Grammatik 3

Schwierig ist das Präpositionalobjekt. Es beginnt mit einer Präposition (auf, in, nach…), aber das gilt auch für viele Adverbialien. Anders als diese ist das Präpositionalobjekt aber in der Valenz des Verbes festgeschrieben – in Schulgrammatik-Sprache: “man kann es nicht weglassen”. Außerdem, und das ist vielleicht wichtiger, wird die Präposition des Präpositionalobjekts bereits durch das Verb mehr oder weniger bestimmt, während das Verb keinerlei Einfluss auf die Präposition eines Adverbials hat. Beispiele folgen. 1. Ich warte auf einer Brücke auf meine Freundin. 2. Markus wartet schon sehr lange auf sein Geld. Auf einer Brücke/schon sehr lange sind Adverbialien – Orts- beziehungsweise …

Grammatik 2

Interessante Grammatik-Arten sind die generative (Transformations-)Grammatik (vor allem für Informatiker interessant) und die Valenzgrammatik. Mit letzterer habe ich Anfang des Schuljahres in der 9. Klasse Grammatik wiederholt. Das ist inzwischen zusätzlich interessant, da die Schüler dann den Begriff der Valenz schon aus der Chemie kennen. Alle meine Ausführungen dazu sind übrigens laienhaft. Ich bin auch schon mehr als ein dutzend Jahre aus der Uni raus. Zentral für den Satz ist das Prädikat. Das darin benutzte Verb hat eine bestimmte Valenz – streckt quasi eine bestimmte Anzahl von Händchen nach bestimmten anderen Satzgliedern aus, die es gerne hätte. Für die Schule …

Grammatik 1

Ich mag Grammatik. Für mich gehört sie außerdem aus mindestens drei Gründen ins Gymnasium: Als Dienstleistung für die Fremdsprachen. Der Englischlehrer tut sich viel leichter, wenn die Schüler bereits wissen, was ein Subjekt oder was ein finites Verb ist. (Ersteres wissen sie. Letzteres nicht.) Als Mittel, um bessere Texte erstellen zu können beziehungsweise als Analyseinstrument, um die Wirkung von Texten beschreiben und begründen zu können. Die Wirkung des Anfangs der folgenden Geschichte beruht – neben einem anderen offensichtlichen Merkmal – auch auf dem Satzbau: Wild zuckt der Blitz. In fahlem Lichte steht ein Turm. Der Donner rollt. Ein Reiter kämpft …

Lesbarkeitsindizes

Synchronizität: Lese gerade im BildungsBlog von www.seittest.de. Dort kann man automatisiert Webseiten bewerten lassen. Für www.herr-rau.de/wordpress sieht die Zusammenfassung dann so aus: Inhaltliche Prüfung (50%): gut (Die Inhalte sind sachlich und von guter Qualität.) SPAM-Prüfung (25%): sehr gut (Kaum Werbung und keine Belästigung durch SPAM.) Autorität (25%): ungenügend (Die Seite wird von nur sehr wenigen vorbildlichen Webpseiten [sic] empfohlen.) Nu, wie sinnvoll das ist, darüber mache ich mir nicht viele Gedanken. Immerhin: Inhalte von guter Qualität. Interessanter sind die Details der Auswertung: Sprach-Niveau: sehr hoch Rechtschreibfehler: 0 (0%) Für die wenigen Rechtschreibfehler kriege ich immerhin 3 von 3 Punkten. Am …

Lichtenberg (und Chandler)

Kann es wirklich sein, dass ich hier noch nie Lichtenberg-Zitate gesammelt habe? Georg Christoph Lichtenberg (1742–1799), Naturwissenschaftler und Aphoristiker der Aufklärung. Bekannt ist er für seine Sudelbücher: Notizhefte voller Aphorismen und Ideen, Kritzeleien, Zitate, Listen von interessanten Wörtern. Hier ein paar zur Auswahl (die Angaben in Klammern beziehen sich auf die Sudelhefte, damit ich die Quelle wiederfinde): Die Braut war pockengrübig, und der Bräutigam finnig. Spötter sagten, wenn das Pärchen nur erst zusammengeschmiedet wäre, so gäben ihre Gesichter ein treffliches Waffeleisen. (H87) Einer will sich ersäufen, allein sein großer Hund, der ihm nachgelaufen, apportiert ihn allemal wieder. (H106) Er konnte …

Zeugnisbemerkungen: Bedächtig

M. ist ein freundlicher, gewissenhafter, bedächtiger Schüler… Obacht! Ich glaube, es gibt keine Einigkeit darüber, was “bedächtig” bedeutet. Das taucht bei uns gelegentlich in den Zeugnisbemerkungen auf; ich sehe das Wort durchaus positiv, viele Kollegen auch, manche nicht, und auch manche Eltern sehen es sehr negativ. Für mich heißt bedächtig soviel wie: umsichtig, planvoll, besonnen. “Mit Bedacht” halt. Für andere eher: langsam, träge. Das Ergebnis einer kurzen Überprüfung verschiedener Online-Synonymwörterbücher bestätigt die Mehrdeutigkeit. Ich präsentiere jeweils die vollständige Liste (teilweise gibt es zu manchen Wörter noch weitere Unterpunkte): Eher positiv: beherrscht, mit Überlegung, angemessen, aufmerksam, ausgeglichen, besonnen, gewissenhaft, langsam und …

Place names

Mein Interesse für amerikanische Ortsnamen hat angefangen, soweit ich mich erinnere, mit einem Blogeintrag von Peter David. David, ein bekannter Comic-Autor, trug zumindest damals eine Fehde mit dem ähnlich bekannten John Byrne aus. Lange Geschichte, und vielleicht ist Fehde nicht mal das richtige Wort. Jedenfalls machte man sich im Byrne-Forum über den Namen eines Schauplatzes in einer Serie von Peter David lustig, eine Stadt namens Bete Noire. So heißt doch keine Stadt! David kommentierte das in seinem Blog so: Well, gee. I could have gone for something even more obvious, like Hell, but that’s a real city in Michigan. Or …

Die Pipette

9. Klasse Deutsch, es ging um Sprachvarianten, Jugendsprache, Behördensprache, Fachsprachen. Irgendwie tauchte das Wort “Pipette” auf und ich behauptete, das Wort gehöre zur Fachsprache Chemie (und verwandter Fachbereiche). Die Schüler widersprachen und meinten, nein, das Wort kenne doch eh jeder. Gut. So einfach glauben sollen mir die Schüler solche Behauptungen nicht. Im Zug meiner kürzlich erwachten Begeisterung für Empirie haben sich die Schüler also überlegt, wie man nach dem Modell Mythbusters eine oder beide dieser Thesen überprüfen kann. Die Thesen widersprechen sich eigentlich nicht. Ob ein Wort zu einer Fachsprache gehört, ist schwerer herauszufinden. Immerhin, ein Schülerpaar hat sich an …

Almost everything you didn’t know you didn’t know about language and languages

Limits of Language. Almost everything you didn’t know you didn’t know about language and languages von Mikael Parkvall. London 2006. Für Sprachwissenschaftler zu empfehlen, ich habe schon eine zweite Ausgabe zum Verschenken gebunkert. Dieses Buch begann laut Vorwort als eine Art Guinness-Buch der Rekorde für Sprachen, wurde aber bald ein Sammelsurium von Listen und Statistiken und Anekdoten rund um das Thema Sprache. Es ist angenehm unübersichtlich, dabei weniger niedlich als Schott’s Miszellen, sondern ein massiver 378-Seiten-Steinbruch mit ausgezeichneten weiterführenden Literaturangaben. Das Buch enthält: Einen Hinweis auf Jukka “Dr.” Ammondt, einen finnischen Tangosänger mit PhD, der eine Platte mit Elvis-Versionen in …

Das kleine Schul-Schimpfwort-Abc

Gefunden bei Schulgezeter. Ich selber bin mindestens: Clownfrühstücker, Hundertsassa, Kirschkernschnitzer, Nahversorger, Tafelschänder. Und ich habe auch eine Vorstellung davon, wer der örtliche Schulketzer ist. :-)