprachpraktischen Teil, bei der man kurze Passagen den korrekten Stellen im Text zuordnen musste.

Über den Sechstklasstest hieß es: Grammatik viel, viel zu leicht („im Vergleich zum letzten Jahr“); beim Hörverstehen beklagte ein Kollege, dass eine Multiple-Choice-Antwort mehrdeutig sei; die Mediation erfordere zu hohen Korrekturaufwand und sei zu schwer zu korrigieren. Außerdem störten die Zwischenüberschriften, die den Schülertext strukturieren sollten. Kernproblem: Die Leistungen zweier Schüler seien schwer zu vergleichen, wenn der eine versucht hat, eine Information mitzuteilen, dabei aber viele Fehler gemacht hat; der andere sich auf weniger Informationen beschränkt, dafür auch weniger Fehler hat.

Lösungsvorschläge: Schwerere Grammatik, und Grammatik mehr gewichten. Mediation kürzer mit eindeutigeren Vorgaben, was da sein muss und was weggelassen werden darf. Oder einfach strengerer Punkteschritt. (Allerdings sieht jede Veränderung dort gleich nach Manipulation hinsichtlich gewünschter Ergebnisse aus.)

Wie gesagt, das sind nur die Meinungen aus dem Lehrerzimmer meiner Schule. Bei der zuständigen Fachrefrentin am ISB werden sicher mehr Rückmeldungen eingehen. Sobald die Daten zu den einzelnen Aufgaben eingehen, macht irgendjemand eine Auswertung, welche Aufgabe bayernweit zu wieviel Prozent gelöst wurde; diese Rückmeldung geht dann ins Web und an die Schulen, auf dass die Fachlehrer sich Gedanken über ungewöhnliche Abweichungen machen.

Doppelter Abiturjahrgang 2011

Bei den aktuellen 11. Klassen des G9 wird die 13. Jahrgangsstufe noch kürzer ausfallen als üblich, da das Abitur zwei Monate früher, nämlich im März und April 2011 stattfindet – damit die aktuellen 10. Klassen des G8 im Mai und Juni das ihre schreiben können. (Über die Mehrbelastung vor allem der Deutschlehrer sollten sich Kultusministerium und Schulleiter eigentlich schon mal Gedanken machen.) Musteraufgaben fürs G8 gibt’s hier, neu ist die Liste der Kürzungen fürs G9:

Englisch
Folgende bereits in den Jahrgangsstufen 10 bzw. 11 angesprochene Themenkomplexe werden nicht Schwerpunkt der Abiturprüfung 2011, Grundwissen aus den vorhergehenden Jahrgangsstufen ist jedoch erforderlich.
Grundkurs
Jahrgangsstufe 12: Beziehungen zwischen dem UK bzw. den USA und Europa
Jahrgangsstufe 13: Natur und Umwelt
Leistungskurs
Jahrgangsstufe 13: Erziehung; ein weiteres wichtiges Land der englischsprachigen Welt

Im Fach Deutsch sieht die Liste wesentlich länger aus, aber die Realität der Lehrplanumsetzung ist ohnehin eine andere.

Erste Woche

Erste Schulwoche. Ich probiere gerade mein zweites Notenverwaltungsprogramm auf dem PDA aus, das ideale habe ich noch nicht gefunden. Mit dem aktuellen kann ich zusammen mit den Noten auch Portraitfotos meiner Schüler anzeigen lassen. Das ist lustig, macht aber wohl zuviel Arbeit, wenn man sieben oder mehr neue Klassen kriegt wie ich letztes Jahr. Dafür gibt es keinen Zufallsgenerator mehr – der hat die Schüler am alten Programm enorm beindruckt. Aber da konnte man Noten nicht mit einem anderen Datum versehen als dem Eintragsdatum in den Palm. Nicht gut. Abr dafür konnte ich am PDA neue Schüler eingeben, jetzt geht das nur am synchronisierenden Rechner

Apropos Fotos. Bei uns hängen Fotos aller Lehrer mit Name und Fach an einer Wand, zum Kennenlernen der neuen, und für die neuen Kollegen. Ich verbringe also die erste Schulwoche damit, Leuten hinterherzujagen und sie zu knipsen. Seit ein paar Jahren mache ich keine Lehrerfotos auf Magnetfolie mehr (zuviel Arbeit, zuviel Verblassen, sondern drucke jeweils neu auf drei oder vier A4-Blätter alle Lehrerportaits. Name und Fach schreibe ich mit Picasa in das Caption-Tag, und mit Irfanview drucke ich dann die Bilder aus, den Caption-Tag jeweils darunter. Drei Blätter nebeneinander sehen dann so aus:

Ich hätte das Bild gerne größer gepostet, aber selbst bei dieser Auflösung erkennt man noch zuviele Gesichter, zumindest wenn man weiß, wer an der Schule ist. Dabei sind das gerade mal 11×16 Bildpunkte pro Portrait. (Wenn man das vergrößert, erkennt man übrigens gar nichts mehr.)

Ich bin bei den Lokalisten, seit mich ein Freund dorthin eingeladen hat. Nicht aktiv, aber ich habe ein Benutzerkonto und benutze es, um in Kontakt zu bleiben. Gleich zwei meiner Schüler haben mich in den letzten Tagen darauf angesprochen. Einer bemängelte die LARP-Kostümierung eines meiner Kontakte, ein anderer (aus der Kollegstufe) gab gleich zu, nach allen seinen neuen Lehrern im Netz gesucht zu haben, um sich ein bisschen zu informieren. Sollte ich mich doch auch noch bei Xing anmelden, um mich richtig professionell zu fühlen?

Die Kontaktbriefe für die einzelnen Fächer sind raus. Zur Erklärung: So um die Sommerferienzeit herum gibt es von den Fachreferenten aus dem ISB Informationen für die Fachlehrer. (Das ISB ist quasi der pädagogische Arm des Kultusministeriums, eine ihm nachgeordnete Behörde. Dort werden Jahrgangsstufentests und Lehrpläne und Handreichungen erstellt.) Diesmal ging es vor allem um das Abitur im G8, die Musteraufgaben für Deutsch und Englisch habe ich mir angeschaut. Die werden wohl in den nächsten Fachsitzungen an den Schulen diskutiert werden.

Englisch kann man weiterhin als mündliches Fach wählen, aber das schriftliche sieht jetzt deutlich anders aus: Vor dem zentralen Termin wird an der Schule in Partner- oder Gruppenprüfung die Sprechfähigkeit bewertet. Viel Aufwand. Am gemeinsamen Termin gibt es dann zuerst einen Hörverstehensteil, danach wählen die Schüler wie gehabt einen – jetzt allerdings kürzeren – fiktionalen oder nichtfiktionalen Text und beantworten die Fragen dazu, und zuletzt gibt es eine Mediation/Sprachmittlung. (Für eine Übergangszeit soll alternativ eine traditionelle Übersetzung angeboten werden. Wir korrigieren gerne).
Hörverstehen: Gute Idee, aber die Beispielaufgabe müsste verbessert werden. Ich habe den Text noch gar nicht angehört, aber schon mal alle Ankreuzaufgaben mit meinem Weltwissen zu 90% richtig gelöst. Das kann nicht gut sein. (Es gibt allerdings auch short answers, also nicht nur Ankreuzaufgaben, gegen die ich ansonsten überhaupt nichts habe.)
Mediation: Ich mag sie. Die Musteraufgabe hat es aber in sich. Auf einen längeren zu verstehenden Artikel folgt die Anweisung:

The article above was written by the Westphalian Secretary of Immigration, Armin Laschet.
As a personal aide to the minister, it is your task to prepare a statement in English which summarises his key arguments for a panel discussion at the German Embassy in London. The participants in this discussion have been provided with four questions in advance. These questions are designed as guidelines for their statement and they are given here in German.
[…]
Prepare the Minister’s statement in English that reflects what he wrote in his article. The statement should focus on the four questions which have to be answered by him during the panel discussion in London.

Ich sehe im Moment noch keine Schüler, die diese Aufgabe wählen würden. Ist aber trotzdem sinnvoller als Übersetzung. Muss man halt vorher mal gemacht haben.

In Deutsch scheint der Referent einerseits erfreut zu sein, dass so viele Schulen einen Aufsatz durch eine Grammatikprüfung ersetzen, klingt aber andererseits doch besorgt, dass das Aufsatzschreiben zu kurz kommt. Die Schüler sollen am besten, und das ist schon richtig so, auch außerhalb der Schulaufgaben möglichst viel schreiben, schreiben, schreiben. Nur: wer soll das alles lesen, lesen, lesen?
Bei den Abituraufgaben wird es weiterhin jeweils Interpretationen zu Epik, Lyrik, Drama geben, und dazu noch zwei neuere Formen: Zum Beispiel eine Sachtextanalyse gefolgt von einer Rede oder einem Kommentar (zu schreiben, nicht zu analysieren). Im Vordergrund stehen nicht mehr Aufsatzarten, sondern Kompetenzen, die in verschiedener Form schriftlich geprüft werden sollen. Das finde ich erst mal gut. Auch in der Mittelstufe darf und soll man sich von den traditionellen Formen lösen.

Wie die Deutschlehrer das alles korrigieren sollen, bleibt offen.

Dem Fach Deutsch kommt daher eine noch viel bedeutendere Schlüsselstellung als bisher am Gymnasium zu. Diese besondere Rolle des Fachs muss an den Schulen verdeutlicht werden, auch im Hinblick auf die Zuweisung von Ressourcen.

Das Geld für das Rednerpult wurde uns jedenfalls gestrichen. Soviel zum Stellenwert. Hauptsache, die naturwissenschaftlichen Fächer haben genug Videokameras.

(Alle Abitur-Musteraufgaben unter http://www.isb.bayern.de/, und dann durchklicken. Nachtrag: direkter Link. Leider gibt es keinen Feed für neues Material dort, manchmal sind da nämlich durchaus gute Sachen dabei.)

Abiturfeier 2008

Die Rede der Schulleitung war gut, die des Kollegstufenbetreuers war sehr gut. Zentrale Sätze, an die ich mich erinnere: Wenn euch alle erzählen, der Ernst des Lebens beginnt jetzt, dann ist das nicht wörtlich zu nehmen. Verantwortung für sich und andere zu übernehmen, das macht nämlich auch Spaß.

Der Vertreter des Elternbeirats wies die Schüler darauf hin, dass es an der Uni und im Beruf darum ginge, zu den Besten zu gehören. Irgendwie schon. Allerdings gehört nur ein Teil unserer Abiturienten zu den Besten, ein Teil wird Mittelfeld sein, ein Teil im unteren Drittel. Sollen wir denen auf den Weg mitgeben, dass sie halt Pech haben? Ich möchte nicht nur in einer Gesellschaft leben, in der es auch denen gut geht, die nicht zu den Besten gehören; ich kann mir auch keine stabile Gesellschaft vorstellen, in der es anders ist.

Insgesamt dauerte das Programm gut 4 1/2 Stunden, was für unsere Abifeiern sehr kurz und zügig ist. (Man vergleiche allerdings: die letzte Oscar-Verleihung dauerte 3 Stunden 21 Minuten.) Danach Buffett und Beisammensein.
An manchen Schulen finden der offizielle Teil – die Übergabe der Zeugnisse – und der inoffizielle – Verabschiedung der LK-Lehrer – getrennt statt, das eine am Vormittag, das andere am Abend. Das geht bei uns schon mal nicht, weil zumindest das alte Schulgebäude keinen wirklich angemessenen Raum dafür hat.

Jeder LK verabschiedete sich mit einem Videofilm. Sehr professionell gemacht, überhaupt die ganze Technik. Sind das nur eine Handvoll Schüler, oder zeigen da plötzlich viele ein Potential und einen Einsatz, den wir im Schullalltag nie zu sehen kriegen? Im Anzug oder Kleid sehen die meisten Schüler und Schülerinnen ohnehin viel erwachsener aus.

Ich bin nicht gut im Verabschieden. Die Schüler sind dann plötzlich so erwachsen und beschäftigt und ich will nicht stören. Außerdem habe ich sie dann schon viele Wochen nicht mehr gesehen.

Ich habe mich auch mit zwei externen Teilnehmern unterhalten, bei denen ich mitgeprüft habe. Der eine war zum zweiten Mal durchgefallen, hatte keine Lust auf Schule und Kollegstufe, und machte dann sein Abitur eben extern. Ich weiß nicht, wie gut es war, und auch nicht, wie er sich vorbereitet hat. (Es gibt Institute, die sich darauf spezialisieren; die kosten unterschiedlich viel Geld und sind unterschiedlich gut.) Die zwei verlorenen Jahre hat er so wieder hereingeholt. Ich kann das sicher nicht jedem empfehlen, aber es scheint zu gehen. Leicht ist es nicht: vier schriftliche und vier mündliche Prüfungen, also acht Fächer, über den Stoff der 12. und 13. Klasse.

Die besten Schüler und diejenigen, die sich auf verschiedene Art um die Schule verdient gemacht hatten, und das waren beides viele, kriegten Buchpreise. Mein Tipp: Passig/Scholz, Lexikon des Unwissens. Gebunden, ein Sachbuch, weist Schüler einmal auf ihre Grenzen, aber noch mehr auf die vielen Möglichkeiten hin, die ihnen offen stehen. (Zu meiner Schulzeit gab es vorne noch eine kalligraphische Widmung mit Unterschrift des Schulleiters. Ich muss mal fragen, wie das jetzt ausschaut.)

Abistreich 2008

Heute war wieder Abistreich. „Der wird anders als in den letzten Jahren“, habe ich Schüler vorher sagen hören. Nu. Ich wartete eher skeptisch in der vierten Stunde mit meiner Klasse darauf, dass es endlich losging. Wir begannen gar nicht erst mit dem Unterricht, und das war vielleicht schade.

Denn es fing ganz gut an. Wir wurden nicht alle mit vorgehaltenen Wasserpistolen auf den Sportplatz geschickt. Stattdessen kam eine launige Durchsage. Dann erst mal nichts. Vermutlich sollte dann der Unterricht weiterlaufen, damit der einige Minuten später von der nächsten Durchsage unterbrochen wurde. Aber natürlich lief da gar kein Unterricht. (Vielleicht hätte die erste Durchsage lauten sollen: „Fangen Sie ruhig schon mal an mit Unterricht, der Abistreich dauert noch etwas.“ Dann hätte man vielleicht wirklich etwas unterbrechen können.)

Die Durchsagen selber waren gemischt. Ein paar launige Scherze. Ein paar Insider-Witze, die in manchen Klassen Schulterzucken auslösen. Aber ein paar gingen in die richtige Richtung. Herr X solle jetzt mal allen Schülern etwas Nettes sagen. Herr Z solle vor dem Schulgebäude Kippen aufsammeln. Mehr davon! Mit meiner Klasse haben wir nach neuen Ideen gesucht. „Herr Rau möge mal alle elektrischen Geräte, die er dabei hat, auf sein Pult legen.“ Oder: „Jeder Lehrer erzählt jetzt mal seiner Klasse seinen Lieblingswitz.“ So eine Art Simon Says über die Schulsprechanlage.

Danach kamen eine Handvoll Abiturienten in die Klassen. Die, die zu mir kamen, kannte ich nicht, sie stellten sich nicht vor, wir warteten, dass irgend etwas passiert. Vermutlich dachten die, dass da noch irgendwo Unterricht läuft. Dann gingen sie wieder. Nicht ganz durchdacht.

Dann kam ein Abiturient, um mit uns das Alle-die-wo-Spiel zu spielen. Neunte Klasse, ein bisschen spät dafür, aber alle machten mit. Das Alle-die-wo-Spiel kennen die meisten Schüler von Klassensprechertagen und ähnlichen Veranstaltungen: Man sitzt im Stuhlkreis, ein Stuhl weniger als Schüler, ein Schüler steht in der Mitte. Der sagt dann: „Alle, die wo…. “ zum Beispiel: „Jeans anhaben.“ Und dann stehen alle, die wo Jeans anhaben, auf und wechseln schnell den Sitzplatz. Währenddessen versucht auch der in der Mitte einen Platz zu ergattern, bis am Schluss ein anderer in der Mitte steht – und die nächste Frage stellt.

Der Witz am Spiel ist natürlich auch der, interessante Fragen zu stellen. Wer am morgen nicht geduscht hat. Wer schon mal geschummelt hat. Wer schon mal… nur der gute Geschmack setzt hier Grenzen. (Beliebte Metafrage: Alle die wo beim Alle-die-wo-Spielen heute schon mal geschwindelt haben.) Man stellt und beantwortet da manchmal auch Fragen, die man sonst umgehen würde. Beispiele aus der Klasse will ich nicht bringen, aber ich weiß jetzt mehr über meine Schüler, als ich eigentlich wissen will.

So oder so zog sich das Spiel hin, und keiner wusste, was Weiteres geplant war. Irgendwann kam dann auch eine Durchsage, dass jetzt alle in den Pausenhof kommen sollen. Zu diesem Zeitpunkt verschwanden die ersten Schülergruppen nach Hause, viele gingen aber auch in den Hof, und die humorvoll-fröhlich-dynamischen Lehrer gingen mit, um dort an üblichen Spielchen teilzunehmen und wasserpistolenbewerten Schülern auszuweichen. Ich blieb mit den anderen Grantlern im Lehrerzimmer, Kaffee trinken.

Fazit: Gute Ansätze. Und immerhin wurde die Kette der Jahr für Jahr gleichen Abistreiche unterbrochen. Vielleicht baut der folgende Jahrgang darauf auf.

Abitur 2008

Das Motto dieses Jahr: Germany’s Next Top Student – graphisch und inhaltlich um Längen besser als die Mottos der letzten Jahres. Da steckt immerhin ein Ziel dahinter, und sei es auch tongue-in-cheek.

Auch die Graffiti ist dieses Jahr witziger als letztes Jahr:

Abiturmutmacherbildchen

Mit freundlicher Erlaubnis der Kollegin: Die hat im Moment nicht nur Englisch-Abiturienten, sondern auch Sechstklässler in Englisch. Und diese Sechstklässler haben für die großen Schüler bunte Glückwunschkärtchen gebastelt, die die Lehrerin den Abiturienten auf die Plätze gelegt hat: